Die römische Münzstätte Trier - SACRA MONETA TREVERIS

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Re: Die römische Münzstätte Trier - SACRA MONETA TREVERIS

Beitragvon justus » Do 15.01.15 12:35

3. Funde und Befunde aus den Ausgrabungen - Teil 2

Sensationell war jedoch die Entdeckung von drei Münzen, welche sich, da der Kaiser darauf nur mit Lorbeerkranz und nicht wie bei Antoninianen sonst üblich mit Strahlenkrone dargestellt war, als bisher unbekannt Varianten von seltenen Aurei herausstellten (siehe Abb. 1 - 3).
Wie sich aus den Darstellungen und Umschriften ergibt, wurden sie im Zusammenhang mit den Feierlichkeiten zu den Quinquennalien von Tetricus I. im Frühjahr 274 hergestellt. Es handelt sich hier aller Wahrscheinlichkeit nach um Bronzeabschläge von Goldmünzen, welche infolge der Niederlage von Tetricus I. nicht mehr geprägt werden konnten.

Abb. 1 - 274 (NF).jpg

Tetricus I.
Aurei-Abschlag (Kupfer), Trier Anfang 275. Av. IMP TETRICV – S PIVS AVG / Gepanzerte und leicht drapierte Büste mit Lorbeerkranz n. r. Vgl. Av. Schulte: Tetricus I., Gruppe 7, Nr. 61a, Avers Nr. 40.
Rv. P M TR P COS III P P, im Abschnitt VOT X / Kaiser in Toga n. r. stehend, überreicht Globus mit der ausgestreckten r. Hand an seinen Sohn, der kurzes Zepter in der l. hand hält und mit der r. Hand aus einer Patera über einem brennenden Altar opfert. Hinter Tetricus I. steht Victoria, welche ihn mit der r. Hand bekränzt.
Vgl. Ref. Schulte: Tetricus I., Gruppe 7, Nr. 59a, Revers Nr. 41.
Gewicht: 1,82 g.
Fundort: Trier-Simeonstift, Planum 4.
Fundnummer: RLMT 274.
Lit.: DeW - , C -, RIC -, E -.

Abb. 2 - 356 (NF).jpg

Tetricus II.
Aurei-Abschlag (Kupfer), Trier Anfang 275.
Av. C PIVS ESV TETRICVS CAES / Barhäuptige Trabeabüste von vorne n. r.
Vgl. Portrait: Nr. 1a/2a, Legende: Nr. 3a
Rv. PRINCIPI IV – VENTVTIS / Caesar in Rüstung und Paludamentum n. r. stehend, hält Globus in der l. und Lanze in der r. Hand. Vgl. Rv. Schulte: Tetricus II., Gruppe 1, Nr. 5a/6a, Revers Nr. 5.
Gewicht: 2,24 g.
Fundort: Trier-Simeonstift, Aushub Fläche 7/8.
Fundnummer: RLMT 356.
Lit.: DeW -, C -, RIC -, E -.

Abb . 3 - 329 (NF).jpg

Tetricus II.
Aurei-Abschlag (Kupfer), Anfang 273/275 n. Chr. Av. C • P ES • TETRICVS • CAES / Paludamentbüste von hinten gesehen n. r.
Vgl. Av. Schulte: Tetricus II., Gruppe 1, Portrait und Legende: Nr. 6a – 8a.
Rv. PRINC – IV – V – ENTVT / Caesar in Rüstung und Paludament frontal stehend, hält Feldzeichen in der r. und Lanze in der l. Hand. Vgl. Rv. Schulte: Tetricus II., Gruppe 1, Nr. 4a, Revers Nr. 4
Fundort: Trier-Simeonstift, Aushub Fläche 7/8.
Fundnummer: RLMT 329.
Gewicht: 3,02 g (fundverkrustet)
Lit.; DeW -, C -, RIC -, E -.

Abb. 4 - Die Fundmünzen vom Simeonstiftplatz.JPG

Abb. 4 - Die Fundmünzen vom Simeonstiftplatz

Zur Bedeutung der Kupferabschläge von Aurei der Tetrici, wie sie hier am Simeonstiftplatz gefunden wurden, ist seit Jahrzehnten eine kontroverse Diskussion im Gange.

