Mythologisch interessante Münzen

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

Moderatoren: chinamul, Homer J. Simpson

Beitragvon Peter43 » Sa 24.03.07 18:09

Poseidon und die Nymphe Beroe

Phönikien, Berytos, Elagabal, 218-222
AE 30, 12.47g
Av.: [AV KM AVR A - NTONINVS AVG]
Büste, drapiert und cürassiert, von hinten gesehen, belorbeert, n.r.
Rv.: COL IVL A - VG FEL
im Abschnitt BER
Poseidon, in Himation, mit Ausfallschritt n.r., Kopf n.l. gewendet, die vor ihm knieende
Beroe mit der Rechten hochziehend, in der Linken seinen Dreizack haltend; die Nymphe,
in durchsichtigem langen Chiton, schöpft mit der Rechten Wasser mit einem Gefäß, hat
die Linke zur Abwehr erhoben.
Ref.: BMC 183; SNG Cop.118; Lindgren II, 120, 2268
Sehr selten, fast VZ, hellbraune Patina

Die Sage von Beroe finden wir ausführlich in den Dionysiaka des Nonnus. Berytos hat in der damaligen Zeit als ein Zentrum der Gesetzgebung gegolten, deshalb finden sich besonders im ersten Teil zahlreiche Hinweise auf Gesetze und Gerechtigkeit. Der Text lehnt sich an Nonnus an, ich habe ihn allerdings stark gekürzt. Trotzdem kann man noch den ausschweifenden Stil des Nonnus erkenne, wie ich hoffe!

Geburt und Jugend der Beroe
Es gibt eine jüngere Legende, nach der ihre Mutter Aphrodite war, die sie dem assyrischen Adonis gebar. Als die Stunde der Geburt nahte, war Hermes zur Stelle, ihr zu helfen, und Themis, die Göttin der Gesetze, war ihre Geburtshelferin. So wie die lakedaimonischen Mütter bei der Geburt ihre Füße gegen einen Rundschild pressen, hielt ihr Themis Solons Gesetze entgegen, um ihr die Geburt zu erleichtern. Das Mädchen wurde von den vier Aetai (Winden) gebadet, die anschließend aller Welt die Gebote Beroes verkündeten. Okeanos, als erster Bote dieser Gesetze, ergoß seine Fluten um die ganze Erde. Aion, die Zeit, wickelte das Neugeborene in das Gewand der Dike, der Gerechtigkeit. Die vier Horen, die Jahreszeiten, besangen die Geburt von Aphrodites Tochter. Aphrodite übergab ihre Tochter der Astraia, der Herrin der Gerechtigkeit, zur Erziehung und diese nährte Beroe mit der Milch des Rechts und Strömen von attischen Gesetzen. War Beroe durstig, gab sie ihr das pythische Wasser, das für Apoll bestimmt war, oder Wasser vom Ilissos, das voll vom Geist der Musen war. Die Chariten holten Wasser von der Hippokrene, der Musenquelle, um sie zu baden.

Beroe - die Göttin von Berytos
Als Aphrodite sah, wie ihre Tochter voll weisen prophetischen Geistes war, studierte sie die Gründungen der berühmtesten Städte. Sie sah, wie Mykene, umgeben von einer Kette von Kyklopenmauern den Namen funkeläugig bekommen hatte, und wie Theben am oberen Nil gelegen, als älteste Stadt galt. Da beschloß sie, eine Stadt zu entwerfen, die nach Beroe benannt war, besessen von dem Wunsch, eine Stadt zu bauen, besser als alle anderen. Sie betrachtete die große Säule mit Solons Gesetzen in Athen und die breiten Straßen und beneidete ihre Schwester, die gerechte Richterin. Da ging sie zur Allmutter Harmonia und fragte sie: "Welche der Städte hat die unerschütterlichen Zügel des Rechts bewahrt? Ich habe Zeus mit seiner Schwester Hera verheiratet, nachdem er sie dreihundert Jshre lang begehrt und den Stachel der Sehnsucht gespürt hat. Dafür versprach er mir eine würdige Entlohnung, daß er nämlich die Gebote der Gerechtigkeit einer Stadt meiner Wahl anvertrauen würde. Sage mir nun, ist dies Kypros, Paphos, Korinthos, Sparta oder das edle Lande meiner Tochter Beroe?
Darauf antwortete Harmonia: "Ich habe hier die sieben Tafeln der Geschichtsorakel, auf denen alle Zukunft verzeichnet steht. Da Du mich nun fragst, ich habe dieses Vorrecht bewahrt für die älteste der Städte. Ob dies nun Argos ist, die Stadt der Hera, oder Sardes oder sogar Tarsos, die immer als solche besungen wird, werden Dich die Tafeln des Kronos lehren!" Dann führte sie Aphrodite an die Wand mit den berühmten Tafeln, auf die Ophion mit Zinnoberrot die Orakel graviert hatte und las: " Beroe kam als erste, gleichalt mit dem Universum, den Namen der später geborenen Nymphe tragend, den die Römer später Berytos nannten." Und Aphrodite las weiter: "Wenn Augustus das Zepter der Welt hält, wird der Ausonische Zeus die Herrschaft dem göttlichen Rom geben und Beroe wird er die Zügel des Rechts anvertrauen, wenn sie - ausgerüstet mit wehrhaften Schiffen - den Streit mit der kriegslüsternen Kleopatra beenden wird."

Die Hochzeit der Beroe
Hoch in der Luft fliegend mit seinem flammenden Bogen legte Eros zwei seiner Pfeile auf die Sehne um gleichzeitig zwei Bewerber in Sehnsucht nach der Liebe Beroes zu entflammen, den Weingott Dionysos und Poseidon, den Herrscher der Meere. er schlug Dionysos mit Liebeswahn, sodaß er Beroe seine Schätze offenbarte, die rote Weinlese und das Herz eines glücklichen Lebens. Und er stachelte Poseidon zur Liebe an, daß er der Nymphe ein doppeltes Geschenk machte, Seeschlachten und phantastische Meeresgerichte. Aber Dionysos versetzte er noch mehr in Flammen, weil der Wein die Begierde noch mehr erregt und ungezügelte Jugend der Herrschaft des Weines eher folgt. Dann erhob sich Eros wie ein falscher Vogel und rief spöttisch: "Wenn Dionysos Menschen mit Wein verwirrt, dann errege ich ihn mit meinem Feuer!"
Und Dionysos erblickte den zarten Körper des langhaarigen Mdchens voller Bewunderung und er konnte seinen Blick nicht von ihr reißen. Er rief Helios an, seiner Liebe zu Klymene zu gedenken, und seinen Wagen anzuhalten, damit er das Tageslicht verlängere. Er schlich um Beroe herum und küßte jede Stelle, die ihre Rosenschuhe betreten hatten. Er betrachtete ihr liebliches Gesicht, das keine dirnenhafte Schminke brauchte und keine kunstvolle Haarlocke, die kokett zurückgeworfern wurde. Aber die natürliche und unverdorbene Schönheit verwirrt den verzweifelten Liebhaber eher noch mehr!

Durstig von der Hitze des Himmelshundes (Sirius) suchte Beroe eine Quelle auf und beugte sich nieder mit ausgedörrten Lippen und schöpfte das kühle Naß. Als sie gegangen war, trank Dionysos auch von der Quelle, weil ihr Mund das Wasser berührt hatte. Aber aus Groll gegen den Wellenbeherrscher Poseidon und weil das Mädchen Wasser und nicht Wein getrunken hatte, rief er: "Mädchen, nimm den Nektar! Vermeide das Wasser der Quelle, damit nicht der Grünhaarige Dir Deine Jungfernschaft listig stiehlt! Ach könnte ich auch zur Flut werden, und Dich umgarnen!" Daraufhin änderte er seine Gestalt in die eines Jägers und sprach Beroe an:"Artemis, wo sind Deine Pfeile? Wer hat Dir Deinen Köcher gestohlen?" Und so schmeichelte er ihr, indem er sie mit verschiedenen Gottheiten vergleich. Beroe aber lächelte und freute sich, weil sie in ihrer kindlichen Einfachheit seine Schliche nicht durchschaute und ihr Herz auch Begierde noch nicht kannte. Er fragte sie nach ihrem Vater Adonis, als einem seiner Jagdfreunde, und rückte ihr immer näher. Dann legte er seine menschliche Gestalt wieder ab und stand als Gott vor ihr. Er sprach:"Mdchen, für Deine Liebe habe ich mein Heim im Himmel aufgegeben. Die Höhlen Deines Vaters dünken mich schöner als der Olymp. Mehr als das Zepter Zeus' wünsche ich mir Beroe zur Frau. Wie kommt es, daß Deine Mutter Aphrodite ist, Du aber nichts von ihrer Glut verspürst? Wie kommt es, daß Dein Bruder Eros ist, Du selbst aber den Stachel der Liebe nicht spürst? Hüte Dich vor der Wut des Gottes, wenn Du ihn verachtest! Werde der Bettgenosse des Dionysos! Was wird Dir Poseidon bringen? Salzwasser als Brautgeschenk, oder Seehundfelle, die den Gestank der Tiefe atmen? Ich aber werde Dir Satyrn als Kammerherren geben. Mein Brautgeschenk wird die Weinlese sein.Ich werde Dir Gold aus Indien bringen oder Bernstein vom Eridanos, dem Rande der Welt! Hinweg mit dem Dreizack! Fliehe Poseidon!" Aber Beroe hielt sich beide Ohren zu, um nicht mehr zu hören. So machte sie dem Lyaios Ärger.

Dann kam Poseidon aus der See, mit seinen nassen Füßen das trockene Land besprengend. Mit liebestrunkenem Auge erblickte er Beroe in ihrer hauchdünnen Kleidung und konnte seinen Blick nicht von ihr abwenden. Er verwünschte das neidische Mieder, daß durch seine Falten den Busen verhüllte. Mit schmeichelnden Worten begann er: "Eine Frau allein überstrahlt alle Frauen von Hellas! Beroe erscheint als vierte, jüngere Charitin! Denke daran, auch Deine MutterAphrodite stammt nicht vom Land, sondern als Schaumgeborene aus dem Meer! Mein Brautgeschenk für Dich wird sein die unermeßliche See. Proteus wird Dein Kammerherr sein, der das Brautbett schließt, und Nereus, auch Melikertes werden Deine Diener sein. Alle Flüsse zussammen sollen Dir dienen und wenn Du Lust auf Kammermädchen hast, werde ich Dir Ino geben, die Amme des Dionysos!" So flehte er, aber Beroe wurde böse und wollte nichts mehr hören. So verließ er sie und seine letzten Worte richteten sich an an die stumme Luft: "Glücklicher Sohn der Myrrha, Du hast eine hübsche Tochter bekommen und nur Du allein hast eine doppelte Ehre: Du bist de Vater der Beroe und de Brutigam der Aphrodite!"
Dann bot Poseidon der Aphrodite und dem Adonis seine Brautgeschenke an, um die Liebe ihrer Tochter zu gewinnen. Und auch Dionysos brachte seine Geschenke, all das Gold aus den Minen des Ganges.

