Mythologisch interessante Münzen

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

Moderatoren: chinamul, Homer J. Simpson

Beitragvon Peter43 » So 07.01.07 17:03

Diomedes

Phönizien, Tyros, Valerian I., 253-260 n.Chr.
AE - AE 30, 17.29g
Av.: IMP C LIC VALERIANVS AVG
Büste, drapiert, mit Strahlenkrone, n.r.
Rv.: COL TYRO MET
Diomedes, nackt bis auf Chlamys, steht n.l., re Fuß auf Felsen, hält in der re Hand das
Palladium und in der li Hand ein Zepter; dahinter Murexschnecke
Ref.: SNG Copenhagen 391; BMC 467
selten, fast SS

Mythologie:
Diomedes war der Sohn des Königs Tydeus von Aeolien und seiner Frau Deipyle. Da sein Vater beim Zug der Sieben gegen Theben umgekommen war, kämpfte er mit den sog. Epigonen gegen Theben und rächte seinen Vater durch den Sieg über die Thebaner. Danach war er einer der Freier um Helena. Da er dabei kein Glück hatte, heiratete er Aigialea, die Tochter des Adrastos, seine Tante. Er war der Anführer der Argiver und beteiligte sich mit 80 Schiffen am Trojanischen Krieg. Er wurde schnell durch seine Tapferkeit berühmt und galt neben Achilles und dem großen Ajas als einer der größten Helden. Er hätte beinahe den Aineas erschlagen, wenn nicht Aphrodite im letzten Augenblick eingegriffen hätte. Dabei wurde sie selbst aber von Diomedes in die Flucht geschlagen und sogar an der Hand verwundet. Erst Apollo konnte Aineas vor der Wut des Diomedes retten.

Zusammen mit Odysseus wurde er zur Insel Lemnos gesandt, um von dort Philoktetes und die Pfeile des Herakles zu holen. Nur mit diesen konnte man gegen die tödlichen Pfeile des Apollo bestehen, der ja bekanntlich auf der Seite der Trojaner kämpfte. Auf einem nächtlichen Erkundungsgang zusammen mit Odysseus konnten sie den trojanischen Spion Dolon gefangennehmen. Von dem erfuhren sie Einzelheiten über das thrakische Lager. Nachdem Diomedes ihn getötet hatte, drang er in das Lager der schlafenden Thraker ein, erschlug viele von ihnen, darunter auch ihren König Rhesos, und entführte dessen Pferde, von denen das Schicksal Trojas abhängen sollte. Erst auf Ermahnungen von Athene kehrten sie wieder ins Lager der Griechen zurück.

Von Hellenos, einem Sohn des Priamos, hatte Diomedes erfahren, wo sich das Palladion befand. Dieses war eine hölzeren Statue (Xoanon) der Athena oder ihrer Gefährtin Pallas mit Helm, Schild, Speer und Rocken. Es war auf Gebete des Ilos, des Gründers von Troja, hin vom Himmel gefallen und galt als Garantie für die Unbesiegbarkeit der Stadt. Um einen Diebstahl zu erschweren waren mehrere Kopien angefertigt worden. Zusammen mit Odysseus stiegen sie nachts über die Mauer von Troja und stahlen die Statue. Als Odysseus ihn betrügen wollte, indem er behauptete, es sei die falsche, machte die Statue eine Bewegung und durchkreuzte so die List des Odysseus. Es kam zum Streit, Odysseus zog hinter seinem Rücken das Schwert, aber durch den Schatten an der Mauer wurde Diomedes gewarnt. Er konnte Odysseus überwältigen, band ihm die Hände und trieb ihn durch Hiebe mit der Flachseite seines Schwertes ins griechische Lager zurück.

Sein Mut war so groß, daß er selbst gegen Ares kämpfte, den Athene retten mußte. Auch den Hektor hätte er beinahe erschlagen. Allerdings wurde er durch einen Pfeil des Paris am Fuß verletzt. Seine dunklen Seiten waren die Schändung der hingerichteten Amazonenkönigin Penthesilea, deren Leiche er in den Skamander warf, und dann zusammen mit Odysseus die üble Verschwörung gegen Palamedes, die so listig ausgedacht war, daß der unschuldige Palamedes gesteinigt wurde. Endlich gelang ihm durch den Verräter Antenor die Eroberung Trojas. Zusammen mit den anderen Helden kletterte er in das hölzerne Pferd. Dafür erhielt er das Palladion, das vorher Odysseus dem großen Ajas abgenommen hatte. Allerdings mußte er danach in aller Stille mit seinen Schiffen abfahren, weil ihn sonst die Griechen gesteinigt hätten.

Nach seiner Abfahrt von Troja hatte er ein unglückliches Schicksal, aber das galt ja für alle griechischen Helden. Bei der Rückkehr verirrte er sich in einer dunklen Nacht und landete im phalerischen Hafen von Athen. Seine Leute hielten es für ein feindliches Land und begannen es zu plündern. In dem dadurch entstehenden Kampf wurde einige von ihnen erschlagen und Demophoon konnte ihnen das Palladion abnehmen. Auch Aphrodite hatte die Schmach, die er ihr angetan hatte, nicht vergessen. Sie verführte seine Frau, ein Verhältnis mit Kometes, dem Sohn des Sthenelaos, zu beginnen. Zusätzlich brachte ihr Oeax, der Bruder des Palamedes, bei, daß dieser sich eine neue Frau aus Troja mitgebraht habe. So wäre er bei seiner Ankunft beinahe getötet worden, wenn er sich nicht an den Altar der Hera hätte retten können.

Er floh daraufhin mit seinen getreuesten Leuten zuerst nach Korinth, von da aber nach Aetolien, wo er seinen Großvater Oinaios rächen konnte, der von den Söhnen des Agrios stark bedrängt wurde. Anschließend ließ er sich dort nieder.

Es gibt aber auch andere Überlieferungen. Nach diesen soll die Geschichte mit Oinaios sich vor dem Trojanischen Krieg abgespielt haben. Es wird heute mit Sicherheit angenommen, daß er ein vorhomerischer Held ist. Er soll sich dann von Argos gleich nach Italien gewandt und dort dem bedrängten König Daunos Beistand gegen die Messapier gegeben haben. Als Belohnung durfte Diomedes wählen, ob er die gesamte Beute behalten oder sich das eroberte Land für sich und seine Leute nehmen wollte. Althainos aber, der Stiefbruder des Diomedes, sprach als Schiedsrichter aus Liebe zu Eyippe, der Tochter des Daunos, das Land dem Daunos zu. Aus Zorn verfluchte Diomedes das Land. Die Götter erhörten ihn und machten das Land unfruchtbar. Daunos rächte sich daraufhin an Diomedes, indem er ihn verfolgen und hinrichten ließ.

Eine andere Überlieferung sagt, daß er tatsächlich des Daunos Tochter und das Land erhalten habe. Er habe mit ihr den Diomedes und Amphinomos gezeugt und sei erst in hohem Alter gestorben. Jedenfalls soll er noch kräftig genug gewesen sein, als Aineas in Italien landete, um ihn zusammen mit Turnus und Latinus zu bekriegen, weil Venus es von ihm verlangte. Er soll die Pythischen Spiele ausgerichtet und die Stadt Argos Hippium, das spätere Arpi, gegründet haben. Er soll als erster den Hippolytos göttlich verehrt und ihm einen Tempel gebaut haben.

Diomedes selbst wurde nach seinem Tode ebenfalls göttlich verehrt. Es wird erzählt, daß, als seine Leute ihm nach seinem Tode ein Opfer brachten, sie von Feinden überfallen und getötet worden seien. Diese aber seien danach von Zeus in Vögel verwandelt worden, die bei den Griechen ganz zahm waren, aber keine Römer und Barbaren duldeten. Diomedes besaß einen großen Tempel an der Mündung des Timavus. Die Veneter opferten ihm ein weißes Pferd. In Umbrien wurde er als einheimischer Gott verehrt. Als großer und eifriger Verehrer der Athena soll sie selbst ihn unter die Götter aufgenommen haben.

Anmerkung:
Bei unserem Diomedes, dem Thydeiden, handelt es sich übrigens nicht um den Aressohn Diomedes, dessen menschenfressende Pferde Herakles besiegte!

Anhang:
Vasenbild des Diomedes mit dem Palladion n.r. eilend, Diomedes-Maler (ca. 380 v.Chr.), Ashmolean Museum, Oxford

Quellen:
Karl Kerenyi, Die Heroengeschichten
Benjamin Hederich, Gründliches mythologisches Lexikon
Der kleine Pauly

Mit freundlichem Gruß
Dateianhänge
tyros_valerian_SNG cop381.jpg
Diomedes_with_the_Palladium.jpg
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Beitragvon Peter43 » Mo 08.01.07 01:48

Inhaltsverzeichnis wieder an das Ende des Threads verschoben!
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Beitragvon Pscipio » Mo 08.01.07 01:59

Peter43,

an dieser Stelle möchte ich dir wieder mal ein herzliches Dankeschön für all die hochinteressanten Beiträge ausdrücken! Ich hoffe, unser ehrfürchtiges Schweigen vermiest dir nicht die Schreiblaune.

Gruss, Pscipio
Nata vimpi curmi da.
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Beitragvon chinamul » Mo 08.01.07 12:31

Hallo Peter43!

Du darfst das allgemeine Schweigen zu Deinen Ausführungen in diesem Thread auf keinen Fall als Desinteresse auffassen. Ich verdanke Dir inzwischen viele Anregungen, kann aber Deine Beiträge jedesmal nur in tiefster Demut zur Kenntnis nehmen, ohne meinerseits viel Mythologisches zum besten geben zu können.
Dein Mythologiethread ist für das Qualitätsniveau dieses Unterforums ein ungemein wichtiger Aktivposten. Mach also bitte weiter so!!!

Gruß

chinamul
Nil tam difficile est, quin quaerendo investigari possit
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Beitragvon Peter43 » Mo 08.01.07 13:05

Danke für die aufmunternden Worte! Ein paar Themen habe ich noch auf Lager!

Mit freundlichem Gruß
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Beitragvon Peter43 » Do 11.01.07 22:00

Hier habe ich wieder einmal ein Thema für die Sammler von republikanischen Münzen:

Juno Sospita

1. Münze:
Römische Republik, L. Procilius, gens Procilia
AR - Denar
Rom, 80 v.Chr.
Av.: Kopf des Juppiter n.r.
dahinter S.C
Rv.: Statue der Iuno Sospita, n.r. gehend, hält Schild und Lanze, Schlange davor
dahinter L.PROCILI / F
Ref.: Crawford 379/1; Sydenham 771; Procilia 1
SS
> Hier sieht man deutlich die schabelschuhähnliche Aufbiegung der Schuhe!

