Medaillen, Schmuck und Propaganda von 1800 bis 1919

Diskussionen rund um Medaillen, Medailleure, Jetons, Rechenpfennige

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mimach
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Berliner Eisen „Fer de Berlin“ und die Befreiungskriege

Beitrag von mimach » Do 14.04.22 21:42

E-98/1 Auf den Besuch des Königspaares F.W.III. und Luise in Schlesien, Tarnowitz

Jahr: 1798
Referenz: Olding 177; Sommer A 64; Müseler 49.1/12a (*26)
Medailleur: Friedrich Wilhelm Loos
E-98_1 -AV.jpg
Avers: Brustbilder des Königspaares versetzt nach links auf einem mit Rosen und Eichenlaub geschmückten Podest. Auf dem Podest die Inschrift in zwei Zeilen: DEN 25 IUN. | 1 7 9 8
Die Umschrift bogig, links und rechts vom Brustbild: FR. WILH. III. LUISE | K. U. K. V. PREUSSEN
E-98_1 -RV.jpg
Revers: Genius mit Grubenlampe hebt den Schleier der sitzenden Silesia, die auf ihren Knien ein Erzstück hält. Zu ihren Füßen ruhen zwei Löwen.
Die Umschrift bogig: WAS KUNST UND FLEISS IN TARNOWITZ GEWANN
Zwei Zeilen Inschrift unten im Abschnitt bogig: BRINGT SCHLESIEN | DEM KŒNIGLICHEN PAARE
Die Signatur unten links über dem Abschnitt: LOOS

Material/Maße: Eisenguss, Durchmesser 51 mm / Gewicht 36,7-49,19 g (Staatliches Museum Schwerin), 51 mm / 49,19 g (Tempelhofer Münzenhaus, Auktion 155, Los. 469)
Anmerkung: Die ursprüngliche Gedenkmedaille soll in Berlin aus schlesischem Silber geprägt worden sein, die gusseiserne Version als Andenken wahrscheinlich in der Königlich Preußischen Eisengießerei Gleiwitz.
Heinrich Bolzenthal schreibt zu dieser Medaille:
"Als der Monarch mit Seiner Gemahlin zum ersten Mal Seine Staaten bereiste, wurde diese Denkmünze in Breslau im Namen der Provinz Schlesien überreicht.“ Die Rückseite der Medaille soll, so Bolzenthal, auf den unter Friedrich den Großen wieder aufgenommen Bergbau in Tarnowitz hinweisen. Das Datum auf der Vorderseite, 25. Juni 1798, ist der Tag der Überreichung dieser Denkmünze an das Königspaar.(*27)
Bildquelle: Tempelhofer Münzenhaus, Auktion 155, Los. 469 (*28)

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Fußnoten u. Quellen
*26 - Karl Müseler: Bergbaugepräge II, Dargestellt auf Grund der Sammlung der Preussag Aktiengesellschaft, 1983
*27 - Heinrich Eduard Bolzenthal: Denkmünzen zur Geschichte S. M. des Königs von Preußen Friedrich Wilhelm III. in Abbildungen mit Erläuterung und Urkunden, Berlin 1834, Seite 5, No. 16
*28 - https://www.tempelhofer-muenzenhaus.de/ ... 71x594.pdf
Zuletzt geändert von mimach am Do 14.04.22 21:56, insgesamt 1-mal geändert.
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Berliner Eisen „Fer de Berlin“ und die Befreiungskriege

Beitrag von mimach » Do 14.04.22 21:55

E-01/1 Hundert Jahre Königreich Preußen

Jahr: 1801
Referenz: Olding 185; Sommer A 76
Medailleur: Friedrich Wilhelm Loos (1767-1818)

E-01_1 -AV.jpg
Avers: Unter einem strahlenden Stern die Brustbilder der ersten fünf Könige von Preußen nebeneinander gestaffelt nach links.
Umschrift oben bogig: FRIED. I. FR. WILH. I. FRIED. II. FR. WILH. II. FR. WILH. III

Unten am Rand die Signatur: F. LOOS

E-01_1 -RV.jpg
Revers: Der Sonnengott im Viergespann zeigt mit einer Fackel auf das Tierkreiszeichen Wassermann. Unter ihm Phosphorus, Eros und drei Horen, von denen die Vorderste der vor ihr rechts sitzenden Borussia einen Kranz aufsetzt.
Umschrift oben und unten, bogig: MIT NEUEM GLANZ | UND NEUEM GLÜCK
Im Abschnitt in zwei Zeilen das Datum: DEN 18 JANUAR | 1801


