Mythologisch interessante Münzen

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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Beitragvon Peter43 » Sa 28.10.06 14:25

Zeus Kataibates

Und da wir gerade bei Zeus-Epiklesen sind, hier noch der Zeus Kataibates::

Syrien, Cyrrhestica, Cyrrhus, Marcus Aurelius SNG UK 660
Marcus Aurelius 161-180
AE 23, 12.9g
Av.: AVTO KM A[VRH] - ANTWNINOC CEB
belorbeerte Büste n.r.
Rv.: [DIOC] KATEBATOV - KVRRHCTWN
Zeus Kataibates, in Himation, sitzt n.l. auf Felsen, stützt den re. Arm auf sein Knie, hält in der re. Hand Blitzbündel und in der Linken sein Zepter; li. vor ihm ein Adler n.r.
SNG UK 1301, 660
Extrem selten, mit attraktiver roter, erdener Patina

Kataibates (= herniederfahrend) war eine Epiklesis des Zeus als Blitzgott (vgl. Aischyl. Prom. 358), dem die vom Blitz getroffenen Stellen (elusia, enelusia, lat. putealia, bidentalia) geweiht waren, Poll. 9, 41. Diese wurden dann von einem Zaun oder einem anderen Gehege umgeben und galten als heilig. Kulte für Zeus den 'Herabsteiger' gab es in Athen, in Olympia (Paus. 5, 14, 9), auf mehreren ägäischen Inseln, in Tarent und in Kyrrhos in Syrien.

Nach neuesten Ergebnissen soll auch der Tempel von Zeugma dem Zeus Kataibates geweiht gewesen sein:

Syrien, Commagene, Zeugma, Philipp II., SNG Copenhagen 35
Philipp II. 244-249 n.Chr.
AE 29, 15.7g
Av.: AVTOK KM IOVLI PHILIPPOC CEB
Büste, drapiert und cürassiert, belorbeert, n.r.
Rv.: ZEVGM - ATEWN (Z gespiegelt, wie üblich)
Viersäuliger Tempel, darin Kultstatue des Zeus Kataibates, frontal
sitzend, Zepter in der li. Hand; davor Peribolos mit heiligem Hain
und monumentalem zweitürigem Tor.
Unten capricorn n.l.
BMC 35 var. (Capricorn n.r.!); SNG Copenhagen 35
fast SS
Das Capricorn war das Sternzeichen des Augustus und das Symbol der Legio IIII Scythia, die in Zeugma stationiert war.

Über diesen Typ gabe es einen interessanten Thread unter
http://www.forumancientcoins.com/board/ ... #msg177381
Zum Kultbild siehe: Antonio Miguel de Guadan, "El abaton de Zeus Kataibates en Zeugma de Commagene segun las representaciones monetarias", Acta Num 2 (1972), pp. 1-18.

Zeugma war eine Doppelstadt (daher der Name!) am oberen Euphrat, durch eine wichtige Brücke verbunden mit Apameia am anderen Ufer. Aus strategischen Gründen von Seleukos I. als Seleukeia gegündet. Der abgebildete Tempel des Zeus Kataibates befand sich wahrscheinlich auf der Akropolis von Zeugma. Leider versinkt diese unschätzbare antike Stätte im neuen Euphrat-Stausee, den die Türkei gegen den Protest der zivilisierten Welt gebaut hat!
Weitere Informationen über Zeugma finden sich unter
http://www.arts.uwa.edu.au/Classics/archeology/Z2.html
http://www.ist.lu/zeugma/home.html.

Kataibates war übrigens auch noch der Beiname anderer Götter:
1. des Acheron, weil die Schatten auf dem Weg in die Unterwelt zu ihm herabstiegen
2. des Apollo, der unter diesem Namen angerufen wurde. um eine glückliche Heimkehr zu
garantieren
3. und des Hermes, der die Schatten in die Unterwelt begleitete, in Athen und Rhodos.
Auch Demetrios Poliorketes wurde in Athen Kataibates genant (dort, wo er vom Wagen gestiegen war!).

Epiklesis = soviel wie ein Beiname, unter dem ein Gott auch angerufen wurde.

Mit freundlichem Gruß
Dateianhänge
cyrrhus_cyrrhestica_marc_aurel_SNGuk660.jpg
zeugma_philippI_SNGcop35.jpg
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Beitragvon Peter43 » Sa 28.10.06 14:29

Venus Cloacina

Römische Republik, L. Mussidius Longus, gens Mussidia
AR - Denar, 3.73g, 17.5mm
Rome, 42 v.Chr.
Av.: Büste der Concordia, mit Schleier und Diadem, n.r.
dahinter CONCORDIA
Rv.: Runde Plattform mit Balustrade und der Inschrift CLOACIN, auf der zwei
weibliche Figuren (wahrscheinlich Cloacina und Venus) stehen, die sich mit der re
Hand auf einer kleinen Säule abstützen. Die li Figur hält in der erhobenen li Hand
einen Zweig (wahrscheinlich einen Myrtenzweig); zur Plattform führt li eine
Treppe hoch mit einem Porticus.
darüber L.MVSSIDIVS.LONGVS
Ref.: Crawford 494/42a; Sydenham 1093; Mussidia 6b; BMCR 4242
hübsches SS, sog. Bankers-Markierung auf der Vs.

Ich hatte mich schon immer gewundert, wie Venus, die Göttin der Liebe und der Schönheit, zu diesem Beinamen kommen konnte, der ja etwas anrüchig ist. Hier versuche ich eine Erklärung:

Die Rückseite stellt den Schrein der Venus Cloacina dar, dessen Fundament man heute noch auf dem Forum Romanum in Rom an der Südseite der Basilica Aemiliana sehen kann. Dieses Heiligtum ist eines der ältesten auf dem Forum. Es ist so alt, daß selbst die Römer seinen eigentlich Sinn nicht mehr verstanden haben und Mythen erfanden. Cloacina kommt wahrscheinlich vom lateinischen 'cluere', was reinigen bedeutet.

Mythologie:
Nach dem Raub der Sabinerinnen - siehe Beitrag in diesem Thread - war es zum Krieg zwischen den Römern und den Sabinern gekommen. Erst als sich die geraubten Sabinerinnen zwischen ihre Väter und ihre neuen Ehemänner warfen, kam es zur Beendigung des Krieges. An dieser Stelle soll dann die Versöhnung stattgefunden haben verbunden mit einem großen Sühne- und Reinigungsritual (cluere!), wie Plinius in seiner römischen Geschichte schildert (NH X, 119-120). Dabei spielten Myrten eine Rolle, die damals an diesem Ort zahlreich wuchsen. Sie wurden beim rituellen Reinigen benutzt, da man ihnen die Kraft dazu nachsagte. Zudem waren sie der Venus heilig, die als Ahnherrin der Römer galt.

Ebenfalls hier soll die schöne Tochter Verginia oder Virginia von ihrem Vater Lucius Virgineus, einem plebeischen Centurio, getötet worden sein, um sie vor der Schande zu bewahren, als Sklavin in den Besitz des tyrannischen Decemvirn Appius Claudius Crassus zu gelangen. Dieser begehrte sie und hatte deswegen behauptet, sie sei die Tochter eines entlaufenen Sklaven. Nach den strengen Zwölftafelgesetzen hätte sie danach zu seinem Besitz gehört. Der Mord führte zur Abschaffung der Decemvirnherrschaft (449 v.Chr.) und Lucius Virgineus wurde der erste gewählte Tribun. Diese Geschichte basiert wahrscheinlich auf der Sage von Lucretia, die vom Sohn des König Tarquinius Superbus vergewaltigt wurde und sich dann selbst aus Scham tötete, was dann zum Ende des etruskischen Königtums in Rom führte und zur Gründung der Republik.

Hintergrund:
Das Heiligtum der Venus Cloacina markiert die Stelle, an der die Cloaca Maxima das Forum erreicht und den dort verlaufenden Fluss Velabro übernimmt. Dieser Fluss bildete die Grenze des Gebietes der beiden verfeindeten Parteien, die nun an eben dieser Grenze Frieden schlossen. Das Heiligtum, dessen Aussehen dank der Abbildung auf dieser Münze bekannt ist, war nicht überdacht, sondern bestand aus einer runden Umfassungsmauer und zwei Kultbildern. Ursprünglich war es wohl ein Schrein der Cloacina (Liv. III. 48). Der Ursprung ihres Kultes und die Errichtung des Heiligtums gehören wahrscheinlich in die erste Periode der Geschichte der Cloaca Maxima, stammt also entweder aus der Zeit ihres Baus oder einer wichtigen Renovierung, obwohl die Überlieferung es Titus Tatius zuschreibt (Lact. Inst. I.20.11). Im Laufe der Zeit wurde Cloacina mit Venus identifiziert und Venus Cloacina genannt. Dabei könnten die Myrten eine Rolle gespielt haben, die der Venus heilig waren. So wäre die Zurückführung auf die sagenhafte Versöhnung der Römer mit den Sabinern der Versuch, diesen Zusammenhang zu erklären.

