Historisch interessante französische Medaillen

Diskussionen rund um Medaillen, Medailleure, Jetons, Rechenpfennige

Moderator: Lutz12

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chinamul
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Beitrag von chinamul » Sa 19.05.07 11:08

Deshalb zeige ich hier ein weiteres Stück zur Familie des Duc de Berry. Seinem einige Monate nach seiner Ermordung geborenen Sohn wurde schon durch seinen Namen Dieudonné ("von Gott geschenkt") eine quasi religiöse Bedeutung zugemessen. Seine Geburt wurde von den Royalisten zu einer Art Wiedergutmachung der himmlischen Mächte für das Schicksal seines Vaters stilisiert. Auf der hier vorgestellten winzigen Medaille wird diese Sicht nun auf die Spitze getrieben: Das RESURREXIT ist eine fest mit der Auferstehung und anschließenden Himmelfahrt Christi verbundene Vokabel mit der Bedeutung "er ist wieder auferstanden". Gemeint ist hier wohl, daß der tote Vater in seinem Sohn fortlebt. Das ist zwar biologisch durchaus nicht abwegig, bekommt aber durch die Wortwahl einen - fast blasphemischen - Nebensinn. Wie man sieht, schreckte man in royalistischen Kreisen zu Propagandazwecken selbst davor nicht zurück.

Medaille (Ø 10 mm / 1,08 g); Silber in goldener Fassung mit ebenfalls goldenem Tragering
Av.: RESURREXIT - Das Linksporträt des Neugeborenen; unten Signatur C
Rv.: Das Herzogspaar

Gruß

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mumde
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Beitrag von mumde » Sa 16.06.07 22:29

Eine Standserhöhung ist doch eine wichtige Sache, die entsprechende Zeremonien und Feierlichkeiten mit sich bringt. Wenn z. B. der Herzog von Württemberg zum König von Württemberg oder der Kurfürst von Bayern zum König von Bayern ernannt wird, dann erfordert das Pomp und Gepränge und Freibier und Militärparaden und allgemeinen Jubel des Volkes, und eine Medaille auf solch einen Anlass stellt zumindest die feierliche Krönung durch einen hohen Geistlichen dar, und rundherum stehen die hohen Würdenträger des Landes in ihren Gala-Uniformen, und alle sehen prachtvoll aus. So wäre das normal, und so sähe eine normale Medaille aus.

Nun seht Euch mal diese französische Medaille aus dem Jahr 1806 an auf verschiedene Standeserhöhungen, die Napoleon I. vorgenommen hatte. Napoleon, der sich zum Kaiser ernannt hatte, ist groß auf der Vorderseite zu sehen. Er trägt den Lorbeerkranz der römischen Kaiser. Auf der Rückseite ist er durch seinen Thron, sein Zepter und seinen Kaisermantel groß im Bild symbolisiert. Und dann steht da ein Tisch, auf den ziemlich lieblos ein Haufen Königs- und Herzogskronen geschüttet ist. Sie symbolisieren die Ernennungen und Standeserhöhungen der verschiedenen Herrscher. Im wahrsten Sinne des Wortes unter den Tisch gefallen sind die drei Kronen von Sardinien, Hannover und Venedig. Diese drei Staaten hatte Napoleon abgeschafft.

Diese Darstellung sagt ganz direkt und brutal aus, wer hier welche Bedeutung hat: Napoleon ist der wichtige Mann, alle anderen sind unwichtig. Napoleon kann Herrschaften geben, und er kann sie auch wieder nehmen. Er braucht sie nur vom Tisch zu wischen.

Die politische Situation im damaligen Europa ist vom Stempelschneider Andrieu auf dieser Medaille mit einem Durchmesser von 41 mm ganz einfach, aber doch sehr eindrucksvoll wiedergegeben.
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Gruß mumde

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wpmergel
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Beitrag von wpmergel » So 17.06.07 12:24

mumde hat geschrieben:...
Die politische Situation im damaligen Europa ist vom Stempelschneider Andrieu auf dieser Medaille mit einem Durchmesser von 41 mm ganz einfach, aber doch sehr eindrucksvoll wiedergegeben.
Stimmt - aber wollte er oder trug man ihn?
Herzliche Grüße aus Waldeck
Wolfgang M.

