Römische Münzen aus Alexandria

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Beitragvon chinamul » Do 12.11.09 20:35

Jetzt ja!
Danke für den Hinweis. Irgendwie ist mir, als hätte ich das mal gewußt, es aber wieder vergessen.

Gruß

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Beitragvon tilos » Fr 13.11.09 17:00

Egypten, Alexandria
Traianus AD 98-117
AE Drachme 33mm / 15,52g
datiert 112-13
Av.: belorb. Büste n.r., l. Schulter drap.
AYT Γ – AIAN CЄB – ΓЄPM ΔAKIK
Rv.:Eirene (r.) u. Homonoia (l.) einander zugewandt stehend
ЄIPHNH KAI O - MI - ONЄIA
i.F.: LIC(S) in field
Ref.: ?Emmett 450

Diesen Traianus konnte ich nicht liegen lassen. Vielleicht könnt Ihr mal über meine Beschreibung schauen und korrigieren. Was bedeutet dieses gemeinsame Auftreten von Eirene und Homonoia?

Beste Grüße Tilos
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Beitragvon Chippi » Fr 13.11.09 20:07

Hallo tilos,

kann ich verstehen, bei diesem Prachtexemplar kann man nicht vorbei gehen...

Gruß Chippi
Wurzel hat geschrieben:@ Chippi: Wirklich gute Arbeit! Hiermit wirst du zum Byzantiner ehrenhalber ernannt! ;-)

Münz-Goofy hat geschrieben: Hallo Chippi, wenn du... kannst, wirst Du zusätzlich zum "Ottomanen ehrenhalber" ernannt.
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Beitragvon chinamul » Fr 13.11.09 20:26

AYT TP - AIAN CЄB - ΓЄPM ΔAKIK (möglicherweise, was aber für Alexandria eher ungewöhnlich wäre, zwischen AY und T ligiert)
ЄIPHNH KAI O - M - ONOIA
LIς
Geißen zählt etliche Referenzen auf, die aber alle bezüglich der Vorderseiten-Bildbeschreibung und der Rv.-Legendentrennung variant sind.

Gruß

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Beitragvon curtislclay » Fr 13.11.09 20:32

Vogt, Alexandrinische Münzen, S. 90-91:

"Auch über interne Angelegenheiten der Stadt Alexandria geben die Münzen des 16. Jahres Aufschluss. OMONOIA POLEWC kommt nur dieses eine Mal vor und muss eine besondere Veranlassung haben. Zu ihr gehört ЄIPHNH KAI OMONOIA, die seit dem 13. Jahr bekannte Verbindung der für das Wohl der unruhigen Stadt so wichtigen Gestalten....So scheint sich die Tatsache zu ergeben, dass im Jahr 112/113 nach irgendeinem Zwischenfall die Eintracht in Alexandria förmlich wiederhergestellt wurde."
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Beitragvon tilos » So 15.11.09 16:15

Ich danke euch herzlich! Die Münze ist also nicht nur hübsch anzuschauen, sie lehrt uns auch Einiges und bewahrt dabei doch noch ein Geheimnis. Was mag das wohl für ein Zwischenfall gewesen sein? Werden wir das je erfahren??

Zur Av.-Leg.: Entweder es wurde ein Buchstabe vergessen oder in Ligatur geschrieben. Selbst mit der Lupe ist das kaum zu entscheiden. Die Ps (sprich errs) sind sehr "schmal" graviert, so wie einige andere Buchstaben auch.

Beste Grüße
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Beitragvon Peter43 » So 15.11.09 17:59

tilos hat geschrieben:Was mag das wohl für ein Zwischenfall gewesen sein? Werden wir das je erfahren??

Warum so pessimistisch? Unter Trajan gab es in Alexandria und Ägypten schwere griechisch-jüdische Spannungen, in die Trajan eingegriffen hat. So sollen griechische und jüdische Gesandschaften deswegen sogar nach Rom gekommen sein. So kann sich die Inschrift sehr gut auf den Versuch beziehen, die Streitigkeiten zwischen diesen beiden Volksgruppen zu schlichten. Leider blieb der Versuch erfolglos und 115-117 kam es in Alexandria zu Judenaufständen, die von Trajan blutig niedergeschlagen wurden. Dabei soll auch das prächtige jüdische Kultzentrum in Alexandria zerstört worden sein. Appian nannte ihn deshalb den 'Vernichter der Juden in Ägypten'.

