Mythologisch interessante Münzen

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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Beitragvon curtislclay » Fr 06.03.09 02:02

W. Weiser, Katalog Nikaia (Universität zu Köln, 1983), S. 250, verbindet den Typ von Ephialtes mit der Gründungsgeschichte Nikaias folgendermassen:

"P. Weiss benennt die Gestalt als Ephialtes.

"Vermutlich handelt es sich bei der Legende EFIALTHN EPWFELHN um zwei Adjektive, die sich auf Pan beziehen, auf den 'Helfer beim Darauf-Springen im Schlaf'....

"Dionysos hatte die Quelle, aus der die Nymphe Nikaia zu trinken pflegte, in eine Weinquelle verwandelt; als die Nymphe daraus trank, fiel sie berauscht in schweren Schlaf und Dionysos konnte die vorher widerspenstige, nun aber wehrlose Nikaia begatten; bei Nonnos, Dionysiaka 16.309-340, schauen Pan und ein Satyr als 'voyeurs' zu und preisen den Dionysos glücklich; für die übertölpelte Nikaia war das allerdings ein wirklicher Traum-Incubus, ein echter 'Ephialtes'.

"Das Attribut des Weinschlauches auf dieser Münze deutet darauf hin, das es vielleicht eine Version des Mythos gegeben hat, in der Pan und der Satyr aus Weinschläuchen Wein in die Quelle gegossen haben, aus der Nikaia trank. Eine solche Episode kommt bei Nonnos nicht vor, weil er die Geschichte der Nikaia - an sich eine selbständige Erzählung - in den Zug des Dionysos nach Indien eingeschoben hat....

"In der selbständigen Erzählung werden Pan und Ephialtes für diese 'Vergiftung' der Quelle in Bithynien gesorgt haben."
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Beitragvon Pscipio » Di 24.03.09 15:52

Gallienus, AE26, Ephesos, Ionien.
Av: AVT ΠO ΛIK ΓAΛΛIHNOC, belorbeerte, drapierte und kürassierte Büste nach rechts, von hinten gesehen.
Rev: EΦECIΩN Γ NEΩKOPΩN, Androklos mit geschultertem Speer und erlegtem Eber nach rechts gehend, hinter ihm ein Baum.
25-26 mm, 6.96 g
SNG Leypold 626 (wohl gleiche Stempel)

Als Sohn des sagenhaften Königs Kodros von Athen soll Androklos einen Kolonistenzug nach Ionien angeführt und Ephesos gegründet haben. Nach ihm sollen die Könige von Ephesos Androkliden geheissen haben. Androklos selbst soll bei Priene im Kampf gegen die Karer gefallen sein. Die Rückseite meiner Münze zeigt Androklos mit einem erlegten Eber. Der Sage zufolge soll ein Orakelspruch den Kolonisten vorausgesagt haben, ein Fisch und ein Eber würden den Ort der neuen Stadtgründung bestimmen. Als beim Braten eines Fisches derselbe aus der Pfanne fiel und einen hinter dem Gebüsch versteckten Eber aufschreckte, folgte Androklos den Eber und erlegte ihn. An der Stelle dieser Jagd gründete er dann Ephesos und wurde von den Stadtbewohnern seither als Heros Androklos verehrt.

Gemäss dem Kleinen Pauly könnte ein Teil der um ihn gewobenen Mythen einen historischen Kern haben.

Die Fotos zeigen die Münze vor und nach der Reinigung durch beachcomber.

Gruss, Pscipio
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la_provinz_6,96g_25-26mm_.jpg
Androklos.jpg
Nata vimpi curmi da.
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Beitragvon Peter43 » Di 24.03.09 18:24

Paßt gut zum Beitrag 'Der Ephesische Eber' im Mythologiethread http://www.numismatikforum.de/ftopic11926-90.html
Hier ist meine Münze. Wir hatten schon einmal über den kleinen Rundschild diskutiert. Es kann sich dabei um eine Parma handeln, die bei der Wildschweinjagd verwendet wurde (Arminius)

Mit freundlichem Gruß
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ephesos_gallienus_SNGmuenchen254.jpg
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Beitragvon emieg1 » Di 24.03.09 22:06

Abgesehen von dieser interessanten Münze nebst ihrer Mythologie... ein hervorragender Reinigungserfolg!

Frank, verrätst du uns bitte die einzelnen Schritte..?! :)
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Beitragvon beachcomber » Di 24.03.09 22:55

verrätst du uns bitte die einzelnen Schritte..?!

da gibt's nur einen!
unter dem stereoskop mit einer nadel den antiken dreck entfernen :)
es hätte noch einen zweiten geben können.
die stellen, die auf dem foto hellgrün und weiss erscheine, sind kalkverkrustungen. die hätte ich wohl glätten können.
da ich aber weiss, das lars das nicht so gerne sieht, habe ich es lieber gelassen :)
grüsse
frank
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Beitragvon Peter43 » Di 24.03.09 23:43

Bitte den Mythologiethread nicht als Reinigungsthread mißbrauchen! Dafür gibt es doch schon einen anderen!

Mit freundlichem Gruß
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Beitragvon Peter43 » Mi 25.03.09 21:11

Ptah - der Schöpfergott aus Memphis

Nach längerer Pause möchte ich hier eine Münze aus Alexandria vorstellen.