Das Forum Romanum war, bevor es zum Zentrum des Römischen Reiches wurde, ein
von Malariamücken beherrschtes Sumpfgebiet, durchzogen nur von Rinderpfaden. Es konnte erst besiedelt werden, nachdem es durch den Bau der Cloaca Maxima drainiert und entwässert worden war. Der Lacus Curtius erinnert noch an diese feuchte Vergangenheit. Den ursprünglich offenen Abwässerkanal bauten die Etrusker, die großen Lehrmeister der Römer. So war Cloacina wahrscheinlich zunächst eine etruskische Göttin und die Römer haben sie - wie so oft - einfach übernommen. Daß sie auch verantwortlich ist für das Hochzeitsbett, ist daraus erklärbar. Dieser Abwasserkanal war eine der großen, revolutionären Erfindungen. Er erst machte Rom bewohnbar, ja man kann - etwas verkürzt - sagen: 'Rom, das ist die Cloaca Maxima'. Und daß dieses großartige Bauwerk eine zuständige Göttin erhält, ist gut zu verstehen.

Die Reste des Schreins wurden 1899-1901 vor der Basilica Aemilia gefunden. Er bestand aus einer runden Marmorbasis. Sein Durchmesser ist 2.40m und er ruht auf einer Travertinplatte und 8 Umgängen aus verschiedenen Steinen. Dies zeigt, daß der Schrein mehrmals erhöht wurde, wenn die Basilica es erforderte. Der Schrein zeigt zwei weibliche Gottheiten. Die linke scheint einen Myrtenzweig hochzuhalten. Das wäre dann ein Symbol der Reinigung und des Hochzeitsritus des Durchschreitens. Die rechte scheint bewehrt zu sein und wäre dann der Wächter der Anlage.

Angefügt habe ich das Bild eines Modells des Cloacina-Schreins und ein Bild, auf dem man sehen kann, was man heute davon auf dem Forum Roman findet. Ans Herz legen möchte ich allen Interessierten noch folgenden Link: http://home.surewest.net/fifi/index50.html Hier findet man ein hübsches 3D-Modell des Forums und natürlich sieht man hier auch den Schrein der Cloacina!

Quellen:
Wikipedia
William Smith, Dictionary of Greek and Roman Biography and Mythology (online)
http://www.vroma.org/~jruebel/cloacina.html

Mit freundlichen Grüßen
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mussidius_Crawford494.42a.jpg
cloacina-draw.jpg
sacrum Cloacinum.jpg
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Beitragvon Peter43 » Sa 18.11.06 22:26

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Beitragvon chinamul » So 19.11.06 14:32

Diesen Denar suche ich schon seit Jahren, habe aber bisher noch kein befriedigend erhaltenes - und bezahlbares - Exemplar gefunden.
Der Link zu den Bauten zeigt Meisterwerke der Modellbaukunst, ist aber leider nicht optimal fotografiert. Dennoch ist das ein sehr informativer Link. Danke dafür!

Gruß

chinamul
Nil tam difficile est, quin quaerendo investigari possit
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Beitragvon Peter43 » Fr 24.11.06 03:16

Achill gegen den Flußgott Xanthos

Aeolis/Asia Minor, Kyme, pseudo-autonom, Zeit des Gallienus
AE 21, 4.2g
geprägt unter dem Magistrat Ail. Ermeias, 253-268 n.Chr.
Av.: IERA CVN. - .KLHTOC
Jugendliche Büste des Senats, drapiert, n.r.
Rv.: AIL.ER - M[E]
Flußgott Xanthos, bärtig, bekränzt, nackt bis zur Hüfte, sitzt n.l., stützt sich mit
der Linken auf Gefäß, aus dem Wasser strömt, und hält in der erhobenen Rechten
lange Wasserpflanze.
im li Feld KVMA / I
im Abschnitt [X]ANQO[C]
SNG von Aulock 1648; Franke KZR 204; SLG Prowe III, 724; BMC 13, 114
SS, leichte Rauhigkeit

Wenn man sich seine Münzen genauer ansieht, ergeben sich meistens interessante Geschichten. So war es auch bei dieser. Zunächst war ich an ihr nur interessiert gewesen, weil sie den Namen des Flußgotts trug: Xanthos, was selten ist. Als ich dann
weiter recherchierte kam dieses heraus:

Hier handelt es sich um den troischen Flußgott Xanthos. Nicht zu verwechseln mit dem lykischen Xanthos! Heute heißt er Kucukmenderes. Er entspringt vom Ida-Gebirge, durchfließt die Ebene von Troja und mündet nach 97km nördlich von Troja in den Hellespont (die heutigen Dardanellen). Mehrere seiner Zuflüsse waren ebenfalls Götter.

Mythologie:
Dieser Fluß spielte im Trojanischen Krieg eine wichtige Rolle. Homer sagt, daß zwar die Götter ihn Xanthos nannten, der Fahle, (wegen seiner Farbe), daß er aber bei den Menschen den Namen Skamander trug. In der griechischen Mythologie war er ein Okeanide, ein Sohn des Okeanos und der Tethys. Von Idaea hatte er den Sohn Teukros.

Während der Belagerung von Troja hatten die Achäer ihr Lager in der Nähe seiner Mündung aufgeschlagen und die großen Schlachten zwischen ihnen und den Trojanern fanden statt in der großen Ebene des Skamander. Aber Skamander, der Flußgott, griff auch selbst in die Kämpfe ein.

In Buch XXI der Ilias, also ziemlich am Ende des Trojanischen Krieges - Achill hatte wieder in den Kampf eingegriffen -, schreibt Homer, wie die Trojanischen Truppen in Panik vor Achill fliehen. Ein Teil der Armee versuchte sich in die Stadt zu retten, während ein anderer Teil Zuflucht in der Nähe des Xanthos suchte. Diese zweite Gruppe schnitt Achill ab und töte viele von ihnen, als sie versuchten den Fluß zu überqueren. Er tötete gnadenlos jeden. Zwölf von ihnen nahm er gefangen, um sie zu opfern. Die Schlächterei ging weiter und bald war der Fluß voll von Leichen.

Der Flußgott wurde zornig über das ganze Blut in seinem Wasser und forderte Achill auf, das Morden zu beenden. Achill war zunächst einverstanden, als aber Xanthos noch Apoll aufforderte, den Trojanern zu helfen, geriet Achill in Wut, sprang in den Fluß und begann den Flußgott anzugreifen. Da erzeugte Xanthos riesige Wellen und Ströme von Wasser. Dazu ließ Poseidon, der auf trojanischer Seite kämpfte, ein schweres Regenunwetter los. Achill begann unter diesem Angriff der Naturgewalten zu wanken, aber Athena unterstützte ihn, während Hera und Hephaistos begannen, den Fluß mit Feuer zu attackieren.Als Xanthos sah, wie seine Wasser durch die große Hitze verdampften und immer weniger wurden, gab er nach und zog sich wieder zurück.

Danach begann das, was man als Theomachia bezeichnet, der Kampf der Götter untereinander! Die Götter waren so erregt über den Kampf der Menschen, daß sie selbst begannen, sich zu bekriegen. Athena griff Ares und Aphrodite an, während Hera Artemis vom Schlachtfeld vertrieb. Poseidon forderte Apollo heraus, aber der jüngere Gott ging wegen des Altersunterschiedes nicht auf die Forderung seines Onkels ein. Achill setzte die Jagd auf die Trojaner weiter fort, und Agenor, ein Halbbruder des Hektor, versuchte im Alleinkampf gegen ihn zu bestehen; doch Agenor war dem Achill weit unterlegen und am Ende konnte Apoll ihn gerade noch retten, indem er ihn in Nebel hüllte und selbst seine gestalt annahm. Diese Auseinandersetzungen gaben dem größten Teil der trojanischen Truppen Zeit genug, sich in die Stadt zu retten.

In diesem Kampf zwischen Achill und dem Flußgott wird ein leicht ironischer Kommentar über den möglichen Tod des Achill abgegeben. Der Fluß, der seine Fluten gegen Achill erhob wegen all der Toten, die in ihn geworfen worden waren, hat beinahe Achill hinweggeschwemmt. Achill, der selbst oft als übermächtige Naturkraft gegen die Trojaner auftritt, wird hier konterkariert durch die Naturkräfte des Flusses. Achill ist so aufgeschreckt durch den Fluß, daß er sogar fürchtet, einen schmachvollen Tod durch Ertrinken zu erleiden an Stelle des ruhmvollen in der Schlacht, der ihm prophezeit war. Nur das Eingreifen von Hera und Hephaistos, als Gott des Feuers, konnte Achill retten. Symbolisch gesehen waren die beiden großen Elementarkräfte des Feuers und des Wassers im Konflikt miteinander und zwischen ihnen stand Achill.

