Schriftdeuter - Sütterlin

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Schriftdeuter - Sütterlin

Beitragvon Chippi » So 30.10.05 17:29

Hallo Leute,

kann von euch jemand die Sütterlinschrift lesen, in Handschriftform.
Hab da etwas in einem alten Buch gefunden.
Bei dem Buch handelt es sich um ein schon stark zerfallenes "Vaterländisches Lesebuch" von 1857.
Mich würde gerne interessieren, was dauf steht.
Ich habe zwar einen kleinen Zettel mit Sütterlinbuchstaben drauf, doch ergibt der Text für mich so keinen Sinn.

Gruß Chippi
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Wurzel hat geschrieben:@ Chippi: Wirklich gute Arbeit! Hiermit wirst du zum Byzantiner ehrenhalber ernannt! ;-)

Münz-Goofy hat geschrieben: Hallo Chippi, wenn du... kannst, wirst Du zusätzlich zum "Ottomanen ehrenhalber" ernannt.
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Beitragvon Oettlalb » So 30.10.05 19:19

Mit allen orthographischen Fehlern:

Ein Kränzlein wolt ich winden,
Da kam die tunkle Nacht.
Kein Blümlein kont ich finden,
Sonst hett ich Dirs gebracht;
Dein in (an?) Freud (???) Riedel.

Das vorletzte Wort ist mir ein Rätsel.

LG
Albert Öttl
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Beitragvon klaupo » So 30.10.05 19:21

... dein Freund Hermann Riedel


Ging vermutlich an eine junge Dame! :D

Gruß klaupo
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Beitragvon chinamul » So 30.10.05 20:10

Es sieht fast so aus, als sei dem Poeten hier neben etlichen orthographischen auch noch ein grammatischer Fehler unterlaufen: Er verwendet offenbar statt des Nominativs den accusativus vulgaris "dein-en Freund", wie er mundartlich in Deutschland vorkommt, ohne "den Nominativ sein Tod" zu sein! ("Er ist einen ganzen fiesen Kerl.")
Ich finde dieses billet doux trotzdem in höchstem Grade rührend und mit reinem Herzen geschrieben! Wir wollen doch hoffen, daß die Angedichtete dadurch dann später mal eine Madame Riedel und Urgroßmutter eines berühmten Diskuswerfers wurde!!
Schön aufbewahren, Chippi, und beim Baggern ein Beispiel dran nehmen!

Gruß

chinamul
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Beitragvon Chippi » So 30.10.05 22:42

Hallo oettlalb, chinamul und Klaupo,

das macht Sinn. So daneben lag ich mit meiner Deutung dann doch nicht (Plienlein gelesen, statt Blümlein :lol: ).
Ob chinamuls Vermutungen richtig sind, kann ich nicht sagen, aber das Buch, in dem ich es gefunden habe, gehörte mal einer gewissen Elisabeth Wendler. Das Buch ist auf den Deckelinnen- und Schutzseiten ziemlich beschmiert, man kann hinten die Jahreszahl 1870 lesen.
Danke für eure Hilfe!

Dann kann ich hier ja demnächst meinen Laufbrief von 1745 reinstellen, ist etwas länger und mit Wachssiegel (Gerichtsbrief).

Gruß Chippi
Wurzel hat geschrieben:@ Chippi: Wirklich gute Arbeit! Hiermit wirst du zum Byzantiner ehrenhalber ernannt! ;-)

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Beitragvon Oettlalb » Mo 31.10.05 00:31

Servus Chippi,
eine Frage hätte ich noch:

Wieso heißt diese altdeutsche Schreibschrift bei euch in .de "Sütterlin"?
Ich kenne sie nämlich nur unter dem Namen "Kurrent" und hab sie noch in der
Volksschule gelernt, und zwar vor der lateinischen Schreibschrift.

LG
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Beitragvon mfr » Mo 31.10.05 00:42

Die Sütterlinschriften, meist auch einfach Sütterlin genannt, sind zwei 1911 im Auftrag des preußischen Kultusministeriums von Ludwig Sütterlin entwickelte Ausgangsschriften.

Neben der bekannteren deutschen Sütterlinschrift, die eine spezielle Form der deutschen Kurrentschrift ist, entwickelte Ludwig Sütterlin auch eine weniger bekannte, stilistisch vergleichbare lateinische Sütterlinschrift.

Wegen der großen Bekanntheit des Namens Sütterlin wird bisweilen jede Form der deutschen Kurrentschrift irrtümlich als Sütterlin(schrift) bezeichnet. Diese Bezeichnung ist aber unzutreffend, da es die deutsche Kurrentschrift schon lange vor Ludwig Sütterlin gab.

Wesentliche Vereinfachungen waren die Verwendung der Gleichzugfeder (Redisfeder) anstelle der schwieriger zu beherrschenden Spitzfeder, vereinheitlichte Formen, eine Verringerung der Ober- und Unterlängen (Lineatur im Verhältnis 1:1:1), aufrechte und breite Buchstaben. Außerdem hat sie weniger Schnörkel. In allen diesen Merkmalen ist sie den heute verbreiteten Antiqua-basierten Schulschriften sehr ähnlich.

Die deutsche Sütterlinschrift wurde ab 1915 in Preußen eingeführt. Sie begann in den 1920er Jahren die deutsche Kurrentschrift abzulösen und wurde 1935 (in einer leicht abgewandelten Form) Teil des offiziellen Lehrplans. In der Folge des Schrifterlasses wurde allerdings auch sie 1941 mit den anderen gebrochenen Schriften verboten und von den Lehrplänen verbannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie teilweise bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts in den Schulen gelehrt.

Mit dem Verbot der deutschen Sütterlinschrift wurde ab 1941 die auf Grundlage der lateinischen Sütterlinschrift entwickelte deutsche Normalschrift als Ausgangsschrift an den Schulen verwendet. Auch die vom Iserlohner Schreibkreis entwickelte, 1953 veröffentlichte Lateinische Ausgangsschrift sowie die von 1973 bis 1980 von der Arbeitsgemeinschaft Schreiberziehung entwickelte Vereinfachte Ausgangsschrift sind von der lateinischen Sütterlinschrift beeinflusst.


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BCtterlin
mfr
 
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Beitragvon Chippi » Mo 31.10.05 15:34

Wieder was gelernt.

Gruß Chippi

Häng ich einfach mal was dran, suche noch Informationen darüber.
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Wurzel hat geschrieben:@ Chippi: Wirklich gute Arbeit! Hiermit wirst du zum Byzantiner ehrenhalber ernannt! ;-)

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