Mythologisch interessante Münzen

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Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitragvon Peter43 » Di 18.12.12 00:31

Der letzte Artikel wird für längere Zeit mein letzter sein, weil ich ich keine Münzen mehr habe, über die ich schreiben kann.

Jochen
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Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitragvon Zwerg » Di 18.12.12 00:42

Normalerweise poste ich hier nicht, weil man nicht durch überflüssige Bemerkungen stören sollte.

Ich habe mehr als Hochachtung für Deine Ausarbeitungen - Danke für den Thread

Grüße
Zwerg
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Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitragvon Peter43 » Di 18.12.12 12:32

Herzlichen Dank. Das erfüllt mich mit Stolz!

Von meinem Buch "Münzen und antike Mythologie" habe ich übrigens noch einige Exemplare zum Verkauf. Wäre doch ein schönes Weihnachtsgeschenk!

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Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitragvon Peter43 » Mi 20.03.13 15:53

El/Kronos von Byblos

Jede neue Münze ist für mich immer ein Abenteuer, in das ich mich stürze. Und jedesmal tut sich dann ein neues Universum auf - wie man es auch bei dieser Münze sehen kann.

Münze:
Phönikien, Byblos, 1.Jh. v.Chr.
AE 22, 8.44g, 22.16mm, 315°
Av.: Büste der Stadtgöttin (Tyche), drapiert und verschleiert, mit Mauerkrone, n. r.
Rv.: (Legende nicht lesbar)
El/Kronos, nackt, frontal stehend, Kopf n.l., mit 3 Flügelpaaren (ausgebreitet an Schultern
und Becken, 1 Paar gesenkt), in der vorgestreckten Rechten Szepter
Ref.: BMC 97, 13; SNG Copenhagen 135
Selten, S+, fast schwarze Patina
Pedigree:
ex M&M, Basel, 14.2.1972
Anm.: Diese Rückseite ist auch bekannt von Münzen des Antiochos IV. Epiphanias (Houghton 696), des Alexander I. Balas (Lindgren 1811) und von Augustus (RPC 4526). Bei diesen besteht die Rs.-Legende aus dem Ethnikon BYBLIWN und einer Jahreszahl, bei Augustus z.B. LL (Jahr 30 der pompejanischen Stadtära). Deshalb wird die Rs.-Legende dieser Münze ähnlich lauten.

Byblos:
Byblos, das heutige Jabal im Libanon, etwas nördlich von Beirut, ist einer der Mitbewerber (z.B. mit Jericho) um den Titel "älteste ständig bewohnte Stadt der Welt". Nach phönikischer Überlieferung wurde es von El/Kronos gegründet, der es auch mit Mauern umgab. Selbst die Phöniker betrachteten Byblos bereits als uralte Stadt. Ihre Anfänge sind unbekannt, aber Wissenschaftler datieren sie auf 5000 v.Chr. Der Name Byblos, wie auch Phönikien, wäre von den frühen Einwohnern nicht verstanden worden. Die Stadt hieß bei ihnen nämlich Gubla und wurde später Gebal genannt, und die Küstenregion hieß früher Kanaan. Die heutigen Namen Byblos und Phönikien stammen von den Griechen aus der Zeit um 1200 v.Chr. Phönikien wegen des Purpurs, Byblos (griech.= Papyrus) wegen des Papyrushandels. Unter Kanaan verstehen wir heute das Land in der südwestlich-syrischen Region, identisch etwa mit dem heutigen Palästina. Phönikien liegt nördlich davon und ist die Bezeichnung eines schmalen Landstreifens an der östlichen Mittelmeerküste. Byblos ist heute Weltkulturerbe.

In Inschriften aus Byblos finden sich Texte in einer alten, bisher nicht entzifferten Schrift, dem byblischen (nicht biblischen!) oder proto-byblischen, manchmal auch archäo-ägäisch genannt. Sie hat gewisse Ähnlichkeit mit der Schrift auf dem Diskos von Phaistos, die ebenfalls noch nicht entziffert ist. Beziehungen zwischen Byblos und Kreta sind bekannt.

Die auf der Rückseite meiner Münze abgebildete Figur wird oft als Kronos bezeichnet. Aber nun hat die abgebildete Gottheit 6 Flügel. Damit ist es mit Sicherheit keine griechische Gottheit. Seine korrekte Bezeichnung ist phönikischer Kronos, und damit ist immer El gemeint! El gehört zum phönikischen Pantheon. Mit dieser Münze kommen wir an eine interessante Nahtstelle zwischen griechischer Mythologie und orientalischer Religion und entdecken eine bedeutende kulturell-religiöse Wende. Wie üblich beginnen wir mit der Mythologie. Diese stützt sich auf Philon von Byblos, der dabei den vortrojanischen phönikischen Geschichtsschreiber Sanchuniathon zitiert. Übermittelt wurde uns alles von Eusebios von Caesarea.

Mythologie:
In Byblos herrschten Eliun oder Hypsistos und seine Frau Beruth. Ihre Kinder waren Epigeius oder Autochthonos, der später Uranos genannt wurde, und Ge, nach denen der Himmel und die Erde benannt wurden. Nach dem Tod des Eliun übernahm Uranos die Herrschaft und zeugte mit seiner Schwester Ge den Elos (El), den Baitylos, den Dagon und den Atlas. Elos aber war nichts anderes als der Kronos. Als der groß geworden war, lehnte er sich gegen seiner Vater Uranos auf, besiegte ihn mit Hilfe des Hermes Trismegistos (Thot) und machte sich an seiner statt zum König. Die Nebenfrau des Uranos, die bereits schwanger war, gab er dem Dagon zur Frau, die dann den Demaros gebar. Kronos gründete Byblos, die erste Stadt in Phönikien. Seinen Bruder Atlas beseitigte er, indem er ihn auf den Rat des Hermes hin in die tiefste Erde versenkte.

Uranos, der geflohen war, sandte seine Töchter Astarte, Rhea und Dione aus, um Kronos zu töten. Kronos aber konnte sie gefangen nehmen und machte sie zu seinen Ehefrauen. Astarte gebar ihm die 7 Titaniden und die Söhne Pothos und Eros, Rhea 7 Söhne und Dione Töchter. Sydyk zeugte mit einer der Titaniden den Asklepios. Pontos, auch ein Sohn des Kronos wurde der Vater des Sidon, dem Vater des Poseidon und Erfinder des Hymnengesanges. Nachdem Kronos bereits 32 Jahre geherrscht hatte, gelang es ihm, seinen Vater Uranos in die Hand zu bekommen. Er entmannte ihn mit der Sichel, die Thot ihm gefertigte hatte, worauf sein Geist entschwand, sein Blut aber sich in die benachbarten Quellen und Flüsse ergoß. Der Ort dieser Tat wird noch heute gezeigt

Dann übergab Kronos seine Herrschaft an Astarte, Zeus Demaros und Adodos. Von einer Wanderung über ihre Länder brachte Astarte einen vom Himmel gefallenen Stein mit, dessen Verehrung sie auf der heiligen Insel von Tyros einführte. Nachdem die Schiffe von den Kabiren erfunden worden waren, bereiste Kronos die bewohnte Welt und gab seiner Tochter Athena die Herrschaft über Attika.

Bei einer Seuche, die das Land schwer bedrohte, opferte Kronos seinen Lieblingssohn seinem Vater Uranos. Außerdem führte er die Beschneidung ein. Einen anderen Sohn, Muth (Pluto), den er von Rhea hatte, vergöttlichte er nach dessen Tod. Der Dione gab er die Stadt Byblos zu eigen. Poseidon und die Kabiren erhielten Berytos, wohin die Kabiren den Leichnam des als göttlich verehrten Pontos brachten, und Taautos (Thot), ein Sohn des Misor und Erfinder der Schrift, erhielt von ihm die Herrschaft über Ägypten.

Hintergrund:
Die Quelle für unser Wissen über die kanaanitische Religion war früher nur das Alte Testament der Bibel, in dem sie aber in einem sehr ungünstigen Licht erschien und als Ausdruck höchster Verkommenheit und Sittenlosigkeit. Der übelste Gott von allen war dabei der Sturmgott Ba'al Hadad. Er wurde von den Israeliten am heftigsten bekämpft, weil er ihren Nationalgott Jahwe am stärksten bedrohte.

Jahwe wurde aber auch El genannt, und das war nicht nur ein Apellativ mit der Bedeutung "Gott", sondern auch ein Name, nämlich des höchsten Gottes. El hat sich Abraham, der ursprünglich aus Ur in Mesopotamien stammte, offenbart und ihn nach Kanaan geführt, wo er nicht nur von Abraham und seiner Familie, sondern auch von den Kanaanitern verehrt wurde.

Nachdem 1929 und danach in Ras Shamra, dem antiken Ugarit in Nordsyrien, die berühmten Tafeln mit mythologischen Texten gefunden worden waren, und die ugaritische Schrift entziffert werden konnte, hat sich unser Wissen in entscheidender Weise geändert. Die in Ugarit gefundenen Texte zeigen, daß El der Name des ältesten Gotts des ugaritischen Pantheons war, der Vater einer großen Familie von Göttern, Da stellt sich natürlich die Frage, ob dieser ugaritische El identisch ist mit dem El der Israeliten.

Im ugaritischen Pantheon erscheint aber nicht nur die Familie des El, sondern auch die des jungen und kraftstrotzenden Sturmgottes Ba'al Hadad, dessen Vater Dagan und dessen Schwester 'Anat. Die Mythologie beschreibt ausführlich die heftigsten Kämpfe zwischen diesen beiden Götterfamilien. Die Gemahlin des ugaritischen El war Asherat. Diese finden wir eigenartigerweise im AT aber in Zusammenhang mit dem Ba'al-Kult

Die gefundenen Texte stammen aus der 1. Hälfte des 14.Jh. v.Chr., wobei die Mythen natürlich noch weiter zurückgehen, vielleicht auf die Wende vom 3. zum 2.Jt. (W.F.Albright)

Die revolutionären ugaritischen Entdeckungen haben nun allen Zweifel daran beseitigt, daß die "Phönikische Geschichte" des Sanchuniathons tatsächlich uralten kanaanitischen Ursprungs ist. Dies wurde von der Wissenschaft lange abgelehnt und Sanchuniathon selbst für eine Phantasiegestalt gehalten.

Die Genealogie der Götter, wie wir sie von Sanchuniathon kennengelernt haben, hat große Ähnlichkeit mit der Theogonie des Hesiod. Es hieß sogar, Sanchuniathon hätte von Hesiod abgeschrieben. Nun zeigt sich aber, daß die "Phönikische Geschichte" des Sanchuniathons viel größere Ähnlichkeit mit den ugaritischen Texten hat als mit der griechischen Mythologie. Das geht bis zu den Namen der Götter und ihren Eigenschaften. Bestätigt wird dies auch durch Funde bei den Ausgrabungen des königlichen Archivs von Hattusa, der antiken Hauptstadt des Hethiterreiches (E.O.Forrer), die nach Güterbock auf hurritische Originale zurückgehen. Auch hier finden sich die entsprechenden Götterkämpfe mit der Kastration der älteren Götter durch den jungen Sturmgott.

Der Ursprung dieses Mythologie wird Sumer gewesen sein, von wo sie die Hurriter übernommen und sie überall dahin verbreitet haben, wohin sie kamen. Auf ihrem Weg nach Indien haben selbst die Indo-Arier den Kastrationsmythos mitgenommen. Die Griechen haben von ihm wohl durch die Vermittlung über die Phönikier erfahren.

(1) Etymologie
Der Namer El, oder 'ilu, was "Gott" bedeutet, kommt in allen semitischen Sprachen vor. Die Wurzel ist wahrscheinlich 'wl mit der Bedeutung "Stärke, Kraft". Im Arabischen weiterentwickelt zu ilah und mit Artikel zu allah, hebräisch eloh. Bei den Hebräern kommt el oft in Eigennamen vor, z.B. Gabri-el, Micha-el, Samu-el, Isra-el oder Isma-el usw. Im AT kommt es zu einer Verschmelzung mit dem Nationalgott Jahwe, der auch El genannt wird. Später öfter noch als Elohim bezeichnet, dem Pluralis majestatis von El, oder als Abstraktum.

(2) Darstellung des El
Geflügelte Götter traten bereits bei den Sumerern auf. Während der El aus der späten Bronzezeit in Ugarit keine Flügel hatte, wurde er aber in der späteren phönikischen Kunst und in der hellenistischen Zeit ebenfalls mit Flügeln abgebildet. Die Münzen der Seleukiden beginnend mit Antiochos Epiphanes haben den geflügelten El. Sanchuniathon beschreibt ihn so: "Er hat 4 Augen, 2 vorne und 2 hinten, von denen im Schlaf 2 geschlossen sind. Auf seinen Schulter sind 4 Flügel, 2 fliegend und 2 ruhend. Dieses Symbol soll zeigen, daß er auch während des Schlafes wacht und während des Fluges ruht."
Aber auch von seiner Virilität wird gesprochen. In einem Gedicht wird erzählt, daß 2 Frauen einmal El nackt sahen, als er am Strand entlangging. Sie waren verzaubert von der Größe seines Gliedes und alles endete damit, daß sie ihm einen Sohn gebaren. Dieses Attribut des El ist gut auf der beigefügten Zeichnung zu sehen.