Nun bekam Aphrodite Angst, weil sie beide Verehrer des geliebten Mädchens fürchtete. Sie verkündete, daß beide um die Liebe der Braut kämpfen sollten. Sie schmückte ihre Tochter und setzte sie oben auf die Festung. "Ich wünschte, ich hätte zwei Töchter, um sie gerecht zu verteilen. Aber da nicht eine Frau zwei Männern gehören kann, sollt ihr um sie kämpfen. Der Sieger mag Beroe hinwegführen. Vorher aber legt einen Eid ab, daß der Seegott nicht aus Wut mit seinem Dreizack das Land verwüste, und daß Dionysos nicht zornig sein solle über Amymones Hochzeit und die Weingärten der Stadt zerstöre! Seid Rivalen in aufrichtiger Zuneigung und bleibt Freunde auch nach dem Kampf!" Die Bewerber stimmten diesem Vorschlag zu. Beide nahmen den bindenden Eid auf sich. Vom Himmel kamen alle Bewohner des Olymps, zusammen mit Zeus, und blieben, um den Zweikampf von den Höhen des Libanons zu beobachten. Der Seegott bwaffnete sich mit seinem assyrischen Dreizack, schüttelte seine Meerespike und stieß ein furchtbares Geschrei aus. Dionysos bedrohte das Meer und tanzte in die Kampf mit Weinlaub und Thyrsos. Seine Waldgötter standen ihm zur Seite, so wie die Meeresgötter dem Poseidon.

Dann brach Zeus den Kampf ab und gab die Hand Beroes dem Poseidon, und schlichtete den Streit der Rivalen. Denn vom Himmel - den noch unentschiedenen Brautkampf einzudämmen - schickte er bedrohliche Blitzschläge rund um Dionysos. Der Weingott, verwundet durch den Pfeil der Liebe, sehnte sich noch immer nach dem Mädchen; aber Zeus, sein hoher Vater, hielt ihn von ihr fern, indem er eine Melodie aus Blitzen spielte und dieser Klang hielt ihn zurück von seinem Wunsch weiterzukämpfen. Mit zögerndem Schritt, sich noch einmal umdrehend für einen letzten traurigen Blick auf das Mädchen, eifersüchtig, mit beschämten Ohren hörte er den Brautgesang der Amymone des Meeres. Die Syrinx, vom Meer herüberklingend, verkündete, daß die Hochzeitsriten bereits halb erfüllt waren. Nereus als Kammerherr der Amymone zeigte ihr das Brautbett, schüttelte die Hochzeitsfackeln, das Feuer, das kein Wasser löschen kann. Phorkys sang ein Lied, in gleichem Geist tanzte Glaukos und Melikertes tollte herum. Und Galateia führte einen Hochzeitstanz auf, wirbelte ruhelos in Luftsprüngen herum, und sang dazu die Hochzeitsstrophen (Nonnus, Dionysiaca 42.1).

Und nun ziemlich textnah:
Beroe - die älteste der Städte
Hier in der Stadt Beroe, die während der Erschaffung de Welt entstand, wohnt ein Volk, das gleichalt der Dämmerung ist, das der Physis (Natur) gezeugt wurde ohne Ehe, ohne Braut, vaterlos, mutterlos, ohne Geburt, damals als die Atome sich zusammenmischten in vierfältiger Kombination, und der samenlose Schlamm einen raffinierten Ursprung erfand durch das Zusammentreffen von Wasser mit glühender Hitze und Luft, und dadurch den wimmelnden Schlamm anregte zum Atem des Lebens. Diesem allem gab Physis die vollkommene Gestalt ...die goldene Menge der Menschen wurde hervorgebracht als Abbild der Götter, mit den Wurzeln ihres Geschlechts in der Erde. Und dies wohnte in der Stadt Beroe, ihrem ursprünglichen Sitz, den Kronos selbst gebaut hatte...
O Beroe, Wurzel unseres Lebens, Amme aller Städte, Stolz der Fürsten, die erste Stadt, die man sah, Zwillingsschwester des Aion, gleichalt dem Weltall, See des Hermes, Land der Dike, Kemenate der Euphrosyne, Haus der Aphrodite, Saal der Eroten, köstlicher Boden des Dionysos, Heimat der Artemis, Juwel der Nereiden, Haus des Zeus, Hof des Ares, Orchomenos der Chariten, Stern des Libanon, gleichalt der Tethys (dem Meer), Seite an Seite stehend mit Okeanos, der dich zeugte in seinem Bett der vielen Quellen, als er in wässeriger Gemeinschaft mit Tethys vereinigt war - Beroe, dieselbe, die sie auch Amymone nannten, nachdem ihre Mutter sie gebar in ihrem Bett in den Tiefen des Wassers!" - (Nonnus, Dionysiaca 41.51)

Hintergrund:
Beroe ist die Eponymin (Namensgeberin) von Berytos, dem heutigen Beirut, dieser armen und geschundenen Hauptstadt des Libanon. Es handelt sich hier also um eine typische Gründersage. Die Statuengruppe auf dem Revers ziert den Giebelfirst des Haupttempels von Berytus, die früher auch Beroe/Beroia hieß. Um die eponyme Beroe, Tochter von Aphrodite und Adonis, kämpften Dionysos und Poseidon, bis Zeus dem unentschiedenen Ringen ein Ende machte und Beroe dem Poseidon versprach. Der Seebeherrscher verlieh der Stadt als Dank die Gnade, jede Seeschlacht zu gewinnen (Nonnos 41.10-43). Wahrscheinlich symbolisierte Beroe die Wasserversorgung der Stadt als Quelle oder Brunnen. Von dieser waren die Städte früher existentiell abhängig. Daß sie die Tochter von Aphrodite und Adonis genannt wird, geht vielleicht auf eine örtliche Sage zurück, die sie zur Tochter der phönikischen Götter Ashtarte und Adon machte.

Interessanterweise ersetzt Nonnus am Ende der Mythe den Namen Beroe durch Amymone. Deren Mythe ist etwas verwandt mit der von Beroe, insofern auch sie eine Nymphe war, die von Poseidon verführt wurde:
Amymone war eine der 50 Töchter des Danaos. Als sie einmal zum Wasserholen geschickt wurde, sei sie vor Müdigkeit eingeschlafen. Sie wurde von einem Satyr gefunden, der ihr Gewalt antun wollte. Sie rief Poseidon zur Hilfe an, der seinen Dreizack nach dem Satyr warf, aber in einem Felsen steckenblieb. Daraufhin habe Poseidon selbst ihr Gewalt angetan und mit ihr den Nauplios gezeugt. Auf seinen Befehl hin habe sie dann den Dreizack aus dem Felsen gezogen. Aus den drei Löchern seien danach drei Quellen entsprungen, die nach ihr der amymonische und endlich auch der lernäische Brunnen genannt wurden (Hygin. Fab. 169). Aischylos soll danach eine Tragödie geschrieben haben, die aber verlorengegangen ist.

Quellen:
Nonnos, Dionysiaka
Benjamin Hederich, Gründliches mythologisches Lexikon
http://www.theoi.com/Nymphe/NympheBeroe.html

Hinzugefügt habe ich ein Detail einer attischen rotfigurigen Vase, die Dionysos bei der Verführung der Amymone zeigt. ca.475-425 v.Chr. Heute in der Eremitage in St.Petersburg

Mit freundlichem Gruß
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Beitragvon Peter43 » So 25.03.07 18:18

Ino-Leukothea

Heute morgen ersteigert und jetzt schon im Thread!

Phrygien, Kibyra, quasi-autonom, 1.Jh. n.Chr.
AE 17, 2.4g
geprägt unter dem Archiereus Klaud.Biantos zur Zeit des Domitian, 81-96
Av.: KIBYRA - TWN
Büste der Ino, drapiert und mit Schleier, n.r.
Rv.: EPI ARXI - E KLAV BI / ANTOC
Buckelrind, n.r. stampfend
Ref.: BMC 21; Imhoof-Blumer, Kleinasiatische Münzen, 18; Imhoof-Blumer, Griechische
Münzen, 657a corr. (falsche Vs.-Legende IAL und Fehldeutung als Dionysos)
Selten, fast SS
Diese Münze zeigt das seltene Portrait der Ino. Daß es sich wirklich um Ino handelt, weiß man daher, daß es auch Münzen gibt, auf denen sie durch die Legende benannt ist. Siehe dazu Ed Snibles wunderbare Online-Version der Historia Numorum von Barclay Head http://www.forumancientcoins.com/numisw ... ey=phrygia

Siehe zu diesem Beitrag auch den Artikel über Melikertes in diesem Thread.

Mythologie:
Diese Sage kommt in vielfältigen Versionern vor, weil sie in Griechenland weit verbreitet wqr und sich auch die Dramatiker ihrer Gestalt angenommen hatten.
Ino war die Tochter des Kadmos, des Königs von Theben in Böotien, und seiner Frau Harmonia, also eine Schwester der Semele, Agaue und Atonoe, und die zweite Frau des Athamas. Ihm gebar sie den Learchos und den Melikertes. Weil sie aber ihre Stiefkinder, Phrixos und Helle, von der ersten Frau ihres Mannes, der Nephele, nicht leiden konnte, so suchte sie diese aus dem Wege zu räumen. Sie überredete die Frauen, das Saatkorn zu dörren, und verursachte so eine große Hungersnot. Als Athamas deswegen bei Orakel von Delphi um Rat fragen ließ, bestach sie die heimkehrenden Boten, damit sie sagten: Die Not werde enden, wenn Phrixos der Nephele geopfert werde. Doch Phrixos und Hellen konnten sich durch die Flucht retten, indem sie auf einem geflügelten, goldenen Widder, den ihnen Zeus geschickt hatte, nach Kolchis flogen. Dies war der Beginn der Argonautensage. (Apoll. Bibl. I, 79-81). Weil aber Ino auf Bitten des Zeus den kleinen Dionysos, den Sohn ihrer Schwester Semele, nach deren Tod als Amme aufzog, als Hermes ihn vor der Rache der eifersüchtigen Hera zu den Nymphen des Berges Nysa in Sicherheit gebracht hatte, zog sie sich den Zorn der Hera zu.. Die ließ sie und ihren Mann durch die Erinye Tisiphone mit Wahnsinn schlagen, und Athamas erschoß in seiner Raserei seinen Sohn Learchos wie einen Hirsch mit einem Pfeil. Als Ino sah, was er getan hatte, ergriff sie den Melikertes, warf ihn in einen Kessel mit siedendem Wasser und stürzte sich dann mit dem toten Kind ins Meer. Beide ertranken, aber Zeus erinnerte sich an ihre Freundlichkeit gegenüber seinem Sohn Dionysos und wollte sie nicht in den Tartaros senden (manchmal wird dies auch dem Poseidon zugeschrieben, der sie auf Bitten der Aphrodite rettete, Ovid. Met. IV, 416-543). Deshalb machte er sie zur Meergöttin Leukothea, der 'weißen Göttin', einer schutzbringenden Gottheit der Seefahrer, und Melikertes zum Gott Palaimon. Ihn sandte er auf dem Rücken eines Delphins zum Korinthischen Isthmus, wo zu seinen Ehren von Sisyphos, dem Bruder des Athamas, die Isthmischen Spiele gegründet wurden. Ino-Leukothea ist es, die sich des auf einem Floß im Sturm treibenden Odysseus erbarmt, ihm ihren Schleier gibt und den Weg zu seiner Rettung weist, sodaß er sich schwimmend an die ferne Küste retten konnte (Homer Od. V, 333-464, 353). Euripides scheint in seiner verlorenen Tragödie 'Ino' das alte Märchenmotiv von der bösen Stiefmutter auf die dritte Frau des Athamas, Themisto, übertragen zu haben: Beim Versuch, die Kinder der Ino umzubringen, tötet sie ihre eigenen, weil jene heimlich einen Kleidertausch arrangiert hatte (Hygin. Fabulae 4).