2. Münze:
Römische Republik, L. Roscius Fabatus, gens Roscia
AR - Denarius Serratus, 18.10mm, 3.8g
Rom, 59 v.Chr.*
Av.: Büste der Juno Sospita mit Ziegenfellkappe n.r., dahinter Modius
darunter L.ROSCI
Bankiers Zeichen im re. Feld
Rv.: Jungfrau in langer Kleidung steht n.r., füttert Schlange, die sich in mehreren
Windungen vor ihr aufrichtet, dahinter Cista
im Abschnitt FABATI
Ref.: Crawford 412/1 (Symbole 23); Sydenham 915; Roscia 3; Albert 1329
nicht häufig, getöntes SS, ansprechendes Silber
Pedigree:
ex Harlan J. Berk

* Von Crawford und ihm folgend auch von RSC, Vol. I auf 64 v.Chr. datiert. Das revidierte Datum basiert auf der hervorragenden Analyse des Messagne Horts durch Alan Walker und Charles Hersh in ANS Museum Notes No.29, New York, 1984, S.103-134

Einige Bemerkungen zu Juno:
Der Name der Juno hat keinen Zusammenhang zu Juppiter, da der Anlaut immer I (nicht Di, wie bei Juppiter) ist, und vor allem, da das u nicht aus einem Diphthong ou entstanden ist. Dazu kommt noch der nie diphthongisch geschriebene Name der gens Iunia. Richtig ist wohl Wissowa, der Iuno mit iuvenis, iuvenca u.ä. zusammenstellt und als 'junge Frau', 'mannbares Weib' deutet. Das zeigt, daß Iuno ursprünglich nicht die enge Verbindung mit Juppiter gehabt haben muß. Daher hat sich die Auffassung durchgesetzt, daß seit alters jede Frau ihre eigene Iuno hatte wie der Mann seinen Genius. In der Literatur ist das allerdings erst seit Tibull belegt, aber die fratres Arvales opfern beim Piacularopfer auch der Iuno Deae Diae.

Iuno Sospita:
Für die Gestalt in historischer Zeit sind entscheidend die italischen Einflüsse, besonders der etruskischen Auffassung, die im wesentlichen auf die griechische Hera zurückgeht. Der Iunokult war in Italien weit verbreitet. Lanuvium war die Stadt der Iuno Seispes Mater Regina; volksetymologisch wurde das noch ungedeutete Seispes zu Sospes oder Sospita, was Helferin oder Retterin bedeutet.

Als Kultbrauch der Iuno von Lanuvium berichtet Propertius von der Fütterung einer Schlange durch Jungfrauen (einer Tempelschlange? Dann wäre die Höhle soetwas wie die 'novellistische Ausmalung unserer literarischen Quellen'), die als Keuschheitsprobe und als Omen für die Fruchtbarkeit des Landes im nächsten Jahr galt, zwei heterogenen Elementen (die Keuschheitsprobe eventuell erst sekundär?). Im Jahre 338 v.Chr. wurde der Kult als Staatskult übernommen, blieb aber an der alten Stätte. Die Sacerdos Lanuvini, eine aus Rittern gebildete Priesterschaft, sind aus der Kaiserzeit bekannt. Auch die Consules opferten der Göttin. Im Jahre 194 v.Chr. erhielt sie auch in Rom, am forum holitorium, einen Tempel durch C. Cornelius Cethegus, obwohl der Kult in Lanuvium dadurch nicht aufhörte. Dieser Tempel wurde dann von Julius Caesar erneuert, nachdem die Iuno Sospita der Metella Caecilia im Traum erschienen war mit der Botschaft, sie wolle aus Rom fortgehen, wenn man ihren Tempel weiter so vernachlässige. Es gibt auch Denare des Julius Caesar, die auf der Rückseite die Sospita in der Biga zeigen.

Das Heiligtum war im Kampf gegen die Insubrer gelobt worden (Livius). Stiftungstag war der 1. Februar. Die Darstellungen zeigen die Göttin mit Lanze und einem dem Salierschild ähnlichen Schild bewaffnet und bekleidet mit an der Spitze aufgebogenen (etruskischen!) Schnabelschuhen und mit einem Ziegenfell, dessen Kopf helmartig über das Haupt gezogen war. In Schlange und Kultbild sieht Latte die Zeichen eines etruskisierten Typus der Athena Polias. Ziegen durften der Iuno nicht geopfert werden werden: Ovid meint, weil sie der Iuno verhaßt seien. Es kann aber auch sein, daß sie ein besonderes Verhältnis zu ihnen hatte, da sie z.B. als Weidegöttin Juno Caprotina für die Ziegen verantwortlich war. Im Grunde genommen habe ich darüber aber nichts finden können.

Anmerkungen:
Salierschild: Heiliger Schild, der zur Zeit des Numa Pompilius vom Himmel gefallen sei. Die Nymphe Egeria verriet ihm das Geheimnis dieses Schildes, des Ancile, mit der typischen Geigenform. Er sei das Unterpfand der römischen Herrschft. Numa Pompilius ließ daraufhin von Künstlern elf Kopien anfertigen, sodaß niemand das Original erkennen konnte. Das Priesterkollegium der Salier wurde mit der Bewachung der nun zwölf heiligen Schilde beauftragt. Nun scheinen aber die geigenförmigen Schilde der Sospita mit den Ancilia nicht identisch zu sein: Wie man auf Münzen des Augustus (RIC 136, 137) und des Antoninus Pius (RIC 736) sieht, bestehen die Ancilia aus 2 Rundschilden, die durch einen darüberliegenden kleinen ovalen Schild und zahlreiche Nieten zusammengehalten werden. So wird es auch keine Verbindung zwischen der Sospita und den Saliern geben.

Athena Polias: Die lebensgroße Statue der Athena Polias aus Olivenholz stand im Erichtheion, das eigentlich der Tempel der Athena Polias, der Stadtgöttin, war. Es hieß, sie sei vom Himmel gefallen. Ihr Kult war der älteste und wichtigste auf der Akropolis.

Angefügt habe ich ein Bild des Tempels der Iuno Sospita auf dem Foro Olitorio, der heute die Kirche des San Nicola ist, und ein Bild der Statue der Juno Sospita aus den Vaticanischen Museen, wahrscheinlich eine marmorne Kultstatue aus dem 2.Jh. n.Chr.

Quellen:
Der kleine Pauly
Benjamin Hederich, Gründliches mythologisches Lexikon
Michael Krumme, Römische Sagen in der antiken Münzprägung

Mit freundlichem Gruß
Dateianhänge
procilius_Crawford379.1.jpg
roscius_fabatus_Crawford412.1.jpg
romagiunone0003.jpg
Juno Sospita Vatican re.jpg
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Beitragvon Peter43 » Do 11.01.07 22:09

Skylla

Münze:
Bithynien, Nikomedea, Plautilla, Ehefrau des Caracalla, gest. 212 n.Chr.
AE 21
Av.: [NIB] FOV PLAV - TILLA CEB
Büste, drapiert, n.r.
Rv.: NEIKOMHDEW - N / DIC NEWKO / RWN
Skylla springt über Wellen n.l., hält Ruder(?) über der Schulter und Delphin in der
vorgestreckten Rechten.
Rec.Gen. 253
sehr selten, S/S+, grüne Patina

Homer:
Die meisten von uns kennen Skylla aus Homer's Odyssee. Kirke hatte Odysseus gewarnt, daß, falls er zu dicht an Skylla vorbeisegelte, sie ihn angreifen und seine Mannschaft auffressen würde. Und daß, falls er zu dicht an Kharybdis segelte, sie ihn fangen würde. So war Odysseus in einer Lage, aus der es keinen Ausweg gab. Er machte folgenden Plan: Er wollte gegen Skylla kämpfen und dann versuchen zu fliehen, bevor Kharybdis aktiv würde. Kirke aber schalt ihn und meinte, nur die Götter könnten ihn retten. Zu ihnen sollte er flehen. Das tat er, aber er sagte auf Anraten von Kirke seiner Mannschaft nichts von der drohenden Gefahr.

Als Odysseus mit seinem Schiff zu den Felsen kam, legte er seine prächtigste Rüstung an und stellte sich mit zwei Speeren auf den Schiffsbug, um die Felsen nach Skylla abzusuchen. Trotzdem wurde er überrascht. Sie fuhren in weitem Abstand zu Kharybdis dicht am Felsen der Skylla. Während sie auf Kharybdis achteten, die mit ihrem an- und absteigenden Wasser große Geräusche machte, stürzte sich Skylla unbemerkt herab und ergriff sechs Männer seiner Mannschaft. Ihre Füße und Körper hingen aus ihrem Mund, als sie sich in ihre Höhle schwang, um sie aufzufressen. Sie schrien zu Odysseus, er möge ihnen helfen, aber der stand hilflos an Deck mit dem Rest der erschrockenen Mannschaft. Odysseus sagte später, dies sei der erbarmungswürdigste Augenblick in seinem Leben gewesen, das doch schon soviele Leiden gesehen hatte.

Mythologie:
Skylla (lat. Scylla) und Kharybdis (lat. Charybdis) hießen 2 Felsen zwischen Italien und Sizilien, die nicht weit voneinander entfernt waren. In der Mitte des Felsens, der näher an Italien lag, hauste nach Homer die Skylla, eine Tochter der Krataiis (lat. Crataeis), ein furchterregendes Ungeheuer, das bellte wie ein Hund, mit zwölf Füßen, sechs langen Hälsen und Mäulern, welches jedes drei Reihen von scharfen Zähnen hatte. Der gegenüberliegende Felsen, der viel niedriger war, besaß einen ungeheuren Feigenbaum, unter dem Kharybdis hauste, die dreimal jeden Tag das Meereswasser einsaugte und es dreimal täglich wieder ausspie, was für die vorüberfahrenden Schiffe sehr gefährlich war. Spätere Überlieferungen machten Skylla zur Tochter des Phorkys oder Phorbas und Hekate Krataiis oder Lamia. Andere machten sie zur Tochter des Triton oder des Poseidon und der Krataiis oder von Typhon und Echidna.

Skylla und Glaukos:
Es gibt die Sage, daß Skylla ursprünglich eine wunderschönes junges Mädchen gewesen sei, das von vielen Freiern begehrt wurde. Sie aber spielte lieber mit den Nereiden, den Meernymphen, die sie liebten. Auch Glaukos entbrannte in Liebe zu ihr. Man erzählt, daß er ursprünglich ein sterblicher Fischer gewesen sei, der ein Meergott wurde, als er eine bestimmte Pflanze gekaut hatte.Es wird aber auch erzählt, daß er ein Sohn von Nereus und Doris gewesen sei. Demnach wäre er ein Bruder der Nereiden gewesen. Diese Verwandlung soll stattgefunden haben in der Nähe von Anthedon auf der Insel Euboia und er habe eine neue Gestalt bekommen mit phantastischen Farben. Er bekam einen dunkelgrünen Bart und Haar, das Schultern und Rücken bedeckte, und seine Hüften verschmolzen zu einem Fischschwanz. So wollte er nicht mehr auf der Erde bleiben und sprang ins Meer, wo er von den Meeresgottheiten empfangen wurde. Okeanos und Tethys reinigten ihn von seiner sterblichen Natur durch Zauberlieder und indem sie ihn in zahlreichen Flüssen badeten.