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klaupo
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Beitrag von klaupo » So 17.06.07 17:17

Hallo Wolfgang,

die Medaille war, wenn ich das richtig aus L. Zeitz wiedergebe, eine Auftragsarbeit, deren Thema vom Direktor der Monnaie de Paris, Vivant Denon, für eine Histoire Médallique - eine Medaillenserie über die "Großtaten" Napoléons - ersonnen und als Auftragsarbeit vergeben wurde. Für den Entwurf erhielt ein Künstler namens Zix 24 Francs, für den Stempel gab es für Andrieu dann ein Honorar von 1200 Francs. Das war - und ist heute noch - ein Argument.

Denon, er geistige Vater dieser Themenumsetzungen, war übrigens keineswegs auf Napoléon fixiert. Als der 1815 bereits auf St. Helena saß und dort erfolglos versuchte, die Frau seines getreuen Genrals Bertrand zu verführen, präsentierte Denon dem russischen Zaren Alexander I. in der Monnaie höchstpersönlich eine Medaille mit dessen Konterfei. Er stand halt im Dienste der Kunst.

Gruß klaupo

P.S. Übrigens hat Denon es sich nicht nehmen lassen, sich selbst ebenfalls auf der oben vorgestellten Medaille zu verewigen: Im Exergue unter dem Tisch r. DENON D(irexit).

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chinamul
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Beitrag von chinamul » Di 26.06.07 11:06

Hallo mumde!

Vielen Dank für Deinen Beitrag mit der kompetenten und interessanten Kommentierung. Diese Medaille würde auch sehr gut in meine Sammlung passen.

Gruß

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Beitrag von chinamul » Mo 02.07.07 15:07

Link zu einer auch historisch interessanten Medaille von R. B. Baron:

http://www.numismatikforum.de/ftopic18144.html#161250

Gruß

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Beitrag von chinamul » Sa 14.07.07 11:22

Der französische Widerstandskämpfer Jean Moulin (20. Juni 1899 – 8. Juli 1943) war eine der wichtigsten Persönlichkeiten der französischen Résistance. Nach einem Jurastudium machte er eine Karriere in der Verwaltung, bis er schließlich 1937 Präfekt in Rodez im Département Aveyron und zwei Jahre später im Département Eure-et-Loir wurde.
Im Juni 1940 wurde er aus fadenscheinigen Gründen durch die deutschen Besatzer festgenommen. Weil er befürchtete, daß man ihn foltern und möglicherweise sogar töten würde, versuchte er sich das Leben zu nehmen, indem er sich mit einer Glasscherbe die Kehle aufschnitt. Er überlebte, trug aber eine tiefe Narbe davon, die er fortan mit einem ständig getragenen Schal verdeckte. Nach seiner Vertreibung aus dem Amt des Präfekten durch die Vichy-Regierung ging er in den Untergrund, schloß sich der Widerstandsbewegung gegen das deutsche Besatzungsregime an und wurde zu einem ihrer führenden Köpfe.
Am 21. Juni 1943 wurde er ein weiteres Mal festgenommen. Der als „Schlächter von Lyon“ berüchtigte SS-Hauptsturmführer Klaus Barbie bemühte sich, durch sadistische Folterungen die Preisgabe von Namen anderer Mitglieder der Résistance von ihm zu erzwingen. Moulin aber schwieg, bis er am 8. Juli 1943 an den Folgen der erlittenen Qualen schließlich starb.