Die Geschichte von Ino, Athamas und Melikerte steht im Kontext von zwei größeren Themen. Auch die Schwestern der Ino und ihre Kinder endeten tragisch: Semele, schwanger mit Dionysos, dem Sohn des Zeus, starb durch eigenen Hochmut und mangelndes Vertrauen in ihren Liebhaber. Agaue tötete ihren eigenen Sohn, König Pentheus, als sie von Dionysos mit Wahnsinn geschlagen wurde, und Aktaion, der Sohn der Autonoe, wurde von Jagdhunden zerrissen. Niemand kann der Gewalt des Weingottes Dionysos entkommen. Euripides nimmt die Sage in seinen 'Bacchae' auf und erklärt den Wahnsinn als Strafe des Gottes dafür, daß sie änfänglich seine Göttlichkeit bezweifelten.

Hintergrund:
Nach Kerenyi war Ino primär eine dionysische Frau, eine Mänade. Mänaden waren bekannt dafür, daß sie in ihrer Raserei auch die eigenen Kinder nicht verschonten und sie zerrissen. Zu diesen furchtbaren Frauengestalten gehört natürlich auch Medea, die zusammen mit Jason dann die Hauptrolle in der Argonautensage spielt. Leukothea, primär leuko thea, die weiße Göttin, war eine Meeresgöttin des Volksglaubens, die in Homer Od. 5, 353f. mit der Kadmostochter Ino gleichgesetzt wird; der Zusammenhang ist in einer historischen Dimension gesehen. Das Motiv des Sprunges ins Meer kehrt in nächster Parallele bei Britomartis-Diktynna, aber auch bei Glaukos wieder und soll eine Existenzumwandlung zum Ausdruck bringen.. Die Geschichte vom Schleier (Homer Od. V, 346ff.) ist ein Märchenmotiv und fügt sich gut in das alte Seefahrermärchen vom schiffbrüchigen Heimkehrer. Nach der Identifizierung mit Ino wird der religiöse Gehalt der Leukothea weitgehend durch die Züge der Ino gestaltet. Ino hatte in Boiotien, auf dem Isthmos von Korinth, auf Kreta und an anderen Orten einen Kult. In Boiotien schwankte der Kult auffällig zwischen einem Götter- und einem Heroenkult. Leukothea ist auch in anderen Landschaften bezeugt; besonders interessant die Sesselinschrift im Dionysostheater in Athen (aus der Kaiserzeit). - Der Leukothea vergleichbar ist bei den Römern die Mater Matuta, Palaimon ist bei ihnen der Hafengott Portumus. Matuta hatte einen Tempel in Rom.

Quellen:
Der kleine Pauly
Karl Kerenyi, Die Mythologie der Griechen
Robert von Ranke-Graves, Griechische Mythologie
Gerhard Fink, Who's who in der antiken Mythologie
http://www.theoi.com/Pontios/Leukothea.html

Hinzugefügt habe ich das Bild eines Mosaiks aus der Villa Romana del Casale in Sizilien, ca. 320 n.Chr. Es zeigt Leukothea, wie sie auf dem Rücken des Seegotts Triton über das Meer schwimmt. Sie wird begleitet von ihrem Sohn Palaimon, der auf einem Paar von Delphinen reitet.

Ich habe leider Probleme mit dem Laden des Bildes. Deshalb hier der Link http://www.theoi.com/Gallery/Z33.8.html

Mit freundlichem Gruß
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Zuletzt geändert von Peter43 am Di 11.11.08 14:07, insgesamt 2-mal geändert.
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Beitragvon Peter43 » Fr 06.04.07 13:49

Einige Anmerkungen zu Mithras

Oftmals ist eine Münze nur der Beginn einer ausgedehnten Suche nach Informationen. Dies ist auch hier der Fall gewesen! Es begann mit der winzigen Münze aus Kios, aber sie war der Anlaß, mich endlich einmal intensiver mit Mithras zu beschäftigen. Mithras stand schon lange auf meiner Liste, insbesondere wegen seiner Beziehungen zum Christentum und weil es gerade in Deutschland viele antike Funde gibt, wie z.B. das Mithräum bei der Saalburg.

Die 1. Münze:
Bithynien, Kios, 325-300 v.Chr.
AE 13, 1.57g
Av.: (anepigraphisch)
Kopf des Mithras, mit belorbeerter tiara orthe, n.r.
Rv.: K - I
Kantharos, aus dem 2 Weintrauben heraushängen, in einem Kranz aus Getreideähren
SNG Copenhagen 382
sehr selten, fast SS

Die 2. Münze:
Pontos, Trapezos, Caracalla, 198-217
AE 27, 11.05g
geprägt im Jahr 153 = ca. 205-208(?)
Av.: AV(?) KA M AV - ANTWNIN[OC]
Kopf, belorbeert, n.r.
Rv.: TRAP - ZOVNTIWN / E RNG (ligiert)
Mithras, mit phrygischer Mütze, reitet auf Pferd n.r., vor ihm brennender Altar
Ref.. cf. Rec. Gen. 29, pp. 111-112 (hat aber Baum dahinter!)
S/S+, dunkel-grün-braune Patina
Pedigree:
ex Stephen M. Huston FPL 102, August 1990, Lot 12
ex Garth R. Drewry coll.
ex CNG Electronic Action 160, 14.2.07, Lot 136

Entwicklung des Mithrasglaubens:
Den Mithrasglauben gab es über einen Zeitraum von fast 2000 Jahren. So ist verständlich, daß er sich im Laufe dieser Zeit verändert hat und daß er eine Entwicklung durchgemacht hat, die von seiner ursprünglichen Rolle im indo-iranischen Bereich über die Religion der parthischen Könige bis endlich zur römischen Mysterienreligion reicht. Ja, genau betrachtet, gibt es auch heute noch Spuren des Mithraskultes im Christentum, wie wir noch sehen werden.

Ursprünglich ist Mithras ein indo-iranischer Gott. Sein Name bedeutet wörtlich soviel wie 'Vertrag', bzw. als Person 'Mittler des Vertrags'. In der iranischen Religion des Zoroaster (ca. 7.Jh. v.Chr.) war er metaphysisch gesehen der Vermittler zwischen Ahuramazda und Ahriman, dem Prinzip des Guten und des Bösen. Er war auch der Beschützer des vertraglichen Rechts und die Perser schworen bei Mithras. So erscheint er in einem Vertrag des Mattiwaza von Mittani mit Suppililiuma von Hattusa, dem König der Hethiter.

Kosmologisch gesehen war er der frühe, helle Tagesaspekt des Himmels. Er heißt auch 'weitschauend, immer wachend, tausendäugig'. Die Verbindung zwischen Lichtnatur und Rechtswahrung wird noch ergänzt durch den kosmologisch-solar deutbaren Bezug zum wasserreichen Weideland und zum Rind (vgl. die Rinder des Helios). Obwohl Mithras ursprünglich der Mittler war zwischen Hell und Dunkel, Himmel und Erde, Gut und Böse, was in den Mysterien ausgedrückt wurde durch den das Morgenlicht verkündenden Hahn und die Erde, Wasser und Unterwelt symbolisierenden Schlange, wurde er später angeglichen an den babylonischen Samas und den griechischen Helios-Apollon, erhielt also solare Aspekte. Nach der Meinung einiger Wissenschaftler soll in diesen Zusammenhang auch die mythologische Tötung des Mondstieres durch die 'Sonne' Mithras gehören. Dieser Symbolkern der hellenistischen Mithrasreligion war also bereits in der ur-iranischen Phase angelegt.

Als 'starkarmiger' Anführer der kriegerischen Männerbünde Altirans übernahm Mithras , der 'Vergelter des Unrechts', auch kriegerisch-herrscherliche Züge. Der reitende und bogenschießende Mithras von Dura Europas war der Repräsentant der militärischen Seite der Mithrasriten und ihrer männerbündischen-königlichen Residuen. Dies weist zurück auf den Gott der königlichen Dynastien, dem zum herbstlichen Jahreszeitenfest Mithrakana Pferde, ebenfalls Symboltiere solarer Herrschermacht und himmlischer Urordnung, geweiht wurden. Obwohl Mithras erst seit Artaxerxes II. in den Achaemenideninschriften zusammen mit Ahura Mazda und Anahita (Anaitis) genannt wird, haben ihn die genannten Eigenschaften schon früh mit dem Herrschertum verbunden. Mithras verband den König mit den Menschen, die für ihn kämpften. Sowohl Artaxerxes II. (405-359 v.Chr.) wie auch sein Nachfolger Artaxerxes III. (359-338 v.Chr.) ließen ihm offizielle Verehrung zukommen. Dareios III., der glücklose persische Großkönig und Widersacher Alexanders des Großen betete vor der Schlacht bei Gaugamela 331 v.Chr. zur Sonne, zu Mithras und dem heiligen Feuer und bat um göttliche Unterstützung. Die bittere Niederlage tat der Nähe zum Schutzgott Mithras keinen Abbruch. Mithradates IV. von Pontos (120-63 v.Chr.), der große Gegner Roms, führte wie seine Vorfahren seinen Namen auf Mithras zurück. Auch der Königskult des Antiochos I. von Kommagene (ca. 70-35 v.Chr.) stand ganz im Zeichen des Mithraskults.

