geht es noch kleiner/filigraner ? Ja !

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Re: geht es noch kleiner/filigraner ? Ja !

Beitragvon quinctilius » So 08.07.18 15:01

....eines noch zum Nominal: Am häufigsten werden sie als Diobole bezeichnet. Nach meinen Beobachtungen dürfte der Durchschnitt bei ca.1,2 - 1,3 gr. liegen, also leicht über dem Durchschnitt der milesischen 12tel Stater. Ich halte auch einen persischen Standard nicht für ausgeschlossen: 4 x 1,3 = 5,2 gr. Das entspricht ziemlich genau einem persischen Viertel-Siglos.
Im Bayrakli Hort tauchen sie ja auch zusammen mit persischen Sigloi auf.

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Re: geht es noch kleiner/filigraner ? Ja !

Beitragvon Altamura2 » So 08.07.18 16:28

In Herbert A. Cahn, "Ionische Damen", in R. Ashton, S. Hurter (Hg.), "Studies in Greek Numismatics in Memory of Martin Jessop Price", London 1998, S. 59-63, dem vielleicht umfangreichsten Artikel zu diesem Münztyp, wird das Nominal als Trihemiobol des phokäischen Standards bezeichnet. Man findet aber auch milesischer Diobol (Traité, Slg. Klein) und Hemihekte (SNG Kayhan), da scheint keine Einigkeit zu herrschen :? .

Gruß

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Re: geht es noch kleiner/filigraner ? Ja !

Beitragvon quinctilius » So 08.07.18 21:19

Altamura2 hat geschrieben:Jetzt darf sich jeder raussuchen, was er eher glauben will :D .

Gruß

Altamura


das gilt also auch hier beim Nominal ;-) - ich persönlich halte den Viertel-Siglos auch für möglich.
Man muss bedenken, dass zu dieser Zeit um 500 v. Chr. Ionien unter persischer Herrschaft stand - wenn auch kurze Zeit später
kurz durch den ionischen Aufstand gestört.
Ich finde es daher gar nicht so abwegig, dass hier eine griechische Münzstätte einem persischen Standard folgte.
Wie gesagt, ich finde das parallele Vorkommen von frühen persischen Sigloi und den Phokaia Hemihekten/Diobole (oder was auch immer)
im Bayrakli Hort ziemlich auffällig. Vom Gewicht käme es jedenfalls gut hin. (s.o.)
Es gibt dazu eine interessante Analogie in einem Hort mit archaischen Münzen aus Kolophon, (Vgl. Kim/Kroll 2008, S. 55.)
Die 12/24/48 Stater folgen dort einem persischen Standard.

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Re: geht es noch kleiner/filigraner ? Ja !

Beitragvon Zwerg » So 08.07.18 21:28

Akademisch muß man diese Diskussion natürlich führen

Welche Bedeutung hatte das für den "normalen Bürger" seinerzeit.
Wer hatte damals überhaupt Zugang zu geprägten Münzen?

Grüße
Zwerg
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Re: geht es noch kleiner/filigraner ? Ja !

Beitragvon Homer J. Simpson » So 08.07.18 22:20

Hmm - mit diesen ersten "Massenprägungen" wohl eine ganze Menge Leute. Davor - in der Zeit reiner Elektronprägung - wohl viel weniger.

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Re: geht es noch kleiner/filigraner ? Ja !

Beitragvon quinctilius » So 08.07.18 22:54

Zwerg hat geschrieben:Wer hatte damals überhaupt Zugang zu geprägten Münzen?

Grüße
Zwerg


Für mich ist frei nach Heraklit "der Krieg Väter aller Dinge" so auch das Geld. Söldner mussten bezahlt werden. Zuerst mit Elektron, etwas später mit Silber.
Mit etwas später meine ich auch noch die Zeit, in der diese Prägung aus Phokaia gehört.
Ich gebe zu: Den Beweis muss ich leider schuldig bleiben. ;-)

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Re: geht es noch kleiner/filigraner ? Ja !

Beitragvon cmetzner » Mo 12.11.18 23:44

#557-Larissa-4260111.jpg


Hallo,
habe mich eine Zeitlang nicht gemeldet denn ich hatte nichts vorzuzeigen. :wink:

Da ich keine Münze aus Larissa hatte und für diese klitzekleine niemand bei der cng August Auktion geboten hat, dachte ich mir dass sie umbedingt ein zuhause brauchte, und habe sie für $45 erworben. :D

Die Bestimmung laut cng:
Trihemiobol, Thessalien, Larissa, ca. 356 - 337 v. Chr.
12 mm, 0.94 gr.
Vs.: Kopf der Nymphe Larissa in 3/4 Ansicht.
Rs.: [ΛΑΡ]ΙΣ[Α]ΙΩΝ, Thessalischer Reiter n. r. mit petasos und chlamys
BCD Thessaly II 327; HGC 4, 475;

Die beiliegende Bestimmung sagt noch dazu: "Fundpatina" (weiß nicht was das ist) "From the BCD Collection" und "V. ex. Thes., June 92, SFr. 250"
Schöne Grüße,
Christiane
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Re: geht es noch kleiner/filigraner ? Ja !

Beitragvon quinctilius » Di 13.11.18 10:22

...hübsches Stück, eine meiner ersten antiken Münzen, die ich um 1989 gekauft habe,
war eine Münze aus Larissa. Von daher habe ich eine nostalgische Beziehung zu dieser Münzstätte :-)

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Re: geht es noch kleiner/filigraner ? Ja !

