PRESSESPIEGEL - Nur für archäologische Nachrichten

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Re: PRESSESPIEGEL - Nur für archäologische Nachrichten

Beitragvon Mynter » So 19.03.17 00:25

Peter43 hat geschrieben:War die Varusschlacht wirklich in Kalkriese?

Heute fand sich im neuen "Spiegel" ein Gespräch mit Heidrun Derks, der Leiterin des Museums Kalkriese, mit dem Titel "Das könnte einige enttäuschen". Darin berichtet sie über Zweifel an der Varusschlachttheorie bei Kalkriese und die Möglichkeit, daß es sich um die Hinterlassenschaften von Germanicus aus dem Jahr 15 n.Chr. handeln könnte. Sie meint, man habe sich zu sehr auf die Münzen konzentriert und andere Dinge vernachlässigt. Jetzt sollen metallurgische Untersuchungen gemacht werden, weil jede Armee einen eigenen metallurgischen Fingerabdruck besäße. Ist schon interessant, oder? Bezeichnend ist ihre Schlußbemerkung, daß einige Leute ihr sogar - mit Blick auf das Museum - von diesen Forschungen abgeraten haben!

Im Netz habe ich nur diesen Link gefunden, der sich mit diesem Thema befaßt: http://www.noz.de/lokales/bramsche/arti ... -kalkriese

Mit freundlichem Gruß


Die These, wonach die Varusschlacht nicht in Kalkriese stattgefunden habe,wird von wohl schon seit einigen jahren vom Hamburger Professor Siegfried Schoppe vertreten, der ab 05.08. in diesem Bericht über die Schlacht am Harzhorn interviewt wird : https://www.youtube.com/watch?v=L-ZFK-ey5c8
Schoppe hat auch zwei Bücher zu desem Thema veröffentlicht, allerdings im Selbstverlag, was ihm ,im Verein mit einem kontroversen Standpunkt, möglicherweise einen Hauch von Unwissenschaftlichkeit verleiht. Ich fand seine Bücher recht interessant, auch wenn ich die Stellen, an denen er dem guten Varus unterstellt, eventuell am Asperger- Syndrom gelitten zu haben, ziemlich fragwürdig finde.
Grüsse, Mynter
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Re: PRESSESPIEGEL - Nur für archäologische Nachrichten

Beitragvon Alm-Öhi » So 19.03.17 08:54

Schoppe hat sich ja auch - bezeichnenderweise ! - mit dem Thema Atlantis auseinandergesetzt.
It is better to know some of the questions than all of the answers.
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Re: PRESSESPIEGEL - Nur für archäologische Nachrichten

Beitragvon Pinneberg » So 19.03.17 14:31

Mich wundert, dass es noch nicht früher zu diesen metallurgischen Untersuchungen kam. -Klar, Gelder sind knapp, aber eine Varusschlacht verkauft sich natürlich besser...
Ich bin jedenfalls schon auf die Ergebnisse gespannt!
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Re: PRESSESPIEGEL - Nur für archäologische Nachrichten

Beitragvon Mynter » Mo 20.03.17 13:18

Peter43 hat geschrieben:War die Varusschlacht wirklich in Kalkriese?

Heute fand sich im neuen "Spiegel" ein Gespräch mit Heidrun Derks, der Leiterin des Museums Kalkriese, mit dem Titel "Das könnte einige enttäuschen". Darin berichtet sie über Zweifel an der Varusschlachttheorie bei Kalkriese und die Möglichkeit, daß es sich um die Hinterlassenschaften von Germanicus aus dem Jahr 15 n.Chr. handeln könnte. Sie meint, man habe sich zu sehr auf die Münzen konzentriert und andere Dinge vernachlässigt. Jetzt sollen metallurgische Untersuchungen gemacht werden, weil jede Armee einen eigenen metallurgischen Fingerabdruck besäße. Ist schon interessant, oder? Bezeichnend ist ihre Schlußbemerkung, daß einige Leute ihr sogar - mit Blick auf das Museum - von diesen Forschungen abgeraten haben!

Im Netz habe ich nur diesen Link gefunden, der sich mit diesem Thema befaßt: http://www.noz.de/lokales/bramsche/arti ... -kalkriese

Mit freundlichem Gruß

Hier der Artikel , auf den der Spiegel sich bezieht:
http://www.archaeologie-online.de/magaz ... kalkriese/
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Re: PRESSESPIEGEL - Nur für archäologische Nachrichten

Beitragvon Hansa » Mo 20.03.17 23:24

Hallo Mynter,

momentan spricht noch nichts gegen die These Varusschlacht in Kalkriese.

