Drachmen aus Kappadokien

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Drachmen aus Kappadokien

Beitragvon B555andi » So 11.03.18 21:23

So ein Sonntag ohne jede (terminliche) Verpflichtungen ist etwas wunderbares, kann man sich doch voll und ganz seiner Münzsammlung widmen... :)

Nachdem ich vergangene Woche den 7. Band der von der CNG herausgegebenen Reihe "The Handbook of Greek Coinage Series" erhalten hatte, welcher sich mit Nord- und Zentralanatolien beschäftigt, konnte ich heute meine kleine Schar kappadokischer Drachmen anhand des Kataloges zuweisen.

Eine vom Händler dem König Ariobarzanes III. zugewiesene Drachme hat sich als eine unter seinem Vater Ariobarzanes II. geprägte Drachme erwiesen (siehe entsprechenden Thread).

Hier nun die noch fehlenden drei Drachmen (ich hoffe, meine Zuweisungen sind korrekt):

1.
Zunächst eine Drachme des Ariobarzanes I., die unter HGC 846 verzeichnet ist. Die im unteren Feld zu sehende Zahl ist ΘΚ, also 29. Sollte es sich dabei um die Angabe der Regierungsjahre handeln, wäre sie 67/66 v.Chr. geprägt worden. Im HGC gibt Hoover die Zahl in umgekehrter Reihenfolge ΚΘ an. Entweder es handelt sich um einen Zifferndreher oder beide Schreibweisen sind möglich (was ich z.B. bei Ariarathes VI. gesehen hatte). Bei einem kurzen Blick ins Internet habe ich einige Drachmen mit der Ziffernfolge wie auf meiner Münze gefunden.

2.
Eine weitere Drachme, die dem Ariarathes V. (und nicht IV.) zuzuordnen ist. Sie wird unter HGC 811 geführt. Die Zahl im unteren Feld ist ΓΛ, also 33. Wie gehabt: handelt es sich bei dieser Zahl um die Angabe der Regierungsjahre, so wäre sie 130/129 v.Chr. geschlagen worden.

3.
Diese Drachme ist dem König Ariarathes VI. zuzuweisen. Im HGC ist sie unter der Nummer 819 verzeichnet. Die Zahl im unteren Feld ist EI, also 15.

Ich habe nun versucht, diese Drachme etwas näher zu bestimmen, und zwar anhand des Artikels von Elke Krengel "Die Regierungszeiten des Ariarathes VI. und Ariarathes VII. anhand einer Neuordnung ihrer Drachmenprägung", veröffentlicht in der Schweizerischen Numismatischen Rundschau 90, 2011, S. 33-78.

Nach Frau Krengel ist die Zahl 15 dem Prägezeitraum 113/112 vor Chr. zuzuweisen (Tabelle auf Seite 51 des Artikels).

So weit, so gut. Nun wollte ich auch die Prägestätte bestimmen. Laut Frau Krengel gibt es unter dem Jahr 15 zwei Varianten von Prüfzeichen, die beide der Prägestätte A zuzuordnen sind. Das Prüfzeichen im rechten Feld ist ein Δ und entspricht somit der Nummer 5 (Serie 2) bei Frau Krengel (Tabellen Seite 54 des Aufsatzes). Das linke Prüfzeichen passt jedoch nicht. Laut Frau Krengel müsste es ein A sein. Auf meiner Münze findet sich jedoch ein Zeichen (wie ein A, jedoch anstatt des Querstrichs ein nach oben offenes kleines v), welches bei den Drachmen der Jahre 12 und 13 verwendet wurde, die von ihr zudem der Prägestätte C (Serie 1 Nummern 3 und 5) zugewiesen wurden. Auf dem Scan meiner Münze sieht man das Prüfzeichen leider nicht so gut. Vielleicht hat der Stempelschneider ja auch nur beim Querstrich des A ein wenig gezittert...
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Re: Drei weitere Drachmen aus Kappadokien

Beitragvon Altamura2 » Mo 12.03.18 19:16

Das scheint mir alles zu passen :D .

Mal eine Frage zum HGC: Gibt es dort für jede Monogrammkombination eine eigene Nummer? Oder werden wenigstens alle bekannten Monogrammkombinationen aufgeführt?

