Historisch interessante Münzen

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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Beitragvon Pscipio » Fr 08.04.05 13:31

AndreusMacer hat geschrieben:Aber wir/ich sollte bei den Münzen bleiben...und das Thema nicht sinnlos aufblähen.

Danke, André, genau deswegen bin ich nicht mehr weiter auf das Thema Geldanalage eingegangen, obwohl meine Ansicht eher mit der deinigen übereinstimmt als mit derjenigen von pearl.harbour.

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Beitragvon B.A. » Fr 08.04.05 13:55

Wenn ein Stück in meine Sammlung aufgenommen worden ist, dann kommt es da auch nicht mehr raus.


Genau so sehe ich das auch, in gewisser Weise könnte man sagen ich bin ein "Münz-Messi" :wink:

Mfg
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Beitragvon Peter43 » Fr 08.04.05 23:00

Hallo!

Wenn ich eine interessante Münze gefunden habe, bemühe ich mich, möglichst viel über sie zu erfahren. Dazu gehören selbstverständlich die Geschichte des dargestellten Kaisers, seine Taten, seine Bedeutung, aber eben auch die Bedeutung der Darstellungen auf der Rückseite. Dann können selbst Münzen, die man schon viele Male in der Hand gehabt, plötzlich in einem neuen Licht erscheinen. So ist es mir jetzt mit diesem Antoninianus des Carinus gegangen.

Carinus 283-285, ältester Sohn des Carus
AR - Antoninianus, 3.95g, 22.6mm
Lugdunum, 1st Offizin, 282(?)
Av.: IMP CM AVR CARINVS AVG
Büste drapiert, geharnischt, mit Strahlenkrone, n.r.
Rv.: AEQVITAS AVGG
Aequitas steht n.l., hält Waage und Cornucopiae
im r. Feld A
RIC V/2, 212; C.8
Fast VZ, mit Rest von Silbersud!
89.-EUR

Ich bin einmal dem Begriff der Aequitas nachgegangen und möchte die Ergebnisse hier darstellen:

1) Beim Blick in den 'kleinen Stowasser' finden wir als erste Übersetzung 'Ruhe, Gleichmut, Gelassenheit'. Dies entspricht der griech. 'Ataraxia', und ist ein zentraler Begriff der stoischen Philosophie. Er bedeutet nicht Gleichgültigkeit gegenüber seiner Umgebung, sondern die Tapferkeit im Ertragen von Schicksalsschlägen. Auf diesen Aspekt will ich hier aber nicht näher eingehen, weil ich glaube, daß er bei unserer Aequitas auf der Carinusmünze eher nicht gemeint ist.

2) Als zweite Bedeutung finden wir 'Gleichheit vor dem Gesetz, Gerechtigkeit, Billigkeit'. Dies entspricht etwa der griech. 'Dikaiosyne'. Hier bezeichnet Aequitas im Rechtsdenken einen ganz speziellen Aspekt der Gerechtigkeit: Ihr schon sprachlicher Zusammenhang mit der Gleichheit meint nicht formale Gleichbehandlung, sondern gleiche Entscheidung gleichartiger Fälle. Damit wäre Gerechtigkeit nicht die gleiche Behandlung von allem, sondern die Forderung, gleiches gleich zu behandeln, und ungleiches ungleich! Im Pauly wird ausgeführt: In diesem Sinne billige Entscheidungen entsprechen der Aequitas. Versteht man derart Aequitas als Billigkeit im Recht, meint sie jedoch nicht unbesonnene Aufweichung fester Rechtstradition (im Sinne einer modernen Billigkeitsjurisprudenz), sondern die Verwirklichung der Gerechtigkeit im Recht, vor allem die materielle Richtigkeit der Fallentscheidung. D.h. hier wird bereits der Unterschied gemacht zwischen Recht und Gerechtigkeit. Dieser Aequitasbezug im römischen Recht ist sehr alt. Bereits früh werden Aequitas und Ius (Recht) zusammengestellt. Natürlich wird zunehmend klar, daß Ius und Aequitas auch auseinanderklaffen können (Gilt auch für unsere Zeit!). Insbesondere im späten Reich, und ganz besonders dann ab Constantin, wird das offensichtlich. In der Dominatszeit führt das zu bizarrer Heuchelei, weil die Kaiser an der Aequitas festhalten wollen, ihr Handeln jedoch in krassem Gegensatz dazu steht. Ab Theodosius entscheidet dann die kaiserliche Kanzlei allein, was unter 'gleich' zu verstehen ist. Damit fallen Ius und Aequitas endgültig auseinander. Dies ist aber kein Nachteil für die Aequitas - eher für das Ius -, sondern verstärkt nur ihre Bedeutung. So kann sie zum Maßstab der Kritik an der Rechtsprechung werden.
Das Bild, das wir von der Justitia haben, ist durch die Abbildung der Aequitas geprägt worden. Sie hält ebenfalls eine Waage in der Hand, allerdings sind ihre Augen verbunden, was ausdrücken soll, daß sie ihre Urteile ohne Ansehen der Person fällt.