Er war caelestischer Schicksalsgott und Verleiher des sonnenhaften Glücksglanzes. Das Auftreten des Elements mitra- in pontischen und indogriechischen Herrschernamen, sowie die königlichen Investiturszenen auf dem Nemrud Dagh-Relief des Antiochos von Kommagene, wo der Gott die tiara orthe trägt, und auf den sassanidischen Felsbildern von Taq-i-Bostan und Teng-i-Saoulek, wo Mithras im Strahlennimbus dargestellt wird, zeigen das Weiterwirken dieser Vorstellungen im Zuge einer synkretistischen Verschmelzung mit dem Sonnengott Helios.

Irgendwann trat der Gott seinen Weg nach Westen an und er trat in Kontakt zur griechischen Philosophie, er wurde griechisch geprägt. Wann dies zeitlich stattfand, wissen wir nicht genau. Die hellenistischen Mysterien stellen neben der demiurgischen, leben- und fruchtbarkeitspendenden Tat des Tauroktonos (des Stiertöters) die soteriologische Funktion des Schutzgottes Mithras heraus, d.h. Mithras wurde als Erlöser und Heiland gesehen. Sie ist im Iran bereits vorgezeichnet, wie es z.B. aus den westiranischen Namen Mithrbocht (= durch Mithras erlöst) oder Mithrobouzantes (= Erlösung durch Mithras besitzend] hervorgeht. Ein nicht-iranischer Ursprung der Mithras-Mysterien muß deshalb abgelehnt werden. Andererseits bildet der alte Bezug des Mithras zum reinigenden Feuer die Vorraussetzung für das eschatologische Wirken des Weltzerstörers Mithras (= Helios-Phaethon), wobei die ursprüngliche Dualität von Mithras (Phaeton) und Sol aufscheint, welche sich bis zum Kampf beider auf den Reliefs von Osterburken und Virunum auswachsen kann. Das mystische Paradoxon der soteriologischen und der eschatologischen Rolle des Mithras ist integriert in der zervanitisch-babylonischen Aion-Spekulation der Spätantike. Der Lichtgott Mithras (genitor luminis), als Sol invictus erfolgreicher Überwinder der Dunkelmächte, wird in Vermengng mit dem eingeborenen Phanes-Protogonos zum kosmischen Erneuerer. Der alte Mythos von der caelestischen Felsgeburt, dem kleinasiatischen Agdistis-Kreis nahestehend, führt über die allgemeine Vorstellung von dem seinem Gipfel entwachsenden vorderasiatischen Höhengott auf die Epiphanie des awestischen Licht-Mithras vom Berge. Sol Mithras Invictus gab dann die Gelegenheit mehrere Götter mit Bezug auf die Sonne simultan zu verehren. Zu diesen wichtigen Elementen tritt als wesentliche rituelle Handlung die Tötung des Stieres, die Tauroktonie. Dabei handelt es sich um ein gemeinschaftliches Opfermahl, wie es in alten Jagdgemeinschaften üblich war. Die altiranische Mythologie kennt die Stiertötung auch als Schöpfungsakt, aus dem dann die Welt in ihrer ganzer Vielfalt entspringt

(wird fortgesetzt)
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trapezos_caracalla_RecGenp.111-112cf.jpg
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Beitragvon Peter43 » So 08.04.07 21:02

(Fortsetzung:)

3. Münze:
Kilikien, Tarsos, Gordian III., 238-244
AE 33, 21.52g
Av.: AVT KM ANT GORDIANOC CEB , P/P im li und re Feld
Büste, drapiert und cürassiert, mit Strahlenkrone, n.r.
Rv.: TARCOV M - HTROPOL, im li Feld M/K übereinander, im re Feld A/B/G übereinander
Mithras, in kurzem Militärkleid und wehendem Chlamys, als Sonnengott mit
Strahlenkrone, kniet mit dem li Knie auf dem Rücken eines Bullen, der n.r. auf dem
Boden liegt, zieht mit der li Hand dessen Kopf nach hinten und hält in der erhobenen
Rechten das Opfermesser (sog. Tauroktonie)
BMC 258
Sehr selten, S-S+
Ich habe wegen der schlechten Erhaltung eine Zeichnung der Rückseite hinzugefügt!

Mysterienkult im späteren römischen Reich:
Über das erste Auftauchen des Mithraskultes im römischen Reich gibt es einen Bericht von Plutarch. Er behauptet, daß der Mithraskult bei den kilikischen Piraten verbreitet war und daß er, als Pompejus diese 67 v.Chr. besiegte, bei den römischen Soldaten bekannt wurde. Dazu paßt die Meinung von Ulansey, daß zu der Zeit Tarsos der Ursprung des römischen Mithraismus' war (http://www.well.com/~davidu/sciam.html). Er war eine Religion der Händler, der Sklaven und insbesondere der Soldaten. Es gab bei ihm keine sozialen Unterschiede, wie dies auch in anderen Mysterienkulten nicht der Fall war. Allerdings war er für Frauen verboten. Seine wichtigsten Charakteristika waren:
(1) Die jungfräuliche Geburt in einer Felshöhle.
Das ist der Grund, daß die Mithräen (die Mithrasheiligtümer) immer unterirdisch waren.
(2) Die Initiation, eine Art von Taufe, durch das Taurobolos.
Dabei mußte sich der Täufling in eine Grube stellen, über der ein Bulle geschlachtet
wurde, sodaß der Neuling mit Blut übergossen wurde. Dies stellte seinen Übergang in ein
neues Leben dar.
(3) Die 7 Stufen zur höchsten Weihe (7 Sakramente!)
Es gab 7 Grade vom Raben bis zum Pater. Sie wurden symbolisiert durch Planeten,
Elemente und Darstellungen bei den Stieropfern. Aufsteigen konnte der Neuling durch
strenge Prüfungen und ein Frage- und Antwortritual. Es gab einen richtigen Katechismus.
Im obersten Rang war er der Stellvertreter des Mithras.
(4) Eine heilige Kommunion
Dabei wurde Brot und ein Gemisch aus Wein und Wasser gereicht. Dies fand statt zum
Gedächtnis an eine letzte Mahlzeit des Meisters mit seinen Jüngern. Die Hostien trugen
Kreuzzeichen!
(4) Die Auferstehung und das Leben nach dem Tod
Diese bestand in einer Teilhabe an der Himmelsfahrt, die Mithras und Sol unternehmen,
und in einer Vereinigung mit dem Göttlichen.
(5) Das Gericht im Jenseits mit Belohnung oder Strafe
Damit war der Mithrasglaben eine sittliche Religion, die von ihren Gläubigen Reinheit,
Keuschheit und Selbstbeherrschung verlangte.
Diokletian, Galerius und Licinius weihten dem Mithras Tempel. Der Mithraskult war verbreitet bis nach Spanien und Britannien. Das umfangreichste Dokument zum Mithraskult stammt vom letzten heidnischen Kaiser, Julian II., geschrieben zum Geburtstag des Mithras am 25.12. Er selbst hatte das Taurobolium vollzogen und war als Pater im höchsten Rang. Für ihn aber waren die verschiedenen Gottheiten nur Namen für die eine oberste göttliche Idee. Mithras und sein Kult waren nur Teil dieser Vielfalt.

Der Mithraskult hat, wie wir gesehen, haben, viele Parallelen zum Christentum, nicht nur den 25.12. als Geburtstag des Gottes, der dann vom Christentum als Weihnachtsfest übernommen wurde. Vom großen Theologen Carl Schneider stammt der Satz "Was am Sonnenmythos schön und erhaben war, hat das Christentum übernommen; Helios wurde Christus". Der Apostel Paulus stammte aus Tarsos und wird den Mithraskult gekannt haben. Aber ob und inwieweit das Einfluß auf seine Religion hatte, ist umstritten.

Warum hatte das Christentum Erfolg und dsr Mithrasglaube ging unter? Dazu müssen wir sehen, welche Unterschiede es gab:
Es gab keine Selbstaufopferung des Gottes
Es durften nur Männer Mitglieder werden. Dies war ein großes Manko; denn gerade im frühen Christentum spielten Frauen eine große Rolle.
Der Kult war streng hierarchisch gegliedert. Dies stand im Gegensatz zum frühen Christentum, änderte sich aber dann, wie wir wissen.
Und es war ein reiner Mysterienkult, d.h. es fand keine Mission statt, während diese im Christentum geradezu befohlen war!
Außerdem wurde gerade der Mithrasglaube vom Christentum besonders verfolgt. Seine Mithräen wurden zerstört, ihre Priester ermordet (so fand man oft die Knochen der erschlagenen Priester in den Mithräen, z.B. bei der Saalburg) und über den Heiligtümern wurden Kirchen errichtet (z.B. San Clemente in Rom). 378 n.Chr. wurde der Mithraskult endgültig verboten, hielt sich in abgelegenden Regionen aber noch bis ins 7.Jh.

Hinzugefügt habe ich
a. das Bild einer Tauroktonie aus dem Louvre
b. das Bild eines Mithras-Altars aus London, bei dem man die Identifizierung des Mithras mit
dem Sol Invictus sehen kann.

Quellen:
Der kleine Pauly
Karlheinz Deschner, Dreimal krähte der Hahn
Hans Kloft, Mysterienkulte der Antike
http://www.ancientworlds.net/aw/Article/178604 nett!
http://www.farvardyn.com/mithras.php nett! Skizze der Münze!
http://www.geocities.com/atheistdivine/mithras.html
http://www.tyndale.cam.ac.uk/Scriptures ... mithra.htm

Mit freundlichem Gruß
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mithra_bull1_Louvre.jpg
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Beitragvon Peter43 » So 08.04.07 21:10

Hektor - der Held von Troja

Ilion (lat. Ilium), das berühmte Troja, ist bekannt dafür, daß es eine ganze Reihe von Münzen herausgegeben hat mit Motiven, die sich auf den Trojanischen Krieg beziehen. Normalerweise ist es schwierig, an diese Münzen heranzukommen, weil sie verständlicherweise sehr gesucht sind. Umso mehr freue ich mich, hier eine Münze vorstellen zu können, die auf der Rückseite den berühmtesten trojanischen Helden zeigt.

Troas, Ilion, Julia Domna, 194-217
AE 27, 8.80g
Av.: IOV DOMN - A CEBACTH
Büste, drapiert, n.r.
im li Feld ovaler Gegenstempel mit der Büste der Athena n.r.
Rv.: EK[TOR - ILEWN]
Hektor, in Militärbekleidung, stürmt n.r., hält mit der Linken Schild vor sich und
schleudert mit der erhobenen Rechten einen Speer.
Ref.: BMC 83 var.
Selten, S+

Mythologie:
Hektor, in Homers Ilias der größte Held der Trojaner, war der Sohn des Königs Priamos und dessen Frau Hekuba. Er wurde von Achilles getötet und mit seiner Beerdigungsfeier endet die Ilias, die von der 10jährigen Belagerung Trojas insgesamt nur 51 Tage, im Kern aber nur 4 Tage detailliert, schildert.
Von seinen vielen berühmten Taten, von denen Homer in seiner Ilias erzählt, habe ich nur einige wichtige herausgegriffen.

