Mythologisch interessante Münzen

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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Beitragvon Peter43 » Do 24.08.06 22:04

Artemis und Kallisto

Hier ein neuer Beitrag vom 'Alleinunterhalter'! Eher zufällig stieß ich vor kurzem auf diese griechische Münze und konnte - ihr könnt es euch vorstellen - nicht widerstehen.

Böotien, Orchomenos, 4.Jh. v.Chr.
AE 20, Dichalkon, 5.91g
Av.: Artemis, in kurzem Chiton, mit Köcher auf dem Rücken, n.r. auf einem Knie knieend, schießt von ihrem Bogen Pfeil ab, [hinter ihr der Hund]
Rv.: [ERXOMENIWN]
Kallisto auf Felsen n.l. sitzend, von einem Pfeil in ihrer Brust durchbohrt und nach hinten fallend, neben ihr ihr Sohn Arkas auf dem Rücken liegend.
SNG Copenhagen 266; BMC 1-2 var.; MG 246-7; Svoronos 1914, pl. XI, 5, 7; Traite III, 940
Selten, fast SS, dunkelgrüne Patina


Mythologie:
Kallisto, die Tochter des Königs Lykaon oder nach anderen eine Nymphe, war eine Anhängerin der Artemis, hatte ihr Vergnügen an der Jagd und hatte ihr ewige Jungfräulichkeit geschworen. Allein, Zeus verliebte sich in das schöne Mädchen und verführte sie. Danach verwandelte er sie in eine Bärin, um Hera zu täuschen. Hera durchschaute dieses Manöver und veranlaßte Artemis, sie zu erschießen, worauf Zeus ihren und seinen Sohn Arkas der Maia zum Aufziehen gab. Kallisto aber versetzte er unter die Sterne (Apollod. I, c). In einer anderen Version gelang es ihr, ihre Schwangerschaft vor Artemis zu verbergen, bis sie einstmals zusammen baden sollten. Da wurde sie entdeckt und Artemis verwandelte sie in eine Bärin, als welche sie den Arkas gebar. Als sie daraufhin mit Arkas von Hirten gefangen genommen wurde und zu ihrem Vater, dem Lykaon gebracht wurde, flüchtete in den Tempel des Zeus. Wegen dieser Entheiligung sollte sie hingerichtet werden, doch Jupiter versetzte sie unter die Sterne (Eratosthenes und Hygin. Lex. Myth.). Einige erzählen auch, daß Zeus selbst die Gestalt der Artemis angenommen habe, als er sich ihr näherte (Callimach. ad Hymn. in Jovem, v. 41). Als Artemis sie nun nach ihrem Zustand fragte und sie zur Antwort gab, sie selbst sei doch die Ursache dafür, sei Artemis so verärgert gewesen, daß sie sie verwandelt habe.

Vom Schicksal des Arkas gibt es ebenfalls verschiedene Versionen. Nach der einen gab Zeus ihn der Maia zum Aufziehen. Nach einer anderen soll ihn sein Großvater Lykaon aufgenommen haben. Als den einmal Zeus besuchte, habe er ihn abgeschlachtet und ihn Zeus vorgesetzt, um zu prüfen, ob er als ein Gott auch wisse, was er esse. Jupiter durchschaute seine abscheuliche Tat, zündete sein Haus mit einem Blitz an und verwandelte Lykaon in einen Wolf. Den Arkas aber setzte er wieder zusammen, gab ihm sein Leben zurück und vertraute ihn bis zum Erwachsenwerden Ziegenhirten an. Als diese einmal mit ihm auf Jagd waren, begegneten sie seiner in eine Bärin verwandelten Mutter. Sie legten ihre Pfeile an, aber die Bärin floh vor ihnen bis in den Tempel des lykäischen Zeus. Dieser aber durfte niemals betreten werden. Wegen dieses Sakrilegs sollten beide hingerichtet werden, aber Zeus rettete sie, indem er sie unter die Sterne versetzte. Trotzdem folgte er nach anderen seinem Oheim Nyktimus in die Regierung, lehrte sein Volk das Getreide anbauen, was er von Triptolemos gelernt hatte, desgleichen die Weberkunst und das Kleidermachen, welches er von Adristus hatte. Das Land, das vorher Pelasgia hieß, bekam nach ihm den Namen Arkadien. Seine Gemahlin soll Erato gewesen sein, die ihm u.a. drei Söhne schenkte, Azan, Aphidas und Elatus, unter die er später sein Reich verteilte. Er soll auch die Stadt Trapezus in Arkadien gebaut haben.

