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Re: PRESSESPIEGEL "Archäologie und Numismatik"

Beitragvon justus » Do 18.12.14 03:03

Sorry, leider etwas verspätet aber dennoch, wie ich finde, immernoch "brandaktuell".

Illegal ausgegraben
"Barbarenschatz" erstmals in der Pfalz zu sehen

Etwa eine halbe Million soll der "Barbarenschatz" wert sein. Jetzt ist er erstmals in Speyer zu sehen. (Quelle: dpa)

Der in der Pfalz illegal ausgegrabene "Barbarenschatz" kann vom 15. Oktober an erstmals nahe der Stelle seiner Entdeckung besichtigt werden. Im nur rund 30 Kilometer entfernten Historischen Museum der Pfalz in Speyer wird der als bundesweit einmalig geltende Gold- und Silberfund aus dem fünften Jahrhundert ausgestellt.
Mehr zu Rheinland-Pfalz
Laut Staatsanwaltschaft hatte ein Hobbyarchäologe 2013 bei Rülzheim den Schatz im Wert von 425.000 bis 575.000 Euro entdeckt, unsachgemäß ausgegraben und im Internet präsentiert. Die Staatsanwaltschaft hat beim Amtsgericht Speyer gegen ihn Anklage wegen Unterschlagung erhoben. In Mainz und Koblenz war der Schatz bereits ausgestellt.
Der als "Barbarenschatz" bekannt gewordenen Fund umfasst einen Silberteller, eine Silberschale, goldene Verzierungen eines prunkvollen Gewands, Reste eines vergoldeten und versilberten Klappstuhls und Silberstatuetten. Stilelemente der Funde deuten auf einen ostgermanisch-hunnischen Ursprung hin. Der "Barbarenschatz" wird auf Mitte des 5. Jahrhunderts datiert.


http://www.t-online.de/regionales/id_71 ... sehen.html
http://www.t-online.de/nachrichten/wiss ... hatz-.html
mit freundlichem Gruß

IVSTVS
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Re: PRESSESPIEGEL "Archäologie und Numismatik"

Beitragvon Peripatos » Do 18.12.14 20:51

Die Aussage, dass archäologische Befunde unter der Erde bleiben sollen, sehe ich als positiv an. Da sind sie in aller Regel am Besten aufgehoben und bleiben der Nachwelt erhalten. Die meisten Grabungen erfolgen nur aus einem Grund, nämlich dass durch eine Baumaßnahme (und natürlich auch durch die eigentliche Grabung) die archäologischen Funde zerstört werden und zumindest eine wissenschaftliche Dokumentation erfolgen soll. Wenn ich es richtig überblicke, so handelt es sich in Bayern bei sicherlich über 90 % der Grabungen um sog. Notgrabungen.
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Re: PRESSESPIEGEL "Archäologie und Numismatik"

Beitragvon Homer J. Simpson » Do 18.12.14 21:14

Okay, aber wenn die Sachen unter der Erde bleiben, bleibt natürlich auch der Erkenntnisgewinn aus.
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Re: PRESSESPIEGEL "Archäologie und Numismatik"

Beitragvon Peripatos » Do 18.12.14 21:28

Nachfolgend ein Auszug aus den "Leitlinien" des Bayer. Landesamtes für Denkmalpflege:

"Oberstes Ziel bodendenkmalpflegerischer Arbeit sind entgegen weit verbreiteter Ansicht nicht
Ausgrabungen, sondern der unversehrte Erhalt und die Bewahrung der archäologischen Denkmäler.
Das Beratungsangebot des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege [BLfD] beinhaltet die
Umplanung von Bauvorhaben oder die konservatorische Überdeckung von Teilbereichen eines
Bodendenkmals. Sollte es nach Abwägung aller Interessen nicht möglich sein, Bodendenkmäler
ungestört zu erhalten, müssen als Ersatzmaßnahme archäologische Ausgrabungen der gefährdeten
Bereiche durchgeführt werden. Diese stellen das mindeste Mittel dar, um die im Boden erhaltenen
Informationen und Gegenstände als historische und kulturgeschichtliche Quellen und Zeugnisse zu
dokumentieren und wenigstens in sekundärer Form (Schrift, Bild, Zeichnung) für die Zukunft zu
bewahren."
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Re: PRESSESPIEGEL "Archäologie und Numismatik"