Medaille Jean Moulin (Ø 71 mm / 260 g)
Av.: JEAN – MOULIN – Stark stilisiertes Porträt Moulins
Rv.: ET MOURIR SANS PARLER (" ... und sterben, ohne zu reden") – Wolf nach rechts, dessen rechte Vorderpfote in einem Fangeisen eingeklemmt ist.
Rechts unten monogrammiert mit ER (Medailleur nicht ermittelbar)
Randpunzen: 1984 – BRONZE

Zum Avers:
Das auf das Allerwesentlichste reduzierte Porträt Moulins vermittelt mit seinem vom Schatten der Hutkrempe verdunkelten Gesicht einen Eindruck von dessen konspirativem Wirken im Untergrund. Auch die ungeordnete Verteilung der Buchstaben seines Namens könnte als Verweis auf seine unstete, mit häufig notwendig werdenden Ortswechseln verbundene Tätigkeit aufgefaßt werden.
Zum Revers:
Der Wolf in der Falle kann selbstverständlich nicht sprechen, und das gilt auch für Moulin, bei dem es seine Loyalität gegenüber seinen noch nicht gefaßten Mitstreitern ist, die ihm verbietet, deren Namen und Aufenthaltsorte zu nennen. Die wie auf dem Avers ungeregelte Anordnung der Legende könnte hier symbolisieren, wie das Leben eines unbeugsamen Menschen unter der Folter allmählich zerbröckelt.

Gruß

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Beitrag von klaupo » Sa 14.07.07 14:17

Ich möchte nur die Daten zu dieser eindrucksvollen Medaille ergänzen. Hinter der Signatur ER verbirgt sich der Medailleur

Emile ROUSSEAU , graveur général des Monnaies.
Avers : visage d'un homme avec chapeau et écharpe JEAN MOULIN
Revers : dans une forêt, un loup, la patte dans un piège ET MOURIR SANS PARLER

Gruß klaupo

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Beitrag von chinamul » Sa 14.07.07 22:57

Hallo klaupo!

Vielen Dank für Deine Hinweise zum Medaillenkünstler, der hier tatsächlich ein würdiges Denkmal für einen außerordentlich bemerkenswerten Menschen geschaffen hat.
Die von Dir zitierten französischen Hinweise sind allerdings ziemlich oberflächlich und nichtssagend und werden der tatsächlichen Aussage der Abbildungen in keiner Weise gerecht.
Ich zähle diese Medaille - vor allem wegen des Porträts - zu den künstlerisch gelungensten Stücken in meiner Sammlung.

Gruß

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Beitrag von chinamul » Mo 16.07.07 18:38

Heinrich IV, seine Gemahlin Maria von Medici und deren Sohn Ludwig XIII

Diese Neuprägung einer prachtvollen Barockmedaille (Ø 100 mm / 440 g) zeigt auf dem Avers das Königspaar: Heinrich in reichverzierter Rüstung im halbplastischen Viertelprofil nach rechts, das sehr viel flacher gehaltene Porträt Marias im Vollprofil, ebenfalls nach rechts.
Legende: HENRIC(us) • IIII • R(ex) • CHRIS(tianissimus) • MARIA • AVGVSTA = „Heinrich IV, allerchristlichster König, die erhabene Maria“; unter dem Armabschnitt Heinrichs signiert mit G • DUPRE • E • 1605
Auf dem Revers PROPAGO IMPERII = „Sprößling des Reiches“ - Heinrich mit Lanze als Mars nach rechts stehend und Maria mit Schild als Minerva die Hand reichend. Zwischen ihnen ein Kleinkind, das durch den Delphin unter seinem rechten Fuß als der Dauphin (frz. für Delphin), also als der Kronprinz, gekennzeichnet ist. In den Armen hält das Kind den Helm des Mars. Von oben bringt ein Adler ein Krönchen für den künftigen Herrscher, den nachmaligen König Ludwig XIII (27. September 1601 - 14. Mai 1643).
Im Abschnitt: G • DUPRE • E
Randpunzen: Füllhorn - BRONZE

Gruß

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Beitrag von chinamul » Di 24.07.07 14:56