Hintergrund:
Meist als Tochter des arkadischen Königs Lykaon benannt, war sie Jagdgefährtin der Artemis. Zeus näherte sich ihr in der Gestalt der Artemis oder Apollons. Artemis entdeckt ihre Schwangerschaft, verstößt sie und verwandelt sie in eine Bärin. Sie gebiert Arkas (nach einigen Arkas und Pan) und wird dadurch zur Landesmutter der Arkader. Die Verwandlung erfolgt auch durch Zeus oder Hera. Es wird auch erzählt, daß Artemis sie erschoß. Kallimachos verband beide Fassungen: Hera verwandelt sie in eine Bärin und befiehlt Artemis, sie zu erschießen. Zeus rettet sie durch Verstirnung. Anders: Der heranwachsende Arkas verfolgt eine Bärin, nicht wissend, daß es seine Mutter ist; um Unheil zu verhindern, verstirnt Zeus beide: Bärin und Arkturos (Arktophylax, den Bärenwächter). Darüber ärgerte sich Hera erneut und setzte bei den Meeresgöttern Okeanos und Tethys durch, daß die verstirnte Bärin 'sich nie in den Fluten des Weltmeeres baden' darf. Der Große Bär gehört deshalb zu den zirkumpolaren Sternen, die nie untergehen (Ovid. met. II, 409-531).
Zu Trikolonoi bei Megalopolis zeigte man ihr Grab im Heiligtum der Artemis Kallisto, deren Hypostase* sie ist, Paus. VIII, 35, 8; Standbilder von ihr sind literarisch bezeugt; von dem in Delphi (Paus. X, 9, 5f.) ist die Weihinschrift der Arkader gefunden. Ein pompejanisches Wandgemälde befindet sich in Neapel.

Arkas
Arkas, Eponymos* der Arkader, in der Königsliste an 4. Stelle. Paus. 8, 1-5, Sohn des Zeus und der Kallisto, einer Artemisgestalt. Er fördert die Kultur des Landes und teilt es unter seine 3 Söhne von der Nymphe Erato. Sein Grab findet sich in Mantineia, Paus. III, 8, 9. Die Mythen von ihm sind in der uns vorliegenden Form (Ovid met.II, 409ff.; fast. II, 155ff.) hellenistischen Ursprungs. Arkas wird ausgesetzt, von Hirten gefunden, zum König Lykaon gebracht, der ihn schlachtet und ihn Zeus vorsetzt. Zeus verwandelt Lykaon in einen Wolf und stellt des Arkas Glieder wieder her. Erwachsen, verfolgt Arkas eine Bärin, nicht wissend, daß es seine Mutter ist, in ein Heiligtum; Zeus versetzt beide an den Himmel.

*Eponymos: Namensgeber (einer Stadt oder Landschaft)
*Hypostase, hier: Personifizierung einer göttlichen Eigenschaft oder religiöser
Vorstellungen zu einem eigenständigen göttlichen Wesen (d.h.
Kallisto ist eigentlich Artemis selbst!)