Elmer vertritt die Ansicht, dass die Stempel für Aurei nach der Verwendung zur Goldmünzenprägung einfach weiterverwendet wurden. Schulten und Schulzki schließen sich dem an. Im RIC werden solche Abschläge als Denare bezeichnet, was jedoch zweifelhaft erscheint. Auch die Theorie, dass es sich hierbei um sog. „Probeabschläge“ von Aurei in unedlem Metall handeln könnte, erscheint eher unwahrscheinlich, da derartige Münzen einfach zu häufig auftreten.

Schulski bringt einen, wie ich finde, interessanten Aspekt ins Spiel, wenn er den Anlass für solche Prägungen in Regierungsjubiläen oder aber Ehrengeschenken sieht, also in einer Art von „Auswurfmünzen“ oder auch „Aurei für das Volk“. (vgl. PM 2008/2009 S. 117)

Quellen:

(1) Karl-Josef Gilles, Münzprägung im römischen Trier, in: Constantin der Große, Ausstellungskatalog, A. Demandt/J. Engemann, Trier 2007, S. 313.
(2) Karl-Josef Gilles, Die Münzstätte der Gallischen Kaiser, in: RPL, Trier 2005, S. 74.
(3) Georg Elmer, Die Münzprägung der gallischen Kaiser in Köln, Trier und Mailand, in: Bonner Jahrbücher 146, 1941, S. 1 – 106.
(4) Carl-Friedrich Zschucke, Die römische Münzstätte Köln. Ihre Entstehung, Entwicklung und Bedeutung für die Geldgeschichte des gallischen Sonderreiches; ihre stilistischen Besonderheiten, die Berücksichtigung ihrer Neugründungen Mailand und Trier, in: Kleine Numismatische Reihe der Trierer Münzfreunde e. V., Band 8, Trier 1993, S. 86 ff.
(5) Wilfried Knickrehm, Die Münzstätte der letzten gallischen Kaiser in Trier, in: Trierer Petermännchen. Beiträge zur Numismatik und Trierer Heimatkunde, 22. und 23. Jahrgang, Trier 2008/2009, S. 109 ff.

Sekundärliteratur:

- Karl-Josef Gilles, Münzprägung im römischen Trier, in: Constantin der Große, Ausstellungskatalog, A. Demandt/J. Engemann, Trier 2007.
- Karl-Josef Gilles, Die Münzstätte der Gallischen Kaiser, in: RPL, 2005.
- Karl-Josef Gilles, Das Münzkabinett im Rheinischen Landesmuseum Trier. Ein Überblick zur trierischen Münzgeschichte, in: Schriftenreihe des RLM Trier Nr. 13, Trier 1996.
- Karl-Josef Gilles, Münzprägung im römischen und mittelalterlichen Trier, in: Trierer Texte Nr. 3, Trier 1984.
- Georg Elmer, Die Münzprägung der gallischen Kaiser in Köln, Trier und Mailand, in: Bonner Jahrbücher 146, 1941, S. 1 – 106.
- Heinz Heinen, Die Anfänge des römischen Trier, in: Trierer Texte Nr. 2, Trier 1983.
- Joachim Hupe, Neue Forschungen zur römischen Stadtmauer und mittelalterlichen Bebauung im Umfeld des Simeonstiftes in Trier, in: Trierer Zeitschrift 71/72 – 2008/2009, Sonderdruck, S. 369 – 393.
- Wilfried Knickrehm, Die Münzstätte der letzten gallischen Kaiser in Trier, in: Trierer Petermännchen. Beiträge zur Numismatik und Trierer Heimatkunde, 22. und 23. Jahrgang, Trier 2008/2009.
- Peter N. Schulten, Die römische Münzstätte Trier von der Wiederaufnahme ihrer Tätigkeit unter Diocletian bis zum Ende der Folles-Prägung, Frankfurt a. M. 1974.
- Emil Zenz, Das legendäre Gründungsalter der Stadt Trier, in: Trierer Texte Nr. 1, Trier 1983.
- Carl-Friedrich Zschucke, Die römische Münzstätte Trier. Von der Münzreform der Bronzeprägung unter Constans und Constantius II. 346/348 n. Chr. bis zu ihrer Schließung im 5. Jahrhundert, in: Kleine Numismatische Reihe der Trierer Münzfreunde e. V., Band 5, 3. erweiterte Auflage, Trier 1997.
- Carl-Friedrich Zschucke, Die römische Münzstätte Köln. Ihre Entstehung, Entwicklung und Bedeutung für die Geldgeschichte des gallischen Sonderreiches; ihre stilistischen Besonderheiten, die Berücksichtigung ihrer Neugründungen Mailand und Trier, in: Kleine Numismatische Reihe der Trierer Münzfreunde e. V., Band 8, Trier 1993, S. 86 ff.

