Manuel mit 'Blume'

Moderator: Wurzel

Manuel mit 'Blume'

Beitragvon leodux » Sa 07.01.06 23:47

Hallo,
ich möchte heute mal einen seltsamen Manuel vorstellen.
Es ist Sear 1966, aber...
Das Labarumzepter sieht wie eine Blume aus. 8O
Das gibt es zwar häufiger auf den Tetartera Manuels und auf Sear 1962 (Brustbild des Kaisers) habe ich es auch schon gesehen, aber bisher noch nie bei Sear 1966.
Außerdem befinden sich noch zwei zusätzliche Perlen (Beizeichen?) unter dem Arm und neben dem Kreuzglobus.
Es handelt sich sicher um eine reguläre Ausgabe aus Konstantinopel, auch wenn die Münze mit 3,38 g (bei 30 mm Durchmesser) zu den eher leichteren Exemplaren gehört.

Herzliche Grüße

leodux
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Manuel mit Blümchen - war er vielleicht Hobbygärtner?
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leodux
 
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Beitragvon Gast » So 08.01.06 09:57

Lieber Leodux,

die von dir gezeigte Münze ist eine häufiger vorkommende Variante der DOC 13c, Petzlaff Vol.1 3.4b2

Offenbar ist diese Labarumform die Normalvariante der 3.4b2 - ich besitze selbst mehrere davon. Was mich erstaunt ist, dass alle mir von Angesicht bekannten Stücke, deins eingeschlossen von exzellenter Prägung sind und wesentlich mehr Details zeigen als die übrigen "späten" DOC 13 / P. 3.4 - ganz klar ein Indiz dafür, dass hier mit neuem Werkzeug gearbeitet wurde. Vielleicht ist die Variante mit dem Blumenkreuz sogar eine Art "Sonderprägung". Alle diese "Blumenkopf"-Stücke weisen übrigens nur 3 statt der üblichen 5 Perlen auf der Stola und die beiden seitlichen Punkte auf. Letztere sind manchmal nur mit einer starken Lupe bei bestimmten Lichteinfall (Schattenwurf) zu erkennen. Möglicherweise wurde bei der Neuzeichnung des Designs die Stola aus optisch ästhetischen Gründen kürzer geschnitten und 2 von den aus administrativer Sicht erforderlichen 5 Perlen unter die Arme verlagert. Spätere Prägungen besitzen stets nur noch insgesamt 3 oder 2 Perlen. Die Gesamtanzahl der Stolaperlen nimmt mit den Jahren also ab. Dies könnte ein Indiz für das Emissionsdatum sein. Stücke mit 2 Stolaperlen haben immer einen Kreis mit zentraler Perle auf der Gürtelschnalle! Der ursprüngliche Zusammenhang wird wohl nie ganz geklärt werden können.

Es scheint aber noch weitere Varianten zu geben: ich besitze eine 3.4b2 mit einem kreuz-, fast lilienförmigen Labarumkopf in schlechter (Doppel-)ausprägung, die ebenfalls 3 Stola- und 2 seitliche Punkte zeigt.

Manuel ist mit Sicherheit genauso kompliziert (wenn nicht noch komplizierter) als Isaak "Der Schreckliche", wie ihn "Anastasius" einmal nannte.

Wie du weisst, habe ich in Petzlaff Band 1 mnur nach primären Merkmalen differenziert und katalogisiert. Ich bin momentan dabei, Band 1 zu überarbeiten und ihn wie Band 2 zu gestalten, also auch die Feindifferenzierungen mit aufzunehmen. Dabei werden die alten Katalognummern bestehen bleiben. Manuel 3.4 ist dabei der heisseste Kandidat für eine entsprechende Revision.

Mit deiner Erlaubnis würde ich gern dein Photo verwenden :D

Lieben Gruß
petzi
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Beitragvon Gast » So 08.01.06 14:11

Nachtrag:

Hier haben wir ein "Blumenkreuz"? auf der Sear 1966, DOC13d Petzlaff 3.4b4 (3/1/5) mit 2 Stolaperlen plus Punkt im Kreis unter dem (von euch aus gesehen) rechten Arm. Dafür aber die normalen 5 Punkte in der Gürtelschnalle :P

Nach byzantinischer Administrativmathematik scheint also folgende Rechnung aufzugehen:

1+1+1 im Kreis =5

Möglicherweise besteht hier ein internes Echtheitsmerkmal in Form von Quersummen unterschiedlicher Perlenbesatzanzahlen. Beachtet bitte auch die quadratischen Perlen im Kragen.

Die Erstausgabe dieses Typs trägt übrigens ein Andreaskreuz mit quadratischer Mittelperle und 6 Stolaperlen.

Ich glaube, Petzlaff hat Witterung aufgenommen :D

Lieben Gruß
petzi
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Beitragvon Anastasius » So 08.01.06 14:21

petzlaff hat geschrieben:Ich glaube, Petzlaff hat Witterung aufgenommen :D


ich fürchte, der neue petzlaff 1 wird die 1000-Seitengrenze überspringen :D :D
Anastasius
Anastasius
 
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Beitragvon Gast » So 08.01.06 17:00

Lieber Leodux, lieber Anastasius,

Anastasius hat geschrieben:
petzlaff hat geschrieben:Ich glaube, Petzlaff hat Witterung aufgenommen :D


ich fürchte, der neue petzlaff 1 wird die 1000-Seitengrenze überspringen :D :D
Anastasius


keine Bange, für 1000 Seiten finde ich überhaupt nicht die Zeit.