Material/Maße: Eisenguss, Durchmesser 55 mm / Gewicht 49,03 g (dieses Stück); 55 mm / 49,09 g (Tempelhofer Münzenhaus, Auktion 146, Los 1116);
weitere Gewichte: 38,43 g und 40,34 g (Olding)
Anmerkung: Bei Kluge/Stugeweit Nr. 123 wird die Beschreibung des Hofmedailleurs Daniel Friedich Loos, Friedrich Wilhelm Loos war dessen Sohn, zur Rückseite der Medaille überliefert:
„Apoll, das Symbol der Sonne, von den Horen begleitet, steigt in seinem von 4 Pferden gezogenen Wagen aus dem Ocean heraus und zeigt mit der Fackel auf den Thierkreis, und nämentlich auf das Zeichen des Januars, des Wassermanns, als den Monat der Krönung. Vor ihm schwebt Aurora, welche Blumen streuet und Phosphorus, der Morgenstern, gehet unter. Eine von den Horen, die Göttin des Friedens Eirene, krönt Preußen mit dem Kranze des Friedens. Die Göttin Preußens an ihrem Wappenschild kenntlich, hält die rechte Hand dankbar zur Gottheit empor für die ihr geschenkten Gaben des Überflusses und den schönen Folgen eines friedfertigen Staates, deren Symbol sie in dem Füllhorn in der linken Hand hält ...“
Die Medaille wurde nicht als offizielle Staatsmedaille zur Hundertjahrfeier vom König abgesegnet. Das Rennen machte der Entwurf von Abraham Abramson (Hoffmann Nr. 100 (*29) ; Kluge/Stugeweit 122). Daniel Friedrich Loos durfte den Entwurf seines Sohnes jedoch kommerziell im eigenen Medaillengeschäft vermarkten.(*30)
Eine eingehende Beschreibung und Deutung, z.B. der Kleidung der Könige und die des Tierkreiszeichens, findet sich bei H. Bolzenthal (1834) Nr. 26 (*31).
Bildquelle: Fotografie von Christian Juch



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Fußnoten u. Quellen
*29 - Tassilo Hoffmann: Jacob Abraham und Abraham Abramson – 55 Jahre Berliner Medaillenkunst 1755-1810, Kauffmann Verlag, Frankfurt am Main, 1927
*30 - Stugeweit/Kluge, Seite 158 bis 160, Nr. 122 und Nr. 123
*31 - Heinrich Eduard Bolzenthal: Denkmünzen zur Geschichte S. M. des Königs von Preußen Friedrich Wilhelm III. in Abbildungen mit Erläuterung und Urkunden, Berlin 1834, Seite 5, No. 16
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Berliner Eisen „Fer de Berlin“ und die Befreiungskriege

Beitrag von mimach » Do 14.04.22 22:00

Der Eiserne Obelisk.jpg

Der eiserne Obelisk zu Ullersdorf, 1802
Denkmal des Reichsgrafen Anton Alexander von Magnis (1751-1817) zur Erinnerung an den Besuch des preußischen Königspaares in Schlesien im Jahr 1800. König Friedrich Wilhelm III. und seine Frau Luise waren Gäste auf dem Renaissanceschloss des Reichsgrafen in Ullersdorf, Grafschaft Glatz. Die Herstellung des 25 m und 15 t schweren hohen Obelisken erfolgte im schlesischen Hüttenwerk Malapane unter Leitung des Berghauptmannes und späteren Ministers Graf von Reden. Für das inkl. Fundament 25 m hohe Denkmal wurden 4 Platten von je 22,6 m Länge benötigt. Diese waren unten 125 cm und oben 63 cm breit. Das Gießen solcher großflächigen Teile im sogenannten offenen Herdgussverfahren stellte zur damaligen Zeit eine technische Höchstleistung dar, die nur wenige Gießereien beherrschten. Das flüssige Eisen läuft dabei direkt aus dem Hochofen in die in Sand eingearbeitete Gussform vor dem Herd des Schmelzaggregates. Die Herstellung der Platten und des Innengerüstes, auf das diese aufmontiert wurden, erfolgte mit hoher Präzision. Die Einweihung des eisernen Obelisken fand am 10. März 1802, dem 26. Geburtstag der Königin statt. (Quelle: Harald Watzek, Die gusseisernen Obelisken von Ullersdorf und Mägdesprung, in Altheider Weihnachtsbrief – Dez. 2015, S. 200ff.)
Der Obelisk wurde 1974 im kommunistischen Polen unter dem Vorwand einer notwendigen Straßenverbreiterung zerstört. Der steinerne Sockel soll bis heute erhalten geblieben sein. (Quelle: https://polska-org.pl/510107,Oldrzychow ... dawny.html - aufgerufen 17.04.2022)

(Abbildung: Fototechnische Reproduktion Archiv Christian Juch – Quelle: Hermann Schmitz: Berliner Eisenkunstguß, Königliches Kunstgewerbemuseum, Verlag von F. Bruckmann A.G. München, 1917; Seite 8, Abb. 4)
Zuletzt geändert von mimach am So 17.04.22 23:55, insgesamt 3-mal geändert.
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Berliner Eisen „Fer de Berlin“ und die Befreiungskriege

Beitrag von mimach » Do 14.04.22 22:05

E-05/1 Friedrich Wilhelm III. - König von Preußen, Bildnismedaillon

Jahr: um 1805
Referenz: Kluge/Stugeweit - Suum cuique Nr. 125; Forschler-Tarrasch 2002, Nr. 60
Medailleur: Leonhard Posch

E-05_1 -Einseitig.jpg
Avers: Das Portrait des Königs in Generalsuniform nach links.
Revers: -


