Fälschungsgalerie

Moderator: Numis-Student

Gefälschter Kroisbacher ?

Beitragvon biatec » So 01.03.09 13:26

Liebe Freunde,

nachdem zahlreiche Kollegen das Kroisbacher-Tetradrachmenfieber gepackt hat und dieser Münztyp sich allgemein hoher Beliebtheit erfreut hier ein Beispiel, das ich für falsch halte.

Ich habe in den vergangenen Jahren bereits mehrere Exemplare im Umlauf gesehen, die alle +/- stempelident zum gezeigten Beispiel sind.
Kennzeichen ist bis dato eine breite Gewichtspalette, das gezeigte Stück hat etwas über 9 g - ich habe aber auch welche mit etwas über 12g in Händen gehabt.
Die Materialqualitäten schwanken ebenfalls - von leicht nachgedunkelten Oberflächen (wie hier) bis sehr hellen (tlw. rauh).

Kennzeichen ist, dass es bis dato immer dieser Typ ist, der im Haarkranz einen leichten Stempelfehler hat und am Rs ist der Pferdekopf sehr nahe am Rand oder berührt ihn sogar.

Herstellungstechnik ist mir noch schleierhaft.

Suspekt ist für mich vor allem das starke Untergewicht einzelner Stücke.

Ich kann also der Kollegensc haft nur raten beim Erwerb von Stücken dieses Typs sehr vorsichtig zu sein.

Stücke ähnlicher Qualität kursieren vom Kugelreiter und vom Fes-Typ

LG

biatec
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Kroisbacher-Av.jpg
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Beitragvon helcaraxe » So 01.03.09 13:52

Sind denn auch die Schrötlinge identisch? Dann wäre es ein Guss (wobei mir das von Dir gezeigte Stück nicht gegossen aussieht).

Aber spricht nicht die verschieden beschaffene Oberfläche und das unterschiedliche Gewicht eher gegen eine Fälschung?

Wohlgemerkt, ich bin kein Keltenexperte, zum Stil kann ich nichts sagen - wie beurteilen den denn die Fachleute?
Viele Grüße
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Beitragvon harald » So 01.03.09 14:05

Hallo Biatec!

Meiner Meinung nach handelt es sich hier um einen nicht ganz ungefährlichen Guß von einem originalem Vorbild. Die Gußblasen im Feld und das verwaschene Relief sind neben dem Gewicht Indizien dafür.

Genau diese Typenvariante war bis zum Schatzfund äußerst selten und taucht erst danach regelmäßig im Handel auf.
Von dieser Variante wurden zwischen 20 und 30 Stück mit unterschiedlich fortgeschrittenem Stempelfehler gefunden.

Danke für die Warnung.
Könntest Du vielleicht noch Fotos von den gefälschten Kugelreitern und
Fes- Typen auftreiben?

Viele Grüße und danke für die Warnung
Harald
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Beitragvon biatec » So 01.03.09 14:05

Also von den mir suspekten Stücken waren die meisten stückident, zumindest stempelident.

Die unterschiedlichen Oberflächen deute ich als Lernprozess der Fälscher, die sich betreffend Oberflächen und Gewicht immer mehr den Originalen angenähert haben.

Aber das nur aus meiner Sicht. Bin gespannt auf Eure Meinungen.

LG

biatec
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Beitragvon biatec » So 01.03.09 14:08

Hallo Harald,

da waren wir gleichzeitig beim Schreiben

Ich werde versuchen Exemplare zu besorgen - die hat ein Freund - ev. kann er sie selbst posten - kann aber ein wenig dauern.

LG

biatec
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Beitragvon harald » So 01.03.09 16:17

Bei dieser Variante von OTA 469/3 ist der Stempelfehler das beste Indiz, den Verschleiß des Stempels zu verfolgen.
Unter den von mir erfassten 14 Belegen vom gleichen Stempel nimmt dieses Exemplar auf Grund des leicht fortgeschrittenem Stempelschadens
die Nr. 3 ein.
Nicht einmal die Nr. 14, wo der Stempelschaden viel ausgeprägter und größer sichtbar ist, weist diese verwaschenen Konturen über das gesamte Bild auf.
Ein Beleg mit ähnlich dargestelltem Stempelschaden wurde 2002 bei Rauch versteigert (jedoch ist die Prägung weitaus schärfer, was für mich ein Hinweis auf eine Fälschung des hier vorgestellten Exemplares ist.
Weiters beträgt die Gewichtsspanne der von mir erfassten Varianten dieses Typs 11,89 bis 12,46 Gramm, das Durchschnittsgewicht liegt bei 12,25 Gramm.
Ein Gewicht von nur 9 Gramm ist ein weiteres Fälschungsindiz.
Möglicherweise wurde das Gußmodel nach der Abformung immer wieder leicht modifiziert, bzw umgeschnitten.

