Schönheiten des Mittelalters!

Alles was von Europäern so geprägt wurde

Moderator: Salier

Re: Schönheiten des Mittelalters!

Beitragvon Dude_199 » Mo 08.07.13 12:00

Hallo bernima und jot-ka,

wirklich schöne Dünnpfennige die ihr da vorstellt.
Finde es besonders interessant wenn man die Münzen noch Funden zuordnen kann wie bei deinem Stück jot-ka.
Möchte mal einen meiner Lieblingsbrakteaten vorstellen welcher nicht vom Bodenseegebiet stammt.

Thüringen Brakteat.JPG

Landgrafschaft Thüringen
Münzstätte: Mühlhausen
Kaiser Heinrich VI. von Hohenstaufen, 1190-1197
Brakteat um 1190/1200
Av: In einer geperlten rundbogigen Einfassung reitet ein gekrönter Kaiser im Mantel nach rechts. In der Linken Reichsapfel mit Doppelkreuz rechts Lilienzepter geschultert. Bildeinfassung unten von den Hufen des Pferdes durchbrochen.
Umschrift: HENRIC VS IM PERATOR.
Gewicht: 0,76 g
Durchmesser: 42 mm
Literatur: Fd: Seega 60, Fd. Erfurt 66, Posern-Klett -, Berger -, Slg. Bonhoff 1210.

Gruß Dude
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Re: Schönheiten des Mittelalters!

Beitragvon ischbierra » Mo 08.07.13 12:50

Ja, so ein Reiterbrakteat ist doch eine rechte Augenweide.
Ich möchte Euch ein Stück zeigen, dessen Zuordnung nach wie vor umstriten ist. Es gehört in die Anfänge der Brakteatenzeit. Man ordnet es entweder dem Magdeburger Erzbischof Adelgod (1107-1119) zu und der Prägestätte Halle oder bringt es in Verbindung mit Graf Wiprecht von Groitzsch (um 1050-1124). Er hat 1096 das Kloster Pegau gegründet. Unter dem zweiten Abt, Windolf (1105-1150) erhielt das Kloster Münzrecht. Die Wahrscheinlichkeit einer Prägung dieses Stückes hier ist wohl recht groß. Kurzzeitig, 1123/1124, war Wiprecht auch Markgraf von Meissen.
Brustbild mit Banner und Kreuz, rechts Stern. Umschrift nicht mehr erkennbar
0,88 gr.; 21,6 mm
Lit: Berger 2026; Bonh.899; Slg Hohenst. 767; Pos.-Kl. 1058
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1107-1119 Adelgod, Brakteat, Halle, Bonh 899.JPG
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Re: Schönheiten des Mittelalters!

Beitragvon Dude_199 » Mi 10.07.13 13:05

Hallo ischbierra,

diesen Typ finde ich auch sehr schön und interessant.

Gruß Dude
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Re: Schönheiten des Mittelalters!

Beitragvon bernima » Mi 10.07.13 16:47

Hallo,

Hier eine meiner Lieblingsmünzen.
Nichts besonderes, aber die Szene bei der es Donald Duck an den Kragen geht ist einfach zu schön.

Regensburg, Dünnpfennig, 0,94 Gramm
Herzoglicher Pfennig, Heinrich der Stolze 1126 - 38
Stehender Behelmter frontal, in der Rechten eine Fahne, in der Linken ein Schild haltend.
Stehender mit Schwert nach links, einen geflügelten Drachen bekämpend.
Literatur Emmerig 71.[/attachment]
donald2.JPG
[attachment=1]donald1.JPG
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donald1.JPG
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Re: Schönheiten des Mittelalters!

Beitragvon Albert von Pietengau » Mi 10.07.13 16:59

Hallo,

die Regensburger Münzen sind in der Tat zum Schmunzeln. Leider ist der Erhaltungsgrad durch die Bank gering.
Tolles Stück!

Gruß
Roland
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Re: Schönheiten des Mittelalters!

Beitragvon bernima » Mi 10.07.13 17:28

Hallo, Roland

Natürlich ist ein Dünnpfennig kein Brakteat.
Ich sehe das so :
Braki = Einseitig, saubere und klare Ausprägung die kaum Fragen offen lässt.
Dünnpfennig = meist unklare beidseitige Prägung. Das ist der Reiz des Dünnpfennigs, man kann etwas bisher unbekanntes sehen.
Zum Beispiel die arme Ente die ein Drache sein soll, das wird beim Braki kaum passieren.

mfg. bernima
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Re: Schönheiten des Mittelalters!