Aus diesem Hintergrund stammen wohl auch die Flügel der Seraphim. Sie werden mit sechs Flügeln beschrieben: Jeder von ihnen hatte sechs Flügel. Mit zweien bedeckten sie ihr Angesicht, mit zweien bedeckten sie ihre Füsse, und mit zweien flogen sie (Jes. 6, 2-3). Damit soll selbstverständlich nicht behauptet werden, daß die Seraphim aus Kronos/El hervorgegangen sind. Aber sie zeigen, daß den alten Hebräern Flügelgottheiten nicht fremd sind. Auch Jahwe selbst wird im AT manchmal als geflügelt beschrieben und es gibt Abbildungen, auf denen Jahwe mit Flügeln auf einem Cherub reitet (siehe die beigefügte Abbildung von dem Stempelsiegel). Ob das nur metaphorisch gemeint ist, kann wohl bezweifelt werden. Es sind vielmehr Anklänge an das archaische Bild des El aus der Zeit von 1200-600 v.Chr,

(3) Bedeutung des El
El war im kanaanitischen Pantheon der mächtigste Gott. Er scheint derartig große und allumfassende Befugnisse gehabt zu haben, daß man es nur selten wagte, ihn näher zu betrachten und zu vermenschlichen. Lediglich in einigen Texten aus Ugarit wird er, wie Zeus, als ungetreuer Ehemann charakterisiert (Wikipedia)
Il ist immer ein göttliches Wesen, oder das Göttliche selbst, aber kein Eigenname. Im konkreten Sinn ist es dann der Herr dieses Ortes, nordsemit. ba'al. El/Il aber ist abstrakt, das Göttliche an sich. Er steht über allen Göttern, er ist anerkannt, wird aber wenig verehrt. So gibt es für El/Il keinen Kult und auch keinen Tempel. Eine ähnliche Rolle spielte Allah vor Mohammed. (Roscher)
El ist zum Unterschied zu Ba'al nicht an lokale, z.B. Berge, oder Stammeseigenschaften gebunden. Dadurch ist er zur Aufnahme universalistischer Hochgottvorstellungen geeignet. Es gibt zwar im AT keinen ursemitischen El-Monotheismus, wohl aber Anzeichen einer prämosaischen henotheistischen El-Religion der israelitischen Patriarchen (Pauly).
In der ugaritischen Mythologie ist er der Vater der Götter, die seine Familie bilden, also Oberhaupt eines polytheistischen Pantheons. Er hat Züge eines gütig-weisen, aber manchmal launenhaften deus senex. Dem israelitischen Jahwe hat die Verschmelzung mit dem kanaanitischen Obergott im AT manches von seiner Schroffheit genommen und dafür die El-Eigenschaften des Götterkönigs und schöpferischen Demiurgen eingetragen. (Pauly)

Hellenistisch wird El dann als Kronos interpretiert (interpratatio graeca), wegen seiner Darstellung als alter weiser Mann mit grauen Haaren und ältester Gott, Vater aller anderen Götter. Das sind Funktionen wie sie auch El hatte.

(4) Der Kampf zwischen El und Ba'al
In der ugaritischen Mythologie nimmt einen zentralen Platz der Kampf zwischen der Familie des El und der Familie des Ba'al ein, in dem El am Ende unterliegt und sich als elder statesman zurückziehen muß. Das Ende fand statt auf dem Berg Saphon (= Mt. Casius), dem Sitz der Götter. Von diesen Kampf finden wir nichts in der Phönikischen Geschichte des Sanchuniathon. Hier ist El bis zum Schluß die höchste Gottheit des Pantheons. Die Erklärung ist einfach: Der Kampf zwischen El und Ba'al spiegelt einen historisch-kulturellen Konflikt wider, der erst nach Sanchuniathon stattfand. El war der alte Gott der Kanaaniter. Ba'al Hadad wurde erst von den Amoritern nach Kanaan gebracht, zuerst in den Norden mit seinen fruchtbaren Ebenen, und zuletzt erst in den bergigen Süden. Und damit kommen wir zu den Israeliten.

(5) El = Jahwe
Die Israeliten, die sich weiter im Süden befanden, verehrten weiter den kanaanitischen El. Zwar wird El besiegt und Ba'al übernimmt die Herrschaft, aber El ist nicht verschwunden, sondern wird als Gott von Abraham und seiner Familie zum Gott der Israeliten. Die Feindschaft zwischen den Israeliten und den Kanaanitern, spiegelt sich wieder im Kampf des israelitischen Gottes gegen Ba'al und seine Priester. Oder: So wie Ba'al vorher um die Herrschaft gegen El gekämpft hat, so tobt jetzt der Kampf von Ba'al gegen den israelitischen Gott. Verständlich, weil die Israeliten in das fruchtbare Kanaan eindrangen und sich dort niederließen. Das ging nicht friedlich ab. Das AT ist voll von den blutigsten Kämpfen. El aber wurde von den Israeliten übernommen und wandelte sich nach der Gesetzgebung des Moses um in Jahwe. Das erklärt auch solch eigenartigen Phänomene wie den Austausch im Namen von El-jakim zu Jejo-jakim.

Die Israeliten als Wüstennomaden drangen gewaltsam in Kanaan ein und brachten dabei ihren Gott Jahwe = El mit. Zu der Zeit hatte sich in Kanaan bereits überall der Kult des Ba'al-Hadad ausgebreitet. Als Fruchtbarkeits-, Regen- und Wettergott paßte er besser zu den ackerbauenden Kanaanitern als Jahwe, den die Israeliten in der Wüste getroffen hatten. So kam es, daß auch die Israeliten öfter die lokalen Ba'al-Kulte mit ihren Stieren annahmen. Dabei gerieten sie in die Gefahr, ihre nationale Identität zu verlieren, die am Jahwe-Glauben hing. Deshalb gab es unter den Richtern heftige Kämpfe gegen die Ausbreitung dieser Kulte. Sie grenzten ihren Glauben immer stärker von dem kanaanitischen ab, Jahwe wurde ein eifersüchtiger Gott. Auf dem Berg Karmel kam es zu einem Wettstreit zwischen Elias und Ba'al-Priestern, wer von ihren Göttern der eigentliche Regengott sei, und Jahwe gewann. In dieser Zeit wird sich der Monotheismus entwickelt haben.

Diese Rivalität bestand bis zur Regierungszeit König Davids, der dann strenge Regeln für den Jahwe-Kult aufstellte. Trotzdem ließ Salomon den berühmten Tempel in Jerusalem von Phönikiern bauen, die ihm König Hiram von Tyros schickte. Vielleicht weil sie mit El einen dem Jahwe verwandten Gott verehrten? Nach dem Tod des Salomons zerfiel das Reich in die Kleinstaaten Israel im Norden und Juda im Süden.

Durch die wirtschaftliche Ausdehnung des phönikischen Handels verbreitete sich der Kult des Ba'al Hadad, der in Tyros Melqart hieß. Das nördliche Israel kam in enge Nachbarschaft zu Tyros und als die phönikische Prinzessin Jezebel Ahab, den König von Israel heiratete, wurden auch der Kult des Ba'al und der Asherah übernommen. Und trotz des Aufstandes von Jehu gegen das Königshaus des Ahab und den Ba'al-Kult blieben Ba'al und Asherah wichtige Götter in Israel bis zum babylonischen Exil.

In das südliche Reich von Juda wurde der phönikische Ba'al-Kult eingeführt durch die politische Heirat der Atalja mit dem jüdischen Vasallenkönig. Als dann Atalja den Thron Davids bestieg, wurde sogar in Jerusalem ein Ba'al-Tempel errichtet. Trotz der Reaktion des Hohepriesters Jojada, der Atalja hinrichten ließ, erhielt sich derr Ba'al-Kult in Juda, und von König Manasse erfahren wir, daß er Ba'al-Altäre sogar in den Höfen der Jahwe-Tempel aufstellen ließ. Obwohl König Josia, auch unter dem Einfluß des Propheten Jeremia, die Jahwe-Tempel wieder reinigen und die Ba'al-Kulte in seinem Königreich vernichten ließ, blühten sie nach seinem Tod wieder auf und das blieb so bis zum babylonischen Exil.

Die weitere Geschichte gehört dann weniger zur Mythologie sondern eher zur Religionsgeschichte.

Unsere Autoren:

Eusebius von Caesarea:
geb. in Caesarea um 260-265, gest. um 339-340, war Bischof von Caesarea seit 313. Er bearbeitete die Hinterlassenschaft des Origines und neigte wie der dem Areios zu (Arianismus). Er war enger Berater des Constantin des Großen, stimmte aber auf dem Konzil von Nikaia 325 dem homo-usischen Glaubensbekenntnis zu, weil Constantin diesen Kompromiß wünschte. Verteidigte aber später den Areios und verlangte die Vertreibung des Athanasius. Er schrieb eine Vielzahl von bedeutenden religiösen Werken. Hier ist wichtig die Praeparatio Evangelica, in der er Philon von Byblos zitiert. Er schrieb aber auch eine Verteidigung des Origines, Schriften gegen Marcellus von Ankyra oder gegen den Neuplatoniker Porphyrios. Er wurde von Constantin sehr geschätzt, gilt als Vater der Kirchengeschichtsschreibung und wird zu den Kirchenvätern gezählt.

Philon von Byblos (= Herennios Philon):
geb. um 64 v.Chr. in Byblos - gest. ca. 141 n.Chr., war phönikischer Geschichtsschreiber zur Zeit des Hadrian, bekannt überwiegend aus der Suda. Über sein Leben ist wenig bekannt. Sein bedeutendstes Werk ist eine Geschichte Phönikiens, in der er behauptet, er habe die Geschichtsdarstellung des Sanchuniathons aus dem Phönikischen ins Griechische übersetzt. Seine Darstellung ist euhemeristisch, d.h. er erklärt die Götter als frühere, bedeutende Menschen. Er versucht die griechische Kultur auf die phönikische zurückzuführen. Roscher nannte dies albern. Er schrieb ein Werk über Hadrian, von dem nur noch der Titel bekannt ist., und 30 Bände "Über Städte und ihre Bürger", von der nur Fragmente bekannt sind.

Sanchuniathon:
war ein vortrojanischer, phönikischer Geschichtsschreiber aus Berytos und lebte wohl im 9.Jh. v.Chr. Er habe seine Lehren über die phönikische Religion von einem Priester namens Hierombalos erhalten und in einem 8 oder 9bändigen Werk über die phönikische Gechichte niedergeschrieben, das Philon von Byblos zitiert hat. Bekannt sind aber nur Reste bei Eusebios von Caesarea. Das Werk, das z.T. von Säulen in Byblos abgeschrieben worden sein soll, enthält eine Kosmogonie, eine Zoogonie und Berichte über sich ablösende Göttergenerationen (Pauly). Früher hat man ihn für eine mythische Figur gehalten, vielleicht erfunden von Philo von Byblos selbst und nach dem phönikischen Gott Sanchon benannt. Aber heute hält man ihn für eine historische Gestalt. Prof.Forbes aus Edinburg konnte nachweisen, daß die Texte des Sanchuniathon zweifellos verwandt sind mit den ugaritischen Texten, die man seit 1929 in Ras Shamra (Ugarit) gefunden hat, deren älteste in akkadisch geschrieben sind.

Quellen:
(1) Das Alte Testament
(insbesondere 'Genesis' und 'Exodus')

Sekundärliteratur:
(1) Der Kleine Pauly
(2) Benjamin Hederich, Gründliches mythologisches Lexikon, (auch online)
(3) Heinrich Wilhelm Roscher, Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen
Mythologie (auch online), Leipzig 1884-1937
(4) Otto Eissfeldt, El im ugaritischen Pantheon, Berlin, 1951
(5) W.F.Albright, Specimens of Late Ugaritic Prose, 1958
(6) Ulf Oldenburg, The Conflict between El and Ba'al in Canaanite Religion, Leiden 1969
(7) Finkelstein/Silberman, Keine Posaunen vor Jericho, Beck München 2003
(8) E.O.Forrer, Eine Geschichte des Götterkönigtums aus dem Hatti-Reiche, 1936
(9) Stephen Herbert Langdon. Mythology of All the Races, Semitic. Vol. 5. Boston.
Archaeological Institute of America, 1931
(10) Forbes, Peter Barr Reid, "Philon of Byblos", New York, Oxford University Press,
1991
(11) H.G.Güterbock, 'Kumarbi, Mythen vom churritischen Kronos aus den hethitischen
Fragmenten zusammengestellt, übersetzt und erklärt, 1946
(12) Wolfgang Röllig, Die Religion Altsyriens, Darmstadt 1973 (auch online)
(13) Martin Klingbeil, Yahweh Fghting From Heaven: God as Warrior and as God of Heaven in
the Hebrew Psalter and Ancient Near Eastern Iconography, Göttingen 1999
(14) Hans-Joachim Hoeft, Münzen und antike Mythologie, Eigenverlag 2011

Online-Quellen:
(1) Wikipedia
(2) http://www.WiBiLex.de
(Stefan Lauber)
(3) http://www.bibelwissenschaft.de
(4) http://www.bibleorigins.net
(Walter Reinhold Warttig Mattfeld y de la Torre, M. A. Ed.)
(5) http://www.livius.org

Zur Abrundung dieses Themas empfehle ich die folgenden Artikel in diesem Thread:
- Astarte, oder Ba'alat Gebul, die Herrin von Byblos
- Baetyl, der heilige Stein
- Zeus Kasios
- Kronos - der Vater der Götter
- Asteria - die Sternengöttin
- Atargatis oder Dea Syria, die Große Syrische Göttin
- Melqart - Herakles
- Eshmun - der phönikische Heilgott
- Die vorislamische Göttin Allat
- Shamash - Der babylonische Sonnengott
- Hadad - Jupiter Heliopolitanus
- Saturn - der römische Gott des Ackerbaus

Bilder:
(1) Wie oben ausgeführt, gibt es keinen Tempel für El. Auch nicht in Byblos. Deshalb habe
ein Bild des Tempels der Ba'alat Gebal aus Byblos eingestellt, dessen letzte Version aus
dem 4.Jh. v.Chr. stammt. Siehe dazu den Artikel über Ba'alat Gebul in diesem Thread.
(2) Mt. Saphon gesehen von Ugarit. Galt als Sitz der Götter, zunächst von El, nach seiner
Niederlage als Sitz von Ba'al, der nach ihm Ba'al Sapan hieß (http://www.livius.org)
(3) Fig. 82. Zeichnung der Rs. der Münze von Antiochos IV. Epiphanias. Sanchuniathon
beschreibt die Gottheit folgendermaßen: "Er hat 4 Augen, 2 hinten und 2 vorne, von denen
immer 2 schlafen. Auf seinen Schultern sind 3 Flügel, zwei die gerade fliegen und 2 die
ruhen. Dies Symbol soll zeigen, daß er während des Schlafes wacht, und während er fliegt
ruht" (Langdon)
(4) MCV-118S. Ein Stempelsiegel mit einer Darstellung, die von einigen Wissenschaftlern
identifiziert wird als geflügelter Jahwe auf einem Cherub, begleitet von einer geflügelten Göttin.
Asherah, die über einen heiligen Baum fliegt (Martin Klingbeil, 1999)

Mit freundlichem Gruß
Dateianhänge
byblos_SNGcop135.JPG
Tempel der Ba'alat Gebal.jpg
ugarit_mountain_saphon.jpg
El_Kronos_Fig.82.JPG
MVC-118S.jpg
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Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitragvon Peter43 » Mi 20.03.13 15:54

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Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitragvon Peter43 » Sa 28.12.13 17:08

Kein Artikel über Mythologie, aber 3 Zeichnungen ägyptischer Gottheiten vom Comiczeichner Rafael Morales (Les voyages d'Alix: L'Egypt, Casterman) aus meiner Sammlung:

(1) Horus
(2) Ptah
(3) Isis

Mit freundlichem Gruß
Dateianhänge
morales_01.jpg
morales_02.JPG
morales_03.JPG
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Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitragvon Peter43 » Do 13.02.14 23:47

Pygmalion

Hallo liebe Freunde der antiken Mythologie!