3) Ein Blick auf die konkrete Darstellung auf der Rückseite der Münze zeigt uns eine nahe Verwandtschaft der Aequitas mit Moneta, beide halten Waage und Cornucopiae, ja, man könnte sie mit Moneta verwechseln, wenn nicht die Reverslegende Klarheit schaffen würde. So hat die Aequitas also eindeutig auch eine wirtschaftliche, finanzielle Bedeutung, nämlich die gerechte, gleichmäßige Verteilung der Güter auf die Bevölkerung. Gemeint sein kann damit z.B. die Largitio, die Geldspende des Kaisers an die Bevölkerung, die wir oft als Liberalitas mit dem Zählbrett dargestellt finden. Aber es könnte auch die gerechte, gleichmäßige Verteilung der regelmäßigen Getreidelieferungen nach Rom gemeint sein, sodaß Aequitas damit auch Beziehungen zu Annona bekäme.

Welche Bedeutung die dargestellte Aequitas bei Carinus hatte, kann ich nicht endgültig entscheiden. Persönlich vermute ich, daß es eher die zuletzt beschriebene ist, die gerechte Verteilung der Güter an die Bevölkerung, von der sie existentiell abhängig war - aber von der natürlich auch der Kaiser abhängig war. Denn wäre es dabei zu offensichtlichen Ungerechtigkeiten gekommen, hätte der Kaiser selbst in eine ernste Lage kommen können, wie wir es in der römischen Geschichte mehrmals gesehen haben. Dabei spielt natürlich die Bedeutung von Aequitas als Rechtsbegriff - also wie sie oben geschildert im Rechtswesen verstanden wird - untrennbar mit hinein.

Mit freundlichem Gruß
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Beitragvon chinamul » Di 12.04.05 16:02

Hallo Peter43!

Ich finde es immer verdienstvoll, wenn sich jemand mal die Mühe macht, eingehend über ein auf den ersten Blick wenig aufregendes Thema wie die Aequitas zu referieren, von dem man bereits alles zu wissen vermeinte. Habe vielen Dank dafür!