Material/Maße: einseitiger Eisenguss, Durchmesser mit Henkel 93 mm, ohne Henkel 88 mm
Anmerkung: Der einseitige Guss der Königlichen Eisengießerei in Berlin zeigt den fast noch jugendhaft wirkenden König. Das Medaillon soll um das Jahr 1805 entstanden sein und ist somit eine der ersten Arbeiten von Posch in Berlin in Zusammenarbeit mit der gerade erst 1804 in Betrieb genommen Königlichen Eisengießerei. Man beachte die Abbildung des Königs mit natürlichem Haar. Noch kurz zuvor ließ sich der Herrscher mit der Perücke Friedrich des Großen abbilden. Diese moderne Darstellung ohne Zopf sollte erst ab 1809 für die Münzprägung in Preußen übernommen werden.
Bildquelle: Staatliche Museen zu Berlin, IKMK 18214501 (*32)


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Fußnoten u. Quellen
*32 - https://nat.museum-digital.de/index.php ... oaded=true
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Berliner Eisen „Fer de Berlin“ und die Befreiungskriege

Beitrag von mimach » Fr 15.04.22 21:00

E-09/1 Freikorpsführer Ferdinand von Schill, Bildnismedaillon

Jahr: um 1809
Referenz: Slg. Julius 1932 b.Helbing Nr. 2167
Medailleur: wahrscheinlich Leonhard Posch

005 Medaillon Ferdinand Baptista von Schill - Slg Julius 2167.jpg
Avers: Die Büste Schills in Uniform nach links, darunter die Inschrift: SCHILL
Revers: -
Material/Maße: einseitiger Eisenguss, 71 mm

Anmerkung: Ferdinand Baptista von Schill (1776-1809), preußischer Offizier und Freikorpsführer, Führer des nach ihm benannten Freikorps „von Schill“.
Bildquelle: Die Abbildung zeigt eine Blei-Zinn-Legierung; mit freundlicher Genehmigung der „© Stiftung Stadtmuseum Berlin, Inv.-Nr.: KH 2008/17 EI“.
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Berliner Eisen „Fer de Berlin“ und die Befreiungskriege

Beitrag von mimach » Fr 15.04.22 21:26

E-09/2 Auf den Eintritt besserer Zeiten oder „Krieg und Frieden“

Jahr: 1809
Referenz: Slg. Marienburg 3693 (*33); Müseler 49.1/16 (*34); Arenhövel 153 , Slg. Julius 1932 b.Helbing Nr. 2149
Medailleur: Leonhard Posch (Medailleur), Ludwig Wolf (Entwurf) (*36)


006 Slg Julius 3693_Auf den Eintritt besserer Zeiten mit Jahreszahl -AV.jpg
006 Medaille - 1809 - Auf den Eintritt besserer Zeiten oder Krieg und Frieden - Posch, Eisenguss -AV 02.jpg
Avers: Rechts im Vordergrund die sitzende Borussia, gekrönt und im Hermelin, daneben Schild mit dem preußischen Adler. Rechts hinter ihr ein entwurzelter Eichenbaum und ein leerer Tempel der Minerva (u.a. Beschützerin des Handwerks, Gewerbes, Dichtung und Lehrens). Vor ihr ein abgetakeltes Schiff, ruhende und zum Teil zertrümmerte Geräte des Ackerbaues und Bergbaues.
Im Abschnitt die Inschrift in 3 Zeilen: OEDE TRAUREN | FLUR UND BERGE | MDCCCVI – MDCCCVIII (1806-1808)



Revers:
006 Slg Julius 3693_Auf den Eintritt besserer Zeiten mit Jahreszahl -RV.jpg
Variante A mit Jahreszahl:
Im Vordergrund fördern zwei Bergleute Kohle aus einem Schacht, mittig ein pflügender Bauer und auf dem Meer segelnde Frachtschiffe, im Hintergrund rechts Volk im Tempel opfernd.
Die Inschrift in 3 Zeilen: FLEISS UND FREUDE | KEHREN WIEDER | MDCCCIX (1809)
Im Abschnitt die Signaturen: WOLF DEL. (links), POSCH SC. (rechts)
006 Medaille - 1809 - Auf den Eintritt besserer Zeiten oder Krieg und Frieden - Posch, Eisenguss -RV 02.jpg
Variante B ohne Jahrszahl:
Gestaltung wie Variante A, die Inschrift in 2 Zeilen abweichend, ohne die Jahreszahl MDCCCIX (1809): FLEISS UND FREUDE | KEHREN WIEDER


Material/Maße: Eisenguss geschwärzt oder bronziert
Variante A mit Jahreszahl: Durchmesser 192,23 mm / Gewicht 959,62 g (Künker Auktion 335)
Variante B ohne Jahreszahl: Durchmesser: 192 mm / Gewicht: 859 g (dieses Stück); 190 mm / 1050 g ( Müseler, Sammlung Preussag AG)

