Mythologisch interessante Münzen

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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Beitragvon chinamul » Fr 02.12.05 14:29

Peter43 hat geschrieben:Also ran an die Tastatur und raus mit den Texten und Bildern!

Das sagt sich so leicht, aber erstens bist du als unser "Chefmythologe" längst in Sphären entschwebt, die es einem nicht immer leicht machen, dir noch zu folgen. Und zweitens gebricht es selbst deinen durchaus interessierten Münzfreunden ja vielleicht an geeignetem Material in den eigenen Sammlungen. Ich jedenfalls habe diesbezüglich mein Pulver bis auf unbedeutende Reste verschossen.
Beim Besuch des Pergamonaltars (kein Berlinaufenthalt ohne Besuch des Pergamonmuseums) kommen mir jedesmal dieselben Gedanken wie beim Ishtartor: Die Barbarei im Umgang mit Schätzen, die der ganzen Menschheit gehören, treibt einem wirklich das Wasser in die Augen. Das gilt nicht nur für die Unbedarftheit, mit der man antiken Marmor als Baustoff verwendet hat, sondern auch und vor allem für jeglichen Krieg, der neben Menschenleben immer auch Teile eines unersetzbaren universalen Kulturerbes vernichtet.
Man kann über die Verbringung von Altertümern aus Nahost nach Mitteleuropa denken wie man will: Es ist nun einmal eine unbestreitbare Tatsache, daß viele Objekte heute nicht mehr vorhanden wären, wenn man sie an Ort und Stelle belassen hätte.
Übrigens: Mir persönlich gibt der Telephosfries mehr als der Gigantenkampf.

Gruß

chinamul
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Beitragvon Peter43 » Fr 02.12.05 16:07

@Chinamul:

Ich kann Dir nur recht geben bei dem, was Du über die sog. 'gestohlenen' Kulturgüter schreibst! Meiner Meinung gehören diese Schätze auch nicht einer einzigen Nation, sondern der ganzen Welt, zumindestens dem kulturell interessierten Teil von ihr. Deshalb bin ich persönlich auch gegen die Rückgabe all dieser Kulturgüter nur aus politischer Korrektheit. Man braucht nur daran zu denken, was nach dem Irakkrieg in Bagdad und den Ausgrabungsstätten geschehen ist!

Leider hatte ich noch nicht das Glück, den Pergamonaltar besuchen zu können. So muß ich mich mit Bildern aus dem Internet (und aus Büchern) begnügen.

Mfg
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Beitragvon richard55-47 » Fr 02.12.05 16:57

Der Westen war über die Taliban empört, die aus Fanatismus die zwei Buddha-Statuen gesprengt haben. In Kriegszeiten nimmt keiner, auch die Westler nicht, Rücksicht aufs Weltkulturerbe. Verschiedene Motive, gleiche Wirkung.
do ut des.
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Beitragvon Peter43 » Mi 07.12.05 02:57

Ma-Enyo - die archaische Kriegsgöttin

Ich weiß, die Münze ist in keinem sehr guten Zustand, vielleicht S/fast SS. Aber ich hatte noch nie etwas von Ma-Enyo gehört und es interessierte mich, dem nachzugehen. Man sieht, die griechische Mythologie ist 'ein Faß ohne Boden'. Auf jeden Fall erschöpft sie sich nicht in den bekannten 12 Olympiern, wie ich hoffentlich zeigen konnte.

1. Münze
Septimius Severus 193-211 n.Chr.
AE 29
geprägt im Jahr 172 von Komana = 205/6 n.Chr.
Av.: AY KL CEΠ CEOYEPOC
Büste, drapiert und cürassiert, belorbeert, n.r.
Rv.: IEP KAICA KOMANE
viersäuliger Temple, darin Statue der Ma-Enyo mit Strahlenkrone und
Keule auf einer Säule
BMC 3; GIC 2156
S/fast SS

Komana Pontica, zum Unterschied zum kappadokischen Komana, durch das es gegründet wurde, am Iris. Hieß unter den Römern Hierocaesareia.

2. Mythologie
Enyo, eine der 3 Graien, der greisen Göttinnen, Töchter des Phorkys und der Keto. Sie kamen bereits mit weißem Haar zur Welt. Sie heißen auch Phorkyaden, wie ihre Schwestern, die Moiren, die ebenfalls greise Göttinnen waren. Hesiod kannte noch zwei: Pemphredo, mit dem schönen Gewand, und Enyo, mit dem Safrangewand. Er hebt auch ihr schönes Antlitz hervor. Enyo ist ein kriegerischer Name, sie war die Städtezerstörerin. Pemphredo heißt Wespe. Später kam noch Deino, die Furchtbare, hinzu. Es heißt, sie hatten nur ein einziges gemeinsames Auge und einen einzigen gemeinsamen Zahn. Wo sie wohnten, schien weder Sonne noch Mond. Es sei eine Höhle am Eingang zum Lande der Gorgonen gewesen, die sie bewachten. Perseus stahl ihnen das Auge und zwang sie zum Verraten des Weges, um die Gorgo Medusa zu besiegen.

3. Hintergrund
Ma, usprünglich appelative Lallbenennung der prähellenischen Erd- und Muttergöttin, schon in der mykenischen Religion verwendet. Kleinasien belegt Ma namentlich in Phrygien, Lydien und Karien. Eigenständiger Kult im kappadokischen und pontischen Komana mit den Merkmalen der Stadtgöttin und Hetärenherrin (Tempelstaat mit 6000 Hierodulen). Trotz vielfacher Überlagerung des alt-anatolischen Habitus, des Austauschs mit Gestalten wie Kybele, Hipta, Artemis Anaitis und der Entfaltung ekstatischer Riten bewahrte Ma einen genuinen martialischen Wesenszug. Als Enyo bildete sie eine Gegenfigur zu Ares-Enyalios; sie wurde von den Römern seit Sulla und Catilina ihrer siegverleihenden Macht wegen verehrt und der Bellona gleichgesetzt. Daher galten die kleinasiatischen Amazonen als kämpferische Totendämonen der pontisch-anatolischen Ma-Artemis-Anaitis.

Ares war immer der wilde Kriegsgott, der tötete um des Tötens willen. Die Griechen verachteten ihn eigentlich, was z.B. bei Homer deutlich wird. Doch das ist eine andere Geschichte...

Quellen:
Der kleine Pauly
Karl Kerenyi, griechische Göttersagen

Mit freundlichem Gruß
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Beitragvon chinamul » Mi 07.12.05 13:47

Vulcanus (griech. Hephaistos)

Als Sohn von Jupiter und Juno (bzw. von Zeus und Hera) war Vulcanus-Hephaistos der Gott des Feuers und der Schmiedekunst, der unter der Erde seinem Handwerk nachging, was sich mitunter auch an der Erdoberfläche durch Vulkanausbrüche bemerkbar machte. Unter anderem schmiedete er die Donnerkeile (bzw. die Blitzbündel oder fulmina), mit denen sein Vater Jupiter im Zorn zu werfen pflegte. Für Athena hingegen dengelte er einen Helm, und seiner Mutter Juno fertigte er einen goldenen Stuhl, den er so gestaltete, daß sie an ihm festhing, als sie versuchte, sich wieder von ihm zu erheben. Das war von ihm als Strafe gedacht dafür, daß sie ihn als Kind wegen seiner Häßlichkeit aus dem Himmel geworfen hatte. Erst als Bacchus ihn wieder dorthin mitnahm, befreite er Juno aus ihrer mißlichen Lage, aber erst, nachdem sie ihm endlich gestanden hatte, wer sein Vater war, und er wieder unter die Götter aufgenommen worden war.
Bei der Arbeit war Vulcanus immer sehr schlicht gekleidet, meist sogar nur notdürftig in Lumpen gehüllt. Sein einer Fuß war verkrüppelt, weswegen er hinkte und von den anderen Göttern verspottet wurde.
Gern hätte er als Belohnung für seine handwerklichen Dienste an den Göttern die Minerva geheiratet, aber die lehnte dieses Ansinnen ab. So nahm er schließlich Venus zur Frau, die danach zwar etliche Kinder zur Welt brachte, von denen aber keines von ihm gewesen sein soll. Andere Quellen berichten, daß er Aglaia heiratete, eine der Grazien. Aber auch er selbst hatte, was eheliche Treue anbetraf, sehr liberale Vorstellungen und zeugte zahlreiche Kinder mit den unterschiedlichsten Partnerinnen.
Als Gott des Feuers vertrat er ein höchst gefährliches Element, weswegen man seine Heiligtümer meist außerhalb der Städte errichtete.

Abb. 1:
Eine wohl provinziale Statuette des Vulcanus mit seiner typischen spitzen Mütze aus der Sammlung meiner Frau. Zu erkennen ist auch sein verkrüppelter Fuß, und in dem Loch in seiner rechten Faust steckte ursprünglich mit Sicherheit ein Hammer. Wie immer auf seinen Darstellungen ist sein rechter Arm entblößt, so daß er beim Schmieden nicht durch einen Ärmel behindert wurde.

