Joachimsthal im Erzgebirge

Deutschland vor 1871

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Joachimsthal im Erzgebirge

Beitragvon heripo » Do 15.05.03 13:03

... ich hoffe, Münzfreund "planet4u" aus dem Ebay-Cafe, gestattet mir seinen "geistigen Diebstahl" ... aber ich fände es zu schade, wenn sein Beitrag auws dem E..y-Cafe in wenigen Tagen einfach verschwunden wäre. Immerhin - Der silberne "Joachimsthaler" wurde durch weglassen des Jochims zum Thaler .... ! hier die Copie des Beitrags.:

hallo zusammen - für wens noch interessiert hab ich die geschichte des dorfes, aus dem DER "joachimsthaler"-ausbeutetaler stammt - und vom taler zum dollar : Geschichte Sankt Joachimsthal (c. Jachymov), die ehemalige Bezirkshauptstadt, ist eine langgestreckte Siedlung im engen Tal am Fuß des Keilbergs im Erzgebirge, 15km nördlich von Karlsbad. Als beim Dorf Konradsgrün 1516 Silber gefunden wurde, erschloß Graf Stephan Schlick (* 24.12.1487 in Schlackenwerth, Sohn des Grafen Kaspar(ff)Schlick II., die hervoragendste Persönlichkeit des Egerländer Adelsgeschlechts Schlick) mit Hilfe sächsischer Bergfachleute das reiche Bergrevier. Die Bergsiedlung wurde zuerst kurz "das Tal" genannt, 1517 "Tal des heiligen Joachim" oder "Sct. Joachims Tal". Damals bestanden in benachbarten Sachsen bereits die erzgebirgischen Städte Annaberg, Marienberg und Josefstadt (das heutige Jöhstadt) in Erinnerung an die heilige Familie. Schon im Jahr 1518 erhielt der Ort eine erste Bergordnung, die s.g. "Schlicksche Bergordnung" als "Ordnung des freyen löblichen Bergwerks Sankt Joachimathal" bekannt. Im Jahr 1519 erhob der König "das Tal", welches damals ca. 5000 Einwohnern zählte, zur königlichen freien Bergstadt und gab ihr den Namen Joachimsthal. Die Stadt erhielt ihr erstes Wappen, Recht auf Wochenmarkt und zwei Jahrmärkte. Im Jahr 1533 erreichte man die reichste Ausbeute aus den Silberbergwerken (ca. 14.000 kg Silber). Damals arbeiteten in 914 Zechen (Gewerken) 8000 Bergknappen, 300 Schichtmeister und 800 Steiger. Dies war die Blütezeit für St. Joachimsthal. Der Ertrag des Joachimsthaler Bergbaus betrug in der Zeitspanne von 1516 bis 1594 an die 35.726.500 Gulden (fl). Schon 1519 erhielt Stefan Schlick durch
Landtagsbeschluß das Recht zu münzen und errichtete eine Münzstätte. Im Jahr 1520 begann die Prägung der ersten Silbermünzen in der
Joachimsthaler Münze; sie wurden Joachimsthaler Groschen, Taler-Groschen, Joachimsthaler, Schlickenthaler oder kurz Taler genannt.
Diese Münzsorte, auch Guldengroschen genannt, hat in der Folge den Goldgulden verdrängt. Aus "Taler" entstand später das Wort Dollar.
Das Münzrecht ging im Jahr 1528 an den König Ferdinand I. (1503-1564) über, die Münze gehörte dem König, während die Bergwerke
Eigentum der Grafen Schlick blieben. Im Jahr 1547 mußte Graf Kaspar(ff)Schlick alle Rechte auf Joachimsthal dem König Ferdinand I.
abtreten. Nach dem 30jährigen Krieg ging der Bergbau zurück. Im 17.Jh. bestanden nur noch 3 Hauptschächte: der Einigkeits-, Kaiser Josef-
und der Elias-Schacht. Im 18.Jh. wurde, neben Silber, Arsenik, Blei, Wismut und Farbkobalt gewonnen. Im Jahr 1769 wurde Joachimsthal
durch Hungersnot und 1771 und 1772 durch die Pest heimgesucht. Im Jahr 1873 fielen in St. Joachimsthal bei einem verheerendem Brand
über 400 von 581 Häusern zum Opfer. 1896 wurde die Lokalbahn nach Schlackenwerth errichtet. Sie wurde 1957 aufgelassen. im Jahr 1789
wurde die Pechblende, welche in Joachimsthal als Abfallprodukt des Silberbergbaus anfiel, von Martin Klaproth analysiert und dem neu
entdeckten Schwermetall der Name "Uran" gegeben. Im Jahre 1855 wurde in Joachimsthal eine Fabrik ("Uranfabrik") zur Gewinnung von
Uranoxyden ("Uranfarben") durch den Chemiker Adolf Patera errichtet. Die strahlenden Farben wurden bei der Herstellung von Porzellan und
Keramik verwendet. 1898 entdeckte das Ehepaar Curie im Uranpech das Element Radium, in Anlehnung an die Entdeckung der Uranstrahlung durch Wilhelm Röntgen (1895) und Henri Becquerel (1896). Seit 1908 wird das für die Radiumgewinnung benötigte Uranpecherz gefördert (näheres zur Geschichte des Urans siehe: Uranium´s scientific history 1789-1939, URL: http://ist-socrates.berkeley.edu/~rochlin/uhist.html, in englisch). Nach 1906 entwickelte sich St. Joachimsthal aufgrund seiner radioaktiven
Thermalquellen (etwa 28 Grad) zum ersten Radium-Kurbad der Welt. 1945 setzte die Vertreibung der deutschen Bevölkerung ein. Am 4. Juni
1945 wurde der Sägewerksbesitzer Steinfelsner ohne ein Gerichtsverfahren wegen angeblichen Versteckens von Waffen bei Anwesenheit der zu diesem Zweck zusammengetriebenen Deutschen neben dem Rathaus öffentlich gehängt. Etliche Einwohner, darunter auch Frauen mit Kindern, begingen Selbstmord. Viele Sudetendeutsche wurden als Zwangsarbeiter im Uranbergbau eingesetzt. Das Uran wurde in großem
Ausmaß bei St. Joachimsthal für die Sowjetische Atombombenproduktion bis 1960 gewonnen. - Ende der Capy - und danke "plane4u" für den informativen Beitrag.

Und ich verabschiede mich damit erstmal bis ca. Mitte Juni um an den Stränden der Kreuz- und sonstigen ( heute Harley- und zwischendurch Ferrari)-Fahrer nach alten Unterlagscheibchen zu suchen ... Gruß, heripo
heripo
 
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