Gruß
Harald
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Beitragvon Schniedelwutz » Sa 21.03.09 00:24

Hatte mich vertan,wollte zum Cheriton Smiler was sagen...hab deshalb meinen alten thread gelöscht....
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Re: Fälschungsgalerie

Beitragvon helcaraxe » Mo 14.02.11 15:54

Ich erlaube mir, auf folgende Diskussion hinzuweisen, die einen merkwürdigen keltischen Büschelquinar als Fälschung enttarnt hat:

http://www.numismatik-cafe.at/viewtopic.php?f=44&t=3296
Viele Grüße
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Re: Fälschungsgalerie

Beitragvon cepasaccus » Fr 06.01.12 13:51

Weil mir gerade etwas auf ebay aufgefallen ist:

Die Muenze wurde zurueckgegeben weil sie falsch war: http://www.ebay.de/itm/280751840976
Und diese versucht er gerade zu verkaufen: http://www.ebay.de/itm/keltische-Munze-/280800369663

Bei ersterer schreibt er "pures Gold". Das kann gut sein. Wenn man pures Gold und Silber von der Schmelzperle aus flachschlaegt hat es die Eigenart einen knubbeligen Rand zu bilden wie bei diesen beiden Muenzen. 60-70 EUR koennte man also fuer die aktuelle Muenze ohne grosses Risiko anbieten. Ich fuerchte nur er wird es nicht akzeptieren.

valete

PS: Das ist die aus dem 1/4 Stater-Thread von yukon.
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Re: Fälschungsgalerie

Beitragvon Atila » Fr 04.05.12 16:32

Tach auch!
Hab hier ne Antike Fälschung eines Regenbogenschüsselchens.
Die ich euch gern mal zeigen möchte.Die Münze ist massiv vergoldet.

Grüsse Atila
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Re: Fälschungsgalerie

Beitragvon Atila » Sa 05.05.12 15:08

Was mir gerade einfällt!
Hab diese Münze schon seit ca.3 Jahre und sie ist leider immer noch nicht bestimmt.
Könnte am end einer von euch diese münze bestimmen?
Das wär echt sehr freundlich!

Gruss Atila
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Re: Fälschungsgalerie

Beitragvon Altamura » Sa 05.05.12 16:02

Vom Typ her sollte das die gleiche sein wie im anderen Thread: http://www.acsearch.info/search.html?se ... c=&a=&l=#0

Gruß

Altamura
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Re: Fälschungsgalerie

Beitragvon Atila » So 06.05.12 00:21

Ja,denke schon das es die gleichen sind.
Allerdings ist die Bronze Münze so verkrustet das ich das nicht genau erkennen kann.
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Re: Fälschungsgalerie

Beitragvon cepasaccus » So 01.09.13 00:07

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Re: Fälschungsgalerie

Beitragvon antoninus1 » Do 23.08.18 14:25

Zum Thema Fälschungen hier ein interessanter Beitrag im neuen Katalog von Künker:

es geht um die 1/24 - Statere der Vindeliker mit Januskopf/Pferd, die ersten "bayerischen" Münzen.

https://www.sixbid.com/browse.html?auct ... ot=4302776


Hier der Text, falls der Link mal nicht mehr geht:

Die Münze markiert den Beginn der keltischen Goldprägung in Südbayern (Vindeliker) und wurde vermutlich im Oppidum Manching aus Donaugold geschlagen. Der Prototyp dieser Prägung ist eine römische Emission aus der Zeit des 2. Punischen Krieges (Litra, ca. 225-212 v. Chr., Crawf. 28/5, Albert 80a), den vermutlich keltische Söldner aus dem Hannibalkrieg mit nach Hause gebracht haben. Es ist schlechterdings nicht vorstellbar, daß diese „Winzlinge“ dem normalen Geldverkehr dienten: M. Nick (Band 1, S 82) sieht in ihnen primär eine Opfer-/Totengabe (Janus blickt vom Diesseits ins Jenseits), zumal kein zugehöriger Vollstater existiert.
Außer den bekannten Museumsexemplaren (s. H. J. Kellner, Manching und Steffen/Ziegaus, JNG XLIV, 1994) sind im Handel bisher nur drei echte Exemplare präsent: Leu Web-A. 4, Nr. 8; Künker A. 216, Nr. 20 und Leu A. 2, Nr. 11 (=unser Exemplar).

Dringend muß vor Fälschungen gewarnt werden (die „Produktion“ setzte keine zwei Jahre nach der „Präsentation“ der Originale im JNG XLIV ein!).
Mehrfach wurde auch versucht gefälschte Exemplare in seriöse Auktionshäuser einzuschleußen: Hess-Divo A. 3, Nr. 233; Künker A. 204, Nr. 69; CNG Electronic A. 361, Nr. 10; alle diese falschen Stücke konnten rechtzeitig zurückgezogen werden! Leider werden im süddeutschen Raum weiterhin diese modernen - zugegebenermaßen raffinierten - Kopien auf den Markt geworfen. Und leider haben diese gefakten Exemplare auch schon Eingang in bekannte Sammlungen gefunden (Slg. Lanz (1997), Nr. 13/14 und Slg. Karl (2008), Nr. 206-215).

Wie lassen sich nun echt und falsch unterscheiden?
Die Ikonographie der Fälschungen wirkt schon sehr gefällig, fast lieblich, das Pferdchen fast putzig, das Doppelportrait zeigt ein „verschmitztes“ Lächeln, es fehlt beiderseits einfach das kantig-keltische. Die Oberflächen sind viel zu glatt ohne die üblichen feinen Stempelbrüche, der Rand ist zwar unrund, weist aber nicht die Randirregularitäten (Einrisse, Kerbungen) der Echtstücke auf. Die Schrötlinge zeigen eine stets gleichförmige Geometrie. Die wenigen Originale sind alle dezentriert, die Fälschungen dagegen alle perfekt zentral gesetzt. Mit einem Satz: Die modernen Nachprägungen sind zu harmonisch um echt zu sein. Ein ganz simples Unterscheidungskriterium ist auch der Marktpreis: Die Imitate kosten heute 300-500 Euro, die drei Originale erbrachten ein Vielfaches davon!
Gruß,
antoninus1
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