Photos: Wilfried Knickrehm (Anm. Die gezeigten Abschläge befinden sich heute an herausgehobener Stelle im Münzkabinett/Ausstellung des Landesmuseums).
Zuletzt geändert von justus am So 25.01.15 21:48, insgesamt 1-mal geändert.
mit freundlichem Gruß

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Re: Die römische Münzstätte Trier - SACRA MONETA TREVERIS

Beitragvon justus » Fr 16.01.15 15:13

Übrigens. Kommentare sind nicht nur erlaubt, sondern sogar ausdrücklich erwünscht! :wink:
mit freundlichem Gruß

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Re: Die römische Münzstätte Trier - SACRA MONETA TREVERIS

Beitragvon justus » So 25.01.15 21:39

Email von Wilfried Knickrehm (Trierer Münzfreunde" „zu 3. Funde und Befunde Simeonstift“ vom 21.01.2015 um 16:15 Uhr

Ich veröffentliche die Anmerkungen von W. Knickrehm unkommentiert und möchte mich gleichzeitig für eventuelle Irrtümer in meinem bisherigen Ausführungen entschuldigen. Soweit es mir möglich ist, werde ich sie natürlich berichtigen !

Wenn schon kein anderer der Forums-Teilnehmer einen Kommentar zum Punkt 3. auf Seite 15 abgibt (es liegt wohl daran, dass dieser Teil zu kompliziert ist und keiner der Teilnehmer bisher davon etwas gehört hat) will ich es tun. Immerhin sind es meine Funde, meine Fotos und auch Münzbeschreibungen. Deshalb sollte auch meine Interpretation zu den Abschlägen genannt werden, die sich ganz erheblich von den anderen (Elmer, Schulte, Schulzki usw.) unterscheidet.

Der Reihe nach: in Zeile 4 schreiben Sie, dass es sich bei den Abschlägen wohl um Probeabschläge von Aurei handelt, die nicht mehr zur Ausprägung kamen. Das ist nicht meine Interpretation! Ich habe das dagegen so formuliert, dass es sich bei den Abschlägen wahrscheinlich um Auswurfmünzen handelt, die bei der triumphalen Fahrt des Kaisers z.B. bei einem Regierungsjubiläum unter das Volk gestreut wurden (wie das auf verschiedenen Aurei-Rückseiten auch abgebildet ist).

Ich habe das ausführlich im Band 15 und Petermännchen 2008/9 erläutert und begründet, wobei ich es mit Funden und Befunden aus Trier aus der Zeit Constantins verglichen habe. Damit sage ich etwas ganz anderes aus als Schulzki und Elmer. Schulzki hatte zwar auch von Ehrengeschenken (dann aber eher für 2.klassiges oder 3.klassiges Personal gesprochen), was aus meiner Sicht völlig ausscheidet. Niemals hat der Kaiser wertlose Kupfermünzen irgendwelchen Würdenträgern seines Hofes in die Hand gedrückt, auch wenn sie aus Aurei-Stempeln stammten. Das ist ganz abwegig und nicht zu akzeptieren. Ich will das aber nicht noch mal wiederholen, im Band 15 kann man es nachlesen.

Es wäre mir wichtig gewesen, wenn Sie die Aussagen in Ihrem Thread nicht miteinander vermischt hätten. Beim Anlass (Regierungsjubiläum) stimme ich mit Schulzki überein, nicht aber in der Interpretation der Abschläge.

