Römische Münzen aus Alexandria

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Re: Römische Münzen aus Alexandria

Beitragvon hjk » Mi 28.09.11 20:25

Hallo @Homer, Peter43 & chinamul,

nachdem ich endlich mal wieder ein paar Minuten "rein kann": herzlichen Dank für die Infos! Ich hoffe, dass ich nach meinem Urlaub vielleicht noch ein oder zwei Exemplare präsentieren kann!

Schöne Grüße aus Frankfurt
hjk :-)
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Re: Römische Münzen aus Alexandria

Beitragvon helcaraxe » Do 29.09.11 19:14

Will auch mal wieder was von mir hören lassen: ;-)

Ich habe hier diesen an sich nicht spektakulären Diocletian aus Alexandria:

AE-Tetradrachme, Diocletian; 288/89 (Jahr 5); 8,06 g;  19 mm.
Av.: A K (sic!) OVA ΔIOKΛ[HTIANOC C]EB; belorbeerte und kürassierte Büste des Kaisers von vorn gesehen n. re.
Rv.: L-E (Jahr 5); Eusebia mit Altar n. li. stehend.
Förschner 1274 var (Vs.-Legende). Kamp./Gansch. 119.56 var (Vs.-Legende). vgl. Emmett 4052 (sehr häufig).

Der Witz ist, und das konnte ich sonst nirgend wo finden, dass die Vs.-Legende eindeutig mit A K _ OVA ΔIOKΛ.. beginnt und somit der Stempelschneider anscheinend ein Gamma in der Legende vergessen hat. In der mir zur Verfügung stehenden Literatur (Emmett, Kampmann/Ganschow und Förschner) konnte ich kein äquivalentes Exemplar finden.

Vielleicht könnte jemand so nett sein, in den größeren Werken (Geißen, Dattari, Milne) nachzusehen, ob ein derartiges Stück bekannt ist? Oder habe ich nur Tomaten auf den Augen?

Vielen Dank im Voraus!!
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Re: Römische Münzen aus Alexandria

Beitragvon chinamul » Fr 30.09.11 12:49

Auch ich konnte dieses Versehen nirgendwo publiziert finden, aber solche Sachen kommen immer mal vor. Das ist sicher ein interessantes Stück, aber ich fürchte, daß das auf den Wert keinen größeren Einfluß hat.

Gruß

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Re: Römische Münzen aus Alexandria

Beitragvon helcaraxe » Fr 30.09.11 12:53

Oh, um den Wert geht es mir auch gar nicht! Vielen Dank jedenfalls mit Nachschauen, jetzt kann ich das Stück jedenfalls mit einem korrekten (Nicht-)Zitat versehen.
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Re: Römische Münzen aus Alexandria

Beitragvon chinamul » Fr 30.09.11 12:57

Als Beleg dafür, daß solche Fehler gerade auch bei Diokletian keine einmaligen Erscheinungen sind, hier der Link zu einer anderen Tetradrachme dieses Kaisers, die ich von etwa zwei Jahren hier vorgestellt habe:
viewtopic.php?f=6&t=6325&p=252846&hilit=enaoy#p252846

Gruß

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Re: Römische Münzen aus Alexandria

Beitragvon Peter43 » Fr 30.09.11 16:35

Mein erster echter Apisstier:

Alexandria, Hadrian, 117-138
AE - Diobol, 9.04g, 23.77mm
Alexandria, 132/33 (Jahr 17)
Av.: AVT KAIC TRAIAN - ADRIANOC CEB
Büste, drapiert und cürassiert, belorbeert, n.r.
Rv.: Apisstier n.r. stehend, vor ihm brennender Altar
im Feld oben LIZ (Jahr 17)
Ref.: Emmet 1114; Dattari 2008; Sgl. Köln 1067; SNG Copenhagen 380 var.; Förschner 477
Pedigree:
ex Art Noot coll.

Chinamul hat in einem Beitrag geschrieben, echt sei der Apisstier nur mit einer Mondsichel auf der Seite und der Sonnenscheibe zwischen den Hörnern. Er hatte dazu ein hübsches Beispiel. Leider ist meine Münze stark abgewetzt. Meine Frage: Hatte der Stier ursprünglich auch eine Mondsichel auf seiner Flanke? Und von der Sonnenscheibe kann ich leider auch nichts erkennen. Trotzdem zweifele ich nicht daran, daß es sich hier auch um einen Apisstier handelt.

Gibt es dazu auch noch eine Nummer von Milne?

Mit freundlichem Gruß
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Re: Römische Münzen aus Alexandria

Beitragvon chinamul » Fr 30.09.11 17:37

Hallo Jochen!

Ein Steifftier hat als Echtheitsmerkmal den berühmten Knopf im Ohr, und beim Apisstier ist das die Mondsichel auf der Flanke. Dazu kommt noch der ägyptische Altar vor ihm. Mir ist jedenfalls noch kein Apisstier ohne Mondsichel untergekommen, obwohl bei meinem Exemplar dieses Stückes die Mondsichel ironischerweise ebenfalls nicht mehr zu erkennen ist. Eine Nachschau im Geißen hat aber gezeigt, daß bei den Dioboloi dieses Jahrganges die Mondsichel ziemlich wenig markant war und sich deshalb im Zahlungsverkehr wohl bald verabschiedet hat.
Die Referenzen in meiner Kartei: Geißen 1067; Slg. Frankfurt 477; Datt. 2008; Milne 1387; BMC 809 (alle var.: Scheibe zwischen Stierhörnern)

hadr diob apis j 17.jpg

Gruß

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Re: Römische Münzen aus Alexandria

Beitragvon Peter43 » Fr 30.09.11 18:06

Herzlichen Dank für Deine Aufklärung!

