Passbild für Münzen - Optisches Verfahren testet Echtheit

Alles über Varianten, Fehlprägungen und Fälschungen

Passbild für Münzen - Optisches Verfahren testet Echtheit

Beitragvon mfr » Mo 15.08.05 23:40

Passbild für Münzen
Optisches Verfahren testet Münzen auf Echtheit

Technik. - Die Vielfalt an Münzen aus aller Herren Länder ist groß, und so wundert es nicht, dass sich dabei Stücke finden, die sich zwar nicht in Größe, Form und Gewicht, wohl aber im Wert unterscheiden und mit denen man manchen Automaten foppen kann. Eine neue Prüfkamera fällt darauf aber nicht herein.

Nicht immer fällt bei einem Automaten auch "der Groschen", wenn er statt eines wertvollen Euros ein viel preiswerteres Stück vorgesetzt bekommt. Denn bislang sprechen die Maschinen lediglich auf den Durchmesser, Gewicht und Legierung an - was auf der Prägung steht, interessiert sie nicht. Mit etwas Glück lassen sich dann den tumben Apparaten mit wertlosen Metall Waren entlocken. Den betrogenen Aufstellern wollen Forscher der Universität Hamburg Harburg bald jedoch eine scharfe Waffe gegen die Gauner verschaffen, erklärt Michael Hoßfeld, Physiker vom Arbeitsbereich Materialien der Elektrotechnik und Optik an der Technischen Universität Hamburg-Harburg:

Diese optische Münzprüfung müssen Sie sich so vorstellen, dass Sie auf der einen Seite eine Kamera haben, die das menschliche Auge simuliert. Diese Kamera nimmt ein Bild der Münze auf, des Prägebildes, und sendet es an einen Rechner, der die charakteristische Struktur der Münze untersucht.

Der Rechner vergleicht dann den suspekten Kandidaten mit den Konterfeis von Münzen aus den EU-Mitgliedstaaten. Nur wenn das Foto des Hartgeldes mit einer Aufnahme aus der Datenbank übereinstimmt, rückt der Automat seine Waren oder Dienstleistungen auch heraus. Lange darf sich der Computer aber nicht mit dem Bildvergleich aufhalten, denn der Kunde soll ja nicht ungeduldig werden. Eine Maßnahme dazu ist, dass die Kamera das Bild schießt, noch während die Münze fällt. Dabei wird das Geldstück von drei verschiedenen Seiten mit drei unterschiedlichen Farben belichtet, die anschließend jeweils einzeln ausgewertet werden. Dadurch erhält die Software einen Eindruck von dem Relief der Prägung, berichtet Hoßfeld:

Es liegt auf der Hand, dass man versuchen könnte, auf ein billiges Stück Blech einfach ein Foto zu kleben, in der Hoffnung, dass der Münzprüfer - von dem man natürlich wissen muss, dass er auch die optische Erscheinung einer Münze testet - diese Fälschung nicht erkennt .

Gar so abwegig ist das nicht, denn schon heute setzen Betrüger auf größtmögliche Effizienz: Sie erfüllen gerade die Mindestanforderungen der Automaten an die Münzmerkmale, etwa mit der passenden Metallzusammensetzung und dem richtigen Durchmesser.

Es gibt Falsifikate, die einfach Metallscheiben sind, die eine sehr geschickte innere Struktur haben, mit dem Ziel, ein Signal in den Münzprüfern zu erzeugen, das einem Euro-Signal entspricht. Es kommt also gar nicht darauf an, wie diese Fälschung aussieht. Sie muss auch keine Prägungen haben.

Bei der Harburger Kamera hätten solche Fälschungen kein Glück mehr und würden durchfallen. Dass aber Fälscher heute relativ leichtes Spiel haben, liegt an der Einführung des Euros. Denn weil jedes Land seine eigenen Euro-Münzen prägt, musste der Spielraum der Automaten für Varianzen etwa für exakte Maße und Zusammensetzung vergrößert werden. Wird ab 2007 dann das optische Erkennungsverfahren eingeführt, lassen sich nicht nur Falschmünzen erkennen, sondern auch die Euros auch blitzschnell nach ihren Herkunftsländern sortieren.