Hier nun eine den meisten Römersammlern ebenfalls bekannte Münze, die beim Übergang von der Republik zum Prinzipat eine nicht unbedeutende Rolle spielte.
Nach etlichen politischen Machtkämpfen um die Nachfolge des im Jahr 33 v. Chr. abgelaufenen Triumvirats zur Wiederherstellung der Republik – Lepidus war inzwischen kaltgestellt worden – mußte es schließlich zum Showdown zwischen den Rivalen Octavianus und Marcus Antonius kommen. Octavianus war dabei in der Wahl seiner Mittel nicht sehr zimperlich und arbeitete mit bösartigen Unterstellungen, Halbwahrheiten und Verleumdungen, um das Volk gegen Marcus Antonius aufzubringen, und der machte ihm das durch sein „unrömisches“ Verhalten auch nicht schwer. Immerhin hatte er unter anderem seine Gattin Octavia, die Schwester des Octavianus, mit der er zwei Kinder hatte, zugunsten Kleopatras verlassen und in Ägypten Anstalten zur Gründung einer eigenen Dynastie gemacht.
Am 2. September 31 v. Chr. war es dann soweit: Vor Actium an der Westküste Griechenlands trafen die Flotten des Marcus Antonius und der Kleopatra auf die des Octavianus. Als ihre Niederlage abzusehen war, flohen Marcus Antonius und Kleopatra nach Ägypten. Ein Jahr später waren beide tot, Kleopatra vermutlich durch Selbstmord, und Octavianus hatte nunmehr freie Bahn.
Um seine riesige Flotte finanzieren zu können, hatte Marcus Antonius eine Unmenge von sogenannten Legionsdenaren prägen lassen, die nicht alle aus gutem Silber waren und denen man auch die große Hast ansieht, mit der sie geprägt wurden. Sauber zentrierte und scharf konturierte Strücke sind daher eher selten. Die Denare tragen die Nummern einzelner Legionen, wobei Marcus Antonius keinen Unterschied machte zwischen solchen, die noch unter seinem Befehl standen, und denen, die für Octavianus kämpften. Der allgemeine Abnutzungsgrad der Münzen verrät, daß sie noch sehr lange umgelaufen sind, d. h. Octavianus hat offenbar darauf verzichtet, das Geld seines besiegten Widersachers aus dem Verkehr zu ziehen.
Man sollte beim Erwerb solcher Denare möglichst darauf achten, daß die Legionsnummer lesbar ist. Kleinere Punzen in unterschiedlichsten Formen sind die Regel und wirken sich daher nicht unbedingt wertmindernd aus. Für sehr schöne, gut zentrierte Exemplare muß man auch schon mal deutlich über 100 Euro ausgeben. Belegstücke kann man dagegen schon für 10 bis 20 Euro bekommen, besonders wenn die Legionsnummer nicht mehr zu erkennen ist. Alle aber sind interessante Zeugnisse eines Wendepunktes in der römischen Geschichte und sollten daher in einer Römersammlung nicht fehlen.

Römische Republik
Marcus Antonius
AR Denar Asia Minor 32 - 31 v. Chr. von Marcus Antonius vor der Seeschlacht von Actium zum Umlauf in Heer und Flotte geprägt
Av.: Galeere mit Ruderern nach rechts; Standarte im Bug
Oben: ANT . AVG ; unten: III . VIR . R . P . C
Rv.: Drei Feldzeichen; das mittlere ein Legionsadler
Zwischen ihnen: LEG . - XXII (Syd. 1245, 3,44 g)
(ANT AVG = ANTONINVS AVGVR / R.P.C = REI PVBLICAE CONSTITVENDAE = zur Errichtung der Republik)

Gruß

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Beitragvon Peter43 » Di 12.04.05 16:39

@chinamul:

Eine historisch sehr interessante Serie! Schön wäre es, wenn man alle Legionen zusammenbringen würde! Wahrscheinlich nur ein Traum!

Seit einiger Zeit werden diese Münzen angeboten in SS+, machen aber mit ihrem Lüster den Eindruck, als kämen sie direkt aus der Münzanstalt. Ihr Preis: Horrend! Die abgebildete z.B. soll €690 kosten. Gibt es darüber irgendwelche Informationen? Neuerlich Schatzfund?

Mit freundlichem Gruß
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Beitragvon Karsten » Di 12.04.05 16:53

chinamul hat geschrieben:Die Denare tragen die Nummern einzelner Legionen, wobei Marcus Antonius keinen Unterschied machte zwischen solchen, die noch unter seinem Befehl standen, und denen, die für Octavianus kämpften.


