MÜNZEN IN DER BELLETRISTIK, IN GEDICHTEN UND MÄRCHEN

Wie zahlten unsere Vorfahren? Was war überhaupt das Geld wert? Vormünzliche Zahlungsmittel

Moderator: Locnar

Rezo
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Re: MÜNZEN IN DER BELLETRISTIK, IN GEDICHTEN UND MÄRCHEN

Beitrag von Rezo » Mo 23.06.14 18:04

Schöner Diskussionfaden :-)

Mir fällt da die Bibel ein, in der oft von Geld die Rede ist.
Einige Gleichnisse von Jesus drehen sich sogar ziemlich stark darum:

- Arbeiter im Weinberg
- Verlorener Groschen
- Das Gleichnis von der Witte, die ihre wenigen Münzen in den Opferstock legt (Witterscherflein)
- Die anvertrauten Talente (ein Talent war ja Gewichtseinheit)

Es gibt noch mehr davon, einfach mal zum Beispiel auf www.bibleserver.com nach Silber, Gold, Groschen, Drachme, Dinar etc. suchen. Interessant ist dabei auch, dass die einzelnen Bibelübersetzungen jeweils verschiedene Begriffe verwendet. Die einen sprechen von "Silberstücken", die andere von "Drachmen" und "Denare" und bei Luther finden man Pfennige, Groschen etc.

Viel Spass weiterhin,
Rezo

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stampsdealer
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Re: MÜNZEN IN DER BELLETRISTIK, IN GEDICHTEN UND MÄRCHEN

Beitrag von stampsdealer » Mo 23.06.14 20:40

Danke für diesen Beitrag.

Gruß Jürgen
Meine Privatsammlung und meine Warenbestände sind in Bankfächern bzw. außerhalb meiner Wohnung gelagert. My coins are in bank lockers and outside of my flat.

Rezo
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Re: MÜNZEN IN DER BELLETRISTIK, IN GEDICHTEN UND MÄRCHEN

Beitrag von Rezo » Mi 25.06.14 23:36

Hallo

mir fielen noch ein:

> Sterntaler (Gebrüder Grimm)
> Dreigroschenoper (Brecht) - allerdings mit Fragezeichen, da ich über den Inhalt nicht Bescheid weiss. Immerhin kommen die Groschen im Titel vor. :)

Grüsse
Rezo

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stampsdealer
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Re: MÜNZEN IN DER BELLETRISTIK, IN GEDICHTEN UND MÄRCHEN

Beitrag von stampsdealer » Do 26.06.14 04:53

Werde mich zu einem späteren Zeitpunkt damit befassen und gegebenenfalls auf entsprechende Textstellen eingehen.

Gruß Jürgen
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Re: MÜNZEN IN DER BELLETRISTIK, IN GEDICHTEN UND MÄRCHEN

Beitrag von Mynter » Fr 27.06.14 13:18

Rezo hat geschrieben: > Dreigroschenoper (Brecht) - allerdings mit Fragezeichen, da ich über den Inhalt nicht Bescheid weiss. Immerhin kommen die Groschen im Titel vor. :)

Grüsse
Rezo
Die Dreigroschenoper passt schon hierein. In der Einleitung zum Song " Und der Lude hat Mädchen, die er im Auge behält... " heisst es ( ich zitiere aus dem Gedächtnis ) : " ... und die so billig ist, dass Bettler sie bezahlen können, heisst sie die Dreigroschenoper "

Interessant ist , wie der Titel in andere Sprachen übersetzt wurde. Im Englischen heisst das Stück " Three Penny Opera " , was in etwa 30 Pfennig entsprach, auf Norwegisch heisst sie " 12 - skilling - opera " . 3 Groschen , bzw 12 Skilling waren jeweils der 10. Teil des preussischen Talers, bzw des norwegischen Speciedalers.
Wie heisst die Dreigroschenoper in anderen Sprachen +
Grüsse, Mynter

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Marcus Aurelius
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Re: MÜNZEN IN DER BELLETRISTIK, IN GEDICHTEN UND MÄRCHEN

Beitrag von Marcus Aurelius » Fr 27.06.14 16:25

Auf spanisch:

" La ópera de los tres centavos"