(1) Der Zweikampf mit Ajax
Hektor war der tapferste unter den 50 Söhnen des Priamos. Durch seine Hand starben mehr als dreißig vornehme Griechen, darunter Protesilaos und Antilochos. Berühmt ist sein Kampf gegen Ajax, den Telamonier. In diesem Zweikampf hielt er sich so tapfer, daß keiner den anderen besiegen konnte. Nachdem sie ihre Lanzen gegeneinander gebraucht hatten, griffen sie zu Steinen und wollten dann mit ihren Schwertern aufeinander losgehen. Von ihren Herolden wurden sie davon abgehalten. Sie gingen dann so auseinander, daß Ajax dem Hektor sein Wehrgehenk, Hektor aber dem Ajax sein Schwert zum Andenken schenkte. An diesem Wehrgehenk wurde später Hektor um die Stadt geschleift, das Schwert war das, in das sich später Ajax selbst stürzte.

(2) Der Tod des Patroklos
Als Achill in seinem Groll sich aus dem Kampf zurückzog, ging es den Griechen sehr schlecht. Hektor schlug die Griechen bis an ihr Lager zurück, griff ihre Verschanzungen an und sprengte sogar das Lagertor auf durch einen gewaltigen Wurf mit einem Stein. Danach steckte er die griechischen Schiffe in Brand. Wegen seiner Stärke hieß er auch 'die Säule des Vaterlandes', auf deren Schultern sich Troja stützte und mit deren Fall auch Troja fiel. Denn es war vom Schicksal vorgesehen, daß, solange er lebte, Troja nicht erobert werden konnte. Erst Patroklos, der die Rüstung des Achilles trug, gelang es, die Troer in die Stadt zurückzujagen. Danach hätte er beinahe Troja im Alleingang erstürmt, wenn nicht Apollo eingegriffen und ihn dreimal von der Mauer zurückgewiesen hätte. Der Kampf dauerte bis zum Anbruch der Nacht, als Apollon hinter ihm herkam und ihn zwischen die Schulterblätter stieß. Sein Helm fiel herab, seine Lanze zersplitterte und der Schild fiel zu Boden. Als Patroklos fortwankte, erschlug ihn Hektor mit einem Schlag. Den Panzer des Achilles nahm er als Beute.

(3) Hektors Tod
Durch den Tod seines Freundes Patroklos aus seinem Groll gegen Agamemnon gerissen, wünschte Achilles nichts so sehr, als ihn zu rächen. Thetis hatte ihm von Hephaistos einen neuen Panzer schmieden lassen. Diesen legte er an und stürzte sich in den Kampf. Als er die Troer alle in die Stadt getrieben hatte, da hatte Hektor allein den Mut, draußen vor der Mauer zu bleiben. Als ihm aber Achilles entgegentrat, zog er sich ebenfalls zurück. Daraufhin griffen die Götter ein. Athena nahm die Gestalt seines Bruders Deiphobos an und ermahnte ihn, standzuhalten. Er würde ihm beistehen. So erwartete er den Achilles und der Zweikampf begann. Deiphobos aber war verschwunden. Zudem half Athena dem Achilles mit allen Mitteln, sodaß er den Hektor am Hals treffen konnte und dieser fiel. Unter wüstesten Beschimpfungen erstach er ihn dann mit seiner Lanze, wobei Hektor im Sterben dem Achilles seinen bevorstehenden Tod durch Paris und Apollo prophezeite. Achilles aber durchbohrte seine Füße, band ihn an seinen Wagen und schleifte ihn elendiglich von den Mauern über das freie Feld zu den Schiffen. Vorher soll er ihn nach einigen noch dreimal um die Stadt Troja geschleift haben.Andere sagen, er sei nur um das Grab des Patroklos geschleift worden, wie es die Sitte der Thessalier war.

(5) Hektors Begräbnis
Daraufhin erhob sich Weinen und Wehklagen in Troja. Priamos, zusammen mit Andromache und den kleinen Kindern des Hektor, Astyanax, Laodamas und Polyxena, kam selbst demütig zu Achilles, fiel vor ihm zu Boden, umfaßte seine Knie und bat ihn unter Tränen um den Leichnam des Hektor, damit er ihm ein anständiges Begräbnis ausrichten könne. Aber erst als auch die Kinder ihn anflehten und Polyxena, die Achilles schon früher begehrt hatte, sich ihm als Sklavin anbot, rieten ihm die anderen Feldherren, die Geschenke und das Gold anznehmen und dem Priamos den toten Hektor zurückzugeben. Nachdem er dem Priamos noch Vorwürfe wegen seiner Söhne gemacht hatte, folgte er mißmutig ihrem Ratschlag. Daraufhin wurde Hektor unter dem größten Wehklagen der Troer bestattet. Diese Feierlichkeiten dauerten 10 Tage, in denen der Krieg ruhte. Damit endet Homers Ilias.

Hintergrund
Hektor ist der bedeutendste Held der Troer und für den altersschwachen Vater ihr Heerführer, den sie hoch verehren. Ritterliche Gesinnung, Pflicht- und Verantwortungsgefühl, Gottvertrauen trotz Verachtung der Zeichen leuchten aus Hektors Gestalt hervor. Manchmal übereilt in Wort und Urteil, läßt er sich doch von Freunden wie Polydamas u.a. tadeln und beraten. Wenn man die Ilias unbefangen liest, merkt man, daß die Sympathien Homers bei Hektor liegen. Eine Fülle von Epitheta und Gleichnissen verraten, daß er der Lieblingsheld Homers ist. Man lese nur einmal die Szene nach (Homer Ilias 6, 390-502), in der er Abschied von seiner Frau Andromache und seinem kleinen Sohn Astyanax nimmt. Es ist die wohl ergreifendste Szene der ganzen Ilias.
So gesehen ist die Ilias praktisch eine Anklage gegen die brutale Ethik der Achäer. Die brutale Behandlung der Erschlagenen, die Vergewaltigungen, der Streit der Achäer um Beute und Frauen, das alles ist zutiefst abstoßend. Es ist der Übergang von den bronzezeitlichen Troern zu den Achäern der Eisenzeit, wenn man so will. Hat Homer den damals herrschenden Geschlechtern einen Spiegel vorhalten wollen? Vielleicht. Aber ob sie es gemerkt haben?

Hektor wurde nach seinem Tod noch lange in Ilion am Eingang zum Hellespont (den heutigen Dardanellen) als Gott verehrt. Den Thebanern war geweissagt worden, daß es ihrer Stadt immer gut gehen würde, wenn sie seine Gebeine aus Asien nach Theben holen würden. Sie taten das und verehrten Hektor auf Zeus' Geheiß hin als Heroen. Dies wird u.a. von Pausanias berichtet. Bei Sappho, die ihn in einem episierenden Gedicht über seine Hochzeit verherrlicht, ist Hektor, was eigentlich 'Erhalter der Stadt' heißt, ein Beiname des Zeus.

Quellen:
Der kleine Pauly
Benjamin Hederich, Gründliches mythologisches Lexikon
Robert von Ranke-Graves, Griechische Mythologie
Karl Kerenyi, Griechische Göttersagen
Homer, Ilias
http://www.uark.edu/campus-resources/ac ... iliad.html

Die Taten des Hektors werden auf vielen Vasenbildern geschildert. Ich habe von den vielen diese beiden ausgesucht:
(1) Die Szene von seinem Abschied. Es ist Hektors letzter Besuch bei seiner Familie: Astyanax, auf Andromaches Knien, streckt seine Arme aus, um den Helm seines Vaters zu berühren. Es handelt sich um einen apulischen rot-figurigen Säulenkrater aus der Zeit von ca. 370-360 v.Chr. aus Ruvo, heute im Museo Nazionale des Palazzo Jatta in Ruvo di Puglia (Bari).
(2) Das rot-figurige Vasenbild des Brygos Malers. Es zeigt Hektors Vater Priamos, des Königs von Troja, der zm Zelt des Achilles gekommen ist, um die Herausgabe von Hektors Leiche zu bitten. Zunächst ignoriert Achilles die Bitte, wie man es hier sieht, er sieht Priamos nicht einmal an. Die Leiche des Hektor liegt unten auf dem Boden.

Zur Ergänzung hier einige Links:
- Cornelius Waldner, Waffen und Kampfdarstellungen in der Ilias des Homer
http://neo-form.de/artikel/artikel.php?id=451
- Zur Kontroverse um die Ausgrabungen in Troia
http://www.uni-tuebingen.de/troia/deu/schullerfaz.html
- Joachim Latacz zum Film 'Troja' von Petersen, NZZ
http://www.klassphil.uni-muenchen.de/~w ... tacz1.html

Mit freundlichem Gruß
Dateianhänge
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Hector from Ruvo.jpg
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Beitragvon Peter43 » Sa 14.04.07 00:27

Inhaltsverzeichnis wieder ans Ende des Threads verschoben!
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Beitragvon taurisker » Do 26.04.07 22:43

@threadmaster Peter43:
hab´ vielen herzlichen Dank für diese einzigartige Galerie, es ist jedes Mal ein Genuss, darin zu lesen!
Das ist ganz nach meinem Geschmack: lebe und lerne :)
Herzliche Grüße aus Noricum
taurisker
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Beitragvon Peter43 » Fr 27.04.07 10:44

Hallo Taurisker!

Vielen Dank für Deine aufmunternden Worte! Ein paar Themen habe ich noch in petto. Ich möchte hier nur noch einmal darauf aufmerksam machen, daß es sich bei diesen Beiträgen nicht um wissenschaftliche Seminararbeiten handelt. So kommt es natürlich vor, daß sich Fehler einschleichen. In solchen Fällen bitte ich um Korrekturen.

Bekanntlicherweise gibt es von allen Mythen zahllose Varianten, die sich auch oft widersprechen. So findet man den Ursprung einer Mythe in verschiedenen Regionen. Später wurde sie dann von den großen Tragikern bearbeitet und von Mythographen aufgezeichnet. Oft haben díese verschiedene Intentionen oder setzen andere Schwerpunkte. Deshalb bin ich gezwungen, auszuwählen, um nicht ins Uferlose zu gelangen. Deshalb ist die Sichtweise oft einseitig oder zumindest persönlich gefärbt. Bei dem Beitrag zu Mithras ist z.B. die Beziehung zwischen Mithras und Sol Invictus nicht so eindeutig, wie ich es dargestellt habe, oder wird auch ganz abgelehnt (Danke J.-U. Thormann!)