Beitragvon jot-ka » Mi 10.07.13 19:04

Hallo Dude_199, ischbierra und bernima,
vielen Dank fürs Zeigen !
Schöne Stücke, besonders der Reiterbrakteat.
Aus Brandenburg gibt es auch Reiterbrakteaten (2 Varianten),
die sich preislich im oberen 4-stelligen Bereich bewegen.
Ich zeige hier mal einen preiswerten Brakteaten, gekauft für 370 DM
auf einer Sammlerbörse in Berlin (10.12.1995).
Bahrfeldt Bd. I Nr. 104.
Symbolische Stadtdarstellung aus drei Türmen mit einem Tor, darin ein Schlüssel, 0,56 gr.
Emil Bahrfeldt nennt in seinem 1. Band "Zwei Exemplare aus dem Daeliefunde in Christiana."
Bemerkenswert ist die Tatsache, daß er diese Münzen aus einem Fund in Schweden
als brandenburgische Münzen erkannt hat und der Mzst. Salzwedel unter Otto II.,
1184-1205, richtig zugeordnet hat.
Eine mögliche Prägung unter Heinrich von Gardelegen schließt er dabei nicht aus.
Im Fund von Kusey kam - für uns Sammler erfreulich - eine größere Anzahl
ans Tageslicht "Nr. 12 ... Besonders zahlreich".
Emil Bahrfeldt in " Altmärkischer Münzenfund" in
"Mittelaltermünzen
Ausgewählte Schriften 1881 - 1928"
ZENTRALANTIQUARIAT DER DEUTSCHEN DEMOKRATISCHEN REPUBLIK LEIPZIG 1987
Der Großteil der etwa 3500 Stück "wurde vom kgl. Münzkabinett in Berlin erworben
und nach Auswahl von 140 Exemplaren an eine Münzenhandlung weiterverkauft,
die ihn nach Einschmelzung einer sehr beträchtlichen Anzahl unbrauchbarer Art,
zum Einzelvertrieb brachte."
Schöne Grüße aus Brandenburg, jot-ka
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B104.jpg
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Re: Schönheiten des Mittelalters!

Beitragvon ischbierra » Do 11.07.13 10:26

Hallo jot-ka,
ein sehr schönes Stück. Auch Malte wird daran seine Freude haben. Machen wir ihm also noch ein bißchen mehr Freude: mit einem Brakteaten aus Hildesheim, geschlagen in der Zeit der Bischöfe Konrad II., Heinrich I., Johann I. (1221-1260), o,79 gr., Bonh.265; Berger 1118; Mehl 133
Gruß ischbierra
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1221-1260 KonradII.od.HeinrichI.od.Johann I. Brakteat,B 265.JPG
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Re: Schönheiten des Mittelalters!

Beitragvon Comthur » Do 11.07.13 12:11

Inspiriert von ischbierra`s schönem Brakteaten möchte ich auch meine 2 Lieblingsbrakteaten vorstellen :

1.) markgräflich wettinische Münzstätte, Torgau (? da gab es früher wohl eine Diskussion), Dietrich der Bedrängte (1197-1221), 0,93g ; Schwinkowski 351,
Slg.Bonhoff 1015, Slg. Krug 130
2.) markgräflich wettinische Münzstätte, Meißen , Heinrich der Erlauchte (1221-1288), 1,13g ; Schwinkowski 531, Slg. Bonhoff 1031, Slg. Krug 87
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Dietrich der Bedrängte (1197-1221), Torgau.jpg
Dietrich der Bedrängte (1197-1221), Torgau (?)
Heinrich der Erlauchte (1221-1288), Meißen.jpg
Heinrich der Erlauchte (1221-1288), Meißen
HONOR MAGRI JVDICIVM DILIGIT
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Re: Schönheiten des Mittelalters!

Beitragvon Albert von Pietengau » Sa 13.07.13 13:04

@bernima

Hallo!

Ja, Dünnpfennige sind die wahren Unikate, und dem Bezwinger der Ente wird die Prinzessin zur Frau gegeben... :P

Die Dünnpfennige hatten bzw. haben den Vorteil, dass sich nicht mehr so viel Silber abschaben ließ, obwohl so mancher Eigentümer auch hier den Schlund nicht voll kriegen konnte. :drinking:

Was ich meinte: Münzen aus R sind in der Regel auch dann comicartig, wenn es zu keiner gegen- bzw. einseitigen Durchdringung kam. Und meistens ist nur eine Seite akzeptabel, wenn überhaupt.

Meines Erachtens kommt wahre Freude nur bei der Betrachtung von vz Münzen (zumindest was die Darstellung anbelangt) auf. ss heißt für mich in den meisten Fällen nur "den habe ich (auch)" und man ist immer auf der Suche nach einem besser erhaltenen Exemplar...

Sehr schöne Brakteaten!

Wenn ich endlich Zeit finde, möchte ich hier einen Streifzug durchs Mittelalter präsentieren. Ob ich mit der kleinen Lumix die Schärfe erreiche, die ich anstrebe, wage ich allerdings zu bezweifeln. Analog mit Balgen nimmt viel Zeit in Anspruch...

LG
Roland
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Re: Schönheiten des Mittelalters!

Beitragvon Dude_199 » So 14.07.13 22:16

Hallo,

allesamt sehr schöne Stücke die hier in letzter Zeit vorgestellt wurden. Bin sehr gespannt was noch für Stücke kommen.
Will nun ein Stück aus einem Währungsgebiet vorstellen von dem noch kein Stück in diesem Thread ist.