Ägypten, Alexandria, Hadrian, 117-138
AE - Tetradrachme, 24mm, 12.82g
geprägt 127/8 (Jahr 12)
Av.: AVT KAI - TRAI ADRIA CEB
Büste, drapiert und cürassiert, von hinten gesehen, belorbeert, n.r.
Rv.: L DWDE - KATOV (Jahr 12)
Gott Ptah-Sokar-Osiris, den Körper in Mumienbinden eingewickelt, mit Bart, auf dem Kopf die
Sonnenscheibe, n.r. stehend, mit beiden Händen Szepter mit Schakalkopf (Anubis-Szepter)
haltend
Ref.: Milne 1262; Köln 982; Emmet 883; BMC 637; Dattari 1445; Hunter 637; Mionnet 1050
selten, SS

Der Schöpfergott Ptah, der Bildner, ist einer der ältesten ägyptischen Götter. Belegt ist er seit der 1.
Dynastie und sein Hauptkultort war Memphis, die Hauptstadt des alten unterägyptischen Reiches.
Angeblich soll er 9000 Jahre vor allen anderen Göttern geherrscht haben.

Trotzdem gehörte er nie zur ersten Riege der ägyptischen Götter. Er stand immer im Schatten von
Re, Osiris und Amun. Aber in der Kosmogonie von Memphis wurde er zum obersten Schöpfungsgott.
Der Schöpfungslehre von Memphis nach hat Ptah allein durch die Kraft von Herz und Zunge, also die
Kraft des Willens und der Worte, die Welt erschaffen. Das erinnert stark an das Neue Testament, wo
es heißt: Und das Wort wurde Fleisch. Sich selbst hat er aus sich selbst erschaffen.

Er galt hauptsächlich als Gott der Handwerker und soll die Metallarbeitung erfunden haben. Imhotep,
der berühmte Baumeister des Pharaoh Djoser und Erbauer der Stufenpyramide von Sakkara, galt als
Sohn des Ptah. Eine Hauptrolle spielte er naturgemäß in Karnak und im Handwerkerdorf im Tal der
Könige.

Es gibt aber auch die Erzählung, daß er die Welt auf einer Töpferscheibe erschaffen habe. Damit
ähnelt er dann dem Gott Chnum. Er war also auch eine chthonische Gottheit. Als Gemahlin stand
ihm die Löwengöttin Sachmet zur Seite, die mit Nefertem als Kind die Triade von Memphis
komplett machte. Als Inkarnation des Gottes wurde in Memphis der Apis-Stier verehrt.

Dargestellt wird er in der Regel in Menschengestalt als Mumie in engem Gewand, kahlgeschorenem
Haupt und enganliegender blauer Haube. Als Symbol für seine Macht hält er ein Szepter aus der
Kombination des Ankh-Zeichens, des Was-Szepters und des Djed-Pfeilers. Oft steht er auf einem
Sockel in der Form der Hieroglyphe 'maA' als Symbol für die Weltordnung. In Memphis führte er die
Neunheit aus Heliopolis ein: Schu, Tefnut, Geb, Nut, Osiris, Isis, Seth und Nephthys. Erschaffen
wurde sie durch seine Gedanken und sein Wort. So erschuf er auch die Rechtsordnung. In dieser
Weltordnung war er der Gott des Lichts und der Wahrheit.

Bereits im Alten Reich verschmolz sein Kult mit dem falkengestaltigen Sokar aus Memphis, nach
dem wohl auch Sakkara benannt ist. Da sich dort die Totenstätten der 1. Dynastie befanden, ent-
stand daraus der Totengott Ptah-Sokar. Dieser verschmolz dann allmählich mit dem Totengott Osiris
zur Gottheit Ptah-Sokar-Osiris, die für Schöpfung, Tod und Auferstehung stand. Das Abbild des Ptah-
Sokar-Osiris findet sich deshalb oft als Grabbeigabe.

Im Hellenismus wurde er dem griechischen Gott Hephaistos gleichgesetzt.

Hinzugefügt habe ich das Bild einer Statue aus dem Britischen Museum, die als Grabbeigabe
benutzt wurde und das Bild des Ptah-Tempels aus Karnak.

Quellen:
www.manetho.de
http://www.egyptianmyths.net/sokar.htm
Bilder:

http://www.britishmuseum.org/explore/hi ... en_figure_
of_ptah-.aspx

Mit freundlichem Gruß
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alexandria_hadrian_Milne1262.jpg
ptah_BM.jpg
temple of Ptah.jpg
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Beitragvon Peter43 » Mi 25.03.09 21:17

Veiovis und Amalthea

Passend zu einer Münze des Domitians in einem Thread über die Flavier möchte ich hier diesen
Artikel aus dem historischen Thread in den Thread über mythologische Münzen herüberholen.
Ausgangspunkt ist ein Denar des Münzmeisters Mn. Fonteius aus dem Jahr 85 v.Chr.:

AR - Denar, Rom, 85 v.Chr.
Av.: belorbeerter Kopf des Apollo Vejovis n.r., dahinter MN FONTEI,
Blitzbündel darunter, CF unter Kinn
Rv.: geflügelter junger Genius reitet auf einer Ziege n.r., die Mützen der
beiden Dioskuren re. und li. daneben, mit Sternen dekoriert,
darunter Thyrsusstab, alles in einem Lorbeerkranz.
Crawford 353/1d; Sydenham 724b; Fonteia 11
SS, hübsche Details der Ziege

Der Revers imitiert eine Statue im Tempel des Vejovis in Rom, die den jungen Genius zeigt, wie er die Ziege Amalthea reitet. Amalthea hatte der Sage nach auf dem Berge Ida auf Kreta Jupiter gesäugt. Aus ihren Hörnern soll dann das Cornucopiae entstanden sein.