Anmerkung: Die Medaille interpretiert die Rückkehr des Königs Friedrich Wilhelm III. nach Berlin und die damit verbundene Hoffnung auf bessere Zeiten.(*37) Der Entwurf der Medaille stammt von Ulrich Ludwig Friedrich Wolf (kurz: Ludwig Wolf). Seine bevorzugten Motive waren Figuren der Zeitgeschichte. Von ihm stammt unter anderem auch eine Zeichnung auf die Rückkehr des Königs nach Berlin am 23. Dezember 1809 (siehe Abbildung).(*38)
Zur Feier der Rückkehr des Königs wurden im Vorfeld eine große Anzahl von Medaillen gegossen und von Berlin aus an Städte auf der geplanten Reiseroute des Königspaares für den Verkauf geschickt. Liefermengen sind bekannt für das Oberbergbauamt Breslau (80 geschwärzte, 20 bronzierte), das Haupteisenmagazin (30 Stück), Stettin (30 Stück), Cüstrin (5 Stück), Hagelsberg (5 Stück), Potsdam (13 Stück), Brandenburg (5 Stück). Lieferungen gingen auch an Finkenwalde, Alten-Damm, Stargard, Schwedt, Pyritz, Greiffenhagen, Colberg, Cammin, Landsberg a.d. Warthe, Carlswerk.(*39) Zur Steigerung des Absatzes wurde den königlichen Beamten der Kauf der Medaille empfohlen.(*40) In den 1930er Jahren wurden Reproduktionen nach den originalen Mustern durch Lauchhammer(*41) und Gleiwitz(*42) angeboten. Im Gleiwitzer Katalog als „Medaillen auf das Wiederaufblühen des Bergbaues und des Handels 1808“ und im Lauchhammer Katalog als „Doppelseitige münzartige Plakette – Krieg und Frieden“ bezeichnet. Der Verkaufspreis betrug 1935 bei Preussag (Gleiwitz) 5 Reichsmark.
Bildquelle:
Variante A: Künker, Auktion 335, März 2020, Los. 3751 (*43)
Variante B: Fotografie von Christian Juch

006 Friedrich Wilhelm Bollinger - Einzug nach Berlin, Radierung 01.jpg
Feierlicher Einzug Seiner Majestät des Königs von Preussen Friedrich Wilhelm III. in die Residenz, Berlin am 23. Dezember 1809
Druckgrafik, Radierung. Hergestellt von Friedrich Wilhelm Bollinger (1777-1825) nach einer Zeichnung von Ludwig Wolf.
Der romantische Lyriker und Schriftsteller Joseph von Eichendorf (1788-1857) erlebte die Rückkehr des Königs nach Berlin. Alle verfügbaren Fenster entlang der geplanten Strecke waren an diesem Tag für 8 preußische Taler vermietet. Was einer heutigen Kaufkraft von ca. 1600 € entsprechen würde.
(Quelle: Frank Berger: Das Geld der Dichter in Goethezeit und Romantik, Verlag Waldemar Kramer, Wiesbaden 2020, Seite 37)
(*44)


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Fußnoten u. Quellen
*33 - Die Beschreibung bei Bahrfeldt weicht leicht von dem abgebildeten Stück ab. Jahreszahl auf der Vorderseite lautet MDCCCVIII (1808), auf der Rückseite wird keine Jahreszahl angegeben. Daher die Einordung bei Bahrfeldt für das Jahr 1808.
*34 - Karl Müseler: Bergbaugepräge II, Dargestellt auf Grund der Sammlung der Preussag Aktiengesellschaft, 1983 – Kommentar: Müseler ordnet die Medaille fälschlicherweise, so wie Bahrfeldt, dem Jahr 1808 zu. Als Anlass für die Gestaltung gibt er einen Friedensschluss von 1808 an. Für solch ein gewichtiges Ereigniss kommt aber nur der Frieden von Tilsit im Juli 1807 in Frage. Müseler gibt die Verausgabung der Medaille dann richtig für die Rückkehr des Königs nach Berlin für das Jahr 1809 an.
*35 - Willmuth Arenhövel: EISEN statt Gold - Preußischer Eisenkunstguß, Berlin 1982, Katalognummer 153, Seite 76- 77
*36 - Ludwig Wolf (1772-1832), deutscher Kupferstecher, Historienmaler und Illustrator in Berlin.
*37 - Zu der Rückkehr des Königspaares bei Mues & Olding, Seite 68, Anmerkung zu Nr. 232:
„Nach der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt zog der König über Sömmerda nach Magdeburg, erreichte am 20. Oktober 1806 Küstrin, das er wenige Tage später verließ, um über Osterode, Ortelsburg, Königsberg, wohin seine Familie geflohen war, schließlich am 8. Januar 1807 nach Memel, der östlichsten Stadt Preußens, zu gelangen. Von hier aus wurden nunmehr für ein Jahr die Regierungsgeschäfte getätigt. Erst am 16. Januar 1808 siedelte der Hof nach Königsberg um, das bereits am 25. Juli 1807 nach Begleichung der Kontributionen für Königsberg und Ostpreußen von den Franzosen geräumt worden war. Nach Beendigung der französischen Besetzung Berlins (24. Oktober 1806 bis 1. Dezember 1808) zögerte der König seine Rückkehr nach Berlin hinaus, teils aus persönlichen Neigungen, teils auch, um seine außenpolitische Entscheidungsfreiheit zu erhalten. Das ein Jahr später erforderliche klare Bekenntnis zu seinem Land und die innenpolitische Notwendigkeit, die königliche Autorität zu erhalten, bewogen ihn dann doch, am 23. Dezember 1809 nach Berlin zurückzukehren, wo er und seine Familie mit großen Freudenbezeugungen der Bevölkerung empfangen wurden. Vgl. Stamm-Kuhlmann 1992 Seite 240ff, 285f, 298, 304f.“
*38 - Über Ulrich Wolf siehe Wikipedia.org: https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Wolf_(Zeichner)
*39 - Eva Schmidt, Seite 77
*40 - Willmuth Arenhövel: EISEN statt Gold - Preußischer Eisenkunstguß, Berlin 1982, Katalognummer 153, Seite 76- 77
*41 - Lauchhammer Bildguß - Mitteldeutsche Stahlwerke A.G. – 1933, Seite 188
*42 - Gleiwitzer Kunstguss - Preussag - Katalog 1935, S. 65
*43 - Abbildung mit freundlicher Genehmigung von: Fritz Rudolf Künker GmbH & Co.KG, Osnabrück und Lübke + Wiedemann KG, Leonberg
*44 - Bildquelle: https://www.europeana.eu/en/item/206410 ... 13_1940986
Zuletzt geändert von mimach am So 31.07.22 22:13, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Medaillen, Schmuck und Propaganda von 1800 bis 1919