Ich will vielmehr mit diesen Beiträgen unsere Forumsmitglieder dazu verführen, sich auch darum zu kümmern, was hinter den Münzen steckt. So sollen diese Beiträge eher der Anstoß dazu sein, selbst die Initiative zu ergreifen und weiterzuforschen.

Mit freundlichem Gruß
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Beitragvon Homer J. Simpson » Sa 28.04.07 23:05

Das Problem, daß verschiedene "Mythographen" einen Mythos mit ganz anderen - oft lokal beeinflußten - Informationen, anderen Zielgruppen, Ansichten und Absichten in Worte fassen, macht uns ja in extremem Ausmaß und mit massiv geschichtsverändernden Folgen beim Neuen Testament zu schaffen, wenn z.B. "Johannes", also der Verfasser des vierten Evangeliums, Jesus als scharfen Gegner des Judentums darstellt, ganz anders als die Synoptiker(bei denen Jesus immer ein Lehrer und Reformer innerhalb des Judentums bleibt), weil eben zur Entstehungszeit des 4. Evangeliums schon ein tiefer und unüberbrückbarer Graben zwischen Christen und Juden bestand.

Homer
Wo is'n des Hirn? --- Do, wo's hiig'hört! --- Des glaab' i ned!
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Beitragvon Peter43 » So 29.04.07 17:40

Juno Caprotina

Dieser Artikel ist mal wieder für unsere republikanischen Freunde!

Römische Republik, C. Renius, gens Renia
AR - Denar, 3.92g, 15.33mm
Rom, 138 v.Chr.
Av.: Kopf der Roma, mit geflügeltem attischen Helm, Halskette und Ohrschmuck, n.r.
dahinter X
Rv.: Juno Caprotina, in gallopierender Ziegenbiga, n.r., hält Zügel und Zepter in der li. und
Peitsche in der re. Hand
darunter C.RENI
im Abschnitt ROMA
Ref.: Crawford 231/1; Sydenham 432; Renia 1

Caprotina (= mit Ziegenfell bekleidet) ist ein Epitheton der Juno in ihrem Aspekt als Göttin der Fruchtbarkeit. Als Juno Caprotina wurde sie in Beziehung gesetzt zu Ziegen (lat. capra, Ziege, caperZiegenbock) und Feigen, die beide ein Symbol für Fruchtbarkeit waren: Die Feigen wegen ihrer zahllosen Samenkörner (und auch wegen der bekannten obszönen Bedeutung derfica), die Ziegen wege ihrer bekannten Geilheit. Ihr Festtag wurde Nonae Caprotinae genannt, und fand statt an den Nonen des Juli (7.Juli). Dieses Fest wurde ausschließlich von Frauen und insbesondere weiblichen Sklavinnen gefeiert.

Mythologie:
Die Erklärung der Nonae Caprotinae durch die Römer selbst war folgendermaßen:
Nachdem Rom die Belagerung durch die Gallier unter Brennus überlebt hatte (4.Jh. v.Chr.), nahmen einige der weniger freundlich gesonnenen Latinischen Stämme Roms geschwächten Zustand zum Anlaß, von Rom die Auslieferung von Frauen und Jungfrauen zur Ehe zu fordern. Unter Postumius Livius, dem Diktator von Fidenae, zogen sie vor die Mauern Roms und drohten, Rom zu zerstören, wenn ihren Forderungen nicht nachgekommen würde.Während der römische Senat zusammentrat, um zu beraten, was man tun sollte, nahm eine Sklavin namens Tutela oder Philotis die Sache selbst in die Hand: Mit einer Gruppe anderer Sklavinnen, alle verkleidet als freie römische Frauen, ging sie ins Lager des feindlichen Heeres, und unter der Vorspiegelung, mit ihnen ein großes Hochzeitsfest zu feiern, gelang es ihr, alle Latiner betrunken zu machen. Nachdem sie in Schlaf gefallen waren, zogen die Sklavinnen ihre versteckten Waffen, Tutela erstieg einen nahen Wildfeigenbaum (lat. caproficus) und schwenkte einen Fackel, um den Römern ein Zeichen zum Angriff zu geben. Diese brachen aus der Stadt hervor und besiegten ihre Feinde. Als Belohnung für ihren Mut entließ der Senat alle Sklavinnen in die Freiheit und überreichte ihnen noch ein großzügiges Geschenk aus dem Staatsschatz. Zur Erinnerung an den Sieg erhielt dieser Tag, der 7. Juli, den Namen Nonae Caprotinae und in ganz Latium wurde an ihm das Fest der Juno Caprotina gefeiert. Daran nahmen teil die römischen freien Frauen und insbesondere die weiblichen Sklaven. Für Männer war es verboten. Es war sehr fröhlich und ausgelassen. Typisch waren obszöne Spottreden, die die Sklavinnen hielten, das Schlagen mit Ruten und das Bewerfen mit Steinen. Diese Feiern fanden statt unter dem alten Wildfeigenbaum im Feigenhain auf dem Campus Martius (also außerhalb des Pomeriums) und der milchähnliche Saft, der von diesem Baum floß, wurde der Göttin als Opfergabe dargereicht. (Varro, De Ling. at. VI, 18, Plut. Romul. 29, Camil 33.)

Eine andere Erklärung für dieses Fest war, daß es an den Tag erinnern sollte, an dem Romulus, der legendäre Gründer Roms, während eines Unwetters auf geheimnisvolle Weise verschwunden war, wonach geglaubt wurde, daß er von den Göttern entführt und zu einem Unsterblichen gemacht worden war. Der Ort, an dem er verschwand, war der Palus Caprae (= Ziegensumpf) auf dem Marsfeld, ein morastiges Becken nicht weit entfernt von der Stelle, wo heute das Pantheon steht. Die Nonae Caprotinae waren ebenfalls verknüpft mit der Poplifugia vom 5. Juli, wo es seit alters hieß, an diesem Tag sei das römische Volk in Panik geflohen, weil es entweder das feindliche Heer sah, das die Frauen entführe wollte, oder bei der Entführung des Romulus in den Himmel. Die tatsächliche Bedeutung der Poplifugia war lange vergessen. So kann sie sich beziehen auf eine rituelle Niederlage oder Vetreibung der benachbarten Latinischen Heere. Eine andere Beziehung zwichen den Nonae Caprotinae und der Poplifugia kann sein, daß an den Nonae Caprotinae seit altersher die Frauen vom Tempel der Juno zum Feigenhain liefen (oder gejagt wurden), um dann dort ihr Fest zu feiern.

Ziegen, Feigen und eine fliehende Bevölkerung waren die traditionellen Verbindungslinien in dieser Tradition. Auch stand in der Nähe des Palus Caprae (ein Name, der nur in der Sage von Romulus' Verschwinden vorkommt) die Aedicula Capraria, der Ziegenschrein, und hier gab es den Vicus Caprarius, wörtlich 'Ziegenstraße', eine Straße, die ihren Namen wohl davon hatte, daß sie zur Aedicula Capraria führte. Ob die Aedicula Capraria bei den Festlichkeiten der Nonae Caprotinae eine Rolle spielte, ist nicht bekannt, aber wahrscheinlich. Und eine weitere Tradition sagt, daß die die Römer in Panik versetzende feindliche Armee von Ficulae oder Ficulnae gekommen sein, eine alte Sabinische Stadt, die wörtlich bedeutet 'vom Feigenbaum'.

Hintergrund:
Die verschiedenen und verworrenen Erklärungen für diese zwei miteinander verbundenen Feste ist ein Zeichen für ihre Bedeutung und ihren uralten Ursprung. Wahrscheinlich sind sie beide verknüpft mit der Feigenernte, die in Italien im Juni und Juli stattfand, und mit Juno als einer Göttin des Feigenbaums, die eine großzügige Ernte garantierte. Der milchähnliche Saft des Feigenbaums stellte die Beziehung her zu Fruchtbarkeit, sowohl zu Juno als Muttergöttin - die schließlich doch mit Hera gleichgesetzt wurde und deren Muttermilch die Milchstraße gebildet haben soll - als auch zu den Ziegen selbst, die oft wegen ihrer Milch gehalten wurden. Die Fruchtbarkeit der Feigen und der Ziegen, die der Juno Caprotina geopfert wurden, muß wahrscheinlich gesehen werden als Förderung der weiblichen Fruchtbarkeit, und sicherlich müssen die Riten der Nonae Caprotinae verglichen werden mit den Lupercalia, einem Fest, das ebenfalls der Fruchtbarkeit diente.

Das andere Hauptthema der Poplifugia und der Nonae Caprotinae (wie auch der Lupercalia) war die rituelle spirituelle Reinigung der Stadt: Die Feige war in der Antike bekannt als Purgativum (Abführmittel) und so assoziiert mit der Austreibung des Bösen (Feigen und Feigenzweige wurden auch bei den griechischen Ritualen der Thargelia benutzt, wenn Athen symbolisch gereinigt wurde), sodaß Volk und Ernte florieren möge. Die Flucht des Volkes (ob feindliches Heer oder in Panik geratenes Volk) kann ebenfalls verbunden werden mit der symbolischen Austreibung von Feinden oder bösen Geistern.

Juno Caprotina wurde üblicherweise zusammen mit Ziegen abgebildet. Auf der gezeigten Münze fährt sie in einer Biga, die anstelle von 2 Pferden von 2 Ziegen gezogen wird. Ihre Kleidung flattert im Wind hinter ihr her. Auf einer anderen Münze, die ihr Portrait zeigt, trägt sie eine Kopfbedeckung aus Ziegenfell mit dem Ziegenkopf über ihrem eigenen, sodaß die Ziegenhörner nach hinten zeigen.