Quellen:
http://www.digbib.org/Homer_8JHvChr/De_ ... ter+Gesang
(Hier findet man den gesamten Text der Ilias in der Übersetzung von Heinrich Voss!)
http://www.theoi.com/Potamos/PotamosSkamandros.html
http://education.yahoo.com/homework_hel ... ad/70.html
http://www.gottwein.de/graeca/maps/grae ... mandros_fl
(Von hier stammt die Landkarte)
Wikipedia

Mit freundlichem Gruß
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aiolis_pseudoautonom_BMC114.jpg
Trois.jpg
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Beitragvon Peter43 » Fr 24.11.06 03:23

Herakles und der Riese Antaios

Kilikien, Tarsos, Philipp I., 244-249 n.Chr.
AE 37, 19.96g
Av.: AVT KAI IOV FILIPPON [EVT] EVC CE
Büste, drapiert und cürassiert, mit Strahlenkrone, n.r.
P - P li und re im Feld
Rv.: TARCOV THC MHTR[OP]OLEWC
Herakles steht frontal, Kopf l., nach l. gebeugt und ringt mit Antaios; er hebt
Antaios an den Hüften in die Luft, während Antaios versucht, seinem Griff zu
entkommen.
im li Feld B
im re Feld A/M/K/G übereinander
SNG Levante 1153 (stempelgleich); Hunter S.556, 59, pl. LX, 18 (Rs. stempelgleich); Voegtli 17h
Gutes S, übliche Rauhigkeit

Mythologie:
Antaios, lat. Antaeus, der Sohn des Poseidon und der Gaia, war ein ungeheurer Riese, der 60 griech. Ellen lang gewesen sein soll. Er war König und Herrscher in Libyen und zwang alle Fremden, die sein Reich betraten, mit ihm zu ringen. Weil er nun wegen seine Größe eine ungeheure Stärke hatte, so war es ihm ein leichtes, alle zu erwürgen. Aus ihren Schädeln aber baute er einen Tempel für seinen Vater Poseidon. Er selbst wohnte in einer grausigen Höhle unter einem großen Felsen, in der er auf der bloßen Erde schlief, weil er durch die von ihr ausgehenden Kraft immer stärker und stärker wurde. Seine normale Speise waren Löwen, die er fing. Dabei wurde sein Land immer mehr von Einwohnern entblößt, weil er diese nicht mehr als die Fremden schonte. Allerdings soll er auch der Erbauer der Stadt Tingis gewesen sein.

Als Herakles dem Euristheus die Rinder des Geryon bringen sollte, kam er durch Libyen und geriet an den Antaios. Sie warfen beide ihre Löwenfelle ab, die sie trugen. Herakles bestrich sich nach der Art der Griechen mit Öl, Antaios aber bewarf sich mit Sand, um seine Stärke zu verdoppeln. Dann begann der Kampf. Beide waren erstaunt über die Kraft des anderen. Doch Antaios ermüdete zuerst und Herakles warf ihn zu Boden. Sobald er aber die Erde berührte, erholte er sich wieder, und der Kampf ging weiter. Als er erneut ermüdete, warf er sich selbst zu Boden, um Kraft zu schöpfen. Da merkte Herakles, daß seine Kräfte von der Erde kamen. Er umfaßte ihn mit aller Kraft, hob ihn in die Luft empor und erdrückte ihn.

Danach soll er in Tingis begraben worden sein. Es wird erzählt, daß Sartorius das Grab öffnen ließ und Knochen fand, die 60 Ellen lang waren. Entsetzt opferte er und ließ das Grab wieder schließen. Dies hatte die Form eines liegenden Menschen und man erzählt, daß es die Eigenschaft hatte, daß es zu regnen begann, wenn man etwas Erde daraus entnahm, und daß der Regen erst aufhörte, wenn man diese Erde wieder zurücktat.

Hintergrund:
Ursprünglich war Antaios, seinem Namen entsprechend ('der Begegner'), ein Gespenst, eine Spukgestalt, vgl. 'Antaia', einem Spuk aus dem Kreise der Hekate, schließlich Hekate selbst. Das Gespenst will natürlich in seine Wohnung, die Erde, zurückkehren; erst in hellenistischer Zeit hat man daraus die symbolhaltigen Kraftströme der Erde gemacht.

Die älteste Spur der Sage weist nach Irasa bei Kyrene; dort nötigte Antaios die Freier seiner Tochter Barke zu einem Wettlauf, ein Motiv, daß auch in anderen Sagen vorkommt. Bei der weiteren Entdeckung Nordafrikas schoben die griechischen Kolonisten diese Sagengestalt immer weiter nach Westen, bis sie in Tingis (Mauretanien) eine feste Stätte fand. Zugleich bekam sie im Zusammenhang mit dem zunehmenden Gegensatz zwischen Griechen und Libyern eine ausgesprochen böse Natur. Wie die Vasenbilder des 5.Jh. zeigen (z.B. der Euphronioskrater im Louvre), faßte man den Kampf des Herakles mit Antaios auf als den Triumph der schulmäßigen griechischen Athletik über die rohe Naturkraft.

In hellenistischer Zeit setzte man Antaios mit einem oberägyptischen Gott gleich und nannte nach ihm eine Stadt Antaiupolis. Sein Grab aber wurde in Tingis verehrt. Die späteren mauretanischen Herrscher führten sich auf Sophax zurück, einen Sohn des Herakles und der Witwe des Antaios.

Hinzugefügt habe ich zwei Bilder:
1) Ein Bild des berühmten Kraters von Euphronios, der den Kampf zwischen Herakles
und Antaios zeigt. Attica, ca.510 v.Chr., heute im Louvre in Paris.
2) Das Bild des Ölgemäldes 'Hercules und Antaeus' von Antonio Pollaiuolo, 1460
n.Chr., heute in den Uffizien in Florenz. Dieses Thema war in der Renaissance sehr
beliebt.

Quellen:
Der kleine Pauly
Benjamin Hederich, Gründliches mythologisches Lexikon

Mit freundlichem Gruß
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tarsos_philippI_SNGlev1152.jpg
Euphronioskrater.jpg
Pollaiuolo_antaeus.jpg
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Beitragvon Peter43 » So 03.12.06 00:48

Anna Perenna

Römische Republik, Annius T. f. T. n., gens Annia, und L. Fabius L. f. Hispaniensis
AR - Denar, 3.76g
Spanische oder Norditalienische Münzstätte, 82-81 v.Chr.
Av.: C.ANNI.T.F.T.N. PRO COS EX S
Büste der Anna Perenna, diademiert und drapiert, n.r., Caduceus dahinter, Waage
davor, T unter der Büste
Rv: Victoria in Biga n.r., Q darüber
L.FABI.L.F.HISP. im Abschnitt
Crawford 366/1a; BMC Spain 1-12; Sydenham 748; Annia 2a
hübsches VZ

Bei dieser Münze handelt es sich um eine imperatorische Prägung im Kampf gegen Sertorius in Spanien. Dieser war zum Anhänger des Marius geworden, kämpfte gegen Sulla. 83 v. Chr. wurde er als Prätor nach Spanien geschickt und errichtete dort für einige Jahre eine Gegenregierung, bis er 72 v.Chr. einer Verschwörung zum Opfer fiel. Der auf der Münze genannte Quästor Fabius lief später zu Sertorius über und ging dann mit diesem unter.
Die Iden des März, der 15.März, waren nicht nur der bekannte Todestag von Julius Caesar, sondern auch das Fest der Anna Perenna. Wer war diese Anna Perenna?

Mythologie:
Eine ältere Sage erzählt, daß Anna Perenna eine alte Frau aus der Stadt Bollivae in Latium gewesen sei. Im Jahr 494 v.Chr., zogen die Plebejer auf den Mons Sacer, ca. 3km nordöstlich von Rom, weil sie nicht mehr Steuern zahlen und zur Armee eingezogen werden wollten, ohne eine Stimme im Senat zu haben. Sie hatten sogar die Absicht, sich von Rom zu trennen. Bekanntlich wurden sie überredet wieder zurückzukehren, als man ihnen die Funktion eines Volkstribuns zugestand, der die Interessen des Volkes vertreten und ihre Freiheiten gegen die Patrizier verteidigen sollte. Die Sage erzählt, daß Anna Perenna den Plebejern dabei Brot und Kuchen brachte und sie dadurch vor dem Verhungern rettete. Aus diesem Grund war sie immer beliebt beim gemeinen Volk und nach ihrem Tod wurde sie als Göttin betrachtet.

Eine spätere Überlieferung aus der Zeit der Aeneassage macht Anna zur Schwester von Dido, der Köngin von Karthago. Nachdem Dido sich selbst getötet hatte, wurde Karthago von Eingeborenen unter der Führung von Iarbas erobert und Anna mußte fliehen. Zuerst fand sie Zuflucht beim König von Melite, einer kleinen Insel vor der afrikanischen Küste. Als aber Pygmalion, der König von Syrien ihre Auslieferung verlangte, floh sie von dieser Insel. Dabei wurde sie von einem Sturm überrascht und an die Küste von Latium geworfen. Zu dieser Zeit herrschte Aeneas über Laurentum, genau da, wo sie gelandet war. Aeneas ging mit seinem Freund Achates an den Strand, der Anna wiedererkannte.Aeneas begann zu weinen, als er sie begrüßte, in Erinnerung an Didos trauriges Ende, und nahm Anna mit sich in seinen Palast. Dies aber gefiel Lavinia, Aeneas Gemahlin, überhaupt nicht, die über das Wiedersehen Annas mit Aeneas nicht gerade glücklich war. In einem Traum wurde Anna vor den Fallen gewarnt, die Lavinia für sie aufgestellt hatte und noch in derselben Nacht floh sie aus dem Palast.