Gruss

Marco Aurelio
De gustibus non est disputandum.
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chinamul
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Re: MÜNZEN IN DER BELLETRISTIK, IN GEDICHTEN UND MÄRCHEN

Beitrag von chinamul » So 06.07.14 18:40

In diesen Kontext scheint mir auch die "Wolfserzählung" aus der Oper "Tiefland" von Eugen d'Albert zu gehören. Ich habe mal diese Szene zwischen Martha und Pedro aus dem Libretto kopiert:

PEDRO
Du Trotzkopf, wart! Wie mach ich's nur?
Er breitet das Tuch auf der Erde aus.
Schau her, das ist ein Taler.
Der erste, den ich mir verdiente.
Mein Blut klebt dran. Haha! Der Herr,
Herr Sebastiano, der gnäd'ge Herr, gab mir den Taler.
Gott segne ihn, den guten Herrn.
So nimm den Taler doch!
Hab keine Angst! 's ist gut verdientes Geld.

MARTA
weist seine Hand zurück, diesmal aber ohne Widerwillen
Nein, nein, ich mag nicht.


PEDRO
Du meinst wohl gar, ich hab ihn leicht verdient?
Mein Leben gab ich drum, ja, ja, mein Leben!
Es kam in jeder Nacht ein Wolf in unsern Stall
und holt sich ein Böcklein. Den besten Hund zerriss er.
Zum Rasendwerden war es!
Ich war verzweifelt, war ganz krank vor Ärger,
und ich sagte mir: den Wolf erleg ich,
und kostet's mein Leben!
So leg ich mich denn nachts ins Felsgestein
auf die Lauer und wart auf ihn.
Der graue Dieb, der schlimme Wolf,
er sollt mir nicht entkommen.

Marta beginnt aufmerksam zu werden.

So lag ich da, ganz Aug und Ohr,
versteckt in meinem Winkel.
Die Zeit verstrich, und über mir,
da wanderten die Sterne.
Vom Schneefeld über mir
hört ich das Wasser tropfen.
Dann war es wieder still, ganz still.
Auf einmal rauscht es leis im Gras
und über mir in einem Satz da fliegt's hinweg.
Ein heisser Atem streifte meinen Hals.
Das war der Wolf.
Der Hund schlägt an, die Schafe blöken
Ich spring auf und zieh mein Messer.
Und wie ich so im Wege stehe,
da kommt auch schon mein Wolf vorbei.
Der graue Dieb, der schlimme Wolf,
ein blutend Lamm im Maul.
Schnell spring ich ihn an und stoss ihm
mit Macht das Messer ins Herz.
Was dann geschah, ich weiss es nicht genau.
Umklammert hielt ich ihn, so wie er mich.
Er heulte und ich schrie, ich biss ihn und ich fühlte,
wie seine Zähne sich ins Fleisch mir gruben.
Umschlungen rollen wir den Berg hinab,
verbissen ineinander, zwei wütende Bestien,
die wild um ihr Leben kämpfen.
So stürzen wir hinunter in den Gießbach.
Man bracht mich heim in meine Hütte,
verband mir meine Wunden,
schlimm sah ich aus, und Wochen lag ich auf dem Stroh.
Und eines Tages, ich konnt schon in der Sonne sitzen,
da kommt der gnäd'ge Herr herauf zu mir
und schenkt mir diesen Taler.
Und wie ich ihm dafür die Hand will küssen,
schiesst aus der schlecht vernarbten Wunde
mein Blut hervor und färbt den Taler rot.
Das war ein hart verdientes Geld, nicht wahr?

Leider erfahren wir hier jedoch keine numismatisch interessanten Einzelheiten über das Geldstück.

Gruß

chinamul
Nil tam difficile est, quin quaerendo investigari possit

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Mynter
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Re: MÜNZEN IN DER BELLETRISTIK, IN GEDICHTEN UND MÄRCHEN

