Grossbronzen des 3. Jahrhunderts n. Chr.

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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Grossbronzen des 3. Jahrhunderts n. Chr.

Beitragvon Pscipio » So 07.08.05 23:50

Liebe Gemeinde

Durch einen ähnlichen Thread im Ami-Forum kam ich auf die Idee, hier einen Thread zu starten, in dem ich die eine oder andere Grossbronze des 3. Jahrhundert n. Chr. präsentieren möchte (Sesterz, Dupondius, As, Provinzmünzen *). Ich würde mich freuen, wenn andere Forumsmitglieder ihre gewiss vorhandenen Prachtstücke aus dieser Zeit ebenfalls zeigen würden, so dass mit der Zeit eine hübsche Reihe von schönen Stücken zu bewundern wäre, gleichermassen ein Genuss für unsere Augen wie auch eine schmackhafte Präsentation für potentielle Neusammler.

Zu Beginn ein Sesterz von Postumus und einer von Septimius Severus:

Postumus Sesterz, geprägt 260-269 n. Chr. in Lugdunum (wohl frühes Stück).
Av: IMP C POSTVMVS P F AVG, belorbeerte, drapierte und kürassierte Büste nach rechts.
Rev: FIDES MILITVM, Fides steht links, hält zwei Feldzeichen.
Ø 32 mm, 16.49 g
RIC 124

ss+/ss. Kleine Schmutzauflagen, Rückseite leicht dezentriert. Grosser Schrötling mit hübscher bläulicher Patina.

Septimius Severus Sesterz, geprägt 196 n. Chr. in Rom.
Av: L SEPT SEV PERT AVG IMP VIII, belorbeerte und kürassierte Büste nach rechts.
Rev: P M TR P IIII COS II P P, S C im Feld, Mars steht rechts, hält Speer rechts, stützt sich auf Schild links, Rüstung zu seinen Füssen.
Ø 29-30 mm, 22.70 g.
RIC 723b, "scarce"

-ss/s. Eine meiner Lieblingsmünzen aufgrund der tollen Färbung der Patina. Das erste Foto ist das Bild des Händlers, das zweite stammt von mir und zeigt die Farben realistischer.

In der Hoffnung auf viele weitere schöne Stücke
Pscipio

* Die Beschränkung auf das 3. Jh. beschloss ich einerseits, weil mich dieses Gebiet besonders interessiert, andererseits aber auch, um den Thread nicht ausufern zu lassen. Wenn er sich totgelaufen hat, könnte man einen neuen zu einem anderen Thema starten, sofern den an solchen Threads überhaupt ein Interesse besteht.
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Beitragvon Peter43 » Mo 08.08.05 00:52

Ok, dann will ich mal dem Aufruf von Pscipio folgen. Ich bin an sich Sammler von imperialen Münzen. Aber dann habe ich mich in diese Provinzialmünze 'verliebt' und jetzt bin ich den Provinzialen richtiggehend verfallen. Dies hier also war meine Einstiegsdroge:

Moesia inferior, Nikopolis ad Istrum, Elagabal (218-222)
AE 25, 10.68g
Av.: AV KM AVP - ANTONINVΣ
Büste, geharnischt und drapiert, mit Strahlenkrone, n.r.
Rv.: N/IKOΠO/ΛITΩN/ΠPOC I/CTPON in 5 Linien, in Lorbeerkranz
AMNG 2013
Selten; ausgezeichnetes VZ, hübsche schwarze Patina
veröffentlicht bei www.wildwinds.com

Jugendliches Portrait des Elagabal, das hübscheste, das ich jemals gesehen habe! Es zeigt deutlich die bisexuelle Natur dieses Kaisers, die so typisch für ihn war.

Und noch eine zweite:

Cilicia, Seleukia ad Calycadnum, Gordian III. (238-244)
AE 35, 21.23g, geprägt nach 241
Av.: IMP ANTONIOC ΓOPΔIANOC/CEB
Büste, geharnischt und drapiert, mit Lorbeerkranz n.r.
Gegenstempel: Delta mit zentralem Punkt in dreieckiger Punze
Rv.: CEΛEYKEΩN TΩN ΠPOC/KA-Λ/YK-AΔ/N-Ω
Aphrodite, drapiert, steht frontal, Kopf n.r., hält Spiegel vor ihr
Gesicht; zwei Eroten stehen frontal re. und li. neben ihr, jeder hält
eine Hochzeitsfackel.
im Abschnitt: EΛEYΘE/PAC
SNG Levante 774 var.; SNG France 1029 var.; Howgego 670
gutes SS
Veröffentlicht bei www.wildwinds.com

Mit freundlichem Gruß
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Beitragvon Pscipio » Mo 08.08.05 07:02

Ich hatte gehofft, dass du mit deiner neu entdeckten Liebe zur Provinzialprägung diesem Thread Leben einhauchen würdest. Prächtige Stücke, die Erhaltung des Elagabal ist schlicht sensationell!