Kunstgeschichte:
Die Verwandlung in eine Bärin zeigt ein apulisches Vasenbild (Oinochoe, um 370 v.Chr.; Malibu, GM). Die Verführung, mit Zeus in der Gestalt der Artemis neben Kallisto, malten u.a. Rubens (1613; Kassel, SM), F.Boucher (1769; London, WC) und J.-H. Fragonard (um 1753; Angers, MBA); nur ein Adler oder ein Blitzstrahl als Attribut läßt hier erkennen, daß es sich um Zeus handelt. Seine Verwandlung in eine weibliche Gottheit gab den Malern vor allem des 18.Jh. das Sujet oder den Vorwand für die Darstellung eines zärtlichen Tete-a-tete zweier Frauen nicht ohne sapphische Untertöne. Wie Artemis die Schwangerschaft der Kallisto beim Baden entdeckt und unter den mißbilligenden Blicken der anderen Nymphen auf sie mit Fingern zeigt, schilderten Tizian (um 1568; Wien, KM) und Annibale Carracci (um 1603; Rom, Palazzo Farnese). Bei Palma Vecchio (um 1525; Wien, KM) dient die Szene zur Präsentation weiblicher Aktfiguren in den unterschiedlichsten Stellungen

Beigefügt habe ich ein Bild des Gemäldes von Tizian.

Quellen:
Der kleine Pauly
Benjamin Hederich, Gründliches mythologisches Lexikon
Karl Kerenyi, Mythologie der Griechen
Ovid, Metamorphoses
Pausanias, Reisen durch Griechenland

MfG
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Beitragvon Peter43 » Do 24.08.06 22:08

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Beitragvon chinamul » Fr 25.08.06 18:46

Venus

Diese Göttin tritt in den verschiedensten Ausformungen und Darstellungen auf. Hier haben wir es mit dem Typus der Venus zu tun, die sehr suggestiv mit einer Haarlocke spielt. An der weiblichen Schönheit dieser Venus gibt es vielleicht so einiges auszusetzen, aber nicht alle Hersteller dieser Statuetten waren große Künstler. Es muß uns in diesem Falle also die historische Authentizität genügen.
Größe: 96 mm

Gruß

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Beitragvon Peter43 » Fr 25.08.06 22:36

Hallo Chinamul!

Also, wenn ich zu wählen hätte zwischen der Venus von Willendorf und Deiner Venus, dann wüßte ich schon, wie ich mich entscheiden würde!

MfG
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Beitragvon andi89 » Sa 26.08.06 12:38

Artemis von Ephesos


Cistophor des Hadrian(117 – 138)
AV: HADRIANVS AVGVSTVS P P, barhäuptiger Kopf des Hadrian n. r.
RV: COS III, Statue der Artemis Ephesia, mit ausgestreckten Händen, frontal stehend, an jeder Seite ein Hirsch, Zusammengeknotete Tücher von den Händen herabhängend;
geprägt nach 128 in unbekannter Münzstätte
Gewicht: 10,81 g
RIC II 489, BMCRE 1061, RSC 319


Die Artemis von Ephesos oder auch Artemis Ephesia war die Stadtgöttin der kleinasiatischen Stadt Ephesos. Ausgangspunkt ihres Kultes ist wohl die sehr alte Vorstellung der „Heiligen Hochzeit“, die in weiten Teilen des kleinasiatischen Raumes verbreitet war. Es handelt sich hierbei um die Vereinigung einer Muttergottheit, die meist in Gestalt eines Löwen zu denken ist, mit einem Wettergott, der die Gestalt eines Stieres besitzt. Mit der Zeit änderte sich das Erscheinungsbild, aus dem stierähnlichen Wettergott wurde eine menschenähnliches Wesen, das auf einem Stier steht, aus der Muttergottheit in Löwengestalt wurde ebenfalls ein menschliches Wesen, das auf einem Löwen steht. Die „Heilige Hochzeit“ vollzog sich in einer Höhle, wobei der männliche Wettergott nach der Vereinigung seine Kraft verlor und starb. Die Mutter-und Erdgöttin dagegen könnte der Welt ihre, durch die Hochzeit erhaltene, Fruchtbarkeit bringen.
Elemente davon finden sich auch in dem Kult und der Darstellung der Artemis von Ephesos wieder. Die Löwen als Symbole der Erdgöttin kann man auf verschiedenen Statuen sehen. Auf vielen Darstellungen trägt sie zwischen Brust und Bauch eine Reihe ovaler Gegenstände, diese sollen Stierhoden darstellen. Es wurden nämlich jedes Jahr im Frühjahr in Ephesos Stiere der Artemis geopfert. Die Hoden der Opfertiere wurden dann an ihr Kultbild geheftet. Hier wird die alte Vorstellung von der Vereinigung der beiden Gottheiten deutlich. Die Opferstiere sterben, doch durch die Vereinigung bringen sie neue Fruchtbarkeit für das neue Jahr.
Bei diesem jährlichen Opfer wurden die Hörner der Opferstiere mit Stoffbinden umhüllt, diese finden sich zusammengeknotet und von dem Händen herabhängend auch auf Münzdarstellungen wieder.
Zu diesen Attributen kamen natürlich noch weitere hinzu, zum Beispiel der Hirsch, Pfeil und Bogen, die Artemis als Göttin der Jagd ausgeben.

