Hohlpfennig-Reinigung

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Hohlpfennig-Reinigung

Beitragvon Pollio » Fr 30.09.05 12:13

Hallo Gemeinde,

ich habe vor kurzem für billig Geld einen Hohlpfennig aus dem 15. Jahrhundert gekauft, d.h. genauer: einen Blaffert. Er ist im Prinzip gut erhalten (abgesehen von ein paar unwesentlichen Randabbrüchen), aber so verschmutzt und verkrustet, daß er ziemlich unansehnlich wirkt. Ich würde ihn eigentlich gerne etwas reinigen. Weiß jemand, wie man das macht? Bisher habe ich mich nicht drangewagt, weil das gute Stück so zart und zerbrechlich ist. Bin dankbar für jeden Hinweis!

Gruß Pollio
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Beitragvon andi89 » Sa 01.10.05 14:40

Hallo!

Ich fände es ganz nützlich, wenn du vielleicht Bilder von deinem Hohlpfennig einstellen könntest, dann kann man erst beurteilen, ob man überhaupt was machen soll.
Prinzipiell würde ich immer nur mechanisch, also mit Mikroskop und entsprchend feinen Werkzeugen, arbeiten.

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Beitragvon Karsten81 » Mo 03.10.05 14:25

Hallo!

Gerade bei Braktaeten, also auch bei deinem Blaffert, wäre ich sehr vorsichtig, was mechanische Reinigung angeht. Du sagst ja selber, dass er Rand schon stellenweise brüchig ist. Ich würde eher versuchen, die Münze auf chemischem Wege zu reinigen, auch wenn dabei die Patina entfernt wird. Die Münze sieht dann bestimmt besser aus als jetzt und anlaufen wird sie sowieso wieder. Die Oberfläche hätte dann jedenfalls eine gleichmäßige Färbung.

Was für einen Blaffert hast du überhaupt gekauft, aus Norddeutschland doch sicherlich. Mach doch mal ein Foto, wenn du kannst, und stell es hier ein.

Gruß Karsten
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Beitragvon Marc » Mo 03.10.05 15:41

Ach ich würde sie chemisch reinigen. Bei Silber ist die Patina nicht so wichtig, da sie nach ein par Jahrzehnten eh wieder kommt. Aber einmal zu fest aufgedrückt und es bleibt

Gruß Marc
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Beitragvon Pollio » Fr 21.10.05 16:10

Hallo,

tur mir leid, daß ich so lange nicht reagiert habe. Ich hatte erst kein Photo zur Hand, und dann zu viel Arbeit am Hals.

Vielen Dank für Eure Tipps! Mechanisch möchte ich an das gute Stück wirklich nicht herangehen; bei chemischen Sachen bin ich mir vorläufig noch zu unsicher.

Hier jedenfalls das Photo; es handelt sich um einen Lüneburger Blaffert aus dem 15. oder vielleicht frühen 16. Jahrhundert.

Gruß Pollio
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Beitragvon Pollio » Fr 21.10.05 16:16

PS: Ich probiere es noch einmal. Vielleicht klappt es mit dem Photo ja diesmal.

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Beitragvon leodux » Mo 31.10.05 02:48

Hallo Pollio,
ich würde den Blaffert so lassen wie er ist.
Das sieht nicht nach Schmutz aus, sondern nach Patina und die würde ich nicht entfernen. Das Aussehen entspricht dem Alter, denn nach 500 Jahren glänzt Silber einfach nicht mehr. Eine glänzende Oberfläche wäre hier deshalb unnatürlich und eher wertmindernd.
Münzen dieses Alters würde ich nur reinigen, wenn
a) dicke Krusten das Münzbild verdecken
b) sich grünspanartige Beläge auf der Oberfläche befinden
c) eine unschöne fleckige Verfärbung die Münze verunstaltet
Das alles trifft bei Deiner Münze nicht zu und deshalb sollte man sie am besten in dem jetzigen Zustand belassen.

Grüße

leodux
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Beitragvon Pollio » Mo 31.10.05 11:10

Hallo Leodux,

Du hast sicher recht. Ich habe die Münze bisher nicht angefaßt und werde das auch weiterhin nicht tun. Das ist mein erster Blaffert; ich war nur etwas verwundert, weil die Hohlpfennige, die ich habe, durchweg weniger Patina aufweisen.

Danke für den Rat und Grüße,
Pollio
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Beitragvon leodux » Di 01.11.05 01:53

Hallo Pollio,
freut mich, daß Deinem Blaffert (Blaffert = 2 Pfennig) die Hochglanzpolitur erspart bleibt und er seinen Charakter behalten darf.
Bei Jesse "Der Wendische Münzverein" ist Deine Münze übrigens Abbildung Nr.288 und als Prägezeit wird für diesen Münztyp Ende des 15. Jahrhunderts angegeben. Möglicherweise geprägt in der Zeit nach dem Rezess von 1492.
Aus dem Jahr 1494 soll es z.B. eine Rechnung geben, nach der die Stadt Lüneburg ein "blaffert-iseren und ein penningk-iseren" (einen Blaffert-Prägestempel und einen Pfennig-Prägestempel) herstellen ließ.

Grüße

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Beitragvon Pollio » Di 01.11.05 11:29

Hallo Leodux,

vielen Dank für die Informationen! Jesse 1928 wollte ich auch noch nachschlagen, aber ich komme nur alle paar Wochen einmal dazu, in die Bibliothek zu gehen.

Zum Wendischen Münzverein gibt es übrigens einiges an jüngerer Literatur, in der Jesses Zuordungen z.T. korrigiert werden. Ich finde, ein guter Überblick ist Gerald Stefke (2002): Der "Wendische Münzverein" als spätmittelalterliche Währungsunion und andere norddeutsche Münzkonventionen des 13./14.-16. Jahrhunderts, in: Rainer Cunz, Hrsg., Währungsunionen: Beiträge zur Geschichte überregionaler Münz- und Geldpolitik, Hamburg (Museum für Hamburgische Geschichte), S. 145-195. Darin ist auch viel weitere Literatur angegeben (großenteils von Stefke), von der ich das meiste noch nicht kenne. Eine handlichere Übersicht über die Stempelvarianten als die von Jesse 1928 habe ich bisher allerdings nicht gefunden, und auch keine so umfangreichen Abbildungen (nur für Rostock und Wismar gibt es neuere Spezialarbeiten).

Gruß Pollio
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