Nach längerer Zeit ist dies wieder ein Artikel im Mythologie-Thread. Ich hoffe, daß er auch für andere interessant ist. Aber in diesem Artikel geht es nicht allein um Mythologie, sondern auch darum, auf welche Weise das Geheimnis um die vorgestellte Münze gelüftet wurde. So beginne ich zwar zunächst mit der Mythologie, komme dann aber im 2. Teil zu den Münzen.

1. Pygmalion I war ein König in Zypern, der sich sterblich in eine nackte Elfenbeinstatue der Aphrodite verliebte. Er behandelte sie, als sei sie eine lebendige Frau, legte sie in sein Bett und verkehrte mit ihr, wie mit einer Ehefrau (Philostephanos, danach auch Clem. Alex. protr. und Arnobius adv. nationes).

Bei Ovid (Met. X., 243ff.) ist Pygmalion ein Bildhauer, der wegen schlechter Erfahrungen mit Frauen, den Propoetiden, beschlossen hatte, unverheiratet zu bleiben. Als er aber ein wunderschönes Mädchen aus Elfenbein erschaffen hatte, verliebte er sich in dieses und behandelte es, wie man eine Geliebte behandelt. Er machte ihr Geschenke und liebkoste sie. Bei einem Fest der Aphrodite betete er zu den Göttern, sie möchten ihm eine Gefährtin schenken, die diesem Elfenbeinbild gleiche. Aphrodite erhörte ihn. Und als er nach Hause zurückkehrte und seine Statue küßte, merkte er, wie sie warm und lebendig wurde. Der Kleine Pauly sieht in dieser Erfindung einen Preis des schaffenden Künstlers, der, indem er seine Seele in sein Werk legt, der schöpferischen Gottheit oder Natur nahe kommt. Religionsgeschichtlich gesehen, ist Pygmalion wohl die kyprische Form des Adonis, in dem sich der belebende Frühling verkörpert (Pauly). Den Namen Galatea erhielt die Geliebte erst im 18.Jh. Pygmalion bekam von ihr eine Tochter (oder einen Sohn) Paphos, deren Sohn wiederum Kinyras wurde. Von Paphos erhielt später die ganze Insel Zypern ihren Namen. Roscher meint, daß dies wohl die ursprüngliche Sage sei, und daß die Variante des Philostephanos nur eine Abkürzung darstellt.

Anmerkungen:
[1] Die Propoetiden bezeichnen in der griechischen Mythologie die Töchter des[ Propoetus aus der Stadt Amathus (Ovid, Metamorphosen X, 220ff). Sie gelten als die ersten Frauen der Antike, die sich öffentlich prostituierten. Als sie sich auch noch weigerten, der Venus Opfer darzubieten, bestrafte Venus sie mit dem Verlust jedes Schamgefühls, sodaß bald kein Mann mehr mit ihnen zu tun haben wollte. Venus verwandelte sie daraufhin in Stein (Wikipedia)

Und dann werden heute noch 2 weitere Begriffe in der Psychologie benutzt, die aus der Pygmalionsage stammen::
[2] Agalmatophilie (Pygmalionismus): Darunter versteht man die starke Zuneigung
(auch sexuell) zu (nackten) Statuen. Auch andere unbelebte menschliche
Darstellungen wie Gemälde oder (Sex-)Puppen können als Fetisch dienen.
[3] Der Pygmalioneffekt (= Rosenthal-Effekt) wurde in der Sozialpsychologie
beschrieben. Der amerikanische Psychologie Robert Rosenthal stellte 1965 in
Versuchen fest, daß das Bild, daß sich ein Lehrer von einem Schüler macht, auf
dessen IQ auswirkt. Hält ihn der Lehrer für hochbegabt, macht der Schüler erheblich
mehr Fortschritte, als wenn er ihn für minderbegabt hält. Es handelt sich dabei um
eine Art von "selbsterfüllender Prophezeiung".

2. Pygmalion II., phönikisch Pu'mayatton, 831-785 v.Chr., Sohn des Belos II. (oder des Mutto), war König von Tyros. Seine Schwester war Elissa, was phönikisch 'die Heldin' oder 'die Göttliche' ist, die später Dido (wohl von phönik. 'dida' = 'die herumziehende') genannt wurde. Aus Gier ließ er Sychaeus (oder Sicharbas), den Gemahl der Elissa, und einer der reichsten Tyrer, umbringen, um an dessen Schätze zu gelangen. In einem Traum erschien der Tote der Elissa und entdeckte ihr die Untat. Daraufhin nahm sie den Schatz an sich und floh mit einigen Getreuen von Tyros. Auf ihrer Flucht gelang sie zunächst nach Kypros (Zypern), wo sie einen Priester des Herakles und 80 Jungfrauen aufnahm. Auf diese Verbindung von Tyros zu Zypern werden wir weiter unten noch zu sprechen kommen. Die weitere Geschichte kann man im Artikel über Dido in diesem Thread nachlesen. Übrigens hatte sie eine Schwester Anna Perenna, deren Schicksal auch in einem Artikel behandelt wird. Diese Geschichte wird erzählt von Vergil in seiner Aeneis, I, 347).
Roscher schreibt: Ein König dieses Namens kann neben Tyros auch in Kitium, dem tyrischen Teil von Kypros, geherrscht haben. Pumaj ist wohl ein phönikischer Göttername. Der Gott Pumaj wurde als 'eljon (= geljon) bezeichnet, also Pumaj-geljon, woraus die Griechen Pygmalion machten. Demnach handelt es sich bei Pygmalion eigentlich um eine Gottheit, wozu auch das Lebeneinhauchen passt. Als eine Gründung des Pygmalion auf Kypros gilt Karpasia. Adonis wird nach seinem Großvater Pygmalion auch Pygmaion genannt. Andererseits kann umgekehrt auch der Name Pygmalion auf Pygmaion zurückgeführt werden. Jedenfalls haben wir hier wieder den Bezug auf Adonis. Und wir finden eine enge Verschränkung zwischen Pygmalion II und Pygmalion I.

Nun kommen wir zu den Münzen. Ausgangspunkt der Recherche war diese Münze des Elagabal aus Tyros, die eine Rückseite zeigte, aus der ich nicht klug wurde:

1. Münze:
Phoenikien, Tyros, Elagabal, 218-222
AE 30, 12.34g, 30.2mm, 180°
Av.: IMP CAES M AV AN - TONINVS AV
Büste, drapiert und cürassiert, von vorn gesehen, belorbeert, n.r.
Rv.: TYRIORVM
Männliche Figur, nackt, Umhang (oder Tierfell) über dem ausgestreckten re.
Arm, n.l. gehend, um den Hals die Chlamys n.r. wehend, in der erhobenen Linken
schräg nach oben einen Speer und ein unbekanntes Objekt (Schild?); re. hinter
ihm 4 Hirsche n.r. springend, bei denen er vielleicht die Zügel hält; alles auf einer
Basislinie
im oberen Feld Stern, unter den Hirschen Murexschnecke
(Gitler/Bijovsky Type I)
Ref.: Rouvier VII, p. 80, 2388; BMC Phoenicia p. 277, 408; Babelon ("Les Perses
Achemenides") 2244; Mionnet V, 657; nicht in SNG Copenhagen, SNG UK,
SNG Deutschland, SNG Righetti, Lindgren
sehr selten (6 Ex. bekannt), S, porös
Pedigree:
ex coll. Adrian W.
ex FAC

Anm. (von FAC): Die Legende ist hier nur TYRIORVM, weil nach der Revolte der Legio III Gallica und ihrer Niederschlagung durch Elagabal, der Status einer Colonia an Sidon übertragen worden war.

FAC hat die männliche Figur Kadmos genannt, Sohn des tyrischen Königs Agenor. Aber Stephenson (Dictionary of Roman Coins) schreibt über diesen Münztyp:
Hirsch-Quadriga - Eine erste Bronze des Gordian III. zeigt einen Wagen, der von 4 Hirschen gezogen wird und in dem eine männliche Figur steht, die im re. Arm ein Gewand hält und in der li. Hand einen Stab. Im Feld findet sich ein Star, und das übliche Schneckengehäuse-Symbol von Tyros unter den Vorderfüßen der Hirsche.
[Vaillant zitiert mehrere Passagen von Nonnus, um seine Meinung zu stützen, daß es sich bei dem Mann im Wagen um den tyrischen Hercules handelt, der, wie es scheint, neben anderen Bezeichnungen auch der Astrochiton war, der Führer der Sterne (Dux Astrorum). Die Tyrer statteten diesen Wagen anstatt mit Pferden mit Hirschen aus, in Anspielung auf die Schnelligkeit seiner Bewegung. Ein Hirsch war das Sinnbild für die Geschwindigkeit der Sonne; und Hercules war nach Macrobius identisch mit der Sonne.]

Übrigens sieht auf meiner Münze das Gewand über dem re. Arm wie ein Löwenfell aus, was auch die Interpretation als Herakles nahelegte. Ich habe daraufhin Macrobius' 'Saturnalia' überprüft und in Buch I, XX sagt er, daß auch Hercules Sol ist. Und Nonnus, 'Dionysiaka', s.40, 366-410 preist ihn hymnisch als Hercules Astrochiton. Aber ich habe niemals eine Quelle für die Behauptung gefunden, daß Hirsche ein Symbol für seine Geschwindigkeit sein sollen!

Die Lösung brachte dann Charles Rhodes (gordian_guy) im amerikanischen Forum. Er besaß die tyrische Münze des Gordian III., die Stephenson beschreibt:

2. Münze:
AE 30, 21.48g, 180°
Av.: IMP GORDIANVS - PIVS FEL AVG
Gordian, drapiert und cürassiert, belorbeert, n.r.
Rv.: C-O-L TVR MET
(Beschreibung des Verkäufers:) Unbestimmte männliche Figur n.r. stehend,
hält Chlamys und Szepter, rechts 4 Hirsche, die n.r. galoppieren; unter den
Hirschen Murexschnecke
Ref. cf Rouvier 2434.
Pedigree:
ex J. S. Wagner coll.

Dieser Rückseitentyp erschient zuerst unter Elagabal (Typ I) und wurde für Gordian III., Valerian, Gallienus und Salonina geprägt. Im Gegensatz zu meiner Münze aber hat die Münze des Gordian III. (Typ II, Phase I) von Charles Rhodes unten eine Inschrift aus phönikischen Buchstaben, , die zunächst nicht erklärt werden konnte. Dieser Münztyp wurde zuerst veröffentlicht 1954 von H. Hamburger. Die Übersetzung aus dem Phönikischen durch Dr. I Ben Dor ergab Bodmelqarth. Doch dies war nicht korrekt. Robinson vermutete 1997, daß der Name Bezug zu König Pygmalion haben mußte und las PGMLYN. In Gitler/Bijovski findet sich 2002 die Lesung: PGMLYON! Hier findet sich auch die Einteilung dieser Münzen in die Typen I und II, wobei die Type II in 4 verschiedene Phasen eingeteilt wird je nach dem Vorhandensein der phönikischen Inschrift und der Verteilung der Attribute auf der Rückseite.

Also ist es nicht Herakles-Melqart, sondern Pygmalion = Pu'mayyaton, König von Tyros, hier Pygmalion II genannt!

