Literatur zu Byzanz

Moderator: Wurzel

Re: Literatur zu Byzanz

Beitragvon Wurzel » Mo 07.06.10 07:28

Hui.

da läuft mir schon jetzt das Wasser im Mund zusammen. Da ich schon das Vergnügen hatte das eine oder andere von Dr.Andreas Urs Sommer zu lesen bin ich mir ziemlich sicher, das das Werk recht fundiert sein wird.

Ich freue mich :D
Benutzeravatar
Wurzel
Moderator
 
Registriert: Mo 21.06.04 17:16
Wohnort: Wuppertal

Re: Literatur zu Byzanz

Beitragvon Posa » Fr 09.07.10 21:50

Mischa Meier (Hg): Sie schufen Europa. Historische Portraits von Konstantin bis Karl dem Großen. Mit 23 Abbildungen und Karten, C.H. Beck, München 2007, 358 Seiten.

Der mittlerweile hinlänglich bekannte Meier ist Herausgeber dieser Sammlung historischer Skizzen, deren Kristallisationskerne historische Persönlichkeiten der europäischen und vorderasiatisch-arabischen Übergangsepoche von der Spätantike zum frühen Mittelalter sind.
Das Inhaltverzeichnis ist These, Provokation im besten Wortsinn: Konstantin der Große, Theodosius der Große, Alarich, Geiserich, Leo der Große, Attila und Aetius, Hengist und Horsa, Eurich, Chlodwig, Theoderich, Justinian I., Chusro I., Alboin, Muhammad, Herakleios, Leon III. Pippin, Irene, Harun ar-Rasid und schließlich Karl der Große: eben, alles gute Europäer!
Die Idee hinter dieser Auswahl ist klar: Europa ist von außen wie von innen geformt worden, häufig in schmerzhaften, weil kriegerischen Abgrenzungsprozessen, die nie bloße Ausgrenzungen von, sondern Positionierungen zu – beispielsweise dem Islam – waren.
Allein diese Auswahl ist anregend und gibt bei der nicht notwendig chronologischen Lektüre dem leidlich historisch vorgebildeten Leser wunderbare Ansatzpunkte zu eigener geistiger Tätigkeit.
Die Artikel selbst sind von unterschiedlicher Qualität – zumeist an den gebildeten Laien gerichtet, bieten sie Grundlageninformation, kombiniert mit neuesten Forschungsergebnissen, die über ein kleines Literaturverzeichnis zu jedem Kapitel zumeist pauschal nachgewiesen werden. Es bieten sich also gute Möglichkeiten auf rund zehn Seiten kompakte Informationen zum historischen Feld der oben Genannten zu erhalten, wenngleich manches Mal für meinen Geschmack zu sehr die historische Klatschspalte zu Wort kommt. Aber bisweilen liest man ja auch derlei gerne.

Erfreulich ist natürlich auch, dass mit Justinian, Herakleios, Leon und Irene, also vier von zwanzig, auch die historische Rolle des byzantinischen Reiches nummerisch ausreichende Würdigung findet:

Justinian I. und die Wiederherstellung des Römischen Reiches – Das Trugbild der Erneuerung,
Herakleios und das Ende der Antike im Osten – Triumphe und Niederlagen,
Leon III. und die Anfänge des byzantinischen Bilderstreits – Regeneration im Osten und neue Konflikte,
Irene und das Kaisertum um 800 – Nur eine ehrgeizige Frau?

Die Kapiteltitel sind gleichsam kurze Zusammenfassungen, den Leser erwarten also keine interpretatorischen Überraschungen und inhaltlichen Novitäten, weshalb auch. Zumal manches Forschungsergebnis einen (mich) auch nicht gerade aus allen Wolken fallen lässt. Z.B., dass Leons syrische Herkunft mittlerweile als sicher gelten kann und die Notiz, er sei Isaurier, auf textkritischem Wege widerlegt werden konnte.
Hochgradig verstörend empfand ich den Artikel über Irene. „Irene war, so läßt sich abschließend sagen, eine Frau, die offenbar über einen enormen Ehrgeiz verfügte, über einen großen Willen zur Macht. Ihre Legitimationsdefizite als Frau konnte sie einige Jahre glücklich ausgleichen. Ihre Politik hingegen stellte keinen bedeutenden Höhepunkt dar, sieht man von der Einführung der Bilderverehrung ab. Allein der der Umstand, daß sie als Frau in die Männerdomäne der direkten kaiserlichen Machtausübung einbrechen konnte, macht sie interessant.“
Schuf sie nun Europa mit oder nicht, ist sie einfach die Quotenfrau? Wenn ja, was soll das, wenn nein, was soll dann diese Formulierung?

Das Buch bietet gute, informative Zwischendurchhappen, die das historische Bewusstsein teilweise wunderbar erweitern, auch taugen die Texte durchweg als gute Erstinformationen, mitunter erschöpfen sie sich aber auch damit.

Gruß Posa
Benutzeravatar
Posa
 
Registriert: Sa 05.04.08 16:47
Wohnort: Stuttgart

Vorherige

Zurück zu Byzanz

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

Münzen Top 50 http://www.top20.sammlerlinks.de/in.php?id=12
.
WEBCounter by GOWEB

PAGERANK-SERVICE


Sie lesen gerade: Literatur zu Byzanz - Seite 2