Während sie umherstreifte, traf sie Numicius, den Gott eines nahen Flusses, der sie mit in sein Bett nahm. Die Diener des Aeneas suchten nach Anna und folgten ihren Spuren zum Flußufer. Währen sie sich noch überlegten, wohin sie sich wenden sollten, erhob sich eine Gestalt aus dem Wasser und offenbarte ihnen, daß Anna jetzt eine Wassernymphe geworden sei, deren neuer Name Perenna sei, was Ewigkeit bedeutete. Aeneas' Diener zerstreuten sich vor Freude auf den Feldern und verbrachten den Tag mit Festgelagen und Feiern, was sich dann einbürgerte als jährliche Wiederholung des Fests der Anna Perenna. Es gibt allerdings auch die Meinung, daß sie sich aus Verzweiflung im Fluß Numicius ertränkt habe.

In einer weiteren Sage war sie wieder eine alte Frau. Der Kriegsgott Mars hatte sich in Minerva verliebt, die Göttin des Krieges und der Kunst und eine geschworene Jungfrau. Er bat Anna Perenna, sich für ihn bei Minerva zu verwenden. Sie jedoch wußte, daß dies unmöglich war, verkleidete sich selbst als Minerva und kam verschleiert zu Mars. Als der versuchte, sie zu küssen, lüftete sie ihren Schleier, brach in Gelächter aus und verhöhnte ihn. Minervas Hauptfest, der Quinquatrus, fand gerade 4 Tage nach dem Fest der Anna Perenna statt, sodaß dies der Grund für diese Geschichte sein kann

Hintergrund:
Man sieht, daß die Identität der Anna Perenna ungeklärt ist. Bereits die Antike wußte nicht Bescheid! In Betracht kommt z.B. die Ableitung von 'anus = alte Frau'. Die Ableitung von annus (lat. Jahr) und die Interpretation als Göttin des Rings der Jahre ist zu glatt! Auch das Fest im März, dem 1.Monat des römischen Jahres, reicht als Hinweis nicht aus, denn Mars, nach dem der Monat benannt ist, war ja auch kein 'Jahresgott'. Nach Aulus Gellius schrieb Varro z.B. Anna et Perenna, als seien es zwei Personen. Bei Ovid gibt es 6 Variationen, aber allen ist widersprochen worden. Mit Sicherheit ist sie verbunden mit Erde und Fruchtbarkeit, aber keine Verkörperung der Ceres.

Der Fluß Numicius wurde als der Anna Perenna heilig betrachtet. An seiner Quelle wurde dem Aeneas ein Tempel gebaut als Jupiter Indiges, ein Titel, der besonders vergöttlichten Sterblichen gegeben wurde. An seiner Mündung lag Lavinium, deren Namen von Lavinia, der Frau des Aeneas stammen sollte, die auch eine alte lokale Gottheit ist. So können Anna Perenna und Lavinia zwei Aspekte derselben Gottheit sein. Lavinia soll z.B. prophetische Fähigkeiten gehabt haben, was üblicherweise auch eine Eigenschaft der Wassernymphen war. Ihr Vater war ein gewisser Anius, das Eponym (Namensgeber) des Flusses Anio, dessen Name auch wie Anna klingt. Zudem mußte man den Anio überqueren, um von Rom zum Mons Sacer zu kommen.

Jede Etymologie aber wird hinfällig, wenn in Anna Perenna eine unlateinische, etruskische oder vorindogermanische Wurzel steckt. Dann könnte Anna ein Lallname sein, der zum Eigennamen wurde.

Sicher ist, daß ihr Fest am 15.März stattfand und im Hain der Göttin am ersten Meilenstein der Via Flaminia gefeiert wurde. Der Hain bestand aus fruchttragenden Bäumen und stand der Jahreszeit entsprechend in voller Blüte. Es wurde besonders von den Plebejern besucht und Ovid beschreibt lebendig in den Fasten (Fasti, III. 523 foll.), wie es dort zuging. Das Fest begann am Abend des 15. und wurde gefeiert mit ausgiebigem Weintrinken, bis alle betrunken waren. Es heißt, daß jeder soviel Lebensjahre vor sich habe, wie er Krüge mit Wein trinken konnte. Es wurde getanzt und gesungen, besonders obszöne Lieder. Dieses Fest vereinte Jung und Alt. Interessant ist, daß die Via Flaminia eine der bedeutenden römishen Gräberstrassen war. Von Macrobius (Sat. I 12.6) erfahren wir, daß ihr geopfert wurde 'ut annare perannareque commode liceat', d.h. daß der Ring der Jahre sich glücklich schließen sollte.

1999 wurde in Rom ein Brunnen ausgegraben, der der Anna Perenna geweiht war. Er befindet sich an der Ecke der Piazza Euclide und Via G.Dal Monte im Norden Roms. Der Brunnen stammt aus dem 1.Jh. v.Chr. und wurde bis ins 6.Jh. n.Chr. benutzt. Es fanden sich darin eine Vielzahl von magischen Gegenständen: Tafeln mit Beschwörungen, Bleikästchen mit anthropomorphen Figuren, zahllose Münzen und ein Kupferkesel. Diese Funde befinden sich jetzt im Nationalmuseum und im Diokletiansmuseum.

Ein Bild der Ausgrabungsstätte habe ich angefügt.

Quellen:
Ovid, Fasti 3, 517ff.
Macrob. Sat. 1, 12, 6
Der kleine Pauly
http://www.pierreci.it/do/show/content/0000010935

Mit freundlichen Grüßen
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annius_Crawford366.1a.jpg
fonte_anna_perenna_scavo.jpg
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Beitragvon Peter43 » Sa 09.12.06 02:42

Juppiter Optimus Maximus

Dies hier ist nun in diesem Jahr mein letzter Beitrag für diesen Thread. Er wird vielleicht wieder einmal die Liebhaber der römischen Mythologie interessieren!

Die Münze:
Römische Republik, Petillius Capitolinus, gens Petillia
AR - Denar, 18.1mm, 3.82g
Rom, 43 v.Chr.
Av.: Adler mit ausgebreiteten Flügeln steht nach halbrechts auf Blitzbündel
darüber PETILLIVS, darunter CAPITOLINVS
Rv.: Sechssäulige Frontseite des Tempels des Iupiter Capitolinus mit dreistufiger
Treppe; in den mittleren drei Interkolumnien hängen Perlbänder oder Girlanden,
im Giebelfeld frontal sitzende Gestalt(?), als Eckakroteren je zwei
Pferdeprotomen, darüber je eine stehende Figur mit Szepter, auf der Giebelspitze
zwei auseinander strebende Pferdeprotomen und ein Wagenlenker.
an den Seiten S - F
Crawford 487/2b; Sydenham 1151; Petillia 3
fast SS

Anm.: SF steht für Sacris Faciundis. Petillius war zweifellos einer der XV viri sacris faciundis, die zuständig waren für die religiösen Zeremonien. Die Familie scheint eines der erblichen Ämter innegehabt zu haben, die mit dem Tempel des Jupiter auf dem Capitol (Jupiter Capitolinus) in Zusammhang standen.

Juppiter Optimus Maximus:
Der Name Juppiter stammt aus dem Vokativ *dieu-pater. Der Stamm dieu- bedeutet soviel wie 'leuchtender, göttlich verehrter Himmel und leuchtender Tag'. Korrekt wird Juppiter mit 2 p's geschrieben, die durch Konsonantengemination entstanden sind. Aus den obliquen Kasus wurde ein weiterer Nominativ gebildet: Jovis. So ist Juppiter also der Gott des himmlischen Lichts. Auch sein alter Beiname Lucetius (der Leuchtende) weist darauf hin.

Juppiter ist nicht Zeus! Zwar besitzen beide dieselbe indoeuropäische Abstammung, aber der griechische Zeus hat sich bereits früh mit orientalischen Vorstellungen gemischt und wurde anthropomorphosiert. Seine zahlreichen Liebesgeschichten, aus denen eine Reihe von Kindern entstanden, und sein ewiger Kleinkrieg mit Hera sind typisch für den griechischen Zeus. Dies alles gibt es bei Juppiter nicht! Juppiter war anders als Zeus nicht der leibliche Vater göttlicher und halbgöttlicher Wesen. Auch war Juno nicht seine Ehefrau und Minerva nicht seine Tochter! Er war so eher das göttliche Prinzip des höchsten Wesens. Die Plätze, in die Blitze eingeschlagen ware, galten als heilig (Puteale). Allerdings erfolgte die Angleichung zwischen Zeus und Juppiter bereits zur Zeit der römischen Republik.

Juppiter Optimus Maximus war in historischer Zeit der Haupt- und Staatsgott Roms. Dabei bedeutet Optimus nicht 'der Beste', sondern da es von lat. ops (= Macht) kommt, 'der Mächtigste'! Mit der zunehmenden Bedeutung Roms und der Ausbreitung der römischen Macht, nahm auch die Bedeutung Juppiters zu und überragte endlich alle anderen Götter, auch Mars, dem Augustus unter dem Namen Mars Ultor viele der Gebräuche, die sich auf das politishe Leben und den Krieg bezogen, übertragen wollte.