Leider sind damit noch nicht alle Probleme gelöst: Dieser Pygmalion, König von Tyros, war nämlich kein Vorbild, das man auf Münzen verherrlichen konnte. Er hatte aus Goldgier den Mann der Elissa ermordet und in Dantes 'Göttlicher Komödie' war er deshalb ins Purgatorium versetzt worden als Beispiel für die Gier. Anders sieht es aus mit Pygmalion I, dem König oder Bildhauer aus Zypern. Vielleicht sind hier beide Figuren verschmolzen, oder der zyprische Pygmalion wurde auf den tyrischen übertragen. Historisch gab es Beziehungen von Tyros zu Zypern:
- Elissa (Dido) soll bei ihrer Flucht nach Nordafrika zunächst Zypern angelaufen
haben. Dies könnte ein Hinweis sein darauf, daß Tyros sich dem westlichen
Mittelmeer zugewandt hatte.
- In Kition auf Zypern befand sich ein Heiligtum des Melqart, des Stadtgottes von
Tyros. Roscher: Vielleicht hat in diesem tyrischen Teil von Kypros ein König
namens Pygmalion geherrscht. Jedenfalls ist dies ein Beweis dafür, daß der Einfluß
von Tyros bis Zypern reichte.
Dieser Zusammenhang zwischen Pygmalion I und Pygmalion II wird zwar von Schmitz-Emans kategorisch abgelehnt, aber ihr waren diese Münzen nicht bekannt.

Und dann bleiben immer noch unerklärt die 4 Hirsche, die eigentlich als Symbole für das Jagdwesen stehen. Aber weder Pygmalion I noch Pygmalion II haben etwas mit Jagd zu tun. Einen Ansatz gibt es von Gabriella Bijovsky in 'More about Pygmalion from Tyre:

1950 schlug Hill vor, die männliche Figur mit Ousoos dem Jäger zu identifizieren, der nach Philo von Byblos der Gründer von Tyros gewesen sein soll. Dies wurde von Mesnik du Buisson 1965 und Will 1973 bekräftigt. Bijovsky lehnt diesen Vorschlag ab, weil Ousoos zwar ein Jäger, aber vor allem der Gründer von Tyros war. Dies aber wird auf der Münze nicht dargestellt.

Nach Barnett und Seyrig gab es genug Gründe anzunehmen, daß Herakles-Melqart, die Hauptgottheit von Tyros, auch ein Jäger gewesen ist. Aber ihm fehlen die Hauptattribute: die Keule und das Löwenfell um den Hals.

Der Vorschlag Robinsons die Figur als Darstellung des Pygmalion aus Tyros ist nicht einleuchtend, weil der kein Sympathiträger gewesen ist und auch nicht als Jäger bekannt war.

Bijovsky schlägt vor, Pygmalion im Kontext zu einem lokalen Jäger-Heroen zu sehen,
in einer Syro-Phönikischen Tradition. Dies wurde bereits von Will 1952 und Seyrig 1963 erwähnt, dann aber nicht weiter entwickelt. Wir wissen, daß Pygmalion verbunden ist mit Adonis, der ja Jäger gewesen ist. In ihn hatte sich Aphrodite verliebt und beschützte ihn während seiner Jagdexpeditionen. Trotzdem wurde er von einem Wildschwein getötet und bei Byblos in Phönikien beerdigt, neben einem Fluß, der seinen Namen trug. Dadurch wurde er zu einem lokalen Heros von Byblos. Interessanterweise wurde er nicht auf Münzen dargestellt. Aber so waren sowohl Adonis als auch Pygmalion direkt verknüpft mit Kypros, das zu dieser Zeit tatsächlich eine Kolonie von Tyros war. Und darüberhinaus war Pygmalion einer der vielen Namen des Adonis , als der er in Kypros verehrt wurde. Hesychios z.B. nennt "Pygmaion" den "Adonis für die Kyprer".

Deshalb kann es gut sein, daß die griechische Legende von Adonis auf einer phönikischen Figur eines jungen mythischen Jägers beruht. Diese Mythe gab es in verschiedenen lokalen Ausprägungen. Falls diese Annahme richtig ist, dann kann die männliche Figur auf unserer Münze Pygmalion sein, eine synkretistische Version des Adonis, dargestellt als Jäger, der seine Trophäen an den Zügeln hält, die 4 Hirsche, und neben einem Fluß steht.

Literaturgeschichte:
Es gibt mehrere literarische Bearbeitungen des Pygmalion-Stoffes. Ich greife willkürlich nur die folgenden heraus:
[1] Johann Wolfgang Goethe (1749-1832), Pygmalion - Eine Romanze, 1767
Übrigens spricht Goethe in seiner Italienischen Reise beim Betreten von Rom von
Pygmalion und Elise, was sicher eine Verwechslung mit Elissa ist.
[2] George Bernard Shaw (1856- 1950), Pygmalion, 1913/14 (nach Ovid)
Hier ist Pygmalion der Phonetikprofessor Henry Higgins und Elissa ist das
Blumenmädchen Eliza.Doolittle. Higgins versucht Eliza das feine Englisch
beizubringen, damit sie auf einer Gartenparty als Herzogin durchgehen kann. Das
gelingt zwar, aber da Higgins Eliza nur als sein Werk, aber nicht als
gleichberechtigten Menschen mit Gefühlen behandelt, trennt sie sich von ihm.
[3] 'My Fair Lady', Musical nach Shaw, 1956, Musik: Frederic Loewe, Text: Alan Jay
Lerner. Das Lied daraus "Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen!" kennt
wohl jeder.
[4] Joseph Weizenbaum (1923-2008), ELIZA, Computerprogramm. Siehe dazu den
folgenden Exkurs!

Kunstgeschichte:
Die Geschichte von Pygmalion und Galatea war ein beliebtes Thema in der Malerei und der Literatur.

Von den vielen Bildern habe ich diese beiden ausgesucht:
[1] Jean Leon Gerome, Pygmalion und Galatea, 1890-1893, Privatbesitz. Gerome war
ein Vertreter des akademischen Klassizismus. Zum Thema Pygmalion und
Galatea schuf er eine ganze Reihe verschiedener Skulpturen und Gemälde. 1892
bemalte er eine von ihm erschaffene Marmorgruppe, die ihm danach als Vorlage
für verschiedene Gemälde diente. Die Szenen spielen alle in seinem Atelier, so
daß er sich damit selbst in der Rolle des Pygmalions sieht.
[2] Paul Delvaux (1897-1994), Pygmalion, 1939, heute in den Musees Royaux des Beaux-
Arts, Brüssel. Delvaux war einer der bedeutendsten Surrealisten. Bemerkenswert ist auf
diesem Bild der Rollentausch: Pygmalion ist das Bildwerk und wird von Galatea geküßt.
Aber im Gegensatz zur antiken Sage wird sie keinen Erfolg haben, denn Pygmalion fehlt
der untere Teil seines Körpers.

Quellen:
[1] Ovid, Metamorphosen X, 243ff.
[2] Vergil, Aeneis I, 340-368
[3] Apollodoros,
[4] Nonnos, Dionysakia
[5] Macrobius
[6] Dante, Göttliche Komödie, Purgatorium, Canto XX, 103-105 Pygmalion für
Gier!
[7] Johann Wolfgang Goethe, Pygmalion
[8] Johann Wolfgang Goethe, Italienische Reise (dort Elise, Reminiszenz an Elissa!)
[9] G.B.Shaw, Pygmalion, 1913/14
[10] "My Fair Lady", Musical nach Shaw, Musik Frederic Loewe 1956, Text Alan Jay
Lerner (1956)

Sekundärliteratur:
[1] Benjamin Hederich, Gründliches Mythologisches Lexikon
[2] Wilhelm Heinrich Roscher, Ausführliches Lexikon der Griechischen und
Römischen Mythologie, 1897-1902
[3] Robert von Ranke-Graves, Griechische Mythologie
[4] Der Kleine Pauly
[5] Wikipedia, Pygmalion of Tyre, Pu'mayyaton, 831-785, Sohn des Königs Mattan I
[6] Wikipedia, Pygmalion (mythology)
[7] Monika Schmitz-Emans, Literatur und Mythos (Vorlesung), 8. Pygmalion (und
Venus)

Numismatische Literatur:
[1] Jules Rouvier, Numismatique des Villes de la Phenice [8]: Tyr, 1903/1904 (über
Google Books)
[2] Ernest Charles Francois Babelon, Les Perses Achemenides, les satrapes et les
dynasties tributaries de leur empire, Cypre et Phenicie, Paris, 1893 (über Google
Books)
[3] H. Hamburger, A Hoard of Syrian Tetradrachms and Tyrian Bronze Coins from
Gush Halav, 1954 (über Jstor)
[4] M. Robinson, Phoenician Inscriptions on the Late Roman Bronze Coinage of Tyre,
Part I - A Coin Depicting Pygmalion, The Numismatic Circular, volume CV, No.
6, July 1997, pp. 199-201 (leider nicht einsehbar!)
[5] Gabriela Bijovsky, More About Pygmalion From Tyre, 2000 (über academia.edu)
[6] Haim Gitler/Gabriela Bijovsky, The Coins of Pygmalion from Tyre, A
Chronological Sequence from Elagabal to Gallienus, 2002 (über academia.edu)
[7] Alfred Hirt, Bild und Kontext - Eine Annäherung an die tyrische Bronzeprägung
des 3. Jhs. n.Chr., Hefte des Archäologischen Seminars der Universität, HASB
21/2009

Zum Schluß herzlichen Dank an Charles Rhodes (gordian_guy) für die Auflösung dieses Rätsels!

Mit freundlichem Gruß
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Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitragvon Peter43 » Do 13.02.14 23:52

Exkurs: ELIZA von Joseph Weizenbaum

Joseph Weizenbaum, geboren 1923 in Berlin, emigrierte 1936 mit seiner Familie in die USA, wo er seit 1963 Professor für Computerwissenschaft am Massachusetts Institute of Technology (MITS) war und zu einem Pionier der künstlichen Intelligenz wurde. In weiten Kreisen bekannt wurde er durch das Computerprogramm ELIZA, benannt nach G.B.Shaws Eliza aus dessen 'Pygmalion'. In späteren Jahren wurde er zu einem Kritiker des bedenkenlosen Einsatzes von Computern, bedingt auch durch den Mißbrauch seines ELIZA-Programms. Er starb 2008 in Gröben bei Berlin.

Bei ELIZA handelt es sich um das frühe Beispiel der Anwendung künstlicher Intelligenz auf die menschliche Sprache. Geschrieben wurde es 1966 in der Computersprache LISP. Es ahmt eine psychoanalytische Sitzung nach, in der ein 'Patient' mit dem Computer spricht, der den Psychoanalytiker spielt. Den Namen ELIZA hatte Weizenbaum gewählt, weil Prof. Higgins bei Shaw ein Phonetikprofessor war. Er nahm dabei die Methode von Carl Rogers als Vorbild.

Carl Ransom Rogers (1902-1987) war ein bedeutender amerikanischer Psychologe, der die klientenzentrierte Gesprächstherapie entwickelte, die heute zum Fundus der alltäglichen Gesprächstherapie aber auch der pädagogischen Arbeit gehört. Er ist der Begründer der nichtdirektiven Gesprächspsychotherapie. Dmit ist gemeint, daß der Gesprächsleiter nicht in die Gedankengänge des Klienten eingreift, sondern nur durch die Aufnahme von Stichwörtern diesen zur Freisetzung von eigenen Gedanken veranlaßt. Diese Therapieform paßte nun ausgezeichnet zu Weizenbaums Programm ELIZA. Dieses besteht im Kern aus einer Liste von Stichwörtern, die zu gespeicherten Sätzen führen, die aus Fragen, Aufforderungen oder einfach Wiederholungen bestehen. Spricht der Klient z.B. von seiner Mutter, antwortet ELIZA mit der Aufforderung "Erzählen Sie mir mehr von meiner Mutter!" Da gibt es natürlich kein Verständnis oder Empathie für die persönlichen Probleme des Klienten. Es handelt sich einfach um die mechanische Analyse der Klientensätze und die clevere Auswahl von im Vornhinein abgespeicherten Antworten.

Hier ist ein Beispiel eines typischen "Gespräches", wobei > jeweils ELIZA meint und * die Eingabe des Klienten::

> Hello, I'm ELIZA.
* I have problems.
> Don't you ever say Hello?
* Sorry. Hello!
> Apologies are not necessary.
* ok.
> Tell me more...
* I hate my mother.
> I see.
* Why do you can see that?
> We were discussing you, not me.
> *** Are we going to Chat? ***
> I can't help you without a dialog!

And so on and so on.

Weizenbaum mußte aber erschüttert erkennen, daß es Psychologen gab, die dieses Programm bei der Arbeit mit ihren Klienten einsetzten, und Klienten, die dieses Programm für ihre eigene Therapie benutzten, obwohl sie vorher über den Charakter von ELIZA aufgeklärt worden waren. Dies war für Weizenbaum ein weiterer Grund dafür, daß er vom Fachmann für künstliche Intelligenz zu einem Hauptkritiker des Computers wurde, insoweit jedenfalls, wie er menschliche Aufgaben übernimmt. In "Kurs auf den Eisberg" schreibt er, daß alle großen Computersysteme inzwischen undurchschaubar geworden seien, insbesondere die Mammutsystem, die von Regierungen benutzt werden, um über Krieg und Frieden zu entscheiden. Sie können deshalb auch nicht mehr gewartet werden, wie wir es von unserem PC her kennen. Das Ganze führt unausweichlich zu einer Entmenschlichung unserer Gesellschaft.

Sieht man heute, was sich mit Iphones und ähnlichem abspielt, erkennt man, daß Weizenbaum mit seinen Vorhersagen recht hatte. Als wir Mitte Januar mit der Bahn (1.25h Verspätung!) zur Tardi-Ausstellung im Literarischen Colloquium Berlin gefahren sind, kam es während der 7h langen Fahrt zu keinem Gespräch, weil alle Mitreisenden nur auf ihren elektronischen Geräten herumwischten. Und das nennt sich dann noch 'soziales Netuwerk'! Welcher Hohn!