B555andi hat geschrieben:... Auf meiner Münze findet sich jedoch ein Zeichen (wie ein A, jedoch anstatt des Querstrichs ein nach oben offenes kleines v) ...

Das ist in meinen Augen nur eine ebenfalls gebräuchliche Variante des A, mit einem nach unten "geknickten" Querstrich, findet man auf griechischen Münzen immer wieder.

Gruß

Altamura
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Re: Drei weitere Drachmen aus Kappadokien

Beitragvon B555andi » Mo 12.03.18 22:46

Altamura2 hat geschrieben:Mal eine Frage zum HGC: Gibt es dort für jede Monogrammkombination eine eigene Nummer? Oder werden wenigstens alle bekannten Monogrammkombinationen aufgeführt?


Ich beziehe mich jetzt auf Ariarathes VI. - also die dritte Drachme, die ich gezeigt hatte.

Unter der Nummer 819 fasst Hoover die Drachmenprägung der Münzstätte A (Eusebeia) zusammen und nennt im "Vorspann" die Monogramme bzw. griechischen Buchstaben, die links oder rechts auftauchen können. Die einzelnen Kombinationen sind nicht aufgeführt. Danach ordnet er die Zahlen im unteren Feld eventuellen Regierungsjahren zu. Zumindest hier weicht er von Frau Krengel ab (vermutlich verwendet er die alte Zählweise aus den Simonettas?). Ich jedenfalls habe die Jahreszahlen aus dem Artikel von Frau Krengel übernommen, da mir ihre Argumentation logisch erscheint.

Unter der Nummer 820 folgt die Münzstätte B (ebenfalls in Eusebeia beheimatet) nach demselben Muster. Schließlich folgt die Nummer 821 für die Münzstätte C (Komana).

Bei Elke Krengel ist dies ja sehr ausführlich in Tabellen mit den jeweiligen Kombinationen dargestellt. Ich denke, Hoover muss irgendwo zusammenfassen, schließlich handelt es sich ja um ein "Handbook". Ich habe jetzt allerdings noch nicht überprüft, ob die von Elke Krengel getroffenen Zuordnungen sich auch in jedem Einzelfall genauso im Hoover wiederfinden. Bei meiner Münze war dies der Fall. Ich werde das mal in den nächsten Tagen nachprüfen.

Elke Krengel macht in ihrem Aufsatz (und da folgt ihr Hoover) einen klaren Unterschied zwischen dem Buchstaben A und eben diesem Monogramm mit einem V als Querstrich im A. Mit der Lupe betrachtet ist es bei meiner Drachme eindeutig das Monogramm (auch, wenn ich es mit anderen Fotos von Münzen aus dem Jahr 15 vergleiche). Sei wie es sei - meine Drachme ist unstrittig die Nummer 819 im HGC und in der Münzstätte A geprägt. Das Wichtigste ist ja nicht die exakte Zuordnung der Drachme (das ist mehr für die detektivische Spürnase), sondern die Tatsache, dass sie (für mich) eine wunderschöne Münze ist... :)
Viele Grüße
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Re: Drei weitere Drachmen aus Kappadokien

Beitragvon Altamura2 » Di 13.03.18 20:23

B555andi hat geschrieben:... Elke Krengel macht in ihrem Aufsatz (und da folgt ihr Hoover) einen klaren Unterschied zwischen dem Buchstaben A und eben diesem Monogramm mit einem V als Querstrich im A. ...

Jetzt sehe ich, was Du meinst :D .

Das ist aber kein eigenständiges Monogramm, sondern eine Variante des Alpha, im Englischen wird das häufig als "broken-bar alpha" bezeichnet. Dieses Alpha wird ab der hellenistischen Zeit parallel zum "normalen" Alpha verwendet.

Möglich, dass Du da eine neue Variante hast.

