Römische Münzen aus Alexandria

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Römische Münzen aus Alexandria

Beitragvon chinamul » Do 13.05.04 12:41

Hallo Freunde!
Da ein gewisses Interesse an diesem Thema zu bestehen scheint, im folgenden einige Münzen Alexandrias besonders des 2. Jahrhunderts, um die Vielfalt der Rückseitendarstellungen zu zeigen, bei denen sich Römisches, Ägyptisches und Griechisches bunt mischen. Auch der z. T. erhebliche stilistische (und vielleicht auch qualitative) Unterschied zwischen den Herrscherbildern Reichsroms und Alexandrias soll dargestellt werden.
An Euren Reaktionen werde ich dann ablesen können, ob Ihr eine Fortsetzung wünscht.
Als erstes Beispiel hier nun eine Drachme des Hadrianus mit einem frühen Bildnis des Jahres 6 (121/122), wie man es in diesem Stil auf Reichsmünzen wohl nicht findet. Fragen zu den Münzen sind willkommen.

hadr elefantenquadr.jpg

Gruß
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Beitragvon amigobutzi » Do 13.05.04 13:00

Könnte es ein Stück aus Samaria, Caesarea sein?
IMP TRA HADRIANO CAES AVG
COL I FL AVG CAESAREN
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Beitragvon chinamul » Do 13.05.04 14:15

@amigobutzi
Die Münze ist, wie schon im einleitenden Text ausgeführt wurde, aus Alexandria und trägt eine griechische Umschrift, die sich hier im Forum aber leider nicht wiedergeben läßt (wieso eigentlich nicht???).
Gruß
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Beitragvon secundus » Do 13.05.04 17:29

Sehr ansprechene Erhaltung, für einen Alexandriner !!!

Den Erbauern gigantischer Monumente ist es sichtlich schwer gefallen kleinere Brötchen zu backen. Eine Kolossalstatue des Hadrian, so ab 50m aufwärts, aus Steinblöcken aufzuschichten wäre ihnen ein leichte Übung gewesen, aber bei den kleinen Dimensionen einer Münze litten sie an Klaustrophobie.
Der Stil wirkt -mir fällt im Moment nichts passenderes ein- archaisch.
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Beitragvon Attacke » Do 13.05.04 20:53

Salvete!

tatsächlich? so archaisch finde ich den stil garnicht. in der vergrößerung erkennt man deutlich die hohe qualität des portraits, das ich für sehr ausdrucksstark halte. okay: der typ geht wahrscheinlich zum lachen in den keller, aber sonst? beim revers stimme ich zu: da habe ich schon natürlich anmutendere elefanten-quadrigae gesehen ...

übrigens: welcher richtung wäre das stück denn zuzuschlagen, da chinamul doch anmerkte, in der alexandrinischen Prägetradition mischten sich römisches, griechisches und ägyptisches?
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Beitragvon Attacke » Do 13.05.04 20:55

was hat doch der passagier im zwergelefantengezogenen wagen gleich in der hand? tulpen aus amsterdam? :wink:
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Beitragvon secundus » Do 13.05.04 22:07

Wenn der Boden bebte, das Geschirr schepperte, dann wusste man, der Blumenboote von Fleurop mit seiner Zergelefantenquadriga steht vor der Tür.
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Beitragvon chinamul » Fr 14.05.04 11:24

Hallo, Ihr Scherzkekse!
@Attacke
Was die Mischung von Römischem, Ägyptischem und Griechischem anbetrifft, so drängele doch bitte nicht so! Das kommt ja noch, und zwar reichlich.
Revers: "Hadrianus in Elefantenquadriga nach rechts fahrend; in der Rechten Lorbeerzweig (nix Tulpen), in der Linken Adlerzepter (um weiteren Fehldeutungen zuvorzukommen: keine Fliegenklatsche)"
@secundus
Meinst Du vielleicht Zerlegeelefanten, oder ist das nur ein Dreckfuhler? Immerhin ergäbe das bei dem Gewicht und der Kraft von Elefanten auch einen Sinn. Aber wo Du da einen Fleuropmann in einem Kahn siehst, ist mir schleierhaft.
Gruß
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Beitragvon chinamul » Fr 14.05.04 11:54

Hier nun auf vielfältigen Wunsch eines einzelnen Herrn etwas Ägyptisches auf einer römischen Münze aus Alexandria

ant pius kanopen.jpg

ANTONINUS PIUS 138 - 161
AE Drachme Alexandria 141/142 (Jahr 5)
Av.: Belorbeerter Kopf rechts (feines Porträt in reichsrömischem Stil)
Rv.: Zwei nach rechts gewandte, von einem nach rechts fliegenden Adler getragene Canopen nach rechts nebeneinander; der linke mit Atefkrone, der rechte mit Krone aus Hörnern, Uraei, Federn und Scheibe; beide mit Perücken, Bärten und Pektoralen - Links oben im Feld: L E (= Jahr 5)
Geißen 1387 var.

