--- "Der Schaukasten" ---

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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Beitragvon chinamul » Fr 22.02.08 16:32

Hallo Peter43,
Es sieht tatsächlich nach Typ J aus. Eine Varbanov-Nummer gibt es dann wohl nicht, wenn ich Dich recht verstehe.
Hab dennoch vielen Dank für Deine prompte Hilfe!

Der Lack ist ab!
So kann's gehen, wenn man einem eBay-Bild zu gutgläubig vertraut!
Die etwas unwahrscheinliche Patinafarbe der ziemlich dunklen Abgebotsabbildung (s. erstes Bild) führte ich auf eine fotografische Unzulänglichkeit zurück und ersteigerte den Sesterz für € 51 (alles inkl.). Selbst noch als ich das Stück in Händen hielt, kam mir zunächst noch kein Verdacht. Als ich aber, wie ich es grundsätzlich zu tun pflege, die Münze mit einer weichen Zahnbürste und etwas Spülmittel unter dem Wasserhahn säubern wollte, ging die Patina baden. Zurück blieb ein zwar immer noch recht passables Exemplar dieser nicht ganz häufigen Münze (s. zweites Bild), aber ich hatte mir aufgrund des Angebotsbildes natürlich mehr davon versprochen.

LUCILLA (Lucii Veri 164)
Æ Sesterz Rom
Av.: LVCILLA AVGVSTA - Drapierte Büste rechts (Av. stempelgleich mit Kampmann 40.21)
Rv.: FECVNDITAS S C - Fecunditas (bzw. Lucilla) nach rechts sitzend; auf dem Schoß ein Kleinkind, vor und hinter ihr je ein stehendes Kind mit zu ihr ausgestrecktem Arm
RIC 1736 oder 1738 (Marcus Aurelius); C. 21 oder 23 (25,58 g)

Gruß

chinamul
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Nil tam difficile est, quin quaerendo investigari possit
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Beitragvon beachcomber » Fr 22.02.08 18:45

na ja, eine schöne grüne patina wäre sicher besser gewesen, aber es ist wenigstens immer noch eine 'ehrliche' münze, an der keiner rumgeschnitzt hat!
und 50 euro finde ich auch dafür nicht zuviel.
grüsse
frank
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Beitragvon alexander20 » Sa 23.02.08 12:08

Sehr geehrte Sammlerkollegen,

ich möchte Euch ein Stück meiner Severer- Sammlung vorstellen.
Einen Antoninian des Elagabal mit einem Durchmesser von 23 mm und einem Gewicht von 4,86 gr.
Als ich das Stück erworben hatte, fand ich besonders das Vorderseitenporträt des Elagabal sehr interessant. Man sieht einen auf den ersten Blick symphatischen freundlich lächelnden jungen Mann. Und dies, obwohl Elagabal in die Geschichte einging als ein "exotischer Fremdling, animalischer Psychopath und religiöser Eiferer, oder besser gesagt, als Betriebsunfall des römischen Kaisertums" wie Kissel in seinem Buch " Kaiser zwischen Genie und Wahn " sagt.
Für mich ist das Stück ein schönes Beispiel für Münzpropaganda, für welche ja gerade auch die Severer (man denke nur an die dynastischen Prägungen) bekannt waren.

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Beitragvon Peter43 » Sa 23.02.08 14:21

Hallo Alexander!

Bevor Du die Bilder einstellst, mußt Du sie etwas bearbeiten. Kannst Du die Bilder etwas größer machen? Und schneide auch alles ab, was nicht zur Münze gehört!