Gruß

Altamura
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Re: Drei weitere Drachmen aus Kappadokien

Beitragvon Iulia » Di 13.03.18 22:03

Da sind offenbar noch Fragen offen:
Hoover hat leider meinen Aufsatz vor der Fertigstellung seines HGC nicht mehr lesen können. Aber er folgte natürlich genauso wie ich Moerkholms Neueinteilung der Herrscher. Wir unterscheiden uns nur in der Datierung der Abschnittszahlen auf den Drachmen von Ariarathes VI. und Ariarathes VII. Ich gehe davon aus, dass meine Interpretation bei einer Neuauflage des HGC eingearbeitet wird.
Zur Bedeutung der Prüfzeichen auf kappadokischen Drachmen und Tetradrachmen: Das sind keine Abkürzungen von Prägestättennamen und auch keine Seriennummern wie auf modernen Münzen. Bei den Buchstaben und Monogrammen handelt es sich hier sehr wahrscheinlich um die Abkürzungen der Namen von Beamten. Das rechts im Feld positionierte Zeichen wahrscheinlich für den Beamten, der für die Münzprägung direkt verantwortlich war, das links im Feld positionierte Zeichen möglicherweise für den obersten Finanzbeamten der jeweiligen Prägestätte und/oder desjenigen, der die Prägung finanzierte. Nehmen wir mal an, dass dieser Mann im Fall Deiner dritten Münze Amyntas hieß. Im Jahr 15 war der Prägeausstoß der Münzstätte A = Eusebeia, das spätere Caesarea und Hauptstadt des Landes, ziemlich hoch und anhand der Stilverschiedenheit lässt sich erkennen, dass mehrere Stempelschneider gleichzeitig arbeiteten. Dann kann es schon mal vorkommen, dass der eine Stempelschneider Amyntas mit A und sein Kollege den Namen mit einem legierten AM abkürzte. Die Aussage ist dieselbe. Es kam darauf an, dass eine Jahresemission aufgrund der Kennzeichnung zwei Beamten zugeordnet werden konnte (wegen der Verantwortung für mögliche Unterschlagungen, Silberverschlechterungen usw.)

Bei seiner summarischen Aufzählungen der Buchstaben/Monogramme für Prägestätte A hat Hoover ein A mit gerader Querhaste gar nicht vorgesehen. Moerkholm und A. M. Simonetta, denen ich folge, haben für den Typ kein legiertes A aufgeführt. Lediglich B. Simonetta führt beide Varianten als 27 a und 27c auf. Aber ein eigenständiger Typ ist das nicht, eben nur eine Variante, und eine häufige auch noch, da Dein Exemplar auf dem Avers als auch Revers stempelgleich mit dem bei Hoover abgebildeten ist.
Kleine Verbesserung: Münzstätte B (Hoovers Nr. 820) ist nicht dasselbe Eusebeia wie das erste am Argaios gelegene, sondern nach seiner Meinung Tyana am Taurosgebirge. Auf jeden Fall liegen beide Münzstätten nicht in derselben Stadt.
Wo Du so viel Freude an kappadokischen Drachmen hast, hier eine kleine Bestimmungsübung: Unter diesem beachtlichen Angebot befindet sich auch ein Ariarathes VIII. (bei Hoover R2!) in guter Qualität, aber nicht erkannt und als Ariarathes VI. bezeichnet:
https://www.ma-shops.de/poinsignon/cat. ... 87&lang=de
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Re: Drei weitere Drachmen aus Kappadokien

Beitragvon B555andi » Di 13.03.18 23:35

Vielen herzlichen Dank für Deine näheren Ausführungen. Ich wusste nicht, dass Du die Autorin dieses Aufsatzes bist :)

Ich hatte bei den Zeichen nicht an Prägestättennamen o.ä. gedacht, sondern in der Tat diese als Kürzel von Beamten bzw. Beschäftigten der Münzstätten gesehen.