Ich möchte noch hinzufügen, dass die Ausdeutung des Behanges als Stierhoden nicht ganz unumstritten ist, ich persönlich finde es aber eine extrem wahrscheinlich, deshalb habe ich es auch hier entsprechend geschrieben.

Zur Veranschaulichung habe ich unten noch die Abzeichnung einer Statue der Artemis Ephesia aus dem Museum von Neapel hinzugefügt.
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ArtemisEphesos.jpg
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Beitragvon chinamul » Sa 26.08.06 12:56

Als Ergänzung dieses Beitrags hier ein Link mit weiteren Informationen zum Artemisium von Ephesos:

http://www.numismatikforum.de/ftopic6900-180.html#77617

Gruß

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Beitragvon Peter43 » Mi 30.08.06 00:01

Die weiße Sau von Lavinium

Hier möchte ich erneut eine republikanische Münze vorstellen mitsamt ihres mythologischen Hintergrunds. Es ist eine der hübschesten republikanischen Münzen, die ich besitze, und ich bin ein wenig stolz, sie in meiner Sammlung zu haben.

Es ist ein Denar des Münzmeisters C. Sulpicius C. f. Galba aus der gens Sulpicia.
AR - Denar, 20mm, 3.67g
Rom 106 v.Chr.
Av.: Die belorbeerten Köpfe der Di Penates hintereinander n.l.
davor D.P.P. (für Di Penates Publici)
Rev.: Zwei männliche Figure stehen sich gegenüber., beide halten einen Speer, der r.
deutete mit der re Hand auf eine Sau, die zwischen ihnen n.l. liegt..
darüber N (Kontrollmarke)
im Abschnitt C.SVLPICI.C.F.
Crawford 312/1; Sydenham 572; Sulpicia 1
Selten, VZ

Oft wird die Rückseite als die Darstellung eines Eidszene beschrieben. Aber die Darstellung eines Fetialopfers bei einer Eidesleistung ist wenig wahrscheinlich, weil hierbei das Tier stets mit dem Silex sacrum, dem steinernen Opfermesser, getötet wurde, von dem hier nichts zu sehen ist.

Mythologie:
Wir befinden uns mit dieser Reversszene im Sagenkreis des Aeneas. Bereits die Di Penates Publici gehören zu Aeneas. Er hatte sie bei der Flucht aus Troja zusammen mit dem Palladium nach Italien gebracht. Und darauf bezieht sich auch die Rückseite.

Bei der Flucht aus Troja hatte Helenus, ein Sohn des Priamos, dem Aeneas geweissagt, daß er dort, wo eine weiße Sau 30 Ferkel würfe, eine Stadt gründen würde. Eine andere Weissagung war, daß sie dort eine neue Heimat finden würden, wo sie ihre Tische aufäßen.

