Frage zur Währungsumrechnung im 17. Jh.(Scudo zu Gulden)

Wie zahlten unsere Vorfahren? Was war überhaupt das Geld wert? Vormünzliche Zahlungsmittel

Moderator: Locnar

Smilla
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Frage zur Währungsumrechnung im 17. Jh.(Scudo zu Gulden)

Beitrag von Smilla » Do 14.12.17 15:46

Hallo liebe Münzfreunde,

gleich vorweg: leider kenne ich mich selbst nicht mit Numismatik aus, aber für meine kunsthistorische Arbeit bräuchte ich Hilfe bei der Umrechnung von Währungen im 17. Jahrhundert.
Da ich selbst nicht das nötige Know-How habe und im Dschungel der verschiedenen Umrechnungs-Arten nicht durchblicke, erhoffe ich mir von euch Spezialisten hier Hinweise, wie ich vorgehen kann.
Ich würde mich sehr über jede Hilfe freuen.

Es geht um Folgendes: Ich beschäftige mich mit dem Preis für ein Altargemälde, das im Jahr 1631 in Rom in Auftrag gegeben und nach Deutschland geliefert wurde.

Aus einer Klosterchronik des 18. Jahrhunderts habe ich die Angabe, dass das Gemälde mit dem zugehörigen Altar im Jahr 1631 40 000 Gulden gekostet haben soll.
Dieser Preis erscheint mir allerdings sehr hoch – ich habe mal punktuell Vergleiche angestellt und
für 40 000 Gulden (ich nehme an, ohne weitere Angaben handelt es sich dabei um rheinische Gulden?) konnten sich Zeitgenossen in den 1630er Jahren ganze Grundherrschaften kaufen!

Um den damaligen Wert des Gemäldes besser einschätzen zu können – kann das so teuer gewesen sein? – würde ich gerne die Verkaufspreise anderer Werke des Künstlers als Vergleich heranziehen.

Im betreffenden Jahr 1631 verkaufte er in Rom Gemälde zum Preis von 250 bis 300 Scudi.

Nun meine konkrete Frage: ist es möglich – und wenn ja, wie – den Betrag von 200-300 Scudi aus Rom für das Jahr 1631 in rheinische Gulden umzurechnen?
Ein ungefährer Vergleichswert würde mir schon reichen.

Weiß jemand, wie ich eine solche Umrechnung anstellen könnte?
Oder kann mir jemand einschlägige Spezialliteratur mit Umrechnungstabellen für diese Zeit empfehlen?

Ich wäre für jeden Hinweis dankbar und würde mich wirklich sehr über eine Antwort freuen!

Herzliche Grüße
Smilla


P.S.: Ich weiß, dass es unterschiedliche Arten von Scudi gab, habe aber gelesen, dass der Silberscudo in dieser Zeit das gängige Währungsmittel war (stimmt das?).

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KarlAntonMartini
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Re: Frage zur Währungsumrechnung im 17. Jh.(Scudo zu Gulden)

Beitrag von KarlAntonMartini » Do 14.12.17 18:56

Zunächst müßte man klären, welche Münzen mit Gulden oder Scudo gemeint sind. Es gibt nämlich beide Münzen als Goldmünzen und als Silbermünzen, die auch noch je nach Herkunft unterschiedliche Feingewichte hatten. Bei der Umrechnung kam es damals praktisch ausschließlich auf den Feingehalt an. Der hohe Betrag in Gulden dürfte auf Silbergulden hinweisen, die damals etwa 13 g Feinsilber enthielten. Wenn die Scudi aus Silber waren, könnte man näherungsweise von 1 Scudo = 2 Gulden ausgehen. Ein Goldscudo enthielt gut 3 g Feingold, Gold hatte damals etwa den 14-fachen Wert von Silber, so daß 3 g Feingold*14 = 42 g Silber entsprachen. Das entspricht also etwa 3 1/3 Gulden. - Grüße, KarlAntonMartini
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klaupo
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Re: Frage zur Währungsumrechnung im 17. Jh.(Scudo zu Gulden)

Beitrag von klaupo » Do 14.12.17 19:14

Ehe man hier anfängt zu rechnen, wäre noch ein weiteres zu klären. Du schreibst
... Aus einer Klosterchronik des 18. Jahrhunderts habe ich die Angabe, dass das Gemälde mit dem zugehörigen Altar im Jahr 1631 40 000 Gulden gekostet haben soll.
Dieser Preis erscheint mir allerdings sehr hoch ...
Das scheint mir nicht unbedingt zu hoch gewesen zu sein. In der folgenden Chronik von 1640 werden die Kosten für einen Altar mit 25.497 Gulden beziffert.

https://books.google.de/books?id=qjRiAA ... en&f=false

Da mag es durchaus noch aufwendigere Altäre gegeben haben, und das fragliche Gemälde war lediglich im Gesamtpreis inbegriffen.

Gruß klaupo

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Re: Frage zur Währungsumrechnung im 17. Jh.(Scudo zu Gulden)

Beitrag von KarlAntonMartini » Do 14.12.17 20:41

Zum Vergleich: gut hundert Jahre später erhielt der Dresdner Hofmaler Anton Raphael Mengs 6000 Taler für das Altargemälde. Das war aber auch ein sehr großes Format: http://www.stadtwikidd.de/wiki/Anton_Raphael_Mengs
Grüße, KarlAntonMartini
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Re: Frage zur Währungsumrechnung im 17. Jh.(Scudo zu Gulden)

Beitrag von Smilla » Fr 15.12.17 20:53

Ganz, ganz herzlichen Dank an KarlAntonMartini und Klaupo für die Mühe und das Mit-Überlegen, ich freue mich sehr über die Hilfestellung!

Danke KarlAntonMartini für die anschauliche Erklärung, jetzt verstehe ich die Umrechnung zumindest im Prinzip!

An Klaupo: Danke für den Link, das ist wirklich ein interessantes Beispiel! Allerdings ist in der Altar in dem Beispiel aus Marmor und da wird wohl der hohe Materialwert den teuren Preis erklären. Bei "meinem" Altar, das hätte ich vielleicht dazuschreiben sollen, soll allein das Leinwandgemälde 18 000 Gulden (mit dem Altar zusammen dann 40 000 Gulden) gekostet haben. Trotzdem, das Beispiel ist sehr spannend!



Ich hoffe, ich stelle eure Geduld nicht zu sehr auf die Probe, wenn ich gleich noch eine "ahnungslose Frage" stelle.

Das Altargemälde wurde im Jahr 1631 nach Augsburg geliefert - in der Literatur habe ich jetzt die Währung "Augsburger Rechnungsgulden" entdeckt.
Das Augsburger Stadtlexikon (http://www.stadtlexikon-augsburg.de) schreibt im Eintrag über "Münzen", dass der Augsburger Rechnungsgulden vom 16. bis ins frühe 19. Jahrhundert die zentrale monetäre Bezugsgröße war. Kann ich damit etwas anfangen oder ist das nur eine fiktive Währung?
Denn da hätte ich die Angabe, dass der Augsburger Rechnungsgulden zu dieser Zeit einen Silbergehalt von 17,32 Gramm hatte.
Wenn ein Silberscudo ca. 29,4 Gramm hatte, dann könnte ich das ja verrechnen, oder?

Herzliche Grüße und besten Dank nochmal
Smilla

P.S.: Gibt es irgendeine Seite oder ein Nachschlagewerk, auf denen ich Silber bzw. Goldgehalte der Währungen wie die von KarlAntonMartini genannten nachschlagen kann?

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