Beitrag von Comthur » So 17.04.22 15:15

Der Begriff "Berliner Eisen" sagte mir früher gar nichts ... als ich ein eisernes Kreuzchen mit Sibermontierung in meiner Sammlung so benannt fand. Die Inschrift bezog sich auf die Alliierten vor Leipzig : Heil den Ru., OE., PR., SC. auf den Kreuzenden und in der Mitte die Daten der sog. Völkerschlacht im Oktober 1813.

Mal sehen ob ich noch ein Bild gespeichert habe, welches ich hier dann mit einfüge.
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Re: Medaillen, Schmuck und Propaganda von 1800 bis 1919

Beitrag von mimach » So 17.04.22 16:23

Dann warte noch ein bisschen damit. Das Kreuz kommt bald. Dann kannst du deine Daten hinzufügen.
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Berliner Eisen „Fer de Berlin“ und die Befreiungskriege

Beitrag von mimach » So 17.04.22 20:39

E-09/3 Königin Luise von Preußen - Bildnismedaillon

Jahr: um 1809/10
Referenz:
- Kluge/Stugeweit - Suum Cuique Nr. 128 (das abgebildete Stück)
- Forschler-Tarrasch Nr. 81 b, Nr. 83
- Slg. Julius 1932 b.Helbing Nr. 2292: das Hüftbild der Königin nach rechts, einseitiger Eisenguss, 80 mm
- Slg. Julius 1932 b.Helbing Nr. 2293: das Hüftbild der Königin nach rechts, einseitiger Eisenguss, 85 mm
- Slg. Julius 1932 b.Helbing Nr. 2294: der Kopf der Königin nach rechts, einseitiger Eisenguss, 95 mm
- Slg. Julius 1932 b.Helbing Nr. 2295: das Brustbild der Königin nach rechts, ovaler einseitiger Eisenguss, 30x36 mm

Medailleur: siehe Anmerkung

007 Luise von Preussen, Kluge & Stugeweit Nr 128.jpg
Avers: Brustbild der Königin im Profil, nach rechts; mit Perlenschnüren durchflochtene Haare und mit Diadem, unten Hermelindraperie; unter der Brust eine zweireihige, die Draperie haltende Kette
Revers: -


Material/Maße: Eisenguss im Messingrahmen, 92 mm, einseitig
- Um die Übersichtlichkeit zu bewahren, wurden die Abmessungen der verschiedenen Ausfertigungen in der Sammlung Julius direkt in der Referenz genannt.

Anmerkung: Geboren als Luise von Mecklenburg-Strelitz am 10. März 1776, starb Luise, 34 Jahre jung, am 19. Juli 1810. Spätestens durch die Liebesheirat mit Wilhelm Friedrich III. am Heiligabend des Jahres 1793 galt das Königspaar und dadurch insbesondere der König beim Volk als bürgerlich. Wegen ihrer Rolle in den Kriegen Preußens mit Napoleon galt Luise als Volksheldin. Sie verhandelte 1807 in Tilsit mit Napoleon. Man versprach sich durch die schöne und charmante Königin einen günstigeren Frieden für Preußen. Bekanntlich wurde daraus nichts, doch das Treffen mit Napoleon wurde später als heroisch, patriotische Tat verklärt und Luise zu der ewig jungen Mutter von Preußen und dem späteren Kaiserreich stilisiert. (Immerhin gebar sie 10 Kinder, wovon 7 das Erwachsenenalter erreichten.) (*45)
Abbildungen des Kopfes oder des Brustbildes von Luise sind mannigfaltig. Wahrscheinlich handelt es sich bei den Stücken der Sammlung Julius um verschiedene Darstellungen der Königin von verschiedenen Medailleuren. Die bekanntesten wurden von Leonhard Posch(*46) gestaltet. Von Daniel Friedrich Loos(*47) und Abraham Abramson(*48) sind Medaillen zum Tod der Königin bekannt (Slg. Julius 2290, 2298 bis 2301).
Bildquelle: Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin, 18205479 (*49)

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Fußnoten u. Quellen
*45 - Medaille auf den Tod von Königin Luise, siehe: viewtopic.php?f=21&t=61947&p=522269#p522385
*46 - Anne Forschler-Tarrasch:Leonhard Posch – 1750-1832 – Porträtmodelleur und Bildhauer, Deutsche Gesellschaft für Medaillenkund e.V, Verlag Willmuth Arenhövel, Berlin 2002; Katalognummer 83 (Eisenguss mit Öse, 84 mm)
*47 - Klaus Sommer: Die Medaillen des Königlich Preussischen Hof-Medailleurs Daniel Friedrich Loos und seines Ateliers, Biblio Verlag, Osnabrück 1981; Katalognummern A 145, A 146
*48 - Tassilo Hoffmann: Jacob Abraham und Abraham Abramson – 55 Jahre Berliner Medaillenkunst 1755-1810, Kauffmann Verlag, Frankfurt am Main, 1927, Katalognummern: 119, 120, 121, 122
*49 - https://ikmk.smb.museum/object?id=18205479
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Beitrag von mimach » So 17.04.22 20:46

