Richtig gutes Argument

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Richtig gutes Argument

Beitragvon McXXL » Sa 08.08.15 20:45

Bei openpetition.de kann man hier Debatten zum Thema verfolgen. Folgendes Argument hat mir wirklich sehr, sehr gut gefallen. Gerne möchte ich es deswegen hier hervorheben.

"Durch die Sammeltätigkeit haben Menschen Zugang zu Kultur, die sonst nur in diesen Dingen ausgebildete Menschen erhalten. Kultur geht uns alle an und sollte nicht auf akademische Kreise beschränkt sein. Dies wäre auch nicht im Sinne der akademischen Forschung. Denn wenn man der breiten Öffentlichkeit die Möglichkeit der physischen Interaktion mit Kulturgut nimmt, so leidet damit auch das Kulturinteresse der Gesellschaft. Dies entzieht der akademischen Forschung die finanzielle und gesellschaftliche Grundlage, denn die Gesellschaft finanziert diese ganze Geschichte u.A. mit dem Steueraufkommen."
Quelle: Dr. Christoph Kyritsis

Da ist tatsächlich sehr viel dran. Persönlich würde ich mich zum Beispiel als Geschichts- und Kulturbanausen mit exzessiven Interesse für römische Münzen und etwas Interesse an der römischen Kaiserzeit bezeichnen. Ja, wäre ich keine Sammler, dann würde ich NIE überhaupt daran denken, einen Fuss in ein Museum setzen. Die sind für mich ja bis auf die Münzen und von mir aus noch den Kaiserbüsten sowas von gähnend laaaanweilig.

Sammeltätigkeit bildet sehr wohl und trägt zum Interesse an Kultur bei. Und wenn die Gesellschaft den Bezug zur Kultur verliert, dann könnte tatsächlich langfristig der "akademischen Forschung die finanzielle und gesellschaftliche Grundlage" entzogen werden.

Das hat mir wirklich aus dem Herzen gesprochen und wurde sehr gut formuliert, vielen Dank Herr Dr. Kyritsis. :)
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Re: Richtig gutes Argument

Beitragvon Numis-Student » Sa 08.08.15 20:47

na der wird sich sicher freuen, wenn er das gleich hier liest ;)

MR
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Re: Richtig gutes Argument

Beitragvon ChKy » Sa 08.08.15 21:34

Vielen Dank :D :D :D :D
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Re: Richtig gutes Argument

Beitragvon Chandragupta » Sa 08.08.15 22:23

<Verschwörungstheorie> Genau das scheint in meinen Augen der hinter dem KGSG stehende "Masterplan" zu sein: Die BRD-Gesellschaft ist durch und durch intellektophob. :( Das erkennt man nicht nur an dem sog. "staatlichen Schulsystem" mit "Hauptschulen" (gibt's auch "Nebenschulen"?), "Realschulen" (gibt's auch "Irrealschulen"?), "Gesamtschulen" (gibt's auch "Teilschulen"?), etc. pp., das letztlich nur Kindern aus der Elite via Privatschulen (mit vierstelligen Kosten pro Monat!!) überhaupt eine Chance auf "etwas" Bildung bietet, die - sagen wir mal - etwa dem DDR-Niveau der dortigen "EOS" entspricht; wobei wie gesagt das Bildungssystem der BRD jedoch insgesamt etwa auf dem Niveau eines Vierte-Welt-Buschstaates dahinvegetiert ("PISA" läßt grüßen --> und diese Daten sind objektiv!)... Man erkennt's auch daran, was heute als "Studium" bezeichnet wird (also dieser ganze Mist mit "Bachelor" und "Master" statt wie früher richtigen Diplom- und Promotionsstudiengängen).

Vielseitig gebildete Menschen ("Humanisten" also im ursprüglichen Wortsinne) sind in der BRD jedenfalls sehr, sehr, sehr ungern gesehen und werden beargwöhnt. Sie könnten ja anfangen, selber zu denken, und dann aufrührerischen Gedanken und Taten verfallen... Unwissenheit/Bildungsarmut/Scheinbildung schützt das BRD-System davor jedoch sicher! Warum holt man denn ganz offensichtlich recht gezielt die ganzen betont bildungsfernen .... ähhhh: "Kultur"-"Bereicherer" ins Land?!?</Verschwörungstheorie>

PS, hat nix mit Münzen zu tun, ich erwähn's auch nur am Rande für Kenner, ohne ins Detail zu gehen (Interessenten können ja notfalls googeln ;) ...):
In der DäDäRä galt die Gesamtausgabe der Anthologia Palatina (dt. Titel "Die Griechische Anthologie" - inkl. Buch XII !) als Kulturerbe der Menschheit - gab's in einer (im übrigen kongenialen!) Komplett-Übersetzung von Dietrich Ebener in jedem Buchladen zu kaufen ("Bibliothek der Antike" im Aufbauverlag, 3 Bde. 1981). In der BRD steht der Besitz zumindest des Bd. 3 dieser Ausgabe mit dem Liber XII gem. § 184b StGB unter sogar noch höheren Strafandrohungen, als wir künftig für den Besitz unserer Münzen zu gewärtigen haben, wenn wir dafür im Falle eines Verkaufs keine "Provenienznachweise erbringen" können...
Numismatische Grüße,

Euer Chandra
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Re: Richtig gutes Argument

Beitragvon Peter43 » Sa 08.08.15 23:05

Sehe ich leider auch so. Der Abwärtsweg ist vorgezeichnet. Ich mußte als Mediziner noch das große Latinum vorweisen, meine Tochterbrauchte nur noch das kleine Latinum und heute gibt es dafür einen Kurs für medizinische Nomenklatur.

Dafür gibt es in Hamburg 54% Abiturienten. Na dann Prost!

Jochen
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