Beitrag von Mynter » Mo 07.07.14 10:35

Mark Twain : Ein Yankee an König Arthurs Hof

Was passiert, wenn ein durch und durch von seiner Vernunft gesteuerter moderner Mensch aus dem 19. Jahrhundert durch einen Schlag aufs Hinterhaupt ins finsterste Mittelalter befördert wird ? Sehr richtig, er lässt Common sense walten und krempelt den Laden als " Big Boss " ordentlich um. Keine Hexenprozesse mehr, dafür Zeitung, Telegraf - und natürlich eine Neuordnung des Währungssystemes. An Stelle des vordezimalen Zeugs tritt der Dollar zu 100 Cent zu 1000 Mil. Ausgemünzt werden in Gold 20, 10 und 5 Dollar. Aus Silber 50, 25 und 10 Cent, aus Nickel 5 Cent, aus Bronze 1 , 1/2 Cent, sowie der Zehntelcent, genannt Mil.
Das ist nicht nur einfacher, sondern trägt auch dazu bei, die Kosten des alljährlichen Huldigungsgeschenkes zu drücken. Wurden zuvor Goldstücke verteilt, tut es nun eine frischgeprägte Nickelmünze zu 5 Cent und jeder ists zufrieden, denn so gutgeprägte Geldstücke hatten die Briten noch nie zuvor gesehen.
Grüsse, Mynter

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Re: MÜNZEN IN DER BELLETRISTIK, IN GEDICHTEN UND MÄRCHEN

Beitrag von Schängelsche » So 19.07.15 19:03

Hallo zusammen,
interessantes Thema!

Ich selbst sammle im kleinen Stil Münzen und die "zugehörige" Literatur. Dabei beziehe ich mich überwiegend auf Klassiker oder Kinder- und Jugendbücher, die ich damals verschlungen habe. Die Münzen spielen hier nicht die Hauptrolle, werden aber explizit in die Handlung eingebunden. Es ist zuweilen schön, in diesen Phantasien zu schwelgen und dabei ein numismatisches Original aus dem geschichtlichen Kontext in den Händen zu halten.

Hier ein paar Beispiele, es gibt natürlich noch viel mehr…

"Die Schatzinsel" –> Pieces of Eight / 8 Reales Cob Münzen
"Geschichten aus 1001 Nacht" –> Arabische Dirhems & Dinare des 8./9. Jahrhunderts
"Robin Hood" –> englische Silber-Pennies 12./13. Jahrhundert
"Asterix" –> Römische Sesterzen

LG

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Re: MÜNZEN IN DER BELLETRISTIK, IN GEDICHTEN UND MÄRCHEN

Beitrag von chinamul » Mo 20.07.15 23:38

Da fällt mir gerade noch eine Münze aus der Weltliteratur ein, die eindeutig zu identifizieren wäre, nämlich die Golddublone, die Kapitän Ahab an den Großmast nagelt und die derjenige bekommen soll, der ihm als Erster die Sichtung des von ihm monomanisch gejagten Moby Dick meldet.

Gruß

chinamul
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Re: MÜNZEN IN DER BELLETRISTIK, IN GEDICHTEN UND MÄRCHEN

Beitrag von Peter43 » Fr 21.08.15 23:16

Schöner Thread! Habe ich leider erst heute entdeckt. Mal sehen, was mir noch dazu einfällt.

Jochen
Omnes vulnerant, ultima necat.

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Re: MÜNZEN IN DER BELLETRISTIK, IN GEDICHTEN UND MÄRCHEN

Beitrag von ischbierra » Fr 21.08.15 23:56

Melanie
NICKEL SONG
*with refrain from "MUSIC! MUSIC! MUSIC!"

* Put another nickel in
In the nickelodeon
All I ever want from you is music

I'll do anything for you anything you want me to
All I ever, all I ever wanted was music

Well you know that I'm not a gambler but I'm being gambled on
They put in a nickel and I sing a little song

In the nickelodeon
All I ever, all I ever, wanted was music

Well I don't mind that
They're lucky but it seems like they always win
And gambling is illegal in the state of mind I'm in

And if I had a nickel for each time that I've been put on
I would be their nickel man and I'd sing a little song

You know they're only putting in a nickel
And they want a dollar song, oh
They're only putting in a nickel
And they want a dollar song

Oh yeah, all I ever wanted was the music

I'll do anything for you anything you want me to
All I ever all I ever wanted was music sweet music

They're only puttin' in a nickel
To get rid of a lot that's wrong
Oh you know they're only puttin' in a nickel
And they want a dollar song
They're only puttin' in a nickel
And they want a dollar song
Yeah...
Und hier in Aktion: https://www.youtube.com/watch?v=4YSim-PByjA

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