Quellen:
[1] Joseph Weizenbaum, Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft,
Suhrkamp 1978
[2] Joseph Weizenbaum, Kurs auf den Eisberg, Piper 1987
[3] Joseph Weizenbaum, Wer erfindet die Computermythen?, Herder 1993
[4] David Ahl, Creative Computing, July/August 1977
darin ELIZA von Steve North in BASIC (MITS 8k), based on one written by Jeff
Shrager. Originally 1966 by Joseph Weizenbaum written in LISP. Based on the
psychoanalytic techniques of Carl Rogers.
[5] Eine Emulation, mit der ihr eine Sitzung mit ELIZA nbachahmen könnt, findet sich
unter http://www.manifestation.com/neurotoys/eliza.php3

Mit freundlichem Gruß
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Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitragvon Peter43 » Fr 14.02.14 13:33

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Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitragvon Peter43 » So 08.06.14 12:30

Theseus, der Nationalheld der Athener

Theseus gilt wohl unbestritten als der größte Held Athens. Umso bedauernswerter ist es, daß ich bis jetzt keine Münze von ihm in meiner Sammlung hatte. Aber alle seine Münzen sind selten und begehrt. Vor einigen Jahren wurde ich bei CNG mit einer Summe überboten, von der ich nur träumen konnte. Umso glücklicher bin ich, daß ich jetzt eine dieser Münzen erwerben konnte, die ich hier stolz präsentiere:

1. Münze:
Bithynien, Nikaia, Commodus, 177-192
AE - AE 17, 3.7g, mm, °
Av.: AV.L.KOMODOC - ANTWNINOC
belorbeerter Kopf n.r.
Rv.: QHC - E - A - NIKAIEIC
Jugendlicher, unbärtiger Kopf des Theseus n.r., bedeckt mit Löwenskalp, Knoten unter
dem Kinn
Ref.: Rec.Gen.I/3, 274, pl. LXXIV, 12; RPC online temp.no. 6026 (Paris Bibliotheque
Nationale no. 630); nicht in Weise
selten, fast SS, etwas dezentriert
(ja, es gibt von Nikaia nicht nur die langweiligen Standarten-Typen!)

QHCEA NIKAIEIC = die Nikaier (ehren) den Theseus

2. Mythologie:
König Aigeus von Athen konnte keine Kinder bekommen, obwohl er zweimal geheiratet hatte. Aus Angst davor, daß seine Brüder ihn des Königtums berauben würden, wandte er sich an das Orakel in Delphi und erhielt die dunkle Antwort: "Den Fuß des Weinschlauchs löse du nicht früher als in Athen". Auf dem Rückweg kam er nach Troizen zu König Pittheus, der als der klügste Mann seiner Zeit galt. Und tatsächlich verstand Pittheus den Spruch, der sagte, daß Aigeus erst in Athen wieder Wein trinken sollte. Pittheus besaß zufälligerweise auch den besten Weins Griechenlands. Er machte Aigeus betrunken und legte ihm seine Tochter Aithra ins Bett. Als Aigeus merkte, daß sie von ihm mit Thesus schwanger war, versteckte er sein Schwert und seine Schuhe unter einem großen Stein und trug Aithra auf, Theseus, wenn er erwachsen war, den Stein aufheben zu lassen und die versteckten Dinge hervorzuziehen. Danach sollte sie ihn nach Athen schicken.

Erzogen wurde Theseus also in Troizen durch seinen Großvater Pittheus, der verbreitete, daß der wahre Vater Poseidon sei. Bereits in jungen Jahren fiel Theseus durch seinen Mut auf. Als Herakles einmal in Troizen war und sein Löwenfell ablegte, liefen alle Kinder aus Angst davon. Theseus aber, der gerade sieben Jahre alt war, ging mit einer Waffe auf das Löwenfell zu, weil er es für einen echten Löwen hielt (Pausanias).

Als Theseus 16 Jahre alt war, führte seine Mutter ihn zu dem Stein, den er mit Leichtigkeit anheben konnte. Er nahm Schwert und Schuhe an sich und machte sich auf den Weg nach Athen. Sein Großvater und seine Mutter rieten ihm, mit dem Schiff zu fahren,weil die Landwege wegen der Straßenräuber zu gefährlich seien. Aber Theseus wollte es dem Herakles gleichtun und ebenso Ehre gewinnen. Als erstes besiegte er bei Epidaurus den Periphetes, dessen eherne Keule er als seine Waffe mitnahm. Auf dem Isthmus besiegte er den Sinis, dessen Tochter Perigone sich in ihn verliebte, die krommyonische Sau Phaia, bei Megara den Skiron, dann den Kerkyon und den Prokrustes, den Vater des Sinis (auch Damastes genannt). Dabei bestrafte er alle Räuber in der Art, wie sie ihre Opfer getötet hatten (sog. [i]Talionsprinzip[/b]):
Den Keulenträger Periphetes erschlug er mit dessen eigener Keule.
Sinis, [i]Pityokamptes[/b] (Tannenbieger) genannt, band seine Opfer an die heruntergebogenen Wipfel von 2 Tannen, gab die Bäume los, daß diese auseinanderschnellten und so die Unglücklichen zerrissen. Genauso starb er jetzt durch die Hand des Theseus.
Skiron stürzte er von den Skironischen Felsen, den steilen Abhängen des Oniagebirges am Isthmus von Korinth.
Den Ringer Kerkyron erwürgte er im Ringkampf.
Der Riese Prokrustes, ein Sohn des Poseidon, der sein Unwesen in der Nähe von Eleusis trieb, legte Reisende in ein Bett, und wenn sie zu groß waren, hackte er ihnen Arme und Beine ab, oder reckte ihnen die Glieder auseinander, wenn sie zu klein waren. Auf diese Weise tötete Theseus jetzt den Prokrustes (Diodor).

Dann kam Theseus nach Athen.

Sein Vater Aigeus war zu der Zeit mit Medeia verheiratet. Weil Medeia befürchtete, Theseus könne ihrem eigenen Sohn das Thronerbe streitig machen, schickte sie ihn gegen den marathonischen Stier, der den Athenern großen Schaden zufügte. Dies war der Stier, den Herakles in seiner siebten Arbeit aus Kreta geholt hatte. Theseus konnte ihn überwinden und opferte ihn. Als er gesund zurückkehrte, riet sie Aigeus, den Fremdling mit Gift aus dem Wege zu räumen. Aber als Theseus beim Essen das Fleisch mit seinem Schwert teilte, erkannte Aigeus es als sein eigenes. Da sah er, daß Theseus sein Sohn war, begrüßte ihn herzlich und richtete ein großes Fest aus. Medeia wurde in die Verbannung geschickt. Die Söhne des Pallas, des Bruders des Aigeus, fürchteten um ihre künftige Herrschaft über Athen und wandten sich gegen Theseus. Der konnte jedoch Pallas sowie dessen 50 Söhne besiegen und tötete sie alle.

Athen war dem Minos auf Kreta tributpflichtig. Als Minos - wie alle 9 Jahre - wieder 7 Jünglinge und 7 Jungfrauen forderte, kam es in Athen zu Unruhen, weil Aigeus dabei frei ausging. Aigeus war aber der Schuldige an dieser Tributpflicht, die die Sühne dafür war, daß er Androgeos, den Sohn des Minos und der Pasiphae getötet hatte. Da entschloß sich Theseus, als Anführer der jungen Leute mit nach Kreta zu gehen. Es gelang ihm, den Minotauros in seinem Labyrinth zu töten. Dabei half ihm Ariadne, eine Tochter des Minos. Diese hatte sich in Theseus verliebt und gab ihm ein Wollknäuel, mit dessen Hilfe er aus dem Labyrinth herausfand. Damit war Athen von der Tributpflicht befreit. Dies ist wohl die bekannteste Geschichte des Theseus.

Auf der Rückfahrt mußte er Ariadne auf Naxos zurücklassen, wo sich Dionysos ihrer annahm. Er machte dann Station auf Delos, wo er dem Apollo das Venusbild, das er von Ariadne erhalten hatte, stiftete, damit ihn nichts mehr an diese unglückliche Liebe erinnern sollte. Dort führte er mit den geretteten jungen Leuten auch einen Tanz ein, der an das Labyrinth von Knossos erinnerte. Dieser Tanz hieß [i]Geranos[/b], der Kranichtanz. Manche meinen aber, es sei der Tanz der Ariadne, den Daidalos sie gelehrt hatte, und der noch lange in Athen aufgeführt wurde. Theseus führte auch Spiele zu Ehren des Apollo ein, bei denen zum erstenmal der Sieger einen Palmzweig als Zeichen seines Sieges überreicht bekam (Plutarch).

Dann segelte er weiter nach Athen. Weil er aber in seiner Trauer über den Verlust der Ariadne vergessen hatte, das schwarze Segel wie vereinbart gegen ein weißes als Zeichen des glücklichen Ausgangs auszutauschen, glaubte sein Vater Aigeus, daß auch er in Kreta umgekommen sei, und stürzte sich von einerm Felsen ins Meer. Ihm zu Gedenken heißt es seitdem das "Ägäische". Theseus wurde als sein Nachfolger König von Athen.

Sein politisch bedeutendstes Werk war, daß er alle in Attika verstreuten Athener in Athen vereinigte (sog. [i]Synoikismus[/b]). Er stiftete die Isthmischen Spiele und ließ als Erster Münzen prägen, und zwar mit dem Bild eines Stieres. Zusammen mit Herakles unternahm er einen Kriegszug gegen die Amazonen, wo er die Amazone Hippolyte als seine Frau heimführte. Diese fielen anschließend aber in Attika ein, sodaß Theseus durch Vermittlung seiner Frau Hippolyte Frieden mit ihnen schließen mußte. Nach Berichten anderer vernichtete er die Amazonen am Areopag, wobei seine Frau den Tod fand. Er heiratete daraufhin die Phaidra, die bekannt ist durch die inzestuöse Liebschaft zu ihrem Stiefsohn Hippolytos, den sie, als er ihre Liebe nicht erwiderte, bei Theseus verleumdete und sich erhängte. Mit dem Adrastos zog er gegen die Thebaner und erreichte, daß die dort im letzten Kriegszug Gefallenen ehrenvoll bestattet werden durften. Bei der Hochzeit seines Freundes Peirithoos, des Königs der Lapithen, kämpfte er mit ihm gegen die Kentauren, schloß dann aber Freundschaft mit ihnen. Daraufhin zogen er und Peirithoos nach Sparta und raubten die junge Helena. Der Versuch, für Peirithoos die Persephone zu rauben, mißlang. Peirithoos wurde dem Kerberos vorgeworfen und Theseus im Hades an einen Felsen gefesselt. Diese Gelegenheit benutzten die spartanischen Dioskuren, um einen Kriegszug nach Attika zu machen und ihre Schwester Helena zu befreien. Erst Herakles gelang es, Theseus aus dem Hades zu befreien.

Weiter wird berichtet, daß er bei der Jagd auf den kalydonischen Eber dabeigewesen sein (Hygin. Fab.; Plutarch) und auch am Argonautenzug teilgenommen haben soll (Hygin. Fab.; Plutarch).

Zunächst hatte Theseus in Athen als gesetzestreuer König geherrscht. Dann aber begann er immer willkürlicher zu herrschen. Als Theseus im Hades festsaß, benutzten sie die Gelegenheit, Menestheus als neuen König einzusetzen. Als Theseus nach seiner Befreiung sah, daß Athen in fremder Hand war, floh er zu Lykomedes auf die Insel Skyros. Es ist möglich, daß Theseus von Lykomedes Unterstützung gegen die Athener verlangte, oder daß Lykomedes sich vor der Tapferkeit und Stärke des Theseus fürchtete, oder daß er dem Menistheus, der inzwischen die Herrschaft über Athen hatte, einen Gefallen tun wollte: er führte jedenfalls Theseus auf einen hohen Berg und stieß ihn von dort in die Tiefe. So starb Theseus. Einige meinten, daß Theseus versucht habe, die Frau des Lykomedes zu verführen. Die Athener haben aber daraufhin den Lykomedes bestraft und hingerichtet.

Um das Schicksal des Theseus machten sich die Athener zu der Zeit keine großen Gedanken. Dann aber soll der Geist des Theseus in der Schlacht von Marathon erschienen sein und das griechische Heer gegen die Perser geführt haben. Das Orakel befahl daraufhin, die Gebeine des Theseus von Skyros zurück nach Athen zu bringen. Das geschah unter Kimon um 475 v.Chr. Von da an wurde Theseus als großer Held verehrt und ihm wurden am 8.Tag jedes Monats Opfer gebracht, besonders aber im Monat [i]Pyanepsion[/b], das ist Oktober/November. Ihm zu Ehren wurde ein Theseion errichtet, wobei das heute noch erhaltene wahrscheinlich ein Hephaisteion ist.

Trotzdem behaupteten einige, daß er zur Strafe für die Hilfe bei der Entführung der Persephone durch Peirithoos für ewig auf einem glühenden Felsen sitzen müsse (Vergil Aen.VI).

Theseus hatte mehrere Frauen und viele Liebschaften, von denen zahlreiche Kinder stammten. Seine rechtmäßige Frau war die Amazone Hippolyte (oder Antiope). Von ihr hatte er den Sohn Hippolytos (oder Demophoon). Nach ihrem Tode heiratete er die Phaidra, die Schwester der Ariadne, von der er den Demophoon und den Athamas hatte. Nach ihr soll er die Periboia, die Mutter des Ajax, geheiratet haben. Von der Perigone, der Tochter des Sinis, hatte er den Melanippos, von der Ariadne den Oenopion und den Staphyloos. Mit der Helena, die er auch zur Frau gehabt haben soll, hatte er die Iphigenia. Liebschaften hatte er weiter mit der Aigle, der Tochter des Panopeus, und anderen.

Von Hesiod gab es ein Gedicht über die Höllenfahrt des Theseus.Tragödien gab es von Sophokles und von Euripides. Diese sind alle, wie auch die Theseis des Kodros, verloren gegangen.