- Zum ersten Foto Tetricus II.: da haben Sie ein falsches Foto verwendet.
- Bei den Quellen/Büchern hätten Sie auch meinen Band 15 aufführen können, der immerhin die ganze Problematik der Münzstätten der Gallischen Kaiser in und um Trier erstmals im Zusammenhang beschreibt - und weniger den Aufsatz im Petermännchen 2008/9
zum letzten Satz/Fotos: die sind nicht von Wolfgang Knickrehm, sondern Wilfried Knickrehm.
- Die Abschläge sind auch nicht im Archiv vom RLM Trier, sondern befinden sich an herausgehobener Stelle mit entsprechender Beschriftung im Münzkabinett/Ausstellung des Landesmuseums, wo sie jeder Besucher sehen kann (wo auch der Goldschatz von der Feldstraße liegt)..

Viele Grüße W. Knickrehm
mit freundlichem Gruß

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Re: Die römische Münzstätte Trier - SACRA MONETA TREVERIS

Beitragvon justus » Mo 26.01.15 12:50

9.1 Der Goldschatz von Trier – Teil 1

Entdeckung und Bergung

Bei Bauarbeiten für ein Parkdeck kam am 9. September 1993 in der Trierer Feldstraße der größte bisher bekannte Schatzfund von Aurei der römischen Kaiserzeit mit mehr als 2570 Goldmünzen zutage.

Der Fundort lag in den westlichen Vierteln der Stadt, einem Bereich, in dem schon wiederholt wertvolle Funde entdeckt werden konnten, wie z. B. ein Depot von 49 reich verzierten Silbergefäßen mit einem Gewicht von über 250 Pfund (1628 ) oder im Jahre 1992 eine große, teilweise vergoldete Silberkanne, die in den Bildflächen unter anderem Apostelfiguren mit Nimbus zeigt.

Im Rahmen der Ausschachtungsarbeiten für das 80x35 m große Parkdeck konnte der südliche Teil einer Insula mit der südlichen und westlichen Straßenbegrenzung freigelegt werden. Die Insula zeigte eine dichte Wohnbebauung des 2. – 4. Jahrhunderts mit Hofflächen, verzweigten Kelleranlagen und mehrere Brunnen. Besondere Aufmerksamkeit verdiente ein im Grundriss L- oder U-förmiger Keller, der den Teil eines mehr als 30 m langen Kellersystems bildete und ursprünglich mit einer Balkendecke versehen war, die im Zuge von Umbauten im 3. oder 4. Jahrhundert durch eine stabile Tonneneinwölbung ersetzt wurde.

Anfang September 1993 wurde diese relativ gut erhaltene Kelleranlage, da sie im Bereich der Zufahrt des Parkhauses lag, weitgehend abgetragen. Am 9. September mussten dann aus statischen Gründen im Bereich der noch verbliebenen Kellerreste weitere Ausschachtungen vorgenommen werden. Unbemerkt von den beteiligen Bauarbeitern und den Mitarbeitern des Museums, die mit einem unmittelbar danebengelegenen Brunnen beschäftigt waren, wurde dabei am frühen Nachmittag von der Baggerschaufel etwa 50 cm unter der Kellersohle, im hellbraunen Schwemmsand der Mosel, ein etwa 25 cm hohes, bauchiges, randvoll mit Goldmünzen gefülltes Bronzegefäß mit verschließbarem Deckel auseinander gerissen (Abb. 1/2).

Der Aushub gelangte in der Folge an zwei verschiedene Stellen. Eine kleinere Wagenladung wurde am Rande der Baugrube, die größere an einem Berghotel auf der gegenüberliegenden Moselseite zur Herrichtung eines Parkplatzes abgekippt. An beiden Stellen stießen Freizeitsucher am späten Nachmittag auf etwa 110 bzw. mehr als 310 römische Goldmünzen. Gegen Abend entdeckte Herr Erich Eixner in der Baugrube selbst das Unterteil des Bronzegefäßes mit 560 Aurei und etwas davon entfernt, aus ihrer ursprünglichen Lage verschoben, weitere 1532 Goldmünzen. Den Verfasser setzte er von dem Fund am späten Abend in Kenntnis, wobei er die nicht sofort erfolgte Benachrichtigung des Museums mit der Abwesenheit des Verfassers, der auf einem Kolloquium weilte, und die eigenmächtige Bergung mit der Befürchtung der Entdeckung des Schatzes durch Dritte (was nicht ausgeschlossen werden kann) entschuldigte. Zudem ging er davon aus, dass die für den kommenden Morgen geplante Betoneinfüllung den Verlust des in seinem Volumen noch unbekannten Schatzes bedeutet hätte. Dennoch sollte die unverzügliche Ablieferung der rund 2100 Aurei durch Herrn Eixner als vorbildlich herausgestellt werden.