Beitragvon Homer J. Simpson » Fr 19.12.14 01:14

Okay, das sind die Leitlinien des Staates, der für so etwas natürlich gar kein Geld hat, für das erbärmliche Leben eines "Bodendenkmalpflegers" als Staatsbediensteten (das klingt wie "Fußbodenkosmetikerin", so sage ich immer zu den Putzfrauen). Natürlich ist es am billigsten und einfachsten, alles im Boden vermodern zu lassen, bis es uns gar keine Kosten mehr verursacht. Mit den Zielen der Archäologie als Wissenschaft (Wissenschaft = Streben nach Erkenntnisgewinn) hat dies natürlich gar nichts zu tun.
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Re: PRESSESPIEGEL "Archäologie und Numismatik"

Beitragvon pottina » Fr 19.12.14 09:45

[quote="Peripatos"]Die Aussage, dass archäologische Befunde unter der Erde bleiben sollen, sehe ich als positiv an. Da sind sie in aller Regel am Besten aufgehoben und bleiben der Nachwelt erhalten..[/quote]

Wenn die "Nachwelt" genau so denkt, gibt es überhaupt keine neuen Erkenntnisse mehr! :twisted:

Arschäologen sind die einzige mir bekannte Berufsgruppe die behauptet das mit "nichts tun" die beste Arbeit geleistet wird. :drinking:

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Re: PRESSESPIEGEL "Archäologie und Numismatik"

Beitragvon quisquam » Fr 19.12.14 10:09

Aha, nur ein grabender Archäologe ist ein guter Archäologe. Interessante These.

Ich bin da mit Peripatos einer Meinung. Man (bzw. zukünftige Generationen) kann froh sein, dass z. B. große Flächen (1/3 der Gesamtfläche?) von Pompeji noch nicht ausgegraben sind. Mit vorschnellen Ausgrabungen tut man der eigenen Geschichte nicht unbedingt einen Gefallen und Arbeit für die Archäologie mit Erkenntnisgewinn gibt es auch ohne neue Forschungsgrabungen mehr als genug.

Grüße, Stefan
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Re: PRESSESPIEGEL "Archäologie und Numismatik"

Beitragvon emieg1 » Fr 19.12.14 12:40

Peripatos hat geschrieben:Nachfolgend ein Auszug aus den "Leitlinien" des Bayer. Landesamtes für Denkmalpflege:

"... nicht
Ausgrabungen, sondern der unversehrte Erhalt ..."


Dies ist ja schon ein Widerspruch ansich. Die Aussage "Was schon jahrhundertelang im Boden unbeschadet überstanden hat, wird auch noch jahrhundertelang dort liegen können" gilt für die heutige umweltbelastete Zeit nicht mehr. Man muss nur mal auf die Bronzen schauen, die seit dem Einsatz chemischer Keulen in Land- und Forstwirtschaft aus dem Ackerboden gezogen werden...

Wenn es nicht sein muss (wie beispielsweise in meiner Heimat durch den Braunkohletagebau), bin ich sicher nicht für vorschnelle Ausgrabungen, aber vieles muss in den nächsten Jahren konserviert werden, um es vor dem endgültigen Zerfall zu bewahren. Und da das allermeiste nunmal unter der Grasnarbe liegt, kommt man ums Buddeln nicht herum. Ein grosser Fortschritt dabei ist die Luftbildarchäologie, mit der man in den letzten Jahren viele Bodendenkmäler überhaupt erst lokalisieren konnte (u.a. die Verbindungskanäle zwischen Rom und Ostia). Man sollte sich allerdings auch nicht allzulange mit den weiteren Maßnahmen Zeit lassen - ich bin davon überzeugt, dass die professionelle Raubgräbergemeinde ebenfalls auf dieser Ebene 'ermittelt'...