Als Glaukos ihr seine Liebe gestand, floh Skylla vor ihm, da sie nicht wußte, ob er ein Ungeheuer oder ein Gott war. Glaukos war tief verwundet und bat Kirke, ihm mit ihren Zauberpflanzen zu helfen, Skyllas Liebe zu gewinnen. Kirke aber veliebte sich selbst in ihn. Während sie ihm riet, die zu verachten, die ihn verachtete, flehte sie selbst um eine Vereinigung mit Glaukos. Glaukos aber wollte seine Liebe zu Skylla nicht aufgeben und sagte zu Kirke:
Eher soll Laub wachsen auf dem Meer, und eher soll Seegras hervorquellen auf den Gipfeln der Berge, als daß meine Liebe sich ändert solange Skylla lebt. (Ovid, Metamorphosen 14, 38 )

Da aber eine Frau nur ungern Liebesverse hört, die für eine andere bestimmt sind, wurde sie wütend, als sie diese Worte hörte. Sie wollte jedoch nicht Glaukos schaden, den sie liebte, sondern ihre Wut richtete sich gegen Skylla. Und so verließ Kirke ihren Palast, ging nach Rhegion im Süden Italiens und vergiftete das Wasser, in dem Skylla zu baden pflegte, mit ihren Zaubermitteln. Und als Skylla in das Wasser stieg, verwandelte sie sich in ein Ungeheuer, einen Fisch von den Hüften abwärts und sechs Hunden, die mit ihrem Körper verbunden waren. Von da ab wurde Skylla zur Plage für alle Seeleute, und alle die der Kharybdis entkommen waren, fielen ihr zum Opfer, wie es vielen von Odysseus Gefährten geschah, die sie auffraß. Einige behaupten, daß, als Aeneas nach dem Fall von Troja hier vorbeikam, Skylla in einen gefährlichen Felsen verwandelt wurde, der noch bis in unsere Zeiten zu sehen war.

Eine andere Überlieferung sagt, daß Skylla von Poseidon selbst geliebt wurde, und daß es Amphitrite gewesen sei, die sie aus Eifersucht in ein Ungeheuer verwandelt habe.
Es wird auch erzählt, Herakles habe sie getötet, weil sie einige der Rinder des Geryon gestohlen habe. Aber Phorkys soll sie wieder zum Leben erweckt haben. Virgil in seiner Aeneis spricht von mehreren Skyllen, verlegt sie aber in die Unterwelt.

Daneben gibt es noch eine andere Skylla, die Tochter des Königs Nisos von Megara, die in Liebe zu Minos entbrannte und deshalb ihrem Vater das goldene Haar abschnitt. Sie ist manchmal mit unserer Skylla verwechselt worden hat aber mit ihr nichts zu tun!

Hintergrund:
Bei den Sagen um Skylla handelt es sich um typische Schiffermärchen, die es überall auf der Welt gibt. In hellenistischer Zeit wurden sie phantastisch ausgeführt. Dazu gehören die Sage um Glaukos oder der Diebstahl der Rinder des Geryon. Platon, Eratotosthenes, Cicero und Ovid erklärten sie für ein reines Phantasiegebilde, sonst aber lokalisierte man sie im Altertum in der Straße von Messina. In der Nähe lagen Vorgebirge und Stadt Scyllaeum.Auch moderne Topographen suchen Scylla und Charybdis meist dort, aber auch im Bosporos. An die Stelle rein tierischer Gestalt bei Homer trat später in der Literatur und Kunst eine variable Mischgestalt (biformis, triplex und multiplex).

Wie andere Fabelwesen wurde Skylla schon im Altertum realistisch (Riesenkrake), rationalistisch und allegorisch-moralisch aufgefaßt. Die letztere Auffassung lebte bis ins Mittelalter fort.: Fresko in Corvey, 9.Jh. Incidit in Scyllam, qui vult vitare Charybdim (= Es gerät an Scylla, wer versucht die Charybdis zu vermeiden) zurst in der Alexandreis des Walter von Chatillon, 12.Jh.

Hinzugefügt habe ich ein Bild vom rotfigurigen Krater aus Paestum, sign. von Asteas, c.340 v.Chr., heute im J.Paul Getty Museum in Malibu, Kalifornien. Es zeigt ein Detail mit der Skylla. Die Meeresgöttin ist hier dargestellt als eine schöne meerjungfrauenähnliche Nymphe mit einem schlangenförmigen Fischschwanz anstelle der Füße, einer Menge von Hundevorderteilen um ihre Hüften herum und einem Dreizack in der Hand.

Quellen:
Ovid, Metamorphosen
William Smith, Dictionary of Greek and Roman Bography and Mythology (online)
http://en.wikipedia.org/wiki/Scylla
Der kleine Pauly

Mit freundlichem Gruß
Dateianhänge
nikomedia_plautilla_RecGen253.jpg
Skylla.jpg
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Beitragvon Peter43 » Sa 20.01.07 22:34

Apollo mit Doppelaxt

Münze:
Phrygien, Eumeneia (Fulvia), Nero, 54-69 n.Chr.
AE 20, 4.60g
geprägt unter Nero als Caesar 50-54 n.Chr.
Av.: CEBACTOS - NERWN (beginnend re unten)
Büste, drapiert, barhäuptig, n.r.
Rv.: (von re nach li, jeweils von oben nach unten:)
EVMENEWN / IOVLIOC / KL - EWN / ARXIEREVC ACIAC
Apollo, nackt, die Chlamys über dem li Arm, steht n.l., hält Raben in der vorgestreckten
Rechten und Doppelaxt im li Arm
RPC 3149 (28 Ex. gelistet); SNG Copenhagen 394; SNG von Aulock 3591; SNG München 207; BMC 41
selten, SS, hübsch für den Typ
Eumeneia wurde 41/40 v.Chr. in Fulvia umgetauft zu Ehren der Ostunternehmung des Marcus Antonius, dessen Ehefrau Fulvia war.

Der auf der Rs. erwähnte Julius Kleon hatte den Titel ARXIEREVS THC ACIAC, was soviel heißt wie 'Oberpriester von Asien'. Seine Frau, Bassa Kleonos, war ebenfalls Hohepriesterin, Archiera. Auch sie wird auf Münzen erwähnt, die für Agrippina jun., die Mutter Neros, geprägt wurden. Nur bei den Archieronten gab es dies, daß beide Ehepartner dieselbe Funktion hatten und Münzen mit ihrem Namen prägten. Die Funktion des Archiereus war eng mit dem Kaiserkult verbunden. In jedem Gau überwachte ein Archiereus den Herrscherkult, der bereits von den Nachfolgern Alexanders des Großen, den Diadochen, eingerichtet und dann von Augustus übernommen wurde. Er mußte die die regelmäßig stattfindenden Festspiele eröffnen und die Kaisertempel mit seinem eigenen Geld unterhalten. Im Koinon hatte er den Vorsitz. Wahrscheinlich war seine Funktion aber nur religiös-kultisch. Umstritten ist noch, ob seine Funktion mit dem des Asiarchen identisch war.

Bedeutung der Doppelaxt:
Die Doppelaxt heißt auf griechisch Labrys. Dieses Wort stammt wahrscheinlich aus einer vorgriechischen, vielleicht ägäischen Sprache. Dabei handelt es sich um ein Beil mit zwei beiderseits des Schaftes symmetrisch angeordneten Schneiden. Die Labrys diente handwerklichen Zwecken wie als Waffe, bei Homer nur bei den Gegnern der Achäer, vor allem den Amazonen. Ihre besondere Bedeutung aber hatte sie im Kult. Ursprünglich aus dem Vorderen Orient kommend und dann in Kleinasien, besonders in Karien, bis in späteste Zeit Attribut zahlreicher einheimischer Götter, ist die Labrys im 2.Jt. v.Chr. im minoischen Kreta eines der wichtigsten religiösen Symbole geworden. Dort werden nur Göttinnen mit der Labrys dargestellt. Dies wird teils als Beweis eines Matriarchats aufgefaßt, teils aber auch als Hinweis auf den männlichen Partner der Großen Göttin und als Insignie des Priesterfürsten. Doppeläxte wurden als Kultsymbole und Weihegeschenke aufgestellt, z.T. aus kostbarem Material, und als göttlicher Schutz in die tragenden Fundamentsteine der kretischen Paläste eingeritzt. In Kleinasien tragen neben Demeter und Kybele auch viele männliche Gottheiten eine Labrys, z.B. Zeus als Labraundos, Men und Apollo, wie hier auf der Münze. Gerne wird dies als Zeichen des Wetter- und Gewittergottes aufgefaßt, allerdings ohne ausreichenden Grund.

Auf dem griechischen Festland geht die Labrys ganz in die Hand männlicher Gestalten über. Seit geometrischer Zeit taucht die Labrys als Zeichen der Heiligkeit auf, z.B. bei Herakles, Theseus, Hephaistos u.a. In Italien spielt sie, außer in östlichen Kulten, keine große Rolle. Das Beil im Fascesbündel hat mit der Labrys nichts zu tun. Der Kleine Pauly meint, daß der eigentliche Charakter und die kultische Verwendung der Labrys erneuter Klärung bedarf.
Leider hat sich auch hier wieder die Esoterik dieses Gerätes bemächtigt. Im Internet findet man dann die absonderlichsten Erklärungen, besonders von sog. Feministinnen.

Das Labyrinth von Knossos:
Wenn man über die Doppelaxt spricht, kommt man automatisch zum Begriff des Labyrinths. Das berühmteste Labyrinth ist natürlich das Labyrinth von Knossos. Dieses wurde der Sage nach von Daidalos für den kretischen König Minos gebaut, um den Minotauros zu verbergen. Dieses Monster eines Menschen mit Stierkopf war von Pasiphae geboren worden, die sich in einen Stier verliebt hatte. Die Athener mußten dem Minotauros jedes Jahr zehn Jungfrauen opfern, bis Theseus nach Knossos fuhr, den Minotauros tötete und damit die Athener von diesem Blutzoll befreite. Ihm gelang es, aus dem Labyrinth herauszufinden, weil ihm Ariadne einen Faden gegeben hatte, mit dem er seinen Weg markieren konnte. Es gibt auch die Überlieferung, daß Minos den Daidalos selbst in das Labyrinth einsperrte, und dieser sich mit seinem Sohn Ikaros nur auf dem Luftweg retten konnte. Diodor meint, Daidalos habe ägyptische Vorbilder gehabt. Darstellungen des Labyrinths finden sich häufig auf kretischen Münzen. Auf römischen Mosaikfußböden wurde der Kampf des Theseus mit dem Minotauros dargestellt.

Die Auffassung, Labyrinth bedeute ursprünglich ein unterirdisches Gefängnis oder ein Bergwerk, wird z.B. noch von Kerenyi vertreten. Dafür spricht, daß die tief in den Berg hineinführenden Steinbrüche von Gortyn von allerdings späteren Autoren als Labyrinth bezeichnet werden und die Labrys als Arbeitswerkzeug gesehen wird.

Allgemein aber wird angenommen, daß Labyrinth soviel bedeutet wie 'Haus der Doppelaxt'. Jedenfalls hat Evans, der Ausgräber von Knossos, dies so gesehen. Er fand nämlich an den Wänden zahlreiche Abbildungen von Doppeläxten. Bei den Ausgrabungen handelte es sich allerdings um die Königspaläste von Knossos mit zahlreichen Räumen und Vorratskammern, die in ihrer Unübersichtlichkeit schon einem Labyrinth glichen. Man darf aber das Labyrinth nicht mit einem Irrgarten verwechseln. Dieses hat viele Verzweigungen, jenes nur einen einzigen, allerdings komplizierten Weg.