Unter dem Namen Juppiter Capitolinus präsidierte er die Römischen Spiele, eine wichtige Aufgabe im antiken Leben. Mit der Einführung des Imperialen Kultes in der Kaiserzeit ging etwas von seiner politischer Bedeutung verloren. Er war nicht mehr so sehr die Verkörperung der römischen Größe und des Wohlergehens des Römischen Reiches, sondern eher der göttliche Lenker der Welt. Cicero z.B. setzte Juppiter gleich mit dem numen praestantissimae mentis, d.h. der Gegenwart eines überragenden Geistes. Dies war ein Konzept, daß nicht mehr unähnlich war dem Monotheismus des Kaisers Constantin, als der sich 312 n.Chr. dem Christentum zuwandte.

Der Tempel auf dem Capitol:
Der Tempel des Juppiter Optimus Maximus stand auf dem südl. Abhang des Capitolinischen Hügels in Rom. Zusammen mit Juno und Minerva bildete er die sog. kapitolinische Trias. Sein Tempel war der prächtigste in Rom.

Der Tempel wurde von König Tarquinius Priscus während eines Kriegs gegen die Sabiner gelobt, von seinem Nachfolger Tarquinius Superbus vollendet und unter dem Konsul M. Horatius Pulvillus im Jahr 509 v. Chr. eingeweiht. Bau und Weihe fallen also in die Königszeit, was die Römer später verdunkelt haben. In diesem Tempel nahm Iuppiter die mittlere Cella ein, Iuno Regina die linke und Minerva die rechte. Am Bau waren insbesondere etruskische Baumeister beteiligt. Die Aufstellung eines Götterbildes, wenn auch aus den Nachbarstädten schon bekannt, bezeichnet einen Einschnitt in der Geschichte der römischen Religion: "Der Weg war beschritten, der später dazu führte, daß die alten formlosen Mächte nur noch anthropomorph gedacht werden konnten und, soweit sie sich dafür nicht eigneten, der Vergessenheit anheimfielen." (Clavus)

Dieser Tempel war der Mittelpunkt des staatlichen Lebens. Hier legten die Consuln ihren Amtseid ab und hier fand immer die erste Senatssitzung statt. Hier opferten die Feldherren, wenn sie zu einem Krieg aufbrachen, und hier endete jedesmal der Triumphzug. Dabei färbte sich der Triumphator mit Mennige das Gesicht rot und glich dann dem Ton der Statuen.

Der Tempel brannte mehrfach nieder, meistens durch Blitzschlag, aber auch während des Bürgerkriegs 69 n.Chr., als die Anhänger des Vitellius das Capitol erstürmten. Zuletzt wurde er von Domitian 86 n.Chr. wiederhergestellt, der dazu noch den agon Capitolinus stiftete, der aus Wagenrennen, sportlichen und musikalischen Wettkämpfen bestand.

Der Tempel wurde errichtet auf Substruktionen. Die drei Cellae enthielten die Tettacotta-Statuen der drei Götter. Juppiter war dargestellt sitzend mit einem Blitzbündel in der re Hand. Er war wohl ein Werk des Vulca aus Veji. Angekleidet war er mit einer Tunika, die mit Palmzweigen und Viktorien geschmückt war (sog. Tunica palmata). Darüber trug er eine Purpurtoga mit Goldumrandungen (Toga picta). Eine solche trugen die Feldherren während ihres Triumphzuges. Das Säulengebälk bestand aus Holz, auf dem Apex des Pedimentums stand eine Terracottagruppe, Jupiter in einer Quadriga, wahrscheinlich vom selben Künstler wie die Statue selbst. 296 v.Chr. wurde sie durch eine andere aus Bronze ersetzt. Das Dach war ebenfalls mit Figuren geschmückt, darunter einer Statue des Summanus 'in fastigio', deshalb wahrscheinlich ein Akroterion. Die Tempeldecken wurden später vergoldet und der Tempel war reich ausgeschmückt mit den Siegestrophäen der Feldherren und anderen Weihgeschenken, von denen das älteste die goldene Krone der Italiker war. Leider ist von diesem Tempel durch die Wirren des frühen Mittelalters nichts mehr erhalten geblieben. Wir sind angewiesen auf die Beschreibung des Plinius und die Abbildungen auf den Münzen.

Der Münzmeister:
Interessant ist, daß der auf der Münze benannte Münzmeister Petillius in den Satiren des Horaz vorkommt (Sat. lib.IV). Dazu Anmerkung 14 (siehe den Link!): Petillius, der die Aufsicht über das Capitolium gehabt, wäre bei Gelegenheit, daß die Krone des Capitolinischen Jupiters weggekommen, öffentlich angeklagt worden, er habe sie gestohlen, und die Richter hätten ihn bloß dem Augustus, dessen Freund er gewesen, zu Gefallen losgesprochen. Ein andrer setzt hinzu: Petillius habe, dieses Handels wegen, spottweise den Zunamen Capitolinus bekommen. Dieses letztere scheint, wie schon Terrentius bemerkt hat, ohne Grund zu sein. Aber daß Capitolinus, als ein Freund des Augustus, aus Achtung gegen diesen losgesprochen worden, ist, vermöge der Natur der Sache, etwas Zweifelhaftes; wenigstens kann amicus hier nicht mehr als parvus amicus, ein Anhänger und Schutzverwandter des Augustus, sagen wollen; und in diesem Falle war Augustus, nach römischer Sitte, nicht nur berechtigt, sondern sogar verpflichtet, seinen Klienten zu retten so gut er konnte. In der Tat hatte er noch einen Beweggrund mehr, als jeder andre Patron; denn hatte nicht der große Julius Cäsar, wie Suetonius gerade heraus sagt, in seinem ersten Konsulat drei tausend Pfund Gold aus dem Capitolio gestohlen; und konnte also dieser Petillius nicht mit einigem Schein Rechtens, wie jener beim Terenz, sagen: ego homuncio non facerem (Ich als so unbedeutender Mensch hätte das nicht getan)!

Angefügt habe ich 2 Bilder:
1) Ein Bild, das zeigt, wie der Tempel ausgesehen haben könnte. Man sieht hier auch
deutlich den schönen Dachschmuck.
2) Eine Skizze des Capitols, auf der man sieht, wie die antiken Gebäude im Vergleich
zu Michelangelos Platz standen.

Quellen:
Der kleine Pauly
Rainer Pudill, Die Götter Roms, in 'Das Fenster', Okt. 2006
http://gutenberg.spiegel.de/horaz/satiren/saho1043.htm (Diebstahl des Petillius)
http://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/G ... azio/Roma/ Rome/_Texts/PLATOP*/Aedes_Jovis_Capitolini.html (Geschichte und Beschreibung des Juppitertempels!)
http://www.museicapitolini.org/ (Modell des Capitols)

Mit freundlichem Gruß
Dateianhänge
petillius_Crawford487.2b.jpg
Mons Capitolinus.jpg
campidoglio_antico_large.jpg
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Beitragvon Peter43 » Do 14.12.06 17:15

Inhaltsverzeichnis wieder an das Ende des Threads verschoben!
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Beitragvon helcaraxe » Do 14.12.06 19:14

Lieber Peter!

Wieder einmal herzlichen Dank für Deine phantastischen Beiträge. Ich wünsche Dir, falls Du nicht mehr hier zu sehen sein solltest, Frohe Weihnachten und ein Gutes Neues Jahr!
Viele Grüße
helcaraxe
________________

Höflichkeit ist wie ein Luftkissen: Es mag zwar nichts drin sein, aber sie mildert die Stöße des Lebens. -- Arthur Schopenhauer
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Beitragvon Peter43 » Do 14.12.06 19:31

Vielen Dank!

Nächstes Jahr wird es wieder weitergehen!

Mit freundlichem Gruß
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Beitragvon Peter43 » So 31.12.06 03:16

Der schöne Ganymedes

Troas, Dardanos, Hadrian, 117-138 n.Chr.
AE 21 (Semis), 4.53g
Av.: AVT KAI CEBA[...] TRAIANOC ADRIANOC
Büste, drapiert und cürassiert, belorbeert, n.r.
Rv.: DARDAN - WN
Adler frontal, Kopf n.l., trägt Ganymed, der Chlamys und Phrygische Mütze trägt, und in
der erhobenen Rechten das Pedum hält; alles in Perlenkreis.
unpubliziert?
sehr selten, fast SS

Dies ist das Gegenstück zu Bellingers T136 von Ilium Troas und Bellinger beschreibt die Rückseite als "Bemerkenswert, weil es eine Szene aus der Trojanischen Mythologie zeigt aus der Zeit vor Homers Geschichte".

Mythologie:
Ganymedes war der Sohn des Tros, des Gründers und Königs von Troja, und der Kallirrhoe, der Tochter des Skamander, nach anderen der Sohn des Laomedon. Er war von einer ungemeinen Schönheit. Als er dereinst auf dem Berge Ida, nach anderen beim dardanischen Vorgebirge, jagte, so schickte Zeus einen Adler und ließ ihn entführen. Im Himmel wurde Ganymedes an Stelle der Hebe, Zeus' und der Götter Mundschenk. Er reichte den Göttern Nektar und Ambrosia. Hera nahm dies Zeus sehr übel, denn Hebe war ihre Tochter. Nach anderen brauchte ihn Zeus für seine Liebesspiele. Dem Tros vermachte Zeus nachher einen goldenen Weinstock und zwei unsterbliche Pferde, die hernach Herakles bekam, der dafür dessen Tochter, Hesione, vom Ungeheuer Ketos befreite. Später versetzte Zeus den Ganymed unter die Sterne.

