Römische Münzen aus Alexandria

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Beitragvon chinamul » Do 11.12.08 13:13

In einem früheren Posting habe ich die meist unterdurchschnittliche Erhaltung der Drachmen Trajans beklagt. Hier zeige ich nun einmal eines der attraktiveren Stücke aus meiner Sammlung.

TRAJANUS 98 – 117
Æ Drachme Alexandria 113/114 (Jahr 17)
Av.: AYT TPAIAN CЄB - ΓEPM ΔAKIK - Belorbeerte und auf der linken Schulter leicht drapierte Büste rechts
Rv.: Demeter nach rechts stehend; in der Rechten lange, auf den Boden gestellte Fackel, in der Linken Kornähren; ihr gegenüber Euthenia mit Kornähren in der Rechten und Zepter in der Linken, deren Ellbogen sie auf schlanke Säule gelegt hat
Links und rechts im Feld: L I - Z (= Jahr 17)
Geißen 633 var. (Beschreibung Rv.-Bild); Datt. 836
22,58 g

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Beitragvon chinamul » Fr 02.01.09 14:12

Wenn man die Angebote bei eBay durchgeht, muß man leider feststellen, daß Angebote von Alexandrinern praktisch kaum noch zu finden sind. So ist es auch nicht verwunderlich, daß seit meinem letzten Posting vom 11.12.08 niemand etwas in diesem Thread vorgestellt hat.
Umso erfreulicher ist es da, daß ich jetzt die hierunter gezeigte, recht seltene Tetradrachme für knapp € 57 brutto ersteigern konnte.

ANTONINUS PIUS 138 - 161
BI Tetradrachme Alexandria 156/157 (Jahr 20)
Av.: ANTωNINOC CЄB ЄYCЄB - Drapierte Büste rechts
Rv.: Antoninus im Schritt nach rechts reitend; die Rechte erhoben, geschultertes Zepter in der Linken
Rechts im Feld: LK (= Jahr 20)
Geißen 1767 (wohl beidseitig stempelgleich mit meiner Münze)
12,68 g

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Beitragvon Peter43 » So 04.01.09 00:36

Mir ist heute diese Tetradrachme ins Netz gegangen, zu der ich aber noch eine genaue Bestimmung brauche:

Ägypten, Alexandria, Hadrian, 117-138
AE - Billon-Tetradrachme, 24mm, 12.82g
geprägt 127/128 (Jahr 12)
Av.: AVT KAI - TRAI ADRIA CEB
Büste, drapiert und cürassiert, von hinten gesehen, belorbeert, n.r.
Rv.: L DWDE - KATOV (Jahr 12)
Gott Ptah-Sokar-Osiris, den Körper in Mumienbinden gewickelt, mit Bart,
n.r. stehend, in beiden HändenSzepter mit Schakalkopf (Anubis-Szepter)
haltend.
Ref.: Milne 1257; Köln 981

Nun habe ich aber bei Coinarchives ganz ähnliche gefunden, d.h. ich konnte keinen Unterschied sehen, die bezeichnet waren als Milne 1262; Köln 982; Emmet 883; Dattari 1445.

Ich hoffe, daß mir ein erfahrenerer Alexandria-Sammlung aus diesem Dilemma helfen kann.

Dank im Voraus
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Beitragvon chinamul » So 04.01.09 01:02

Hallo Peter43,

Deine Münze, tolles Stück übrigens, ist eindeutig Geißen 982, und Geißen gibt unter dieser Nummer u. a. folgende Referenzen an: Dattari 1445; BMC 637; Milne 1262; Hunter 287; Mionnet 1050

Gruß

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Beitragvon Peter43 » So 04.01.09 01:13

Danke Dir! Ich hatte es mir schon gedacht, weil man der Verkäufer bei der Bestimmung seiner Münzen nicht immer zuverlässig ist.

Mit freundlichem Gruß
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Beitragvon Peter43 » So 04.01.09 22:06

Ich habe noch einmal die Bitte um eine genauere Referenz.

Ägypten, Alexandria, Hadrian, 117-138
AE - Tetradrachme, 22mm, 11.9g
geprägt 200/201 (Jahr 5)
Av.: AVT KAI TRAI - ADRIANOC [CEB]
Büste, drapiert auf der li Schulter, belorbeert, n.r.; vor dem Kinn
Mondsichel
Rv.: Agathodaemon-Schlange mit Shkent, n.r. aufgerichtet, hält li
Kerykeion und re Getreideähren
im re Feld [L] - E (Jahr 5)
Ref.: Milne 984

Außer Milne habe ich keine andere Referenz. Ich wäre glücklich über weitere Referenzen.