Gruss, Pscipio
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Beitragvon andi89 » Mo 08.08.05 08:08

Hallo!

Tut mir leid, wenn ich hier eine etwas dümmliche Frage stelle, aber was ist eine "kürassierte Büste"?

andi89
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Beitragvon Pscipio » Mo 08.08.05 08:19

Hallo andi89, das Forum ist ja unter anderem dazu da, Fragen zu beantworten, du brauchst dich also gewiss nicht zu entschuldigen! Kürassiert bedeutet gepanzert, d.h. der Kaiser trägt (normalerweise) eine Panzerung, einen Brustpanzer. Auf dem Septimius Severus ist dies deutlich zu sehen, wenn du dich achtest, erkennst du links eine Schuppen- und rechts eine Streifenpanzerung; auch der Elagabal von Peter43 weist eine Schuppenpanzerung auf, er nennt die Büste "geharnischt". Du siehst, verschiedene Bezeichnungen (geharnischt, kürassiert, gepanzert, etc.) mit ungefähr der gleichen Bedeutung.

Gruss, Pscipio
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Beitragvon Peter43 » Mo 08.08.05 11:23

@andi89:

Vom Namen dieses Brustpanzers, dem Cuirass, deutsch Küraß, stammt auch der Name Kürassier. Das sind z.B. die gepanzerten Reiter, die den französischen Präsidenten begleiten, wenn er Staatsgäste empfängt. Sie fallen immer durch ihre glänzende Brust auf.

Auf den Münzen ist dieser Brustpanzer oft verdeckt, wenn die Büste noch zusätzlich drapiert ist. Dieser überwurf heißt Paludamentum. Vom Brustpanzer sind dann oft nur noch diese vertikalen Streifen an der Schulter zu erkennen. Das sind in der Regel schmale Leiderstreifen, die die Schulter schützen sollen und Pteryges (= Flügel) heißen.

Mit freundlichem Gruß
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Beitragvon Pscipio » Mo 08.08.05 11:41

Genau so habe ich mir das vorgestellt, schöne Münzen und dazu noch informative Beiträge und Diskussionen!

Hier ein weiteres Stück, wohl der beste Sesterz meiner Sammlung:

Philippus I. Arabs Sesterz, geprägt 247 n. Chr. in Rom.
Av: IMP PHILIPPVS AVG, belorbeerte, kürassierte und drapierte Büste nach rechts.
Rev: P M TR P IIII COS, S C im Feld, Felicitas frontal stehend, Kopf nach links gewandt, hält Cornucopiae und langen Caduceus.
Ø 29 mm, 19.64 g.
RIC 150c, Hunter 58, Cohen 140

ss+. Rückseite leicht geglättet, tolle braune Patina mit rötlichen Einschüssen. Mir gefällt vor allem das Porträt, ein richtiger Charakterkopf und doch (für einmal) ein freundliches Gesicht auf einer römischen Münze.

Gruss, Pscipio
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Beitragvon Peter43 » Mo 08.08.05 12:01

@Pscipio:

Ich habe mal gelesen, daß Philipp I. eigentlich ein räuberischer Araberscheich gewesen sei, der dann in der Armee Karriere gemacht hat. Hier sieht er ja fast wie ein gebildeter Römer aus!

MfG
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Beitragvon Pscipio » Mo 08.08.05 13:07

Man scheint sich bezüglich der Herkunft des Philippus I. Arabs nicht einig zu sein: Kienast zum Beispiel erwähnt Philippopolis in Arabien, Hans Georg Pflaum hingegen Chohba im Hauran. Stammt er wirklich aus einer jener Städte, so wird er wohl auch kein Araberscheich gewesen sein, es sei denn, man gab als seine Herkunft einfach die nächstgelegende Stadt an.

Es gibt noch einen Hinweis, der, sofern er denn richtig ist, gegen den "Araberscheich" sprechen könnte: sein Vater Iulius Marinus soll praefectus Mesopotamiae gewesen sein, seit 243 n. Chr. auch praefectus praetorio (Kienast). Richtig ist jedenfalls, dass sich Philippus in der Armee hochgedient hat, denn die erfolgreiche Laufbahn seines Bruder C. Iulius Priscus ist aus Inschriften überliefert und Philippus wird wohl auf eine ähnliche Karriere zurück geblickt haben.

Wenn es dich interessiert, könnte ich einen meiner ehemaligen Dozenten an der Uni anfragen, der seine Doktorarbeit über Philippus geschrieben hat (wenn ich denn seine email-Adresse noch finde).

