Prägezange

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Prägezange

Beitragvon quisquam » Di 13.12.05 18:09

In seinem Buch "Das Münzwesen des Römischen Reiches" schreibt Manfred Beier auf Seite 430:

"Eine römische Erfindung blieb die Prägezange, bei der die Gesenke durch ein Scharnier verbunden waren, womit eine exaktere Stempelstellung zueinander möglich wurde. Die Verwendung der Prägezange ist seit dem frühen 4. Jh. gesichert, ihre Anwendung beschränkte sich aber ausschließlich auf die Ausprägung von Gold; Solidi mit fast völlig zentrischen Geprägen treten ab dieser Zeit gehäuft auf. Auch die Ausprägung von Silber- und Goldmultipla zu Medaillen wird mit Hilfe der Prägezange durchgeführt worden sein."

Das Aussehen und dass offensichtlich auch kupfernes Kleingeld mit solchen Zangen geprägt wurde, zeigt folgender Kupferstich aus John Yonge Akerman, A Manual of Roman Coins, London 1865:
http://www.inumis.com/rome/books/akerman/pl1.html

Die abgebildete Prägezange befindet sich laut Einleitungstext in Paris und wurde zur Ausprägung des ebenfalls abgebildeten reduzierten Follis von Constans verwendet. Man sollte sich nicht von Linksportrait und nach rechts laufender Victoria irritieren lassen, da die Darstellungen spiegelverkehrt sind, was wohl ein Fehler des Kupferstechers ist, der nicht spiegelbildlich graviert hat.

Die Verwendung solcher Prägezangen erklärt für mich überzeugend viele Münzen, die keine Stempeldrehung zeigen und bei denen Vorder- und Rückseite identisch dezentriert sind.

Ich denke, dies ist von Interesse, da wohl praktisch jeder hier im Forum einige Kleinfolles aus dieser Zeit besitzt. Mir gefällt die Vorstellung, dass die Münze im Anhang, Constantius II, RIC VIII Siscia 194, eine solche "Zangengeburt" sein könnte.

Grüsse, Stefan


PS: Es wäre nett, wenn mir jemand den Prägezeitraum nach RIC für diese Münze angibt (347/348?).
Dateianhänge
Constantius II.jpg
Eigentlich sammle ich nicht Münzen, sondern das Wissen darüber.
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Beitragvon chinamul » Di 13.12.05 20:11

Hallo quisquam!

Geprägt 347/348 (laut RIC)

Gruß

chinamul
Nil tam difficile est, quin quaerendo investigari possit
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Beitragvon quisquam » Di 13.12.05 21:11

Danke, dann ist meine Münze tatsächlich genauso zu datieren wie seine ähnlichen, aber leider nicht identischen Geschwister auf wildwinds, sonst hätte ich nicht nachfragen brauchen.

Um zur Prägetechnik zurückzukehren: Mir ist es relativ neu, dass spätrömische Münzen mit Zangen geprägt wurden, auch habe ich mit dem Suchwort "Prägezange" keine alten Threads zu diesem Thema gefunden. Ist dies so wenig bekannt bzw. der Wissensstand darüber so gering?

Grüsse, Stefan
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