Ich danke euch, dass ihr Herrn Petzlaff mit diesem Thread die Augen für die Achselhöhlen geöffnet habt. Das war das letzte fehlende Bausteinchen zur Lösung eines Jahrhunderte alten Puzzles.

Bitte gebt mir alle Daten eurer vorhandenen MANUEL Sear 1966 (wie in dem "Wichtig"-Thread http://www.numismatikforum.de/ftopic13107.html beschrieben). Ich brauche sie, um meine Gewissheit empirisch zu beweisen.

BTW: die Byzantinische Administrationsmathematik ist überhaupt nicht kompliziert, sondern einfach nur genial. Die Form des Kreuzes auf dem Globus spielt übrigens auch eine Rolle (zumindest bei MANUEL).

Lieben Gruß von einem total erregten
petzi
Gast
 

Beitragvon leodux » So 08.01.06 20:09

Hallo Petzi,

dann liegt es wohl nur an den relativ wenigen Sear 1966, die ich bisher gesehen habe, daß mir das Blumenzepter noch nicht aufgefallen war.

Selbstverständlich kannst Du mein Foto für den Petzlaff-Katalog verwenden. :!:
Brauchst Du das Foto noch etwas größer oder mit weißem Hintergrund?
Wie sieht's mit der Vorderseite der Münze aus? Bauchst Du davon auch ein Foto? Das Avers macht aber - wie üblich - nicht viel her und ist, da es keine Beizeichen (Sterne o.ä.) trägt, wohl auch nicht so wichtig.

Ich werde mal die Erbsen, bzw. Perlen, meiner Manuels (viele sind's allerdings noch nicht) zählen und Dir die Liste schicken. Bin jedenfalls sehr gespannt, was bei Deinen Forschungen herauskommt.

Herzliche Grüße

leodux
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Beitragvon Gast » Mi 11.01.06 10:09

Zum Geheimnis der Punkte unter den Armen:

Ich habe mir die Musse genommen und alle meine kaiserlichen Skyphaten nach dem Phänomen der zusätzlichen Punkte untersucht.

Mit Gewissheit kann ich nun folgendes sagen:

Die Punkte unter den Armen leiten sich mit ziemlicher Sicherheit von einer auf vielen Münzen (s. auch das von mir eingestellte Stück) dargestellten epauletten- oder schulterklappenartigen Verzeierung des Loros in der Form .) (links) und (. (rechts) ab. Dies gilt zu 100% für den rechten Arm.

Dieselben Schulterklappen findet man gelegentlich auch (links) auf MANUELs im Chlamys-Typ (Petzlaff 3.3, DOC 12, Sear 1964) und später bei ANDRONICUS (Petzlaff 4.2, DOC 3, Sear 1985) und selbst bei ISAAK Petzlaff 6.1, DOC 3, Sear 2003) bzw. ALEXIOS (Petzlaff 8.1, DOC 3, Sear 2011).

Selten sind beide Schulterklappen voll ausgeprägt - gelegentlich ist statt des den Punkt einfassenden (Halbkreises) nur der Punkt ohne Kreis ausgeprägt. Und das in Abhängigkeit des zur Verfügung stehenden Pletzes im Design. Diese Tatsache spricht zunächst für eine technisch bedingte Massnahme bei der Gravur. Sicher ist, daß die Epauletten zumindest von MANUEL bis ISAAK zwingend abgebildet werden mussten.

Letzteres könnte bedeuten, dass bei Leodux' Münze aufgrund der Verplichtung, dieses Insignium abzubilden, der Graveur es mangels Platz auf dem Arm als Punkt daneben stilisierte. Demgegenüber steht der andere Arm mit viel Platz darauf, aber trotzdem der Punkt daneben????

Nun, Leodux' MANUEL ist optisch extrem gut geraten. KIch denke, der Graveur hat hier aus ästethischen Gründen und um die optische Symmetrie zu wahren einfach Punkt gegen Punkt statt Punkt gegen Schulterklappe gesetzt.

Menes Erachtens handelt es sich nach diesen Erkenntnissen und Überlegungen NICHT um eine administrative Codierung.

Schade :(

Unabhängig davon kann ich euch schon einmal folgendes verraten:

Die administartiven Beizeichen bei Petzlaff 3.4b haben grob folgende Bedeutung:

Kragen: Auflage (je mehr Perlen umso früher)
Brust: staatliche Offizin (Werkstatt), zentrale Münzstätte
Punkt im Kreis: staatliche Werkstatt in Konstantinopel
Stern(e) :"private" Werkstatt unter staatlicher Kontrolle, möglicherweise in der Provinz
Stola unter dem Globus:noch mit Fragezeichen - auf alle Fälle administratives Kennzeichen - wahrscheinlich ebenfalls für die Auflagenkennzeichnung
quadratische Perlen: noch mit Fragezeichen - aber ebenso mit
Sicherheit administrative Codierung
Globus-Kreuzform: noch ungeklärt - wahrscheinlich aber auch administrativer Natur (s. auch bei ANDRONICUS)
Gürtelschnalle: in Teilelementen (z.B. mittlere Perle) Offizinkennzeichen, möglicherweise aber auch für die organisatorische Münzstättenhierarchie bedeutsame Kennzeichnung der "Aufsichtsbehörde" (z.B. Andreaskreuz mit 5 Perlen vs. "nur" 5 Perlen)

Ebenfalls von Bedeutung scheinen die Ohrpendilien zu sein. Gelegentlich weisen je zwei waagerecht ausgerichtete Perlen auf Münzstätte Thessaloniki hin, während andere Formen eindeutig Konstantinopel zuzuweisen sind.

... Petzlaff bleibt dran
Gast
 


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