Römische Münzen aus Alexandria

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Beitragvon chinamul » Mo 18.01.10 20:33

Diese Tetradrachme des Titus ist nicht allzu häufig und fehlte mir noch in der Sammlung. Ich fand sie beim „Gründeln“. Normalerweise bezeichnet dieses Wort die Nahrungssuche von Wasservögeln am Grunde von Gewässern, bei mir bedeutet das aber die gezielte Suche im Niedrigpreissektor des Internetangebots.
Für einen Gesamtpreis von 35 € ersteigerte ich ein Lot, das aus der Tetradrachme und zwei sehr hübschen Spätrömern bestand. Dieser Kauf zeigt, daß immer mal wieder ein Schnäppchen möglich ist, selbst bei eBay!

TITUS 79 - 81
BI Tetradrachme Alexandria 80/81 (Jahr 3)
Av.: AYTOK TITOY KAIΣ OYEΣΠAΣIANOY ΣEB - Belorbeerter Kopf rechts
Rv.: Rundum: ΣAPA - ΠIΣ - Drapierte Büste des Sarapis rechts mit Kalathos und Taenia
Rechts im Feld: L Γ (= Jahr 3)
Geißen 325 var. (dort mit Av.-Legende OYEΣΠAΣIAΣIANOY); Datt. 427; RPC 2468; BMC 281; Milne 461; Slg. Frankf. 213
12,89 g

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Beitragvon chinamul » Mo 25.01.10 14:31

Dieser feine Diobol des Domitianus war heute in der Post.
Æ-Alexandriner der Flavier sind oft ziemlich nachlässig geprägt, korrodiert oder so stark abgeschliffen, daß sie nicht mehr eindeutig bestimmbar sind.
Umso mehr erfreut es einen dann, wenn man ein zwar ebenfalls leicht abgenutztes, davon abgesehen aber wohlzentriertes Stück mit voll lesbaren Legenden kaufen kann (eBay France). Bei einem Preis von 48 € brutto kann man vielleicht sogar ganz vorsichtig von einem Schnäppchen reden.

DOMITIANUS 81 - 96
Æ Diobol Alexandria 83/84 (Jahr 3)
Av.: AYTOK KAIΣAP ΔOMITIANOΣ ΣEB - Belorbeerter Kopf rechts
Rv.: Drapierte Büste der Alexandria rechts mit Elefantenskalp
Rundum: ETOYΣ - TPITOY (= Jahr 3)
Geißen 334; BMC 310f.; Milne 473; RPC 2491; Dattari 465; Kampmann/Ganschow 24.18
10,04 g

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Beitragvon Peter43 » Mo 25.01.10 14:43

Du scheinst ja ein Händchen dafür zu haben!

Mit freundlichem Gruß
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Beitragvon chinamul » Mo 25.01.10 15:08

Vielleicht liegt es aber auch einfach daran, daß ich als Ruheständler über genügend Zeit verfüge, die internationalen Angebote gründlich durchzustöbern. Das kann sich in der heutigen Zeit ein Erwerbstätiger kaum leisten.

Gruß

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Beitragvon beachcomber » So 31.01.10 20:08

http://www.vcoins.com/ancient/ane/store ... oduct=5277
vielleicht was für die alexandriner-sammler?
grüsse
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Beitragvon chinamul » So 31.01.10 20:48

Unbedingt!

Gruß

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Beitragvon areich » So 31.01.10 22:29

Leider ist das Porto nach Deutschland nochmal so viel.

Naja, was soll's.

Wie rangieren denn Curtis, Emmett und Milne, nicht zu vergessen der Kampmann in der Relevanz? Nicht für den Spezialsammler aber wenn man
was Grundlegendes und eben ausreichendes zu Alexandria sucht?
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Beitragvon antoninus1 » Mo 01.02.10 10:18

Wenn man den Markt und die Preise ein bisschen kennt, braucht man Kampmann meiner Meinung nach nicht. Der ist etwas für Novizen, denke ich, gibt aber einen schönen Überblick über die Typen der einzelnen Kaiser und eine schöne Einführung.
Über die Preisangaben wurde ja schon diskutiert.

Curtis führt nur Tetradrachmen auf, keine Bronzen. Er gibt Seltenheitsangaben für die Prägungen der einzelnen Kaiser, aufgeschlüsselt nach Jahr und Rückseiten(-varianten).
Ich habe bisher den Eindruck, dass die auch zutreffend sind. Was im Curtis als rare oder very rare steht, findet man wirklich kaum angeboten.


Emmett finde ich auch gut, da er alle Prägungen aller Kaiser tabellarisch nach Typen und Jahrgängen mit Zitatangabe aufführt.
Nachteil: manche Typen werden nur pauschal aufgeführt (z.B. Isis steht rechts), so dass er interessante Varianten nicht erwähnt.

Seine Seltenheitsangaben kann ich manchmal nicht nachvollziehen. Gordian I. wird mit Seltenheit 1 angegeben, das heißt häufig.
Meint er nun das Vorkommen im Handel oder das absolute Vorkommen heute? Im Handel kommt er ja tatsächlich nicht selten vor, er wird halt häufig gehandelt.
Dass er aber absolut gesehen selten (und gesucht) ist, sieht man an den Preisen.


Milne kenne ich nicht.


Wenn man intensiver Alexandriner sammelt, kommt man um Dattari und/oder Geissen nicht herum.
Dattari ist recht leicht zu finden (aber ca. 130 €), Geissen sehr schwer (alle paar Jahre, und dann teuerer als Dattari).