Vielen Dank auch für die kleine Bestimmungsübung! Ich habe einen Ariarathes VIII. (HGC 837) entdeckt. Diese Münze hatte ich wegen des (ungewöhnlichen) Portraits übrigens bereits in meiner Beobachtungsliste, die ich in aller Ruhe mal anhand des HGC durchforsten wollte. Die Münze ist nun vorzeitig aus meiner Beobachtungsliste in den Warenkorb gewandert... 8)

Von diesem Händler stammt auch die Drachme des Ariarathes VI., die ich als dritte Münze vorgestellt hatte. :wink:
Viele Grüße
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Re: Drei weitere Drachmen aus Kappadokien

Beitragvon Iulia » Di 13.03.18 23:46

Ja, der war es. Ich freue mich, dass diese seltene Münze bei einem Sammler gelandet ist, der sie wirklich schätzt!
Die Ar. VIII. können Liebhaberpreise erzielen, wie dieser hier:
https://www.acsearch.info/search.html?id=2733203
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Re: Drei weitere Drachmen aus Kappadokien

Beitragvon B555andi » Mi 14.03.18 12:08

Das ist wirklich ein stolzer Preis!

Ich vermute, dass die Angaben des HGC über Seltenheiten (insbesondere die damit verbundenen Stückzahlen) nicht immer der Realität entsprechen und finde es prima, dass ich mit Glück und fachkundiger Unterstützung auch seltenere Stücke in meine Sammlung aufnehmen kann! Also nochmals vielen Dank für Deinen Hinweis :)
Viele Grüße
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Re: Drachmen aus Kappadokien

Beitragvon B555andi » So 18.03.18 02:22

Die Drachme des Ariarathes VIII. ist bei mir eingetroffen. :)

Ihr Durchmesser beträgt 17,5mm. Das Gewicht beläuft sich auf 4,11 Gramm. Im HGC7 ist sie unter der Nummer 837 verzeichnet.
Dateianhänge
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Re: Drachmen aus Kappadokien

Beitragvon Altamura2 » So 18.03.18 09:21

Schönes Teil :D .

Gruß

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Re: Drachmen aus Kappadokien

Beitragvon Iulia » Fr 30.03.18 21:43

Den könnte man morgen vielleicht günstig bekommen, weil er falsch bestimmt ist :wink: :
https://www.biddr.ch/auctions/numismati ... 7&l=244615
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Re: Drachmen aus Kappadokien

Beitragvon B555andi » Sa 31.03.18 17:40

Vielen Dank für den Tip! :)
Viele Grüße
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Re: Drachmen aus Kappadokien

Beitragvon B555andi » Mo 02.04.18 13:42

Die Drachme ist bei Numismatik Naumann für 95 EUR zugeschlagen worden. Ich hatte weniger geboten und konnte dann bei der Live-Auktion nicht anwesend sein.

Wenn ich richtig nachgeschaut habe, dann handelt es sich bei der Münze um eine Drachme des Ariarathes IX (und nicht um eine des Ariarathes V.). Ich würde sie unter HGC 845 einsortieren. Wenn meine Bestimmung passt, dann wäre sie bei einem Zuschlag von 95 EUR (Ausrufpreis von 40 EUR) nicht mehr unbedingt als Schnäppchen zu bezeichnen - oder habe ich etwas übersehen?
Viele Grüße
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Re: Drachmen aus Kappadokien

Beitragvon Iulia » Mo 02.04.18 15:48

Für diesen Preis war die Drachme nicht mehr wirklich günstig. Aber das galt offenbar auch für die meisten anderen Münzen in dieser Auktion.
Ja, es war ein Ariarathes IX., HGC 845. Er hat denselben Beinamen wie Ariarathes V.: Eusebes, ist aber im Unterschied zu ihm an den langen Haaren zu erkennen. Es ist kein Verlust, weil konkret dieses Exemplar kein sehr typisches Portrait aufweist wie z. B. dieses hier, wo man sehr schön die Ähnlichkeit zu seinem Vater Mithradates VI. erkennen kann.
Dateianhänge
G 373hh, Ariarathes IX., Av-.jpg
Ariarathes IX., Av
G 373hh, Ariarathes IX., Rv-.jpg
Ariarathes IX., Rv
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Re: Drachmen aus Kappadokien

Beitragvon B555andi » Di 03.04.18 08:15

Dies ist ein wunderschönes Portrait! :) Die Münze aus der Auktion zeigt ein etwas "kantigeres" und länglicheres Gesicht. Ich habe eine Drachme des Ariarathes IX. auf meiner Beobachtungsliste, welche dem von Dir gezeigten Portrait sehr nahe kommt (allerdings dann doch etwas teurer als das Exemplar aus der Auktion).
Viele Grüße
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