Warum sind Münzen rund?

Wie zahlten unsere Vorfahren? Was war überhaupt das Geld wert? Vormünzliche Zahlungsmittel

Moderator: Locnar

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Zoppo
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Beitrag von Zoppo » Fr 11.01.08 11:39

Hmmmm- sattle den Gedanken mal von der anderen Seite auf.
Was wäre denn die Folge, wenn Geld eine andere Form hätte?

Vermutlich hätte die Hälfte unseres Volkes ständig löcher in den Taschen.
Rundes Geld lässt sich leichter Transportieren und reißt nicht so schnell ein Loch in die Hosentasche.
Die logische Weiterentwicklung wäre ja dann ein Loch in der Mitte.
Damit lässt es sich an einer Schnur auffädeln oder einen Stock oder Stange stapeln.
Also wieder ein Fortschritt.
Lässt es sich bei gleicher Materialdicke aufgefädelt leichter zählen?

Handhabung?
Viereckig rollt es nicht davon wenn es runter fällt, aber wie ist es zu handhaben?
Verletzungsgefahr?
Jedoch denke ich, daß auch früher das eine oder andere Kind mal ein Geldstück verschluckt hat, wohl eher von untergeordneter Rolle sein dürfte.

lässt sich die Frage ähnlich beantworten, warum Gabel und Löffel heute so andere Formen haben wie vor 200 jahren. Weiterentwicklung ins praktische?

Mit sicherheit war eckiges Geld leichter herzustellen.
Ne Blechschere gab es wohl schon zu Anfang der Metallbearbeitung
Den Stempelschneidern dürfte es auch egal gewesen sein.

Spätestens heute wäre Geld rund.
Wohl jeder Cola- und Zigarettenautomat würde sonst streiken.

Chippi
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Beitrag von Chippi » Fr 11.01.08 12:07

Klar lässt sich die Entwicklung von Messer und Gabel erklären. Früher hat man das Messer auch als "Gabelersatz", also zum Aufspießen, benutzt. Ein Messer war früher ein Universalwerkzeug, welches jeder mit sich trug. Dann kam die Gabel dazu, zum Fleischaufspießen, dazu brauchte sie nur 2 Zinken, allerdings haben unsere in der Regel 3 Zinken, dies haben wir Friedrich II. und der Kartoffel zu verdanken.

Dies so mal kurzgefasst.

Gruß Chippi
[quote="Wurzel"]@ Chippi: Wirklich gute Arbeit! Hiermit wirst du zum Byzantiner ehrenhalber ernannt! ;-)[/quote]
[quote="Münz-Goofy"] Hallo Chippi, wenn du... kannst, wirst Du zusätzlich zum "Ottomanen ehrenhalber" ernannt.[/quote]

diwidat
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Beitrag von diwidat » Fr 11.01.08 14:31

Bei uns hat es auch schon mal Versuche mit unrunden Münzen gegeben, die aber, aus welchen Gründen auch immer, wieder verworfen wurden.
Offensichtlich hatten die Münzenexperten des Mittelalters keine Freude daran.

Entgegen heutiger Herstellungstechnik, bei der eine runde Scheibe aus einem Blech ausgestanzt wird (das Werkzeug wird auf einer Drehbank hergestellt - Buchhalter und Pädagogen wissen, dass man nicht eckig drehen kann) wurde damals ein Blechstreifen (Zaine) in kleine quadratische Stücke geschnitten (unter Beachtung des Gewichtes) und beprägt.

In Abänderung der Technik (zB die Rappenmünzen aus Freiburg) wurden bei den Handhellern die Seiten des Quadrates ausgehämmert, so dass wieder eine fast runde Münze entstand.
Von Hosentaschen zerreißen oder so, war mit Sicherheit noch nichts relevant.
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heripo
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Beitrag von heripo » Do 17.01.08 12:11

Interessant - @ diwad - an Deinem oberen Bild ( das Lot "Händleinheller") ist, dass es sich hier um die Technik des sog. "Vierschlags" (Vierschlagpfennige) handelt, mit welcher der zuvor quadratisch ausgeschnittene Zain mit einem Schlageisen quasi-rund geschlagen wurde - dazu wurde das Schlageisen leicht schräg nach Aussen angesetzt, weshalb man also nicht nur die Rundung sondern auch eine der vier Linien in der Mitte erkennt, von der ab - nach Aussen hin - das Metall "getrieben" wurde, so dass es im inneren als auch etwas dicker geblieben ist, als an den abgerundeten Stellen.
(der große Vorteil dieser Technik war, dass man zuverlässiger die Zaine auf das richtige Gewicht "justieren" konnte und keinen "Abfall" in Kauf nehmen mußte, der dann erneut eingeschmolzen werden mußte - also Energie sparend).

Mn beachte nun aber.: der unterste dieser Händleinheller zeigt aber neben dem Vierschlag auch deutlich, daß der Zain zusätzlich noch gerundet worden war, was auf alle Fälle nach dem "Vierschlag" passiert sein mußte, wie die leichte Randaufwölbung erkennen lässt. - Ich muß gestehn, eine solche Varianten des Vierschlagpfennigs habe ich bisher noch nicht gesehen!

Ist solches anderen Pfennig-Sammlern schon mal aufgefallen ?

Gruß heripo
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Meiner Fähigkeiten bin ich mir durchaus bewußt - leider überwiegen aber immer noch die Unfähigkeiten !

diwidat
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Beitrag von diwidat » Do 17.01.08 18:58

In Freiburg hatte man eine etwas andere Technik des "Rundmachens",
da blieben bei den Rappenmünzen die Zipfel des Schrötlings-Quadrates stehen.
Das ergibt eine Mischung aus rund und quadratisch am selben Stück.
(leider kein Beispiel vorhanden)

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Toltec
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Beitrag von Toltec » Mo 28.01.08 22:04

Hallo,
Ecken bedeuten Verletzungsgefahr. Warum hätte man sonst die Ecken bei dem abgebildeten mittelalterlichen Pfennig umgeschlagen.
mfg.
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Chippi
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Beitrag von Chippi » Mo 28.01.08 22:17

Kurioses Stück, sowas hab ich noch nie gesehen!

Gruß Chippi
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Dietemann
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Beitrag von Dietemann » Di 29.01.08 14:19

Toltec hat geschrieben:Ecken bedeuten Verletzungsgefahr. Warum hätte man sonst die Ecken bei dem abgebildeten mittelalterlichen Pfennig umgeschlagen.
Weil sonst die Ecken abgebrochen wären und damit das Gewicht nicht mehr gestimmt hätte.

Gesehen habe ich so ein Stück aber auch noch nicht.

Gruß Dietemann

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Toltec
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Beitrag von Toltec » Di 29.01.08 22:04

Hallo,
Silber ist ein relativ weiches und geschmeidiges Material. Wenn die Ecken abbrechen würden, dann wäre dies bereits beim Umschlagen passiert. Silber wird erst nach Jahrzehnten spröde und brüchig. Ich habe mal irgendwo gelesen, daß man Dünnpfennige und auch Brakteaten gestapelt und in Stoff eingewickelt hat. Da würden natürlich solche Ecken auch stören. Wir werden es wahrscheinlich nie erfahren, warum man aus dem einfach herzustellendem viereckigem Rad ein rundes gemacht hat. :P
mfg.
Toltec
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