Eine weitere Medaille auf Dieudonné Duc de Bordeaux (Kupfer, Ø 50 mm / 69 g)
Der Kult um den ermordeten Duc de Berry treibt, wie schon anhand anderer Medaillen gezeigt wurde, die absonderlichsten Blüten.
Die recht konventionelle Vorderseite dieser Medaille zeigt den regierenden Louis XVIII, einen ziemlich unfähigen Herrscher. Interessant ist hingegen die Rückseite. Offenbar wurden die Royalisten nicht müde, den nach der Ermordung seines Vaters geborenen Dieudonné zu einer Art Erlöser zu stilisieren (s. die vorangegangenen diesbezüglichen Beiträge.) Jetzt kommt auf der vorliegenden Medaille ein weiterer Aspekt zu dem religiösen hinzu: Man beschwört das Andenken des allseits geachteten Ahnherrn Henri IV zur Bekräftigung des legitimen Anspruchs auf die französische Krone.
Man kann sich des Eindrucks kaum erwehren, daß der Mord am Herzog durch einen Bonapartisten den Royalisten gar nicht einmal so gänzlich ungelegen gekommen war. Immerhin hatte man jetzt einen Märtyrer, dessen Schicksal – und das seiner Witwe – man nunmehr nach allen Regeln der Propagandakunst zugunsten der royalistischen Sache ausschlachten konnte.

Beschreibung der Medaille

Av.: LVDOVICVS • XVIII – FRANC(iae) • ET • NAV(arrae) • REX = „Ludwig XVIII König von Frankreich und Navarra“ - Kopf nach rechts
Signaturen: Am Halsabschnitt ANDRIEU F • (fecit = hat ausgeführt); unten am Rand: DE PUYMAURIN DI • (direxit = hat anfertigen lassen)

Rv.: 0ben GALLIA • IMPETRATO • VOTO • RECREATA = „Gallien ist durch die Erfüllung eines Wunsches mit neuer Kraft erfüllt worden.“
Im Abschnitt in drei Zeilen: DIE • NATALI • HENRICI • CAROL(i) • FERD(inandi) • MARIAE / ADEODATI • ATREBAT(is) • DVCIS • BVRDIGAL(ae) / XXIX • SEPTEMBRIS • MDCCCXX = „Am Tage der Geburt des Henri-Charles-Ferdinand-Marie-Dieudonné, des Atrebaten und Herzogs von Bordeaux, dem 29. September 1820“
(„Atrebaten = alter gallischer Volksstamm; der vollständige Name Dieudonnés: Henri-Charles-Ferdinand-Marie-Dieudonné de Bourbon-Artois, duc de Bordeaux, comte de Chambord)
Links Minerva mit Helm und in mit den Bourbonenlilien besetztem Peplos nach rechts stehend; ihr gegenüber ein Engel (angelos = Bote!), der im Auftrage Gottes (Dieudonné = „von Gott geschenkt") das Kind bringt. In der Mitte eine vierkantige Säule mit der Büste von Henri IV. Minerva scheibt auf einen an der Säule befestigten Schild HENRICVS / ALTER = „Ein zweiter Henri (IV)“; unten an die Säule gelehnt der zweigeteilte Wappenschild Henris mit den Emblemen Navarras und Frankreichs.
Signatur links unten am Rand: ANDRIEU • FECIT
Hier noch ein hochinteressanter Link zum „Berry- Komplex“:
www.zeitenblicke.de/2004/01/scholz/index.html

Gruß

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Beitrag von mumde » Di 31.07.07 20:59

