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von Homer J. Simpson » Mo 29.10.07 13:34
Die diokletianische Münzreform fand 294 statt.
Schaut mal im RIC VI und in Euren Sammlungen nach: Wieviele Folles aus den ersten Emissionen 294 und 295 habt Ihr? Also bei mir schaut's da zappenduster aus, und ich denke mal, bei vielen von Euch, die sich nicht gerade auf Tetrarchie spezialisiert haben, ähnlich.
Ergo: Die Antoniniane (ja, die richtigen, mit XXI im Abschnitt) liefen noch etliche Jahre mit den anfangs erst spärlich auftauchenden neuen Folles um als deren Teilstücke (ob 1/2 oder 2/5, darüber kann man spekulieren).
Das scheint sich als praktisch bewährt zu haben, da man- neben kleinen, selteneren Emissionen - um 300 dann eine Riesen-Emission Radiati zum Auffüllen der Umlaufmenge herausgab, die in Größe und Machart genau Antoninianen glichen und nur durch das fehlende XXI zu unterscheiden sind. Es hätte keinen Sinn gehabt, Antoniniane durch praktisch genauso aussehende Münzen abzulösen - sie müssen mit diesen gemeinsam und gleichwertig umgelaufen sein. Zumindest im östlichen Reichsteil, da hier in Kyzikos und Heraclea die Hauptmengen geprägt wurden. Im Westen kommen Münzen mit Strahlenkrone von den Münzstätten Rom und Karthago, von anderen Münzstätten wohl nur sehr selten. Erst ab 317 tauchen bei den Söhnen Constantins und Licinius' dann wieder Münzen mit Strahlenkrone auf, neben gleichartigen und gleich großen mit normalem Porträt.
Ich halte also die östlichen Post-Reform-Radiati (wie auch die von Rom und Karthago) für Antoniniani bzw. gleichwertigen Ersatz für diese. Die späteren westlichen Radiati der Konstantinsöhne und des Licinius II. halte ich für Porträtvarianten des damals schon üblichen Kleinfollis. Die östlichen XIIGamma-Prägungen könnten verdeutlichen, daß z.B. durch ein Edikt die neuen kleineren Folles gegenüber den tetrarchischen Großfolles für minderwertig erklärt wurden und nur noch zum Kurs eines alten Antoninians (12 1/2 Zähldenare, gegenüber 25 für den Großfollis) umliefen.
Soweit nur meine kurzen Gedanken zu dieser numismatisch schwierigen Epoche, die sicher noch Stoff für ein paar Dissertationen und Habilitationen bietet.
Viele Grüße,
Homer
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