Die Gestalt des Veiovis ist sehr geheimnisvoll. Die ausführlichste Erklärung habe ich bei beim berühmten Wissowa (RE) gefunden, in seinem Artikel 'RELIGION UND KULTUS DER RÖMER, München 1912, p. 236-238':

'Genau in der Mitte zwischen den Lemuria und den Carnaria notiert die alte Festtafel am 21. Mai ein agonium, welches nach der Beischrift der Fasti Venusini (CIL I,2 p. 318) dem Gotte Vediovis galt; obwohl dieses Zeugnis vereinzelt dasteht, verdient es doch Glauben, da die Zugehörigkeit des Gottes zum ältesten Kultus ausser Frage steht und die Lage des Festes sehr wohl zu dem wenigen passt, was sich sonst über die Bedeutung des Gottes ermitteln lässt. Der Name, der in den Formen Vediovis, Vedius, Veiovis auftritt, kennzeichnet ihn deutlich als das Gegenbild des Diovis, Dius, Iovis, also des Himmelsgottes, und wenn er in der Devotionsformel bei Macr. S. III 9, 10 zusammen mit den di manes angerufen wird, so weist das mit Bestimmtheit auf einen Unterweltsgott hin; wahrscheinlich ist auch der von Dion. Hal. II 10, 3 mit Zeus katachtonios wiedergegebene Gott, dem nach einem auf Romulus zurückgeführten und auch in die Zwölf Tafeln aufgenommenen Gesetze der Frevler gegen die Satzungen des Clientelverhältnisses verfallen war, kein andrer als Vejovis. Die offenbar bereits in einer jüngeren Fassung vorliegende Devotionsformel nennt vor Vejovis und den Manen den griechischen Unterweltsgott Dis pater, der hier noch neben Vejovis steht, bald aber diesen derartig verdrängt und ersetzt hat, dass die augusteische Zeit über Wesen und Bedeutung des alten Gottes völlig im Unklaren war und sich in den verschiedensten Vermutungen darüber erging. Während sich ausserhalb Latiums keine Spur seiner Verehrung findet und das einzige ausserrömische Denkmal der bei Bovillae gefundene, von den genteiles Iuliei dem Vediovis pater geweihte Altar ist (CIL I 807 = XIV 2387), erhielt der Gott in Rom am Anfange des 2. Jahrh. v. Chr. fast gleichzeitig zwei Tempel: der eine, von L. Furius Purpureo in seiner Praetur 554 = 200 gelobt und während seines Consulates 558 = 196 begonnen, lag auf der Tiberinsel und wurde am 1. Januar 560 = 194 eingeweiht; der andere, in der Einsattelung zwischen Capitol und Burg inter duos lucos gelegen, wurde 562 = 192 gestiftet und beging das Fest seiner Gründung am 7. März. In dem letztgenannten Tempel befand sich eine Statue des Gottes aus Zypressenholz, die ihn in jugendlicher Bildung, mit Pfeilen in der Hand und mit einer Ziege zur Seite darstellte: indem man sich dabei der griechischen Erzählung von der Aufnährung des jugendlichen Zeus durch die Ziege Amaltheia erinnerte und den Namen Ve-iovis nach Analogie von vegrandis, vescus u. a. erklärte, deutete man den Gott als einen "kleinen Juppiter", während das Bild in der Tat einen Apollo, und zwar als Todesgott mit den verderbenbringenden Pfeilen ausgerüstet, darstellte, die Ziege aber aus dem römischen Vorstellungskreise heraus beigegeben war; denn dass die Ziege den Römern als ein Tier der Unterirdischen gilt, geht aus der Ritualvorschrift hervor, nach welcher der Flamen Dialis eine Ziege ebensowenig berühren oder nennen darf, wie eine Leiche oder Bohnen. Dieselbe Gleichsetzung des Totengottes mit Apollo begegnet auch bei dem auf dem Berge Soracte bei Falerii verehrten Gotte, der ursprünglich wahrscheinlich ohne Eigennamen schlechthin Soranus pater hiess, dann aber nicht nur in der Literatur, sondern auch im Gottesdienste als Apollo bezeichnet wurde, während andre ihn vielmehr durch den Namen Dis pater erklärten: der seinem Kulte eigentümliche Sühnritus, dass die Priester des Gottes, die bestimmten Familien der Gegend entnommen wurden und den Namen hirpi d. i. Wölfe führten, mit nackten Füssen über glühende Kohlen schritten, bestand noch in der römischen Kaiserzeit.'

Die Darstellung der Ziege oder des Kaisersohns auf der Ziege reitend findet sich öfter auf kaiserlichen Münzen bis Gallienus. Ich vermute, daß man zur Zeit des Gallienus, aber auch vorher schon,
die Bedeutung der Ziege nicht mehr richtig kannte. Auch früher schon war ja die Interpretation der Ziege als Amalthea eher ein Zeichen dafür, daß die ganze Vorgeschichte mit dem Totenkult bereits in Vergessenheit geraten war. Der Interpretation durch 'den jungen Juppiter' widerspricht die Bezeichnung des Vejovis im Gentilkult der Julier in Bovillae als 'pater', als der er in den ältesten Zeugnissen gilt. Die Ziege war also ein Symbol des Todes und spielte im Totenkult eine große Rolle. Auch die Devotion war ja eine Anrufung der Todesgötter, bei denen der Feldherr sich (und sein Heer) dem Tode weihte, wenn sie ihm dafür den Sieg schenkten. Und diese Devotion fand auch im Namen des Vejovis statt.