Das heisst dann aber auch dass die an die Legionen ausgegebenen Denare nicht unbedingt die Nummer der jeweiligen Legion enthielten und dadurch die Geschichte des Denars nicht mit der Geschichte der Legion uebereinstimmen muss ?

Imperium Romanum, Die Legionen des Imperiums
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Beitragvon chinamul » Di 12.04.05 17:33

@Peter43
Eine komplette Serie ist fürwahr nur ein schöner Traum. Ich habe bis jetzt 18 verschiedene, aber leider noch keine einzige von einer Sondereinheit. Vom Auftauchen der von Dir erwähnten Exemplare auf dem Markt ist mir nichts bekannt.

@Karsten
Man muß wohl davon ausgehen, daß selbst wenn die numerierten Denare zunächst jeweils an die Angehörigen der so bezeichneten Legion ausgegeben wurden, der Münzbestand sich sehr schnell durchmischte, wie es, wenn auch viel langsamer, auch mit den Euromünzen geschieht. Es ist vermutlich vor allem darauf angekommen, die Legionen durch die Erwähnung ihrer Nummer auf einem Geldstück zu ehren.

Gruß

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Beitragvon Karsten » Mi 13.04.05 09:08

chinamul,
das die Denare nicht lange im Besitz der Legionen blieben ist soweit schon klar, nur Deine Aussage dass Marcus Antonius keinen Unterschied machte zwischen solchen, die noch unter seinem Befehl standen, und denen, die für Octavianus kämpften bedeutet doch dass Marcus Antonius auch Denare praegen liess auf denen die Nummern der Legionen des Octavianus aufgepraegt sind. Davon ausgehend dass Marcus Antonius nicht auch noch fuer die Bezahlung seines Gegners sorgte, duerften die Nummern auf den Denaren und die der Legionen (an denen die Denare ausgegeben wurden) nicht immer uebereinstimmten.
Gruß,
Karsten

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Beitragvon chinamul » Mi 13.04.05 11:13

Karsten hat geschrieben:Davon ausgehend dass Marcus Antonius nicht auch noch fuer die Bezahlung seines Gegners sorgte, duerften die Nummern auf den Denaren und die der Legionen (an denen die Denare ausgegeben wurden) nicht immer uebereinstimmten.


Das wird wohl so sein. Denkbar ist natürlich auch, daß M. Antoninus mit dem Prägen von Münzen für die gesamte römische Streitmacht das politische und propagandistische Ziel verfolgte, sich damit als Sachwalter der wiederzuerrichtenden römischen res publica insgesamt darzustellen.
Wie sich die Sache nun genau verhielt, und an wen im einzelnen welche Denare ausgegeben wurden, kann eben nur gemutmaßt werden. Und solche Mutmaßungen gelten auch immer nur so lange, bis historische Belege sie als unzutreffend erweisen.
Festzustehen scheint allerdings, daß auch Legionsdenare von solchen Legionen geprägt wurden, die auf der Seite des Octavianus kämpften.

Gruß

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Beitragvon Peter43 » Mi 13.04.05 12:11

Woher hat Marc Anton das Silber gehabt? Von Kleopatra?

MfG
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Beitragvon Pscipio » Mi 13.04.05 12:33

Peter43 hat geschrieben:Woher hat Marc Anton das Silber gehabt? Von Kleopatra?

Ohne es jetzt im Detail nachgeschaut zu haben, gehe ich einmal davon aus, dass das Geld aus den üblichen Quellen römischer Magistrate kam: Steuern und Abgaben, Tributzahlungen abhängiger Könige (z.B. Herodes der Grosse, von dem man ja weiss, dass er sich die Bestätigung seiner Herrschaft nach Marc Antons Niederlage bei Octavian mit grossen Silberzahlungen erkaufte) etc. Man darf nicht vergessen, dass Marc Anton über den wohlhabenden Osten herrschte und das reiche Ägypten zum Verbündeten hatte, so dass sich seine Geldsorgen in Grenzen gehalten haben werden.

