Historisch interessante französische Medaillen

Diskussionen rund um Medaillen, Medailleure, Jetons, Rechenpfennige

Moderator: Lutz12

Beitragvon Arminius » Mo 25.05.09 22:06

chinamul hat geschrieben:Eine interessante, wenn auch nachgeprägte Medaille, ....

Gruß

chinamul


Warum, euer Ehren, fällen Sie das Urteil "nachgeprägt"?

:?:
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Beitragvon klaupo » Di 26.05.09 01:14

Warum, euer Ehren, fällen Sie das Urteil "nachgeprägt"?


Die Randpunze ist das entscheidende Indiz für den Zeitrahmen der Prägung.

Gruß klaupo
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Beitragvon Patlin » Di 26.05.09 19:37

Es gibt verschiedene Randpunzen, welche in einem bestimmten Zeitabschnitt
geprägt wurden. Später geprägte und gepunzte Originalprägungen
konnten die Sammler nun dadurch günstiger erwerben.
Ab ca. 1835 , oder liege ich da falsch ?

LG

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Beitragvon Patlin » Di 26.05.09 19:54

Diese kleine Randpunze kann den Preis der Medaille erheblich senken,
dafür habe ich hier noch ein passendes Beispiel gefunden ------------>

Originalprägung = 700,- Euro ----------- gepunzte, spätere Prägung = 60,- Euro
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Beitragvon chinamul » Do 27.08.09 12:35

Charles-Ferdinand Duc de Berry und kein Ende.

Offenbar hat man die Geburt seines Sohnes am 29. September abgewartet, bevor man den ermordeten Herzog am 4. November endlich beisetzte. Sein Sarkophag steht in der Fürstenkapelle der Basilika Saint-Denis, seine Eingeweide ruhen in der Kirche Saint-Maurice in Lille, während sein Herz in der Kapelle des Hospizes Saint-Charles de Rosny-sur-Seine beigesetzt wurde. Der Totenkult treibt eben manchmal sonderbare Blüten, wenn er politisch opportun erscheint. Mit der Ruhestätte, die die Witwe sich an der Seite ihres Gatten ausgeguckt hatte (neben welchem Teil desselben?), ist es dann allerdings nichts geworden. Sie starb 1870 mit 71 Jahren fernab in Österreich und wurde dort auch begraben. Inzwischen hatte sie sich auch mit einem neuen Gatten getröstet und vier Kinder mit ihm.
Das Schicksal der Familie des Herzogs von Berry hatte die Nation - propagandistisch nach Kräften beeinflußt durch die royalistische Seite - zu Tränen gerührt, und kein Melodramatiker hätte sich wohl eine für diesen Zweck geeignetere Geschichte ausdenken können. Dann aber gingen die Ereignisse über das ganze Drama hinweg, und neue politische Entwicklungen bewegten die französische Öffentlichkeit.

Medaille Beisetzung des Herzen von Charles-Ferdinand Duc de Berry (Kupfer, Ø 51 mm / 74 g)

Av.: C. F. DUC DE BERRI NÉ LE 24 JANV. 1778 - MORT ASSASSINÉ LE 14 FÉV. 1820. - Uniformierte Büste des Herzogs
Unter der Büste signiert mit CAQUÉ . F

Rv.: In einem Kranz aus Lorbeer- und Eichenzweigen die elfzeilige Inschrift
DANS CET ASYLE SACRE / AU MILIEU DES ORPHELINS / ET DES PAUVRES / QU’IL A TOUJOURS SECOURUS / REPOSE / LE COEUR MAGNANIME / DE CH. FE. DUC DE BERRI / SA VEUVE INCONSOLABLE / A MARQUÉ SA PLACE / AUPRÈS DE LUI / IV NOV. MDCCCXX
"An diesem geheiligten Zufluchtsort, inmitten der Waisenkinder und der Armen, denen er stets beigestanden hat, ruht das großmütige Herz von Charles-Ferdinand Herzog von Berry. Seine untröstliche Witwe hat ihre Ruhestätte in seiner Nähe vorgesehen. 4. November 1820"
Keine Randpunze, also ein zeitgenössisches Original!

Gruß

chinamul
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Beitragvon *EPI* » Do 27.08.09 15:19

Seit 1832 wurden Randpunzen systematisch verwendet - für Nachprägungen und Orginalprägungen. Es gibt davor aber auch ungepunzte Nachprägungen.

