Timesitheus hat geschrieben:Ich denke gerade das unvermeidliche Verlorengehen hat später dazu geführt, daß Kupfermünzen in "vernünftiger" Größe die Kleinstsilbermünzen als Wechselgeld ersetzt haben.
Das ist zwar grundsätzlich korrekt, greift insgesamt aber ein wenig zu kurz. Die ausgemachte Seltenheit von Silber in der Antike führte zu einer verglichen mit heute sehr hohen Kaufkraft (wobei aber in der aktuellen Au:Ag-Ratio von ca. 1:70 das Silber letztlich massiv UNTERbewertet ist - in der Antike war das Verhältnis aber fast immer irgendwo zwischen 1:12 und 1:15).
Bekanntlich lassen sich ja antike Preise absolut nicht sinnvoll in moderne umrechnen (auch nicht mit unterstellten "Warenkörben") - aber die allgemeine "Pi-mal-Daumen"-Regel besagt, daß
größenordnungsmäßig eine attische Tetradrachme etwa unserem 500-Euro-Schein entsprach. Macht für eine Tetradrachme im Indobaktrischen Münzfuß (knapp 10 g) immer noch rund 300,- € - und 0,1 g Silber waren demnach immer noch ca. 3,- € (wie gesagt: grobst größenordnungsmäßig geschätzt, nur um eine allgemeine Vorstellung zu geben!)
Da das Wertverhältnis von Silber zu Kupfer aber auch schon damals sehr hoch war, waren Kupfermünzen wohl immer Scheidemünzen (das in Italien übliche Schwergeld lassen wir jetzt mal außen vor - auch Du sprachst ja bewußt von "handlichen" Münzen). Scheidemünzen aber sind an ihr originäres Emissionsgebiet gebunden - woanders konnte man sie nicht sinnvoll/verlustfrei wieder in Edelmetall umtauschen.
Deshalb sagt es sehr viel über eine Kultur der Antike aus, wieweit hinunter geteilt "Kleinstnominale" aus Edelmetallen ausgemünzt wurden. War das der Fall, war dieses Volk wohl "kleinhändlerisch" sehr aktiv. Es "kam also in der Welt herum" und wollte "überall" auch Klein(st)beträge direkt mit "Echtgeld" (also in Edelmetallen) bezahlen, z.B. mal ein Essen in einem Rasthaus an der Handelsroute durch ein fremdes Land oder so. Es stand also die Geldfunktion als flexibles
Zahlungsmittel im Mittelpunkt.
Das Gegenbeispiel sind jetzt so Geldwirtschaften wie die des klassischen Athens, wo unheimlich viele Tetradrachmen ausgegeben wurden - zwar
auch ganz winzige Teilstücke (Obolenbruchteile), aber diese waren wirklich nur für den Geldverkehr innerhalb Athens bestimmt und sind heute sehr rar. Die Masse des Silbers wurde für Großzahlungen (z.B. die Armee, Bauprojekte, etc.) ausgegeben und dazu brauchte man große, einzeln sehr werthaltige Münzen als
Wertaufbewahrungsmittel bzw.
Weltgeld.
Letzteres ist noch extremer bei den Goldgeldwirtschaften wie den Kushana oder dem Indien der Guptas zu beobachten.
Alles in allem ein faszinierender Themenkreis! Das ist übrigens das Gebiet, was mich bei der antiken Numismatik am meisten interessiert: die Geld- und Wirtschaftsgeschichte und was uns die Münzen genau darüber so alles verraten.
Lesetips hierzu: Mitchiner und Howgego.