--- "Der Schaukasten" ---

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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Beitragvon nephrurus » Sa 01.12.07 22:56

chinamul hat geschrieben:Darf ich mich wieder einmal mit einer Bitte an die glücklichen Besitzer einschlägiger Fachliteratur wenden?
Zur folgenden Münze fehlen mir die Verifizierung meiner Lesungen von Av.- und Rv.-Legenden sowie Literaturzitate.

Gordian III & Sarapis
Æ28/29 mm Markianopolis in Moesia Inferior
Av.: AYT K M ANT ΓOPΔIANOC AYΓ (im Abschnitt) - Belorbeerte und drapierte Büste des Gordianus rechts und drapierte Büste des Sarapis links
Rv.: YΠ MHNOΦILOY MAPKIANOΠOLITΩN - Sarapis nach links stehend; die Rechte erhoben, in der Linken schräggehaltenes Zepter
Links im Feld: E (Wertzahl)
Vgl. Mou. 813

Gruß

chinamul


Hallo chinamul,
das ist Varbanov I./2011
Legende ist korrekt und identisch.
Gruß
Torsten
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Beitragvon Peter43 » So 02.12.07 01:41

Hallo Chinamul!

Ganz so einfach ist die Zuteilung einer Referenz zu Deiner Gordian&Serapis-Münze leider nicht!
1. Varbanov (engl.) 2011 kann es nicht sein, da dann AVG ligiert sein müßte (Varbanov Legendentyp B).
2. Die Alternative mit dem unligierten AVG, wie ich es auf Deiner Vs. sehe, wäre Varbanov (engl.) 2012. Kann es leider auch nicht sein, da das zugehörige Bild im Abschnitt nicht AVG (das Ende der Legende), sondern AVT K (den Anfang der Legende) zeigt. Das paßt auch zu dem hier zitierten AMNG I, 1126! Da Varbanov 2011 und 2012 sich nur durch die Vs.-Legende unterscheiden sollen, muß man feststelllen, daß Deine Münze in Varbanov (engl.) nicht enthalten ist!
3. In der Zusammenstellung von Vs. und Rs. Deiner Münze ist Deine Münze in AMNG nicht erhalten. Dort gibt es nur #1126, siehe oben. Wohl aber sind beide Stempel getrennt bekannt. Die Rs. entspricht tatsächlich AMNG I, 1126. Aber die Vs. ist z.B. AMNG I, 1123! Dieses Phänomen ist bei Münzen aus Moesia inferior häufig zu beobachten. Ich gebe dann für Vs. und Rs. eben verschiedene Nummern an.

Nun gibt es aber noch eine neue Monographie über Markianopolis von Hrestova/Jekov. Und tatsächlich, dort ist Deine Münze, zumindestens der Typ, abgebildet. Es ist Hristova/Jekov No.6.37.6.1, S.210, Bild Nr.4. Hier ist die Beschreibung:
Av. AVT KM ANT GORDIANOC, im Abschnitt AVG
Rv. VP MENOF - IL - OV - MARKIANOP, im Abschnitt OLIT
im re Feld WN (ligiert)
im li Feld E
Das WN im re Feld befindet sich direkt neben dem li Bein des Serapis, direkt unter dem Überfall des Himations über dem li Arm. Mit etwas Phantasie kann man das bei Deiner Münze auch erkennen. Hier stimmt jetzt nicht nur die Legende, sondern auch die Legendenaufteilung und andere Details der Legende. Hristova/Jekov geben als Häufigkeit R5 (bis 50 bekannte Ex.) an. Für SS bewerten sie diesen Typ mit €80.-

Mit freundlichem Gruß (und verzeihe mir den Gebrauch der griechischen Umschrift!)
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Beitragvon hjk » So 02.12.07 03:05

@ Peter43:

8O 8O 8O

RESPEKT !!!

:D
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Beitragvon Peter43 » So 02.12.07 03:16

Danke! Ja, manchmal überkommt es mich einfach! Ich hoffe, das macht meine anderen Fehler wieder wett!

Mit freundlichem Gruß
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Beitragvon chinamul » So 02.12.07 14:16

Peter43 hat geschrieben:Ich hoffe, das macht meine anderen Fehler wieder wett!

Welche Fehler sollten das wohl sein? Im Forum bin ich nämlich noch auf keine gestoßen. Auf jeden Fall danke ich Dir herzlich für die Mühe, die Du Dir mal wieder gemacht hast!
Übrigens: Für das Stück, das ich allerdings nur mit "schön" bewerten würde, habe ich bei eBay 20 € (alles inkl.) ausgegeben.

Gruß

chinamul
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Beitragvon Homer J. Simpson » So 02.12.07 14:27

chinamul hat geschrieben:
Peter43 hat geschrieben:Ich hoffe, das macht meine anderen Fehler wieder wett!

Welche Fehler sollten das wohl sein?


Hab' ich auch schon gerätselt.

Viele Grüße,

Homer
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Beitragvon beachcomber » Mi 05.12.07 00:45

hallo,
nachdem das forum wieder läuft (was war eigenlich?), möchte ich euch diesen klasse traian denar vorstellen, der heute aus USA ankam.
ausserdem mit 125 euro ein prima beispiel dafür, dass die preise bei vcoins überhaupt nicht immer so überzogen sind, wie hier neulich angemerkt wurde.
grüsse
frank
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Beitragvon Peter43 » Mi 05.12.07 00:59

Klasse Münze! Dazu habe ich aber eine Frage: Der Gegenstand im li Arm des Kaisers auf der Rückseite wird doch allgemein als Parazonium bezeichnet. Dabei handelt es sich aber um eine Art Dolch, der am Gürtel (para zonium) befestigt ist. Dieser Gegenstand ist aber
1. unverhältnismäßig groß
2. wird nicht wie ein Dolch oder Kurzschwert getragen, und
3. macht auf mich eher den Eindruck eines Behälters für Papierrollen oder Dokumente.