Es gibt aber auch folgende Erzählung, daß Eos, die Göttin der Morgenröte, sich in Ganymedes verliebte und ihn entführte. Ihr erst jagte Zeus den Ganymed ab.

Dahinter soll folgendes stecken: Als Tros die Stadt und die Burg von Troja errichtet und alles geordnet hatte, schickte er seinen Sohn Ganymed mit 50 Mann nach Lydien, um dort dem Zeus ein Dankopfer zu bringen. Tantalos, der König von Lydien, hielt sie für Kundschafter, und nahm sie alle gefangen. Als er aber ihre friedlichen Absichten erkannte, ließ er sie wieder frei. Indessen wurde Ganymed krank und starb. Daraufhin zogen alle wieder in ihre Heimat zurück, bis auf Ganymed. Den ließ Tantalos im Tempel des Zeus beisetzen. Daher haben die Dichter ihre Geschichte von der Entführung durch Zeus erfunden.

Nach anderen war Tantalos König in Phrygien und Paphlagonien. Als der nun den Ganymed wegen seiner großen Schönheit geraubt hatte, wollte er ihn dem Tros auf keinen Fall zurükgeben. Es kam daher zwischen beiden Königen zu einem großen Krieg. und der andere Sohn des Tros, Ilos, setzte diesen Krieg gegen des Tantalos Sohn, Pelops, so mächtig fort, daß dieser endlich nach Griechenland fliehen mußte.

Andere behaupten, daß nicht Tantalos, sondern Minos aus Kreta der Räuber des Ganymed gewesen sein soll. Er sei unter dem Schein guter Freundschaft Gast des Tros gewesen und habe dann Ganymed auf einer Jagd entführt und mit nach Kreta genommen, wo dieser sich aus Trauer erstochen habe. Als Minos ihn daraufhin im Tempel des Zeus beigesetzt habe, so habe man erdichtet, er sei zu Zeus in den Himmel entführt worden.

Einige beziehen seine Schönheit nicht auf die Schönheit seines Körpers, sondern seiner Seele, seiner Klugheit und Tugend. Diese Eigenschaften werden von Zeus und großen Männern geliebt.

Andere sagen, daß die ganze Geschichte nur ausgedacht worden sei, um unnatürliche Lüste zu beschönigen.

Hintergrund:
Ganymedes, was soviel heißt wie 'der Glänzend-Frohe' (eigentlich der freudig Erregte
durch erotische Leidenschaft!), war der Sohn des dardanischen Königs Tros (und der Kallirrhoe), Bruder des Ilos und des Assarakos. Nach Homer Il. 20, 231ff. galt er als schönster der Sterblichen und wurde von den Göttern in den Olymp entrafft, um als Mundschenk des Zeus sich ewiger Jugend zu erfreuen. Tros erhält zur Entschädigung unsterbliche Rosse. Nach Homer h. 4, 202 entführt Zeus ihn für die Götter durch eine Windsbraut. Die kleine Ilias (und Euripides) macht Ganymed zum Sohne Laomedons; ihm gibt Zeus einen goldenen Weinstock. Seit Ibykos und Pindar sieht man das Motiv der Entführung in der Knabenliebe, die dadurch eine Art von himmlischer Rechtfertigung erfährt. Platon (im Phaidros) benutzt den Mythos für seine Liebestheorie, doch Nom. 1, 8, p.336 werden die Kreter wegen des Lasters und ihre Berufung auf Zeus getadelt. Im 4.Jh. war Ganymed eine beliebte Figur der Komödie. Damals trat auch das Motiv der Entführung durch den Adler als Boten des Zeus neu auf, und zwar zunächst in der bildenden Kunst, literarisch viel später. Erst im Hellenismus wird Zeus selbst in Adlergestalt der Entführer. Hellenistisch ist auch das Motiv von Heras Eifersucht. In euhemeristischer Art wurde damals von Phanokles, Mnaseas u.a. der göttliche Räuber auch durch Heroen ersetzt: Tantalos, Minos. Späthellenistisch ist die Verstirnung des Ganymed als Wassermann (aquarius), ebenso wie die des Adlers. In der Kaiserzeit wird der Ganymed-Mythos äußerst häufig bei Philosophen und Kirchenvätern polemisch erwähnt. Literarisch gestaltet ist er in Lukians Dialogen und in den Dionysiaka des Nonnos.

Erinnern will ich auch an die pantheistische Hymne 'Ganymed' des jungen Goethe aus seiner Sturm- und Drangzeit (Wie im Morgenglanze Du rings mich anglühst, Frühling, Geliebter!)

Kunstgeschichte:
Viel zahlreicher sind aber Darstellungen der bildenden Kunst. Ganymed war in der Antike ein beliebtes Thema. In der attischen Vasenmalerei wird vor allem die Verfolgung und Ergreifung des Ganymed durch Zeus geschildert; z.B. Kantharos des Brygosmalers, um 450 v.Chr., Glockenkrater des Berliner Malers, um 490 v.Chr., den seinerseits Eros antreibt. Berühmt ist die Terrakottagruppe der Ergreifung Ganymeds in Olympia, um 470 v.Chr. Erst in nachklassischer Zeit wird die Entführung durch den Adler, der ihn zum Olymp emporträgt oder dem er zu trinken gibt, ein Bildthema. 340/330 schuf Leochares eine Skulptur der Entführung. Auf Grabsteinen und Sarkophagen Frühverstorbener haben sie zweifellos symbolische Bedeutung.

In der Deutung der Renaissance ist der zum Himmel emporgetragene Ganymed eine Allegorie der Erhebung der Menschenseele zu Gott (Randszene auf Filaretes Bronzetür an St.Peter, Rom, 1435-45). Andererseits wird durch Variierung der Haltung des Adlers die homosexuelle Konnotation des Motivs zum Ausdruck gebracht (Zeichnung des Michelangelo, um 1533). Rembrandt hat das Thema persifliert in einem vor Angst wasserlassenden Ganymed (1635, Dresden). Correggios Darstellung bildet das Gegenstück zur Vereingung der Io mit der Wolke des Zeus (um 1530-32; beide in Wien). Den Mundschenk Ganymed hat Thorvaldsen mehrfach dargestellt (1804, 1816, 1817; Kopenhagen). Die Erhebung Ganymeds zum Sternbild des Wassermanns (und des Adlers zum Sternbild des Aquila) findet sich in B. Peruzzis Fresken in der Villa Farnesina in Rom (1509-11).

Anm.:
(1) Euhemeristisch, siehe http://www.jenskleemann.de/wissen.php4? ... meros.html
(2) Der Nektar, der nach den späteren Mythographen ein übernatürlicher roter Wein
gewesen ist, der Unsterblichkeit verlieh, war in Wirklichkeit nichts als ein primitiver,
brauner Met aus vergorenem Honig.
(3) Ambrosia, die köstliche Speise der Götter, scheint ein Brei aus Gerste, Öl und
Früchten gewesen zu sein. Mit ihr wurden die Könige verwöhnt, während sich ihre
Untertanen vor der Einführung des Getreides von Goldwurz (Asphodelos), Malven und
Eicheln ernährten. (Robert von Ranke-Graves)

Hinzugefügt habe ich folgende Bilder:
1) Ein Bild der rotfigurigen attischen Vase des sog. Berliner Malers. Hier wird Ganymed mit
einem Reifen dsrgestellt, einem Symbol der Jugend, und einem Hahn, der ein Symbol der
Homosexualität sein soll. Sie befindet sich heute im Louvre.
2) Ein Bild des Mosaiks aus dem Haus des Dionysos in Nea Paphos auf Zypern. Dies ist die
klassische Darstellung, die auch auf der Münze abgebildet wird.
3) Ein Bild des Gemäldes von Rembrandt aus der Gemäldegalierie in Dresden. Hier
wird Ganymed voller Angst gezeigt. Ich habe es hinzugefügt wegen des reizvollen
Details!

Quellen:
Robert von Ranke-Graves, Griechische Mythologie
Benjamin Hederich, Gründliches mythologisches Lexikon
Der kleine Pauly
Aghion/Barbillon/Lissarrague, Reclams Lexikon der antiken Götter und Heroen in der Kunst
http://www.schwulencity.de/LukianGoettergespraeche.html

Mit freundlichem Gruß
Dateianhänge
dardanos_hadrian_ganymed.jpg
Ganymede_Berlin Painter_ Louvre.jpg
Zeus_abducting_Ganymede_-_Roman_Mosaic.jpg
Rembrandt_Ganymede_Dresden.jpg
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Beitragvon Peter43 » So 31.12.06 03:27

Protesilaos

Bisher hatte ich es so gehalten, daß ich nur Münzen aus meiner Sammlung vorgestellt habe. Heute muß ich von dieser Leitlinie abgehen, weil meine eigene Münze leider so schlecht erhalten ist, daß ihre Darstellungen im Scan nicht gut herauskommen. Deshalb habe ich hier einen identischen Typ von CoinArchives genommen. Ich bitte deshalb im Voraus für Entschuldigung!