Gruss, Pscipio
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Beitragvon Peter43 » Di 19.04.05 00:25

Hallo liebe Forumsgemeinde!

Heute wieder einmal eine historisch interessante Münze (obwohl natürlich alle römischen Münzen interessant sind!).

Die Münze:
Valentinian III, 425-455, Sohn des Constantius III.
AV - Solidus, 4.51g, 21mm
Ravenna 1.Periode 425-ca.430, 5.Offizin(?)
Av.: DN PLA VALENTI -NIANVS PF AVG
Büste mit Paludiment über Brustpanzer, Kopf mit Rosettendiadem und
großem Juwel über der Stirn, n.r.
Rv.: VICTORI - A AVGGG
Kaiser, diademiert und in Rüstung steht frontal, hält in der re Hand
einfaches Langkreuz, in der li Hand Victoriola auf Globus, die Kranz
hochhält. Mit dem re Fuß tritt er auf den Kopf einer Schlange, die
einen menschlichen Kopf besitzt und deren Körper nach re gestreckt
auf dem Boden liegt und deren Schwanz aufgerollt ist.
im Feld li R, re V
im Abschnitt: COMOB
RIC X, Ravenna 2010, C.15; DOCLR. 841(?)
S! SS

Legenden:
AVGGG mit 3 G bedeutet eigentlich, daß zu dieser Zeit 3 Kaiser herrschen. Allerdings waren es 425 nur 2 Kaiser, nämlich Theodosius II. und Valentinian III. Deshalb wird das AVGGG einfach aus Gedankenlosigkeit oder Routine zustande gekommen sein.
COMOB ist die Abkürzung von wahrscheinlich COMES AURI, einer Art von Oberaufsehern der Münze, die zuständig waren für das Sammeln, Ausmünzen und Wiederverwenden von Gold. Benutzt wurde diese Bezeichnung nur im Westreich. Von COMES kommt übrigens das englische Wort Count, unser Graf. OBRYZUM - die Herkunft ist unklar - wurde benutzt zur Bezeichnung von Gold, das eingeschmolzen, auf seine Feinheit geprüft und dann wiederverwendet wurde. Es entspricht dem PUSULATUM beim Silber, d.h. es bezeichnet immer sehr reines Gold.

Valentinian III. wurde 425 zum Augustus ausgerufen, nach der Niederwerfung des Johannes. An diesen Sieg soll die Rückseitendarstellung der Münze erinnern.

Über Johannes:
Nach dem Tod des Honorius am 15.August 423, war sein nächster Verwandter Valentinian, Sohn der Galla Placidia. Allerdings befand er sich zu der Zeit gerade in Constantinopel. Dieses Machtvakuum erlaubte Johannes, dem primicerius notariorum (Chefnotar) die Macht im Westen zu ergreifen. Von ihm selbst ist nicht viel bekannt, nur daß er einen milden Charakter gehabt haben soll. Unterstützt wurde er vom magister militum Castinus und von Aetius, dem Sohn des magister militum Gaudentius. Nachseiner Akklamation in Rom, verlegte er seine Hauptstadt nach Ravenna. Die Herrschaft des Johannes wurde anerkannt in Gallien, Spanien und Italien, jedoch nicht in Africa. Die Versuche des Johannes mit Theodosius II., dem Herrscher des Ostreichs zu verhandeln, waren erfolglos. Er scheint keinen festen Zugriff auf die Macht gehabt zu haben und das ermutigte östliche Interventionen.
425 entsandte Theodosius eine Expedition unter dem Kommando des Ardabur, um Valentinian als Kaiser einzusetzen. Ardabur wurde gefangengenommen, aber gut behandelt, weil Johannes noch hoffte mit Theodosius verhandeln zu können. Ardabur jedoch überredete einige von Johannes Offizieren, ihn zu verraten. Nach seiner Gefangennahme wurde Johannes nach Aquileia geschafft, wo er schwer mißhandelt und dann getötet wurde. Drei Tage nach dem Tod des Johannes kam Aetius, einer seiner Generäle mit einer großen Streitmacht von Hunnen nach Italien. Anstatt den Krieg fortzusetzen, bestach Valentinian die Hunnen mit Gold und Aetius mit dem Amt eine Comes.(www.roman-emperors.org)