Als Aeneas mit seinen Trojanern nach einer langen Irrfahrt aus Karthago kommend an der Küste von Latium landete, setzte er sich mit ihnen am Strand nieder und sie begannen zu essen. Da bemerkte Ascanius, der kleine Sohn des Aeneas, daß sie ja ihre eigenen Tische äßen, denn sie hatten die Speisen auf Petersilienblätter oder hartes Brot gelegt. Da war die erste Weissagung erfüllt, hier sollten sie sich niederlassen. Aeneas wollte zu diesem Anlaß eine trächtige weiße Sau opfern, die er auf seinem Schiff mitgebracht hatte. Aber die Sau entsprang und floh 24 Stadien in das Landesinnere, legte sich unter einen Eichenbaum (oder Ilexbaum) und warf dort 30 weiße Ferkel. Da wußte Aeneas, daß sich auch diese Weissagung erfüllt hatte und er hier eine Stadt gründen sollte. Der Held opferte die Ferkel den Penaten und errichtete an dieser Stelle einen Schrein. Die neue Stadt nannte er nach Lavinia, der Tochter des Königs Latinus, Lavinium. Die 30 Ferkel aber bedeuteten, daß erst 30 Jahre danach seine Nachfolger in den sicheren Besitz dieses Landes gelangen sollten.

Ganz so geradlinig verlief die Geschichte leider nicht: König Latinus gab Aeneas seine Tochter Lavinia erst, nachdem er in einem Krieg von den Trojanern besiegt worden war. Lavinia aber war bereits verlobt mit dem Rutulerkönig Thurnius. Der zog daraufhin in den Krieg gegen die Latiner und Trojaner, wurde aber besiegt. Dabei fielen sowohl er als auch Latinus. So wurde Aeneas König in Latium. Die Kriege zwischen den Rutulern und Latinern gingen weiter, und in einem wurde Aeneas getötet. Seine Leiche wurde von einem Fluß entführt, sodaß er verschwunden blieb. Danach wurde Ascanius König. Ihm gelang es endlich, die feindlichen Völker zu besiegen, und die Latiner wurden immer stärker und mächtiger, sodaß sie eine neue Stadt gründeten, Alba Longa.

Alba Longa wurde genau 30 Jahre nach Lavinium gegründet, und so erfüllte sich die Weissagung auch hier. Der Name Alba Longa soll von der weißen Sau kommen (= Lange Weiße). So ist Lavinium die Mutterstadt von Alba Longa und letztendlich auch von Rom.

Auf dem Forum von Lavinium stand eine Bronzestatue der Sau, ihr Körper wurde von den Priestern in Salzlake konserviert. Den Penaten des zerstörten Troja gab Aeneas in Lavinium eine neue Heimat. Daher war der Kult der Penaten eng mit Lavinium verbunden, von woher die Sulpicier, die Familie des Münzmeisters, stammten. Während der Republik war es üblich, daß die Diktatoren und die hohen römischen Beamten, die ein imperium hatten, bei ihrem Amtsantritt den Amtseid im Tempel der Di Penates in Lavinium ablegten.

Hinzugefügt habe ich das Bild eines Reliefs von der Westseite der Ara Pacis auf dem Marsfeld in Rom. Es zeigt, wie Aeneas die Sau von Lavinium den Penaten opfert, wie es in Buch III und VIII von Vergils Aeneis prophezeit worden war. Die Opfergehilfen sind bekränzt und halten die Sau und eine Schale mit Früchten. Aeneas mit verhülltem Kopf, gießt eine Libation. Er hält einen Speer als Zeichen seiner Macht. Der junge Ascanius trägt Trojanische Kleidung und hält einen Schäferstab (Paul Zanker)

Ich möchte aber nicht verhehlen, daß es auch eine andere Interpretation dieses Reliefs gibt: Da ist es Numa und ein fremder König, die beide über einem frühen Friedensaltar opfern, um den geschlossenen Frieden zu garantieren. Die beiden anderen Figuren könnten dann Jupiter und Dis sein, als Zeugen dieser Abmachung.
http://www.highbeam.com/library/docfree ... &print=yes

Quellen:
Der kleine Pauly
Vergil, Aeneis
Cassius Dio, Rom, Vol.VI, Frg.3
Origo Gentis Romanae

MfG
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Beitragvon Peter43 » Mi 30.08.06 00:07

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Vielleicht können die Mods diese unnötigen Postings löschen?
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Beitragvon chinamul » Mi 30.08.06 10:52