E-13/1 Das Bündnis mit Rußland – Der Beginn der Befreiungskriege


Jahr: 1813
Referenz: Olding 237; Sommer A 156
Medailleur: Daniel Friedrich Loos, J.A. Hoffmann

008 - 1813 - Medaille Los - Bündnis mit Rußland -AV.jpg
Avers: Die Brustbilder der beiden Herrscher Zar Alexander I. und König Friedrich Wilhelm III. in Uniform gegeneinandergestellt.
Die Umschrift: ALEXANDER KAISER VON RUSSLAND FR. WILHELM KOENIG VON PREUSSEN
Unten am Rand die Signatur: LOOS

008 - 1813 - Medaille Los - Bündnis mit Rußland -RV.jpg
Revers: Zentral vor einer Waffengruppe ragt ein Gedenkstein nach antiker Machart. Auf dem Stein die Wappen von Russland und Preußen durch Eichenzweige verbunden. Über den Wappenschildern das Datum D. 3 Nov. 1805 als Erinnerung an den Vertrag von Potsdam(*50). Auf dem Sockel die Inschrift: IM VERTRAUEN AUF GOTT
Am Rand die Umschrift bogig: BÜNDNISS ZUM KAMPF FÜR UNABHÄNGIGKEIT UND WOHLSTAND
Im Abschnitt die Inschrift in zwei Zeilen: GESCHLOSSEN IM MÄRZ | 1813

Material/Maße: Eisen, Durchmesser 44 mm / Gewicht 18 g
Auch in Gold, Silber, Kupfer, Zinn (44-46 mm, 24-30 g)
Anmerkung: Napoleons katastrophale Niederlage im russischen Feldzug von 1812 führte zum Zusammenbruch seiner Herrschaftsordnung in Europa. Im März 1813 schloss Preußen mit Russland ein Bündnis gegen den geschwächten französischen Kaiser, in das bis August Schweden, Großbritannien und Österreich eintraten. Damit begannen die Befreiungskriege, die mit der endgültigen Niederlage Napoleons im Juni 1815 endeten.(*51)
Bildquelle: © Gorny & Mosch Giessener Münzhandlung GmbH, Auktion 230, 2015, Los 5144 (Fotografie: Lübke & Wiedemann, Stuttgart)

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Fußnoten u. Quellen
*50 - Der Vertrag von Potsdam war ein Übereinkommen zwischen Alexander I. von Russland und Friedrich Wilhelm III. von Preußen vom 3. November 1805. Es verpflichtete das noch neutrale Preußen dazu, Friedensverhandlungen zwischen Napoleons Kaiserreich und Russland zu vermitteln und sollten diese Verhandlungen scheitern, den Krieg gegen Napoleon beizutreten. Das Abkommen wurde durch Ereignisse um die Schlacht bei Austerlitz letztendlich überholt.
*51 - Vertrag von Ried, 8. Oktober 1813, französisch-russischer Text (Transkription), Seite 11, aus: www.koenigreichbayern.hdbg.de, Aufrufdatum 08.09.2021
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Berliner Eisen „Fer de Berlin“ und die Befreiungskriege

Beitrag von mimach » So 17.04.22 20:52

E-13/2 Die Völkerschlacht bei Leipzig

Jahr: 1813
Referenz: Slg. Julius 1932 b.Helbing Nr. 2676; Olding 248 (in Silber mit Abbildung)
Medailleur: Johann Heinrich Karl (1781-1854, österreichischer Graveur und Medailleur)

009 - Völkerschlacht bei Leipzig 1813 - Slg. Julius 2676 Olding 248 -AV.jpg
Avers: Die Siegesgöttin Viktoria steht nach rechts, den Fuß auf den zerbrochenen Zeichen französischer Herrschaft ruhend: Joch, Ketten, Lanze, Fahne und Axt. Mit einem Pfeil in der rechten Hand graviert sie den Namen LIPSIA in ein Schild. Mit der Linken hält sie das Schild und ein mit Lorbeer umwundenes Schwert fest.
009 - Völkerschlacht bei Leipzig 1813 - Slg. Julius 2676 Olding 248 -RV.jpg
Revers: In einem Kranz aus einem Lorbeer- und Eichenzeig die Inschrift von zehn Zeilen: FRANC I ALEX FR WILH III | AVGVSTI | GERMANIAE LIBERTATEM | ADSERVNT | SOCIATIS ARMIS | AD LIPSIAM | D D XVI XVII XIX OCT | MDCCCXIII | DEBELLATO | HOSTE GALLO
(sinngemäß: Franz, Alexander, Friedrich Wilhelm … die Freiheit Deutschlands stellen sie mit vereinten Waffen zu Leipzig … durch den Sieg über den gallischen Feind sicher)
Material/Maße: Eisenguss, 49 mm
Anmerkung:
Bildquelle: Leipziger Münzhandlung Höhn, Auktion 83 und 84, Los 1044 in Silber
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Berliner Eisen „Fer de Berlin“ und die Befreiungskriege