Abb. 2:
VALERIANUS I 253 -260
AR Antoninian Lugdunum ca. 258
Av.: VALERIANVS P F AVG - Drapierte Büste rechts mit Strahlenkrone
Rv.: DEO VOLKANO - Vulcanus in viersäuligem Tempel nach links stehend; in der erhobenen Rechten Hammer, in der Linken Zange; links zu seinen Füßen Amboß
RIC 5; C. 2 - 3,09 g

Abb. 3:
Römische Republik
T. Carisius
AR Denar Rom ca. 45 v. Chr.
Av.: Leicht drapierte Büste der Juno Moneta rechts mit kreuzförmigem Ohrschmuck; am Hinterkopf Haarknoten; im Nacken und an der Schläfe herabfallende Locken
Links: MONETA
Rv.: Werkzeuge zur Münzprägung: in der Mitte Amboß, links Zange mit Griffen nach unten, rechts Hammer mit Stiel nach oben; über dem Amboß Mütze des Vulcanus
Oben im Halbkreis: T • CARISIUS; rundum Lorbeerkranz
Syd. 982 b - 3,70 g
Bei dieser Münze, die ich an anderer Stelle schon einmal vorgestellt habe, steht die Mütze symbolisch für Vulcanus, der damit offenbar nicht nur als Schmied, sondern auch noch als zuständig für die Münzprägung gesehen wurde. Die hier benutzte bedeutungsgeladene pars-pro-toto-Funktion von Kopfbedeckungen ist uns übrigens nicht nur aus der Antike geläufig - man denke nur an die Mützen der Dioskuren und die phrygische Freiheitsmütze (Libertas) - , sondern sie ist auch noch in neueren Zeiten durchaus üblich und wird auch verstanden. Als einige von ungezählten Beispielen seien hier genannt die Krone (Monarch bzw. Monarchin), die Jakobinermütze der französischen Revolution als moderne Version der phrygischen Mütze (liberté, die französische Marianne), die Zipfelmütze (der deutsche Michel), die Pickelhaube (Wilhelm II und preußischer Militarismus), das Kopftuch (Islam), Tiara und Mitra (Papst und Bischof) und schließlich in Schillers Wilhelm Tell als absurder Höhepunkt der Identifikation von Kopfbedeckung und Träger der auf einer hohen Stange befestigte Hut des Landvogtes Geßler, dem die Bevölkerung dieselbe Reverenz zu erweisen hatte, als handele es sich um Geßler höchstpersönlich.

Gruß

chinamul
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Beitragvon Pscipio » Mi 07.12.05 14:31

Ich mag den Valerianus, ein nicht gerade häufiges Stück mit interessanter Schreibweise (VOLKANO) auf der Rückseite. Prägestätte ist nicht Lugdunum, wie im RIC angegeben, sondern vermutlich Köln. Die Münze gehört einer späten Emissionen an, was sich denn auch im Porträt zeigt: im Gegensatz zur massigen Erscheinung eines älteren Herrn tritt uns hier ein stark verjüngter Valerianus entgegen. Diese paradoxe stilistische Entwicklung lässt sich bei Prägungen der "gallischen" Münzestätte auch für Gallienus und Salonina nachweisen.

Gruss, Pscipio
Nata vimpi curmi da.
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Beitragvon Peter43 » Do 08.12.05 01:05

Ares, der blutrünstige Schlächter

Im Beitrag zu Ma-Enyo gab es schon einen Hinweis auf Ares. Deshalb schließt sich dieser neue Beitrag sinnvoll an den ersten an. Wichtig ist, sich zu erinnern, daß Ares nichts mit Mars zu tun hat. Überhaupt stimmt die beliebte Identifizierung der römischen Götter mit griechischen Göttern (z.B. Venus = Aphrodite, usw.) mythologisch und kulturhistorisch in keinem Fall!

Als Münze habe ich ein AE28 des Macrinus aus Nikopolis ad Istrum ausgewählt. Es gibt mit Sicherheit schönere Aresbilder auf den Reversen griechischer Münzen. Ich sammle aber nur römische. Deshalb habt Verständnis.

Moesia inferior, Nikopolis ad Istrum, Makrinus 217-218
AE 26, geprägt unter dem Legat Statius Longinus
Av.: AYT K OΠEΛΛ - CEY MAKPEINOC
Büste, cürassiert, belorbeert, n.r.
Rv.: YP CTA ΛONΓINOY NIKOΠOΛITΩN ΠPOC / ICTPON
Ares, mit korinthischem Helm, steht n.l., stützt die re. Hand auf
Schild auf dem Boden, hält umgekehrten Speer in der li. Hand
Pick 1742; SNG München 440; Moushmov 1219
fast SS

Ares, griech. Gott des Krieges, Inbegriff des blutigen Schlachtenmords und des wütenden Kampfgetümmels. Sein Name hat verschiedene, dem wild-elementaren Charakter seines Wirkens entsprechende Deutungen erfahren: der "Schreíer", der "Ungestüme". Überzeugender stellt ihn P. Kretschmer als "Schädiger, Strafer, Rächer" zu griech. are, aros. Damit ergibt sich die appellativische Bezeichnung einer personenhaft zunächst nicht fest bestimmten dämonischen Schadensmacht. Als Bestätigung gelten die Schwurgötterformeln des arkadischen Synoikismosvertrages zwischen Erchomenos und Euaimon, wo Ares bzw. Areia als regelrechtes Appellativ zu den Namen des Zeus, der Athene und des Enyalios tritt. Die Etymologie Kretschmers verwendet M.P.Nilssn für seine These, Ares sei eigentlich nur die Personifikation des mörderischen Kampfes. Dafür soll ferner sprechen, daß Ares bei Homer geradezu mit "Schlacht, Morden" synonym sein kann und im Gefolge personifizierter Begriffe wie Eris, Deimos und Phobos auftritt.

Demgegenüber ist festzuhalten, daß der homerische Ares durchaus personenhafte, lebendige Züge trägt: er schreit, von Diomedes verwundet, wie 10000 Männer; er bedeckt im Fallen 7 Plethren, und während er sich im Staub wälzt, umklirren ihn die Waffen. Er ist stürmisch, der schnellste der Götter, unersättlich im Kampf; die gewaltige Lanze und der Streitwagen mit dem goldgeschirrten Rossegespann kennzeichnen seine Funktion. Zu diesem scharf umrissenen Bild stimmt der Umstand, daß bereits die Knossos-Tafeln den Gott Ares belegen (A-re).

Andererseits ist die Antipathie des homerischen Dichters gegenüber Ares unverkennbar: er nennt ihn rasend, verderblich und wankelmütig, gesetzlos und verräterisch, den Menschenschlächter, der als einziger von den Göttern sich dazu erniedrigt, die Sterblichen mit eigener Hand hinzumorden und den die Gefallenen mit ihrem Blut sättigen. Macht Ares schon in den burlesken Episoden mit Aphrodite im Netz des Hephaistos und als Gefangener der Aloaden im ehernen Kessel keine glänzende Figur, so erhält er bei den Kampfszenen der Ilias eine geradezu abstoßende und unrühmliche Rolle zugewiesen. In den ständigen Niederlagen des ungezügelt wütenden Berserkers gegen de mit überlegendem Verstand handelnden Athene spiegelt sich die Abneigung der Griechen gegen die sinnlose Kriegsfurie barbarisch-roher Fremdvölker.

Das Odium des dämonisch-unheimlichen Fremdgottes haftet dem Riesen Ares auch als Sohn des Zeus und der Hera und Mitglied der olympischen Familie noch an. Seine Herkunft aus dem barbarischen Thrakien ist hinreichend bezeugt; dieses hieß sogar nach ihm Areia, und so hat D.Detschew auch für seinen Namen eine Ableitung aus dem Thrakischen erwogen. Zudem ist der karische Schlachtdämon Enyeus-Enyalios, der Genosse der kriegerischen Potnia Ma-Enyo und ebenfalls schon für mykenische Zeit nachweisbar, bereits in der IIias mit dem Thraker Ares verschmolzen und kann synonym für ihn stehen. Der Ares Enyalios repräsentiert demnach wohl die vor dem Aufkommen des Reiterkriegertums im 17./16.Jh. vollzogene Fusion eines bronzezeitlichen mediterranen Lanzengottes mit dem Kriegsdämon der thrakisch beeinflußten mykenischen Streitwagenkultur. Die ursprüngliche Verbundenheit mit einer übergeordneten weiblichen Gottheit (Enyo) wurde bei Ares teils in die Sohnbeziehung zu der streitbaren Hera, teils in die Waffen-, Liebes- und Kulturgemeinschaft mit der vorderasiatischen Aphrodite übertragen.