[Quelle: Karsten Schäfer]


Quelle: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/forschak/406696/
mfr
 
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Beitragvon Thiesauger » Fr 19.08.05 01:47

@Muenzenfreund: Sehr interessanter Artikel! Allerdings wird sich dieses Verfahren mit Sicherheit vorerst nicht durchsetzen!

Der Artikel weist eine Menge "Denkfehler" bzw. Ungenauigkeiten auf. Diese möchte ich hier auch mal ansprechen:

Mit etwas Glück lassen sich dann den tumben Apparaten mit wertlosen Metall Waren entlocken.


Das liegt wohl eher daran, dass eben nicht auf magnetische Eigenschaften, die weiter oben im Text angesprochen wurden, getestet wird -> elektronische Münzprüfer lassen sich nämlich nicht so einfach "foppen". Und der Grund, warum es auch Automaten ohne elektronischen Münzprüfer gibt, liegt auch auf der Hand -> der Anschaffungspreis (der bei einer optischen Kamera wohl noch einiges höher sein dürfte - dazu aber später mehr).

Diese optische Münzprüfung müssen Sie sich so vorstellen, dass Sie auf der einen Seite eine Kamera haben, die das menschliche Auge simuliert. Diese Kamera nimmt ein Bild der Münze auf, des Prägebildes, und sendet es an einen Rechner, der die charakteristische Struktur der Münze untersucht.


Theoretisch hört sich das sehr leicht an, aber da gibt es wohl EINIGE Probleme, mit denen sich die "Forscher" an der Universität rumschlagen müssen:

1. Wie sieht es mit der Ausrichtung aus? Wenn ich das Bild einer Münze nach der Wertseite ausrichte (weil diese bei allen Ländern gleich ist) muss ich trotzdem ersteinmal das (viereckige) Bild so drehen, dass ich dieses vernünftig vergleichen kann mit einer "echten Prägung".

2. Wie sieht es mit Toleranzen aus? Was ist, wenn sich das Relief stark verändert - sei es durch Kratzer bzw. Beschädigungen aller Art oder Varianten/Fehlprägungen, die sich eventuell deutlich unterscheiden? Wenn man sich die Wertseiten der Euros einmal genauer anschaut, kann man sogar daran schon sehen, aus welchem Land sie kommen: Mal ist der Randstab breiter, mal die Prägung schwächer. Wie man sieht, ist sowas nur mit einer großen Datenbank bzw. hohem Rechenaufwand realisierbar!
Treten dort große Probleme bei der Erkennung (echter Münzen) auf, dürfte der Kunde am Automat wohl sehr genervt sein - dies passiert ja alleine schon oft OHNE diese "Extraprüfung"!

Der Rechner vergleicht dann den suspekten Kandidaten mit den Konterfeis von Münzen aus den EU-Mitgliedstaaten


Das toppt ja nochmal mein angesprochenes Problem mit der Ausrichtung, wenn man dann auch noch alle Rückseiten der Münzen prüfen will. Das Vergleichen wird dort dann nocheinmal wesentlich rechenintensiver, da Probleme wie die Ausrichtung bzw. Landerkennung deutlich komplexer werden!

Nur wenn das Foto des Hartgeldes mit einer Aufnahme aus der Datenbank übereinstimmt, rückt der Automat seine Waren oder Dienstleistungen auch heraus.


Soviel zur Toleranz...

Lange darf sich der Computer aber nicht mit dem Bildvergleich aufhalten, denn der Kunde soll ja nicht ungeduldig werden.


Dies hatte ich ja bereits angesprochen! Die Frage ist natürlich, wie "ein Vergleich mit der Datenbank" überhaupt durchgeführt werden soll?
Soll jeder Automat einen eigenen Rechner mit "Münzerkennung" beinhalten? (Problem für "Updates" der Datenbank sowie extreme Kosten)!
Soll jeder Automat mit einem "Zentralrechner" (eigene Rechenzentrale kaufen?) verbunden werden?
Die Frage ist dann wie...
1. Per Kabel: Es muss quasi ein extra Netzwerk extra für Automaten erstellt werden. Straßen aufreißen? Kabel durch vorhandene Leitungen legen? -> sehr viel Aufwand und auch Kosten
2. Per Funk: Jeder Automat muss über eine Funkeinrichtung verfügen (in einem Stahlgehäuse, welches wohl sehr stören dürfte). Desweiteren muss diese Verbindung dann auch noch verschlüsselt werden, damit Manipulationen von außen deutlich erschwert werden -> sonst bringt es wohl wenig.