Mit Dank im Voraus
Jochen
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Beitragvon chinamul » Mo 05.01.09 12:57

Mit dieser Tetradrachme hast Du mir ja ein ganz schönes Kuckucksei in mein Nest gelegt!
Eine 100%ige Entsprechung für Dein Exemplar habe ich leider nicht finden können.
Für das Jahr Є sind mindestens die folgenden vier Varianten des Agathodaimon-Typs in Abbildungen und damit eindeutig definiert vorhanden:

1. Der Agathodaimon bildet unmittelbar hinter dem Kopf eine Schlinge, trägt Skhent und umschlingt links geflügelten Caduceus (Kerykeion), rechts eine Kornähre; im Abschnitt LЄ (Abb. Geißen 805 und Förschner 356).

2. Der Agathodaimon bildet unmittelbar hinter dem Kopf eine Schlinge, trägt Skhent und umschlingt links Caduceus (Kerykeion) ohne Flügel, im Gegensatz zu Nr. 1 auch ohne Kornähre; Datum L - Є links und rechts im Feld (Dein Stück)

3. Der Agathodaimon bildet diesmal unmittelbar hinter dem Kopf keine Schlinge, trägt Skhent und umschlingt links geflügelten Caduceus (Kerykeion), wieder ohne Kornähre; Datum L - Є links und rechts im Feld (Geißen 804)

4. Der Agathodaimon bildet unmittelbar hinter dem Kopf erneut keine Schlinge, trägt Skhent und umschlingt links Caduceus (Kerykeion) ohne Flügel, und mehrere (?) nach rechts herabhängende Kornähren; Datum L - Є links und rechts im Feld (mein Exemplar, s. Abb. unten).

Jetzt muß Du mal schauen, wie Du zitieren willst. Ich habe meine Münze als "Geißen 804 var. (Rv. ohne Getreidebüschel)" katalogisiert.

Noch eine abschließende Bemerkung zu meiner Tetradrachme: Man könnte den Eindruck haben, daß die Ähre(n), die der Agathodaimon rechts umschlingt, ursprünglich gerade in die Höhe hätte(n) ragen sollen, wobei sie dann jedoch mit dem Є der Datierung kollidiert wäre(n). Die Vergrößerung zeigt links neben dem Є ganz schwache Spuren, die diese Vermutung stützen könnten.

Gruß

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Beitragvon Peter43 » Mo 05.01.09 17:54

Vielen Dank für Deine ausführlichen Erläuterungen. Jetzt sehe ich auch, daß meine Beschreibung falsch war. Es finden sich keine Getreideähren, dafür sieht man noch das L oben im li. Feld.

Mit freundlchem Gruß
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Beitragvon chinamul » Fr 09.01.09 18:36

Drei Drachmen des Antoninus Pius.
Es sind keine numismatischen Kostbarkeiten, aber alle sind so erhalten, wie ich mir eine alexandrinische Drachme wünsche: ohne wesentliche Korrosionsstellen und mit einer möglichst gleichmäßigen originalen Patina. Der Grad der Abnutzung spielt dann für mich keine entscheidende Rolle.

Gruß

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Beitragvon emieg1 » Fr 09.01.09 18:38

So genau müssen antike Münzen aussehen... eben charakterlich wertvoll!
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Beitragvon cepasaccus » Fr 09.01.09 18:46

Der Nil ist huebsch.
kitty mea felis duodeviginti annos nata requiescat in pace. laeta gaudiumque meum erat. desiderio eius angor.
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Beitragvon Peter43 » Fr 09.01.09 23:25

Am interessantesten finde ich das I-S li und re oben im Feld. Das ist griechisch 16 und bedeutet die ideale Höhe der Nilflut, nämlich 16 cubiti, gemessen am Nilometer in Philae, die Überfluss versprechen.

Mit freundlichem Gruß
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Beitragvon antoninus1 » Sa 10.01.09 00:26

Ja, das sind wirklich attraktive Stücke. Wenn man die betrachtet, freut es einen und nichts stört das Auge.
Gruß,
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Beitragvon emieg1 » So 18.01.09 13:56

Ich habe eine ganz nette Billon Tetradrachme aus Alexandria bekommen. Es scheint sich dabei wohl um dieses Stück zu handeln:

http://www.wildwinds.com/coins/sear5/s2007.html

Leider hat sie partiell eine dicke Auflage...

Wie würdet ihr vorgehen bzw. hat jemand Erfahrung mit der Reinigung dieser Billon-Tetradrachmen? Ist der Silbergehalt so hoch, dass eine vorsichtige Reinigung mit EDTA in Frage käme, eventuell sogar die Alupapier/Salzsäure-Methode?

Oder sollte ich mich vorab mit Nadel unter dem Stereo-Mikroskop versuchen?

Einen schönen Sonntag wünsche ich euch.
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Beitragvon beachcomber » So 18.01.09 14:22

alupapier/salzsäure würde ich nicht empfehlen. dann hast du zwar wahrscheinlich nur eine silberfarbene oberfläche, aber dort wo das rote sitzt einen tiefen krater!
es hat ja schon jemand das rote oxyd geglättet. du k+onntest versuchenes besser zu machen unter dem mikroskop. :)
grüsse
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