Wer sich allerdings gegen jegliche archäologische Ausgrabung stellt, dem empfehle ich einen Rundgang durch's Forum Romanum Anfang des 19. Jahrhunderts... :D
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Re: PRESSESPIEGEL "Archäologie und Numismatik"

Beitragvon quisquam » Fr 19.12.14 13:30

Den Widerspruch sehe ich nicht. Grabung bedeutet immer Zerstörung, auch wenn es nach wissenschaftlichen Standards erfolgt. Und zwar gründlicher, als es alle anderen Einflüsse können.

Es geht ja nicht um die Infragestellung jedweder Grabung. Aber gerade die dringlichen Projekte wie der Braunkohletagebau binden so viele Kapazitäten, dass für andere Projekte wenig Luft bleibt. Und da ist die Option "nichts zu tun" oft immer noch die weitaus beste.

Grüße, Stefan
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Re: PRESSESPIEGEL "Archäologie und Numismatik"

Beitragvon pottina » Fr 19.12.14 15:48

Ich habe vor mehr als zehn Jahren auf einem bewirtschateten Acker, ein gallo-römisches Gräberfeld endeckt und auch sofort gemeldet.
Mir wurde gesagt, dass zur Zeit kein Geld vorhanden wäre um dort zu zu graben. Das Gräberfeld ist auch noch in fünf Jahren da.

Ich habe den Acker all die Jahre abgesucht und die Funde vorgelegt.
Als dann kelt. Schwerter und auch röm. Glas an die Oberfläsche gelangten wurde mir gesagt, dass das Gräberfeld jetzt so zerstört wäre das eine Grabung noch teurer wäre als damals.

Das wars! :evil:

Darüber werden sich die nachfolgenden Generationen freuen, da sie ja dann mit den besseren Methoden das ehemalige Gräberfeld wieder neu endecken können und trotzdem nichts arbeiten müssen, weil die darauf folgenden Gererationen ja noch viel bessere Möglichkeiten haben, oder weil einfach nichts mehr da ist zum erforschen :mrgreen:

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Re: PRESSESPIEGEL "Archäologie und Numismatik"

Beitragvon emieg1 » Fr 19.12.14 16:23

Ganz sicher ist man in einigen Jahren so weit, dass man den Boden dreidimensional, digital und höchstauflösend durchleuchten kann. Anschliessend braucht das ganze dann nur noch am PC ein wenig aufbereitet zu werden und schon steht dem virtuellen Rundgang nichts mehr im Wege. Ach, wer braucht denn dann noch Museen oder arch. Stätten?

Ironiemodus/off :drinking:
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Re: PRESSESPIEGEL "Archäologie und Numismatik"

Beitragvon Peter43 » Fr 19.12.14 17:21

Und dann die verbrecherische Idiotie Troja, Pergamon, Ephesos, Aphrodisias usw. auszugraben!

Dazu ein Kommentar von Greser & Lenz.

Jochen
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Re: PRESSESPIEGEL "Archäologie und Numismatik"

Beitragvon Homer J. Simpson » Fr 19.12.14 17:28

Genau! Machen wir's so wie die Türken mit Zeugma: Stausee drüber, und keiner kommt mehr ran! Dann kann alles "ruhen" für VIEL spätere Generationen!
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Re: PRESSESPIEGEL "Archäologie und Numismatik"

Beitragvon emieg1 » Fr 19.12.14 17:50

Peter43 hat geschrieben:Und dann die verbrecherische Idiotie Troja, Pergamon, Ephesos, Aphrodisias usw. auszugraben!



Tja, früher war eben "mehr Lametta" :wink:
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Re: PRESSESPIEGEL "Archäologie und Numismatik"

Beitragvon raeticus » Sa 20.12.14 17:54

http://www.muenzenwoche.de/de/page/4?&id=3183

interessant zu lesen, sprecht mit Euren Bundestagsabgeordneten und Euren Münzvereinen.
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