Es liegt auf der Hand, dass man versuchen könnte, auf ein billiges Stück Blech einfach ein Foto zu kleben, in der Hoffnung, dass der Münzprüfer - von dem man natürlich wissen muss, dass er auch die optische Erscheinung einer Münze testet - diese Fälschung nicht erkennt .


Das ist die wohl stupideste Überlegung im ganzen Beitrag, da dies bereits durch bestehende Prüfsysteme "gefiltert" wird (Durchmesser, Gewicht etc.)

Dass aber Fälscher heute relativ leichtes Spiel haben, liegt an der Einführung des Euros.


8O Klar! Andere Währungen wurden nie gefälscht und Automatenbetrug gibt es erst seit dem 1.1.2002 :roll:

Wird ab 2007 dann das optische Erkennungsverfahren eingeführt, lassen sich nicht nur Falschmünzen erkennen, sondern auch die Euros auch blitzschnell nach ihren Herkunftsländern sortieren.


1. Bezweifle ich sehr stark, dass 2007 ein solches System eingeführt wird, da die Reifeprüfung für sowas erstmal dauert und außerdem unter Kostengesichtspunkten dieses Verfahren alleine schon zum scheitern verurteilt ist. Um einmal extrem zu werden: Bringt es das wirklich einen Kaugummiautomat für 1000€ aufzustellen (Kamerasystem, Netzwerk etc.)? Nachher sind diese Automaten dann "Außer Betrieb", weil eine Verbindung zum Server (der die Münzen auf Echtheit prüft) nicht aufgebaut werden kann -> so wie derzeit häufig bei Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn :roll:


2. Sehe ich überhaupt keinen Nutzen darin Euromünzen nach Ihrem Herkunftsland zu sortieren. Höchstens für die Statistik ist dies vielleicht interessant - aber die nutzt auch keinem was!
:lol:

Alles in allem halte ich diesen Artikel für äußerst fragwürdig. Ich weiss zwar nicht, wie hoch der Schaden durch "Metallplättchen" in Automaten ist, aber ich kann mir wirklich nicht vorstellen, das dieser höher ist als die gesamten Umrüstungskosten für ein "Kameraprüfsystem". 8)
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Beitragvon sir0815(-; » Do 22.12.05 12:31

Auf Autobahnen beträgt der Schaden bei Zigarettenautomaten in einigen Jahren weit über 100€. Diese sind aber meines Wissens nicht mit den aktuellen Prüfsystemen ausgestattet. Die optische Prüfung kann nur ein Zusatz sein und wird vermutlich zu noch mehr auswürfen von Echtmünzen führen. Das Fälscher nach Einführung des Euro leichtes Spiel hätten kann ich nicht bestätigen. Es sind trotz des hohen Falschmünzenaufkommens immer noch weniger, als die Gesamtheit der Falschmünzen im jetzigen Eurogebiet vor der Einführung der Gemeinschaftswährung. Das nun auch noch dem Euro in die Schuhe zu schieben ist hochgradig unseriös. Es entbehrt jeder Grundlage. Zwar ist nun ein gewisser Toleranzbereich vorhanden, der ist allerdings National sogar noch kleiner geworden, als vorher und genau hier sollte das optische System ansetzen. Es ist demnach hilfreich wenn das Prägeland bekannt ist un dann die technischen Daten abgeglichen werden.
Ob es sich jedoch finanziell lohnt ein deratiges Prüfsystem aufzustellen muss jeder Automatenbetreiber individuell entscheiden.
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Beitragvon mfr » Do 12.01.06 01:08

In Buxtehude ist der Euro auf Nummer Sicher
Prüfverfahren: An der Technologie arbeitet auch die TUHH mit. Ist die Euromünze echt? Die Geräte der Firma National Rejectors, Inc. GmbH (NRI) erkennen das blitzschnell. Und Geld wechseln können sie auch.
Von Andreas Schmidt

Buxtehude -
Wenn Klaus Wurster über seine Firma spricht, ist ihm der Stolz anzumerken: "Wir sind klein, aber fein", sagt der 57jährige. "Wir sind ein ,hidden champion' - ein versteckter Meister."