Zur Rückseitendarstellung:
Das Kreuz soll die enge Beziehung zwischen dem Kaiser und Christus zeigen. Die Schlange mit dem Menschenkopf stellt wahrscheinlich den besiegten Usurpator Johannes dar. Die Schlange als Symbol der Usurpation ist nicht unbekannt. Sie wurde bereits von Constantius II. benutzt nach der Niederwerfung des Magnentius (siehe RIC VIII, 233 No.1). Dies war nicht nur symbolisch gemeint.Constantin Porphyrogenitus beschreibt in De Caeromoniis 2.19 die Zeremonie eines kaiserlichen Triumphes, bei der der Kaiser seinen rechten Fuß auf den Kopf des niedergestreckten feindlichen Anführers gestellt hat, während sein Stallmeister das untere Ende des kaiserlichen Speers auf den Hals des Gefangenen gesetzt hat.(RIC X, S.56)

Über Valentinian:
Valentinian III. herrschte 30 Jahre. Aber er war einer der schwächsten Kaiser des Römischen Reiches. Unter ihm nahm der Zerfall des Westreiches immer mehr zu. Sein Ende kam, als er aus Mißgunst seinen erfolgreichen General Aetius, den Sieger über die Hunnen in der Schlacht auf den Katalonischen Feldern, ermorden ließ. Kurz danach wurde er selbst von Anhängern des Aetius ermordet. Der Untergang des Reiches war nicht mehr aufzuhalten.

Mit freundlichen Grüßen
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Beitragvon Pscipio » Sa 30.04.05 00:17

Liebe Gemeinde

Der letzte Beitrag in diesem Thread ist schon wieder ein Weilchen her, weshalb ich heute gerne eine "neue" Münze vorstellen möchte. Im Thread "Constantin, Münzstätte Ostia?" ( http://www.numismatikforum.de/ftopic9791.html ) sprach Sharif eine interessante und relativ seltene Münze von Constantin an, die in dem kurzen Zeitraum zwischen dem Sieg über Maxentius in der Schlacht an der Milvischen Brücke Ende Oktober 312 n. Chr. und der Schliessung der Prägestätte 313 n. Chr. geprägt wurde. Der Zufall wollte es, dass ich kürzlich einen Follis von Maxentius aus Ostia erwarb, den ich deshalb hier gerne vorstellen möchte:

Follis von Maxentius, geprägt 309 (-312?) n. Chr. in Ostia
Av: IMP C MAXENTIVS P F AVG, belorbeerte Büste nach rechts.
Rev: AETERNITAS AVG N, Castor und Pollux mit Speer (Szepter?) und Pferd am Zügel sich gegenüberstehend, dazwischen die Römische Wölfin mit Romulus und Remus nach links.
Ex: MOSTB
RIC VI 16.

Ø 25-27 mm, 6.22 g

Neben der guten Erhaltung bewogen mich sowohl die interessante Doppelprägung auf der Vorderseite (auch auf der Rückseite lässt sich, wenn auch nicht so markant, ähnliches entdecken) als auch das scheinbar relativ seltene Auftauchen der Römischen Wölfin zwischen den Dioscuren zum Kauf (bei wildwinds fand sich keine solche Prägung, bei coinarchives deren zwei, während die Prägung ohne Wölfin oft vertreten ist). Vielleicht kann jemand, der den RIC VI besitzt, mir die dort angegebene Seltenheit mitteilen? (auch wenn im oben genannten Thread aufgezeigt wurde, dass die RIC-Seltenheitsangaben nicht immer stimmen müssen)