Hinzugefügt habe ich
(1) ein Bild des Reliefs, auf dem Theseus den Felsen anhebt, unter dem das Schwert und die
Sandalen liegen. Hinter ihm steht seine Mutter Aithra (Terracotta Campana Relief, 100
v.Chr. - 100 n.Chr., gefunden in Cerveteri, heute im British ´Museum)

(2) Das Bild einer extrem seltenen Münze des Commodus aus Troizen mit demselben Motiv:
Argolis, Troizen, Commodus, 177-192
AE 22, 8.85g
Av.: M AVR ..KOMODOC..
Belorbeerter Kopf des Commodus n.r.
Rv.: TROIZH - NIWN
Theseus, nackt, n.r. stehend, hebt den Felsen bei Troizen, darunter Schwert und
Sandalen seines Vaters Aigeus
Ref.: BCD Peloponnesos 1341; Borrell in NC 1844, 3
Pedigree:
ex coll. BCD
ex CNG Electronic Auction 81, Lot 2890.

(3) ein Bild dieses Motivs von Nicolas Poussin (1594-1665), wie der klassizistische Barock es
sah.

(wird fortgesetzt)
Dateianhänge
nikaia_commodus_RecGen274.jpg
campana_relief.jpg
troizen_commodos_BCDPeloponnesos1341.jpg
poussin_theseus.jpg
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Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitragvon Peter43 » So 08.06.14 12:32

(Fortsetzung)

3. Hintergrund:
Die Sagen um Theseus wurden im Laufe der Zeit immer weiter ausgeschmückt. Insbesondere wurden viele ältere Sagen inkorporiert, damit Theseus mit den Heraklessagen mithalten konnte. Deshalb gibt es viele Teile, die sich unterscheiden oder gar widersprechen. Aber das gilt ja auch für viele andere griechischen Mythologien, wie wir gesehen haben.

Die oben dargestellte Version stammt überwiegend von Plutarch und stellt damit eine sehr späte Fassung dar. Die Mythologie selbst ist erheblich älter. Bereits Homer kennt Theseus. In der Ilias kommen der Kentaurenkampf (Il. I, 265) und die Helena-Entführung (Il. III, 144) vor. Die Ariadne-Geschichte und die Unterwelt-Fahrt gibt es in der Odyssee (Od. XI, 321ff., bzw. Od. XI, 631), obwohl einige meinen, daß es spätere athenische Einschiebungen seien. Hippolytos war ursprünglich eine troizenische Dämonengestalt, der Kampf mit Pallas eine örtliche Sonderform der Gigantomachia. Vielleicht war Theseus ein alter pan-ionischer Heros, der möglicherweise auch aus verschiedenen Heldengestalten hervorgegangen war. Denn eigenartigerweise stammen die ältesten Zeugnisse, z.B. Schreine, nicht aus Athen. Die Athener, denen das auch aufgefallen war, erklärten es damit, daß Theseus als Dank für die Rettung aus dem Hades, diese dem Herakles überlassen hatte.

Ein Anstieg der Theseus-Darstellungen findet sich eigentlich erst im letzten Jahrzehnt des 6. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit werden der Mythologie auch seine Jugendtaten hinzugeführt. Es wird angenommen, daß in dieser Zeit die verlorengegangene (hypothetische?) Theseis entstanden ist. Auffallend ist, daß jetzt aus dem alten wilden Kämpfer ein Vorkämpfer des athenischen Rechts wird. Ein Großteil seiner Heldentaten ist also ziemlich jung und stammt aus der Zeit, in der in Athen politische Unruhen herrschten, in der Tyrannen und Aristokraten um die Macht kämpften (Fürstenberg).

Die geschilderte Kämpfe hatten sicherlich eine politische Bedeutung. Skiron war eigentlich ein megaritischer Lokalheros, der wohl nicht unabsichtlich zu einem Wegelagerer herabgewürdigt wurde, denn die Peisistratiden hatten ein großes Interesse an der Megaris (Herter, in Pauly). Ähnlich war es mit dem Eleusier Kerkyron, der aber erst nach dem Sturz des Hippias dem Theseuszyklus hinzugefügt wurde. Nach dem Sturz der Tyrannen stieg Theseus auf zum athenischen Nationalhelden. Die jetzt herrschenden Aristokraten wollten anknüpfen an die heroische Vorzeit des mykenischen Zeitalters. Aber immer blieb Theseus der Held der Polis, nicht der einer politischen Partei (Parker).

Ob die Kretafahrt und die Tötung des Minotaurus auf die Ablösung der alten mykenischen Oberhoheit hinweist, ist möglich, sollte aber nur mit Vorsicht gesehen werdenj (Roscher).

Theseus und Herakles:
Auf meiner Münze trägt Theseus einen Löwenskalp auf dem Kopf. Damit wird deutlich gemacht, daß die Athener ihn als athenischen Herakles sahen. Und so wurde auch die Mythologie des Theseus der des Herakles parallelisiert:
Er trägt eine Keule (die des Periphetes) wie Herakles.
Auf dem Weg nach Athen tötet er verschiedene Straßenräuber.
Er tötet die krommyonische Sau.
Er besiegt den marathonischen Stier.
Er zieht zusammen mit Herakles gegen die Amazonen.
Er kämpft zusammen mit Herakles gegen die Kentauren.
Er nimmt wie Herakles teil am Argonautenzug.
Wie Herakles geht er in die Unterwelt.
Als Parallele zu den 12 Arbeiten des Herakles gab es von Theseus einen Kanon von 7 Taten.

Aber es gibt Unterschiede:
Er wird immer jugendlicher dargestellt als der bärtige Herakles. Seine Haare seien vorne kurz, hinten aber lang gewesen (eine frühe Form des "Vokuhila", die nach ihm [i]Theseis[/b] genannt wurde!). Selbst seine Keule ist schmaler und zierlicher. Stets handelt Theseus überlegter als der aufbrausende Herakles. So stiftet er Frieden mit den Amazonen und mit den Kentauren. Er ist nicht der Haudrauf-Typ wie Herakles. Und dann wird er endlich als Begründer der athenischen Demokratie gefeiert. Von Herakles ist eine politische Betätigung nicht bekannt. Herakles war eigentlich der göttliche Heros der dorischen Spartaner, Theseus hingegen ist der ionisch-attischer Held (und war niemals ein Gott). Dieser Unterschied zwischen Dorernj und Ioniern wurde von den Athenern genau so empfunden und betont, besonders natürlich in den peloponesischen Kriegen.

Warum diese Theseus-Münze aus Nikaia?
Plutarch (Vita Theseus, 26) zitiert einen Bericht des Demosthenes Menekrates in dessen Geschichte der Stadt Nikaia, daß sich Theseus mit Antiope an Bord seines Schiffes einige Zeit in dieser Region aufgehalten habe, womit er beweisen wollte, daß diese Stadt durch Theseus gegründet worden sei. Damit betonten die Nikaier ihre attisch-ionische Herkunft. Waddington allerdings meint, daß die singuläre Propagierung eines heraklesähnlichen Theseus in diesem Fall wohl eher mit der Heraklesverehrung des Commodus erklärt werden kann. So war Theseus als Ktistes auf der großen Inschrift vom Lefke-Tor unerwähnt geblieben.

5. Kunstgeschichte:
Während von den epischen Dichtungen nur wenig erhalten ist, werden die Taten des Theseus in der Vasenmalerei vielfach gerühmt. Wir sehen ihn, wie Minos seinen Ring ins Meer wirft, um ihn zu testen. Auf der Schale des Onesimos befindet er sich in der Gesellschaft von Athene bei Amphitrite (495 v.Chr., heute im Louvre/Paris). Auf einer Amphora des Taleides ersticht er den Minotauros (um 530 v.Chr., Metropolitan Museum of Art/New York). Auf einem Wandgemälde in Pompeji wird er gezeigt, wie ihm die geretteten Kinder Hände und Füße küssen. Ein Wandgemälde aus Herculaneum zeigt die auf dem Strand von Naxos erwachende Ariadne, die auf den davonsegelnden Theseus deutet (heute im Britischen Museum). Auf der berühmte Francois-Vase des Kleitos wird die Rückkehr der Kinder gefeiert (um 570 v.Chr., Museo Archeologico/Florenz). Sämtliche Taten des Theseus (der ganze Theseus-Kanon) findet sich im Innenbild einer Schale des Kodros-Malers (British Museum). Dann werden die Taten des Theseus auf den Metopenreliefs vom Schatzhaus der Athener in Delphi und des Hephaistostempel (des sog. Theseion) auf der Agora in Athen geschildert und den Taten des Herakles gegenübergestellt. Manchmal wird das berühmte Standbild des Diadumenos' von Polyklet fälschlicherweise als Theseus bezeichnet.

Theseus hat auch spätere Künstler noch beschäftigt: So wollte Bocaccio ein Theseusepos schreiben, daß dann aber eher zu einer sentimalen Liebesgeschichte geworden sein soll (Ich selbst habe es nicht gelesen!). Shakespeares "Sommernachtstraum" behandelt die Hochzeit des Theseus mit Ariadne.1946 schrieb Andre Gide seine Erzählung "Thesee" über die Möglichkeiten der Selbstverwirklichung (Gerhard Fink). Gemälde mit Motiven der Theseussage gibt es von Carpaccio ("Hippolytos vor Theseus", vor 1525, Paris), Rubens ("Amazonenschlacht", um 1615, München) oder Nicolas Poussin ("Theseus entdeckt die Waffen seines Vaters", um 1630-35, Chantilly). Von Antonio Canova gibt es eine Statue "Theseus erschlägt einen Kentauren", 1804-1819 (jetzt in Wien)

6. Literatur:

Quellen:
(1) Homer, Ilias
(2) Homer, Odyssee
(3) Apollodor, Bibliotheke
(4) Pausanias, Reisen in Griechenland
(5) Plutarch, Theseus (und Romulus)
(6) Hyginus, Fabulae
(7) Ovid, Metamorphosen
(8) Vergil, Aeneis

Sekundärliteratur:
(1) Benjamin Hederich, Gründliches mythologisches Lexikon, Facsimile
(2) Wilhelm Heinrich Roscher, online
(3) Robert von Ranke-Graves, Griechische Mythologie, rororo
(4) Der Kleine Pauly
(5) Paul Kerenyi, Die Mythologie der Griechen, Band II: Die Heroen-Geschichten, dtv
(6) Aghion/Barbillon/Lissarrague, Lexikon der antiken Götter und Heroen in der Kunst, Reclam
(7) Michael Fürstenberg, Theseus als Nationalheld der Athener, Studienarbeit 2003
(8) Hans Herter, Theseus (in Paulys Realenzyklopädie der classischen
Altertumswissenschaften, Supplementband XIII)
(9) Robert Parker, Athenian Religion. A History, Oxford 1996
(10) Henry J. Walker, Theseus and Athens, Oxford 1995

Online:
(1) Wikipedia
(2) http://www.theoi.com:
http://www.theoi.com/Text/PlutarchTheseus.html
http://www.theoi.com/Ther/Minotauros.html

Hinzugefügt habe ich
(1) ein Bild des wunderschönen Wandbilds aus Herculaneum, das ich oben erwähnt
habe.
(2) ein Bild des sog. Theseus-Tempels, der tatsächlich aber der Tempel deds Hephaistos ist.
Er gilt als der am besten erhaltene Tempel der griechischen Antike.

Mit freundlichem Gruß
Dateianhänge
herculaneum_wandgemälde.jpg
Theseustempel Athen.jpg
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Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitragvon Peter43 » So 08.06.14 12:34

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Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitragvon Peter43 » Mo 09.06.14 11:58

Rhodope und das Kaninchen - Eine Schönheit aus Markianopolis

Diesen Artikel hatte ich dem Mythologie-Ergänzungsband als ein Superadditum hinzugefügt. Ich möchte ihn aber den übrigen Mitgliedern des Forums nicht vorenthalten.

Es handelt sich dabei um eine Münze, die nicht nur wegen ihrer Schönheit auffällt, sondern auch durch ihren interessanten Hintergrund.

Die Münze:
Moesia inferior, Markianopolis, Macrinus & Diadumenian, 217-218
AE - AE 27, 13.58g, 26.91mm, 45°
geprägt unter dem Statthalter P. Furius Pontianus
Av.: AV K OPPEL CEVH MAKREINOC
darunter in 3 Zeilen:
KM OPPEL AN / TWNINOC DI / ADOVMH
die sich gegenüberstehenden Köpfe des  Diadumenian, barhäuptig, n.r., und des Macrinus,   
belorbeert, n.l.
Rv.: VP PONTIAN - OV MARKIAN / OPOLITWN
Weibliche Figur, in langem gegürteten Chiton, Haare hinten in Knoten gebunden, sitzt auf Felsen n.l., hält in der vorgestreckten Rechten  Zweige mit
Blättern (oder Blumen?), lehnt mit  dem li. Arm auf Felsquelle, aus der Wasser strömt; re. unten ein Hase n.r.
im li. Feld E
Ref.: a) AMNG I/1, 755, Taf. XVIII, 8 (1 Ex., Bukarest, aber Hase nicht erwähnt!)
b) Varbanov (engl.) 1265            
  c) Hristova/Jekov (2012) No. 6.24.5.3 (diese Münze)

Die Rückseite hatte uns zunächst eine Reihe von Rätseln aufgegeben. Wir sehen eine weibliche Figur in langem Doppelchiton n.l. sitzen, die mit dem li. Arm auf einer Felsquelle lehnt, aus der Wasser strömt, und die in der vorgestreckten Rechten Zweige mit Blättern (oder Blumen?) hält.