Klaus Wurster ist Geschäftsführer des Buxtehuder Unternehmens National Rejectors, Inc. GmbH (NRI) - einer Tochter der amerikanischen Crane Company (zwei Milliarden Dollar Jahresumsatz). NRI kommt mit 140 Mitarbeitern auf 25 Millionen Euro Umsatz. Sie stellen Münzprüfgeräte und Geldwechsler her. Kunden aus mehr als 86 Ländern kaufen die High-Tech-Geräte made in Buxtehude. "Wir sind einer der Marktführer in Europa", sagt Klaus Wurster. Mitbewerber seien die Firmen Money Controls Großbritannien, Askoyen aus Spanien und Comestero, Coges und Fage aus Italien.

NRI-Münzprüfgeräte und -wechsler arbeiten in Getränke- und Zigarettenautomaten, Telefonzellen, Briefmarken- und Fahrkartenautomaten, Fotokabinen für Paßbilder, Ticketautomaten in Parkhäusern und Bädern - "die heimlichen, stillen Helfer", nennt Klaus Wurster sie. Der große europäische Währungsraum übt indes eine enorme Attraktion auf Fälscher aus: 55 Milliarden Euro-Münzen zirkulieren in Europa. Allein in Deutschland wurden vergangenes Jahr 75 000 gefälschte Stücke registriert; Prognose für dieses Jahr: 100 000 Stück. "Die Fälscher versuchen alles", sagt Klaus Wurster, "sie bauen zum Beispiel magnetische Plättchen in die Fälschungen, um die elektrische Leitfähigkeit nachzubilden." NRI-Prüfgeräte prüfen die Münzen auf 19 Meßgrößen wie Durchmesser, Dicke, Masse, Härte, elektrische und magnetische Leitfähigkeiten. Jetzt will das Buxtehuder Unternehmen das Prüfverfahren noch einmal verbessern: Das Relief der Münzen soll optisch überprüft werden. Entwickelt hat die neue Technologie ein Team von Professor Manfred Eich vom Arbeitsbereich "Materialien der Elektrotechnik und Optik" an der Technischen Universität Harburg.

So funktioniert die neue Technik: Das Geldstück wird aus drei Richtungen mit rotem, blauem und grünem Licht bestrahlt. Die Kanten der Münze reflektieren das Licht, das mit einer Spezialkamera eingefangen wird. Die Prüfmaschine setzt aus den vielen bunten Punkten das Prägebild der Münze dreidimensional zusammen. Dieses Bild wird mit dem hinterlegten Datensatz der Reliefs von Euro- und Cent-Münzen verglichen - im Bruchteil einer Sekunde.

"Die Fehlerrate des neuen optischen Verfahrens liegt bei Null", sagt Klaus Wurster. Wenn die Fälscher nun versuchen würden, ein Foto eines Prägebildes auf die Legierung zu bringen, würde dies nicht fruchten, weil die Kamera erkennt, daß die Kanten der Prägung fehlen.

Für die neue Entwicklung hat NRI den Innovationspreis 2005 der niedersächsischen Wirtschaftsförderungsgesellschaften erhalten. In zwei Jahren soll die Erfindung Marktreife haben und als "preiswerte Option" zusätzlich in das Münzprüfgerät eingebaut werden. "Die Kamera muß bis dahin noch kleiner werden und der Mikroprozessor, der die Bildauswertung macht, noch leistungsfähiger", sagt Klaus Wurster.

Und NRI betreibt weitere Grundlagenforschung: So läuft in Zusammenarbeit mit der Physikalisch Technischen Bundesanstalt in Braunschweig ein Projekt zur spektralen Farbmessung. Bis die nächste Innovation Patentreife hat, hat der Schwabe Klaus Wurster vielleicht schon mit seiner Frau Renate (52) ein neues Domizil in Estebrügge gebaut: "Wir Schwaben bauen ja gerne Häusle."

erschienen am 11. Januar 2006


Quelle: http://www.abendblatt.de/daten/2006/01/11/522042.html
mfr
 
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