Danke für Deinen Beitrag chinamul!
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Beitragvon chinamul » Fr 18.09.09 19:50

Medaille zum zweihundertsten Jahrestag der Wiederangliederung Lothringens an Frankreich
(Bronze, Ø 68 mm / 162 g)

Av.: BICENTENAIRE DU RATTACHEMENT – DE LA LORRAINE – A LA FRANCE – 1766 – 1966 (Zweihundertjähriges Jubiläum der Wiederangliederung Lothringens an Frankreich – Die gekrönten Wappenschilde Lothringens links und Frankreichs rechts. Dazwischen ein Brunnen mit vierkantiger Säule, auf deren Spitze eine fanfareblasende Figur steht.
Rv.: VILLE DE / NANCY in kaum leserlicher, mit Rocaillen verschnörkelter Schrift, dahinter ein Ensemble von Gebäuden und Platzanlagen.
Ganz unten unleserlich monogrammiert
Auf dem Rand gepunzt mit Füllhorn – Bronze

Zum geschichtlichen Hintergrund:
Stanislaus I. Leszczyński (1677 – 1766) war u. a. Reichsgraf des Heiligen Römischen Reiches. Im Großen Nordischen Krieg (1704−1709) wurde er erstmals und dann noch einmal während des Polnischen Erbfolgekrieges 1733 zum König von Polen und Großfürst von Litauen gewählt, mußte aber bereits nach einigen Tagen dem Sohn des gerade verstorbenen August I des Starken weichen und außer Landes fliehen.
Die 1725 geschlossene Ehe seiner Tochter Maria Leszcyńska mit Ludwig XV verschaffte ihm Zugang zum französischen Hof, und 1737 erhielt er die Herzogtümer Lothringen und Bar. Nach seinem Tode im Jahre 1766 fielen die Herzogtümer dann wieder an Frankreich, und das ist auch das Datum, auf das sich unsere Medaille bezieht.
Stanislaus (auch Stanislaw oder Stanislas) ließ in Nancy, seiner Residenz, ein einmalig geschlossenes städtebauliches Ensemble errichten, das zum Teil auf der Rückseite unserer Medaille abgebildet ist. Im einzelnen handelt es sich dabei (von oben) um das Rathaus, davor die Place Stanislas mit dessen Standbild, wieder davor ein zu Ehren Ludwigs XV errichteter Triumphbogen, an den sich die langgezogene Place de la Carrière anschließt. Den unteren Abschluß der Folge von Plätzen bildet die Place de l'Hémicycle, die ihrerseits durch das auf der Medaille nicht mehr mit dargestellte Palais du Gouvernement begrenzt wird.
Der Brunnen des belgischen Bildhauers Paul-Louis Cyfflé auf der Vorderseite der Medaille steht auf der nahegelegenen Place d’Alliance, die hier nicht mit abgebildet ist, aber ebenfalls Teil des gesamten Ensembles ist, das unter der Leitung des Architekten Emmanuel Héré entworfen und ausgeführt wurde. Hier wird an das 1756 zwischen Ludwig XV und Marie Antoinette von Österreich geschlossene Bündnis erinnert.

Dies ist eine von den Medaillen, die das „Rattachement“ von Gebieten an das französische Mutterland feiern (s. auch meinen Beitrag vom 10.09.07 in diesem Thread). Alle haben gemeinsam, daß dabei die Wiederherstellung eines schon früher bestehenden Besitzverhältnisses behauptet wird, daß also der de jure schon immer erhobene Anspruch und nun auch de facto erfüllt ist.

Gruß

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Zuletzt geändert von chinamul am Sa 02.01.10 10:39, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Patlin » Fr 06.11.09 17:45

Unter dem Motto:

" Historisch interessante französische Medaille "

habe ich hier von Duvivier eine Silbermedaille auf
die Geburt ihres ( Louis XVI & Marie Antoinette ) ersten Sohnes
Louis Joseph Xavier François de Bourbon, Dauphin de Viennois von 1781.
Leider verstarb der junge Kronprinz schon 1789 an Tuberkolose.

Dm = 41 mm
31,1 Gramm schwer


LG

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Beitragvon KarlAntonMartini » Fr 06.11.09 18:41

Erstaunlich, daß die Proportionen des Babys so falsch dargestellt werden. Um diese Zeit noch. - Dem jungen Prinzen wäre wohl auch ohne Tbc kein langes Leben beschieden gewesen....
Grüße, KarlAntonMartini
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Beitragvon Patlin » Fr 06.11.09 18:55

Vielleicht liegt das daran, dass der Kronprinz besonders gut dargestellt
werden sollte, als erblicher Nachfolger wäre es nicht ungewöhnlich.

Gerne stimme ich dem zu, auch ohne Tbc wäre ihm kein langes
Leben beschieden gewesen. Sein jüngerer Bruder
Louis Charles de Bourbon starb bereits mit 10 Jahren, 1795 ,
angeblich auch Tbc, vermutet wird aber ein unnatürlicher Tod ( These ) .