Das Wort Labyrinth knüpft zwar an den kretischen Bau an, bezeichnet aber eine uralte Menschheitsvorstellung, einen Archetyp im Sinne Jungs und Kerenyis. Dabei ist niht charakteristisch, daß der Ausweg fast unmöglich ist, sondern daß es ihn doch gibt. Unterwelt, Tod und Leben, Unendlichkeit verkörpern sich im Labyrinth des Mythos, im Tanz und der bildenden Kunst. Deshalb tauchen Labyrinthe in fast allen menschlichen Kulturen der ganzen Welt auf.

Das Labyrinth im Christentum:
Lange vergessen wurden Labyrinthe in der Gotik wiederentdeckt. Sie tauchen in großer Zahl bei den gotischen Kathedralen auf. Berühmt sind die Labyrinthe von Chartres, Amiens, Reims aber auch von Siena und anderen Kathedralen. Ich bin regelmäßig in Amiens beim Comicfestival. Wenn man dann am Quai Belu im Quartier St.Leu am Sommekanal sitzt und von dort aus sieht, wie sich auf der anderen Seite dieses mittelalterliche Wunderwerk über den kleinen Häusern der Altstadt in seiner ganzen Pracht erhebt, dann ergreift einen ein Gefühl der Ehrfurcht und des religiösen Schauders. Es ist überwältigend! Deshalb habe ich als Beispiel dessen Labyrinth ausgesucht. Es ist entstanden 1288 und wurde nach seiner Zerstörung 1827-1897 rekonstruiert.

In der Zeit der Entstehung des Christentums war natürlich die griechische Mythologie sehr präsent, und die Christen haben immer verschiedene Mythen anderer Völker verstanden als Vorbereitung auf die Heilsgeschichte. Und so ist auch dieser Theseus-Mythos verstanden worden als eine symbolische Geschichte für die Rettung des Menschen. Und so wurde Theseus wie Christus interpretiert, der uns aus dem verschlungenen Labyrinth des Lebens rettet und uns am Faden der Liebe zu neuem Leben führt. Der Pfad wurde verstanden als ein Abbild der Lebensbahn. Die Linien zu durchschreiten versprach Erlösung und ersetzte den Armen als Bußweg die Pilgerreise ins Heilige Land.

Quellen:
Der kleine Pauly

Hinzugefügt habe ich
a) das Bild einer Labrys
b) das Bild einer kretischen Frau mit 2 Doppeläxten
c) das Bild des Labyrinths in der Kathedrale von Amiens.

Mit freundlichem Gruß
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eumeneia_nero_SNGcop394_#1.jpg
Labrys_1.jpg
labyrinth_amiens.jpg
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Beitragvon Peter43 » Fr 02.02.07 00:48

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Beitragvon chinamul » So 04.02.07 16:34

Nachtrag zur Gigantomachie
Bei den Erinyen handelt es sich um die drei Rachegöttinnen Alekto, "die Unermüdliche", Megaira, "die Zornige" und Tisiphone, "die Rächende", die gemeinsam den Frevler unnachgiebig verfolgten. Eine eindrucksvolle Schilderung ihres Wirkens findet sich in Schillers Ballade „Die Kraniche des Ibykus“ („Wohl dem, der frei von Schuld und Fehle ...“).
Der Fries des Theaters von Perge in Pamphylia zeigt eine weitere Gigantomachie, in die neben den Giganten und den Göttern Helios und Eos auch Kentauren, Greife, Löwen, die Panther des Dionysos und natürlich Herakles involviert sind. Die Januarnummer der Zeitschrift Antike Welt enthält einen sehr informativen Artikel über diesen Gigantomachiefries.
Gerade habe ich eine Münze erworben, deren Revers praktisch mit dem des Gallienus-Aes von Peter43 identisch ist und die ich hier vorstellen möchte.

SEVERUS ALEXANDER 222 – 235
Æ 30 mm Seleuceia ad Calycadnum
Av: AY K M AYP CЄOYHP AΛЄΞA / NΔPOC - Geharnischte und drapierte Büste rechts mit Strahlenkrone
Rv.: CЄΛЄYKЄ / ΩN K / AΛ
Athena mit Speer in der Rechten und Schild am linken Arm einen schlangenfüßigen Giganten bekämpfend, der einen Stein nach ihr schleudert
BMC 21.135.33; Sear 3362 (14,14 g)

Gruß

chinamul
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athena - gigant.jpg
gigant.jpg
Nil tam difficile est, quin quaerendo investigari possit
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Beitragvon Peter43 » Sa 10.02.07 13:24

Die Amazonen

Galatia, Ankyra, Antoninus Pius, AD 138-161
AE 28, 13.15g
Av.: [AVT KAI] ADRI ANTW - NEINOC CEB PIW
Bloßer Kopf n.r.
Rv.: H METROPOLIC THC -GALATIAC ANKVRA
Amazone in kurzem Chiton, mit Stiefeln und wehender Chlamys n.r. gehend, hält in der li
Hand Schild und Doppelaxt, mit der re Hand Ruder.
BMC 7
fast SS, fleckige Patina

Der Schild der Amazone ist eine sog. Pelte, ein leichter blattförmiger Schild (mit Einbuchtung) aus Flechtwerk oder Holz, der mit Leder überzogen war und von den thrakischen Leichtbewaffneten getragen wurde.

Die Herkunft der Amazonen:
Die Amazonen waren eine kriegerische Gemeinschaft von Frauen, von den Skythen als 'männermordend' genannt, die den Bogen spannten, den Speer warfen, auf die Jagd gingen und von Frauenarbeit nichts hielten. Sie waren Kinder des Ares und der Nymphe Harmonia, die in den Tälern des akmonischen Phrygiens geboren waren. Zuerst wohnten sie am Amazonenfluß, der nun nach Tanais, einem Sohn der Amazone Lysippe genannt wird (heute Don). Dieser beleidigte Aphrodite dadurch, daß er das Heiraten verachtete und sich nur dem Krieg hingab. Als Rache ließ Aphrodite Tanais sich in seine Mutter verlieben; aber bevor er sich zu einer blutschänderischen Leidenschaft hinreißen ließ, warf er sich in den Fluß und ertrank. Daraufhin führte Lysippe ihre Töchter entlang des Schwarzen Meeres zu einer Ebene am Fluß Thermodon. Dort brachten sie drei Stämme hervor, von denen jeder eine Stadt gründete. Ab da an rechneten die Amazonen ihre Abkunft nur von der Mutter. Bevor Lysippe im Kampf fiel, baute sie die große Stadt Themiskyra und besiegte jeden Stamm bis zum Fluß Tanais. Mit der Beute bauten sie große Tempel für Ares und Artemis Tauropolis. Sie eroberten einen großen Teil Kleinasiens und Syriens und gründeten die Städte Ephesos, Smyrna, Kyrene und Myrine. Nachdem sie von den Griechen in Kleinasien, am Fluß Thermedon, besiegt wurden, zogen sie sich ins Land der Skythen zurück und verbanden sich mit jungen Einheimischen, die ihr Vertrauen gewannen und sich ihnen anschlossen, zum Volk der Sauromaten (Herodot, Historien IV, 110-117). Die Griechen trafen oft mit den Amazonen zusammen. Dies hier sind die bekanntesten Geschichten:

Herakles und Hippolyte:
Dies war die neunte Arbeit des Herakles. Admete, die Tochter des Eurystheus, bei dem Herakles dienen mußte, wünschte sich den Gürtel der Amazonenkönigin Hippolyte. Also wurde Herakles nach Pontos am Schwarzen Meer geschickt, wo die Amazonen am Fluß Thermodon wohnten. Die tapferste unter ihnen war ihre Königin Hippolyte. Als Abzeichen hatte sie von ihrem Vater Ares den Gürtel erhalten. Herakles und seine Gefährten landeten bei Themiskyra an der Mündung des Thermodon. Auch Theseus und Telamon sollen dabei gewesen sein. Die Amazonen waren den Männern nicht abhold, und Hippolyte wäre geneigt gewesen, ihren Gürtel dem Herakles zu schenken. Aber Hera soll in der Gestalt einer Amazone erschienen sein und habe in den Amazonen den Verdacht gegen Herakles und die Seinen erweckt, sie hätten es auf den Raub der Hippolyte abgesehen. So kam es zur Schlacht zwischen den Heroen und den Amazonen. Herakles tötete die Königin und nahm ihr den Gürtel ab. Dies wird auch dargestellt auf dem Metopenrelief in Olympia. Den Gürtel bewahrte man in Mykenai im Heiligtum der Hera auf.
Es wird auch erzählt, daß es Theseus war, der den Gürtel erbeutete und ihn dann dem Herakles zum Geschenk machte, oder daß Herakles die Hippolyte mit sich geführt und sie ihm den Sohn Hippolytos geboren hätte.

Theseus und Antiope:
Man erzählt auch, daß Herakles die Amazonenstadt Themiskyra erst erobern konnte, als sich die Amazone Antiope in Theseus verliebte und die Ihrigen verriet. Aber Theseus soll auch mit seinem Freund Peirithoos ausgezogen sein, um Antiope zu entführen, eine Parallele zum Raub der Helena. In Athen soll sie ihm den Sohn Hippolytos geboren haben, oder den Demophon. Man sieht, daß die Geschichten von Herakles und Theseus etwas durcheinander gehen. Um ihre Königin zu befreien oder die Schmach zu rächen, als Theseus eine zweite Frau nahm, erschien das Heer der Amazonen vor Athen. Es kam aus nördlicher Richtung auf großen Umwegen von den Küsten des Schwarzen Meeres, da die Amazonen keine Seefahrer waren, sondern ein berittenes Volk. Der linke Flügel ihres Heeres lehnte sich an den Areopag (der Name soll daher kommen, weil sie hier dem Ares opferten) an jener Stelle, wo später das Amazoneion, das Heroenheiligtum zu Ehren der Amazonen, stand, der rechte Flügel an die Pynx. Von dorther drangen sie gegen die Akropolis vor. Ein athenisches Heer fiel ihnen indessen vom Musenhügel her in den Rücken. So wurden sie im vierten Monat der Belagerung zum Friedensschluß gezwungen. Dies war das erstemal, daß die Athener fremde Eindringlinge vom Heimatboden zurückschlagen mußten. Die verwundeten Amazonen wurden nach Chalkis zur Heilung gesandt. Dies war für die Athener alles wahre Geschichte. Man zeigte den Fremden seltsame Gräber und schrieb sie den Amazonen zu: in Athen das Grab der Antiope, in Megara jenes der Hippolyte. Man glaubte dieses durch die halmondförmigen Schilde der Amazonen zu erkennen. Große Wandmalereien zeigten diese Schlacht. Eine befand sich in der Stoa Poikile, der berühmten 'bunten Halle'.
Es wird aber auch erzählt, daß Herakles seinem Freund Theseus zu Hilfe kam, und daß auch Penthesilea bereits an diesem Kampf teilnahm. Aus Versehen soll sie dabei ihre Herrin Hippolyte getötet haben.