Heute fand ich eine Medaille, die in Chinamuls bisherige Beiträge hier ganz gut hineinpaßt. Es geht bei dieser Medaille um die sechs Angehörigen der Bourbonen-Familie, die nach der Französischen Revolution getötet wurden. Auf der Vorderseite opfert die Personifikation Frankreichs an einem Altar. Die Rückseite zeigt das Portraitmedaillon Henris IV. in der Mitte, auf den die Bourbonen ihren legalen Regierungsanspruch zurückführten, und rundherum im Uhrzeigersinn die Medaillons Louis XVI., Louis XVII., Marie Antoinettes, des Duc d’Enghien (der in Napoleons Auftrag umgebracht wurde), Elisabeths (der Schwester Louis XVI.), und des Duc de Berry, der hier schon öfter erwähnt wurde.
Die Medaille ist aber auch noch bemerkenswert, weil auf ihr bereits verwendete Portraits wiederverwendet wurden. Alle Portraits gibt es auch einzeln auf Medaillen. Ich habe drei Medaillen dazugetan, die ich gerade greifbar hatte, so dass man vergleichen kann. Die Bilder (nicht die Umschriften) entsprechen sich so weitgehend, dass ich sicher bin, dass hier kopiert wurde.
Die Seite mit der opfernden Francia ist signiert: CAQUÉ F., auf der Medaillon-Seite steht unten: LEVEQUE EDITEUR. Leveque ist also der Auftraggeber, der die Medaille herausgab und verkaufte. Die ursprüngliche Medaille auf Louis XVI. stammt von Duvivier, die auf Louis XVII. von Tiolier, die auf den Duc d’Enghien von Gatteaux. Man scheint das mit dem Urheberrecht damals noch nicht so richtig ernst genommen zu haben.
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Beitrag von chinamul » Di 31.07.07 23:52

Hallo mumde!

Es freut mich, daß ich Dir durch die von mir vorgestellten Medaillen diesen interessanten Beitrag entlocken konnte. Ich kenne das Stück, konnte es aber noch nicht erwerben (wurde brutal überboten!).

Gruß

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Beitrag von mumde » Mi 01.08.07 21:57

Lieber Chinamul, nicht von mir überboten, sicher nicht von mir. Und auch nicht bei diesem Exemplar, denn das befand sich schon seit ein paar Jahren in festen Händen.

Aber nun zu einer neuen Medaille:
Ich zeige hier eine Medaille, die ganz gut in diesen thread paßt, da sie den Duc de Berry zeigt, von dem hier schon andere Medaillen zu sehen sind. Ich kann aber nur das Foto zeigen und nichts weiter dazu schreiben, da ich über diese Medaille nichts herausgefunden habe. In der gängigen Literatur (Bramsen und Slg. Julius) fand ich sie nicht. Die Signatur des Stempelschneiders unter dem Kopf ist MERCHÉ F(ecit), aber ein Stempelschneider Merché ist im Forrer nicht aufgeführt. Die Inschrift der Rückseite ist: ENTRE LE DEP(artemen)T DE NORD ET MOI, EST A LA VIE ET A LA MORT. – SÉANCE DE CLOTURE DU 27 AOUT 1815.
Ich kann dem nur entnehmen, daß der Duc de Berry den Norden Frankreichs nicht ausstehen konnte. Ich weiß aber nicht, was der Norden ihm Böses angetan hatte, und ich weiß nicht, bei welcher Schlußsitzung er sich so feindselig über dieses Département äußerte.
Hat jemand eine Idee, worauf sich das beziehen könnte?
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Beitrag von chinamul » Do 02.08.07 09:42

Es ist doch wenig wahrscheinlich und wäre politisch höchst unklug gewesen, daß ein Thronanwärter sich so sehr gegen einen Teil seines künftigen Reiches stellt, daß das sogar seinen Niederschlag auf einer Medaille findet.
Ich halte zwei Möglichkeiten für denkbar:
1. Die Medaille wurde von Bonapartisten herausgebracht, um Berry zu diskreditieren und die Royalisten zu spalten.
2. Die Umschrift ist anders zu verstehen. Man könnte sie doch auch so auffassen, daß Berry und das Departement des Nordens auf Leben und Tod (Gedeih und Verderb) miteinander verbunden sind. Das scheint das Ergebnis einer Tagung zu sein.
Angesichts der tränenseligen Propaganda nach seiner Ermordung, die die ganze Nation zur Trauer aufruft und wohl auch unterstellt, daß dieser Appell nicht ganz ungehört verhallt, möchte ich der zweiten Möglichkeit den Vorzug geben.

Gruß

chinamul
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