Kleine Frage - welche Literatur ist gemeint

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Kleine Frage - welche Literatur ist gemeint

Beitragvon Chippi » Do 31.01.19 13:21

Hi leutz,

ich grübele gerade darüber nach, welche Bedeutung das Literaturzitat (schon älter) bei einem Denar des Hadrian hat. Dort steht nur "Bahrf. - (vgl.630)". Emil Bahrfeldt ist mir bekannt, machte aber Mittelalter, er hatte aber einen Bruder Max von Bahrfeldt, der sich auch mit römischer Numismatik beschäftigte, aber eher mit der Republik.
Nun suche ich die Verbindung, was der Bestimmer damals von Landesmünzkabinett in Halle/Saale damit meinte.
Hat ihr eine Idee?

Gruß Chippi
Wurzel hat geschrieben:@ Chippi: Wirklich gute Arbeit! Hiermit wirst du zum Byzantiner ehrenhalber ernannt! ;-)

Münz-Goofy hat geschrieben: Hallo Chippi, wenn du... kannst, wirst Du zusätzlich zum "Ottomanen ehrenhalber" ernannt.
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Re: Kleine Frage - welche Literatur ist gemeint

Beitragvon Chippi » Do 31.01.19 14:04

Endlich gefunden: https://de.scribd.com/document/23021700 ... n-Bahrfeld.

Die Münze hat so fast rein garnichts mit der von mir bestimmten Münze gemein, das korrekte Zitat wäre dieses hier:
http://wildwinds.com/coins/sear5/s3527.html#RIC_0101.

Die oben verwendete Publikation stammt immerhin aus Halle (dürfte damals nichts anderes greifbar gewesen sein, war frühe 50er Jahre DDR), über die Münzhandlung Riechmann sollte mal jemand einen Artikel schreiben, ist kaum bis unbekannt.

Gruß Chippi

PS: 189.000 Beitrag.
Wurzel hat geschrieben:@ Chippi: Wirklich gute Arbeit! Hiermit wirst du zum Byzantiner ehrenhalber ernannt! ;-)

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Re: Kleine Frage - welche Literatur ist gemeint

Beitragvon Peter43 » Do 31.01.19 17:19

Hallo Chippi!

Im Rahmen meines Artikels über die "Bavarian Collection" hatte ich mich auch mit A. Riechmann beschäftigt. viewtopic.php?f=6&t=6900&p=271435&hilit=Bavarian#p271435 Siehe auch die Bemerkung von Curtis zu Bahrfeld.

Hier einige meiner Recherchen:

aus den Sonntags Nachrichten (Halle)

Riechmann gründete erste Münzenhandlung
von Dr. Walter Müller Sonntag, den 13. September 2009

HALLE. Das 1898 erbaute mehrstöckige Wohnhaus Adam-Kuckhoff-Straße 36 (von 1868-1963 Sophienstraße) besitzt ein monumentales Eingangsportal, das im merkwürdigen Gegensatz zur heutigen schlichten Fassade steht. Es wurde 1924 im Stil eines Torhauses aus Muschelkalkstein an das bestehende Gebäude angebaut. Dessen Säulen tragen ein Giebeldach und auf der Schauseite sind eine Eule, Münzen und Medaillen, Bücher und sonstige allegorische Gegenstände zu sehen.

Die großäugige Eule muss dabei als Sinnbild der Wissenschaft verstanden werden. Die anderen Gegenstände sollen symbolisch kennzeichnen, dass sich in diesem Haus die Geschäftsräume der Münzhandlung Albert Riechmann & Co befanden.

Der vor 125 Jahren am 12. September 1884 in Bangkok geborene Kaufmann und Numismatiker Albert Riechmann hatte 1910 bereits in Halle in der Magdeburger Straße 34 eine Münzen- und Medaillenhandlung gegründet, in die 1912 als Mitinhaber sein Studienfreund Dr. Richard Gaettens (1886-1965) einstieg. Ab diesem Zeitpunkt führte die Firma den Namen Albert Riechmann & Co. Gaettens war 1910 als Assistent an das chemische Institut der Universität gekommen, musste aber aufgrund eines Lungenleidens dort bald aufhören. Das sich seit Anfang 1912 in seinem Besitz befindliche Haus Sophienstraße 36 wurde noch im Sommer umgebaut. Schon am 15. September 1912 wurden die umgebauten Geschäftsräume in der ehemaligen Wohnung von Professor Gustav Warneck (1834-1910) mit einer Stahlschrankanlage für 40.000 Münzen, großem Auktionssaal, mehreren Bibliotheksräumen, einen Hauptkontor und weiteren Arbeitszimmern bezogen.