Jochen
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Re: Römische Münzen aus Alexandria

Beitragvon chinamul » Mi 05.10.11 13:25

Die hier gezeigten Drachmen sind in erster Linie als „Augenfutter“ gedacht, zumal die eine oder andere Münze schon einmal in diesem Thread vorgestellt worden ist. Die Stücke zeigen allesamt Patinafärbungen, wie man sie auf stadtrömischen Bronzen eher nicht findet. Dafür mag es vor allem zwei Gründe geben: Zum einen sind Drachmen, im Gegensatz etwa zu Sesterzen, aus Kupfer, und zum anderen könnten es die speziellen Bodenverhältnisse am Nil gewesen sein, die solche für mich besonders reizvollen Farbenspiele hervorgebracht haben.

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Gruß

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Re: Römische Münzen aus Alexandria

Beitragvon Mithras » Mi 05.10.11 15:07

Eine hier noch nicht gezeigte Drachme mit einer dunklen rotbraunen Kupferpatina:

Antoninus Pius
Drachme / 25,8g / 31mm

RV: Nike

Referenz fehlt mir noch... aber sollte evtl. die dort erwähnte sein?: http://www.acsearch.info/record.html?id=16235
Köln 1690; Emmett 1607.16

Interessant erscheint mir, dass sowohl bei meinem Stück als auch bei obigem und bei jenem: http://www.acsearch.info/record.html?id=223569 Schrötlingsrisse immer etwa bei 3 Uhr und bei 9 Uhr zu finden sind. Hat das etwas mit dem Herstellungsverfahren zu tun? Oder ist das Zufall?

LG
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Re: Römische Münzen aus Alexandria

Beitragvon tilos » Mi 05.10.11 19:23

Das breite Spektrum an farbiger Patina und deren Schönheit kann ich nur bestätigen! Aber ob das tatsächlich am "Nilschlamm" liegt (wurden denn diese Münzen tatsächlich alle im Nilschlamm gefunden?) oder vielleicht an der Legierung der Bronzen oder ?? - das mag ich nicht beurteilen.

Beste Grüße
Tilos
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Re: Römische Münzen aus Alexandria

Beitragvon tilos » Mi 05.10.11 19:24

und noch das Rv.
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Re: Römische Münzen aus Alexandria

Beitragvon chinamul » Mi 05.10.11 19:46

Hallo Mithras!

Ein feines Exemplar dieser weniger häufigen Drachme zeigst Du uns da!
Die Referenz Geißen 1690 scheint korrekt zu sein. Weitere wie Dattari 2698, BMC 1068, Milne 2191, und andere sind alle variant, teils wegen des Av.-Bildes oder auch der Legendentrennung.
Meine eigene Drachme dieses Typs und Jahrgangs findet sich ebenfalls nicht genau so in der Literatur. Ich habe sie daher notgedrungen unter Geißen 1690 var. (andere Legendentrennung) abgelegt.

Dein Stück würde ich so katalogisieren:
ANTONINUS PIUS 138 - 161
Æ Drachme Alexandria 152/153 (Jahr 16)
Av.: AYT K T AIΛ AΔP ANTωNINOC CЄB ЄYC - Belorbeerte und auf der rechten Schulter leicht drapierte Büste links
Rv.: Nike nach links schreitend; in der erhobenen Rechten Kranz, in der Linken Palmzweig
Links im Feld: L I ς (= Jahr 16)
Geißen 1690

Gruß

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Re: Römische Münzen aus Alexandria

Beitragvon chinamul » Mi 05.10.11 23:04

Hallo tilos!

So macht es richtig Spaß. Die Schönheit der Drachmen, auch der eigentlich nicht perfekt erhaltenen, erschließt sich nicht allen Romliebhabern auf den ersten Blick, manchmal auch noch nicht auf den zweiten, und manchmal sogar überhaupt nicht. Man muß sich eben erst hineingucken, und was könnte dazu besser verhelfen als die heute von drei Alexandriafans vorgestellten so unterschiedlichen Stücke?
Ich danke Euch herzlich für Eure Postings und hoffe, daß außer mir auch noch andere Forumsfreunde ihre Freude an den Fotos haben.

Gruß

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Re: Römische Münzen aus Alexandria

Beitragvon Mithras » Do 06.10.11 12:15

@chinamul: ich danke Dir für die Bestimmung meiner Münze und auch für das Eröffnen des threads wie auch das Vorstellen Deiner wundervollen Münzen aus Alexandria - erst dadurch wurde ich auf dieses Sammelgebiet aufmerksam und habe so gezielt meine Münze als meine erste Drachme aus Alexandria erworben, die nun ein paar Tetradrachmen als bescheidenen Einstieg ergänzt. Ganz sicher werden noch andere Münzen für dieses bei mir noch recht leere Münztableau folgen - eine gut erhaltene Drachme mit dem Nilus mag ich mir zum Beispiel irgendwann noch hinzulegen.

LG
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