Innerhalb der folgenden 14 Tage konnten insgesamt 2577 Aurei wieder zusammengetragen werden. Sie waren inzwischen bereits auf 19 Personen verteilt, obwohl nur neun Sucher an ihrer Auffindung beteiligt waren. Knapp 50 Goldmünzen, deren Bestimmungen teilweise vorliegen, scheinen nach den letzten Recherchen in private Hände gelangt zu sein. Damit dürften rund 98% des Schatzes erfasst worden sein. Größere Verluste lässt das Volumen des Schatzfundgefäßes auch kaum zu.

Wir müssen also von einem Schatzfund von rund 2570 Aurei mit einem Gesamtgewicht von 18,5 kg ausgehen. Damit ist er bei weitem der umfangreichste Aureusschatz der römischen Kaiserzeit, der je gefunden wurde. Zu den größten bislang bekannten Goldschätzen zählen ein Fund aus Paris (1860) mit 1600 Aurei, aus Mespelaer in Belgien (1602) mit etwa 1600 Aurei und aus Santiponce in Spanien (1398 ) mit annähernd 1500 oder gar 2000 Aurei.

Der größte bekannte Schatz aus Deutschland kam genau 300 Jahre vor dem neuen Trierer Fund zutage und umfasste 588 Aurei, von denen heute noch 463 erhalten sind. Diesen Umstand verdanken wir der Tatsache, dass die Münzen dem Trierer Kurfürsten Johann Hugo von Orsbeck (1676 – 1711) zufielen, der sie zwischen 1695 und 1709 in acht Goldgefäße einarbeiten ließ. Möglicherweise gehörten auch einige Münzen des im Jahre 1732 für den Trierer Domdechanten Karl Kaspar Emmerich von Quadt angefertigten Pokals und Tellers zu jenem Schatz. Dieser Pokal bildete mit dem Teller bislang neben dem 1909 in der Leostraße von Trier entdeckten Schatzfund, der mit24 Aurei, also weniger als 1/100 des neuen Fundes, der größte antike Trierer Goldfund war, die Prunkstücke des Trierer Münzkabinetts.

Abb. 1 - Trierer Schatzfund in situ.jpg

Abb. 1 – Trierer Goldschatzfund in situ. Der untere Teil des Bronzekessels während der Freilegung und Bergung des Münzschatzes. In der rechten Hälfte sind noch ehemals dicht in Rollen gepackte Aurei, in der linken Hälfte dagegen nur wenige Münzen und eingeschlemmter Sand erkennbar.

Abb. 2 - Mit Goldmünzen gefülltes Bronzegefäß mit verschließbarem Deckel  (NF).jpg

Abb. 2 – Mit Goldmünzen gefülltes Bronzegefäß mit verschließbarem Deckel im Museum.

Abb. 3 - Karl-Josef Gilles & Trierer Goldschatzfund.jpg

Abb. 3 – Karl-Josef Gilles, der Leiter der numismatischen Abteilung, präsentiert Teile des Trierer Goldschatzes im Archiv des Münzkabinetts.
mit freundlichem Gruß

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Re: Die römische Münzstätte Trier - SACRA MONETA TREVERIS

Beitragvon justus » So 01.02.15 16:26

10.2.1 Der Goldschatz von Trier - Teil 2

Zusammensetzung

Die im neuen Schatzfund enthaltenen Aurei erreichen in der Regel ein Gewicht von 7,27 g (= 1/45 des römischen Pfundes) und weisen einen sehr hohen Goldgehalt (ca. 980/1000) auf. Insgesamt sind 29 verschiedene Kaiser, Kaiserinnen oder Verwandte des Kaiserhauses auf den Münzen abgebildet (Abb. 2). 96 % der Aurei sind in der Münzstätte Rom, 4 % in Lyon geprägt. Letztere gehören ausnahmslos der Regierungszeit des Vespasian (69 – 79) an, in der sie ein knappes Viertel erreichen (siehe Abb. 1 – 8).

