Das Geld der Esperantisten

Wie zahlten unsere Vorfahren? Was war überhaupt das Geld wert? Vormünzliche Zahlungsmittel

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didius
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Das Geld der Esperantisten

Beitrag von didius » Di 11.02.20 08:32

Hallo zusammen,

ein Randthema der Numismatik ist bisher hier im Forum noch überhaupt nicht besprochen worden. Es geht um den Versuch der Esperanto-Bewegung eine einheitliche, weltumspannende Währung zu schaffen. Anlass für diesen kleinen Beitrag ist, dass ich zufällig in den kunterbunten Nebenbeständen meiner Sammlung :wink: eine solche Münze (eigentlich Token) wiederentdeckt habe (1 Stelo 1959 s. unten).

1. Die Bewegung

Der Ursprung entstand aus der von Ludwik Lejzer Zamenhof im Jahr 1887 veröffentlichten Universalsprache Esperanto. Die Anhänger des Esperanto bildeten sehr schnell eine Gemeinschaft, nannten sich Esperantisten und veröffentlichten bereits ab 1889 eine eigene Esperanto-Zeitschrift La Esperantisto (Der Esperantist).
Aus der „Erklärung von Boulogne“ dem Papier des 1. Esperanto-Weltkongress von 1905 stammt dieses einleitende Zitat:
„Der Esperantismus ist das Bemühen, auf der ganzen Welt die Verwendung einer neutralen menschlichen Sprache zu verbreiten, die, ‚ohne sich in das innere Leben der Völker hineinzudrängen und in keiner Weise mit dem Ziel, die bestehenden nationalen Sprache herauszudrängen‘, den Menschen verschiedener Nationen die Möglichkeit gäbe, sich untereinander zu verständigen.“

Zamenhof sagt in seiner Ansprache auf dem 8. Esperanto-Weltkongress 1912 in Krakau:
„Die innere Idee von Esperanto – die für den einzelnen Esperantisten in keiner Weise verpflichtend ist, die aber, wie Sie wissen, auf Esperanto-Kongressen herrscht und immer herrschen muss – ist: auf neutraler sprachlicher Basis die Mauern zwischen den Völkern niederzureißen und die Menschen daran zu gewöhnen, dass jeder von ihnen seinen Nächsten als Menschen und Bruder ansehen möge.“

Diese grundlegenden Zitate mögen als Erklärung für die auch heute noch bestehende Faszination des Esperanto bei seiner Anhängerschaft dienen. Der Esperanto-Weltbund (Universala Esperanto-Asocio (UEA)), ist die Größte Dachorganisation der Esperanto-Sprecher und es findet noch heute ein jährlicher Weltkongress statt. (weitere Informationen unter https://uea.org/)

2. Die Währung „Speso“ und „Stelo“

Die Währung Speso wurde 1907 von René de Saussure zur Vereinfachung der Kommunikation in der Esperanto-Gemeinschaft konzipiert. Der nach London ausgewanderte deutsche Bankier und Esperantist Herbert Hoveler (1859–1918) gründete zur Durchsetzung der Währung 1907 eine eigene Bank, die Ĉekbanko Esperantista. Die Bank gab Schecks auf den Speso aus und diese Währung wurde in kleinem Umfang durch britische und schweizerische Banken genutzt. Insgesamt wurden scheinbar 730 Bankkunden in 43 Ländern gezählt. Wie sehr die ganze Idee wohl an der Person Hoveler hing erklärt, dass mit dessen Tod 1918 auch die Währung endete, wobei der 1. Weltkrieg sein Übriges getan hat.
Cheque_spesmilo_zus.jpg
Aus Heritage Auction #141539, 2015

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Idee der universellen Währung mit der Gründung der Universala Ligo im Jahre 1942 wiederbelebt. Der Name der neuen universellen Währung war der Stelo und diente der Esperanto-Gemeinschaft ebenfalls dem vereinfachten und einheitlichen Geschäftsverkehr. Ab 1945 wurde konkret an der Idee weitergearbeitet, in einer separaten Arbeitsgruppe Regeln erarbeitet, und es sollte versucht werden auf der Basis der relativen Kaufkraft der verschiedenen Nationen die entsprechenden Wechselkurse zu definieren. Im Jahre 1959 wurde die Währung dann offiziell mit der Ausgabe der ersten Münzen eingeführt.
Ab den 1980er Jahren stagnierten die Aktivitäten der Universala Ligo und mit deren Auslösung im Jahre 1993 endete auch die Währung.