Der notorischen Kulturarmut des Gottes im griechischen Mutterland steht die große Zahl hellenenfeindlicher Stämme und Einzelgestalten gegenüber, die sich auf Ares zurückführen. So unternahmen vom athenischen Ares-Hügel (Areopag) aus, mit dem sich der Thraker unterhalb der auf der Burg thronenden Rivalin Athene begnügen mußte, zu Theseus' Zeiten die Amazonen ihren Angriff auf die Akropolis. Das genealogische Band zwischen Ares, dem Vater der Penthesilea und den kleinasiatischen, auf troischer Seite kämpfenden Amazonen, hat seine Entsprechung im Ares-Kult der kriegerischen Argiverinnen unter Telesilla und der tegeatischen Frauen unter Mapessa. Die Eigenschaft eines 'theos gynaikon' und die besonders in Böotien bemerkbare Berührung mit weiblichen Wesen der unterweltlichen Sphäre und der drachengestaltigen 'peloria' haben Anlaß gegeben, eine erdhaft-chthonische Funktion des Ares als primär anzusetzen. Darauf fußend hat neuerdings van Windekens den Namen zu griech. arsen, lat. ros usw. gestellt und als "Befruchter" gedeutet. Beachtenswert bleiben in diesem Zusammenhang die zweifellos chthonischen Hundeopfer in Makedonien und Karien für den Gott, dessen thrakische Epiklese 'Kandaon' jedenfalls als "Hundswürger" zu fassen und dem mäonischen Kandaules an die Seite zu stellen ist.

Epiklese = Anrufung eines Gottes, wichtiger Bestandteil eines Gebetes

(Der kleine Pauly)

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Beitragvon Peter43 » Mi 14.12.05 02:57

Hermes - der Grenzgänger

Eigentlich habe ich Hermes immer als einen langweiligen Gott betrachtet. Das lag an den meist eintönigen Darstellungen auf Münzen. Er steht da regelmäßig mit dem Caduceus in der einen und einer Geldbörse in der anderen Hand. Deshalb war ich neugierig, weil Hermes hier einmal in einer etwas anderen Stellung zu sehen ist, und - bemerkenswert - mit einem Fuß auf einem Steinhaufen steht. Wieder treffen wir auf den eigenartigen Steinkult, der uns bereits mehrfach beschäftigt hat.

Moesia inferior, Nikopolis ad Istrum, Gordian III. 238-244 n.Chr.
AE - AE 27, 13.43g
geprägt unter dem Legat Sabinius Modestus
Av.: AYT KM ANTN - ΓOPΔIANOC AYΓ
Büste mit Lorbeerkranz, Panzer (darauf Gorgoneion) und Aigis mit erhobenen
Schlangenköpfen rechts.
Rv.: YΠ CAB MOΔECTOY NIKOΠOΛEITΩN ΠPOC ICTPON
Nackter Hermes mit Kerykeion in der Rechten und Geldbeutel in der Linken nach
links stehend, den rechten Fuß auf Felsen gesetzt
Varbanov 3328 (Rs. stempelgleich); AMNG 2056 und Taf. XVI, 23 (Rs. stempelgleich)
fast VZ, sehr seltene Büstenvariante, wunderschöne grün-glänzende Patina
veröffentlicht bei www.wildwinds.com

1. Die Geburt und die Taten des Hermes
Nach Hesiod war Hermes der Sohn des Zeus und der Maia, der Tochter des Atlas. Bereits kurz nach seiner Geburt schlich er aus seiner Wiege und stahl dem Apollo eine Herde edler Kühe. Um Apollo zu täuschen, band er den Kühen Schuhe aus Gras an die Hufen, sodaß der keine Spur fand. Inzwischen hatte er auch die Lyra erfunden. Dazu hatte er über den Rückenschild einer Schildkröte Saiten gespannt. Als er darauf spielte, wurde er von einer Nymphe gehört, die ihn an Apollo verriet. Erst vor Zeus gestand er seine Tat. Apollo war so begeistert von der Lyra, daß er sie gegen die Kuhherde tauschte. Anschließend erfand Hermes die Hirtenflöte aus Schilfrohr. Auch diese tauschte Apollo von ihm ein. Er gab ihm dafür seinen goldenen Hirtenstab. Dies war der Ursprung des Kerykeion (lat. Caduceus), der später zum Heroldsstab wurde. Die Schlangen waren ursprünglich Bänder. Außerdem lehrte er ihn das Weissagen. Er soll das Alphabet erfunden haben, die Astronomie, die Tonleiter und die Kunst des Boxens und Turnens. Wie es einmal gesagt wurde, war er ein richtiger Tausendsassa!

Zeus machte ihn zum Götterboten und gab ihm dazu die geflügelten Schuhe und den Petasus, den Flügelhut (der ursprüngliche geflügelte Götterbote war übrigens Iris!). Er mußte zwischen streitenden Parteien vermitteln und ist deshalb der Schutzgott der Übersetzer (von daher stammt der Begriff Hermeneutik = die Kunst des Dolmetschens, des Auslegens und Erklärens), er war der Schutzgott des fahrendes Volkes, der Kaufleute (und der Diebe!) und des Handels und Wandels (deshalb die Geldbörse). Er begleitete als Psychopompos die Seelen der Verstorbenen in den Hades, und spielte als solcher eine Rolle in der Geschichte von Orpheus und Eurydike.

Eine der berüchtesten Taten des Hermes war sein Mord an dem hundertäugigen Riesen Argos. Zeus war in Liebe zu Io entbrannt. Hera kam dahinter, doch Zeus leugnete seinen Seitensprung. Zum Schutz vor Hera aber verwandelte er Io in eine weiße Kuh. Hera gab sie dem hundertäugigen Riesen Argos zur Bewachung. Als Zeus Hermes losschickte, Io zu befreien, erkannte er, daß dies unmöglich war, weil er immer durch einige Augen des Argos entdeckt worden wäre. Da zauberte er ihn mit einer Flöte in Schlaf, erschlug ihn mit einem Felsen, enthauptete ihn und befreite Io. Hera setzte die Augen des Argos in die Schwanzfedern des Pfaus. Hermes aber wurde wegen dieses Mordes bei den Olympiern angeklagt. Die Götter stimmten jedoch für seine Unschuld, indem sie kleine Steine zu seinen Füßen warfen, sodaß ein Steinhaufen um ihn herum wuchs.

Der britische Wissenschaftler R.F.Willets nennt Hermes "aus vielen Gründen den sympathischsten, den unverständlichsten, den verwirrendsten, den komplexesten, und deshalb den griechischsten aller Götter".

2. Hermes Trismegistos
Während Hermes als einer der frühesten und ursprünglichsten griechischen Götter gilt, erfreute er sich so großer auch nachträglicher Beliebtheit, daß er als Archetyp angesehen werden muß, der zuständig war zwischen Gegensätzen zu vermitteln und diese zu vereinen. Dies läßt schon seine spätere Rolle als Meisterzauberer und Alchemist ahnen, als der er sowohl in Ägypten als auch im Europa der Renaissance galt. Der Ursprung dieser wichtigen Eigenschaften war das Entstehen einer neuen Hermes-Verehrung in Ägypten. Ausgehend von den drei ägyptischen Hauptarchetypen der Göttlichkeit finden wir drei große Formen von Initiationsreligionen, die sich entlang der Mittelmeerküsten ausbreiteten: die Kulte der Muttergöttin Isis, des Opfergotts Osiris und des Weisheitsgotts Hermes, die alle unter verschiedenen Gestalten erschienen. Zum obersten und geheimnisvollsten entwickelte sich Hermes als Trismegistos, der auch als einziger Gott bezeichnet wurde. Er spielte eine wichtige Rolle bei den Gnostikern, aber auch bei bei Raimundus Lullus, Paracelsus, und bei den Mystikern, z.B. Meister Eckhard und Jakob Böhme. Da diese Religion nur für den Eingeweihten war, stammt von daher unser Wort 'hermetisch' für etwas verschlossenenes.

3. Hintergrund
Der Name Hermes wird heute zurückgeführt auf gr. herma, hermaion, Steinhaufen. Diese finden sich auf Kreta und in anderen Regionen Griechnlands. Demnach wäre Hermes die Personifikation eines vielsteinigen Hügelmals bzw. des ursprünglich aus ihm herausragenden monolithischen Pfeilers als Typus des 'Pfahlgötzen' oder des verlebendigten Phallos im Bereich des anikonischen Stein- oder Klotzkults. Von dieser urtümlichen Art von Steinbildern stammen auch die sog. Hermen, die oben mit Büsten versehenen Steinsäulen. Die Entstehung und der primäre Sinn dieser Objekte sind umstritten; so weiß ich auch nicht, ob irgendeine Beziehung zu den Menhiren in der Bretagne oder auf Malta besteht. Immerhin werden, wenn man in Hermes ein Numen des Grenz-, Grab- und Wegsteins sieht, die wichtigen Funktionen des Hüters der Türen und Tore, der Wege und Wanderer, des Grenzgängers und nächtlichen Geleiters, auch in die Totenwelt, darin bereits angesprochen, während die offenbar sekundäre Stimmsteinaetiologie im Zusammenhang mit der Auffassung vom Steinhaufen als Fluch- und Sühnemal wohl zurückweist auf die Verbindung zwischen dem Unterweltsbezug des Hermes und seiner Beseitigung weg- und lebensbedrohender Ungeheur (z.B. als Argeiphontes der Töter des Argos). Als Hirtengott war er der Beschützer der Herden vor wilden Tieren. Die Fürsorge für die Herdentiere, der als Kriophoros ein verlaufenes Schaf zurückträgt, war das Vorbild für den 'Guten Hirten', ein Bild, das dann für Christus übernommen wurde.

