Byzanz oder nicht Byzanz?

Moderator: Wurzel

Byzanz oder nicht Byzanz?

Beitragvon leodux » Mo 23.01.06 22:37

Hallo,
ich habe in einem kleinen Lot Byzantiner (meist Lateinisches Kaiserreich, small modules, leider alle schlecht erhalten :() diese Münze gefunden.
Der Durchmesser beträgt ca. 17 mm und das Gewicht 0,61 g. Das Material dürfte Kupfer oder Bronze sein, evtl. auch Billon, dann aber mit starkem Kupferanteil.
Außen ist auf beiden Seiten ein Perlkreis zu sehen.
Viel ist leider nicht zu erkennen und ich weiß deshalb auch nicht, ob ich das Foto richtig herum aufgenommen habe.

Könnte es sich hier um einen späten Byzantiner handeln?
Oder eine bulgarische Prägung?

Ich wäre für jeden Hinweis dankbar.

Herzliche Grüße

leodux
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Unbekannte Münze 17 mm, 0,61 g.
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Beitragvon Gast » Di 24.01.06 09:30

Lieber Leodux,

ich denke, es dürfte sich um unter den Zaren IVAN SHISHMAN oder eher noch IVAN SRADSHIMIR ausgegebenes Bulgarisches Kleingeld handeln. Geprägt wurden solche Stücke gegen Ende des 14. Jahrhunderts, Münzstätte Turnovo). Die Zeichnung stellt auf beiden Seiten ein stilisiertes Monogramm dar. Es gibt unzählige Varianten, die aber alle ein ähnliches, typisches Erscheinungsbild liefern. Leider habe ich keine Detailliteratur zu diesem Gebiet - mein geliebter "Dotchev"-Katalog führt nur einige Beispiele auf, verweist aber auf die große Anzahl verschiedener Typen. Ich selbst habe vor einiger Zeit eine Handvoll ähnlicher Stücke an einen Bulgarischen Spezialsammler in USA verkauft, der mir die Herkunft bestätigt hat.

In der Bulgarischen Literatur sind diese Münzen übrigens unter der Bezeichnung "Imitativprägungen" zu finden - warum ist mir unklar. Möglicherweise hat der Begriff "imitativ" im slawischen Kontext etwas anderes zu bedeuten als das, was wir in unserer Sprache hineininterpretieren.

Aber das weiss ich nicht - kann kein Bulgarisch - reicht, wenn ich die kyrillischen Buchstaben latinisieren kann 8).

Der realistische Wert dieser Münzlein liegt je nach (normal anzutreffender) Erhaltung zwischen 2 und 8 EUR. Vorzügliche Exemplare sind extrem rar und bringen schon, sobald sie dann irgendeinmal auftauchen gut ihre 30 EUR in den Geldbeutel. Allerdings ist der Markt für mittelalterliche Bulgaren sehr eng. Erstaunlicherweise gibt es mehr ernsthaft interessierte Sammler in USA als in Europa.

Ich habe die Erfahrung gemacht, daß es sich durchaus lohnt, "small module Lateinerlots" gezielt nach Bulgaren zu durchsuchen (ob du es glaubst oder nicht, ich kann mir sogar denken, von welchem Händler du deines erstanden hast :D - kannst du mir ja mal per PN schreiben, und ich bestätige oder auch nicht 8) ). Insbesondere "Lateinerlots" mit hohem Thessaloniki-Anteil neigen dazu, etliche Bulgaren zu enthalten. Ein (allerdings subjektiv wahrgenommerer) Erfahrungswert bei besagtem Händler ist z.B. 50% Sear 2044, 15% Sear 2047/2048/2050, 15% andere Lateiner (meist Engel oder Sear 2022/2023), 20% Bulgaren

Gruß - petzlaff
Gast
 

Beitragvon leodux » Di 24.01.06 22:51

Hallo Petzi,

vielen Dank für Deine schnelle Antwort!
Damit hast Du meine Vermutung bestätigt, denn auf den Münztafeln von Moushmov unter der Adresse
http://www.wildwinds.com/moushmov/bulgarian.html
hatte ich schon einige Abbildungen gefunden, die meinem Stück ähnlich sehen.
Allerdings hatte ich gedacht, daß nur auf der einen Seite ein Monogramm ist und die senkrechten Striche auf der anderen Seite zu dem Herrscherpaar gehören, das auch auf einigen bulgarischen Münztypen abgebildet ist.

Schade nur, daß die Münze so spät geprägt wurde, denn damit passt sie eigentlich nicht mehr in mein Beuteschema. :cry:

Herzliche Grüße

leodux
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