Achilleus und Penthesilea:
Nach dem Tod des Hektor erschien zu seiner Beeerdigung die Amazonenkönigin Penthesilea mit ihrem Amazonenheer vor den Mauern vor Troja. Sie soll Hippolyte, die Mutter des Hippolytos, aus Versehen getötet haben. Priamos sollte die Tochter des Ares von diesem Mord reinigen. Übrigens soll Priamos bereits einmal in seiner Jugend gegen die Amazonen gekämpft haben. Diese Schlacht fand am Fluß Sangarios statt (Homer Ilias III,189). Man sagt, daß diese kriegerischen Frauen sich in einem Kampf gegen Männer auszeichnen müßten, ehe sie einen Geliebten wählen könnten. So erschien die jungfräuliche Penthesilea vor Troja. Elf Tage hatte Achilleus dem Priamos zur Trauerfeier für Hektor gegeben. Am zwölften Tag stürmte die schöne Penthesilea gegen die Griechen. Wie schön sie war und wie sehr sie die Tochter des Briseus ersetzen konnte, erkannte Achilleus erst, als er sie mit seiner Lanze tödlich getroffen hatte. Beim Blick in ihre sterbenden Augen verliebte er sich unsterblich in die Tote. Er soll sogar ihre Leiche geschändet haben. Thersites, der häßlichste Grieche vor Troja, verspottete Achilleus wegen seiner widernatürlichen Lust, bis Achilleus ihn erschlug. Das empörte die Griechen und Diomedes warf den Körper der Penthesilea in den Skamandros. Von dort soll sie aber gerettet worden sein und von Achilleus oder den Trojanern bestattet worden sein.

Hintergrund:
Die Amazonen sind ein sagenhaftes Volk kriegerischer Frauen. In der Ilias finden sich nur undeutliche Erinnerungen an sie: Bellerophontes besiegt sie in Lykien; Priamos hat mit ihnen in Phrygien gekämpft; ein Hügel in der troischen Ebene gilt als Grabmal der Amazone Myrine; die Amazonen insgesamt heißen antianeirai, was später als 'männerfeindlich' oder 'männergleich' gedeutet wird. Unmittelbar an das Ende der Ilias schließt die Aithiopsis an: Die Amazone Penthesilea kommt Priamos zu Hilfe, wird von Achilleus getötet und beklagt. Die Grundzüge der späteren Amazonensage sind folgende: Von Osten kommend, gründen sie einen Weiberstaat im Nordosten Kleinasiens, zwischen Sinope und Trapezus, mit der Hauptstadt Themiskyra. Sie verehren Ares (als ihren Stammvater) und Artemis (Tauropolis). Zur Fortpflanzung leben sie zwei Frühlingsmonate mit einem Nachbarvolk zusammen. Die Knaben werden getötet (oder zum Kriegsdienst untauglich gemacht oder den Vätern zurückgeschickt). Die Mädchen bleiben Jungfrauen bis sie drei Feinde getötet haben. Ihre Waffen sind Pfeil und Bogen und ein Schwert, das an einem über die Brust laufenden Bande hängt; sie sind meist beritten. In ihren Stammbäumen zählen die Männer nicht. Hauptquellen: Diodor und Strabon. Herodot bringt die Amazonen mit den Skythen in Verbindung und läßt die Sauromaten (Sarmaten) von ihnen abstammen. Offenbar hat man, als man am Thermodon keine Amazonen fand, sie weiter nach Osten lokalisiert. Pompeius will mit ihnen nördlich vom Kaukasos gekämpft haben! Man erzählte auch schon früh von libyschen Amazonen und deren Eroberungszügen. Viele aiolische und ionische Griechenstädte, wie Smyrna und Ephesos, schrieben ihre Gründung den kleinasiatischen Amazonen zu.

Deutung: Falsch ist die etymologische Ableitung von mazos mit alpha privativum (= ohne Brust); die bildende Kunst stellt sie immer mit zwei Brüsten dar. Überholt ist die Deutung auf ein Heer streitbarer Priesterinnen der Artemis. Heute sieht man in ihnen einen Nachhall historischer Kämpfe mit matriarchalischen kleinasiatischen Stämmen (nicht Hethitern!), vermischt mit märchen- und sagenhaften Motiven (Frauenraub u.a.), anknüpfend an Totenmale, wie sie an verschiedenen Orten Griechenlands verehrt wurden. In Athen lag am Abhang des Areopags das Amazonenheiligtum (Amazoneion), in der Nähe ihre Gräber mit der auf Antiope oder Hippolyte bezogenen Amazonis stele.

Anmerkung:
Als die spanischen Conquistadoren Südamerika eroberten, trafen sie u.a. auch auf Indianerstämme, bei denen die Frauen zusammen mit den Männern kämpften. Sie glaubten daher, das rätselhafte Volk der Amazonen gefunden zu haben und nannten nach ihnen den größten Fluß der Erde Amazonas!

Kunstgeschichte:
In der antiken Kunst werden die Amazonen im allgemeinen als Reiterinnen wiedergegeben. Ihre Bewaffnung unterscheidet sich sehr von der der Hopliten: Bogen, Streitaxt und leichte, halbmondförmige Schilde kennzeichnen das Fremdartige. Amazonenbilder gibt es in großer Zahl, die meisten in der attischen Vasenmalerei, in der auch die Episoden mit Herakles und Theseus auftauchen, dann in der Bauskulptur, als ausgedehnte Kampfszenenfolgen auf Metopen und Friesen, z.b. des Zeustempels von Olympia (ca. 470-460 v.Chr.), des Parthenon (447-438 v.Chr.) und des Apollontempels von Bassae-Phigalia (um 420 v.Chr.; beisde London, BM). Nach Auffassung der Athener bedeutete der Kampf mit den in Attika einfallenden Amazonen eine mythische Präfiguration ihres Kampfes gegen die Barbaren. Auf römischen Sarkophagen dominiert das Geschehen vor Troja: wie Achilleus die tote Penthesilae aufhebt oder, weniger häufig, die Ankunft der Amazonen nach dem Tod des Hektor. In vielen römische Kopien (u.a. in Berlin, PM; in Kopenhagen, CG; in New York, MM; im Louvre und in Rom, MC) sind die Statuen der verwundeten Amazonen überliefert, die nach dem Bericht des älteren Plinius die Bildhauer Phidias, Polyklet, Kresilas, Kydon und Phradmon in einem Wettbewerb für den Artemistempel in Ephesos geschaffen haben (den Preis gewann Polyklet). Die Amazonen waren auch in der Renaissance ein Thema bei Carpaccio. Im Barock hat Rubens ein großes Schlachtenbild gemalt. Zuletzt war es der deutsche Expressionist Beckmann (1911; Beverly Hills, R. Gore Rifkind Coll.)

Ich habe zwei Bilder hinzugefügt:
1) Attische schwarzfigurige Halsamphora, jetzt im Britischen Museum, London
Das Bild zeigt den berühmten Kampf zwischen Achilleus und Penthesilea vor Troja.
2) Marmorstatue einer Amazone (sog. Typ I), jetzt im Museo Vaticano, Rom.
Ca. 440/430 v.Chr. Dies ist eine der Statuen, die beim Wettstreit der berühmtesten
griechischen Künstler für eine Amazonenstatue für den Artemistempel in Ephesos geschaffen wurden. Das Original war wahrscheinlich aus Bronze.

Weitere Bilder findet man unter http://www.net4you.com/poellauerg/Amazo ... l_fra.html

Quellen:
Der kleine Pauly
Karl Kerenyi, Heroengeschichten
Robert von Ranke-Graves, Griechische Mythologie
Aghion/Barbillon/Lissarrague, Reclams Lexikon der antiken Götter und Heroen in der Kunst
Wikipedia

Mit freundlichem Gruß
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Beitragvon Peter43 » Sa 10.02.07 13:31

Cheiron, der weise Kentaur

Königreich Bithynien, Prusias II., 183-149 v.Chr.
AE 20, 6.38g
Av.: (anepigraphisch)
Kopf des Dionysos, mit Efeukranz, n.r.
Rv.: BASILEWS PROVSIOV
Kentaur Cheiron steht n.r., hält mit beiden Händen Lyra, hinter ihm die flatternde Chlamys
im unteren re Feld ein Monogramm
SNG Copenhagen 639; BMC 9; SG 7266

Mythologie:
Cheiron, oder Chiron, war der Sohn des Kronos und der Philyra. Als Kronos sich der Philyra näherte, wurde er von seiner Gemahlin Rhea überrascht, und verwandelte sich aus Furcht vor ihr in ein Pferd. Als Philyra nach der Geburt des Cheiron seine Pferdegestalt sah, schämte sie sich so sehr, daß sie endlich in eine Linde verwandelt wurde. Es wird aber auch erzählt, daß er wie auch alle anderen Kentauren der Sohn des Ixion gewesen sei.
Cheiron war also ein Kentaur, ein Mischwesen aus Mensch und Pferd. Dabei sei er aber ein so guter Arzt, Musiker und Astronom gewesen, daß er der Erzieher des Herakles, des Asklepios, des Jason und des Achilleus gewesen sei, ja, daß er alle Prinzen seiner Zeit in den Wissenschaften unterwiesen habe: So den Kephalos, Melanio, Nestor, Amphiareus, Peleus, Telamo, Meleager, Theseus, Hippolytos, Palamedes, Menestheus, Odysseus, Diomedes und Kastor und Polydeikes, Auch Aeneas soll sein Schüler gewesen sein. Er war der erste große Lehrer des Menschengeschlechts, der es Gerechtigkeit lehrte, den Eid heilig zu halten und den Göttern Dankopfer zu bringen. Er lehrte die Menschen, die Sternzeichen zu deuten, und soll den Argonauten einen Kalender gemacht haben. Er erzog seine Schüler aber auch zur Jagd und zum Kriegswesen. Er unterrichtete sie in der Heilkunst, in der Musik und im Rechtswesen. Dem Dionysos brachte er bei, wie man richtig ißt und wie man seine Opfer darbringt. Er war der beste Freund des Peleus und verschaffte ihm die Thetis zur Frau. Er berechnete astrologisch den genauen Hochzeitstermin und erreichte so, daß es an diesem Tag regnete und die Götter vom Himmel herabsteigen und mitfeiern konnten.

Bei all diesen guten Eigenschaften starb er trotzdem einen überaus schmerzvollen Tod. Als ihn einmal Herakles besuchte, fiel dem ein Pfeil aus dem Köcher und durchbohrte den Fuß des Cheiron. Da dieser Pfeil in das Gift der Lernäischen Schlange getaucht war, verursachte sie ihm die allerentsetzlichsten Schmerzen, konnte aber auf keine Art geheilt werden. Als Sohn des Kronos war er unsterblich, sodaß es auch kein Ende der Qualen gab. Da bat er Zeus aufs inständigste, daß er ihn möchte sterben lassen, bis Zeus seine Bitte erfüllte. Es wird erzählt, daß Prometheus, der für seine Frevel von Zeus an den Kaukasus geschmiedet worden war, erst dann erlöst werden könnte, wenn ein Unsterblicher für ihn den Tod auf sich nähme. So ging Cheiron in den Hades, Prometheus aber wurde durch den Tod des Cheiron unsterblich.

Die Frau des Cheiron soll Chariklo gewesen sein, eine Nymphe, mit der er die Okyroe zeugte. Auch diese wurde vor seinen Augen in ein Pferd verwandelt. Seine Tochter soll auch Endeis gewesen sein, die später die Gattin des Aiakos und die Mutter des Peleus geworden sei.

Er soll in einer großen Höhle am Berge Pelion in Thessalien gewohnt haben, wo er auch Kranke empfing, um sie zu heilen.