Die ältesten Prägungen bilden zwei Aurei des Nero, die noch nach einem älteren schwereren Münzfuß (1/43 des römischen Pfundes = 7,61 g) in den Jahren 63/64 n. Chr. geschlagen worden waren. Die jüngsten Aurei wurden unter Septimius Severus zwischen 193 und 196 geprägt. Auffallend bei der Zusammensetzung des Schatzes sind die hohen Anteile früher Prägungen. So umfassen die Münzen des Nero (63/4 – 68), Vespasian (69 – 79) und Titus (79 – 81), obwohl sie einen Prägezeitraum von nur 77 Jahren umfassen, zusammen 71,5 % des Gesamtbestandes. Das massenhafte Auftreten der jüngeren Neromünzen (insgesamt 867) ist vor allem damit zu erklären, dass man nach der Münzreform des Jahres 64 n. Chr. die Ausprägung der nach dem neuen leichteren Münzfuß geschlagenen Aurei erheblich steigerte, um gleichzeitig die älteren schwereren Gepräge einziehen zu können.

Die Kaiser des Trierer Goldschatzfundes und ihre Münzen (Nero - Traianus Pater):

Abb. 1.jpg

Abb. 1: Nero, Nero, Galba, Otho, Vitellius.

Abb. 2.jpg

Abb. 2: Aulus & Vitellia (Kinder des Vitellius), L. Vitellius (Vater des Vitellius), Vespasian, Titus & Domitian (Kinder des Vespasian), Titus.

Abb. 3.jpg

Abb. 3: Divus Vespasianus, Domitian, Domitia (Gattin des Domitian), Nerva, Trajan.

Abb. 4.jpg

Abb. 4: Plotina (Gattin des Trajan), Marciana (Schwester des Trajan), Matidia (Nichte des Trajan), Divus Pater Traianus, Divi Nerva et Traianus Pater.
Zuletzt geändert von justus am So 01.02.15 16:29, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Die römische Münzstätte Trier - SACRA MONETA TREVERIS

Beitragvon justus » So 01.02.15 16:27

10.2.2 Der Goldschatz von Trier - Teil 2

Eine deutliche Zäsur zeigt die Münzreihe jedoch am Anfang des Jahres 167 n. Chr. Für die Zeitspanne bis 193 sind dagegen keine Münzen belegt, so dass die wenigen prägefrischen Aurei des Didius Julianus (193), seiner Tochter Didia Clara, des Septimius Severus (193 – 211) und dessen Gemahlin Julia Domna frühestens um 196 n. Chr. dem Gefäß hinzugefügt wurden. Eine Erklärung für diese ungewöhnliche Zusammensetzung lieferte die Untersuchung des Gefäßunterteils. Bei seiner Freilegung war zu erkennen, dass die Aurei in gerollter Form in mindestens einem Lederbeutel, der offensichtlich durch eine Siegelkapsel verschlossen war, abgelegt worden waren. Ein neben dem Lederbeutel nachgewiesener, mit eingeschlämmtem Sand verfüllter Hohlraum ließ vermuten, dass ein zweites, ebenfalls versiegeltes Ledersäckchen vorher vielleicht entnommen worden war. Die Münzen des späten 2. Jahrhunderts scheinen dagegen kurz vor der endgültigen Deponierung des Schatzes noch hinzugefügt worden zu sein.

Die Kaiser des Trierer Goldschatzfundes und ihre Münzen
(Hadrian - Julia Domna):

Abb. 5.jpg
Abb. 5: Hadrian, Sabina (Gattin des Hadrian), Divus Traianus, Dives Parentes (Trajan & Plotina), Aelius.

Abb. 6.jpg
Abb. 6: Antoninus Pius (als Caesar), Antoninus Pius, Faustina I. (Gattin des Antoninus Pius), Diva Faustina, Divus Hadrianus.

Abb. 7.jpg
Abb. 7: Marc Aurel (als Caesar), Faustina II. (Gattin des Marc Aurel), Marc Aurel (als Augustus), Faustina II., Lucius Verus.