Gruß

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Beitragvon Attacke » Fr 14.05.04 20:54

salvete!

zwar erschließt sich mir selbst nach einem blick in den kleinen pauly nicht unmittelbar, was ein canope ist, ich vermute aber einen alexandrinischen würdenträger, angetan mit äußeren zeichen seiner amtsgewalt: ein atef halt (?). oder handelt es sich gar um kanuten in fleurop-diensten? :wink:

schmerz beiseite: damit wäre die münze ein hervorragendes beispiel für eine typisch verlaufende romanisierung. denn gerade die integrative kraft der reichskultur, die eine echte verschmelzung zwischen autochtoner und importierter kultur entstehen ließ, war von anfang an ein garant für das fortbestehen römischer herrschaft. bereits während des aufbaus des italischen bundesgenossensystems bis zum 2. punischen krieges hatte sich eine maßvolle eigenständigkeit der unterworfenen bewährt. was nicht heißen soll, daß Rom nicht peinlich genau darauf achtete, daß aus der autonomie kein aufbegehren wurde!
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Beitragvon chinamul » Fr 14.05.04 21:55

@Attacke
Schlag doch mal im Kleinen Pauly an der richtigen Stelle nach:
s.v. Kanobos 3.: "'Kanope' als Bezeichnung der Eingeweidekrüge eines altäg. Begräbnisses ist Erfindung moderner Ägyptologen. ..."
Die Atefkrone besteht aus Straußenfedern und Widderhörnern und ist das Kennzeichen des Osiris, während die andere Krone die der Isis sein dürfte. Der Isis-Osiris-Mythos ist ja wohl bekannt, sonst im Hederich unter "Isis" nachschlagen!
Gruß
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Beitragvon secundus » Fr 14.05.04 23:19

@chinamul: Erwischt ! Nur zu leicht könnte ich der Versuchung erliegen die Weh-Taste meiner altehrwürdigen Klaviatur des Vergehens zu bezichtigen oder auf die verbriefte Freizügigkeit in der Ausübung von Kunst, Religion, Wissenschaft, Schlechtschreibung, Münzfehlbestimmung usw. zu verweisen, aber Anstand und der Respekt gegenüber dem Forum gebietet es, mutig alle Verantwortung für meinen bisherigen und auch gleich prophylaktisch für zukünftigen Frevel an deutschem Sprachgut zu übernehmen. Nicht ein notorischer Übeltäter, nein, ein reuiger Sünder und noch mehr das Opfer mangelhafter Spracherziehung welches sein Handicap (nicht die Schutzhülle für ein verbreitetes Freisprechgerät ist gemeint) laut beklagt fleht hier um Gnade vor Rechtschreibung.

Auch was das Blumenboot anbelangt, muss ich Deinen Einwand notgedrungen akzeptieren, da bei genauerer Betrachtung des Münzbildes unzweideutig Räder erkennbar sind, die ein Landfahrzeug ausweisen, während andere antike Quellen einen von falschgeschriebenen Zwergelefanten nilaufwärts getreidelten Raddampfer nicht belegen wollen.

Sehr praktisch, die Adlerklatsche, für den der sie braucht.

Bei den vorgestellten Münzen fallen die schrägen Ränder auf, die von gegossenen Münzen bekannt sind. Wurde in Alexandria die Münze komplett incl. Münzbild gegossen –was dann eine Erklärung für mangelndes Reichtum an Details wäre- oder nur die Schrötlinge ?

@ Atttacke: Abgesehen vom Sonderfall Judaea herrschte nicht immer Freude aber doch Friede im Inneren. Mit Septimius Severus kam sogar erstmals ein Nicht-Italiener (richtig ?) auf den Kaiserthron der sich allgemeiner Zustimmung erfreute. Auch über die Soldatenkaiser, die meist Auswärtige waren, wüsste ich nicht, dass sie auf Grund ihrer Herkunft abgelehnt wurden...aus anderen Gründen schon.

Über die Urnengefäße für Eingeweide gibt auch das Internet geschwätzig Auskunft:
z.B. http://www.selket.de/kanopensarkophag.htm
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Beitragvon chinamul » Sa 15.05.04 11:40

@secundus
Kniefall vor unserer geliebten deutschen Muttersprache akzeptiert!
Nur die Schrötlinge der Alexandriner wurden gegossen (z. T. sind sogar noch Rudimente der Gußkanäle an den Rändern sichtbar). Es gibt auch Stücke, bei denen - beabsichtigt oder nicht - der Schrötling andersherum beprägt wurde, d. h. die Randschrägung befindet sich auf dem Rv.
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Beitragvon adson » Sa 15.05.04 15:18

@ secundus: Meines Wissens war bereits der gute Trajan der erste "Nicht-Italiener", der war Spanier. Olé !
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Beitragvon richard55-47 » Sa 15.05.04 22:01

@adson

richtig, aber noch früher: Nero war (Halb-)Kölner!!! :D :D
do ut des.
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