Wegen seiner Frömmigkeit, Gerechtigkeit und seiner anderen Tugenden, und weil er ohne sein Verschulden einen so entsetzlichen Tod sterben mußte, versetzte ihn Zeus endlich selbst an den Himmel. Die Magnesier in Thessalien verehrten ihn göttlich und opferten ihm die Erstlinge ihrer Früchte.

Interessant ist ein Anmerkung bei Hederich. Darin behauptet er, daß es paradox sei, daß Cheiron, der größte Arzt seiner Zeit, an einer unheilbaren Wunde sterben mußte. Aber es sei immer so, daß, wenn eine Wissenschaft auf ihrer Höhe angekommen sei, eine Zeit des Abstiegs begänne und sie langsam absterbe. Dies sei dem Cheiron zum Verhängnis geworden.

Hintergrund:
Chiron, literarisch meist Cheiron (Hypokoristikon* von Cheirisophos), war von Haus aus ein Heilgott mit chthonischen Zügen, am Berg Pelion beheimatet. Die Magnesier brachten ihm als Arzt Gaben; selbst Menschenopfer sind bezeugt. Ein Ärztegeschlecht der Gegend führte sich auf Cheiron zurück. Er galt als Sohn des Kronos, der der Nymphe Philyra in Pferdegestalt beiwohnte. Er gehörte zu den Kentauren, unterschied sich von ihnen aber nicht nur durch seine Abstammung, sondern vor allem durch seine Gerechtigkeit, Milde und Frömmigkeit. Er ist unsterblich und wird z.B. von Aischylos als Gott bezeichnet. Er ist Erzieher und Freund vieler Heroen und lehrt sie Heilkunst, Jagd und Leierspiel. Die attischen Komödiendichter spielen ihn gegen die moderne Musik aus. Gegen die Tradition, daß Cheiron nach der Trennung der Thetis von Peleus die Erziehung des Achilleus übernommen habe, führt Homer den Phoinix als Erzieher ein und überläßt ihm nur die ärztliche Betreuung.

*Hypokoristikon = Kosename (ist das nicht schön!)

Kunstgeschichte:
In der antiken Kunst Griechenlands, vor allem in der attischen Vasenmalerei, hat Cheiron bis in klassische Zeit einen vollständigen menschlichen Körper, dem der Hinterleib eines Pferdes angefügt ist (Amphora des Oltos, um 510 v.Chr.; Louvre). Oft ist er wie ein Mensch gekleidet; so empfängt er Peleus, der den kleinen Achilleus auf seinen Armen zu ihm bringt (weißgrundige Oinochoe aus Vulci, um 510 v.Chr.; London, BM). Auf zwei Wandgemälden aus Pompeji und Herculaneum lehrt er den Achilleus das Kitharaspiel, nun aber in Pferdegestalt mit menschlichem Oberkörper (beide um 70 n.Chr.; Neapel, MN). Als Erzieher vor allem wieder des Achilleus erscheint Cheiron in der Renaissancemalerei; die entsprechenden Wandgemälde von Rosso Fiorentino in Schloß Fontainebleau (1535-1540) bezeugen indessen vor allem die Vorlieben des Königs Franz I.: Fechten, Schwimmen, Jagen und Turnierkampf. Im Achilleus-Zyklus von Rubens (um 1631; Prado) reitet der junge Achilleus auf dem Kentauren, in einem Gemälde von G.M.Crespi (um 1700; Wien, KM) wird ihm das Bogenschießen beigebracht. Den sterbenden Cheiron malte Filippino Lippi (um 1500; Oxford, Christ Church College).

Hinzugefügt habe ich das Bild der Amphora des Oltos.

Quellen:
Der kleine Pauly
Benjamin Hederich, Gründliches mythologisches Lexikon
Aghion/Barbillon/Lissarrague, Reclams Lexikon der antiken Götter und Heroen in der Kunst

Mit freundlichem Gruß

Nachträglich möchte ich noch ein Bild hinzufügen, das ich von Pat Lawrence bekommen habe. Sie schreibt dazu: In der Basilika von Herculaneum gibt es eine Gruppe von ungewöhnlich sorgfältigen Kopien aus der Zeit der Späten Republik oder des frühen Kaiserreichs von klassischen Gemälden. Jede bezieht sich auf eine eigene hellenistische Stadt oder ein Königreich.
Diese hier 'Cheiron unterrichtet Achilleus' (a) hat eine makedonische Architektur im Hintergrund, (b) hofiert anscheinend Alexander den Großen, der von Aristoteles erzogen wurde, und vergleicht ihn hier mit Achilleus, der von Cheiron unterrichtet wurde. (c) Und es kann eine Kopie sein - so gut es freihändig auf diesem Fresko in Herculaneum nur möglich war - eines Gemäldes des berühmtesten griechischen Malers überhaupt, nämlich Apelles, der für Alexander gearbeitet hat. Zusätzlich, und das entzückt mich am meisten, ist diesem großen Künstler einer großen Zeit eingefallen, den Kentaur SITZEND zu zeigen, als wäre es keine Schwierigkeit, dies bei zwei Oberkörpern zu tun! Tatsächlich haben sich Pferdehinterteile in sitzender Position, in Marmor, gefunden (in Griechenland, nicht in Italien) als eine wundervolle imitation dieser tour de force.

Danke, Pat!
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prusiasII_SNGcop639_#1.jpg
Cheiron_Amphora_Oltos.jpg
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Beitragvon Peter43 » Sa 17.02.07 17:02

Die Kentauren

Da wir gerade über Cheiron gesprochen haben, ist es hier der geeignete Platz, auch das Geschlecht der Kentauren als Ganzes vorzustellen!

Münze:
Gallienus, 253-268, Alleinregierung 260-268
AR - Antoninianus
Rom, nach 260
Av.: GALLIENVS AVG
Kpf, mit Strahlenkrone, n.r.
Rv.: APO - LL - INI CONS AVG
Kentaur, n.l. gehend, re Vorderfuß erhoben, hält in der ausgestreckten Rechten Globus
und im li Arm Ruder; über dem Pferderücken Wellenlinien
im Abschnitt H
Göbl 378b; RIC V/2, 164; C.73
SS, hübsches Portrait, Schrötlingsschaden
Pedigree:
ex Gerald Gartspein coll.
ex Stacks Auction 27.6.1969, lot 659
ex Fowler coll.
Bei der Bestimmung des Gegenstandes über der li Schulter gibt es Schwierigkeiten:
Cohen schreibt 'des fleches' = Blitzbündel, RIC hält es für eine 'trophy', aber es ist offensichtlich ein Ruder. Dazu würden auch die Wellenlinien passen.

Mythologie:
Als sich Ixion bei einem Gelage der Götter im Himmel zu sehr betrunken hatte, versuchte er sich der Hera selbst zu nähern. Die aber gab auf den Rat von Zeus hin einer Wolke ihre Gestalt, Nephele, und mit dieser zeugte Ixion in seiner Trunkenheit den Kentauros. Dieser wurde zum Stammvater des ganzen Geschlechts der Kentauren. Andere erzählen, daß sie Söhne des Ixion- oder Apollosohnes Kentauros mit Stuten aus Magnesia waren. Sie wurden von Nymphen auf dem Berge Pelion in Thessalien erzogen. Mit Pferden erzeugten sie die Hippokentauren.

Die Kentauromachie:
Peirithoos, ebenfalls ein Sohn des Ixios, seine Mutter war Dia, war der König der Lapithen. Zu seiner Hochzeit mit Hippodameia lud er alle olympischen Götter ein, außer Ares und Eris, weil er sich an das Unheil erinnerte, das Eris bei der Hochzeit des Peleus und der Thetis verursacht hatte. Es kamen mehr Gäste als erwartet, sodaß seine Vettern, die Kentauren, in einer großen Höhle untergebracht werden mußten. Die Kentauren waren keinen Wein gewöhnt. In ihrer Unwissenheit verschmähten sie die saure Milch und betranken sich an ungemischtem Wein. Als die Braut zur Begrüßung zu ihnen kam, stürzte sich ihr Anführer Eurytos auf sie und schleppte sie an den Haaren fort, um ihr Gewalt anzutun. Daraufhin stürzten sich alle Kentauren auf die Frauen und Knaben, um es ihm gleichzutun.
Peirithoos und Theseus kamen der Hippodameia zur Hilfe. Sie verstümmelten Eurytos und warfen ihn aus der Höhle. Daraufhin kam es zu Kampf der Kentauren gegen die Lapithen, der bis in die Nacht andauerte. Auf beiden Seiten gab es viele Tote. So begann ein langandauernder Krieg zwischen den Lapithen und den Kentauren. Angezettelt worden war er von Ares und Eris als Rache für die ihnen angetane Beleidigung.
Die Kentauren erlitten eine schwere Niederlage. Theseus vertrieb sie von ihren Sitzen am Berg Pelion. Aber sie wehrten sich verzweifelt. Nachdem sie sich wieder gesammelt hatten, drangen sie ins Land der Lapithen, überraschten ihr Heer und metzelten den größten Teil nieder. Die Überlebenden flohen nach Elis. Aber auch von dort wurden sie von den Kentauren vertrieben. Erst in Malea fanden sie eine neue Heimat.

Das wilde Wesen der Kentauren und der gefährliche Einfluß des Weins zeigte sich auch, als Herakles auf der Suche nach dem Erymanthischen Eber bei ihnen vorbeikam. Er wurde gastlich vom Kentauren Pholos aufgenommen. Er bewirtete ihn mit gebratenem Fleisch, aß selbst aber nur rohes. Ihm Wein anzubieten, wagte er nicht, weil der Weinkrug gemeinsames Eigentum aller Kentauren war. Aber Herakles erinnerte ihn daran, daß ihnen dieser Weinkrug von Dionysos genau zu diesem Anlaß geschenkt worden war. Als die anderen Kentauren den Wein rochen, wurde sie zornig und stürmten mit Felsbrocken, ausgerissenen Bäumen, Felsbränden und Äxten die Höhle des Pholos. Pholos versteckte sich, aber Herakles tötete die ersten Angreifer. Da ließ Nephele, die Großmutter der Kentauren, es heftig regnen, sodaß Herakles auf dem Boden ausrutschte und die Sehne seines Bogens aufweichte. Trotzdem gelang es ihm, sie zu töten oder zu verjagen. Die Überlebenden suchten Zuflucht bei ihrem König Cheiron, andere kamen nach Pholoe, einige bis Sizilien, wo sie von den Sirenen umgebracht wurden. Inzwischen hatte Pholos, der seine toten Verwandten begrub, einen Pfeil des Herakles herausgezogen und sagte: "Wie kann ein so starkes Geschöpf einem so kleinen Kratzer zum Opfer fallen?" Dabei entglitt ihm der Pfeil, durchbohrte seinen Fuß und tötete ihn auf der Stelle. Herakles begrub ihn mit großen Ehren am Fuß des Berges, der jetzt seinen Namen trägt.