Mit freundlichem Gruß
Omnes vulnerant, ultima necat.
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Beitragvon drakenumi1 » Sa 23.02.08 15:15

Die physiognomische Deutung von Kaiserportraits auf ihre tatsächlichen Charakterzüge hin, ist ein sehr interessantes Kapitel. Tatsächlich fragt man sich häufig, wie doch so unterschiedliche Typen innerhalb ganz eng bemessener Zeiträume eines "Kaiserlebens" auf Münzen gefunden werden können. Die Gründe werden mannigfaltig gewesen sein: Schönend, dem Kaiser schmeichelnd, aber auch gewissermaßen strafend.
Bei Elagabal lassen sich auch aus einer kleinen Sammlung die unterschiedlichsten seiner Charakterzüge herausfinden. Am deutlichsten sind wohl seine abnormen Beziehungen zum anderen Geschlecht, seine schockierende Homosexualität, sein Auftreten als Transvestit, sein Bestreben, das eigene Geschlecht zu wechseln, in seine Münzbildnisse eingeflossen. Dafür aus dem nachfolgenden 3er-Block die beiden unteren Beispiele. So verblödet wird er wohl tatsächlich nicht ausgesehen haben. Möglicherweise mehr, wie auf dem obersten Portrait, denkt sich

drakenumi1
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img23906.jpg
Man kann, was man will, und wenn man sagt, man kann nicht, dann will man auch nicht.
(Baltzer von Platen/a. Rügen)
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Beitragvon alexander20 » Sa 23.02.08 17:52

Hallo Peter 43,

ich hoffe, die Bilder sind jetzt etwas besser.

zu drakenumi1:
Ich bin schon der Meinung, dass Elagabal - zumindest am Ende seiner Regierungszeit- genauso ausgesehen hat wie auf Deinen beiden unteren Münzen dargestellt. Gerade in den Porträts des Elagabal spiegelt sich das Leben eines Kaisers, der sich im Laufe seiner Regierungszeit jeglicher erdenklicher Perversion hingegeben hat.

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Beitragvon beachcomber » Sa 23.02.08 18:49

auf grossen bronzen sind die porträt-darstellungen oft realistischer, deshalb hier mal ein elagabalsesterz.
man kann zwar jede menge in das porträt hineinlesen, aber ob elagabal wirklich so schlimm war wie ihn die (christlichen) historiker darstellten, wage ich zu bezweifeln.
grüsse
frank
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Beitragvon pixxer » Sa 23.02.08 18:55

Ob Elagabal wirklich so schlimm war kann ich nicht sagen, schräg war er (vor allem für die damalige Zeit) sicherlich.

Dass Caracalla schlimm gewesen sein muss, zeigt glaub ich dieses Portrait recht gut. Wenn man sich die zornig gerunzelte Stirn ansieht kann man sich denken, dass er kein so angenehmer Zeitgenosse war...

Caracalla
Denar, Rom 213/217
Av.: ANTONINVS PIVS AVG GERM, belorbeerter Kopf rechts.
Rv.: VENVS VICTRIX, Venus mit Helm und Zepter steht links, auf Schild lehnend, zwischen zwei am Boden kauernden Gefangenen.
RIC:312d

Weiß jemand welch geschichtliches Ereignis die Rückseite darstellen soll, mit der damals offenbar Propaganda betrieben wurde?

Lg Pixxer
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Beitragvon Homer J. Simpson » Sa 23.02.08 19:30

Komisch, nä? Wäre doch eigentlich passend für die Hochzeit mit Plautilla, aber die war zehn Jahre vorher. Ein zweites Mal war er meines Wissens nicht verheiratet, er hatte wohl von Plautilla noch die Nase voll. Und irgendeine Liebesaffäre, sofern der olle Kommißkopp Caracalla eine gehabt haben sollte, wäre wohl kaum auf Münzen verewigt worden. Würde mich auch interessieren, was dafür der Grund war. Die Münzen mit dieser Rückseite für Caracalla sind zu häufig, um Hybride mit Rückseiten der Julia Domna darzustellen.