Wer ist die dargestellte weiblichen Figur? Pick, ein sehr kluger und gewissenhafter Wissenschaftler, von dem das Standardwerk über die nordgriechischen Münzen stammt, schreibt 1898: Berggöttin, Stadtgöttin, Gaia? Der große Eckhel diskutiert Rhodope, eine mythologische Prinzessin, nach der der Gebirgszug der Rhodopen benannt ist. Die kann es aber nicht sein, da sie dann eine Krone tragen müßte(?).

Die unten dargestellte Münze zeigt die Abbildung aus Seguin, Sel. Numismata, 1684, p. 150. Antoninus Pius aus Philippopolis, Varbanov (engl.) 706. Sie trägt auf der Rückseite quer über das Feld den Namen RODOPI.

Nach einer längeren Diskussion im Internetforum mit Numismatikern und Kunsthistorikern haben wir uns darauf geeinigt, daß es sich um eine geographische Personifikation, wohl um die Personifikation der Provinz Moesien handelt, das auch deshalb, weil es diese Darstellung auch aus Nikopolis gibt.

Mir ist dann aufgefallen, daß re. unten am Felsen die langen Ohren eines Hasen zu sehen sind, was bisher noch niemand bemerkt hatte. Was hat der Hase mit Moesien zu tun? Nichts! Aber es gab eine römische Provinz, die als Symbol das Kaninchen hatte. Das war Spanien! Kaninchen waren im antiken Spanien so zahlreich, daß sie nach Plinius sogar die Innenstädte untergraben haben (Stevenson).

Münze:
Hadrian, 117-138
AR – Denar, 3.48g, 225°
Rom, ca. 132
Av.: HADRIANVS – AVG COS III PP
Bloßer Kopf n.r
Rv.: HISPANIA
Hispania, drapiert, lehnt n.l., hält in der erhobenen Rechten Olivenzweig und stützt li. Arm
auf Felsen; hinter ihr Kaninchen n. r.
Ref.: RIC II, 306; C. 834; BMCR 849 var. (belorbeerte Büste)

Dieser Denar des Hadrian zeigt auf der Rs. die Darstellung der HISPANIA, der Personifizierung der Provinz Spanien. Und re. unten sind die Langohren des Kaninchens zu sehen! Diese Rs. kann das Vorbild der Münze aus Markianopolis gewesen sein. Die nach links sitzende Personifikation ist eine Standarddarstellung. Man kann also annehmen, daß die Stempelschneider eine Reihe von Vorlagen besaßen, nach denen sie die Münzen schnitten. Als die Personifikation einer Provinz gebraucht wurde, zog der Graveur die Darstellung der HISPANIA hervor, ohne das Kaninchen zu beachten, das hier fehl am Platze war (Curtis Clay).

Der Fairneß wegen: Auf S. 194, Anm. 4, schreibt bereits Pick, daß dieser Typ an einige Darstellungen der Provinzen auf den bekannten Münzen des Hadrians erinnert, z.B. an die Hispania.

Als die Phönizier um 1100 v.Chr. Spanien entdeckten, hielten sie die Kaninchen, die sie nicht kannten, für Klippschliefer in ihrer Heimat. Diese hießen auf phönikisch 'shaban' und deshalb nannten sie Spanien nach ihnen 'i-shapan', Küste der Klippschliefer. Daraus machten die Römer dann HISPANIA. Spanien, Espagna, ist also 'das Land der Kaninchen', eigentlich 'das Land der Klippschliefer'!

Unten sieht man das Bild eines Klippschliefers (Procavia caspensis) aus Südafrika. Es stammt von Wikipedia. Der Klippschliefer ist übrigens kein Nagetier, sondern ein Verwandter des – Elefanten!

Pat Lawrence war begeistert von meiner Münze. Als Ausdruck meiner Reverenz möchte ich hier anfügen, was sie zu dieser Münze schrieb:
These coins always remind me of lines from my early
youth:
And the nymphs of the fountains
Descend from the mountains
Like elegant willows
On their deep barouche pillows
Edith Sitwell, Façade, Waltz (set to music by the very young William Walton)
The classical tradition is so strong in everything we know (my generation at least); Sitwell toured the USA performing Façade in 1950, and everyone in my art school also had the 10" vinyl LP recording of it (still have it).


Das Gemälde von Roger Eliot Fry zeigt das Portrait von Edith Sitwell (1887-1964), der englischen Avantgarde-Dichterin.

Quellen:
(1) Plinius, Naturgeschichte
(2) Pierre Seguin, Selecta Numismata Antiqua, Paris,
1665
(3) Joseph Hilarius Eckhel, Doctrina numorum
veterum,  Wien 1792-98
(4) Bernhard Pick, AMNG Bd.I
(5) Stevenson, Dictionary of Roman Coins
(6) Wikipedia

Die vollständige Diskussion kann übrigens hier nachgelesen werden:
http://www.forumancientcoins.com/board/ ... ic=25011.0

Die hinzugefügten Bilder zeigen:
(1) die Münze aus Markianopolis
(2) Münze aus Seguin
(3) den Denar des Hadrian
(4) einen Klippschliefer
(5) das Portrait von Edith Sitwell

Mit freundlichem Gruß
Dateianhänge
markianopolis_macrinus&diadum_HrJ(2012)6.24.5.jpg
Seguin.jpg
Hadrian_306.jpg
Klippschliefer.jpg
Edith Sitwell.jpg
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Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitragvon Peter43 » Mo 09.06.14 12:02

Die Ichthyo-Kentauren

Diese Münze habe ich bereits einmal im Mythologiethread vorgestellt, aber unter der falschen Bestimmung des Seeungeheuers als Skylla, die ich damals vom Verkäufer übernommen hatte. Jetzt konnte ich die Bestimmung korrigieren: Es handelt sich tatsächlich um einen Ichthyo-Kentauren. Ich muß zu meiner Schande gestehen, daß ich bis dahin von diesen mythologischen Wesen nichts gehört hatte. Es scheint nach meiner Kenntnis die einzige Münze zu sein, die dieses mythologische Wesen abbildet.

Die Münze:
Bithynien, Nikomedeia, Plautilla, 202-211
AE 20, 3.17g, 19.94mm, 225°
Av.: FOV PLAV - TILLA CEBA / CTH.
Büste, drapiert, n.r.
Rv.: NEIKOMHDEW - N / DIC NEWKO / RWN
Weiblicher Ichthyo-Kentaur, diademiert, nackt, mit Vorderfüßen eines Pferdes und
einem schlangenförmigen Fischschwanz, auf Wellen n. l. reitend; hält Ruder über der li.
Schulter und in der vorgestreckten Rechten unbekanntes Objekt (Delphin?)
Ref.: Gen. Rec. 253 var. (hat nur CEBA); Lindgren 172
sehr selten, S/S+, dunkle, fast schwarze Patina
Anm.: Rec. Gen. schreibt "Monstre marin, ayant un corps de femme".

Mythologie:
Wikipedia spricht von 2 Ichthyo-Kentauren, den Zwillingen Aphros und Bythos. Aber sie kommen in weit größerer Zahl vor. Auch gibt es nicht nur männliche, sondern auch weibliche, wie wir auf dieser Münze sehen..Das ist bei den anderen Kentauren eigentlich selten. Es sind Seeungeheuer mit einem menschlichen Oberkörper, einem schlangenförmigen Fischschwanz und Pferdevorderfüßen. Oft sehen sie aus wie gehörnt. Das sind dann in der Regel Krebsscheren auf ihren Köpfen. Manche tragen Kronen. Es gibt sie auch geflügelt, wobei die Flügel manchmal aus Tang und anderen Meerespflanzen bestehen. Während die gewöhnlichen Hippo-Kentauren, mit Ausnahme des weisen Cheiron und wenigen anderen, in der Regel sehr rauflustige Gesellen sind, oft mit einer Keule bewaffnet, sind die Ichthyo-Kentauren ziemlich friedfertige Wesen, was man auch daran erkennen kann, daß sie oft ein Musikinstrument wie eine Lyra oder Auloi mit sich tragen. Aber so wie die Hippo-Kentauren hinter den Nymphen her waren, verfolgten sie die Nereiden.

Andererseits glaubte man, daß sie sehr viel Wert auf ihre Familie und ihre Freunde legten. Sie konnten unter Wasser atmen und mit großer Schnelligkeit schwimmen. Ihre Beziehung zu den Nereiden ermöglichte ihnen jahrhundertealt zu werden, da sie von ihnen immer vor kommenden Gefahren gewarnt wurden. Sie konnten unter Wasser mit allen Lebewesen kommunizieren, die dort lebten.

Die bekanntesten Ichthyo-Kentauren sind die Zwillinge Aphros (= Meerschaum) und Bythos (= Meerestiefe). Ihre Eltern sollen der Titan Kronos und die Nymphe Philyra sein, eine Tochter des Okeanos. Kronos hatte sich ihr in der Gestalt eines Pferdes genähert, um seine Untreue seiner Gemahlin Rhea zu verbergen, und mit ihr den Cheiron gezeugt. Als Philyra ihren Sprößling zum erstenmal sah, war sie so entsetzt über seine Mißgestalt, daß sie Zeus bat, sich in eine Linde verwandeln zu dürfen, was er ihr gewährte. Diese Mythologie ist auf Aphros und Bythos übertragen worden, so daß sie jetzt zu den Brüdern des Cheiron wurden. Sie werden aber üblicherweise als dessen Halbbrüder bezeichnet. Hier scheint die Mythologie etwas durcheinanderzugehen. Das kennen wir ja auch von anderen antiken Mythologien. Der Grund sind zeitliche und lokale Veränderungen. Es gab für sie ja keinen einheitlichen Kodex.

Pseudo-Hyginus (Fabulae 197) schreibt, daß die Meerkentauren sich herleiten vom göttlichen Fischgott der syrischen Mythologie, der manchmal als Dagon bezeichnet wird (siehe auch den betreffenden Artikel in diesem Thread) und der Aphrodite/Astarte nach ihrer Geburt im Wasser an den Strand trug. Wenig bekannt ist, das es diese beiden waren, die als Sternzeichen der Fische (Pisces) an den Himmel versetzt wurden.

Etymologie von Afrika:
Der jetzige Name Africa wurde zuerst von Scipio Africanus, dem Eroberer Karthagos, benutzt und bezeichnete ursprünglich nur das Gebiet um Karthago und Utica, in dem das libysche Volk der Afri lebte. Diese behaupteten von Aphros abzustammen und nannten sich deshalb Aphroi (lat. Afri). Nach dem Sieg über Karthago 146 v.Chr. wurde der Name Africa von den Römern als Africa proconsularis ausgedehnt bis an die Grenze von Ägypten. Der Kontinent selbst hieß damals Libyen.

Nach Georgios Kedrenos, einem byzantinischen Geschichtsschreiber des 11. bzw. 12. Jh., der in seiner Weltchronik auch über die Etymologie der Afri geschrieben hatte, war Aphros der Gatte der Astynome und zeugte mit ihr Aphrodite. Aphros und Aphrodite haben natürlich dieselbe Etymologie (griech. aphros = Schaum). Astynome selbst stammte von der "Insel" Lakeria, was aber nichts anderes ist als die thessalische Stadt Lakereia auf Magnesia, wo auch Cheiron und Philyra zu Hause sind. Dies alles ist eine für die afrikanische Etymologie umgemodelte Angabe (Paulys Realenzyklopädie). Hier scheint auch die Quelle zu liegen für die Mythologie, daß Aphros der Sohn von Kronos und Philyra und damit ein Bruder des Cheiron sei.

Kunstgeschichte:
Die ersten Darstellungen von Ichthyo-Kentauren finden wir unter Skopas (um 420 - um 330 v.Chr.), dem neben Praxiteles wohl bedeutendsten griechischen Bildhauer. Seit Skopas stattete die bildende Kunst der Griechen und Römer die Darstellung des Meeres und seiner Götter mit dieser Gattung der Fischkentauren aus, zu der zahlreiche verschiedene Arten gehörten wie Seeböcke, Seedrachen,Seehirsche, Seelöwen, Seepanther, Hippokampen, Seestiere und -Kälber, See-Elefanten usw. (Roscher)

Bei Claudian (um 370 - nach 404, Hofdichter unter Honorius und Stilicho) reitet Venus auf einem hier Triton genannten Ichthyokentaur über das Meer. Tritonen haben eigentlich keine tierischen Vorderteile und halten in der Regel große Schneckengehäuse und keine Lyren oder Auloi. Man sieht, daß schon in der Antike diese Seeungeheuer nicht klar unterschieden wurden.

Auf einem Mosaik aus Zeugma/Commagene (heute im Museum von Gaziantep/Türkei) mit dem Titel "Die Geburt der Aphrodite" heben die beiden Ichthyo-Kentauren die Muschel mit der Göttin aus dem Meer. Hier sind auch ihre Namen Aphros und Bythos genannt. Es scheint, daß Aphros als Pflegevater der Aphrodite angesehen wurde.

Ein ähnliches Motiv "Die Geburt der Aphrodite Anadyomene" finden wir auf einem Sarkophag der Villa Borghese, aus dem 3.Jh. n.Chr.: 2 Ichthyo-Kentauren halten die Muschelschale, in der Aphrodite kniet, neben sich ein Junge mit Fackel. Unter der Muschel spielen 2 Eroten mit einem kleinen Seedrachen (Ketos) und einem jungen Seelöwen.

Im Grunde genommen ist über die Ichthyo-Kentauren nur wenig bekannt, außer dem, was von den Darstellungen der bildenden Kunst geschlossen werden kann, und einer kurzen Bemerkung im Byzantinischen Lexikon der Suda. Hier wird Aphros beschrieben als 1. König der Karthager, die nach ihm Aphroi heißen. Dies wird bestätigt durch ein Mosaik, daß man in Tunesien bei Karthago gefunden hat, heute im Bardo-Museum in Tunis. Es stellt Poseidon in seinem Wagen dar, der von 2 afrikanischen Seegöttern begleitet wird. Der eine ist Aphros, der andere der doppelschwänzige Triton, der Gott des libyschen Sees Tritonis.