Hintergrund:
Die Kentauren waren vierbeinige, aus Mensch und Pferd gebildete Wesen, die ausschließlich auf dem griechischen Festland, und zwar in den Bergwäldern Thessaliens, im westlichen Arkadien nebst angrenzenden Landschaften und am Kap Malea lokalisiert waren. Roscher (Myth. Lex.) sieht in ihnen eine Personifikation der verheerenden Natur der Wildbäche. Mannhardt (Wald- und Feldkulte) Windgeister, entsprechend den wilden Männern des germanischen Volksglaubens, richtig aber eher Nilssen: "Die Kentauren sind eine Gattung jener Naturdämonen, mit welchen die primitive Phantasie die ganze Natur erfüllt, und zwar sind sie im besonderen Dämonen der unwegsamen Gebirge und der dichten Wälder, die von wilden Tieren bewohnt, dem Menschen Furcht und Schrecken einflößten. Dahinter steckt etwas Elementares, das sich bei der einfachen Landbevölkerung durch alle Zeiten hindurchzieht." Solche Vorstellungen wurden auf die ungeschlachten, halbbarbarischen Bewohner der Waldgebirge übertragen. Die frühere Gleichsetzung mit den indischen Gandharvas ist aufgegeben, orientalische Einflüsse unwahrscheinlich. Die Kentauren waren in älteren Darstellungen, schon im 8.Jh., als vollständige Männer gestaltet, aus deren Rückenmitte Rumpf und Hinterbeine von Pferden herauswuchsen, später wie Pferde, die anstelle von Pferdehals und -kopf von der Hüfte aufwärts Manneskörper zeigten, also mit 4 Pferdebeinen. Geflügelte und gehörnte Kentauren sind selten. Der Typ der weiblichen Kentaurin wurde Ende des 5.Jh. von Zeuxis erfunden; lesenswert die Beschreibung in Lukians Zeuxis. Die Sage stellt die Kentauren den Lapithen gegenüber, seit Homer Ilias I, 267ff. Die Kentauromachie wurde zunächst im Freien, später im Hause des Lapithen Peirithoos lokalisiert. Als Anlaß galt die Hochzeit des Peirithoos mit Hippodameia, bei der die Kentauren zu Gast waren und, berauscht, sich an den Frauen vergriffen und von den Lapithen überwältigt und vertrieben wurden. Außer den Lapithen stellt die Sage die Kentauren auch einzelnen Heroen gegenüber, so Herakles, Peleus und Atalante. Inzwischen waren sie wegen ihrer Lüsternheit und Weingier in nähere Verbindung zu Dionysos und Eros getreten. Als Individualitäten treten nur wenige hervor, z.b. Eurytion und Nessos. Vertreter eines milden, gastfreundlichen Typs waren Cheiron und Pholos.

Die Lapithen:
Die Lapithen waren ein früh verschollener Volksstamm im nördlichen Thessalien, im Mythos ein Geschlecht riesenhafter, aber im alllgemeinen ritterlich edler Helden der Vorzeit, von dem sich zahlreiche thessalische Adelsgeschlechter ableiteten. Auch weiter südlich, sogar in der Peloponnes, sollen Lapithen ansässig gewesen sein. Der attische Demos Perithoidai führte sich auf Peirithoos als Ahnherrn zurück. Polypoites, Sohn des Peirithoos, und Leonteus, Sohn des Koronos, nahmen am Trojanishen Krieg teil, andere an der kalydonischen Jagd und an der Fahrt der Argonauten. Auf dem Schild des Herakles waren eine ganze Reihe von Lapithen als Gegner der Kentauren dargestellt. Die Kentauromachie, die sich aus der Hochzeit des Peirithoos mit Hippodameia entwickelte, war einer der beliebtesten Stoffe der bildenden Kunst. Sie wird aufgefaßt als Widerspiegelung von Kämpfen benachbarter thessalischer Gaue oder von Kämpfen des binnenländischen thessalischen Adels gegen die Küstenstädte oder auch von Auseinandersetzungen zwischen der Herrenreligion der thessalischen Ebene und der Volksreligion der Waldgebiete. In der albanischen Sprache sollen noch Spuren dieses prä-hellenischen Volkes zu finden sein.

Kunstgeschichte:
Die doppelte Natur der Kentauren wurde nicht immer auf die gleiche Weise dargestellt. In der griechischen Antike haben die guten, gesitteten Kentauren Menschenbeine und -füße, sind auch manchmal wie Menschen gekleidet. Die wilden Kentauren dagegen haben vier Pferdehufe. Die Kentauromachie, ihr Kampf mit den Lapithen, war ein Sinnbild des Kampfes mit den barbarischen Nichtgriechen, vorab den Persern, gegen die kultivierten Griechen; sie erscheint seit archaischer Zeit in den Giebel-, Metopen- und Friesskulpuren an den Tempeln. Berühmtestes Beispiel sind die Figuren vom Westgiebel des Zeustempels in Olympia (457 v.Chr.). Andere antike Werke zeigen die Kentauren ihren Anteil am Wein des Pholos einfordernd oder den Kentauren Nessos beim Versuch, die Deianeira zu rauben. Manchmal sieht man sie im Gefolge des Dionysos.
Die Doppelnatur der Kentauren rückt sie in christlicher Deutung in einen Bereich zwischen die Seligen und der Unterwelt oder zwingt sie in die unterste Stufe der Hölle unter die Verdammten. So erscheinen sie an Portalen ud Kapitellen des Mittelalters zusammen mit dämonischen Fabelwesen, oft auch als Sinnbilder des Teufels oder des Heidentums. In der Frührenaissance griff man u.a. das Thema der weiblichen Kentaurin auf (Boticelli, 'Die Verleumdung des Apelles', 1495; Uffizien), dann auch die Kentauromachie (Michelangelo, Marmorrelief, um 1492?; Florenz, MB - Piero di Cosimo, Gemälde, um 1505-1507; London, NG), die sich im Werk von Rubens, L. Giordano und anderen wiederfindet bis hin zu F. v. Struck). Die Kentauren bleiben ein aktuelles Thema bis zu Picasso.

Quellen.
Der kleine Pauly
Robert von Ranke-Graves, Griechische Mythologie
Benjamin Hederich, Gründliche Mythologie
Aghion/Barbillon/Lissarrague, Reclams Lexikon der antiken Götter und Heroen in der Kunst

Angefügt habe ich das Bild der Kentauromachie auf dem attischen rotfigurigen Säulenkrater im Louvre, ca.450-440 v.Chr. und
das Bild der Südmetope 31 vom Parthenon, die den Kampf eines Kentaur mit einem Lapithen zeigt (ca.447-433 v.Chr), die sich heute auch im Louvre befindet.

Mit freundlichem Gruß
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gallienus_164.jpg
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Beitragvon Peter43 » Do 08.03.07 23:17

Apollo Patroos

Dies ist praktisch eine Fortsetzung des Beitrags 'Apollo Lykeios - oder nicht?' vom Anfang dieses Threads. Leider ist diese Münze in schlechtem Zustand, aber ich habe sie wegen ihrer mythologisch-historischen Bedeutung ausgewählt.

Trajan Decius, 240-251
AE 35, 27.29g
Av.: AV KAI G MEC KVIN.DEKIOC TRAIANO
im l. und r. Feld P- P
Rv.: TARCO - V MHTROPOLEWC GB
im l. und r. Feld A/M - K
Perseus, nackt bis auf Chlamys über der li. Schulter, n.l. stehend,
hält Harpa im li. Arm und das Haupt der Medusa in der li. Hand; in
der vorgestreckten re. Hand hält er die Kultstatue des Apollo, auf
Omphalos frontal stehend, und in jeder Hand einen Hund an den
Vorderfüßen haltend.
Ref.: SNG Paris 1757; nicht in SNG Levante
selten, S+/fast SS, oliv-grüne Patina, mit der üblichen Rauhheit
Perseus galt neben Herakles als mythologischer Gründer von Tarsos.

Erläuterungen:
A = PRWTH = die Erste
M = MEGISTH = die Bedeutendste
K = KALLISTH = die Schönste
G = 3, Hauptstadt dreier Provinzen
B = 2, Inhaberin zweier Neokorien

Wir haben bereits öfter gehört, daß insbesondere die Städte in Kleinasien in starkem wirtschaftlichen Wettbewerb miteinander standen. Eine der schärfsten Waffen in diesem Kampf waren Orakel, Neokorien und schmückende Titel. Die wichtigsten Konkurrenten von Tarsos waren Mallos, Aigeai, Adana, Mopsuestia und Anazarbos. Als Ergebnis dieser Rivalität erhielt Tarsos die Titel AMK (die Erste, die Bedeutendste, die Schönste) und METROPOLIS. Später erhielt Anazarbos diesselben Titel und versucht sie noch zu übertreffen, indem es ENDOXOC (= die Berühmteste) hinzufügte. Aigeai, die drittgrößte Stadt in Kilikien, besaß einen sehr wichtigen Asklepiostempel, was ein großes Privileg war. Mallos schlug Münzen auf denen es stolz verkündete, daß der Prophet Amphilochos der Gründer ihrer Stadt gewesen war, und zudem hatten sie den Tempel der Athena Magarsis. Um zu versuchen, die Bedeutung ihres Orakels zu betonen, schlug Mopsueastia Münzen mit einem Tripod und einem brennendem Altar, was bedeuten sollte, daß Mopsuestia das Orakel des Propheten Mopsos war.

Zahllose Reisende, Händler und Pilger, aber auch Heere besuchten diese Städte, die auf der Hauptroute lagen, wenn man von Syrien oder Mesopotamien in das westliche Kleinasien wollte. Tempelgeschenke und Statuen, aber auch der Verkauf von Kränzen, Kronen und Votivtieren konnte unermeßliches Einkommen bringen. Man konnte Geld verdienen durch den Service in den Städten und den Dienst in den Tempeln, ebenso durch die Behandlung und Heilung von Erkrankungen oder das Erteilen von Vorhersagen in den Tempeln. Deshalb ist es verständlich, daß die Münzen, die wie Werbebroschüren von Hand zu Hand gingen, die wichtigsten Attraktionen ihrer Städte abbildeten. Auf diese Weise machten die Städte Reklame für ihre Tempel, Götter und Göttinnen und ihre Orakel.

Am Ende waren Amphilochos und Mopsos die berühmtesten Seher der Welt, und dadurch, daß Mallos und Mopsuestia ihre Tempel besaßen, standen sie weit über den anderen Städten. Auch Aigeai wurde von zahlreichen Gästen besucht wegen des Asklepiostempels.

Als das Orakel des Apollo nach Tarsos gebracht wurde (auf eine besondere Art, nämlich 2 Hunde an den Vorderläufen hochhaltend), hatte es endlich einen Tempel, mit dem es mit den anderen Städten gleichziehen oder sie sogar ausstechen konnte. Als erster Gott, der die Menschen die Heilkunst lehrte, trat es insbesondere in Konkurrenz zum Asklepios von Aigeai. Asklepios aber war im Vergleich zu Apollo nur ein zweitrangiger Gott und konnte gegen die Fähigkeiten Apollos nicht bestehen. Die Vorhersagen des Apollo waren auch mit Sicherheit denen des Amphilochos oder des Mopsos überlegen. Dies ist der Grund anzunehmen, daß die an den Vorderläufen hochgehaltenen Hunde diese beiden Seher repräsentieren.