Einige Bemerkungen zu Romulus:
Romulus wurde entweder vom Senat erschlagen oder verschwand im 38. Jahr seiner Herrschaft. Plutarch (Leben des Numa Pompilius) schreibt nicht ohne Skeptik, daß falls er nicht vom Senat ermordet wurde, es sich um ein übernatürliches Verschwinden gehandelt haben muß:
Es war das 37. Jahr gezählt von der Gründung der Stadt, als Romulus, der zu der Zeit herrschte, am 5. Tag des Monats Juli, genannt Nonae Caprotinae, in Gegenwart des Senats und des Volks von Rom ein öffentliches Opfer am Ziegensumpf darbringen wollte. Plötzlich verdunkelte sich der Himmel, eine dicke Sturmwolke zog auf und Regen fiel auf die Erde; das gemeine Volk floh in Angst und zerstreute sich; und in diesem Wirbelsturm verschwand Romulus, sein Körper wurde niemals mehr gefunden - weder tot noch lebendig. Ein böser Verdacht entstand augenblicklich gegen die Patrizier und Gerüchte liefen um im Volk, daß sie müde seiner Königswürde und zuletzt erschöpft durch die herrische Haltung des Romulus ihnen gegenüber, einen Anschlag gegen sein Leben geplant und ihn beseitigt hätten, sodaß sie endlich die Macht und die Regierung in ihre eigenen Hände nehmen konnten. Diesen Verdacht versuchten sie auszuräumen, indem sie Romulus göttliche Ehren zuerkannten, als jemandem, der in höhere Gefilde aufgestiegen sei. Und Proculus, ein Mann von Ruf, schwor einen Eid, er habe Romulus gesehen, wie er in den Himmel aufgenommen worden sei mit seinen Waffen und in seiner Amtskleidung, und daß er dabei gerufen habe, man solle ihn hernach Quirinus nennen.

Dieses Ereignis soll nach der Meinung einiger zum Zeitpunkt einer Sonnenfinsternis stattgefunden haben. Allerdings gehen die Angaben darüber stark auseinander. Hier einige Daten aus dem Web:
(1) Diese Sonnenfinsternis fand statt am 15. Juni, 763 v.Chr., von 6:49 bis 8:51, bei einer Höhe von 62.5% in Rom.
(2) Diese plötzliche Dunkelheit kann nur als Sonnenfinsternis gedeutet werden. Sie fand statt am 17. Juli, 709 v.Chr. bei einer Höhe von 93.7%. Sie begann um 5:04 und endete um 6:57. Diese Daten wurden berechnet von Prof. Aurl Ponori-Thewrewk, emer. Direktor des Planetariums in Budapest. :)

Als Abbildung der Juno Caprotina habe ich nur das Bild einer etruskischen Stirnziegel gefunden.

Quellen:
Der kleine Pauly
Benjamin Hederich, Gründliches mythologisches Lexikon
Wikipedia
http://www.thaliatook.com/OGOD/caprotina.html

Mit freundlichem Gruß
Dateianhänge
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meyers_b15_s0598a.jpg
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Beitragvon Peter43 » So 29.04.07 17:47

Der Thrakische Reitergott Heros

1. Münze:
Thrakien, Odessos, Lucius Verus, AD 161-162
AE 19, 5.22g
Av.: AVT KAI AVR - OVHROC
Büste, drapiert und cürassiert, von hinten gesehen, belorbeert, n.r.
Rv.: ODE - CC - E - ITWN
Der thrakische Reitergott Heros, nackt bis auf Chlamys, auf einem Pferd n.r.
trabend, quer vor der Brust den Speer haltend.
AMNG 2249
Selten, SS, hübsche grüne Patina
Der Reiter wird zwar oft als Kaiser bezeichnet, aber es ist allein wegen der Nacktheit sicher der thrakische Reitergott Heros.

2. Münze:
Thrakien, Odessos, quasi-autonom, ca. 270-250 v.Chr.
AE 22, 7.54g
Av.: Kopf des Zeus, bärtig, belorbeert, n.r.
Rv.: Der thrakische Reitergott Heros, bärtig, nackt bis auf Chlamys, mit
Kausia, auf einem Pferd n.r. trabend, darunter als Monogramm A;
mit Bodenlinie
im Abschnitt ODHCITWN
AMNG 2206; BMC Black Sea 291
selten, SS+, braune Patina mit erdenen Highlights
Kausia = flache thrakische Kappe
Pedigree:
ex David Freedman Coll.
ex CNG Auction 61, 25.9.2002, Lot 194

Die Thraker waren ein indogermanisches Volk bzw. Völkergruppe in der Antike. Sie wurden schon in der Ilias von Homer erwähnt, sowie von Herodot beschrieben. Thrakische Stämme siedelten auf dem Balkan, dem eigentlichen Thrakien (Rumänien, Moldawien, Serbien, Mazedonien, Bulgarien, Nordgriechenland, zwischen den nördlichen Karpaten und dem Ägäischen Meer, und in Kleinasien: in Mysien, Bithynien und Paphlagonien. Sie seien das größte Volk nach den Indern, schrieb Herodot. Sie besaßen keine eigene Schrift, standen aber in engem Kontakt zu den Griechen und ihrer Kultur. Die alte griechische Religion ist stark von den Thrakern beeinflusst. Eine Reihe von griechischen Göttern und Halbgöttern waren thrakischen Ursprungs, unter ihnen Ares, Dionysos, Herakles und Orpheus. Ihre Sprache war das Thrakische.

Unter den thrakischen Göttern besonders interessant ist der Herosgott, auch bekannt als der Thrakische Reiter, als der er bei den Thrakern verehrt wurde, und zwar deshalb, weil er keine spezifische Person war, wie die griechischen Götter. Obwohl die alte Verehrung von wirklichen Personen, die große Heldentaten vollbracht hatten, in ihn eingeflossen war, war der thrakische Heros eine abstrakte Figur, die Idee eines Helden. Es ist dieses metaphysisches Wesen, oder genauer gesagt ihre 'Wesenheit', um das herum die Verehrung stattfand. Der Heros war ohne Zweifel die Zentralfigur der thrakischen Religion, die Hoffnung und das Vertrauen des Volkes. Der Held war allsehend und allhörend, er war die leuchtende Sonne, aber auch der Herrscher der Unterwelt. Er war der Beschützer des Lebens und der Gesundheit und er hielt die Mächte des Bösen in Schach. Im heutigen Bulgarien hat er seine Funktion fortgesetzt in der Gestalt des heiligen St.Georg.

Der thrakische Held wurde in allen Zeiten überall abgebildet, immer auf einem Pferd sitzend, alles und jedes erschlagend, gewöhnlich einen Speer haltend. Über 1500 Steinreliefs und mehr als 100 Bronzestatuen des Reiters sind bisher auf dem Territorium des heutigen Bulgariens entdeckt worden. Bereits in der Antike, in der Zeit der Römer oder im Mittelalter und sogar heutzutage ist es unmöglich, in Bulgarien dem Reiter zu entgehen. Vom thrakischen Heros soll auch das griechische Wort heros abstammen. Laut Webster ist der indogermanische Stamm *ser-, was beschützen bedeutet.

Der Heros-Gott war ein Kriegsgott. Er war der Sohn der Bendis, der Großen Mutter der Götter, und gleichzeitig ihr Liebhaber. Bendis, die Große Mutter, wurde als Gottheit der Jagd und der Fruchtbarkeit verehrt. Ihr Sohn war jungfräulich geboren.
Ein wichtiger Inhalt thrakischer Religion war auch der Glaube an die Unsterblichkeit, der bereits im sechsten Jahrhundert vor Christus oder noch früher bekannt war. Deshalb hatte das Christentum später in Thrakien ein leichtes Spiel, da die religiösen Komponenten, Mutter, Sohn, unbefleckte Empfängnis und Abendmahl hier bereits alte Tradition hatten. Ich erinnere nur an die Briefe des Paulus an die Thessaloniker.

Der Reitergott wurde in Hunderten von Heiligtümern verehrt, die Bauern machen auch heute noch Pilgerfahrten zu einem der größten Reiterheiligtümer Bulgariens. Auf diese Weise wurden übrigens viele thrakische Ausgrabungsstätten gefunden. Die Archäologen folgten einfach den Einheimischen zu den Plätzen, an denen sie ihre 'christlichen' Riten vollzogen, die tatsächlich aber nur dem Namen nach christlich waren (z.B. St.Trifon). Meistens wußten die Bauern selbst nicht, daß die Plätze, die sie aufsuchten, alte thrakische Altarplätze waren. Sie gingen einfach dahin, wo sie immer hingegangen waren. Erst als die Archäologen dann diese Stätten ausgruben, sahen die Leute die thrakischen Altäre. Tausend Jahre vorher hatte die Kirche gute Arbeit geleistet, als sie die 'heidnischen' Altäre begrub und die 'heidnischen' Namen auslöschte. Aber sie sie konnte die Rituale und die zugehörige Kultur nicht ausrotten. Heute ist der neue Name des Herosgottes St.Georg. Das Bild des Heiligen, wie er auf einem Pferd sitzt und den Drachen erschlägt, findet man überall in Bulgarien.

Der Reiter von Madara
In diesen Zusammenhang gehört unbedingt der 'Reiter von Madara'. Dabei handelt es sich um ein frühmittelalterliches Monumentalrelief in der Nähe des Dorfes Madara im Nordosten Bulgariens. Das Relief zeigt an einer fast 100 Meter hohen senkrechten Klippe einen Reiter in einer Höhe von 23 Meter über dem Boden. Der Reiter wird im Kampf mit einem Löwen zu seinen Füßen dargestellt. Er srticht seinen Speer in einen Löwen, der unter ihm liegt. Vor ihm fliegt ein Adler und er wird von einem Hund begleitet. Wahrscheinlich feiert dieses Monument einen militärischen Triumph. Das Bild wird im Allgemeinen den Protobulgaren zugeschrieben, die im 7. Jahrhundert in dieser Gegend siedelten, andere Theorien sprechen von einem thrakischen Ursprung und bringen es in Verbindung zum Reitergott. Seit 1979 zählt das Monument zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Neben den beiden Münzen, die immerhin einen zeitlichen Abstand von 400 Jahren haben, möchte ich hier ein Altarbild des Thrakischen Reiters zeigen und dann das monumentale Relief des Reiters von Madara.

Quellen:
Wikipedia
http://ancient-bulgaria.com/category/nature/reliefs/

Mit freundlichen Grüßen
Dateianhänge
odessos_lucius_verus_AMNG2249.jpg
odessos_BMCblacksea291.jpg
thracian_hero_2.jpg
thracian_hero_madara_rider.jpg
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Beitragvon Peter43 » Do 03.05.07 21:20

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Beitragvon pearl.harbour » Sa 05.05.07 21:28

Hallo zusammen,

ich möchte euch heute eine recht interessante Münze, mit einen schönem mythologischen Hintergrund zeigen!

Faustina Minor Drachme aus Alexandria, Durchmesser: 33mm Jahr: 150 – 151 n.Chr.

AV: drapierte Büste nach rechts

RV: Triptolemos mit Elefantenkappe hält Ähren und reitet
nach rechts auf einem Wagen der von zwei geflügelten Schlangen
gezogen wird.

Als ich die Münze zum ersten Mal gesehen hatte, konnte ich nicht viel mit dem Revers anfangen. Erst eine Recherche im Internet hat die Münze für mich erhellt.

Zur Geschichte:

Der Halbgott Triptolemos ist der Sohn des Keleos von Eleusis und der Metaneira.