Thessalien, Theben, 302-186 v.Chr.
AE - AE 23, 7.63g
Av.: (anepigraphisch)
Kopf der Demeter, mit Schleier und Ährenkranz, n.l.
Rv.: QHBAIWN
Protesilaos, in militärischer Tracht und behelmt, bewaffnet mit Schwert und Schild,
springt von Schiffsbug n.r. an den Strand
Ref.: Rogers 550; BMC 50; Moustaka 92; SNG Copenhagen 261
extrem selten, SS

Mythologie:
Die Darstellung auf dieser Münze spielt zu Beginn des Trojanischen Krieges. Er zeigt den Helden Protesilaos, wie er als erster an den Strand von Troja springt (und dort als erster der Griechen getötet wurde). Protesilaos, der auch ein Freier der Helena gewesen sein soll, führte die Männer von Phylake (das später in Theben aufging) auf vierzig Schiffen nach Troja, obwohl er gerade geheiratet hatte (Homer Il. 2, 695ff.). Als die Griechen mit ihren Schiffen in Sichtweite von Troja gelandet waren, zögerten sie, an Land zu gehen, weil Thetis dem Achilleus geweissagt hatte, daß der erste, der an Land gehen würde, auch der erste wäre, der sterben würde. Odysseus soll daraufhin seinen Schild auf den Strand geworfen haben und dann auf ihn gesprungen sein, sodaß er mit seinen Füßen nicht die Erde berührte. So war Protesilaos der erste. Nachdem er einige Trojaner getötet hatte, wurde er von Hektor oder einem Freund des Aeneas erschlagen

Dieser Protesilaos, ein Oheim des Philoktetes und Sohn des Iphiklos, hieß ursprünglich Iolaos, wurde dann aber wegen der Umstände seines Todes umbenannt (Protesilas = der Erste des Volkes). Er liegt begraben im thrakischen Chersonnesos in der Nähe der Stadt Elaios, wo ihm göttliche Ehren erwiesen wurden. Große, von Nymphen gepflanzte Ulmen standen innerhalb des heiligen Bezirkes und beschatteten das Grab. Die Zweige, die über das Meer auf Troja hinblickten, wurden früh belaubt, aber auch bald wieder kahl, während die von Troja abgewendete Seite noch im Winter grünte. Wenn die Ulmen so hoch gewachsen waren, daß ein Mann, der in den obersten Ästen stand, Troja sehen konnte, verdorrten sie, um dann aber erneut zu wachsen.

Es gab dort Orakel, vornehmlich für Kämpfer. Auch wurden dort allerlei Krankheiten geheilt. Sein Geist rächte sich auch an dem Perser Artayktes, welcher seinen Tempel durch darinnen getriebene Unzucht mit Weibspersonen schändete und sich von Xerxes diesen mitsamt all seinen Schätzen erbat. Denn Artayktes wurde hernach in der Stadt Elaios belagert und, als er fliehen wollte, eingeholt und gefangengenommen. Als Sühne wollte er hundert Talente für die gestohlenen Schätze und zweihundert Talente für sich und seinen Sohn bezahlen. Aber Xanthippos, der Anführer der Griechen, lehnte dieses Angebot ab, ließ seinen Sohn steinigen und ihn selbst aufhängen.

Protesilaos und Laodameia
Laodameia, die Gattin des Protesilaos, Tochter des Akastos (nach anderen Polydora, Tochter des Meleager), vermißte ihren Gatten so sehr, daß sie, sobald er nach Troja gesegelt war, eine bronzene oder wächsernde Statue von ihm anfertigte und sie in ihr Bett legte. Doch es war ein armseliger Trost, und als die Nachricht von seinem Tode kam, bat sie die Götter, mit ihr Mitleid zu haben und Protesilaos zu erlauben, sie wieder zu besuchen, sei es auch nur für drei Stunden. Zeus bewilligte die Bitte Laodameias und Hermes brachte den Geist des Protesilaos aus dem Tartaros, damit er die Statue beseele. Protesilas sprach durch deren Mund und beschwor seine Gattin, nicht länger zu zögern und ihm zu folgen. Kaum waren die drei Stunden vergangen, erdolchte sie sich in seiner Umarmung. Aus diesem Grund war die Darstellung des Protesilaos und der Laodameia ein beliebtes Motiv auf Sarkophagen.

Eine andere Geschichte erzählt, daß ihr Vater Akastos sie zwang, wieder zu heiraten. Sie aber habe ihre Nächte mit der Statue des Protesilaos verbracht, bis eines Tages ein Diener durch einen Spalt in der Tür des Schlafgemaches blickte. Dabei sah er, wie sie jemanden umarmte, und hielt ihn für einen Liebhaber. Er hinterbrachte alles dem Akastos, der in ihr Zimmer einbrach und die Wahrheit entdeckte. Akastos wollte nicht, daß sie sich durch ein fruchtloses Verlangen quälte, und befahl, die Statue zu verbrennen. Laodameia jedoch warf sich selbst in die Flammen und ging mit der Statue zugrunde.

Einer anderen Überlieferung zufolge überlebte Protesilaos den Trojanischen Krieg und segelte heim. Er nahm Priamos' Schwester Aithylla als seine Gefangene mit. Auf der Heimreise landete er an der makedonischen Halbinsel Pellene. Während er auf Wassersuche an Land ging, überredete Aithylla die anderen gefangenen Frauen, die Schiffe zu verbrennen. Protesilaos war nun gezwungen, auf Pellene zu bleiben, und gründete dort die Stadt Skione. Dies ist aber ein Irrtum: Aithylla setzte zusammen mit Astyoche und den anderen Gefangenen die Schiffe am Ufer des italienischen Flusse Navaithos in Brand; dieser Name bedeutet nämlich 'Verbrennen der Schiffe'. Und Protesilas befand sich nicht unter denen, die sie gefangenhielten.

Kunstgeschichte
Angefügt habe ich eine Abbildung der Marmorstatue eines verwundeten Kriegers. Dabei handelt es sich um die römische Kopie eines griechischen Originals aus der Zeit der Antonine ca. 138-181, heute im Metropolitan Museum of Art in New York.

Hier wird die Statue von einem Baumstumpf gestützt. Der war beim griechischen Original sicherlich nicht vorhanden. Aber es ist bemerkenswert, daß es sich bei dem Schwert um einen griechischen Typ handelt. Die Haare, die Einfachheit des Körpers, der parallele faltenwurf der Kleidung und die Art der Haltung sprechen für eine Entstehungszeit um die Mitte des 5. Jahrhunderts.

Eine zweite Kopie im Britischen Museum zeigt Wellen zu Füßen der Statue. Deshalb wird diese Staue oft als Protesilaos bezeichnet. Allerdings ist das umstritten; denn man hat auch eine Wunde entdeckt, die in der Armbeuge angebracht ist. So sehen einige die Statue als den vulneratus deficiens, den Plinius als Werk des Kresilas beschreibt.

Eine zusätzliche Anmerkung
Ovid (Heroides 13) hat einen Brief der Laodameia an ihren fernen Geliebten erfunden. Darin findet sich der folgende Vers: Bella gerant alii, Protesilaus amet (Kriege sollen andere führen, Protesilaos liebe nur). Diesen Vers soll der ungarische König Matthias Corvinus (1440-1490) aktualisiert haben für das berühmte Wort Bella gerant alii, tu, felix Austria, nube! (Kriege sollen andere führen, du, glückliches Österreich, heirate!)

Quellen:
Robert von Ranke-Graves, Griechische Mythologie
Karl Kerenyi, Heroengeschichten
Benjamin Hederich, Gründliches mythologisches Lexikon
Gerhard Fink, Who's who in der antiken Mythologie

Mit freundlichem Gruß
Dateianhänge
Theben_Rogers550_CoinArchives.jpg
Protesilaos.jpg
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Beitragvon Peter43 » Mi 03.01.07 20:03

Die drei Grazien

Thrakien, Pautalia, Caracalla, 198-217
AE 28, 15.33g
geprägt unter dem Magistrat Caecina Largus (198-201 n.Chr.)
Av.: [AVT M] AVRHLIOC - ANTWNEINOC
Büste, drapiert und cürassiert, von hinten gesehen, belorbeert, n.r.
Rv.: HGE KAIKINA LARGOV OVLPIAC
im Abschnitt PAVTALI / AC
Drei nackte Chariten sich umschlungen haltend; die erste in Seitenstellung l., in
der Rechten Krug, aus dem Wasser rinnt; die zweite in Rückenstellung, Kopf n.r.,
mit Gewand um den Unterkörper (Mondsichel?), hält ihre beiden Arme auf den
Schultern der zwei anderen; die dritte in Seitenstellung r., in der gesenkten Linken
Krug, aus dem Wasser rinnt.
Ruzicka 503, Taf. III, 13 (1 Ex. in Sarajewo)
sehr selten, fast SS

Pautalia war ein berühmtes Bad, voller Parks mit Tempeln und Kunstwerken. Es ist bekannt, daß gerade ihre Stempelschneider sich oft Standbilder als Vorbilder für ihre Münzen nahme. So wird diese Darstellung der 3 Grazien mit Sicherheit ebenfalls auf eine Statuengruppe zurückgehen.