Breisgau.JPG

Breisgau
Münzstätte: Breisach?/Freiburg im Breisgau?/Laufenburg?
Anonym um 1. Hälfte bis Mitte 13. Jahrhundert
Vierzipfeliger Pfennig, um 1. Hälfte bis Mitte 13. Jahrhundert
Av: Löwe nach links schreitend ohne Mähne, aber mit Halsband (3 Perlen), den Oberkörper zurückgereckt. Perlrand.
Gewicht: 0,40 g
Durchmesser: 17 mm
Literatur: Wielandt (Breisgau) 27a, Slg. Ulmer -, Slg. Wüthrich 53, Berger 2428 (jedoch Bild 2424), Slg. Bonhoff 1781.
Ex. der Slg. Dr. Robert Friedinger-Pranter

Gruß Dude
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Re: Schönheiten des Mittelalters!

Beitragvon ischbierra » So 14.07.13 22:23

Hallo Dude,
sehr schöne Erhaltung und eine wundervolle Patina; ich mag diese irisierenden Farben. Ich habe ein ähnliches Stück, 0,36 gr, Wüthr.54, KM 2432, Wiel.44, allerdings ohne diese schöne Patina.
Gruß ischbierra
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Lindwurmpfennig, KM 2432.JPG
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Re: Schönheiten des Mittelalters!

Beitragvon jot-ka » Fr 19.07.13 18:19

Hallo ischbierra, Comthur u.a.A.,
vielen Dank für das Zeigen dieser schönen Stücke !
Leider kann ich hier nur noch 3-4 Stücke vorstellen,
in einem anderen Unterforum ist der Grund erklärt:
viewtopic.php?f=45&t=45330&start=30#p401104
"Schaukasten ..." als Titel würde vielleicht manch eine historisch interessante Münze,
die aber leider optisch nicht so viel hergibt, in diese Rubrik bringen.
Ich versuche es einmal mit einem brandenburgischen Pfennig des Markgrafen Otto II., 1184-1205.
Bahrfeldt Nr. 97, Dannenberg Nr. 1, Fd. Kusey Nr. 15, um 1185 in Salzwedel geprägt, 0,48 gr
Vs.: Der Markgraf mit Helm nach links, vor sich ein Kreuz, hinter sich ein Schwert haltend,
auf dem Helm und vor dem Gesicht ein Stern
Vs.-Us.: +OTTO•MARIO•EST
Rs.: Symbolische Stadtdarstellung aus Mauer mit Tor und drei Türmen, zwischen den Türmen und im Tor jeweils ein Stern
Rs.-Us.: I•I•I•I•I•I•I•I•I•I•I•I•
Scheint völlig sinnfrei zu sein (?), 12*I - wie das Zifferblatt einer Uhr.
Interessant ist eher die Darstellung auf der Vs.:
Vor sich her das Kreuz tragend, hinter sich - halb verborgen - ein Schwert haltend.
Irgendeinen Sinn muß diese Darstellung haben. Ein Bezug auf die Christianisierung der Slawen ?
Zu der Zeit hatten viele Slawen östlich der Elbe den main stream längst erkannt und wussten,
daß sie um Taufe nicht herumkommen (die Kirche brauchte Steuerzahler),
manche von ihnen ließen sich mehrfach taufen, weil sie das aus gutem Tuch gefertigte Taufhemd nach der Taufe behalten durften.
Es gibt auch ähnliche Denare mit der Us. +BINDVISENSIS usw., die gern nach Bardewik gelegt werden.
Auch eine Prägung schon unter Otto I. oder anderen Münzherren wurde diskutiert.
Man kann das alles nachlesen in
Emil Bahrfeldt "Altmärkischer Münzenfund" in
"Mittelaltermünzen
Ausgewählte Schriften 1881 - 1928"
ZENTRALANTIQUARIAT DER DEUTSCHEN DEMOKRATISCHEN REPUBLIK LEIPZIG 1987
und
Hans-Dieter Dannenberg
"Die brandenburgichen Denare des 13. und 14. Jahrhunderts"
NUMISMATISCHE GESELLSCHAFT ZU BERLIN 1997.
Allen MA-Freunden ein schönes Wochenende,
jot-ka
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D1 B97.JPG
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Re: Schönheiten des Mittelalters!

Beitragvon ischbierra » Fr 19.07.13 19:01

Hallo jot-ka,
ein sehr interessantes Stück; habe ich so noch nicht gesehen. Schönheit ist eben doch relativ, und Brandenburger Denare können durchaus schön sein; also nur zu.
Gruß ischbierra
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Re: Schönheiten des Mittelalters!

Beitragvon Büffel » Sa 20.07.13 13:17

Hallo jot-ka,

dein "Otto II." gefällt mir sehr gut, ich habe einen halben Pfennig seines Bruders Albrecht II. 1205-1220.(Bodenfund)
Ich bin kein wirklicher Sammler, lediglich selbst gefundene, brandenburgische Denare aus der Askanierzeit haben es mir angetan.
Weil sie ziemlich rustikal sind und es recht viele, verschiedene gibt.

Mein Traum wäre es einen "Otto I." zu finden da er das Kloster hier am Ort gründete.

Und wie ischbierra schon sagt, Schönheit ist relativ.
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Albrecht II., 1205-1220.jpg
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