Interessant an dieser Prägung ist die Rückseitenlegende AETERNITAS AVG (N). Maxentius begnügte sich in den ersten beiden Jahren seiner Herrschaft mit dem Caesarentitel, weil er sich mit Galerius zu arrangieren hoffte. Nachdem er aber zuerst den Angriff des Severus II. und später auch des Galerius selbst abgewehrt hatte, nahm er zusammen mit seinem Vater Maximianus den Titel eines Augustus an. Allerdings wurde ihm dieser auch in der Konferenz von Carnuntum 308 n. Chr., bei dem sein Vater durch Diocletianus zum erneuten Rücktritt bewegt wurde, nicht zuerkannt. Viel schlimmer noch, der in Carnuntum als Nachfolger des Severus II. eingesetzte Licinius I. wurde zum Augustus ernannt und mit der Vertreibung Maxentius aus Italien beauftragt. Dass Maxentius sich ab 309 n. Chr. auf seinen Münzen mit AETERNITAS AVG zu verewigen versuchte, wirkt unter diesen Umständen schon beinahe als Trotzreaktion gegen die fortwährenden Anfeindungen.
Immerhin hatte Maxentius insofern noch ein Weilchen Glück, als dass Licinius sich an der Rückeroberung Italiens nicht sondermässig interessiert zeigte, sondern sich 311 n. Chr. in erster Linie darum bemühte, sich Teile des Besitzes des verstorbenen Galerius anzueignen. Erst Constantinus I. schaffte es bekanntlicherweise 312 n. Chr., den störrischen Maxentius zu besiegen und Rom (und Ostia) zu erobern, womit sich der Kreis zu der Münze von Sharif schliesst.

Ich hoffe, in dieser kurzen Aufarbeitung der komplizierten und wechselhaften politischen Ereignisse der damaligen Tage nicht allzuviele Fehler begangen zu haben, für Richtigstellungen bin ich jedenfalls dankbar. Interessieren würde mich zudem, ob die Abkürzung N nach AETERNITAS AVG für Nobilissimus steht oder eine andere Bedeutung hat, eine Frage, die mir sicher jemand beantworten kann...

Gruss, Pscipio
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Beitragvon Peter43 » Sa 30.04.05 02:56

@Pscipio:

Diese Münze ist wirklich interessant, weil sie 2 verschiedene römische Mythenkreise auf einer Münze vereinigt. Ich selbst habe eine RIC 35 mit den Dioskuren ohne die Zwillinge, und leider in keinem sehr schönen Zustand.
Das N würde ich interpretieren als NOSTRI also AETERNITAS AUGVSTI NOSTRI. Das würde auch sinnvoll sein, weil Maxentius ja besonderen Wert darauf legte, zu zeigen, daß er die Interessen Roms und des Senats vertrete, also die enge Verknüpfung seines Schicksals mit dem Roms propagierte.

Deine Darstellung von den etwas verworrenen Verhältnissen zu dieser Zeit machen den Überblick etwas einfacher!

Obwohl die Münzen aus Ostia nicht gerade häufig zu finden sind, wird RIC VI, Ostia 16 unabhängig von der Offizina mit C2 angegeben.

Mit freundlichem Gruß
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Zuletzt geändert von Peter43 am Mo 09.05.05 13:33, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Pscipio » Sa 30.04.05 10:02

Hallo Peter43

Danke für dein Posting und das Nachschlagen im RIC. Auch hier glaube ich der Seltenheitsangabe nicht wirklich, mir scheint C2 doch etwas zu häufig zu sein. Natürlich kann ich dies aber nur aufgrund meiner bescheidenen Erfahrungen und den Ergebnissen meiner Online-Recherchen versuchen zu beurteilen.

Gruss, Pscipio
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