Mythologie:
Die Grazien waren Töchter des Zeus und der Erynome. Sie waren gleichsam eine dreifaltige Aphrodite. Erst später wurden sie nackt dargestellt. In ihrem Tempel im böotischenOrchomenos standen sie in der Form von drei Steinen., von denen behauptet wird, sie seien dem König Eteokles vom Himmel gefallen. Es heißt: Dreifältig waren die Chariten, ob man nun eine Blume oder die Göttinnen oder Mädchen darunter verstehen wollte. Eteokles hatte drei Töchter. Sie hießen Trittai, die Dreifaltigen. Indem sie den Chariten einen Tanz aufführten, fielen sie in einen Brunnen, den sie nicht bemerkt hatten. Die Erde erbarmte sich ihrer und ließ eine Blume entsprießen, die ebenso hieß - Trittai - und dreigeteilt war, wie ihr Tanz war. Die Geschichte von den drei Steinen, die vom Himmel gefallen waren, hielt den himmlischen Ursprung der Chariten fest, die zweite hingegen, vom Verschwinden im Brunnen, ihre Verbundenheit mit den Wassertiefen und der Unterwelt. Davon sprachen auch die Mythologen: die Chariten seien Töchter der Nacht und des Erebos, oder Töchter der Lethe, des Flusses des Vergessens in der Unterwelt. Die Töchter der Hekate und des Hermes waren wahrsheinlich gleichfalls sie, die Dreifaltigen.

Drei waren es in Böotien, wo Hesiod und Pindar sie besang. Die drei 'Königinnen' von Orchomenos hießen Aglaia, Euphrosyne und Thalia. Pindar feierte das 'reine Licht der Chariten'. In Lakonien hieß die eine Kleta, die Gerufene, die andere Phaenna, die Glänzende. Dies waren beides Mondnamen. Die Athener kannten ebenfalls zwei Chariten: Auxo, die Wachsende, und Hegemone, die Voranschreitende. Sie wurden auch Töchter des Uranos genannt.

Hintergrund:
Die Grazien, griech. Chariten, die 'Holden, Freundlichen', waren eine Trias segenspendender Göttinnen, ursprünglich wohl ohne Individualnamen und auch zahlenmäßig und funktional nicht fest abgegrenzt, was die Berührung mit wesensähnlichen weiblichen Genien der Natur (Nymphen, Musen, Horen) erleichterte. Ihre attischen Kulttitel Auxo (die Vermehrende), Thallo (die Blühende), Karpo (die Fruchttragende) erweisen eine frühe Verschmelzung mit den Horen; das Schwanken in Benennung und Zahl wird bekräftigt durch den Ersatz von Karpo durch Hegemone im Ephebeneid der Stele von Acharnai. Daß ihre Grundfunktion das Schenken vegetativer Fruchtbarkeit ist, ergibt sich schon aus ihren Pflanzenattributen. Ein Mondbezug ist aber abzulehnen, auch die einer Lichtetymologie. Eher verdient die Zuordnung der Chariten zu dem unterweltlichen Charon bzw. der Charis Hegemone zu dem Seelengeleiter Hermes Chthonios Aufmerksamkeit. Ihr alter Kult in der Minyerstadt Orchomenos, der sich an 3 anikonische schwarze Meteorsteine knüpfte (Paus. 9, 38, 1), trägt jedenfalls Spuren agrarisch-chthonischer Ausrichtung. Sein Mysteriencharakter und die Affinität der Chariten zum Kreis von Eleusis verstärken den Eindruck einer Verwandtschaft mit den eleusinischen Potniai, zumal Pindar ihnen die Epitheta basileiai, semnai, potniai, die Königinnen, die Verehrenswürdigen, die Herrinnen, verleiht. Da offenbar erst die an den Bäthylen orientierte Kultinstitution des Eteokles die Trias für Orchomenos sanktioniert hat, ist vielleicht der anderswo bezeugten Zweizahl Priorität zuzuerkennen, wodurch eine Gleichsetzung mit den Demeter-Kore-Hypostasen Damia und Auxesia Rückhalt bekommt. Im übrigen deutet hier wie in Elis manches auf eine Verbindung zu Dionysos, den das Gebet der elischen Frauen stiergestaltig mit den Chariten sich nahen läßt. - Der Anschluß an mächtige Fruchtbarkeitsgöttinnen hat die Charites in die Zweitrangigkeit elementarer Numina verwiesen. So konnte zu Athen die Aphrodite zugleich mit der Chariten-Epiklese auch die Führerschaft der Trias in der Kurotrophon-Aufgabe an den attischen Epheben übernehmen, was aus der tellurishen Wesensseite der großen Göttin verständlich wird. Seit Homer haben die Chariten im Gefolge der Aphrodite zugleich mit ihrer Herrin die von Mythos und Poesie initiierte Wandlung zum Inbegriff der Anmut und des körperlichen Liebreizes durchgemacht. Die ästhetisch-dichterische Wertung der charis drückt sich in den von dort ausgehenden Benennungen Aglaia (die Glänzende), Euphrosyne (die Frohsinnige), Thalia (die Blühende) aus. Damit erfüllen die homerischen Chariten die Rolle dienender, schmückender, musizierender und tanzender Begleiterinnen der Liebesgöttin. Ihre genealogische Einreihung unter die Töchter des Zeus wirkt allerdings rein schematisch, die Zuweisung an die Sphäre der Eheschützerin Hera eher konventionell. In spielerischer Freude am Kontrast gibt das Epos der homerischen Charis einen Platz an der Seite des lahmen Künstlers Hephaistos, wo sie Aphrodite, die 'erste der Chariten', ersetzt

Kunstgeschichte:
In der bildenden Kunst erscheinen die Chariten im Gefolge der Götter, die an der Hochzeit von Thetis und Peleus teilnehmen ('Francois-Vase', um 570 v.Chr.; Florenz, MA). Auf einem spätarchaischen Relief aus Thasos (um 480 v.Chr.; Louvre) treten sie bekleidet vor Hermes. Seit dem 4.Jh. v.Chr. findet der Typus der drei nackten, sich an der Schulter fassenden Chariten weite Verbreitung; die mittlere Figur ist dabei in Rückansicht, die beiden äußeren sind in wechselndem Profil gesehen. Nach Seneca entsprechen ihre Stellungen dem dreifachen Aspekt einer Gabe: Schenken, Annehmen, Danken. Als berühmteste Beispiele ihrer Gattung gelten eine Skulpturengruppe im Mus. dell'Opera Metropolitana des Doms von Siena (röm. Replik nach einem hellenistishen Original) und ein Fresko des 1.Jh v.Chr. aus Pompeji (Neapel, MN). Die Humanisten der Renaissance haben dieses Motiv aufgegriffen und erweitert, indem sie ihm eine dreifache Bedeutung der Liebe - Schönheit, Verlangen, Erfüllung - oder eine dreifache Allegorie - Keuschheit, Schönheit, Liebe - beilegten. In Botticellis 'Frühling' (1477/78; Uffizien) tanzen die drei - hier bekleideten - Grazien als Wollust,Keuschheit und Schönheit einen Reigen neben Venus. Eine deutliche Analogie zu den drei Chariten äußert sich in manchen Darstellungen der drei Göttinnen beim Urteil des Paris. Daß dieses Motiv Gelegenheit bot, statt eines einzigen Akts gleich drei zu zeigen, sicherte ihm den Erfolg. Von Rubens gibt es vier, von Boucher fünf Versionen.

Hinzugefügt habe ich 2 Bilder:
1) Ein Bild des Freskos aus Pompeji
2) Einen Ausschnitt aus Botticellis 'Frühling', der die drei tanzenden Grazien zeigt.

Quellen:
Der kleine Pauly
Karl Kerenyi, Die Götter- und Menshheitsgeschichten
Aghion/Barbillon/Lissarrague, Lexikon der antiken Götter und Heroen in der Kunst

Übrigens ist dies nach meinen Aufzeichnungen mein 100. Beitrag in diesem Thread, also Grund für ein kleines Jubiläum! Und natürlich hoffe ich, daß ich damit manchem etwas Interessantes gebracht habe!

Mit freundlichem Gruß
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Pompeji_die drei Grazien.jpg
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Beitragvon Peter43 » So 07.01.07 16:57

Zum Beitrag über Ganymedes möchte ich hier noch eine Münze nachtragen, die ich erst erhalten habe, als der Beitrag bereits erschienen war.

Thrakien, Hadrianopolis, Septimius Severus, 193-211 n.Chr.
AE 25
Av.: AV KAI [...]
Büste, drapiert und cürassiert, von hinten gesehen, belorbeert, n.r.
Rv.: ADR - IANO - [POLEITWN]
Ganymedes, mit Phrygischer Mütze, steht n.l. mit gekreuzten Beinen,
hält in der li Hand das Lagobolon und berührt mit der re Hand Adler,
der frontal, den Kopf re, auf einem Felshaufen steht; re auf dem
Boden Pans-Flöte.
Jurokova 920 (1 Ex. in Istanbul); Varbanov (engl.) 3348 (zitiert Jurokova)
Extrem selten, S/fast SS, fast schwarze Patina

Diese Darstellung zeigt eine Szene kurz vor der Entführung des Ganymedes durch den Adler. Ob dieser Adler Zeus selbst ist oder nur der Bote des Zeus, läßt sich nicht entsheiden.

Mit freundlichem Gruß
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hadrianopolis_sept_severus_Jurokova 192.jpg
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