Quellen:
Der kleine Pauly
Pseudo-Homerische Hymne auf Hermes
Robert von Ranke-Graves, Griechische Mythologie

Als Bilder habe ich zusätzlich ausgesucht:
1. die berühmte Sokratesherme
2. das Relief des Orpheus und der Eurydike, das Hermes als
Psychopompos zeigt. Es stammt aus der Zeit um 410 v.Chr., das
Original befindet sich im Museo Archaelogico Nazionale in Neapel.

Mit freundlichem Gruß
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Beitragvon Peter43 » So 25.12.05 14:29

Dea Caelestis - die alte Stadtgöttin von Karthago

Wir haben bereits gesehen, daß es auch auf imperialen Römermünzen interessante mythologische Abbildungen gibt (allerdings nicht in der Variationsbreite wie auf Provinzialmünzen!). Hier möchte ich nun eine Münze vorstellen, die immer noch Geheimnisse birgt. Es ist ein Denar von Septimius Severus. Das gleiche Rückseitenmotiv gibt es aber auch für Caracalla!

Septimius Severus 193-211 n.Chr.
AR - Denar, 2.97g
Rome 204 n.Chr.
Av.: SEVERVS - PIVS AVG
belorbeerte Büste n.r., Bart geflochten und Zopf über der Wange (sog. Serapisportrait)
Rv.: INDVLGENTIA AVGG
Dea Caelestis, mit Mauerkrone, Kopf n.r., reitet auf Löwen n.r., hält Zepter und
Blitzbündel. Unter ihr fließ Wasser n.r., das li. aus Felsen entspringt.
IN CARTH im Abschnitt
RIC IV/1, 266; C.222; BMC 335
fast VZ

Zur Münze:
Was viele nicht wissen ist, daß es von dieser Münze vier verschiedene Typen gibt:
a) Göttin hält Zepter und Blitzbündel, Kopf nach vorne
b) Göttin hält Zepter und Blitzbündel, Kopf n.r.
c) Göttin hält Zepter und Trommel
d) Göttin hält nur Trommel
Von diesen Typen sind a) und b) häufig, c) und d) selten. Am seltensten ist d). Nach Hinweis von Curtis Clay gibt es diesen Typ überhaupt nicht!

Bereits der Anlaß, zu dem diese Münze geprägt worden ist, ist nicht ganz klar. Anscheinend hat Septimius, der ja aus Leptis Magna in Nordafrika stammte, eine Reise nach Karthago und Leptis unternommen. Indulgentia wird übersetzt mit 'Nachsicht, Milde, Huld'. In Verbindung mit dem aus dem Felsen fließenden Wasser kann es eine Anspielung sein auf einen Aquaedukt, den er bauen, verbessern oder instandsetzen ließ. Darauf würde sich 'Huld' beziehen. vielleicht hat er auch irgendwelche Wasserabgaben gesenkt oder aufgehoben. Das wäre dann 'Milde' gewesen. Auf jeden Fall wurde nach der Erstedition der Münze nachträglich IN CARTH hinzugefügt, vielleicht weil die Römer sich sonst keinen Reim auf die Darstellung machen konnten. Eine andere Möglichkeit, die man diskutieren könnte, ist, ob nicht das Wasser als Attribut zur Dea Caelestis gehört. Und damit kommen wir zur dargestellten Göttin. Und da geht auch viel durcheinander. Natürlich war die Religion der Römer zu dieser Zeit bereits synkretistisch und viele verschiedene Gottheiten mischten sich zu neuen Gestalten. Hier aber können wir noch trennen.

Erstens muß man sie unterscheiden von der Göttin Dea Syria. Die gehört in den Umkreis von Kybele-Rhea und hat mit unserer Caelestis nichts zu tun. Caelestis ist nämlich nichts anderes als die alte Stadtgöttin von Karthago, mit dem alten Namen Tanut, oder heute richtiger Tinit. Dies hat man aus neu gefundenen Inschriften erschlossen. Das Karthagische als phönizische Schrift kannte nur Konsonanten. Die Göttin wurde TNT geschrieben. Die verbindenden Vokale kennt man jetzt aus dem Griechischen.

Dea Caelestis oder Virgo Caelestis, wie die Römer die karthagische Stadtgöttin nannten, gelangte nach der offiziellen Lesart nach der Eroberung von Karthago durch Evocatio nach Rom. Allerdings ist sie außerhalb Afrikas nicht vor Septimius bezeugt. Deshalb kann das nicht ganz stimmen. Ihr Tempel stand innerhalb des Pomeriums, des heiligen Bezirks, auf dem nördl. Palatin. Ihr Kult stand an der Spitze der Fremdkulte. Hier gab es auch orgiastische Kulthandlungen, wie sie für Tanit üblich waren. Natürlich kam es zu Vermischungen mit ähnlichen Gottheiten, z.B. mit Kybele, die ebenfalls mit Löwen und Trommeln abgebildet wurde. Ein Beitrag über Kybele-Rhea is coming soon. Caelestis ist übrigens nicht zu verwechseln mit dem Adjektiv 'caelestis', das oft Gottheiten beigelegt wurde.

Tinit war neben Baal Hammon die Hauptgöttin Karthagos. Wahrscheinlich stammt sie aus Libyen, weil ihr Name berberische Anklänge hat und in Phönizien keine Belegnachweise gefunden werden. Sie trat im Zuge politisch-religiöser Reformen im 4.Jh. an die Spitze des karthagischen Pantheons, teils uranisch, teils chthonisch, also als Himmels-, Mond-, und
Fruchtbarkeitsgöttin mit den Symbolen Mondsichel, Palme, Taube, Granatapfel usw. Assoziert wurde sie mit Hera und Demeter, hieß auch 'Mutter', war aber ebenso Totengöttin mit Hermes Psychopompos. Ihr sollen Kinderopfer gebracht worden sein. Im Rahmen der punischen Expansion drang ihr Kult nach Sizilien, Sardinien, Malta und Spanien. In den römischen Staatskult selbst wurde sie erst durch Elagabal eingeführt.

Evocatio: Bei den Römern war es früher Sitte, die Götter der feindlichen Stadt zu bitten, anschließend in das siegreiche Rom umzuziehen, wo ihnen dann nach einer feierlichen Prozession ein heiliger Ort zugewiesen wurde. Dadurch sollten die Kräfte der feindlichen Götter Rom zugute kommen.

Quellen:
Der kleine Pauly
Gerhard Fink, Who's who in der antiken Mythologie

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Beitragvon Peter43 » Mo 26.12.05 03:04

Kybele - die große Erdmutter

Ich hatte mich lange gedrückt über Kybele zu schreiben, weil es ein so umfassendes Gebiet ist. Aber jetzt muß ich mal ran! Der Anlaß ist eine neue Münze, ein Denar der Julia Domna, auf der die Kaiserin wohl mit dieser Göttin identifiziert werden soll.

Julia Domna, gestorben 217(?), Gemahlin des Septimius Severus
AR - Denar, 3.6g
geprägt in Roma 198 n.Chr. unter Septimius Severus
Av.: IVLIA - AVGVSTA
drapierte Büste, bloßer Kopf n.r., Haar in 5 horizontalen Wellen,
hinten breiter, den Hinterkopf bedeckender Knoten
Rv.: MA - TER - DEVM
Kybele, reich drapiert, mit Mauerkrone, sitzt n.l., hält in der
ausgestreckten re Hand Zweig, in der li. Zepter; li. Ellbogen ruht auf
einer Trommel, die auf dem Thron steht. Auf jeder Seite des Throns
ein n.l. sitzender Löwe, der hintere nur halb zu sehen.
RIC IV/1, 564; C.123; BMC 54
nicht häufig, gut SS

Kybele, hier Mater Deorum (Mutter der Götter) genannt, sehen wir in einer ihrer Standarddarstellungen. Ihre Attribute sind Mauerkrone, Trommel und die unverzichtbaren Löwen. Es gibt auch Darstellungen, auf denen sie auf einem Löwen reitet, oder wo sie in einer Löwenbiga steht.

Mythologie:
Die Mythologie der Kybele ist sehr umfassend. Deshalb habe ich verschiedene Ansätze gewählt, um sie zu beschreiben, oder wie unser Griechischlehrer einmal gesagt hat, das spricht nur für ihre Vielschichtigkeit, die auch die Gegensätzlichkeit beinhaltet!