Zur Lavinischen Sau hier noch ein Link zu einem Beitrag im Thread "Historisch interessante Münzen", der auch in diesen Thread gepaßt hätte:

http://www.numismatikforum.de/ftopic6900-345.html

Gruß

chinamul
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Beitragvon Peter43 » Mi 30.08.06 12:58

Du hast recht, Chinamul, Dein Beitrag beschäftigt sich mit demselben Thema. Ich hatte vorher im Forum nach Informationen gesucht, aber wenn man 'Lavinium'eingiebt, erscheint Dein Beitrag nicht, sondern nur ein anderer mit einer Fälschung!

Mfg
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Beitragvon chinamul » Do 31.08.06 20:13

Noch eine Venus (Größe 98 mm) aus der Sammlung meiner Frau! Diesmal eine vom Typus der "Sandalenlöserin". Sie ist, wie man es bei uns in Norddeutschland auszudrücken pflegt, "recht gut bei Schick", d. h. sie hat mehr rubenssches Format :D als die vorige Göttin.

Gruß

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Beitragvon beachcomber » Do 31.08.06 23:01

prachtvoll!
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Beitragvon Peter43 » So 03.09.06 00:59

Die Catanischen Brüder

Und noch einmal eine typisch römisch Sage: Die Geschichte der frommen Brüder von Catania.

AR - Denar, 3.91g
Rom ca. 108-107 v.Chr.
Av.: Kopf der Pietas, diademiert und mit Halskette, n.r.
unter dem Kinn .X (Kontrollmarke)
dahinter PIETAS (AT ligiert)
Rv.: Einer der Catanischen Brüder (Anapias oder Amphinomus), nackt, läuft n.r., trägt
seinen Vater auf den Schultern; der, in Himation, hat die re Hand erhoben und
blickt zurück.
im Abschnitt M.HERENNI (HE ligiert)
Crawford 308/1a; Sydenham 567; Herennia 1; RCTV 185
Fast VZ

Diese Münze zeigt die Ikonographie der berühmten Sage von den Sizilianischen Brüdern (in späteren Quellen Amphinomus und Anapias genannt). In ihrer ältesten Version, geschrieben vom griechischen Redner Lycurg (In Leocr. 95 s.) werden noch keine Namen genannt, und außerdem ist es hier nur ein einziger frommer Held, eine Tatsache, die nicht übereinstimmt mit der Einordnung des 'eusebon choron (= Platz der Frommen)', unter welchem Namen der Ort, an dem diese Ereignisse stattfanden, später bekannt wurde. Dasselbe Ereignis war auch die Inspiration für den Exkurs am Ende des pseudo-vergilischen Gedichts 'Aetna'. Lycurgus erzählt die Geschichte so: "Man erzählt, daß in Sizilien einmal bei einem Ausbruch des Ätna ein Feuerstrom hervorbrach, der durch die Gegend floß und insbesondere in Richtung auf eine nahe Stadt. Jedermann versuchte zu fliehen, um sich selbst zu retten, aber ein junger Mann, der sah, daß sein alter Vater nicht allein vor dem Lavastrom fliehen konnte, der ihn fast erreicht hatte, hob den alten Mann auf seine Schultern und trug ihn davon. Niedergedrückt durch seine Last, glaube ich, wird ihn der Lavastrom auch verschlungen haben. Hier aber kann man das Wohlwollen der Götter gegenüber tugendhaften Menschen beobachten: Die Geschichte erzählt, daß das Feuer die ganze Gegend umzirkelt hat und daß nur sie allein von allen gerettet wurden. Als Ergebnis wurde dieser Platz 'Sitz des Frommen' genannt, ein Name, der bis jetzt bewahrt wird. Die anderen aber, die in ihrer Hast zu fliehen ihre Eltern vergessen hatten, starben alle einen qualvollen Tod."