In München kannst Du Dir die Werke mal anschauen (außer dem Kampmann). :)
Gruß,
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Beitragvon areich » Mo 01.02.10 12:08

Stimmt, da gab es ja noch mehr.
Den Kampmann habe ich erwähnt, weil ich gesehen habe, wie bei großen Händlern daraus zitiert wurde. Seltenheitsangaben sind wichtiger als Preisangaben, den Sinn der letzteren habe ich nie gesehen.
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Beitragvon Chandragupta » Mo 01.02.10 17:19

Du hast ja "im Prinzip" völlig recht. Aber wie willst Du eine objektivierbare Seltenheitsangabe hinbekommen?

Zur QUALität der Preisangaben gerade in Kampmann/Ganschow enthalte ich mich mal bewusst jeden Kommentars und denke mir meinen Teil ... :roll:

ABER: Wenn ein wirklicher Kenner des Marktes die Fragen Seltenheit und Gesuchtheit eines Types/Nominals in eine gut ausdifferenzierte(!) Preisangabe "gießt" (und zwar über das komplette Werk hinweg durchgehalten), dann ist die natürlich zwar auch "schon bei Erscheinen des gedruckten Buches veraltet", würde aber für die RELATIVE Bewertung einer Münze auch nach Jahrzehnten noch genügend Anhaltspunkte bieten.

Ein positives Bsp. in diesem Sinne sind die Seaby-Kataloge (trotz auch dort logischerweise hier und da enthaltener Fehleinschätzungen).

Da arbeitet der Sammler dann mit "Faustformeln" für die Umrechnung der angegebenen "alten" Pfundbeträge (oder sonstiger Währungen) in Euronen (und in 10 Jahren in "Globos", oder was auch immer es dann als bunt bedruckte Fiat-Money-Zettelchen von irgendwelchen "Zentralbanken" als Geldsurrogat gibt ;) !).

So bin ich jahrzehntelang recht gut gefahren (Sogar in der DDR richteten sich die Marktpreise der antiken Münzen sehr stark nach dem (1974er) Seaby... :) )
Numismatische Grüße,

Euer Chandra
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Beitragvon chinamul » Mi 03.02.10 19:44

Wieder eine Drachme, wie ich sie mag: ohne Korrosion und Bearbeitung, mit gleichmäßiger Patina. Dazu noch ist sie eindeutig bestimmbar. Der damalige Preis erscheint aus heutiger Sicht geradezu lächerlich niedrig.

ANTONINUS PIUS 138 - 161
Æ Drachme Alexandria 144/145 (Jahr 8)
Av.: AYT K T AIΛ AΔP ANTωNINOC ЄYCЄB - Belorbeerter Kopf rechts
Rv.: ЄYΘHNIA - Euthenia nach links lagernd; in der ausgestreckten Rechten zwei Kornähren und zwei Mohnkapseln, in der Linken, deren Ellbogen sie auf nach rechts liegende Sphinx stützt, Sistrum
Im Abschnitt: LH (= Jahr 8)
Geißen 1471
22,89 g
(1994 für 35 DM gekauft)

Gruß

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Beitragvon antoninus1 » Mi 03.02.10 23:52

Eine wirklich attraktive Münze (Erhaltungssammler jetzt einfach weghören).
Faszinierend finde ich auch die Menge an Attributen, die Euthenia beigegeben sind. Dass sie auch ein Sistrum hält, war mir noch gar nicht bewusst.
Gruß,
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Beitragvon Peter43 » Do 04.02.10 02:31

Sollte man sie dann nicht Euthenia/Isis nennen?

Mit freundlichem Gruß
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Beitragvon chinamul » Do 04.02.10 13:19

Obwohl die häufig bei der Isis auftauchende Rassel auf den ersten Blick dafür sprechen würde, ist Isis nicht die einzige Gottheit, die mit einem Sistrum dargestellt wird. Es handelt sich wohl um einen Kultgegenstand, der in Ägypten bei religiösen Handlungen zu Ehren unterschiedlicher Götter verwendet wurde.

Gruß

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Beitragvon chinamul » So 07.02.10 13:16

Nicht ganz ernst nehmen:

Während der Adler dem Jupiter als ganzer Person zum bequemen Reisen zur Verfügung stand (s. Link!), durfte Sarapis offenbar nur seine Büste so verschicken, wobei der Adler diese auch noch auf dem Kopf balancierte. Damit manifestieren sich schon in der antiken Götterwelt die Rangunterschiede bei den Transportmitteln. Es scheint sich mithin in dieser Hinsicht bis in unsere Zeit bei den Regierenden nicht viel geändert zu haben. Heute reist man zwar nicht mehr in Gänze oder auch nur als Büste per Bundesadler, aber die Zahl der Zylinder und die Motorleistung des jeweiligen Dienstfahrzeuges markieren doch immer noch sehr deutlich die herrschende Rangordnung.
http://www.numismatikforum.de/ftopic632 ... tml#137583

ANTONINUS PIUS 138 - 161
Æ Drachme Alexandria 156/157 (Jahr 20)
Av.: AYT K T AIΛ AΔP ANTωNINOC CЄB ЄYC - Belorbeerte und auf der linken Schulter leicht drapierte Büste rechts
Rv.: Adler mit geöffneten Schwingen nach rechts stehend; Kopf zurückgewandt; darüber Büste des Sarapis mit Kalathos und in Himation
Oben links und rechts im Feld: L - K (= Jahr 20)
Geißen 1787 var. (Av.-Legende); Milne 2334
22,57 g

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