Kybele soll aus einem der Steine gewachsen sein, die Deukalion und Pyrrha nach der Sintflut geworfen hatten. Oder ihr Vater war Meon, König in Phrygien und Lydien, ihre Mutter Dindyma. Meon wollte keine Tochter und ließ das Mädchen nach seiner Geburt auf dem Berg Kybelus aussetzen. Dort wurde sie von wilden Tieren aufgezogen, Panther und andere Raubtiere gaben dem Kind ihre Milch, bis einige Hirtinnen die Kleine fanden und zu sich nahmen.
Kybele wuchs zu einer schönen Jungfer heran, hielt sich dabei sittsam und erfand lieber Pfeifen, Trommeln und Cymbeln, die später im Kult der Göttin bedeutsam wurden, außerdem befaßte sie sich mit Heilkunde, besonders zugunsten des Viehs und der Kinder, welche sie mit ihren Worten heilte. Wegen dieses besonderen Verhältnisses nannte man sie „gebirgische Mutter”. Ein enger Freund war Marsyas, ihre Liebe der schöne Attis.
Als Kybele wenig später an den elterlichen Hof heimkehrte, wurde sie erfreut aufgenommen. Man entdeckte aber schon bald an ihr andere Umstände. Meon ließ im Zorn den Attis nebst erwähnten Hirtinnen hinrichten und ihre Leichen unbestattet verwesen.
Kybele begann vor Trauer unsinnig durch das Land rasend, unablässig heulend und Trommeln schlagend und in Begleitung des pfeifenden Marsyas durch das Land zu irren. Auf die beiden traf der Apollo, der Marsyas im musikalischen Wettkampf besiegte und tötete, anschließend zog er mit der Kybele ins Land der Hyperboreer.
Unterdessen litt Phrygien furchtbar, Pest und Teuerung drückte das Land. Man befragte darum das Orakel und vernahm, daß man umgehend die frevlerisch unbestatteten Leichname beerdigen müsse, die Kybele göttlich verehren. Schnell bemühte man sich um solches, mußte aber, da vom Leichnam nichts mehr aufzufinden war, ein Bildnis des Attis in Ehren bestatten. Zu Pessinus errichtete man der Kybele einen prächtigen Tempel, besonders König Midas bemühte sich darum.
Es heißt auch, Attis habe der Kybele nicht die Treue gehalten und die Nymphe Sagaris begehrt, wofür Kybele ihn grausam bestraft habe.
Durch Ovid berühmt ist ihr Zorn auf Atalante und Hippomeneus. Diese Liebenden hatten ihren Gefühlen im Heiligtum der Kybele nachgegeben, wofür die Göttin sie in zwei Löwen verwandelte, die fortan ihren Wagen ziehen mußten (Metamorphosen 10,686-704).
Kybele wurde weithin verehrt, wobei man sie unter vielen Namen anrief: Andirina, Antaia, Asporina, Berecynthia, Cybebe, Daucia, Enthea, Dindymene, Idaea, Maia, Magna mater, Mater Deum, Mygdonia, Pasithea, Pessinuntia, Phasiane, Phrygia, Turrita.

Attis:
Das doppelgeschlechtliche Wesen Agdistis, ein anderer Name der Kybele, zog rasend über das Land und tötete alles, was ihr begegnete. Die Götter berieten sich, und Dionysos erbot sich, die Agdistis zu besänftigen. Das gelang ihm, indem er einer Quelle Wein entspringen ließ. Als Agdistis davon trank, wurde er/sie berauscht und im Schlaf kastrierte er/sie sich (aufgrund einer List des Dionysos) selbst. Aus dem abgetrennten Geschlechtsteil entsproß ein Mandelbaum, von dem die Nana, Tochter des Flusses Sangar, eine Frucht in ihren Busen oder Schoß steckte und davon schwanger wurde. Ihr Kind war der Attis, in den die Agdistis sich verliebte. Attis wollte sich aber mit der Tochter des Königs von Pessinus verheiraten. Eifersüchtig trieb Agdistis ihn dafür in den Wahnsinn und umnachtet kastrierte er sich selbst, wie es seine Vater/Mutter getan hatte.
Der Attis entspricht im Tempeldienst den Eunuchen der Kybele. Diese kastrierten Priester waren die Galli, an deren Spitze der Archigallus stand. Das Selbstentmannen, das mit verzierten Klemmen vollzogen wurde, war römischen Priestern verboten, weshalb der Kult der Megale Meter (griech.) bzw. Magna Mater (lat. Große Mutter) von Nichtrömern geleitet wurde, bis das Verbot von Claudius aufgehoben wurde. Nach ihrer Entmannung trugen die Priester der Kybele bunte weibliche Tracht und Schmuck.
Vom 15. bis 28. März fand ein Frühlingsfest zu Ehren von Kybele und Attis statt, letzterer wurde zum Sonnengott. Im späten Kaiserreich wurde Kybele als kosmische Himmelsmacht angesehen. Zum Bestandteil des Kultes der Kybele gehörte später auch das Taurobolium. Bei diesem Entsühnungsritus setzte sich der Gläubige in eine Grube. Über ihm wurde eine Stier oder Widder geopfert, und das Blut des Opfertieres ergoß sich über ihn.
Das Kultsymbol der Kybele in Pessinius war ein unbearbeiteter schwarzer Meteorstein. Später wurde dieser Stein in den Tempel der Kybele auf dem Palatin in Rom verbracht. Über Abwandlungen des Namens wird der schwarze Stein der Kybele mit dem Stein in der Kaaba zu Mekka in Verbindung gebracht.

Rhea:
Kybele wurde schon früh mit der griechischen Göttin Rhea identifiziert. Diese, eine Tochter des Uranus und der Gaia, war die Frau des Kronos und wurde zur Mutter der Hestia, Demeter, und Hera, des Hades, Poseidon und Zeus. Also eine richtige Göttermutter! Kronos verschlang nach der Geburt alle seine Kinder, weil er Angst hatte, sie würden ihn entmachten. Den kleinen Zeus brachte Rhea nach dem Ratschlag ihrer Eltern Uranus und Gaia auf Kreta zur Welt. Dort, in einer geräumigen Höhle am Idagebirge, beschützt von den Kureten und durch den Lärm, den die Korybanten mit Trommeln und Flöten machten, um sein Säuglingsgeschrei zu übertönen, und versorgt von der Nymphe oder Ziege Amaltheia war er vor seinem gefräßigen Vater Kronos sicher, dem Rhea statt des Säuglings einen in Windeln gewickelten Stein zu schlucken gab. Der lag dem Kronos dann so schwer im Magen, daß er sich von Gaia ein Brechmittel geben ließ und mit dem Stein auch die anderen verschlungenen Kinder wieder ausspie. Diesen Stein stellte Zeus in Delphi auf, als er nach schwerem Kampf den Vater entmachtet und samt den Titanen, die jenem zu Hilfe gekommen waren, in den Tartaros gestürzt hatte.

Hintergrund:
Kybele, kleinasiatische, d.h. vorphrygische Berggöttin mit bätylischem Steinkult im phrygischen Pessinus und zahlreichen Höhlenheiligtümern.; seit dem 7.Jh. v.Chr. Schutzgöttin der lyd. Mermnaden in Sardeis mit Bergkult auf dem s. gelegenen Timolos. Kybele ist die bekannteste Ausformung der altanatolischen, schon prähistorisch nachweisbaren erdhaften Muttergottheit., welche von der einheim. Bevölkerung mit den Lallnamen Ma, Amma oder Nana angerufen wurde. und im Raum Kreta-Kleinasien-Nordsyrien verschiedene Einzelgestalten ausbildete., manifestiert in einer kaum überschaubaren Anzahl lokaler Hypostasen. Als 'Bergmutter' oder 'Göttermutter' dem griech. Pantheon einverleibt, blieb Kybele wesensgleich oder verwandt der mysischen Adrasteia, der hurr.-anatol. Hipta, der Dea Syria Atargatis, der pers.-anatol. Artemis Anaitis, der kilik. Artemis Perasia von Kastabala, schließlich als phryg. MHTER IDAIA der troischen Aineiasmutter Aphrodite und auch der kret.-min. Rhea (Ida hier ein kleinasiatisches und nicht das kretische Gebirge).

Als weitere Variante tritt hinzu der in Attis verkörperte Priestergeliebte der Göttin, der sich, von ihrer Macht überwältigt, entmannt und damit das Phänomen der in Agdistis rudimentär bewahrten Androgynie der Kybele in Erinnerung hält, während er kulturhist. das Urbild der durch Musik, Tanz und blutige Praktiken ekstat. erregten Eunuchendiener der Göttin (Galloi) abgibt. Flöten, Becken, Rasseln und Pauken als Stimulantien hemmungsloser Raserei der Kybele-Diener bezeichnen symbolhaft das Milieu, in dem der Kybele-Attis-Kult sich in hellenistischer Zeit zur Mysterienreligion und mit den Wiedergeburts- bzw. Erinnerungsriten der Taurobolie über die gesamte Welt verbreitet hat.