Heute nimmt man an, daß Vejovis erst nach der Umgestaltung des Juppiterkultes (im Sinne der Olympier) von Juppiter unterschieden wurde, wobei er den Namen Jovis beibehielt. (DKP)

Hier noch ein republikanischer Denar des L. Julius Bursio, auch aus dem Jahr 85 v.Chr., der auf dem Avers ein Portrait des Apollo Veiovis trägt, nicht nur belorbeert, sondern auch geflügelt, und mit Dreizack. Auf der Rückseite Nike in Quadriga n.r. und mit Kranz in der ausgestreckten Hand (Crawford 352/1a; Sydenham 728). Diese Münze zeigt die enge Beziehung, die die gens Iulia mit dem Kult des Veiovis verband.

Und dann gehört natürlich diese Münze in diesen Zusammenhang, stellt sie doch die Nymphe Amaltheia mit dem kleinen Zeus dar.

Kilikien, Aigeai, Hadrian, 117-138
AR - Tetradrachme (Tridrachme?), 26mm, 10.46g
geprägt 117/118 (Jahr 164)
Av.: AVTOKR KAIC TRAIANOC - ADRIANOC CEB
Büste, mit etwas Draperie auf der li Schulter, belorbeert, n.r.
Rv.: AIGEAIWN (in l. Feld) - ETOVC DZR (= Jahr 164 der caesarischen Ära = 117/118)
Die Nymphe Amaltheia, hier als Stadtgöttin mit Kalathos und in langer Kleidung, frontal stehend, Kopf n.r. gedreht, hält im re Arm Cornucopiae und im li Arm den kleinen Zeus, der sie mit der erhobenen re Hand bekränzen will; re neben ihr eine Ziege, zurückblickend.
Ref.: SNG Levante 1714; SNG Paris 2328; SNG von Auock 5450; Prieur 716
Selten, fast SS

Dieser Typ, im ersten Jahr von Hadrians Regierung geprägt, zeigt eine bemerkenswerte Darstellung: Der kleine Zeus bekränzt Amaltheia. Dies ist eine Anspielung auf die Mythologie, in der Zeus von Amaltheia in der Gestalt einer Ziege gesäugt wurde. Die Ziege ist zudem ein Symbol für Aigeai als Wortspiel, denn Ziege ist griechisch AIX, AIGOS. Obwohl einiges noch an dieser Münze unklar ist, zeigt sie jedoch Hadrians Toleranz gegenüber der griechischen Sitte des Wortspiels mit Städtenamen.

Mit freundlichem Gruß
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fonteius_Cr353.1d.jpg
bursio_Cr352.1a.jpg
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Beitragvon Peter43 » Do 30.04.09 14:04

Die Sibylle Mantho

Zu diesem Thema wollte ich schon längst einen Artikel schreiben, hatte aber nie genügend Material.
Da wir gerade im amerikanischen Forum einen Thread über Mantho hatten, glaube ich, daß es Zeit
ist, dieses Thema jetzt aufzunehmen.

Thessalien, Pelinna, 400-344 v.Chr.
AE 20, 5.89g
Av.: Verschleierte Büste der Sibylle Mantho, Tochter des Sehers Teiresias, mit eingerolltem Haar, n.r.
Rv.: PELIN - NAIEWN
Behelmter Reiter in Feldtracht, mit eingelegter Lanze auf Pferd n.r. galloppierend; im Feld darunter
Monogramm aus D und P.
Ref.: SNG Copenhagen; Rogers 433
S+, dicke grüne Patina

Die Sache mit Mantho ist etwas verwirrrend, weil es mehrere Personen mit diesem Namen gab,
mit t und mit th geschrieben, und weil es Verwechselungen mit Daphne gibt. Aber fangen wir von vorne.

Manto war die Tochter des berühmten Sehers Teiresias aus Theben. Sie selbst war ebenfalls
eine Prophetin, die erste für den ismenischen Apollo in Theben, wo noch Denkmäler von ihr
existierten (Paus. IX. 10. §3), und danach auch des delphischen und des clarischen Apollo. Ovid
(Met. VI, 257) berichtet, daß sie die Einwohner Thebens zur Verehrung der Latona, der Mutter von
Apollo und Artemis aufgerufen hat. Nachdem die Epigonen Theben erobert hatten, wurde sie
zusammen mit anderen Gefangenen dem Apollo von Delphi geschenkt. Der Gott schickte die
Gefangenen nach Asien, wo sie das Heiligtum des Apollo gründeten nicht weit von der Stelle
entfernt, wo später die Stadt Kolophon gegründet wurde. Rhakios, ein Kreter, der sich vorher
bereits hier niedergelassen hatte, heirateteMantho und wurde durch sie der Vater des Mopsus
(siehe Thread). Nach Euripides sei sie vorher schon die Mutter des Amphilochos und der Tisiphone
geworden durch Alkmaion, den Anführer der Epigonen. Als Prophetin des Apollo wird sie auch
Daphne genannt, d.h. die Lorbeerjungfrau.

