--- "Der Schaukasten" ---

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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Beitragvon chinamul » Di 15.01.08 14:10

Nachdem ich mir jahrelang die Augen ausgeguckt habe nach der zweiten Hälfte einer geteilten Münze, hat mich heute der Postbote erlöst und sie mir endlich gebracht.

Römische Republik
Octavianus (Triumvirat mit Marcus Antonius und Lepidus)
AE Dupondius Vienna 36 v. Chr.
Av.: DIVI • IVLI • (links) - CAESAR• DIVI • F (rechts) • IMP • (oben)
Barhäuptige Köpfe Caesars nach links und Octavians nach rechts voneinander abgewandt
Rv.: Schiffsbug (Prora) mit Mast und Aufbauten nach rechts
Oben im Feld: C • I • V (Colonia Iulia Vienna)
In der Mitte antik geteilt
RIC I (alt) p. 43 ; RPC 517 (8,74 g und 7,45 g)

Die Hälfte mit dem Porträt Caesars habe ich 2001 für umgerechnet € 155 gekauft (Caesarporträts sind eben immer etwas teurer), und heute kam die andere Hälfte mit dem Octavian. Die hat mich bei eBay France allerdings nur € 45 (alles inklusive) gekostet. Für die komplette, wenn auch geteilte Münze habe ich also insgesamt € 200 bezahlt, was ich für durchaus vertretbar halte. Allerdings würde mich auch Eure Meinung hierzu interessieren.
Ich frage mich nun, ob die neue, stärker abgeschliffene Hälfte durch Teilung eines bereits abgenutzten Dupondius entstand, oder ob sie ihre Abnutzung als Fragment erlitten hat. Aber das wird wohl leider kaum zu klären sein.

Gruß

chinamul
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caesar und octavian.jpg
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Beitragvon Chandragupta » Di 15.01.08 14:20

Geldgeschichtlich hochinteressant. :)

Ich bereue es immer noch, mir vor ca. 15 Jahren leider nicht einen mir für 450,- DM angebotenen antik halbierten Doppelsesterz von Traianus Decius gekauft zu haben (es war dessen "Südosthälfte" mit Büste und Kinn, die Teilung ging also von links unten nach rechts oben in der Originalmünze).

Deine Frage ist mit ein bißchen genauem Hingucken doch ganz leicht zu klären: Achte mal auf evtl. Abnutzungsspuren an der Trennstelle der rechten Hälfte. Gerade an diesen Trennstellen fällt jede Abnutzung doch besonders auf.
Numismatische Grüße,

Euer Chandra
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Beitragvon Gast » Di 15.01.08 17:14

Diesmal möcht ich euch ein As des Claudius mit besonders detailreicher Darstellung der für ihn so wichtigen Constantia zeigen.

Claudius I, 50-54n. Chr.
As, Kupfer, 11,82 Gramm, Durchmesser 28mm,

TI CLAUDIUS CAESAR AUG PM TRP IMP PP
Bloßer Kopf des Claudius links
CONSTANTIAE AUGUSTI SC
Behelmte Minerva- Constantia steht nach links,
bekleidet in ein dünnes, bis zu den Knien reichendes Gewand und über dem Rücken hängenden Mantel. Sie hebt die rechte Hand und zeigt mit dem Zeigefinger zum Gesicht. In ihrer linken hält sie Szepter und Speer.

RIC 111

Gruß
Harald
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As Claudius Av.JPG
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Beitragvon curtislclay » Di 15.01.08 17:24

Ein schönes Exemplar!

RIC datiert Claudius' Bronzeprägung von der Münzstätte Rom aber falsch. Richtig ist:

Ohne P P: 25. Januar 41-za. 10. Januar 42.

Mit P P: za. 10 Januar 42-za. 43.
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Beitragvon Gast » Di 15.01.08 17:52

Curtis, ein herzliches Dankeschön für Deine Korrektur der Datierung.
Habe ich nicht gewußt.

Viele Grüße
Harald
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Beitragvon nexram » Di 15.01.08 19:32

@ chinamul

Es ist eigentlich unfassbar, dass es möglich ist, nach 2000 Jahren
zwei getrennt von einander umgelaufene Teile einer Münze wieder zu vereinigen.
Für jemanden wie mich, der bei antiken Münzen immer daran denken muß, wer die wohl alles in der Hand hatte, ist diese Situation natürlich absoluter Wahnsinn.

Ich hätte auch mehr bezahlt.

Gruß

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Beitragvon chinamul » Di 15.01.08 19:42

@nexram

Nur, daß da kein Mißverständnis entsteht: Es sind natürlich nicht die beiden Hälften ein und derselben Münze sondern nur die zweier gleicher Stücke. Alles andere wäre tatsächlich ein Hammer und etwa so wahrscheinlich wie drei Sechser im Lotto in Folge. Aber auch so war es schon ein ziemlich glücklicher Zufall, zumal die beiden Fragmente auch noch von der Form her ganz gut aneinander passen.