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Beitragvon alexander20 » Sa 23.02.08 19:51

Hallo pixxer,

also bei Kaiser Elagabal ist sich die Geschichtsforschung wohl einig. Für diesen Kaiser gilt ein einhelliges Negativimage. Anders dagegen ist dies bei Kaiser Caracalla. Sicher gehörte auch Caracalla nicht zu den beliebtesten Kaisern, aber immerhin wurde während seiner Regierungszeit die nach ihm benannte "Constitutio Antoniniana" eingeführt, eine überragende Neuerung in der Gesetzgebung, durch welche mit Ausnahme der Sklaven a l l e n Bewohnern des Reiches das römische Bürgerrecht verliehen wurde, das bis dahin nur einer verhältnismäßig kleinen Elite vorbehalten war.

Was die Rückseite Deines Denares betrifft, so bezieht sich diese m.E. auf Caracallas Feldzüge und (propagandistische) Siege in Parthien und Armenien in den Jahren 215 und 216.

Quelle: Michael Grant, Die römischen Kaiser

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Beitragvon alexander20 » Sa 23.02.08 20:11

Hallo beachcomber,

es waren keineswegs die christlichen Geschichtsschreiber, welche das extreme Negativimage Elagabals begründeten. Vielmehr bereits seine eigenen Zeitgenossen und die römischen Geschichtsschreiber haben dieses Image gegründet. Ich habe keine Zweifel, dass Elagabal tatsächlich so war wie er auch beschrieben wird, ein lasterhafter, genusssüchtiger, keiner Perversion abgeneigter Gewaltherrscher. Ich erinnere hier an die auch hier im Forum geführte Diskussion über das "Horn des Elagabal".

alexander20

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Beitragvon pixxer » Sa 23.02.08 20:20

@ alexander20:

Stimmt, Caracalla war zwar sicher brutal und rauhbeinig, aber dennoch soll er ein sehr fähiger Kaiser gewesen sein, der auch positive Neuerungen brachte (nicht zuletzt die Einführung des Antoninians).

Danke für den Hinweis auf die Partherfeldzüge, das könnte passen!

Lg Pixxer
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Beitragvon pixxer » Sa 23.02.08 20:23

@HJS:

Da muss Plautilla ja ein wirklich furchtbarer Besen gewesen sein, dass er deshalb noch Jahre später so ein Gesicht ihretwegen zieht... :twisted:
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Beitragvon Pscipio » Sa 23.02.08 20:37

Generell finde ich es sehr spekulativ, anhand der Münzporträts eines Kaisers auf dessen Charakter und gut-böse Eigenschaften schliessen zu wollen :)

alexander20 hat geschrieben:aber immerhin wurde während seiner Regierungszeit die nach ihm benannte "Constitutio Antoniniana" eingeführt, eine überragende Neuerung in der Gesetzgebung, durch welche mit Ausnahme der Sklaven a l l e n Bewohnern des Reiches das römische Bürgerrecht verliehen wurde, das bis dahin nur einer verhältnismäßig kleinen Elite vorbehalten war.

Das ist nicht ganz richtig, denn die Neuerung war keineswegs völlig revolutionär, sondern nur der Abschluss einer langen Entwicklung. Das Bürgerrecht war schon vorher immer mehr ausgeweitet worden.

Ob die Neuerung für die Entwicklung des Reiches positiv oder doch eher negativ war, darüber streiten sich die Gelehrten.

Gruss, Pscipio
Nata vimpi curmi da.
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Beitragvon alexander20 » Sa 23.02.08 20:51

Hallo pixxer,

Plautilla war keineswegs ein "furchtbarer Besen". Sie war vielmehr gerade mal etwa 14 Jahre alt als sie im Jahre 202 mit Caracalla aus rein politischen Gründen zwangsverheiratet wurde. Bereits im Jahre 205 wurde sie zunächst auf die Insel Lipari verbannt, wo sie dann auf Befehl Caracallas im Jahre 211, also mit gerade mal Anfang 20 ermordet wurde. Ein überaus tragisches Schicksal einer römischen Kaiserin wie ich meine. Es gibt übrigens sehr hübsche Münzen der Plautilla. Ich selbst besitze einige Denare von ihr.


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