Beitrag von mimach » So 17.04.22 20:57

E-13/3 Völkerschlacht bei Leipzig, einseitige ovale Medaille mit reitendem Kosaken

Fregazeichen Symbol.png
Jahr: 1813
Referenz: Slg. Julius 1932 b.Helbing Nr. 2679
Medailleur: -
Avers: Ein nach rechts galoppierender Kosake und Datum.
Revers: -
Material/Maße: Eisen, einseitiges Oval, 25 mm x 21 mm
Anmerkung: -
Bildquelle: -
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Berliner Eisen „Fer de Berlin“ und die Befreiungskriege

Beitrag von mimach » So 17.04.22 21:06

E-13/4 Das Eiserne Kreuz 1813, Militärehrenzeichen

Jahr: 1813
Referenz: Slg. Julius 1932 b.Helbing Nr. Los 2783 bis 2786
Medailleur: Karl Friedrich Schinkel


Avers: Glatter und geschwärzter Eisenkern
010 - Eiserne Kreuz - Großkreuz 1813 Slg. Julius 2783.jpg
Revers: Ein vierarmiges Kreuz. Im oberen Kreuzarm die preußische Königskrone und darunter die Initialen FW für Friedrich Wilhelm. Im Zentrum des Kreuzes ein dreiblättriger Eichenzweig. Im unteren Kreuzarm die Jahreszahl 1813. Ein feiner Silberstreifen innen betont den Umriss.


Material/Maße: Großkreuz: Gusseisen mit silberner Einfassung, Öse, 62 x 62 mm; Form I. Klasse: Eisen und Silber, Öse, 60 x 60 mm; Form II. Klasse: Eisen und Silber, Öse, 41 mm

Anmerkung: Das Eiserne Kreuz wurde in zwei Klassen und als Großkreuz(*52) verliehen. Für den Kriegshelden Feldmarschall von Blücher wurde eine Sonderform gefertigt: das Eiserne Kreuz auf einen Strahlenstern.(*53)
Das Großkreuz sollte als oberste Klasse als Halsorden zu tragen sein. Die Gestaltung des Eisernen Kreuzes der I. und II. Klasse ist identisch und wurde nur durch das jeweilige Band unterschieden. Das Eiserne Kreuz I. und II. Klasse wurde am Band im Knopfloch getragen. Die 1. Klasse konnte nur erworben werden, wenn vorher die 2. Klasse verliehen wurde. Als einzige kämpfende Frau erhielt die Auszeichnung Auguste Friederike Krüger, die unter dem Namen Lübeck an der Front kämpfte und zum Unteroffizier ernannt wurde.(*54) Die erste Lieferung des Eisernen Kreuzes erfolgte im April 1813 durch die Eisengießerei in Gleiwitz. Die Eisengießerei in Berlin goss dann bis Ende 1813 insgesamt 5696 Stück.(*55)
Zur Geschichte folgende Zusammenfassung von Thomas Schmidtkonz: „Rückdatiert auf den 10.3.1813 stiftete König Friedrich Wilhelm III. von Preußen den heute so bekannten militärischen Verdienstorden "Das Eiserne Kreuz". Dieser Tag war gleichzeitig der Geburtstag der bereits 1810 verstorbenen preußischen Königin Luise. Keine Geringere als sie selbst soll zu ihren Lebzeiten für so einen Orden erste Entwürfe gemacht haben. Der finale Entwurf erfolgte in Zusammenarbeit von Friedrich Wilhelm III. und Karl Friedrich Schinkel in Anlehnung an das Kreuz des Deutschen Ordens. Im Gegensatz zu den anderen Militärorden dieser Zeit verzichteten König Wilhelm III. und Schinkel bei der Herstellung des Ordens auf wertvolle Materialien. Der mit einem Silberrand umfasste Orden aus schwarzem Gusseisen stand symbolisch für die ritterliche Pflichterfüllung, bescheidene Zurückhaltung und Genügsamkeit eines tugendlichen preußischen Soldaten. Da der preußische Staat nach dem Motto "Gold gab ich für Eisen" Geld für die napoleonischen Befreiungskriege im Jahr 1813 einsammelte, traf das schlichte Design des Ordens voll den damaligen Zeitgeschmack. Das Eiserne Kreuz war in den Befreiungskriegen von 1813-1815 gegen Napoleon der erste europäische Kriegsverdienstorden, den auch einfache Soldaten für militärische Tapferkeit ohne Ansehen von Stand und Rang verliehen bekamen. Dies trug neben seinem schlichten, einfachen und fast modernen Design viel zu seinem einzigartigen Ruf bei. So dient auch heute noch das Eiserne Kreuz der Deutschen Bundeswehr als Hoheitszeichen, obwohl der Orden bislang in der BRD nicht mehr verliehen wurde. Obwohl Friedrich Wilhelm III. das Eiserne Kreuz ausdrücklich als einmalige Verleihung für die Befreiungskriege vorsah, legten zuerst Preußen und später das Deutsche Reich diesen Orden mit jeweiligem Stiftungsjahr neu auf. Zuerst führte König Wilhelm I. eine Neuauflage zu Beginn des deutsch-französischen Krieges im Jahr 1870 ein. Es folgte 1914 eine weitere Neuauflage durch Kaiser Wilhelm II. zu Beginn des 1. Weltkrieges. Adolf Hitler stiftete zu Beginn des 2. Weltkrieges 1939 die bislang letzte Auflage des Eisernen Kreuzes mit zahlreichen Unterklassen.“(*56)