Abb. 8.jpg
Abb. 8: Lucilla (Tochter des Marc Aurel), Didius Julianus, Didia (Tochter des Didius Julianus), Septimius Severus, Julia Domna (Gattin des Septimius Severus).

Historischer Hintergrund

Aufgrund der ungewöhnlichen Zusammensetzung der Münzreihe liegt der Verdacht nahe, dass der Goldschatz keine private Barschaft bildete, die über Jahrzehnte angespart wurde, sondern wohl ein Depot, dem zu unterschiedlichen Zeiten abgezählte und versiegelte Goldmengen hinzugefügt oder auch entnommen werden konnten. Möglicherweise waren die Aurei eine Art von Sicherheitsleistungen, die von einem Staatsbeamten oder Bankier verwaltet wurden. Wenn diese ungeheure Barschaft – 2570 Aurei entsprachen immerhin 64.250 Denaren oder 257.000 Sesterzen oder 1.028.000 Asses – nach 196 n. Chr. nicht wieder aus ihrem Versteck hervorgeholt wurde, dürfte der Verwalter oder Besitzer dieser Münzen die Wirren des Bürgerkrieges zwischen Septimius Severus (193 – 197) und Clodius Albinus (193 – 197), in dessen Folge auch Trier belagert wurde, nicht überlebt haben. Zu vermuten ist, dass sich der Verwalter dieser ungeheuren Barschaft aufgrund der Vorgänge während des Bürgerkrieges gezwungen sah, die Goldmünzen einem sicheren Versteck anzuvertrauen. Er musste, möglicherweise weil die gegnerische Partei die Oberhand im Bürgerkrieg gewann, fliehen und kam wenig später vielleicht bei Säuberungsmaßnahmen der neuen Machthaber ums Leben, so dass der Schatz nicht mehr gehoben werden konnte. Der Keller, der in den vornehmeren Wohnvierteln der Stadt lag, wurde sicherlich nicht zerstört sondern weitergenutzt und sogar umgebaut. Den späteren Eigentümern und Bewohnern war und blieb das Versteck des riesigen Goldschatzes aber unbekannt. Zahlreiche Münzschatzfunde mit ähnlichen Schlussmünzen, darunter auffallend viele Goldschätze, lassen sich in Gallien mit den Vorgängen der Jahre 196/197 in Verbindung bringen.

Quelle: Gilles, Karl-Josef, Das Münzkabinett im Rheinischen Landesmuseum Trier. Ein Überblick zur trierischen Münzgeschichte, in: Schriftenreihe des Rheinischen Landesmuseums Trier, Heft Nr. 13, Trier 1996, S. 13 – 18.
mit freundlichem Gruß

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Re: Die römische Münzstätte Trier - SACRA MONETA TREVERIS

Beitragvon Katja » So 01.02.15 18:39

Eine Zwischenfrage:
Welcher Aurei genau ist der jüngste im Hort gewesen?
Gibt es über ihn eine Referenz/Beschreibung/Bild o.ä.?
MfG
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Re: Die römische Münzstätte Trier - SACRA MONETA TREVERIS

Beitragvon pottina » So 01.02.15 19:48

Die beiden jüngsten Münzen sind Aurei des

Septimius Severus (für Julia Domna)
Rom
RIC 536
Prägezeit: 193/196
7,31 / 7,28gr

PoTTINA

Beispiele: http://www.acsearch.info/search.html?similar=1995970
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Beitragvon Katja » So 01.02.15 20:36

Danke PoTTINA!
MfG
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Re: Die römische Münzstätte Trier - SACRA MONETA TREVERIS

Beitragvon justus » So 01.02.15 21:23

Frage zufriedenstellend geklärt. Prima ! :wink:
mit freundlichem Gruß

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Re: Die römische Münzstätte Trier - SACRA MONETA TREVERIS

Beitragvon curtislclay » Mo 02.02.15 18:50

Schade, dass Dr. Gilles nicht meine Hilfe entgegengenommen hat, die ich ihm vor 20 Jahren brieflich angeboten habe.