Was meint ihr dazu?

Mit freundlichem Gruß
Omnes vulnerant, ultima necat.
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Beitragvon beachcomber » Mi 05.12.07 01:29

auf dieser münze sieht es wirklich wie eine schriftrolle aus.
da dieses objekt bei virtus ja aber immer auch ein phallisches symbol ist, wird man es mit der grösse wohl nicht so genau nehmen.
grüsse
frank
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Beitragvon drakenumi1 » Mi 05.12.07 09:51

beachcomber hat geschrieben:
da dieses objekt bei virtus ja aber immer auch ein phallisches symbol ist, wird man es mit der grösse wohl nicht so genau nehmen.




Also, diese Deutung gefällt mir tatsächlich wesentlich besser, als das kurze Schwert bzw. der Dolch, am Gürtel getragen. Welche Vorrichtung sollte ihn - und wozu auch - dergestalt aufrecht halten?
Mein Sammlungsexemplar (Händlerkauf, 2003, Berlin, 28.- Euro) zeigt noch ein paar Zentimeter mehr Länge und sicher gibt es noch horrendere geprägte Übertreibungen:

Übrigens gehen die Uhren hier im Forum jetzt wieder mit der MEZ konform. Wohl ein Grund für die "Sendepause" auf diesem Kanal von 24 Stunden. Dank den Verantwortlichen für die Mühen von

drakenumi1
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Denar Traianus C. 274 Av. IMP CAES NER TRAIANO OPTIMO AVG GER DAC..jpg
Denar Traianus C. 274 Rv. PM TRP COS VI PP SPQR. Virtus r. stehd. Fuß a. Helm..jpg
Man kann, was man will, und wenn man sagt, man kann nicht, dann will man auch nicht.
(Baltzer von Platen/a. Rügen)
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Beitragvon Peter43 » Mi 05.12.07 12:03

Habt ihr vergessen, daß Virtus eine Frau ist?
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Beitragvon beachcomber » Mi 05.12.07 12:10

Habt ihr vergessen, daß Virtus eine Frau ist?

ich dachte das geschlecht der/des virtus wäre nicht so klar, und würde mal weiblich, mal männlich dargestellt.
und der name ist doch eindeutig männlich?
grüsse
frank
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Beitragvon chinamul » Mi 05.12.07 13:13

Virtus ist grammatisch trotz der Endung auf -us weiblich, da es einer anderen Deklinationsklasse angehört (also: virtus, virtutis, virtuti, virtutem, virtute, f. und nicht etwa virtus, virti, virto, virtum, virto, m.).
Mithin handelt es sich bei der Abbildung eines eindeutig männlichen Kriegers nicht um einen Grenzgänger zwischen den Geschlechtern, was auch zutiefst unrömisch wäre, sondern um einen besonders typischen Träger der männlichen Tugend der Mannhaftigkeit. Es ist zu vermuten, daß es sich hier einfach um einen Soldaten, den Kaiser oder eventuell bisweilen auch um einen Mars handelt.
Vielleicht sollten wir einmal möglichst viele Münzbeispiele von Parazonien zeigen, um uns auf diesem Wege dem wahren Charakter dieses geheimnisvollen Gegenstandes zu nähern.
Hier ein As des Domitianus, den ich 1959 für umgerechnet knapp 10 € erworben habe.

Gruß

chinamul
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domit as virtus parazonium.jpg
domit as parazon detail.jpg
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Beitragvon Iotapianus » Mi 05.12.07 13:29

Minime vero. virtus wird nicht nach der (fast ausschließlich männlichen) -o-Deklination flektiert, sondern hat einen konsonantischen Stamm; daher der auch auf Münzen gelegentlich zu findende Dativ virtuti. Und es wird eindeutig als Femininum behandelt; auch in den romanischen Sprachen bleibt das so (frz. la vertu, span. la virtud, rum. virtutea). Portugiesisch wirst du selbst wissen.

Iotapianus

Sorry; ich habe nicht gesehen, dass Chinamul mich schon überholt hatte.
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Beitragvon chinamul » Mi 05.12.07 18:00

Diesen sehr seltenen Sesterz habe ich heute mit der Post aus GB erhalten!
Sicher ist er kein Kabinettstück, aber dennoch wohl mehr als ein bloßes Belegexemplar. Mir jedenfalls war er die 91 € wert, die ich dafür bezahlt habe.

Æ Sesterz Rom 194
Av.: L SEPT SEV PERT AVG IMP III - Belorbeerter Kopf rechts
Rv.: DIS AVSPICB (sic! müßte CIB sein) TR P II COS II P P - S C (im Abschnitt) - Links Hercules nach links stehend; die Rechte auf Keule gestützt, über dem linken Unterarm Löwenfell; rechts, ebenfalls nach links stehend, Bacchus mit Oinochoe in der Rechten und Tyrsus in der Linken; zwischen beiden Göttern mit zurückgewandtem Kopf nach links sitzender Panther
RIC 669; C. 119 (21,13 g)

Übrigens: Mit der Formel DI(I)S AVSPICIBVS wird behauptet, daß Septimius Severus durch die Vorsehung der Götter zur Herrschaft gelangt sei. Damit entspricht sie dem modernen DG (Dei Gratia = durch Gottes Gnade), das sich noch heute auf den britischen Münzen findet.

Gruß

chinamul
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sep sev herc bacch.jpg
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