Gruss, Pscipio
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Beitragvon chinamul » Mo 08.08.05 13:26

Na, dann will ich auch mal etwas zu diesem vielversprechenden Thema beitragen.
Mein Sesterz zeigt den jungen Gordian III, einen richtigen Sympathieträger. Das verdankt er wohl neben seinen unschuldig wirkenden Münzporträts mit dem leichten Überbiß nicht zuletzt der Tatsache, daß er schon so früh sterben mußte ohne die Chance, sich zu einem richtigen Tyrannen zu entwickeln. Solche Sympathieboni werden auch heute noch früh dahingerafften Toten gewährt, wenn man nur einmal an James Dean denkt. Dabei gibt es in der römischen Geschichte doch etliche Beispiele, daß zunächst vielversprechende jugendliche Kaiser allmählich zu Scheusalen entarteten, was wir indessen bei Gordian nicht unterstellen wollen.

GORDIANUS III 238 – 244
AE Sesterz Rom 241 – 243
Av.: IMP GORDIANVS PIVS FEL AVG - Geharnischte, drapierte und belorbeerte Büste rechts
Rv.: IOVI STATORI* S C - Jupiter mit nach rechts gewandtem Kopf frontal stehend; in der Rechten Zepter, in der Linken Blitz
RIC 298a; C. 111 (20,62 g)

*Der Iupiter Stator (auf der Münze im Widmungsdativ) heißt so, weil er derjenige ist, der das fliehende römische Heer zum Stehen (lat. stare) bringt. Er ist also der Gott, der besonders bei der Reaktion auf Angriffe fremder Mächte eine Rolle spielt. Im vorliegenden Fall könnten das die Abwehrkämpfe gegen die vordringenden Sasaniden gewesen sein.

Gruß

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Beitragvon Peter43 » Mo 08.08.05 13:50

@Pscipio:

Edward Gibbon schreibt:
Philipp, sein [des Misitheus] Nachfolger in der Präfektur, war von Geburt ein Araber, mithin in seinem früheren Leben ein Räuber gewesen. Sein Aufschwung aus so dunkler Herkunft zu der ersten Würde des Reiches scheint zu beweisen, daß er ein kühner und geschickter Anführer war.
Zitiert aus: Eduard Gibbon, Der Untergang Roms, ungekürzte Textausgabe Phaidon Verlag, S.110

Also die Wahrheit würde mich schon interessieren!

MfG
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Beitragvon peterf » Mo 08.08.05 13:57

Hallo,
auf den beiden Münzen von PScipio und chinamul, woran erkennt ihr eigentlich dasß es geharnischte Büsten sind ? Ich sehe nur die Drapierung. :puppydogeyes:

Grüße
peterf.
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Beitragvon Pscipio » Mo 08.08.05 14:22

@peterf

Soviel ich weiss, verzeichnet der RIC sowohl für Gordianus III. wie auch für Philippus I. nur drapierte und kürassierte Büsten. Wenn du dir die beiden gezeigten Münzen anschaust, erkennst du eine markante Schulterwölbung unter der Drapierung, dort befindet sich wohl der Kürass.

@Peter43

Ich werde schauen, ob ich den Kontakt zu Körner (besagter ehemaliger Dozent) herstellen kann.

@chinamul

Was für ein prächtiges Porträt! Allerdings sieht der Junge nicht nur ein bisschen niedlich aus, sondern auch ein bisschen dümmlich, so ist jedenfalls mein subjektiver Eindruck.

Gruss, Pscipio
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Beitragvon chinamul » Mo 08.08.05 14:25

Hallo peterf!

Peter43 hat etwas weiter oben folgendes ausgeführt:
"Auf den Münzen ist dieser Brustpanzer oft verdeckt, wenn die Büste noch zusätzlich drapiert ist. Dieser überwurf heißt Paludamentum. Vom Brustpanzer sind dann oft nur noch diese vertikalen Streifen an der Schulter zu erkennen. Das sind in der Regel schmale Leiderstreifen, die die Schulter schützen sollen und Pteryges (= Flügel) heißen."
Wenn Du ganz genau hinschaust, erkennst Du auf der Schulter des Gordian ganz unten, wenn auch nur schwach, die von Peter43 erwähnten Lederstreifen.
Auf dem folgenden Sesterz des Maximinus Thrax sind sie vielleicht etwas deutlicher zu sehen.

Gruß

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Beitragvon Peter43 » Mo 08.08.05 14:37

@peterf:

Manchmal sieht man auch nur noch eine Art nach unten offenes Dreieck, das nicht zur Drapierung gehört!

MfG
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