Über Albert Riechmann lässt sich bisher nicht viel mehr in Erfahrung bringen, als dass er sich in der gemeinsamen Firma vor allem um den 1913 gegründeten numismatischen Verlag sowie die entsprechende Spezialbuchhandlung mit Antiquariat kümmerte. Ab 1913 wurde in dem damals in Deutschland führenden Fachverlag die Zeitschrift „Archiv für Medaillen- und Plakettenkunde“, ab 1923 die „Blätter für Münzfreunde“ und ab 1937 das „Numismatische Nachrichtenblatt“ verlegt. Ansonsten ist nur bekannt, dass seine erste Frau 1921 starb, und er 1922 erneut heiratete. Spätestens Ende der 1920er Jahre scheint er sich aus der Firma zurückgezogen zu haben und wohnte zeitweilig in Berlin beziehungsweise in Steinhude bei Hannover.

Dr. Gaettens leitete den eigentlichen Münz- und Medaillenhandel und war vor allem für die Auktionen zuständig. Immerhin führte die europaweit agierende Münzenhandlung seit ihrer Gründung 41 Auktionen bis 1934 durch, auf denen zahlreiche bedeutende Sammlungen sowie häufig numismatische Raritäten veräußert wurden.
Den im Juli 1923 gestellten Antrag zum „Bau eines Säulenzuganges“ für das Grundstück in der Sophienstraße begründete die Firma damit, im Zusammenhang mit der vorgesehenen öffentlichen Nutzung der firmeneigenen numismatischen Fachbibliothek mit nahezu 10.000 Bänden einen repräsentativen Zugang zu benötigen. Die in der Zeit der Hyperinflation geplanten Baukosten von 80 bis 90 Millionen Mark führten jedoch bei den ständigen Preissteigerungen bis Ende 1923 dazu, dass sich der Bau verzögerte und erst Anfang 1924 realisiert werden konnte.

Die Weltwirtschaftkrise 1929/ 1930 zwang die Firma zu Notverkäufen und führte dazu, dass Anfang 1933 das Grundstück in der Sophienstraße verkauft werden musste. Kleinere Geschäftsräume wurden noch im gleichen Jahr in der Großen Steinstraße 19 (ehemals Bankhaus Lehmann), später in der Königstraße 7 bezogen, bevor 1941 der Firmensitz nach Berlin verlegt wurde. In der Saalestadt dagegen bestand noch bis Anfang der 1950er Jahre eine Buchhandlung „A. Riechmann & Co“ in der inzwischen den Namen Rudolf-Breitscheid tragenden Straße (Nr. 7).

Ist es genug für Dich?
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Re: Kleine Frage - welche Literatur ist gemeint

Beitragvon Mynter » Do 31.01.19 17:24

Riechmann war bis in die 1930er ( 33 ? ) einer der bekanntesten deutschen Münzenhändler , im Hause Riechmann wurden zahlreiche Auktionen durchgeführt, u.a. wurde die Sammlung Vogelsang ( http://www.kupferspuren.eu/index.php?op ... Itemid=426 )dort 1925 versteigert. Wer sich hier auch für Reichsmünzen interessiert, wird wissen, dass Vogelsang direkt an der Gestaltung des 1915 geprägten Dreimarktückes zur Mansfeldfeier beteiligt war.
Ich füge mal diese kuriose Karte bei, die vor ein paar Jahren in unserem Nachbarforum veröffentlicht wurde. Der Abender , Georg Sidorov aus Helsingfors scheint auch keine langweilige Person gewesen zu sein.
Riechmann 1.jpg
Riechmann 2.jpg
Grüsse, Mynter
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Re: Kleine Frage - welche Literatur ist gemeint

Beitragvon Chippi » Fr 01.02.19 01:13

Danke für den Text, Jochen! Da steht einiges drin, was mir noch nicht bekannt war. Der Portikus ist übrigens sehr schön, werde ich nächste Woche mal fotografieren.