Schau mal hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Fundregion_Kalkriese

Besonders die Zahl der Münzen (6000), Art und Verbreitung über ein großes Areal spricht für eine Marschschlacht und Vernichtung einer Armee.
Neuerdings hat man zum früher als germanischen Wall angesprochenen Wall parallel dazu in 120 Metern Entfernung einen zweiten Wall mit Graben entdeckt und interpretiert die Anlage mittlerweile vorsichtig als (letztes) römisches Marschlager, das wegen seiner geringen Ausdehnung nur 3- 4000 Legionären Platz bot, nämlich den Resten der Varusarmee. Für die Caecina-Schlacht an den pontes longi 15 nach wäre das Lager zu klein gewesen.

Gruß Hans
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Re: PRESSESPIEGEL - Nur für archäologische Nachrichten

Beitragvon Peter43 » Di 21.03.17 00:23

Die Kalkriese-Hypothese hat sich bis jetzt zu sehr auf die Münzen gestützt:
Beide Argumentationslinien haben ihre Argumente – jedoch wurde das archäologische Fundmaterial selbst bislang kaum in der Debatte berücksichtigt«, erklären Museumsleiterin Dr. Heidrun Derks und Sammlungsleiter Dr. Stefan Burmeister vom Museum Kalkriese die Beweggründe für das Projekt.

Jochen
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Beitragvon justus » Di 21.03.17 08:07

Hansa hat geschrieben:Neuerdings hat man zum früher als germanischen Wall angesprochenen Wall parallel dazu in 120 Metern Entfernung einen zweiten Wall mit Graben entdeckt und interpretiert die Anlage mittlerweile vorsichtig als (letztes) römisches Marschlager, das wegen seiner geringen Ausdehnung nur 3- 4000 Legionären Platz bot, nämlich den Resten der Varusarmee.


Tacitus 1,62,2a
... dein semiruto vallo, humili fossa accisae iam reliquae consedisse intellegebantur.
... weiterhin merkte man an der halbumgefallenen Palisade und am flachen Graben (des zweiten Lagers), daß schon geschwächte Reste sich festgesetzt hatten.
mit freundlichem Gruß

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Re: PRESSESPIEGEL - Nur für archäologische Nachrichten

Beitragvon justus » Mi 22.03.17 19:02

Kalkriese als Ort der Varusschlacht? Großes Forschungsprojekt startet in Museum und Park

»Kalkriese als Ort der Varusschlacht? – eine anhaltende Kontroverse« ist die zentrale Frage des neuen Kalkrieser Forschungsprojekts. Gemeinsam mit dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum und der Ludwig-Maximilians-Universität München werden erstmals im großen Umfang Untersuchungen zur kulturhistorischen Kontextualisierung der archäologischen Funde des antiken Schlachtfelds von Kalkriese vorgenommen.

kalkriese-goldmuenzen_01.jpg

Gefunden auf dem antiken Schlachtfeld in Kalkriese: Acht Goldmünzen. Foto: Hermann Pentermann, Varusschlacht im Osnabrücker Land

Vier Module versuchen das Fundensemble, das hauptsächlich aus Metallen wie Eisen oder Kupferlegierungen besteht, zu fassen. Die kulturhistorische Einordnung der Kalkrieser Funde bildet den Schwerpunkt des ersten Vorhabens des Gesamtprojekts. Es geht darum ein näheres Verständnis zur einstigen Funktion der sehr stark fragmentierten, oft nur wenige Zentimeter großen Objekte vom antiken Schlachtfeld in Kalkriese zu erlangen. In einem zweiten Modul sollen mittels moderner Untersuchungsmethoden weitere Informationen zu den Funden gewonnen werden. Es wird u. a. versucht, durch der Ermittlung eines metallurgischen Fingerabdrucks die Identität der in Kalkriese untergegangen Legionen zu ermitteln. Die zentrale Frage: Welche Legionen wurden genau in die Kämpfe am Kalkrieser Berg verwickelt? Dieser neue methodische Ansatz könnte im Vergleich mit weiteren Fundplätzen wie Xanten und Vindonissa die Herkunft der in Kalkriese untergegangenen römischen Einheiten klären. »Wir leisten seitens der Materialkunde sehr gerne unseren Beitrag zur weiteren Erforschung in Kalkriese und freuen uns auf die Zusammenarbeit mit allen Partnern in diesem Projekt, an dessen Ende wir hoffentlich neue Erkenntnisse zur Frage haben: Varus oder Germanicus?«, freut sich Prof. Dr. Michael Prange, Leiter Bereich Materialkunde im Deutschen-Bergbau Museum Bochum.

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Re: PRESSESPIEGEL - Nur für archäologische Nachrichten

Beitragvon raeticus » Do 30.03.17 16:16

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