Über einen Kult des Apollo Lykeios in Tarsos gibt es keine Hinweise. Der Ionische Apollo muß nach Tarsos gekommen sein mit den Immigranten. Er wird identifiziert worden sein mit einem einheimischen Gott in Tarsos mit ähnlichen Heilkräften. In diesem Fall ist die Bezeichnung als Apollo Lykeios eine moderne Zuschreibung. Da sich auf anderen Münzen die Bezeichnung PATROOC findet, wird es sich auch hier um den Kult des APOLLO PATROOS gehandelt haben. Apollo, als Begründer und Beschützer der menschlichen Zivilisation wurde von den Griechen betrachtet als Gründer von Städten und ihrer Gesetze. Auf diese Weise war der Apollo Patroos in Athen der Beschützer aller Ionier. Sein Tempel in Athen wurde 350-300 v.Chr. gebaut und stand zwischen dem Metroon und der Stoa des Zeus Eleutheros. Er hieß Patroos, weil man ihn für den Vater der Ionier hielt, auch der Athener.

Mythologie:
Apollo hatte heimlich mit Kreusa, der Tochter des Königs Erechtheus von Athen und der Ehefrau des Xouthos, geschlafen. Als sie neun Monate später einen Sohn gebar, nahm Apollo ihn sofort mit in sein berühmtes Heiligtum in Delphi, sodaß ihr Ehemann ihn nicht finden konnte. Dort gaben die Priester ihm den Namen Ion. Als die Ehe zwischen Kreusa und Xouthos kinderlos blieb, ging Xouthos nach Delphi, um das Orakel um Rat zu fragen. Ihm wurde gesagt, daß die erste Person, der er auf seinem Weg begegnete, sein Sohn sei. Dies war Ion, der von Xouthos angenommen wurde, weil er sich vage daran erinnerte, daß er in jungen Jahren während einer Orgie für Dionysos einmal eine Affäre mit einer Mänade hatte. Zurück in Athen erkannte Kreusa ihren Sohn zunächst nicht und versuchte, ihn zu vergiften. Aber die Priester des Apollo eröffneten Kreusa und Ion die Wahrheit und Ion wurde später König von Athen.

Eine 2.5m hohe Statue eines bekleideten Apollo, wahrscheinlich Kithara spielend, wurde neben dem Tempel des Apollo Patroos gefunden. Dies kann die Kultstatue des Euphranor, ca.330 v.Chr., sein, die noch Pausanias gesehen hatte. Heute steht sie in der Kolonnade des Agora-Museums.

Leider sind die Tempel in Tarsos alle zerstört worden oder es wurden christliche Kirchen auf ihnen erbaut. Dies kann der Grund dafür sein, daß wir bis heute keine Statue gefunden haben, auf der Apollo mit den Hunden dargestellt ist.

Quelle:
Bekircan Tahberer, Apollo Lykeios in Ancient Tarsus Numismatics (Dank an Pat Lawrence)
http://www.greeceathensaegeaninfo.com/h ... atroos.htm

Angefügt habe ich ein Bild des Apollo Patroos aus dem Agora-Museum.

Mit freundlichem Gruß
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tarsos_trajan_decius_SNGparis1757_1.jpg
Apollo Patroos.jpg
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Beitragvon Peter43 » Do 08.03.07 23:36

Hekate Triformis

Phrygien, Apameia, quasi-autonom, 2.Jh. v.Chr.
AE 15, 2.80g
Av.: APAM - EIA
Büste der Stadtgöttin, drapiert und mit Mauerkrone, n.r.
Rv.: APA - MEIWN
Hekate Triformis, dreifigurig, mit 3 Köpfen und 6 Armen, jede in Doppelchiton und mit
Kalathos, Fackeln haltend
Ref.: cf. SNG von Aulock 3475 (aber andere Legenden); BMC -
Sehr selten, SS

Mythologie
Wie bei vielen mythologischen Gestalten gibt es unterschiedliche Meinungen über ihre Eltern. Nach einigen war sie die Tochter des Perses und der Asteria (deshalb auch Perseis genannt), eine Titanin, nach anderen der Nyx (der Nacht), oder des Zeus und der Asteria oder sogar der Hera. Als sie, nach einigen von der Hera, geboren wurde, bekam sie den Namen Angelos, und wurde von ihrem Vater Zeus den Nymphen übergeben, sie aufzuziehen. Als sie erwachsen war, stahl sie ihrer Mutter die Büchse mit Schminke, womit diese sich ihr Gesicht glänzend machte und gab diese der Europa, der Tochter des Phoinix. Als Hera sie dafür strafen wollte, flüchtete sie sich erst in das Bett einer Wöchnerin, dann unter Männer, die gerade einen Toten trugen. Als Hera von ihr abließ, schickte Zeus die Kabiren, die sie reinigen sollten. Dies geschah am acherusischen See, weshalb sie zu einer unterirdischen Göttin, insbesondere der Toten gemacht wurde.

Andere, die sie für eine Tochter der Demeter und des Zeus halten, sagen, daß sie von großer Stärke gewesen sei, weswegen Zeus sie unter die Erde aussandte, die verlorene Persephone wieder zu suchen (siehe den Artikel 'Der Raub der Persephone' in diesem Thread). So sei sie eine unterirdische Göttin geblieben.

Die aber, die sie für die Tochter des Perses und der Asteria halten, wollen, es habe ihr Zeus, weil sie ihm - selbst eine Titanin - gegen die Titanen beigestanden habe, die Gewalt über Himmel, Erde und Meer verliehen, weshalb sie dann denen, die sie geziemend verehrten, Reichtum, Ehre, Macht und Sieg und alles, was sie wünschten, schenkte.

Üblicherweise wurden ihr Hunde geopfert. Die wohlhabenden Athener setzten ihr am Ende jeden Monats Essen auf die Wegkreuzungen, der Hekate Mahl genannt, was dann von armen Leuten verzehrt wurde.

Nach einer anderen Geschichte (Diodor. Sic. I. IV.) war sie die Tochter des Königs Perses von Taurika, eine kühne und grausame Prinzessin, die ihre Lust am Jagen hatte, die aber, wenn sie kein Wild antraf, Menschen dafür niederschoß. Sie wußte gut mit Giftkräutern umzugehen, und benutzte insbesondere die Wolfwurz, mit der sie ankommende Fremde vergiftete, indem sie ihnen dieselbe ins Essen tat. So tötete sie endlich auch ihren Vater und riß die Herrschaft an sich. Sie baute der Artemis einen großen Tempel und opferte ihr alle Fremden, die sie ergreifen konnte. Später heiratete sie den Aietes und zeugte mit ihm die Kirke, die Medea und den Aigialos. Ihre beiden Töchter wurden ebenfalls berühmte Zauberinnen. Sie soll von Phorkys auch die Mutter der Skylla gewesen sein.

Hintergund:
Hekate ist eine nach der Verbreitung ihres Kultes und der mit ihrem Namen gebildeten Eigennamen (Hekateios, Hekatomnos u.a.) eine im südlichen Kleinasien (Karien) beheimatete Göttin; leider ist bisher ihre genaue Herkunft noch nicht klar bestimmbar. Die frühesten Zeugnisse ihres Kultes, ein Rundtempel mit bustrophedon* geschriebener Inschrift und das um 100 v.Chr. aufgezeichnete Kultgesetz der Molpoi, das auf das 5.Jh. zurückgeht, stammen aus Milet, und ein Hauptheiligtum ist Lagina in Karien. Von Hesiod wird Hekate als Allgöttin gerühmt, die als Hilfreiche mit zu Gericht sitzt, von Zeus einen Anteil an Erde, Meer und Himmel erhalten hat, Jägern, Hirten und Fischern beisteht; selbst Kurotrophos wird sie genannt, also der Artemis ähnlich, Helferin in vielen Lagen. So galt sie vor allem als Hüterin der Tore und der Dreiwege (Trivia), womit , ebenso wie einer Kurotrophos, Reinigungsopfer, die für sie charakteristischen Hundeopfer, verbunden sind. Der Hund, als dämonisches Tier, gehört zur Betonung des Unheimlichen, Gespenstischen, zuweilen auch des Chthonischen (Unterirdischen). Hekate ist aber keine typisch kleinasiatische Gestalt, und Kultgebräuche lernt man nur aus den Inschriften kennen, sowohl die Funktion der Eunuchen, wie das Amt des kleidouchos, des Schlüsselhalters.

Kunstgeschiche:
Für Athen gilt dagegen die Feststellung des Pausanias 2, 30, 2 anläßlich seiner Erwähnung des von Myron geschaffenen Kultbildes in Aigina, das er Xoanon nennt, Alkamenes habe mit seiner Hekate Epipyrgidia (= auf dem Turm stehend) am Eingang zur Akropolis als erster das dreigestaltige Bild der Hekate geschaffen, was durch das Fehlen eines dreigestaltigen Typus vor dem letzten Viertel des 5.Jh. bestätigt scheint. Eingestaltige Hekaten, auch inschriftlich gesichert, gibt es auf klassischen rotfigurigen Vasen, Artemis ähnlich, mit Fackeln. Erst mit Alkamenes setzt die Menge dreigestaltiger, zunächst archaisierender, später archaistischer Hekateia ein, die jeweils variieren. Die Dreigestalt mit drei Köpfen, die umtanzte Herme. Der Tanz um die dreifache Vollfigur oft mit Fackeln als Attributen; bis sie in hellenistischen Friesen und Reliefs zu manchmal meisterhaften Phantasiegebilden ausgestaltet werden: eingestaltig, aber mit drei Köpfen und sechs Armen.

Leider ist die Gestalt der Hekate den sog. Feministinnen in die Hände gefallen, sodaß die Informationen aus dem Internet oft nicht zu gebrauchen sind. Vor kurzem ist eine Arbeit über Hekate erschienen (Nina Werth, Hekate, Antiquitates - Archäologische Forschungsergebnisse, Bd. 37, 2006). Darin soll die nicht-kleinasiatische Herkunft der Hekate bewiesen werden. Leider ist dieses Buch (eine Dissertation?) sehr teuer, sodaß ich darauf keinen Zugriff hatte. Die Interpretation der Triformis als Darstellung einer jungen Frau, einer refen Frau und einer Alten ist mit Sicherheit falsch, da sie immer jugendlich dargestellt wurde. Auch die Gleichsetzung mit dem Mond in seinen 3 Phasen ist aus späterer Zeit. Man darf bei allen diesen Erklärungsversuchen nicht vergessen, daß sie ursprünglich nur in der Einzahl dargestellt wurde!

*bustrophedon = eine Art der frühen Schrift, in der die Zeilen abwechselnd von li nach re und dann von re nach li geschrieben wurden, so wie man beim Pflügen mit den Ochsen vorgeht.

Quellen:
Der kleine Pauly
Benjamin Hederich, Gründliches mythologisches Lexikon
http://www.theoi.com/Khthonios/Hekate.html
http://en.wikipedia.org/wiki/Hecate

Hinzugefügt habe ich
a) das Bild einer römischen Kopie des berühmten Hekateion des Alkamenes (ca. 430 v.Chr.),
die heute im Rijksmuseum in Leiden steht.
b) einen Ausschnitt eines Bildes von einem apulischen rotfigurigen Volutenkrater, der eine
Szene von Orpheus in der Unterwelt zeigt. Man sieht hier Hekate mit einer Fackel wie
Artemis und den Kerberos. Ca.330-310 v.Chr., heute in der Antikensammlung in
München.

Mit freundlichem Gruß
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apameia_cfSNGaulock3475.jpg
hekate-afb.1.jpg
img_hekate.jpg
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