Daphne, war nach der griech. Mythologie eine Tochter der thessalischen Flußgottes Peneios. Wie
Artemis war sie eine jungfräuliche Jägerin. Als Apollo einmal den Liebesgott Eros verspottete, rächte
der sich, indem er auf ihn einen goldenen, auf Daphne aber einen bleiernen Liebespfeil abschoß.
So entbrannte Apollo in unsterblicher Liebe zu Daphne, während sie ihn ablehnte. Von Apollo
verfolgt floh sie zu ihrem Vater Peneios und flehte ihn an, ihr eine nicht so liebreizende Gestalt zu
geben. Daraufhin erstarrte sie und verwandelte sich in einen Lorbeerbaum. Ihr zum Gedenken trägt
Apollo seitdem einen Lorbeerkranz (griech. Lorbeerbaum = daphne)

Diodorus Siculus versichert, daß diese Daphne mit Mantho identisch sei. Die Einwohner von
Antiochia gebenvor, daß dieses Ereignis sich in einer ihrer Vorstädte abgespielt habe. Deshalb
trage sie seit dieser Zeit den Namen Daphne. Der heilige Chrysostomus, darin Libanus, folgend,
beschreibt eine herrliche Statue des Apollo in dieser Vorstadt: Apollo hält eine Lyra in einer Hand
und eine Schale in der anderen, aus der er ein Trankopfer der Erde bringt, die seine Geliebte
verschluckt hatte.

Eine Erklärung kann so aussehen: Teiresias, der blinde Seher aus Theben, hatte 2 Töchter. Daphne
gebar er selbst während der 7 Jahre, die er als Frau verbrachte (Wir erinnern uns?), Manto, seine
andere Tochter, zeugte er, als er wieder ein Mann war. Beide wurden gefangen genommen, als
Theben fiel (in der Generation vor Troja). Manto wurde nach Ionien geschickt, wo sie den karischen
König Rhacius heiratete, durch den sie Mutter von Mopsus wurde - der aber auch als Sohn von
Apollo gilt. Daphne aber blieb Jungfrau und wurde nach Delphi gesandt, wahrscheinlich um dem
Orakel die Fähigkeiten des Teiresias hinzuzufügen, das inzwischen von den Anhängern des Apoll
übernommen worden war. Es gibt auch die Behauptung, daß Manto nach Delphi geschickt worden
und dort den Namen Daphne angenommen habe. Dies aber paßt nicht zu der Überlieferung, daß
Daphne Apolls Liebe verschmähte, während Mopsus der Sohn von Manto uns Apoll war.

Später erscheint sie als eine der vielen Sibyllen. Dies waren berühmte Frauen, die vom Himmel
mit der Gabe der Prophezeiung und anderem himmlischen Wissen begabt worden waren. Im
allgemeinen wurde ihre Anzahl mit zehn angenommen die in den folgenden Orten residierten:
Persien, Libyen, Delphi, Erythraea, Samos, Tibur, Cumae, Ankyra und Marpessa. Die am höchsten
verehrte von allen war die Sibylle von Cumae, auch Amalthea genannt, oder Demophile, Herophile,
Daphne, Manto, Pheimonoe und Deiphobe. Sie geleiteten Aeneas in die Unterwelt und boten König
Tarquinius nacheinander 9, 6 und dann3 Bände von Prophezeiungen an. (siehe Thread). Strabo
erwähnt noch viele andere in seiner Geographie.

Bei Vergil (Aen. 10, 198) kommt eine Nymphe Manto vor, die seherische Fähigkeiten hatte, und
später durch den Flußgott Tiber Mutter von Ognus wurde.

Erinnern sollte man noch daran, daß das griechische mantikos soviel bedeutet wie 'prophetische
Fähigkeiten besitzend' und manteia bedeutet Prophezeiung, ist aber auch ein Orakelschrein. So
überrascht es nicht, wenn eine Sibylle den Namen Manto erhält.

Hinzugefügt habe ich das Bild von Leto/Latona von einer lucanianischen rotfigurigen Vase aus dem 4.Jh. v.Chr.

Quellen:
Ovid Met. VI (online http://www.latein-pagina.de/index.html? ... _metas.htm
Pausanias, Reisen durch Griechenland, IX
Strabo, Geographie
Der kleine Pauly
Wikipedia

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Beitragvon Peter43 » So 10.05.09 19:08

Die geheimnisvollen Pygmäen

Pygmäen tauchen auf römischen Münzen selten auf. Ich kenne nur noch einen Denarius des
L. Roscus Fabatus, Cr. 412/1, symbols 69. Vor kurzem konnte ich diese Münze aus Alexandria
erwerben, die einen tanzenden Pygmäen zeigt:

Ägypten, Alexandria, Diocletian, 284-305
AE - Billon-Tetradrachme, 7.51g, 19mm
geprägt 291/2 (Jahr 8)
Av.: DIOKLHTI - ANOC CEB
Büste, drapiert, belorbeert, n.r.
Rv.: Horus (Harpokrates) frontal stehend, mit Hemhem-Krone auf dem Kopf, nackt bis auf
Chlamys über der Schulter, hält in der herabhängenden re Hand einen Zweig und in der
erhobenen Linken einen Granatapfel; auf seiner li Seite die kleine Figur eines tanzenden Pygmäen.
im Feld L-H (Jahr 8)
Ref.: Milne 5021; Emmett 4062; Curtis 2005
fast SS, interessanter Rs.-Typ
Pedigree:
ex coll. Zach Beasley (Beast Coins)
ex coll. Keith Emmett
ex Harlan Berk Oktober 1991