Bildquelle: Slg. Julius 1932 b.Helbing Nr. Los 2783 (Tafel 42)

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Fußnoten u. Quellen
*52 - Das Großkreuz wurde nur 5-mal verliehen: Blücher, Bülow, Kronprinz Karl Johann von Schweden, Tauentzien, Yorck
*53 - Arenhövel, Seite 80
*54 - Eva Schmidt, Seite 134
*55 - Eva Schmidt, Seite 134
*56 - Thomas Schmidtkonz „Das Eiserne Kreuz - Geschichte und Sammelobjekt“, http://sammler.com/militaria/eisernes-kreuz.htm
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Berliner Eisen „Fer de Berlin“ und die Befreiungskriege

Beitrag von mimach » So 17.04.22 21:14

E-13/5 Ehrenkreuz aus Eisen mit silbernen Aufschlägen auf die Völkerschlacht bei Leipzig (16.-19. Oktober)


Jahr: 1813
Referenz: Slg. Julius 1932 b.Helbing Nr. 2684
Medailleur: -

011 - Ehrenkreuz mit silbernen Aufschlägen - 1813 - Völkerschlacht bei Leipzig - Slg Julius 2648 - AV.jpg
Avers: Schmales vierarmiges Kreuz.
Mittelschild der Vorderseite mit Inschrift: HEIL DEN, Silberbeschlag mit den Abkürzungen der Verbündeten gegen Frankreich: RU: für Russland (oben), PR: für Preussen (unten), OE: für Österreich (rechts), SC: für Schweden (links).

011 - Ehrenkreuz mit silbernen Aufschlägen - 1813 - Völkerschlacht bei Leipzig - Slg Julius 2648 - RV.jpg
Revers: Mittelschild mit Datum: OCT:1813, Silberbeschlag mit dem Tagesdatum an den Enden des Kreuzes: 16. (oben), 17. (rechts), 18. (unten), 19. (links).


Material/Maße: Eisenguss mit Silberblechapplikationen, 37 x 37 mm
Anmerkung: Laut WAG Auktion 72 (2015), Los 116 „Für die siegreichen Teilnehmer der Völkerschlacht. Slg. Merseburger 2569 (?)“, hier mit abweichender Inschrift auf dem Mittelschild der Vorderseite „HEIL DEM“. Die Abmessungen und restliche Aufmachung sind identisch. Eine Referenz für einen zu diesem Zweck gestifteten Orden konnte bisher nicht gefunden werden. Bei Eva Schmidt wird von Erinnerungszeichen berichtet, die nach der Schlacht bei Leipzig von Berliner Juwelieren und Graveuren hergestellt wurden. „Nach der Schlacht bei Leipzig wurden kleinere eiserne Kreuze mit Silberauflage und Strahlen an den Enden von Berliner Juwelieren und Graveuren als Erinnerungszeichen hergestellt, und zwar in verschiedenen Formen für die drei Armeen Preußens, Österreichs und Rußlands, die bei Leipzig gekämpft hatten. Sie trugen auf der einen Seite die Inschrift »16. 18. 19. Oct. 1813 L« (Leipzig) und auf der anderen Seite ein Plättchen mit »Germania« oder »Gloria «, »Viktoria «, »Sieg bei Leipzig«.“ (*57)
Bildquelle: Fotografie von Christian Juch

Slg. Julius 2684 - Referenz für Ehrenkreuz aus Eva Schmidt.jpg
Kleines Eisernes Kreuz mit Silberauflagen als Erinnerung an die Schlacht bei Leipzig
(Bildquelle: Eva Schmidt, S. 135, Abb. 121b)




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Fußnoten u. Quellen
*57 - Eva Schmidt, Seite 134 und 135
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Re: Medaillen, Schmuck und Propaganda von 1800 bis 1919

Beitrag von Comthur » Di 19.04.22 14:31

Das obere Kreuzchen hatte auch ich mal in der Sammlung, ein sehr schönes Stück Geschichte.

Für das Militär gab es "offizielle" Erinnerungsmedaillen aus Bronze (-für Kämpfer) sowie Eisen (-Nichtkämpfer) mit entsprechenden Jahreszahlen(Kombinationen) zwischen 1813 und 1815. Die Bronzenen mit der Randinschrift "Aus erobertem Geschuetz". Bei den Eisernen, früher als Medaille "II.Classe" bezeichnet, meine ich ein "C" an der Bandöse erkannt zu haben. (Kenne aber die Bedeutung nicht)

Von den Eisernen Kreuzen konnten Anfangs nicht genügend hergestellt werden, sodaß diese Kreuze in der ersten Zeit nach dem Tod des Beliehenen zurückgegeben und an weitere Berechtigte "vererbt" wurden (...werden mussten). Die KDM`s (Kriegsdenkmünzen) gingen noch bis nach den 1871er Krieg an die jeweilige Kirche der Heimatgemeinde zur Erinnerung, wo sie mitunter noch heute zu sehen sind.
HONOR MAGRI JVDICIVM DILIGIT

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