In Rom, wo sie seit der Überführung ihres Kultsteins aus Pessinus im Jahre 204 v.Chr. beheimatet war, feierte man ihr alljährlich die Megalesia. Die Römer sahen in ihr die Patronin ihrer troischen Vorfahren; die röm. Dichter Lukrez und Catull und Ovid zollten ihrem Dienst Beachtung, wie schon vor ihnen der griech. Epiker Apoll.Rhod. Römische Kaiserinnen ließen sich mit der Magna Mater identifizieren - wie hier auf dieser Münze.

Ihre zeitlose Gestalt überdauerte den Einbruch des Christentums und vermittelte im Rahmen der montanistischen Häresie der frühkirchlchen Marienverehrung gewisse Impulse.

Quellen:
Hederich, Gründliches Mythologisches Lexikon
Gerhard Fink, Who's who in der antiken Mythologie
Der kleine Pauly
wikipedia.org
http://bebis.cidsnet.de/weiterbildung/s ... kybele.htm
http://www.sungaya.de/schwarz/griechen/kybele.htm

Hinzugefügt habe ein Bild der Großen Mutter aus dem Museum aus Neuss, wo ein Taurobolium ausgegraben wurde.

Mit freundlichem Gruß
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julia_domna_564.jpg
kyb1.jpg
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Beitragvon Peter43 » Do 05.01.06 00:00

Men - der anatolische Mondgott

Diesr Beitrag ist schon einmal erschienen im Thread 'Grossbronzen des 3.Jahrhunderts n.Chr.'. Aber vom Thema her gehört er hier in den Mythologiethread. Das Motiv selbst wird wohl allen Feministinnen ein Greuel sein, weil es sich nämlich um den männlichen Mondgott Men handelt!

Julia Domna 193-211 n.Chr., Ehefrau des Septimius Severus
AE 34, 22.61g, Antiochia in Pisidien
Av.: IVLIA A - VGVSTA
drapierte Büste n.r., Haare in 8 horizontalen Wellen bis in den
Nacken, am Hinterkopf zusammengerollt zu einem langen Knoten
Rv.: COL CAE - S ANTIOCH / S-R
Men, drapiert, mit phrygischer Mütze auf dem Kopf, steht frontal,
Kopf n.r., Hörner der Mondsichel über den Schultern, Bänder von
Schultern und Ellbögen herunterhängend, hält Lanze (oder Zepter?)
in der re. Hand, lehnt li. Arm auf Cippus und hält in der li. Hand
Globus mit n.r. gehender Victoria, die Trophäe über die Schulter hält.
Sein li. Fuß steht auf Bucranium, neben seinem re. Fuß ein n.l.
gehender Hahn mit erhobenem Kopf.
SNG BD 1161; SNG France 31123; BMC 32
VF

COL CAES ANTIOCH ist die Colonia Caesaria Antiochia in Pisidien, die in augusteischer Zeit gegründet wurde. Sie bestand bis in die Zeit des Claudius II. Gothicus.
SR steht für Senatus Romanus. Dies wurde seit Septimius Severus für Großbonzen aus Antiochia verwendet.

MHN war ein anatolischer Mondgott. Sein Name entspricht wohl der maskulinen Form von MHNH = Selene. In Hellenistischer Zeit breitete sich seine Verehrung aus von Phrygien über Lydien, Pisidien und ganz Kleinasien bis nach Attika und Athen, wo er als TYPANNOC der Gott der Sklaven war, so wie in Kleinasien - oft zusammen mit der lokalen MHTHP - Stadtbeherrscher und Landeigner. Zahlreiche Inschriften mit Rechtscharakter zeigen MHN mit verschiedenen, nicht immer sicher erklärbaren Epitheta ausgestattet. Dargestellt ist Men gelegentlich reitend, meist aber stehend in phrygischer Tracht, mit Lanze oder Zepter, Hörnerhalbmond und Hahn, auf das Haupt eines Stieres tretend, wie auf dieser Münze. Als synkretistische Gottheit wurde er bald verschmolzen mit Attis, Sabazios, Zeus Dolichenos und Mithras. Zuletzt war er Himmelsgott (MEΓAΣ MEN OYPANIOΣ) und Herr der Unterwelt (MEN KATAXΘONIOΣ), ja sogar der ein und einzige Gott (EIΣ ΘEOΣ). In Antiochia stand ein großes Heiligtum des Men.

Quelle:
Der kleine Pauly

Mit freundlichem Gruß
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antiochia_julia_domna_sng1161.jpg
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Beitragvon Peter43 » Do 05.01.06 00:57

Eine seltsame Darstellung des Asklepios

Heute möchte ich eine Münze vorstellen, bei der die mythologische Bedeutung der Rückseitendarstellung bis heute unklar ist. Wenn irgendjemand einen Einfall hat, und sei er noch so verrückt, würde ich mich freuen, wenn er diesen mitteilen würde! Es ist ein AE28 von Caracalla 197-217 n.Chr. aus Pautalia, dem jugendlichen Portrait nach geprägt ca. 202-205 n.Chr.

Av.: AY KM AYP CEY - ANTΩNINOC
Jugendliche, bartlose Büste, belorbeert, Draperie über der li.
Schulter
Rv.: OYΛΠIAC Π / AYTAΛIA / C in drei Zeilen
Asklepios, bärtig, belorbeert, Kopf n.r., bis zu den Hüften nackt, hält
Schlangenstab im l. Arm, sitzt n.l. zwischen den Flügeln eines
Drachen (oder einer geflügelten Schlange) mit Bart und
Fischschwanz, der in mehreren Windungen nach r. fliegt. Mit der
erhobenen re Hand hält er sich an den Flügeln fest.
Ruzicka 616 var. (nur Rv., Av. hat ander Legende); Mionnet cf. 1084; Moushmov 4235
Sehr selten, gutes SS

Die Büste erinnert stark an Elagabal. Allerdings prägte Pautalia zu seiner Zeit keine Münzen mehr.

Mythologischer Hintergrund:
Mit den in Thrakien üblichen Schlangenkulten kann diese Darstellung nicht in Zusammenhang gebracht werden. Für diese Darstellung gibt es in der gesamten Numismatik keinen Vergleich. Wenn man auch die Münze 'Melquart zu Pferd auf einem geflügelten Hippocamp r. galoppierend' wegen der Ähnlichkeit der Idee zu Vergleichszwecken heranziehen könnte und andererseits auch mit der Nereide auf einem geflügelten Drachen auf dem berühmten Aktaeon-Sarkophag im Louvre vergleichen wollte, so ist es kaum denkbar, daß Pautalia daher das Vorbild für diese Münze bezogen haben kann. Am ehesten möchte ich (d.h. Ruzicka!) diese geflügelte Schlange, mit Asklepios verbunden, in Zusammenhang mit dem Lügenpropheten Alexander von Abonuteichos, wie ihn Lukian nennt (siehe dazu den Beitrag über den Lügenpropheten in diesem Thread!), als Inkarnation des Schlangengottes Glykon betrachten, für welchen Alexander durch seine Gaukeleien und die das ganze Reich sich erstreckende Reklame so viele Gläubige heranzulocken vermochte, daß sogar in der Stadt Abonuteichos Münzen mit der Schlange und der Legende Glykon verausgabt wurde.

Diese Glykon-Ausgabe erfolgte unter Antoninus Pius, während die betreffenden Münzen in Pautalia zuerst unter Marcus erschienen. Das Orakel des Asklepios-Glykon war noch zur Zeit des Marcus und Verus in großer Verehrung, sodaß der Feldherr Severianus es nicht verschmähte dasselbe vor seinem Kampf mit den Parthern zu befragen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß im Asklepieion von Pautalia eine Original-Votivtafel oder die Kopie nach einem Votivbilde einer anderen Kultstätte existiert hat, welche das auf den Münzen wiederholt abgebildete Drachenbild zeigte.

nach: Leon Ruzicka, Die Münzen von Pautalia, Sofia 1933

MfG
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pautalia_caracalla_Ruzicka616var.jpg
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Beitragvon Peter43 » Do 12.01.06 22:37

Der Schwerttanz der Kureten

Heute möchte ich wieder einmal eine mythologisch interessante Münze vorstellen. Ich weiß, ihr Zustand ist höchstens knapp SS, aber dieser Typ in VZ-Erhaltung ist fast nicht erschwinglich. Sie ist sehr selten. Es heißt, es seien vielleicht nur ein Dutzend Münzen bekannt!