LG

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Beitragvon KarlAntonMartini » Fr 06.11.09 19:04

Die Darstellung als kleiner Erwachsener gabs ja auch bei Jesus, aber mindestens seit der Barockzeit hat man es als unanstößig gefunden, ihn als richtiges Kleinkind darzustellen. Deswegen hat mich das jetzt gewundert. Man müßte mal sehen, wie das auf anderen Taufmedaillen von Prinzen so üblich war.
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Re: Historisch interessante französische Medaillen

Beitragvon Patlin » Fr 13.08.10 10:13

Ok, weiter geht's :

Hier eine ganz normale Medaille von 1781, die das französische
Königspaar ( Louis XVI. und Marie Antoinette ) zeigt.

Material Bronze
Randpunze Füllhorn BRONZE für eine spätere Prägung
Dm = 72 mm
Gewicht = 168,8 Gramm
Medailleur = Du Vivier F

LG

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Re: Historisch interessante französische Medaillen

Beitragvon Patlin » Fr 13.08.10 11:00

Hier noch eine geschichtsträchtige Medaille

Übersetzung der Reversseite:

Wird künftig mein üblicher Wohnsitz sein

Ankunft des König in Paris am 6.Oktober 1789

Diese Medaille hält das Ereingnis fest, als Louis XVI. sich im Zuge des zweiten
Pariser Volksaufstandes am 6. Oktober 1789 unter dem Druck der Massen zu
einer Übersiedlung nach Paris bereiterklärte.

Material = Bronze
Randpunze Füllhorn BRONZE für eine spätere Prägung
Dm = 53 mm
Gewicht = 71,7 Gramm
Medailleur = Du Vivier F

LG

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Re: Historisch interessante französische Medaillen

Beitragvon Patlin » Fr 10.09.10 23:10

Hallo chinamul,

zu Deiner gezeigten Krönungsmedaille möchte ich hier ganz gerne
eine ergänzende Medaille hinzu fügen.

Avers : CAROLUS X REX FRANCIAE

Revers : SOLIO SUBLIMIS AVITO

REMIS - XXIX - DIE - MAII - M - DCCC - XXV

Medailleur : schwach ausgeprägt GAYRARD F.

Material = Kupfer , Dm = 35mm , Gewicht = 16,9 Gramm , keine Randpunze

Medaille Charles X 1825.jpg

LG

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Re: Historisch interessante französische Medaillen

Beitragvon chinamul » Mo 17.01.11 14:31

Es wird mal wieder Zeit für eine weitere Medaille über das Drama um die Familie des von einem Bonapartisten ermordeten Duc de Berry.
Waren es bisher ausschließlich christliche Motive, mit denen der nach der Ermordung des Vaters geborene Knabe verklärt wurde, so tritt mit dieser offenbar sehr gesuchten Medaille ein neuer, diesmal "heidnischer" Aspekt hinzu: Der kleine Dieudonné hat, ähnlich wie der antike Herkules, zwei diesmal allerdings mit ausgesprochen teuflischen Attributen (z. B. in Pfeilspitzen endende Schwänze und Zungen, Drachenflügel) ausgestattete Schlangen fest im Griff und macht sie auf diese Weise unschädlich.
Zum klassischen Vorbild für diese Darstellung: Zeus hatte sich wieder einmal an eine Sterbliche, diesmal in Gestalt ihres Ehemannes, herangemacht. Alkmene, die Gattin des Amphitryon, wurde so nichtsahnend schwanger mit Herakles. Die eifersüchtige Zeus-Gattin Hera tat alles, um das Kind aus dem Wege zu räumen und schickte ihm dazu unter anderem zwei Schlangen in die Wiege, die der kräftige Knabe jedoch erwürgte.

Medaille Dieudonné, Sohn des Duc de Berry (Kupfer, Ø 50 mm / 69 g)
Av.: Die gestaffelten Porträts des Herzogs Charles Ferdinand und seiner Gattin Caroline nach rechts; über dem Kopf des Herzogs ein kleiner Stern; unter dem Halsabschnitt GAYRARD F. (Medailleur Raymond Gayrard, 1777 – 1858)
Rv.: FATA ASPERA VINCES = „Du wirst die widrigen Geschicke besiegen.“ Mit den widrigen Geschicken dürften die für die Monarchie immer noch zu befürchtenden Umtriebe der Bonapartisten gemeint sein, die auch schon zum Mord an seinem Vater geführt hatten.
Der Monate nach dem Tode seines Vaters geborene Henri Charles Ferdinand Marie Dieudonné d'Artois, Duc de Bordeaux, Comte de Chambord, späterer König Henri V, als Säugling mit zwei Schlangen in den Händen.
Im Abschnitt in zwei Zeilen: Nt DIE • XXIX • SEPT • / MDCCCXX = "Geboren am 29. September 1820"
Unten am Rand: GAYRARD F.
Ohne Punzen auf dem Rand, also mit großer Wahrscheinlichkeit ein zeitgenössisches Stück.

Gruß

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