Name und Herkunft:
Die Pygmäen waren ein sagenhaftes Zwergenvolk, das nach Homer, Il. 3, 3-7, ganz im Norden
am Rande des Ozeans wohnte. Ihr Name, griech. Pygmaios, kommt vom griech. Wort pygme
für Faust, was als Längenmaß der Entfernung vom Ellenbogen bis zur Hand entspricht und damit
dem lat. cubitus gleicht. Die Pygmäen sind zu ihrer Kleinheit noch so missgestaltet, daß der
Kopf den dritten Teil des ganzen Körpers einnimmt. Plinius sagt, daß sie Häuser von Eierschalen
hätten. Man glaubte, daß sie von Pygmaios, dem Sohn des Doros und Enkelsohn des Epaphos,
abstammten (Steph. Byz. s. v. Pygmaioi.) .

Die Geranomachie:
Eine alte, schon vorhomerische Sage erzählt, daß die Pygmäen in einem ewigen Krieg mit den
Kranichen, ihren Todfeinden, lagen. In jedem Herbst flogen die Kraniche nach Norden an den
Okeanos und überfielen die Pygmäen. In diesem Kranichkampf, der Geranomachie, waren die
Pygmäen, die ihnen an Größe kaum gleich kamen, zwar bewaffnet, unterlagen aber meist und
wurden von den Kranichen getötet. Spätere Autoren versetzten sie gewöhnlich an die Quellen
des Nils, wohin jährlich die Kraniche aus Skythien gekommen seien, um mit ihnen um die Saaten
zu kämpfen.

Ovid erwähnt in seinen Metamorphosen (6,90-92) eine Pygmäenmutter, die es wagte, sich mit
der Göttin Juno in einem Wettkampf zu messen; nach ihrer Niederlage wurde sie von Juno in
einem Kranich verwandelt und mußte dann auf der Seite der Kraniche am Kampf gegen ihr Volk
teilnehmen. Nach einer Version, die der Mythograph Antoninus Liberalis überliefert (Metamorphosen
16), hieß die schöne und stolze Pygmäin Oinoe; nach ihrer Verwandlung in einen Kranich blieb sie
zunächst in der Gegend, weil sie sich nicht von ihrem menschlichen Sohn Nikodamas trennen wollte,
wurde dann aber von ihm und den Pygmäen vertrieben, und dies war der Anlaß zu der seither
bestehenden Erbfeindschaft zwischen Pygmäen und Kranichen.

Die Sage von den Pygmäen ist verschiedentlich ausgeschmückt worden, auch in der Weise, wie
Lemuel Gulliver von den Liliputanern redet, so erzählt z.B. Hekataios, sie hätten Ackerbau getrieben
und die einzelnen Halme mit Äxten umgehauen. Dahin gehört besonders auch der komische Gegensatz,
in welchen die bildende Kunst sie mit Herakles gestellt hat. So legt ein Pygmäe einene Leiter an den
Becher des Herakles, um einen Zug daraus tun zu können. Bei Philostr. Icon. 2, 21. wird geschildert,
wie Herakles nach dem Sieg über Antaios, auf dem Sande Africas liegt und schläft. Die Pygmäen,
um den Antaios zu rächen, greifen ihn an. Ein Heerhaufen rückt gegen die linke Hand des Helden vor,
zwei gegen die rechte. Die Füße werden von den Bogenschützen und den Schleuderern attackiert.
Die Schar, welche es mit den Sturmleitern u. dergl. auf das Haupt des Helden abgesehen hat,
kommandiert der Pygmäenkönig selbst. Inzwischen erwacht Herakles, lacht, wickelt Seine Majestät
und die übrigen Kriegshelden in seine Löwenhaut und geht mit ihnen davon.

Aristoteles nimmt die Nachricht von ihnen nicht für fabelhaft, sondern nimmt sie als ein Volk Oberägyptens
an, das verhältnismäßig kleine Pferde habe und in Höhlen wohne (Aristot. Hist. An. 8, 14). Strabon
berichtet, es habe fünf Spannen lange und drei Spannen lange gegeben, und die Dreispannenmännlein
wären es gewesen, die mit den Kranichen Krieg führten. Noch später ist auch von nordischen
Pygmäen die Rede, die in der Gegend von Thule wohnten, kurzleibig, früh sterbend und mit nadelartigen
Spießen bewaffnet (Eust. ad Hom. p. 372). Endlich wird auch von indischen Pygmäen geredet,
die unter der Erde jenseits des Ganges wohnten (so z.B. Plin. H.N. 6, 22).

Man hat den Krieg der ägyptischen Pygmäen mit den Kranichen dahin zu erklären versucht, daß
die Pygmäen Symbole der Ellen des Nilwasserstandes seien, welcher zu der Zeit, wenn die Kraniche
kamen, gefallen sei. Deshalb befinden sich auf der berühmten Skulptur des Nils in der Bracchio
Nuovo des Vatican 16 Pygmäen, die den erwünschten Nilstand anzeigen (siehe den Thread über
den Nil).

Ranke-Graves meint, daß die Sage von den Pygmäen ein historisches Ereignis widerspiegelt, nämlich die Verdrängung einer ursprünglichen kleinwüchsigen Bauernpopulation im Oberen Niltal durch ein großgewachsenes Viehzüchtervolk, daß die Gewohnheit hatte, lange Zeit auf einem Bein zu stehen, was die Ähnlichkeit mit Kranichen hervorrief.