Thrakien, Mesambria, Gordian III. und Tranquillina, 241-244 n.Chr.
AE 27, 12.71g
Av.: AVT KM ANT ΓOPΔIANOC AΛ CEB / TPANKVΛΛIN
Die gegenüberstehenden Büsten von Gordian III., drapiert und belorbeert, l., und
Tranquillina, drapiert und diademiert, r.
Rv.: MECAM - BPIANΩN
Zwei Kureten, behelmt, in kurzem Chiton und Schuhen, führen den Pyrrhischen
Tanz auf. Stehen abgewendet, aber schauen sich an, halten jeder einen Rundschild
über den Kopf und schlagen mit Kurzschwertern gegen diese.
SNG Fitzwillam 1560
knappes SS

Diese Münze führt uns zu den großen Schöpfungsmythen der Olympischen Götter. Wie viele andere war auch Zeus ein Sohn der Rhea und des Kronos. Aus Furcht von seinen Kindern abgesetzt zu werden, fraß Kronos seine Kinder auf. Nachdem er sie wieder ausspeien mußte, weil Gaia ihm einen in Windeln gewickelten Stein zu fressen gegeben hatte, floh Rhea mit dem kleinen Zeus nach Kreta, wo sie ihn in einer Höhle im Ida-Gebirge versteckte. Damit Kronos durch das Säuglingsgeschrei nicht den Aufenthaltsort erfahren konnte, führten die Kureten vor der Höhle einen klirrenden Waffentanz mit Schilden und Schwertern auf. So konnte Zeus vor seinem Vater gerettet werden. Woher die Kureten kommen und was sie sind, ist nicht ganz klar. Mal heißt es, sie seien erdgeboren, dann, sie seien Kinder der Rhea oder der Idäischen Daktylen. Normalerweise wird von 2 oder 3 Kureten gesprochen, aber manchmal auch von 9 oder 52! Auf jeden Fall gelten die Kureten seither auch als Helfer in der Schlacht!
In geschichtlichen Zeiten war der Kuretenkult in ganz Griechenlanf bekannt in Verbindung mit dem Kult der Rhea. Seine Zeremonien bestanden hauptsächlich in der Durchführung des Pyrrhischen Tanzes (griech. Pyrrhichen) durch Priester zur Begleitung von Liedern und Flötenmusik, der die ursprünglichen Taten der Kureten nachahmen und in Erinnerung rufen sollte.

Ein Problem entsteht dadurch, daß dieser Tanz stark den Tänzen der Korybanten gleicht. Die Korybanten sind bekannt als die Begleiter der Großen Mutter Kybele. Ursprünglich wurde zwischen diesen genau unterschieden; denn der Tanz der Korybanten war orgiastischer, der der Kureten moderater. Doch mit der Ausbreitung des Kybelekults nach Griechenland vermischten sich beide. Deshalb ist es schwierig zu unterscheiden zwischen den verschiedenen Namen unter denen diese Gottheiten auch erscheinen. Eine plausible Theorie von Georg Kaibel, Göttingen 1901, sieht die Kureten zusammen mit den Korybanten, den Kabiren, den Idäischen Daktylen und Telchinen nur als Namen für die selben Wesenheiten, nur zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten. Kaibel meint, daß sie alle eine phallische Bedeutung hatten, und einst bedeutende primitive Fruchtbarkeitsgötter gewesen seien, die dann herabgesunken seien in eine unbestimmt, untergeordnete Position durch die Entwicklung und Formalisierung der griechischen Religion. So haben sie in geschichtlichen Zeiten nur überlebt als halb göttliche, halb dämonische Wesen, die verehrt wurden in Verbindung zu den verschiedenen Formen der großen Naturgöttin.

Hintergrund
Kureten = 'Jünglinge, Jungkrieger', ein aus primitive männerbündischen Vereinen hoplitisch und musisch-orchestraler Ausrichtung im griech.-kleinasiatischen Bereich dämonisiertes Kollektiv; im bewaffneten Gefolge der vorderasiatischen Muttergöttin das männliche Gegenbild der Amazonen; auf Kreta Begleiter der minoischen Geburtsgöttin Diktynna, Parhedroi der Bergmutter Rhea, Geburtshelfer des Zeus Kretagenes, schützen sie als Parastatai den heiligen Akt durch den apotropäischen Lärm ritueller Waffentänze. Der dikt. Zeushymnos von Palaikastro würdigt sie ausdrücklich in dieser Funktion.; man darf sie darüber hinaus gewiß den 'daimones' gleichsetzen, die der kretische Zeus als 'megistos kouros' auf seinem Zug zur Dikte anführt. Dem fügt sich der Umstand, daß die Kureten auf Kreta als Beschützer ländlicher Fruchtbarkeit und Kultur gelten und offenbar in dieser Eigenschaft unter den Schwurgöttern kretischer Stadtverträge auftreten. Dagegen bezeichnen die Epitheta 'philopaigmones', 'orchesteres' und 'chalkaspides' das kriegerisch-ekstatische Moment der Pyrrhiche bzw. Prylis (zu lyk. prulija = Krieg) und verweisen, wie die bronzenen Schallbecken von Ida auf das Kultmilieu eines wehrhaften kretisch-minoischen Junggottes, den man u.a. auch in Kadmos oder Herakles wiederzufinden meinte. Die Ekstasis bildet eine Brücke zu den dämonischen Flötenspielern und Kulttänzern der kleinasiatischen Kybele, den Korybanten, und anderen artverwandten mythisch-dämonischen Gruppen (Anakes, Daktylen, Dioskuren, Kabiren) mit Initiations- und Expiationscharakter.

Als Zugabe ein Bild der Ideon Andron Höhle am Fuß des Psiloritis auf Kreta, die als ein der Höhlen gilt, in denen Zeus versteckt worden war.
http://www.crete.tournet.gr/Ideon_Andro ... 120-de.jsp

Quellen:
Immisch, Kureten (in Roschers Lexikon)
von Ranke -Graves, Römische Mythologie
Der kleine Pauly, Kureten
Hederich, Curetes
Kerenyi, Die Mythologie der Griechen

Mit freundlichem Gruß
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mesambria_gordian&tranquill_SNGFitz1560.jpg
Ideon-Andron-Höhle.jpg
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Beitragvon Peter43 » Do 19.01.06 23:16

Dionysos als Säugling

Wir hatten hier ja bereits einige Beiträge zu Dionysos. Nun ein weiterer Aspekt: Dionysos als Säugling.

Thrakien, Pautalia, Marcus Aurelius 161-180 n.Chr.
AE 18, sog. Einundeinhalber
Av.: AYT KAI M AYP ANTΩNINOC
Büste, drapiert (und cürassiert?), bloßer Kopf n.r.
Rv.: ΠAYT - AΛIΩ - TΩN
Dionysos als Säugling, sitzt in einer Futterschwinge n.r., halb von rückwärts
gesehen, streckt beide Arme vor, hinter ihm bebänderter Thyrsos.
Ruzicke 60a
Selten (bei Ruzicka nur 1 Specimen), gutes Schön

Nun hatte ich von einer Futterschwinge noch nichts gehört. Deshalb hier die Erklärung: Eine Futter- oder Getreideschwinge ist eine Art von hölzerner Mulde (im Altertum auch geflochten), die dazu diente, die Spreu vom Weizen zu trennen. Das gedroschene, aber noch nicht getrennte Getreide wird mit der Schwinge mehrmals in die Luft geworfen, sodaß der Wind die Spreu wegblasen konnte. So sammeln sich die schwereren Körner in der Schwinge. Lateinisch 'vannus', oder 'vannus mystica' bei den religiösen Prozessionen, griechisch 'liknon', weshalb Dionysos in dieser Darstellung auch 'Dionysos Liknites' genannt wird. Im Demeterkult war es ein Korb mit Erstlingsfrüchten, der z.B. in den Eleusinischen Mysterien eine Rolle spielte. (Apuleius Met. 11). Siehe auch das Bild aus Pompeji!

Der Thyrsos hinter der Schwinge sieht mir hier allerdings mehr aus wie eine Narthexrute des dünnen, innen hohlen Rutenkrautes (Ferula communis), deren Ruten auch zum Züchtigen von Schülern durch Schulmänner Verwendung fanden. Das Innere ist markhaltig und diente als Zunder zum Feuermachen. Prometheus soll das Feuer in einer Narthexrute den Menschen gebracht haben. Aus dieser Narthexrute ist dann der Thyrsos entstanden, eines der Attribute des Dionysos.

Mythologie:

Der erste Dionysos (Ja, erstaunlicherweise gibt es zwei von ihnen!):
Dionysos war nach den Geschichten der Orphiker der Sohn des Zeus und der Persephone. Hera hatte nun zwei Titanen angestiftet, den gerade geborenen Dionysos zu ermorden. Mit weiß gefärbten Gesichter überfielen sie den spielenden Knaben, zerschnitten ihn in 7 Stücke und kochten sie in einem Kessel. Danach begannen sie, es mit Spießen über dem Feuer zu braten. Zeus, angelockt durch den Bratenduft, erschien und trieb sie mit seinen Blitzen wieder in die Unterwelt zurück. Die gekochten Glieder aber wurden zu Asche verbrannt, aus denen der Weinstock entstand, bis auf eines. Zeus nahm es an sich. Es wird gesagt, es sei das Herz gewesen. Darin aber liegt ein Wortspiel. Es heißt, Zeus habe den 'Kradaios Dionysos' der Göttin Hipte zur Pflege anvertraut. Die war eine kleinasiatische Göttin und der Rhea verwandt. "Kradaios ist doppeldeutig, es kann sowohl von kradia 'Herz', aber auch von krade 'Feigenbaum' abgeleitet werden und dann einen Gegenstand aus Feigenholz bedeuten. Der Korb auf dem Kopf (der Demeterpriesterinnen) war ein liknonon, eine Getreideschwinge, in der, wenn sie in festlichem Zug auf dem Kopf herumgetragen wurde, unter den Früchten gewöhnlich ein Phallos lag; ein Gegenstand, den Dionysos selbst aus Feigenholz verfertigt hatte" (Kerenyi, S.201). Der Liknites ('derjenige in der Getreideschwinge') soll von den Dienerinnen des Dionysos immer wieder 'erweckt' worden sein. (ebd.)