3. Die Münzen (und Geldscheine)

Der Speso, bzw. Spesmilo

Im Jahr 1912 wurden zum 25ten Jahrestag von Esperanto erstmalig Gedenk-„Münzen“ der Währung Speso durch die International Esperanto Association ausgegeben. Um die Konvertierbarkeit in andere Währungen zu ermöglichen, wurde ein fester Gold-Wechselkurs festgelegt:
1 Spesmilo = 1000 Spesoj = 0,733 g Gold (0.0259 oz) = 0.8 g von 22 Karat Gold
Daraus ergaben sich folgende Wertverhältnisse:
1 Spesmilo (Sm) = 2 Britische Schillinge = 1 Russischer Rubel = 0,5 US-Dollar = 2,5 Schweizer Franken = 2,5 Französische Franc = 2,5 Spanische Peseten.

Die Speso-Münzen wurden bei der Schweizer Firma “Holy Frères“ geprägt. Es sollen Ausgaben in den Nominalen 10 Spesos (spesdeko), 100 Spesos (spescento), 1000 Spesos (1 Spesmilo), 2000 Spesos (2 Spesmilo’s) und 10000 Spesos (Spesdekmilo) geprägt worden sein, wobei alle Prägungen außer 1 & 2 Spesmilo bisher nicht bestätigt werden konnten (C.D. Schiboleth, 2005).
1920px-1_Spesmilo_kl.jpg
Wiki: Commons, Thomas Nguyen
2Spesmilos_Bert_Boom.JPG
Aus ESPERANTO – NUMISMATICA, Albert Boon, 2017

<Fortsetzung im nächsten Beitrag>...
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Re: Das Geld der Esperantisten

Beitrag von didius » Di 11.02.20 08:42



Der Stelo (plural: Steloj)

Nach der Gründung der Universala Ligo wurde bereits 1946 ein erster Geldschein, bzw. Coupon über einen Stelo eingeführt. Dieser war ursprünglich auf einen Gültigkeitszeitraum bis Ende 1950 festgesetzt, wurde aber offensichtlich mehrfach durch Überstempelung verlängert. Ich habe bei meiner Recherche nur überstempelte Scheine gefunden. Diese Coupons wurden innerhalb der Esperanto-Bewegung offensichtlich bis ins Jahr 1985 verwendet. Aus diesem Jahr stammt auch der letzte bekannte Gültigkeitsstempel.
Stelo_Coupon_1950.JPG
Wiki: Commons
Die erste Emmission von Steloj erfolgte im Jahr 1959. Es wurden Stücke in den Wertstufen 1 Stelo, 5 Steloj und 10 Steloj jeweils in einer Auflage von 10.000 Stück in der Prägeanstalt Utrecht geprägt. In 1965 folgte dann eine interessante Ausgabe von 25 Steloj-Sücken, ebenfalls aus der Prägeanstalt Utrecht. Es wurden 1.000 Stück in Kupfer-Nickel, 5.000 Stück in 900er Silber (25 Gramm) und darüber hinaus 10 Stücke in 983er Gold (PP) im Gewicht von 50 Gramm ausgegeben. Diese Stücke sind einzeln im Rand nummeriert.
STELO_zus_kl.jpg
eigene Sammlung
5_Steloj.jpg
Quelle: numista.com
1920px-10_Steloj_kl.jpg
Wiki: Commons
1920px-25_Steloj_Cu-Ni_kl.jpg
Wiki: Commons
1920px-25_Steloj_Ag_kl.jpg
Wiki: Commons
1920px-25_Steloj_Au_kl.jpg
Wiki: Commons
Der Vollständigkeit halber seien an dieser Stelle noch die Kunststoff-Marken aus dem Jahre 2012 aufgeführt, welche ebenfalls die Wertbezeichnung Stelo/Steloj tragen. Diese sind allerdings von vorne herein als Marken und nicht als Währung definiert, werden aber auf Veranstaltungen der Esperanto-Bewegung als Zahlungsmittel verwendet. Es gibt die Stücke in den Wertstufen 1 Stelo, 3 Steloj und 10 Steloj. Das feste Wertverhältnis zum Euro ist 1 Stelo = 0,24 €. Die Auflagenhöhe beträgt jeweils 3.000 Stück.
Steloj_2012_zus_kl.jpg
aus Wiki: Commons - zusammengefügt

<Fortsetzung im nächsten Beitrag>...
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Re: Das Geld der Esperantisten