Der Kranichkampf hat die Phantasie vieler griechischer, etruskischer und römischer Künstler
beschäftigt. Er wurde als tragikomisches und unterhaltsames Motiv auf Vasen und Trinkgefäßen,
Wandgemälden und Gemmen dargestellt. Man faßte dies als Parodie auf die Heldensage auf.
Auch Statuetten, Reliefs, Mosaike und Lampen zeigten Pygmäen. Es hat zahlreiche Versuche
gegeben, den Glauben an die Pygmäen auf die reale Existenz eines Zwergenvolkes zurückzuführen.
Aber es scheint, daß dieser Glaube seinen Ursprung eher im Vergnügen am Wunderbaren hat und
der Neigung, sich menschliche Wesen auch vorzustellen in fremden Regionen und zu verschiedenen
Zeiten, seien sie nun viel größer oder viel kleiner als wir selbst.

Hinzugefügt habe ich 3 Bilder:
1) Das Bild einer attischen rot-figurigen Vase, die dem Brygos Maler zugeschrieben wird. Heute
in der Eremitage in St. Petersburg. Sie zeigt einen Pygmäenkrieger, der gegen einen Kranich
kämpft. Er ergreift ihn am Hals und ist dabei, ihm mit einer Keule auf den Kopf zu schlagen.
2) Den Ausschnitt eines Frescos aus dem Haus des Arztes in Pompeji, 60 n.Chr. Es zeigt das
Leben der Pygmäen am Nil.
3) Das Bild von der Kolossalstatue des Nils aus dem Bracchio Nuovo des Vatican. Gefunden in
Rom bei der Kirche S. Maria sopra Minerva und dann auf Anregung von Jacob Burckhardt
angeschafft.

Quellen:
Homer, Ilias
Ovid, Metamorphosen
www.theoi.com
http://ancienthistory.about.com/library ... ygmies.htm
Vollmer Griechische Mythologie, 1874
Der Kleine Pauly
Wikipedia

Mit freundlichem Gruß
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alexandria_diocletian_Milne5021.jpg
T92_1Pygmaioi.jpg
pygmaeen1.jpg
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Beitragvon Peter43 » Di 12.05.09 22:41

Poseidon und Troja

Die bekannteste römische Münze mit der Darstellung des Poseidon ist wohl der As des Agrippa. Deshalb stelle ich hier mal eine andere vor aus Alexandreia Troas, die einige nette Details zeigt.

Troas, Alexandreia, Maximinus I., 235-238
AE 26, 8.18g, 25.7mm
Av.: IMP MAXI - MINVS PIVS AVG
Büste, drapiert und cürassiert, belorbeert, n.r.
Rv.: COL AVG - TR - O
Poseidon, nackt, n.r. stehend, den li Fuß auf einen Delphin gestellt, in der zurückgezogenen
Rechten den Dreizack nach vorn gestreckt, auf dem vorgestreckten li Arm einen Hippokampos
haltend.
Ref.: Bellinger A362, Typ 38 (beide Seiten stempelgleich); SNG Copenhagen 171
SS
Die gleiche Darstellung gibt es auch in Anchialos, z.B. Severus Varbanov (engl.) 712.

Poseidon und Troja:
Poseidon ist eng mit Troja verbunden. Doch die Beziehung ist sehr ambivalent. Im Kampf gegen die Titanen stand Poseidon auf der Seite des Zeus, nachdem ihn die Kyklopen mit dem Dreizack beschenkt hatten. Als die Titanen in den Tartaros geworfen waren, verhinderte er durch eiserne Pforten, daß sie jemals wieder entkommen konnten (Hesiod. Theogn.) Als aber später die Götter sich gegen die Herrschaft des Zeus auflehnten, war er auch unter ihnen. Er war auch derjenige, der den Zeus gebunden hat. Als Zeus dann wieder die Oberhand gewann, wurde er von ihm verurteilt, Laomedon, dem König von Troja eine zeitlang zu dienen. Zusammen mit Apollo, der dasselbe Schicksal erlitten hatte, half er dem Troer, die Mauern um Troja zu bauen. Dafür hatten sie sich einen Lohn ausbedungen. Doch als die Mauern fertig waren, wollte Laomedon wegen seines Geizes nichts mehr von seinen Versprechungen wissen, und beide mußten mit leeren Händen abziehen. Poseidon rächte sich dafür an Laomedon, indem er das Meer einen großen Teil der Länder des Laomedons überschwemmen ließ und ihm dazu ein Meerungeheuer schickte, welchem man allezeit eine Jungfrau zu verschlingen geben mußte (Homer, Il. 507), bis es endlich von Perseus getötet wurde. So ist verständlich, daß Poseidon im Trojanischen Krieg auf der Seite der Griechen gegen die Troer stand. Als der Trojanische Krieg in seiner blutigsten Phase stand, betrat Poseidon das Schlachtfeld gegen die ausdrückliche Anordnung des Zeus. Er durchschritt die Reihen der schwer bedrängten Achaier und drängte sie zu größerem Mut und zu Begierde auf den Sieg über die Troer, die im Begriffe waren, den Krieg zu gewinnen. Zeus war gerade von Hera verführt worden und räkelte sich noch auf dem Ida-Gebirge in angenehmer Erinnerung an ihre Liebe, als er von unten aus dem Tal Poseidon auf dem Schlachtfeld brüllen und schreien hörte. Zeus hatte die Unsterblichen davor gewarnt in Troja einzugreifen und nun mußte er erkennen, daß er von Hera ausgetrickst worden war, und daß Poseidon ihm den Gehorsam verweigert hatte. Zeus aber zähmte seinen Zorn und schlug nicht auf seinen Bruder ein. Stattdessen schickte er Iris, die sturmfüßige Botin. Sie forderte Poseidon auf, das Schlachtfeld zu verlassen und Poseidon war sehr schnell damit einverstanden, sich zurückzuziehen, aber er war trotzig und sagte, er würde sich zurückziehen aus Respekt for Zeus, aber nicht aus Furcht.