Auch die von dir gezeigte Postkarte, Mynter, ist spannend, so beschwert sich der Sammler darin über die Fantasiepreise ("Phantasiepreise"), die die Münzhandlung aufrief. Unerblümt offenherzig, der Sammler.

Meine Anspielung auf die Münzhandlung kommt nicht von ungefähr. Das Besondere war die Präsenzbibliothek mit über 10.000 Bänden (!!!) und das eigene Verlagswesen. Im 2.Weltkrieg wurde der Bestand, nach dem Erzählen von Ulf Dräger, in Halle u.a. Leiter des Landesmünzkabinetts, in die Ukraine ausgelagert, wo sich die Spur 1944 verliert. Niemand weiß, was danach passierte. Aber mindestens ein Buch hat die Zeiten überstanden.
Das weiß ich genau, denn es befindet sich seit wenigen Jahren in meinem Besitz (Preis damals waren so um die 59€ plus oder inkl. Versand, das günstigste Angebot damals, allerdings war von den Vorbesitzern keine Rede).
Das Buch hat eine interessante Vita, welche ich bis ins Jahr 1917 zurück verfolgen konnte! Die Buchhändler etc. lasse ich aus. Vor mir gehörte es einem "stud.phil Eberhard Ruschenbusch", die Bezeichnung "stud. phil." besagt, dass er beim Erwerb noch kein Dr. oder Professor war, gekauft also vor 1967. Zur Person:
https://de.wikipedia.org/wiki/Eberhard_Ruschenbusch.
Die Zeit davor bis zum 2.WK. zurück kann ich nicht mit einem Besitzer belegen, vorher war es aber im Bestand der Münzhandlung A.Riechmann, wie die Stempel es zweifelsfrei belegen.
Vielleicht ersteigerte es Riechmann sogar selber, jedenfalls nicht lange nach der Versteigerung dürfte es in den Besitz der Münzhandlung gekommen sein.
Welche Versteigerung? Darüber gibt der dritte Name Auskunft, ich lese es als "Dr. Weygand". Dieser war Staatsanwalt und leidenschaftlicher Münzsammler aus Düsseldorf. Seine Erben ließen im Januar des Jahres 1917 sein Erbe versteigern. Beauftragt wurde niemand geringeres als die Münzhandlung Adolph Hess Nachfahre in Frankfurt am Main, unter der Nummer 4352 findet ihr das Buch hier:
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/digli ... 0246/image. Mit Bleistift wurde sogar das Ergebnis notiert: 26 Mark.
Wann er es gekauft hatte, kann ich nicht sagen, könnte aber wirklich der Erstbesitzer gewesen sein.

Ein Buch mit einem numismatischen Pedigree, wer hätte das gedacht.

Gruß Chippi
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Re: Kleine Frage - welche Literatur ist gemeint

Beitragvon Peter43 » Fr 01.02.19 15:30

Solch eine Geschichte zurückzuverfolgen ist spannend wie ein Kriminalroman. Leider führen nicht alle Nachforschungen zu so tollen Ergebnissen wie Du sie erzielen konntest. Glückwunsch!

Jochen
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Re: Kleine Frage - welche Literatur ist gemeint

Beitragvon Chippi » Fr 01.02.19 18:46

Danke, war selber von der Recherche überrascht. Das man alle Namen im Buch zuordnen kann, kommt wirklich nur sehr selten vor.

Gruß Chippi
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Re: Kleine Frage - welche Literatur ist gemeint

Beitragvon Chippi » Di 09.04.19 20:25

Hi leutz,

Fotos schon lange gemacht, habe ich jetzt mal daran gedacht und zeige euch aktuelle Bilder des Hauses, indem einst die Münzhandlung Riechmann saß. Prägnant ist wirklich nur der 1924 erbaute Torbau, der ist eine Augenweide.

Gruß Chippi
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Re: Kleine Frage - welche Literatur ist gemeint

Beitragvon Peter43 » Mi 10.04.19 00:04

Hallo Chippi!

Herzlichen Dank für Deine Photos. Das macht die ganze Geschichte anschaulicher.

Jochen
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