Beide Seegötter erscheinen auch auf einem Paar von gleichartigen Skulpturen (heute im Louvre und in den Vatikanischen Museen) die zeigen, wie sie Satyrn, Genossen des Dionysos, tragen, nachdem seine ganze Gefolgschaft von Lykurg, dem König von Thrakien, ins Meer getrieben worden war.

Von dem Renaissance-Maler Giorgio Vasari (1511-1574), Hofmaler der Medici (von ihm stammt der Begriff "Renaissance"), gibt es ein Gemälde "Die Früchte der Erde werden Saturn gereicht" (1555-1557), heute im Palazzo Vecchi/Florenz, auf dem in einem Detail 2 Ichthyo-Kentauren dargestellt werden, wie sie sich mit Nereiden vergnügen.

Quellen:
- Hesiod, Theogonie
- Apollonius von Rhodos, Argonautika
- Pseudo-Hyginus, Fabulae, online bei theoi.com
- Suda, Byzantine Geek Lexikon, online unter http://www.stoa.org/sol/
- Joannes Tzetzes, ad Lykophron

Literatur:
- William Smith, A Dictionary of Greek and Roman Biography and Mythology, auch online
- Wilhelm Heinrich Roscher, Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie, auch online

Online-Quellen:
- Wikipedia
- theoi.com

Als Anhang habe ich hinzugefügt:
[1] Ein Bild des Mosaiks aus Zeugma/Commagene
[2] Ein Bild des Mosaiks aus dem Bardo-Museum in Tunis
[3] Ein Bild des Sarkophag-Reliefs aus der Villa Borghese
[4] Das Detail aus dem Gemälde von Giorgio Vasari

Mit freundlichem Gruß
Dateianhänge
nikomedeia_plautilla_RecGen253var.jpg
Aphrodite_Zeugma_Commmagene.jpg
Poseidon_Bardo.jpg
Aphrodie_Anadyomene_Villa_Borghese.JPG
Vasari Detail.jpg
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Re: Mythologisch interessante Münzen

Beitragvon Peter43 » Fr 27.02.15 17:01

Heute möchte ich über eine Münze schreiben, die im Gegensatz zu allen anderen in diesem Thread leider nicht aus meiner Sammlung stammt. Sie war in der Auktion mit einem Schätzwert von €50.- angegeben, schoß dann aber unerwarteterweise auf €450.- + Gebühren hoch, was mein Gebot weit überstieg.

Otreus und Aineas

Die Münze:
Phrygien, Otros, Geta als Caesar, 193-209
AE - AE 26, 9.41g
geprägt unter dem Asiarchen Alexandros
Av.: ΠO.CEΠ - ΓETAC K
Büste, drapiert und cürassiert, von hinten gesehen, barhäuptig, n.r.
Rv.: AΛEΞAN - ΔP - OC OTPOHN - ΩN (im re. Feld)
im li. Feld in 2 Zeilen von unten nach oben ACIAP / X ANE[Θ?]
Otreus, nackt bis auf Chlamys über der li. Schulter, frontal stehend, Kopf n.r.,
steht mit dem re. Fuß auf einer Prora, hält im li. Arm einen Speer und weist mit
der erhobenen Rechten n.l.
Ref.: cf. von Aulock Phrygiens I, 829-32; cf. SNG von Aulock 3906
cf. Barclay V. Head, Catalogue of the Greek Coins of Phrygia, London 1906,
p.343, 11/12
Möglicherweise unpubliziert
Naumann Numismatik, Auction 47, Lot 340, 9.10.16
Dort falsch beschrieben und mit falschen Referenzen!

Erläuterungen:
(1) Otros (lat. Otrus), heute Yanikören, war eine der 5 Städte der Phrygischen Pentapolis (die anderen waren Eukarpia, Hierapolis, Stektorion und Brouzos) auf der eukarpischen Ebene bei Sandikli und kann ihren Namen Otros nach einer Emigration von Otroia am askanischen See in Bithynien bekommen haben, das nach Strabo (XII, 266) von Otreus gegründet worden sein soll, dem König von Phrygien.

(2) AΛEΞANΔPOC ACIAPXHC ANEΘHKE: Dabei handelt es sich um eine Standardformel. Sie bedeutet soviel wie "Der Asiarch Alexandros hat dies (den Éinwohnern von Otros) geschenkt". Dies ist ein Beweis dafür, daß Alexandros diese Münzausgabe aus eigenen Mitteln bezahlt hat.

(3) Asiarch: Einen Asiarchen (wörtlich "Herrscher von Asien") gab es in mehreren Städten der Provinz Asia. Bekannt sind sie aus Mysien (Cyzikos und Pergamon), Phrygien (Laodikeia und Otros), Lydien (Hypaipa und Sardeis) und Ionien (Smyrna, Ephesos und Magnesia). Der Asiarch war ein hoher Beamter und stand wohl dem Provinzlandtag (koinon) vor. Er mußte die Spiele zu Ehren des Kaisers und der Götter anordnen und auf eigene Kosten ausführen. So wird er auch diese Münzausgabe selbst bezahlt haben. Er wurde von der Polis gewählt, mußte aber vom römischen Proconsul bestätigt werden. In der Wissenschaft wird darum gestritten, ob der Asiarch mit dem Archiereus (dem Hohepriester der Provinz Asia) identisch war, deren Amt ebenfalls mit dem Kaiserkult verbunden war. Die traditionelle Auffassung bejaht dies. (Wikipedia)

(4) Die Darstellung auf der Rs. ist bekannt von Münzen aus Sidon und Tyros, auf denen Kadmos genauso dargestellt wird. Demnach zeigt der Heros nach vorne und dreht sich nach hinten, um seine Gefährten aufzufordern, ihm zu folgen. Die Annahme, daß es sich dabei um Aineas handelt, der sich von Troja einschifft, wurde von Head, Imhoof-Blumer, von Aulock und Carrington zurückgewiesen. Sie identifizierten die dargestellte Figur mit Otreus. Es scheint sich also um eine Auswanderungssage zu handeln. Ramsey nimmt an, daß ein Teil der Siedler aus Griechenland kam, ein anderer aus Bithynien (Otreia). Bereits den alten Griechen war bekannt, daß die Thraker und die Phrygier verwandt sind.
Von Fritze/Gaebler haben eine andere Erklärung: Sie meinen, daß Orteus dargestellt wird, wie er sich einschifft, kann auch dadurch erklärt werden, daß er seinen Zug (zusammen mit Mygdon) gegen die Amazonen von der Propontis (dem heutigen Marmarameer) aus unternommen haben muß.

Mythologie:
(1) Abstammung:
Otreus war der Sohn des Dymas, eines Schwagers des Priamos, des Königs von Troja. Dymas war König von Phrygien aus Sangarios und der Vater der unglücklichen Hekabe, der Gattin des Priamos, und des Asios (Hom. Il. 16, 717ff.; Apollod. 3, 147; Hyg. Fab. 91 u.a. Ov. met. 11, 761). Allerdings werden auch Sangarios, Kisseus oder Bioneus als Vater der Hekabe genannt.
Vater des Dymas war Eioneus, ein Sohn des Proteus. Seine Frau (nach Scholia in Euripidem) war Eunoe, eine Tochter des Flußgottes Sangarios, eines Sohns des Okeanos mit Tethys. Homer nannte die Phryger "das Volk des Otreus und des göttlichen Mygdon"

(2) Kampf gegen die Amazonen:
Diese Ereignisse spielten sich eine Generation vor dem Trojanischen Krieg ab. Otreus war damals zusammen mit Mygdon Herrscher über die Phryger. Als die Amazonen ihr Reich angriffen, kam es zu einer Schlacht am Fluß Sangarios. Dieser entspringt in der Nähe von Pessinus in Zentralphrygien, fließt nordwärts über das Plateau von Zentralbithynien und mündet westlich von Herakleia Pontika ins Schwarze Meer. Bei diesem Kampf wurden sie von Priamos unterstützt, und mit ihm zusammen gelang es ihnen, die Amazonen zu besiegen..
Paus. 10, 27, 1 weiß von einem Grabe des Mygdon beim phrygischen Ort Stektorion und bezeugt, daß die Phryger von den Dichtern auch Mygdonen genannt wurden. Vgl. Hor., c. 3, 16, 41
(3) Beistand im Trojanischen Krieg:
Zum Dank für die Hilfe gegen die Amazonen kam Mygdons Sohn Koroibos dem Priamos im Trojanischen Krieg zu Hilfe. Er wurde von Diomedes getötet, als er bei der Plünderung nach dem Fall Trojas Kassandra vor Ajax dem Lokrer beschützen wollte (Homer Il. 3, 184).
Asios, der Onkel des Hektor, war ebenfalls ein Held im Trojanischen Krieg. Nach Homer nahm Apollo die Gestalt des Asios an, um Hektor zum Kampf gegen Patroklos zu bewegen. Nach Dictys Cretensis wurde er von Ajas getötet.

(4) Anchises und Aphrodite:
Die interessanteste Mythologie aber handelt von der Abstammung des Aineas. Nach den Homerischen Hymnen soll Kalykopis, eine Tochter des Otreus, die eigentliche Mutter des Aineas gewesen sein. Kalykopis war bekannt für ihre Schönheit und wurde mit Thoas, dem
Feldherrn des Rhadamantes, dem dieser die Insel Lemnos geschenkt hatte, verheiratet. Ihre Schönheit und das gastfreundschaftliche Verhältnis ihres Vaters zu den Trojanern, bewogen Aphrodite, unter ihrem Namen den Anchises auf dem Berg Ida zu verführen. Sie gebar ihm den Aineas und zog ihn auf. Später enthüllte sie dem Anchises ihr Geheimnis unter dem Siegel der strengsten Verschwiegenheit.
Thoas war bekannt für sein Leierspiel und hieß deshalb auch Kinyras (sem. knr = Leier). Clemens Alexandrinus meint, daß aus diesem Grund die Mutter des Aineas und die Gemahlin des Thoas zu einer Person gemacht worden sind. In diese verliebte sich Dionysos, wobei er bei einem Liebestreffen von Thoas überrascht wurde. Dionysos aber gab ihm Wein zu trinken und machte ihn zum König von Byblos und Zypern. Dadurch gelang es ihm, ihn zu besänftigen. Ja, danach errichtete er seiner Gemahlin sogar Tempel und bestellte Priester für sie (Isaac Newton, Opusc. T III).

Hintergrund:
Die Tradition einer phrygischen Auswanderung von Europa nach Asia minor und dann innerhalb Asia minors selbst, war in der griechischen Literatur verbreitet (Howgego dagegen schreibt: Otreus sei nur zum Gründer von Otros gemacht worden, wegen der Ähnlichkeit des Namens!).
Die Emissionen, die Alexandros (und Nigrinos) wohl um 202 gestiftet hatte, waren so umfangreich, daß Stempelschneider aus 2 unterschiedlichen Werkstätten herangezogen werden mußten (Lindner). Die Kombination der Aineasmünzen mit Otreus, der ja Symmachos des Priamos gewesen war, legt nahe, die Bronzemünzen als Hinweis auf die in mythische Zeiten zurückreichende Bundesgenossenschaft von Otros und Troja, bzw. dessen Nachfolgerin Rom zu werten (Lindner). Es ist dies also weniger als Ausdruck der Zugehörigkeit zum griechischen Kulturraum zu sehen, als viel mehr der Ausdruck für eine enge politische Beziehung zu den Römern. Damit wird die Loyalität der Bürger von Otros gegenüber Rom bis in die heroische Vorzeit zurückprojiziert und als ein ewig währendes Bündnis mythisch überhöht (Lindner).

Kunstgeschichte:
Hinzugefügt habe ich ein Bild von meiner Türkeireise 2011. Es zeigt ein Relief vom Sebasteion in Aphrodisias, das sich heute im dortigen Museum befindet. Dargestellt sind der jugendliche Anchises und Aphrodite. Aphrodite hat einen kleinen Eros auf dem Schoß als Zeichen dafür, daß es sich um ein erotisches Zusammentreffen handelt. Es ist eine nächtliche Szene: Links oben schaut ihnen Selene zu. Dieses Relief gehört zu einer Serie von 3 Bildern, die die Geschichte des Aineas schildern. Das nächste zeigt die Flucht des Aineas aus Troja, das letzte seine Ankunft in Italien.

Quellen:
(1) Apollodor, Bibliotheke
(2) Homer, Ilias
(3) Homer Hymnen
(4) Horaz, Carmina
(5) Hyginus, Fabulae
(6) Ovid, Meamorphosen
(7) Pausanias, Reisen
(8) Dictys Cretensis, Ephemeris belli Troiani
(9) Isaac Newton, Opuscula, Lausanne, 1738

Sekundärliteratur:
(1) Getzel M. Cohen, The Hellenenistic Settlements in Europe, the Islands and Asia
Minor, University of California 1995
(2) Benjamin Hederich, Gründliches mythologisches Lexikon, 1770
(3) Howgego/Heuchert/Burnett, Coinage and Identity in the Roman Provinces, Oxford
University Press 2006
(4) Ruth Lindner, Mythos und Identität - Studien zur Selbstdarstellung kleinasiatischer
Städte in der römischen Kaiserzeit, Stuttgart 1994
(5) Der Kleine Pauly, dtv 1979
(6) W. M. Ramsay, The Historical Geography of Asia Minor, London 1890
(7) Wilhelm Heinrich Roscher, Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen
Mythologie, Leipzig 1884
(8) Von Fritze/Gaebler, Untersuchungen auf dem Gebiete der antiken Münzkunde, 1974

Online-Quellen:
(1) Wikipedia

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