Mit freundlichem Gruß
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Beitragvon tilos » So 15.11.09 18:20

Hallo Peter43, das war natürlich Zweckpessimismus, und hat mal wieder prima funktioniert. Also herzlichen Dank für die Lüftung des Geheimnisses!
Beste Grüße
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Beitragvon chinamul » So 15.11.09 19:55

Offenbar ist die folgende Drachme des Antoninus Pius ziemlich selten, da sie im Geißen, im BMC und im Milne nicht aufgeführt ist. Wer weiß Genaueres? Neben Literaturzitaten würde ich mich auch über eine Verifizierung meiner Lesung der Av.-Legende freuen. Mir scheint nämlich links bei zehn Uhr noch ein Buchstabe mehr zu stehen.

ANTONINUS PIUS 138 - 161
Æ Drachme Alexandria 138/139 (Jahr 2)
Av.: AYT K T AIΛ AΔP ANTωNINOC ЄYCЄB - Drapierte barhäuptige Büste rechts
Rv.: Elpis nach links schreitend; in der erhobenen Rechten Blume, mit der Linken Saum ihres Gewandes aufhebend
Links und rechts im Feld: L - B (= Jahr 2)
Geißen - ; Milne - ; BMC -
22,66 g

Gruß

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Beitragvon Peter43 » So 15.11.09 21:09

Hallo Chinamul!

Ich sehe das auch so. Den ersten gelben Buchstaben interpretiere ich als K.

Mit freundlichem Gruß
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Beitragvon tilos » Mo 23.11.09 20:37

Mal etwas allgemein, weil unbedarft, gefragt: Was hat es denn mit den stark untergewichtigen Tetradrachmen auf sich? Aus welchem Material bestehen diese und handelt es sich dabei um zeitgenössische Fälschungen?
Würde mich sehr interessieren, weil ich erstmalig mit einigen Exemplaren konfrontiert bin.
Beste Grüße in die Runde
Tilos
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Beitragvon quisquam » Mo 23.11.09 21:03

Bei den früheren Tetradrachmen gibt es stark untergewichtige Stücke, bei denen die unedlen Bestandteile aus der Legierung ausgewaschen sind und das Silber dadurch im Inneren eine schwammartige Struktur hat.

Oder meinst Du die späten Tetradrachmen gegen Ende des 3. Jahrhunderts, die oft auch als "Potin-Tetradrachmen" bezeichnet werden?

Grüße, Stefan
Eigentlich sammle ich nicht Münzen, sondern das Wissen darüber.
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Beitragvon nephrurus » Mo 23.11.09 23:09

tilos hat geschrieben:Egypten, Alexandria
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Diesen Traianus konnte ich nicht liegen lassen. Vielleicht könnt Ihr mal über meine Beschreibung schauen und korrigieren. Was bedeutet dieses gemeinsame Auftreten von Eirene und Homonoia?

Beste Grüße Tilos


das ist direkt mal ein Stück, das mich begeistern könnte- herzlichen Glückwunsch dazu!
Ansonsten finde ich die Ägyptischen Prägungen eher langweilig - Stil und Typus wiederholen sich ständig - gerade zu späteren Prägezeiten gibt es bei den Rückseiten kaum mal Abwechslung...
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Beitragvon chinamul » Di 24.11.09 00:48

nephrurus hat geschrieben:Ansonsten finde ich die Ägyptischen Prägungen eher langweilig - Stil und Typus wiederholen sich ständig - gerade zu späteren Prägezeiten gibt es bei den Rückseiten kaum mal Abwechslung...

Ist das denn bei den Reichsmünzen sooo viel anders? Für mich sind es gerade die ausgesprochen vielfältigen Verweise auf die ägyptische und griechische Götterwelt, die mich an den Alexandrinern immer wieder faszinieren.
Aber: Über Geschmack läßt sich nicht streiten, oder volkstümlicher: Watt den een sien Uhl, is den annern sien Nachtigall.

Gruß

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Beitragvon Peter43 » Di 24.11.09 01:43

Es gibt einen Satz von Umberto Eco, der ungefähr so heißt: "Wenn du lange genug auf einen Frosch siehst, wird auch der interessant." Das habe ich immer beherzigt. Siehe dazu meinen neuen Beitrag über den Reitersturz!

Mit freundlichem Gruß
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