Der zweite Dionysos:
Neben diesem Sohn der Persephone gabe es einen zweiten Dionysos, den Sohn der Semele und des Kadmos. In Wahrheit aber war auch er ein Sohn des Zeus, der sich in Semele verliebt hatte. Als Semele Zeus bat, sich ihr in der Gestalt zu nähern, in der er sich auch Hera näherte, besuchte er sie als Blitz und Semele wurde von ihm erschlagen. Zeus rettete das noch unreife Kind aus ihrem Leib und schloß es in seinem eigenen Schenkel ein. Am Berg Nysa wurde es dann von Zeus ein zweites Mal geboren und entweder Hermes oder göttlichen Ammen zur Pflege übergeben.

Beschäftigt man sich näher mit den Mythen des Dionysos, dann stellt man fest, daß es viele Parallelen zum Christentum gibt. Wir finden als zentrales Motiv den Tod und die dann folgende Auferstehung, wir sehen einen Säugling, der bei den Orphikern die Welt retten muß, und wir finden bereits hier die Krippe des Jesuskindes!

Zur Abrundung des Ganzen ein Bild von einem Fries aus der Villa der Mysterien in Pompeji, 50 v.Chr.: Szenen der Weihehandlung der Dionysien.
Eine Frau ist dabei, das verhüllende Tuch über einem geflochtenen Korb, einer Getreideschwinge, zu lüften. In dem Korb befindet sich als Symbol der Fruchtbarkeit ein aufgerichteter, verhüllter Phallus. Der weibliche Dämon daneben, mit ausgebreiteten Flügeln, holt mit einer langen Gerte zu einem Schlag aus.

MfG
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pautalia_Marcus_Aurelius_Ruzicka60a.jpg
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Beitragvon Peter43 » Sa 21.01.06 01:19

Der Argaios - der heilige Berg Kappadokiens

Bestimmt haben viele von euch schon Münzen aus Caesarea gesehen. bei denen die Rückseite heißt 'Mt. Argaios' oder 'Mt. Argaeus'. Hier sind zwei von ihnen:

1) Eine Didrachme, 20.93mm, 6.73g, von Marcus Aurelius 161-180
Av.: AYTOKP ANTΩNEINOC CEB
bloßer Kopf mit lockigem Haar n.r.
Rv.: YΠA - TOC Γ
Mt. Argaeus mit Stern über dem Gipfel
Sear GIC 1661
nicht häufig

2) Ein AE28, 11.67g, von Elagabal 218-222
Av.: AY KM AYPHLI - ANTΩNINOC
Büste, drapiert und cürassiert, belorbeert, n.r.
Rv.: MHTPOΠ [KAICARIA]
Agalma des Argaeus auf Altar
Sydenham 518 var. (Jahr auf Altar)
hübsches naturalistisches Portrait!

Der Argaios (oder Lateinisch 'Argaeus') ist der höchste Berg Kleinasiens. Er ist 3916m hoch, vulkanisch und meistens schneebedeckt. Heute heißt er Erciyes Dagi, und an seinem Fuß lag Caesarea, das ursprüngliche Mazaka, das heutige Kayseri. Der Argaios war ein heiliger Berg bereits zur Zeit der Hethiter, die ihn 'harhara' nannten. Es ist ein sehr beeindruckender Berg wegen seiner gewaltigen Höhe und wegen seiner vulkanischen Aktivitäten. Im Jahr 253 v.Chr. soll ein großer Ausbruch stattgefunden haben, der auf republikanischen Münzen erwähnt sein soll, allerdings habe ich kein Exemplar gefunden. Mazaka war die Hauptstadt der kappadokischen Könige, später die Hauptstadt der römischen Provinz Cappadocia.

Ikonographie:
Die Bilder des Argaios auf Münzen sind sich alle ziemlich ähnlich. Er ist immer dreieckig mit der Spitze nach oben und zusammengesetzt aus Teilen, die an Felsen erinnern. In der Mitte befindet sich meistens ein Kreis, der mit Punkten geschmückt ist. Die Auffassung, daß es sich dabei um eine Blume handelt, gilt heute wohl nicht mehr. Wahrscheinlich ist es eine Höhle, eventuell für eine Kultstatue. Das Bild des Argaios ist regelmäßig umgeben von nadelförmigen Spitzen oder Kegeln. Dies sollen Flammen sein als Symbole seiner vulkanischen Ausbrüche, was durch ähnliche Abbildungen auf anderen Münzen bestätigt wird. Die relative Gleichförmigkeit der Darstellung läßt darauf schließen, daß es sich wohl um die Darstellung eines tatsächlich existierenden Kultbildes handelt, eines sog. Agalma, eines Weihebildes, das man im Tempel aufstellen kann. Diese Theorie wird bestärkt durch die zweite Münze, bei der das Bild des Argaios auf einem Altar steht. Auf dem linken Frontfelsen sieht man einen springenden Hirsch(?), auf dem rechten einen Baum(?). Aber ob das Agalma geschmückt war durch Figuren, die man nach Bedarf dem Kultbild hinzufügen konnte, ist nicht bekannt.

Auf einigen Typen ist über dem Gipfel ein Stern abgebildet, we hier; es gibt Mondsicheln, den strahlengekrönten Sonnengott oder einen Adler. Dann gibt es einen Typ, auf dem der Argaios von einem Mann auf einer Quadriga getragen wird (wahrscheinlich Septimius Severus) oder einen sehr seltenen Typ, auf dem der Argaios auf einem Wagen zu sehen ist, der von zwei Elefanten gezogen wird. Dann ist eine Tyche bekannt, die als Mauerkrone den Argaios auf dem Kopf trägt, und eine Personifikation der Cappadocia, mit dem Argaios in der ausgestreckten Hand.

Interessant (und noch nicht richtig erklärt) ist folgendes: Obwohl der Argaios, wie oben gesagt, seit uralten Zeiten eine große Bedeutung hatte, gibt es aus griechischer Zeit keine Münze mit seiner Erwähnung, abgesehen von der relativ kurzen Zeit zwischen 101 v.Chr. und 17 n.Chr., in der eine Allianz mit Rom bestand. Erst im 1.Jh. n.Chr. erscheinen die Argaiosmünzen. Eine mögliche Erklärung wäre, daß der Kult durch die Römer wiedereingeführt wurde, um die Kappadokier an die römische Trias Jupiter-Helios-Serapis heranzuführen und sie zur Anerkennung eines Summus-Deus-Glaubens zu bringen. (Peter Weiß). Bekannt ist, daß in seinem Namen ein Agon stattfand.

Zur Geschichte.
Kappadokien war bereits zur Zeit der Hethiter (14.Jh. v.Chr.) als zentraler Teil ihres Reiches bedeutend. Ihre Haupstadt Hattusa, nahe dem heutigen Boghazköi, lag nördlich von Caesarea. Unter Kyros II. kam es unter persischen Einfluß, aber da die Entfernung zur persischen Hauptstadt weit war, blieb Kappadokien relativ unabhängig. Das galt auch für die Zeit von Alexander und für die Herrschaft der Antigoniden seit 303 v.Chr. Unter den Römern wurde Archelaos von Marcus Antonius zum König erhoben. 18/19 n.Chr. wurde es unter Tiberius zur römischen Provinz Cappadocia.

Andere Berggötter:
Der heilige Berg Argaios ist nur einer in einer ganzen Serie von Berggöttern. Ein anderer bedeutender Kult z.B. war der des Zeus Kasios, der auch bis zu den Hethitern zurückverfolgt werden kann. Dies war der heilige Berg Hazzi, wo die Götter vom Himmel herabstiegen. Nach Ugaritischer Überlieferung war es der Sitz des Sturm- und Gewittergottes Baal. In griechisch-seleukidischer Zeit verschmolzen diese beiden Gottheiten und parallel zum bedeutenden Baal wurde der frühere Berggott zum Gott Zeus Kasios gemacht, der in Seleukeia Pierias verehrt wurde.

Hinzugefügt habe ich ein Bild des Erciyes Dagi von heute.

Quellen:
http://people.freenet.de/albionworld/re ... s-ref.html
(Hier kann man weitere Referenzen finden!)
http://www.volcano.si.edu/world/volcano ... m=0103-01=
(Von hier habe ich das Bild des Erciyes Dagi!)

MfG
Dateianhänge
caesarea_marc_aurel_Sear1661.jpg
caesarea_elagabal_sydenham518var.jpg
Erciyes Dagi.jpg
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