Münzstempel Legierung

Wie zahlten unsere Vorfahren? Was war überhaupt das Geld wert? Vormünzliche Zahlungsmittel

Moderator: Locnar

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Susat
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Münzstempel Legierung

Beitrag von Susat » Mi 07.04.10 17:33

Hallo,
ich interessiere mich für die Legierung eines mittelalterlichen Münzstempels. Gerne auch eine Metallographische Analyse um den Gefügezustand zu erkennen. Oder auch Erfahrungswerte für die Härte eines solchen Stempels.

Weiß da jemand was genaues und könnte mir Hinweise geben?

vieln Dank susat
mit freundlichen Grüßen aus der alten Hansestadt Soest, susat

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Numis-Student
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Re: Münzstempel Legierung

Beitrag von Numis-Student » Mi 07.04.10 21:30

Hallo Susat,
ich hatte das Glück, in einer Museumssammlung auch mehrere Münzstempel zu sehen. Es waren alles Eisenstempel, so dass ich Legierungen eher ausschliessen würde.
Schöne Grüße,
MR

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Locnar
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Re: Münzstempel Legierung

Beitrag von Locnar » Do 08.04.10 13:10

Hallo Dirk,

Allzu "Hart" sollten sie nicht gewesen sein, sonst würden sie zerspringen.

Auch die Kohlenstoffanreicherung sollte mehr oder weniger Zufall im Schmiedefeuer gewesen sein. ( ein bisschen aufkohlen werden sie also schon)

Ich schicke dir was per Mail
Gruß
Locnar

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Susat
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Re: Münzstempel Legierung

Beitrag von Susat » Do 08.04.10 16:12

hallo ecki,
vielen dank für deine mail.

Allzu "Hart" sollten sie nicht gewesen sein, sonnst würden sie zerspringen.

das ist mir schon klar nur zu weich ist auch nix dann verformen sie sich nach 50 schlag. Also die Frage bleibt: wie hart muß so ein stempel werden?

Auch die Kohlenstoffanreicherung sollte mehr oder weniger Zufall im Schmiedefeuer gewesen sein. ( ein bisschen aufkohlen werden sie also schon)

auch das ist richtig, doch habe ich und leider auch mein schmied nicht die erfahrung der früheren schmiede, die die eisen so härten konnten das von einem stempelgebrauch für 20 bis 25 ooo Münzen auszugehen ist.
Für mich ist das alles sehr spannend seit ich versuche mich der sache praktisch zu nähern. Theoretisch weiß ich alles, meinte ich bis jetzt. Aber das wissen taugt nicht zur praxis und ist meist schwammig verklärt.
mit freundlichen Grüßen aus der alten Hansestadt Soest, susat

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Re: Münzstempel Legierung

Beitrag von Basil » Fr 09.04.10 08:38

Die mittelalterlichen Stempel sollten, wie auch die spätantiken, aus Stahl gewesen sein. Dabei wurde Eisen an der Oberfläche mit Kohlenstoff angereichert. Diese angereicherte Schicht betrug ca. 0,3-0,5 mm. Die sog. Aufkohlung geschah keinesfalls zufällig, sondern sehr zielgerichtet und zwar, wie schon erwähnt, im Schmiedefeuer. Ein Stempelpaar hatte eine Standzeit von ca. 15.000 Schlägen, wobei sich diese Zeit auschließlich am Oberstempel orientierte. Der Unterstempel hatte etwa die dreifache Standzeit. Die Ursache hierfür ist die Energieverteilung in der Werkzeugachse: Hammer/Oberstempel/Schrötling/ Unterstempel/Amboss. Diese Werte sind grobe Richtwerte und variieren je nach Stempelgröße und Material des Schrötlings. Wegen der geringeren Standzeit des Oberstempels, wurde dieser nachweislich auch vielfach "repariert". Dies hat Spuren im Relief hinterlassen (Beispiele gibt es viele).

Basil

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cepasaccus
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Re: Münzstempel Legierung

Beitrag von cepasaccus » Fr 07.05.10 23:11

In spaeterer Zeit ist dann auch auf den recht kohlenstoffarmen, eigentlichen Stempel ein Scheibchen aus gutem, haertbarem Stahl aufgeschmiedet worden. Das war bis in die Neuzeit echtes Luxusgut. Vgl. Cooper, Art and Craft of Coinmaking.

Moderne Stempel sind z. B. aus http://www.bohler.at/deutsch/files/downloads/K605DE.pdf . Das ist auch kein Haertewunder.

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Re: Münzstempel Legierung

Beitrag von 65er » Mo 11.06.12 19:26

Basil hat geschrieben:Die mittelalterlichen Stempel sollten, wie auch die spätantiken, aus Stahl gewesen sein. Dabei wurde Eisen an der Oberfläche mit Kohlenstoff angereichert. Diese angereicherte Schicht betrug ca. 0,3-0,5 mm. Die sog. Aufkohlung geschah keinesfalls zufällig, sondern sehr zielgerichtet und zwar, wie schon erwähnt, im Schmiedefeuer. Ein Stempelpaar hatte eine Standzeit von ca. 15.000 Schlägen, wobei sich diese Zeit auschließlich am Oberstempel orientierte. Der Unterstempel hatte etwa die dreifache Standzeit. Die Ursache hierfür ist die Energieverteilung in der Werkzeugachse: Hammer/Oberstempel/Schrötling/ Unterstempel/Amboss. Diese Werte sind grobe Richtwerte und variieren je nach Stempelgröße und Material des Schrötlings. Wegen der geringeren Standzeit des Oberstempels, wurde dieser nachweislich auch vielfach "repariert". Dies hat Spuren im Relief hinterlassen (Beispiele gibt es viele).

Basil
Hallo!

Hast du vielleicht eine offizielle Quellenangabe dafür? Wäre dir sehr dankbar.

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