Beitragvon Orielensis » Do 13.12.18 03:23

Ich habe mich gerade inspiriert durch die Münze unten, die vielleicht hier hineinpasst, durch diesen Thread gelesen. Der etwas ältere Münztyp aus Eion ohne die Eidechse wurde oben bereits einmal gezeigt. Faszinierend, wie fein die beiden Tierchen und der Buchstabe auf dem doch recht winzigen Schrötling untergebracht sind!

398291.jpg


Makedonien, Eion. Trihemiobol. Ca. 460 - 400 v. Chr. 0,71g, 11,8mm. Avers: Gans mit zurückgewandtem Kopf n.r. stehend, darüber Eidechse n.l.; im Feld unten rechts H. Revers: Viergeteiltes Quadratum incusum. SNG Cop 179. (Gekauft bei "Ancient and Medieval Coins Canada", Auktion 1, Los 329.)
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Re: geht es noch kleiner/filigraner ? Ja !

Beitragvon quinctilius » Do 13.12.18 20:37

Hübsch ! :-)

Eion hat auch eine interessante Geschichte: (Wikipedia)

476 v. Chr. kam der Athener Heerführer Kimon mit einer Flotte von Byzantion und belagerte Eion als letzten europäischen Stützpunkt der Perser.[10] Er bot dem Meder Boges, der Gouverneur von Eion war, freies Geleit, wenn er die Stadt übergeben würde. Dieser lehnte aber ab. Kimon ließ den Strymon so umleiten, damit der Fluss die Ziegelmauern wegspülen sollte.[11] Als schließlich die Lebensmittel aufgebraucht waren, ließ Boges seine Frau, Kebsweiber, Kinder und Diener töten und verbrennen. Dann warf er alles Gold und Silber in den Fluss und tötete sich selbst indem er ins Feuer sprang.[12] Kimon nahm Eion in Besitz und führte die Einwohner in die Sklaverei.[13]

Thukydides: Geschichte des Peloponnesischen Krieges 1, 98

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Re: geht es noch kleiner/filigraner ? Ja !

Beitragvon Homer J. Simpson » Do 13.12.18 21:43

Tja, wie so oft in der Geschichte: Einer will heroisch sein, und viele andere müssen's ausbaden.

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Re: geht es noch kleiner/filigraner ? Ja !

Beitragvon quinctilius » Sa 09.02.19 21:15

Diese Winzlinge aus Priene (beide 7 mm) wurden wahrscheinlich unter dem spartanischen General Thibron 399 v. Chr. in Ionien als Ersatz für Silbergeld geprägt.
Vgl. dazu Koray Konuk:

http://www.achemenet.com/pdf/in-press/K ... -09-09.pdf

Diese Stücke aus Priene waren lange nicht auf dem Markt zu finden, jetzt tauchen nach und nach einige im Handel auf.

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Re: geht es noch kleiner/filigraner ? Ja !

Beitragvon Altamura2 » So 10.02.19 08:22

quinctilius hat geschrieben:... Diese Stücke aus Priene waren lange nicht auf dem Markt zu finden, jetzt tauchen nach und nach einige im Handel auf. ...

Das hat schon vor ein paar Jahren angefangen, auch die Thorax-Münzen aus Magnesia (links auf Deinem Artikel-Ausschnitt) findet man immer häufiger. Wie Du sicher bemerkt hast, sind diese Münzen dafür auch deutlich günstiger zu haben :D .

Ich warte ja jetzt darauf, dass auch die Bronzewinzlinge aus Myous vermehrt auftauchen, das haben sie aber leider noch nicht :? .

Gruß

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Re: geht es noch kleiner/filigraner ? Ja !

Beitragvon quinctilius » So 10.02.19 09:57

...ja bei acsearch sieht es so aus:

https://www.acsearch.info/search.html?t ... d&company=

2009 1x, 2015 2x, 2017 3x, 2018 2x

Häufig sind sie immer noch nicht aber immerhin gibt es sie jetzt. Für die beiden oben musste ich 13 und 14 EUR bezahlen, das ist ja nicht die Welt.
Die Thorax Münzen aus Magnesia dagegen sind mittlerweile sogar ziemlich häufig. Savoca bietet gerade welche auf Ebay.de an.
Auf die Münzen aus Myous warte ich auch - bislang Fehlanzeige aber das wird noch :-)

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Re: geht es noch kleiner/filigraner ? Ja !

Beitragvon quinctilius » Di 12.02.19 23:43

Bei den Diobolen aus Pergamon gibt es zwei Probleme:

1) Meist sind Avers oder Revers oder sogar beide dezentriert.
2) Oft sind die Münzen korrodiert.

Vgl.:

https://www.vcoins.com/en/stores/forum_ ... fault.aspx

https://www.vcoins.com/en/stores/civita ... fault.aspx

https://www.vcoins.com/en/stores/london ... fault.aspx

https://www.vcoins.com/en/stores/ken_do ... fault.aspx


Dieses Stück (10 mm, 1,16 gr.) habe ich gerade auf Ebay.de für EUR 40 inkl. Versand gekauft.
Hier scheint mal alles so zu sein, wie es sich gehört. :-)

Vgl.:

https://www.cngcoins.com/Coin.aspx?CoinID=280201

MYSIA, Pergamon. Circa 310-282 BC. AR Diobol (11mm, 1.14 g, 12h). Head of Herakles right, wearing lion skin / Archaistic Palladion: statue of Pallas Athena standing facing, holding spear and shield. Von Fritze, Pergamon, pl. I, 10; SNG France 1559–66; SNG von Aulock 1349–50. VF, toned.

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