Demeter streifte durch die Lande auf der Suche nach ihrer Tochter Persephone, die von Hades in die Unterwelt verschleppt wurde. Vor Trauer verbot sie den Pflanzen zu wachsen, die Bäume trugen keine Früchte und die Tiere vermehrten sich nicht mehr.
Die Menschen begannen zu sterben und die Götter im Olymp bekamen es langsam mit der Angst zu tun. Sie zwangen Hades Persephone wieder freizugeben, jedoch musste sie drei Monate im Jahr zurück zu Hades in die Unterwelt, während sie de restlichen neun Monate mit ihrer Mutter Demeter auf der Erde weilte. Demeter hob ihren Bann auf und die Natur begann wieder zu leben.
Im Laufe dieser Geschichte tritt auch unser Triptolemos auf.

Als Demeter voll von Trauer durch die Lande zog, kam sie auch an den Hof von Keleos und Metaneira. Den beiden war kurz davor ein Sohn namens Eleusinos geboren worden. Die beiden nahmen Demeter als Amme für ihr Kind auf. Die Göttin wollte den Säugling unsterblich machen und hielt ihn nachts in ein Ofenfeuer, wobei sie jedoch von der Mutter gestört wurde und das Kind zu Tode kam. Als „Ausgleich“ beschenkte sie das zweite Kind, Triptolemos, mit der Kunst des Getreideanbaus und mit einem Wagen der von zwei Drachen gezogen wurde. Mit diesem Wagen zog er über die Lande und lehrte den Menschen zu pflügen und zu sähen.

So kann Triptolemos auch zum König der Skythen Lynkus, der ihm seine Kunst neidete und versucht ihn zu töten. Demeter kam aber ihrem Schützling zu Hilfe und verwandelte den bösen König in einen Luchs (daher auch der Name!)
Karnabon war ein weiterer Widersacher. Ihm gelang es sogar einen Drachen zu erlegen, ehe in Demeter mitsamt dem Drachen in den Himmel bannte, wo sie noch heute als Sternbilder zu sehen sind (Schlangenträger Ophiuchus und Schlange).

Nachdem Triptolemos in die Heimat zurückgekehrt war, wurde er der Nachfolger seines Vaters.
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Faustina Drachme.JPG
Triptolemos.jpg
Raub der Persephone.jpg
demeter.png
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Beitragvon Peter43 » Sa 05.05.07 22:30

Hallo pearl.habour!

Vielen Dank für für Deinen Beitrag! Insbesondere die zusätzlichen Bilder gefallen mir sehr! Vielleicht fühlen sich dadurch auch andere ermuntert, sich hier zu beteiligen!

Allerdings gab es bereits einen Beitrag zum Raub der Persephone. http://www.numismatikforum.de/ftopic11926.html
Und zu Triptolemos http://www.numismatikforum.de/ftopic11926-15.html Da ist, wenn ich mich nicht irre, auch Deine Münze zu sehen (von Chinamul!).

Mit freundlichem Gruß
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Beitragvon Peter43 » Mo 07.05.07 00:12

Der unglückliche König Kyzikos

Mysien, Kyzikos, quasi-autonom, 2.-3.Jh. n.Chr.
AE 29, 8.3g
geprägt unter dem Strategos Aur. Aristeidos
Av.: KYZ - IKOC
Kopf des Kyzikos, diademiert mitTaenia, n.r.
Rv.: CTR A / [YR AR]IC / TE[I]DOY / KYZIKH / NWN
(in 5 Zeilen), alles in Lorbeerkranz
Ref.: SNG 91 var. (hat noch eine weitere Zeile)
Sehr selten, SS/fast SS, dunkelgrüne Patina
Anm.: In Münsterberg, Die Beamtennamen auf den griechischen Münzen, wird unter Severus Alexander in Kyzikos ein Strategos namens Aur. Aristaidos erwähnt. Es kann sein, daß dies derselbe ist, der in der Legende genannt wird.

Die Sage von Kyzikos gehört in den Umkreis der Sage von den Argonauten und ihrer Suche nach dem Goldenen Vlies. Kyzikos, der Sohn des Aineus, eines früheren Verbündeten des Herakles, und der Ainete, der Tochter des Eusors (oder auch der Sohn des Apollo und der Stilbe), war König auf einer Insel der Propontis, des heutigen Marmarameers, namens Dolionos, oder Arkton, die vom Berg Dindymon überragt. Als die Argonauten auf ihrer Fahrt nach Kolchis, wo sie das Goldene Vlies holen wollten, glücklich den Hellespont durchquert hatten, landeten sie auf dieser Insel. Kyzikos hatte gerade Kleite aus dem phrygischen Perkote geheiratet, und lud sie alle herzlich ein, an den Hochzeitsfeierlichkeiten teilzunehmen. Und das taten sie. Auf dieser Insel, die auch Bäreninsel genannt wurde, lebten auch sechsarmige Söhne der Rhea. Die Dolionen hatten von ihnen nichts zu befürchten, da sie von Poseidon herstammten. Aber als die griechischen Heroen danach den Berg Dindymon besteigen wollten, wurde ihr Schiff 'Argo' von den erdgeborenen Riesen angegriffen. Herakles aber konnte die meisten von ihnen töten. Damit begann das Unglück, das die Argonauten den Dolionen bringen sollte. Sie verabschiedeten sich und die Argonauten nahmen Kurs auf den kimmerischen Bosporos. Aber des nachts überfiel sie ein heftiger Sturm, der sie wieder zu der Insel zurückwarf. Da Kyzikos seine ehemaligen Gäste in der Dunkelheit nicht erkannte, meinte er nun nichts anderes, als daß sie seine Feinde, die Pelasger wären, und es kam zu einem ernsthaften Kampf zwischen ihnen, in welchem Jason, der Anführer der Argonauten, den Kyzikos, den er für einen Piraten hielt, eigenhändig erschlug. Als es Tag wurde, lag der edle König Kyzikos tot zu seinen Füßen. Beide Seiten erkannten ihren Irrtum, und Jason ließ ihn ehrenhaft bestatten und übergab das Reich dessen Söhnen. Einige erzählen auch, daß die Argonauten so betroffen über dieses Unglück gewesen seien, daß sich alle aus Trauer die Haare abschneiden ließen. Auch richteten sie dem Kyzikos besondere Leichenfeiern aus, die drei Tage anhielten, und Orpheus, der einer der Argonauten war, mußte die Seele des Kyzikos wieder versöhnen. Aber widrige Winde verhinderten zwölf Tage lang ihre Weiterfahrt, bis der Seher Mopsus den Schrei eines fliegenden Eisvogels verstand und ihnen den Rat gab, Rhea wieder zu versöhnen. So bestiegen sie erneut den Dindymon und errichteten der Göttin eine hölzerne Statue aus einem Weinstock. Deshalb wird Rhea manchmal auch Dindymene genannt. Dann machten sie sich auf die Weiterfahrt.

Andere erzählen, Kyzikos sei ein Fürst der Pelasger in Thessalien gewesen, sei mit diesen aus seiner Heimat vertrieben worden und habe sich dann in Asien niedergelassen, wo er Kleite, die Tochter Merops, des Königs von Rhybakos geheiratet habe und so zu Erfolg gekommen sei. Als dann die Argonauten bei ihm landeten, hätten seine Leuten sie feindselig angegriffen, weil es diese waren, die sie damals vertrieben hatten. Kyzikos habe sie auseinanderbringen wollen, wäre aber versehentlich von Jason getötet worden. Dies habe Kleite nicht ertragen können, sodaß sie sich aus Liebe zu ihm erhängt habe. Die Nymphen des Hains hätten so sehr um sie geweint, daß aus ihren Tränen dann die Quelle Kleite entsprang.

Noch andere erzählen, er sei im Kampf mit seinem Schwiegervater, dem Piasos, der seine Tochter und Gemahlin des Kyzikos, die Larisa, unziemlich geliebet habe, getötet worden, als es deswegen zu einem Kampf zwischen den beiden gekommen war. Dies scheint aber eine andere Sage gewesen zu sein, die auf Euphorion zurückgeht und bei Schol. Apoll. Rhod. I, 1063 erwähnt wird.

In einer anderen Version der Argonautenfahrt schreibt Valerius Flaccus (in seiner Argonautika 3.20), daß Rhea, die Große Mutter, die einen Kult auf dem Berg Dindymon hatte, vom König Kyzikos beleidigt worden sei, sodaß diese die Argonauten drängte, sie zu rächen. Kyzikos nämlich, durch seine übergroße Liebe zur Jagd verführt, habe einst einen heiligen Löwen mit seinem Speer erlegt, auf dem die Große Mutter durch die phrygischen Städte reiten wollte. Danach habe er aus Stolz die Mähne und den Kopf des Löwen an seinem Torpfosten aufgehängt, eine Beute, die ihm noch Leid bringen sollte. Die Göttin nämlich, erfüllt von ungeheurem Zorn, erblickte von ihrem Berg aus, der von Zymbeln tönte, die Argo, das Schiff der Argonauten, mit den königlichen Schilden an der Bordwand, und erdachte gegen den Held Tod und nie gehörtes Entsetzen: Wie in der Nacht befreundete Krieger in widernatürlichen Streit geraten und wie die Stadt in grausamen Schrecken verwickelt werden sollte. Und so töteten die Argonauten Kyzikos und seine Männer nächtlings in einen wirren Schlacht.

Die Dolioner aber trauerten noch einen vollen Monat, zündeten kein Feuer an und lebten nur von ungekochter Nahrung, eine Sitte, die noch immer während der Kyzikischen Spiele beobachtet wird.

Einige nennen seine Untertanen die Dolopen. Auf jeden Fall bekam die Insel daraufhin den Namen Kyzikos, ebenso wie die Hauptstadt. Später wurde sie zu einer Halbinsel, die Arktonnesos (= Bäreninsel) hieß. Kyzikos besaß zwei Häfen, die später durch überbrückte Kanäle verbunden waren. Unter der römischen Herrschaft blieb Kyzikos eine der reichsten und mächtigsten Städte Kleinasiens, dank des durch ihre Lage geförderten Handels. Sie war bis ins 6.Jh. die Hauptstadt der Provinz Hellespont.

Literatur:
Orpheus Argon. 500
Hygin. Fab. 16
Apollod. lib.I, c.9.§18
Euphorion II.c
Strabo lib.XII.p.575
Val. Flacc.Argon. 3.20
Schol. Apollon. ad lib.I.v.948

Quellen:
Der kleine Pauly
Benjamin Hederich, Gründliches mythologisches Lexikon
Robert von Ranke-Graves, Griechische Mythologie
Karl Kerenyi, Die Mythologie der Griechen - Die Heroengeschichten

Irgendwelche zusätzlichen Bilder habe ich nicht finden können!

Mit freundlichem Gruß
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