Einige Worte zu Poseidon:
Poseidon war der Sohn des Kronos und der Rhea. Nach dem Sturz der Titanen wurde der Kosmos aufgeteilt unter Zeus, Poseidon und Hades. Der Name Poseidon findet sich bereits im mykenischen Linear B als po-se-da-o. Die meiste Beachtung unter der modernen Etymologien findet die von P. Kretschmer vorgebrachte, die Poseidon mit posei und Da (zu Ga, Gaia) zusammenbringt. Wenn Poseidon 'der Herr = Gatte der Erde' genannt wurde, im Sinne des hieros gamos, der Heiligen Hochzeit, dann muß er wegen der Unfruchtbarkeit des Salzwassers ursprünglich ein Gott des Süßwassers gewesen sein. Seine Funktion , die Mutter Erde zu befruchten, paßt gut zu seiner typologischen Verwandtschaft mit dem Himmelsgott Zeus, von dem er oft kaum zu unterscheiden ist. Der Dreizack scheint erst den Blitz als Waffe des Poseidon abgelöst zu haben. Dazu paßt gut das Blitzmal auf der Akropolis in Athen (Erechtheion), das von Poseidon stammen soll, und nicht überdacht werden durfte.

Der Hippokampos:
Die Etymologie ist einfach. Griechisch hippos, 'das Pferd', und kampo, 'ich biege'. So ist der Hippokampos 'das gebogene Pferd'. Dies war der Name des Seepferdchens, lat. equus marinus. Pausanias schreibt 'ein Pferd, das von der Brust ab wie ein Meerungeheuer (ketos) gebildet ist.' Er ist bereits aus der Etruskischen Kunst bekannt und erscheint regelmäßig auf Wandgemälden und Reliefs von Grabsteinen, Sarkophagen und Grabgiebeln. Dort wird er manchmal auch geflügelt dargestellt (wie z.B. auf dem Trevi-Brunnen). Es ist möglich, daß dies für den Glauben der Etrusker spricht, daß die Verstorbenen durch eine Seereise in die andere Welt gelangen. Literarisch ist der Hippokampos nur wenig bezeugt. Umso mehr erscheint er in der bildenden Kunst, besonders in der römischen Kaiserzeit. Auch hier besonders auf Sarkophagen und Aschenkisten, aber auch auf Mosaiken und Wandgemälden, weniger auf Münzen oder Gemmen.

Die Kampe (eigentlich "Raupe") hat sicherlich keinen etymologischen Zusammenhang mit dem Hippokampos. Sie war ein Ungeheuer, das die Kyklopen und Hakatocheiren im Tartaros bewachte, und ist dann von Zeus getötet worden, als er die Hilfe der Gefesselten gegen die Titanen brauchte. Bei Diodor war es ein erdgeborenes Ungetüm bei der libyschen Stadt Zabirna, nach dessen Erlegung Dionysos einen gewaltigen Grabhügel errichtete. Dieser war wohl der Ausgangspunkt der Sage.

Hinzugefügt habe ich
(1) das Bild eines Hippokampos von einem Mosaik in Bath/England aus dem 2.Jh. n.Chr.
(2) ein Bild der Neptun-Statue vom Trevi-Brunnen in Rom

Quellen:
Homer, Ilias
Benjamin Hederich, Gründliches mythologisches Lexikon
Der Kleine Pauly
http://messagenet.com/myths/bios/poseidon.html
http://www.theoi.com/Olympios/Poseidon.html
http://en.wikipedia.org/wiki/Poseidon
http://en.wikipedia.org/wiki/Hippocamp

Mit freundlichem Gruß
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Beitragvon Peter43 » So 07.06.09 16:13

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Beitragvon BlackOut » So 07.06.09 23:15

@ Peter

Respekt für Deine Mühen und Dein unglaubliches Wissen. Diese Sommerferien habe ich mir vorgenommen, mich mit Deinen Beiträgen auseinanderzusetzen.

Hut ab!

Gruss BlackOut
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Beitragvon Peter43 » So 07.06.09 23:49

Hallo Blackout!

Vielen Dank für Dein Lob. Aber bedenke bitte, daß diese Beiträge für interessierte Laien gedacht sind - und nicht für Wissenschaftler. Sie sollen das Interesse wecken, sich danach tiefer in die Materie zu versenken. Die Münzen sind sozusagen nur der Anstoß für die Recherchen.

Mit freuundlichem Gruß
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Beitragvon BlackOut » Mo 08.06.09 21:18

@ Peter

Ich bin ein waschechter Laie, zu diesem Zeitpunkt bin ich erst fähig, die gängisten Römermünzen des engen Mittelmeerraumes zu erkennen.
Nun freue ich mich schon darauf, mich in deine Texte zu stürzen! :)

Liebe Grüsse,
BlackOut
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