Gruß

chinamul
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Beitragvon Homer J. Simpson » Di 15.01.08 19:45

Ich hatte auch mit dem Gedanken gespielt, den dann aber verworfen, da die Schrötlingsgröße und die Form des Schnittes nicht ganz zusammenpassen. Aber es ist wirklich klasse + erstaunlich, wie gut die Hälften passen, sowohl von der Bildergänzung als auch von der Stempeldrehung und Schnittform!

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Beitragvon nexram » Di 15.01.08 19:51

Schade, die Bruchstücke passen so schön zusammen.

Da ist die Phantasie wohl mit mir durchgegangen.

gruß

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Beitragvon Homer J. Simpson » Di 15.01.08 20:11

Naja, der Gedanke liegt natürlich nahe. Man kennt das ja aus irgendeinem ollen Film, wo nachher die Geschwister sich an den beiden Hälften des Amuletts wiedererkennen - irgendwas gab's da mal, erinnere ich mich. Und FAST passen die Stücke ja auch, das finde ich eh erstaunlich.

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ein bissl ot

Beitragvon kollboy » Di 15.01.08 22:47

ein alter topos va in kung-fu-filmen, vgl. einen film von bruce lee (frag mich jetzt bitte nicht, welcher!9, in dem sich die söhne zweier von einem tyrannen ermordeter brüder an den häften eines amulettes erkennen (und dann natürlich zusammen die väter raechen), und gleiches auch in einer folge der Kung-Fu-Serie in den siebzigern mit dem hauptfigur Kwai chung caine und dem bekannten titellied, dessen text ungefaehr begann: everybody was kung u fighting/ their hands were fast as lightning/ although it was a little bit frightning/ they had just expert timing (lt gedaechtnis, nicht sehr vielsagend und sicher mit damaligen verstaendnisfehlern)
ach ja, kindheitserinnerungen...
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Beitragvon Homer J. Simpson » Di 15.01.08 22:57

Grins. Von Carl Douglas, glaube ich. Eins dieser Lieder, die damals Mist waren und heute mit ca. 33 Jahren Abstand immer noch Mist sind. Aber unauslöschlich auf der Festplatte eingebrannt, und der Text dürfte von Dir ziemlich richtig wiedergegeben sein.
Aber ich glaube, das gab's in irgendeinem Orientfilm (1001 Nacht o. so ähnlich) auch schon. Du hast recht, das ist ein Topos.

Viele Grüße,

Homer
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Beitragvon aquilifer » Di 15.01.08 23:14

Nicht nur in Kung-fu-Filmen sondern auch in der Antike in Form von sog. tessera hospitales (besagte zerbrochene Münzen u.ä.), die als Unterpfand und durch Wiederzusammensetzung als Beglaubigungsmittel dienten.
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Beitragvon Oktavenspringer » Di 15.01.08 23:25

Hallo Münzfreunde,

möchte hier auch einmal meine kleine Errungenschaft vorstellen, für die ich vor einem halben Jahr nur wenige EUROS ausgeben musste:

ELAGABALUS, 218-222 AD aus MOESIA INFERIOR, Nikopolis
Vs.: AVT M AVP - ANTWNEINOC, Kopf des Elagabalus mit Lorbeerkranz nach rechts.
Rs: NIKOPOLITWN PPOC ICTPON, Liegende Mondsichel, darüber drei Sterne.
Bronze, AE 16, 2,99 g. Sehr selten. Dunkelgrüne Patina, fast vorzüglich. AMNG - (vgl. 2037)

Davon habe ich bei coinarchives ein stempelgleiches, allerdings auch besser zentriertes Stück finden können:
http://www.coinarchives.com/a/lotviewer ... 22&Lot=811

Freundliche Grüße
Oktavenspringer
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Elagabalus Moesia Inferior Nikopolis.jpg
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Beitragvon Peter43 » Mi 16.01.08 00:34

Diesen Typ habe ich auch. Kann aber auch Caracalla sein! Zudem ist die Rev.-Legende anders: Sie beginnt re oben und hat noch das Pi im Abschnitt.

Es ist u.a. auch Varbanov (engl.) 3831 var. Aber sowohl AMNG als auch Varbanov haben die 3 Sterne innerhalb der Mondsichel. Hier ist noch interessant, daß die Sterne verschieden gestaltet sind. Der mittlere ist der größte! Vielleicht handelt es sich dabei um Septimius Severus und seine beiden Söhne?

Hat mich bei Ebay im Sommer 2006 31.-EUR gekostet.

Mit freundlichem Gruß
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nikopolis_elagabal_Varbanov1081var.jpg
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