Bei Pausanias X, 28, 4 heißt es:
Die Alten hielten nämlich ihre Eltern in höchsten Ehren, wie man unter anderem auch in Katane von den sog. "Frommen" entnehmen kann, die, als das Feuer vom Aitna auf Katane zufloß, Gold und Silber für nichts achteten, sondern flohen, der eine seine Mutter, der andere den Vater tragend. Da sie nun so nur schwer vorwärts kamen, erreichte sie das nachdrängende Feuer mit seinen Flammen, und da sie auch jetzt die Eltern noch nicht niedersetzten, soll der Strom sich in zwei Teile gespalten haben, und das Feuer floß an den Jünglingen selber und mit ihnen an den Eltern vorbei, ohne ihnen zu schaden. Diese nun werden jetzt noch bei den Katanaiern verehrt.

Der kleine Pauly:
Amphinomos und Anapias, ein frommes Brüderpaar aus Katane(?), das bei einem Ausbruch des Ätna seine Eltern aus den Flammen trug und auf wunderbare Weise gerettet wurde. Der Ort, an dem auch Steinbilder der Jünglinge standen, hieß Eusebon choros. Die Geschichte wird in der antiken Literatur häufig erwähnt, wobei die Namen wechseln, z.B. Paus. 10, 28, 4. Zuerst Lykurg. Leokr.95, der nur von einem Jüngling spricht, der seinen Vater rettet. Hyg., Stob. und Solin. geben ihnen abweichende Namen. Der Ort bei Katane, an dem ihre Statuen standen, hieß 'Ort der Frommen', und noch eine späte Inschrift nennt ihretwegen Katana 'die berühmte Stadt der Frommen'. Ihre Statuen erscheinen auf Gemmen und und sogar auf römischen Münzen als Symbol der römischen pietas.

Die Herennia waren eine oskische Familie. Im Jahre 121 v.Chr. nahm sich ein Herennius Siculus während der Gracchenkriege im Gefängnis das Leben. Er war Haruspex und ein Freund des Gaius Gracchus. Möglicherweise findet sich auf den Münzdarstellungen des Marcus Herennius (Pietas) eine Anspielung auf ihn.

Pietas
Bei den Römern ist die Pietas das pflichtgerechte Verhalten gegen Gott und die Menschen. Als iustitia adversos deos durch das fast synonyme religio ersetzbar, bezeichnete pietas besonders den menschlichen Bereich: die Haltung der Pflichterfüllung gegen Verwandte, verstorbene wie lebende, besonders die Eltern; auch gegen das Vaterland. In ihrem familiär-sozialen, vom religiösen freilich kaum zu trennenden Sinn, wurde pietas personifiziert und wie Fides, Virtus u.a. die Ordnung erhaltende, göttliche Werte kultisch erhöht, so in dem ihr 180 v.Chr. geweihten Tempel in foro holitorio, dort wo einst mit ihrer Milch eine Tochter den eingekerkerten Vater erhalten hätte. Der enge Bezug der Familie zum Staat machte die pietas zu einer der großen römischen Tugenden und damit politisch bedeutsam: Pius-Cognomen und pietas-Münzen - mit dem Storch (der seine Eltern im Alter nährt) als Symbol - noch in republikanischer Zeit, besonders aber die alle Seiten der altrömischen pietas (verkörpert im "pius Aeneas" Vergils) beschwörende programmatische Verwendung bei Augustus und davon ausgehend die "Pietas Augusta" als Kaisertugend.

Das Bild zeigt das Fresko des Rosso Fiorentino (um 1495-1540), Die Catanischen Zwillinge, Anapias und Amphinomos, am Sacrificial Altar, 1535. Es befindet sich in Fontainebleau.

Quellen:
Pausanias, Reisen durch Griechenland, Buch X
Der kleine Pauly
CNG
Numiswiki (im amerikanischen Forum)

MfG
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Beitragvon Peter43 » So 03.09.06 01:04

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Beitragvon helcaraxe » So 03.09.06 02:11

Sag mal, Peter, hast Du schon mal daran gedacht, ein Buch herauszugeben:
"Römische Mythologie im Kleinformat" oder so ähnlich?

:-)
Viele Grüße
helcaraxe
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