Sonst hätte er gewusst, erstens dass Domnas Typ VENERI VICTR genau auf das Jahr 193 (2. Juni-31 Dez.) datiert werden kann. Die drei jüngsten Münzen des Fundes wurden also alle im Jahr 193 geprägt: einmal Septimius mit VIRT AVG TR P COS und zweimal Domna mit VENERI VICTR. Dazu kommen zweimal Didius Julianus und einmal Didia Clara von etwas früher (28. März-1. Juni) im selben Jahr. Diese sechs Schlussmünzen koennen dem Depot jederzeit ab etwa Mitte 193 hinzugefügt worden sein. Dr. Gilles irrt sich um drei Jahre, wenn er vom "Ende der Münzreihe des Goldschatzes im Jahre 196" spricht (Goldmünzenschatz, S.262).

Zweitens hätte Dr. Gilles das alte Fehldatum für die Schlacht von Lugdunum korrigieren koennen: diese Schlacht ereignete sich, wie ich in meiner Oxforder Arbeit von 1972 entdeckt habe, nicht erst am 19. Feb. 197 (IMP VIIII), sondern bereits am 19. Feb. 196 (IMP VIII).
Zuletzt geändert von curtislclay am Fr 06.02.15 19:08, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Die römische Münzstätte Trier - SACRA MONETA TREVERIS

Beitragvon justus » Mo 02.02.15 22:56

Danke für die Information. Werde dies bei nächster Gelegenheit mal im Verein hinterfragen.
mit freundlichem Gruß

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Re: Die römische Münzstätte Trier - SACRA MONETA TREVERIS

Beitragvon helveticus » Fr 06.02.15 12:51

Die Münzprägung nach der Wiedereröffnung 293 n.Chr.
Goldmünzen der Periode vor der Zurückeroberung Britanniens 293-295 n.Chr.
Antoniniane 293-294 n.Chr.

Ich möchte alle informieren, dass Frau Dr. Sylviane Estiot und Pierre Zanchi Forscher beim CNRS Lyon einen längeren Beitrag über die tetrarchische Prägung in Trier in der französischen "Revue Numismatique 2014" S.247-296 publiziert haben. Die umfassende Studie deckt bedeutende Aspekte dieser Münzprägungen und beruht auf neuem, viel breiterem Material als früher ( 504 Ex. Antoniniani und ca. 150 Goldmünzen ). Insbesondere werden neue Einordnungen und Datierungen dieser Gold- und Billonausgaben vorgeschlagen.

Aus Platzgründen konnte die Hartpublikation in RN 2014 den Katalog der 293-4 in Trier gemünzten Antoniniani leider nicht beinhalten, deswegen haben die Autoren eine Computerdatei « In-Extenso » geschafft, welches ein fast vollständiges Korpus dieser Münzen mit deren Herkunft, Stempelverbindungen, dies zusammen mit Farbtafeln enthält. Diese Datei ist im Link http://www.hisoma.mom.fr/numismatique/treves.htm erreichbar
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Re: Die römische Münzstätte Trier - SACRA MONETA TREVERIS

Beitragvon justus » Fr 06.02.15 19:24

Hallo helveticus,

vielen Dank für diesen sehr interessanten Hinweis (Link). Habe mir die PDF-Datei sofort herunter geladen und sofort an andere Mitglieder der Münzfreunde weitergegeben. Am Sonntag werde ich dann etwas Zeit finden, um mich damit näher zu beschäftigen. Gerade der Zeitraum nach der Wiedereröffnung der Münzstätte im Jahre 293 n.Chr. bedarf auch meiner Ansicht nach einer gründlichen Neubewertung. Mal sehen, was dabei herausgekommen ist. Auf jeden Fall nochmals vielen Dank für deinen Hinweis ! :D
mit freundlichem Gruß

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Re: Die römische Münzstätte Trier - SACRA MONETA TREVERIS

Beitragvon justus » Mo 09.02.15 10:03

Ich möchte Euch noch einige Aurei-Vorderseiten aus dem Trierer Goldschatzfund zeigen, auf welchen die ungeheure Schönheit und Natürlichkeit bei der Gestaltung von Herrscher-/innenportraits auf diesen Goldmünzen besonders zum Ausdruck kommt.

DIDIA CLARA.jpg

Trajanus & Plotina - DIVIS PARENTIBVS.jpg

Julia Domna - Septimius Severus - Didius Julianus.jpg


Photos: W. Knickrehm (Trierer Münzfreunde)
mit freundlichem Gruß

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