Beitrag von didius » Di 11.02.20 08:49



4. Notgeld, Gedenkmünzen und Medaillen

Bei meinen Nachforschungen habe ich eine Vielzahl von weiteren Medaillen mit Bezug zum Thema gefunden, welche sicherlich den Rahmen hier sprengen würden. Daher beschränke ich mich auf die mir am interessantesten erscheinenden Beispiele.
Zum Esperanto-Weltkongress im August 1923 in Nürnberg wurden aufgrund der herrschenden Hochinflation zwei Marken für das Mittagessen ausgegeben, welche wohl einen Gegenwert von 8 Millionen Mark hatten.
Marke_Mitagessen_rund.JPG
Quelle: Esperanto-Numismatika Asocio, Albert Boon
Marke_Mitagessen_eckig.JPG
Quelle: Esperanto-Numismatika Asocio, Albert Boon
Zum 19ten Deutschen Esperanto-Kongress Juni 1930 in Dresden gab eines eine der vielen Porzellan-Medaillen aus Meißen.
Dresden_1930.JPG
Quelle: Esperanto-Numismatika Asocio, Albert Boon
Darüber hinaus gibt es aber auch offizielle Gedenkmünzen aus unterschiedlichen Ländern der Welt mit Bezug zur Esperanto-Bewegung. Z.B. aus Kuba aus dem Jahr 1990 zum Weltkongress in Havanna im Nominal 1 Peso, sowie aus Kroatien zum Weltkongress im Jahr 1997 im Nominal 25 Kuna.
1_Peso_Kuba_1990_kl.jpg
Quelle: numista.com
25_kuna_kroatien_1997_kl.jpg
Quelle: numista.com
Und zum guten Schluss gehört hier dann noch die zum 150. Geburtstag von René de Saussure ausgegebene Silbermedaille zu 100 Steloj der Numismatischen Gesellschaft des Esperato hin. Geprägt in 2017 für das Jubiläumsjahr 2018. (1 Feinunze Silber, Auflage 1.000)
2017_11_Dorotheum_2121_kl.jpg
aus Dorotheum Auktion Nov. 2017, Lot 2121

Grüße
didius

Quellen:
DE STABIELE MUNTEENHEID VAN DE ESPERANTISTEN: DE STELO, Lawrence Mee, 2000
Esperanto and the Dream of a World Currency: The Coinage of the Universala Ligo (1942-1993) by Chaim D Shiboleth, 2005
ESPERANTO – NUMISMATICA, Albert Boon, 2017
https://eo.wikisource.org/wiki/Bulonja_deklaracio
http://www.steloj.de/esperanto/paroloj/kongr8a.html
Esperanto-Numismatika Asocio (http://ena.frali.bplaced.net/)
Zuletzt geändert von didius am Mi 12.02.20 07:03, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Das Geld der Esperantisten

Beitrag von ischbierra » Di 11.02.20 15:51

Vielen Dank, didius, das ist ja ausgesprochen spannend und völlig neu für mich.
Gruß ischbierra

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Re: Das Geld der Esperantisten

Beitrag von KarlAntonMartini » Di 11.02.20 17:07

ischbierra hat geschrieben:
Di 11.02.20 15:51
Vielen Dank, didius, das ist ja ausgesprochen spannend und völlig neu für mich.
Gruß ischbierra
Die Esperanto-Bibliothek ist ja auch auf der schäl Sick. :wink:
Tokens forever!

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Re: Das Geld der Esperantisten

Beitrag von sigistenz » Di 11.02.20 21:57

Hochinteressanter Beitrag - danke Didius :D !
Sigi
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Re: Das Geld der Esperantisten

Beitrag von Pflock » Sa 15.02.20 10:36

Hallo Didius,
interessant und neu für mich. Danke für den Beitrag.
Gruß Pflock

Ich sammel Münzen und Medaillen aus Mühlhausen in Thüringen, vom Mittelalter bis heute.
Freue mich immer über Angebote.
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Re: Das Geld der Esperantisten

Beitrag von Erdnussbier » Sa 15.02.20 18:45

Hallo!

Die Ausführungen sind tatsächlich sehr interessant. Ich wusste bisher gar nicht, dass die Esperatisten auch eigene Zahlugnsmittel ausgegeben haben.
Das einzige was ich hier noch beitragen kann ist eine Medaille zu dem bereits angesprochenen Kongreß in Nürnberg 1923. Das bereichert direkt das Stück in der Sammlung, da ich nun weiß, dass es die passenden Essenmarken dazu gab.
Da dieses Treffen mit 4963 Teilnehmern eines der besucherstärksten war wird diese Medaille vermutlich auch eine der häufigsten sein.
(Ich habe die aber tatsächlich nur rein zufällig als Beifang erhalten.)
nürnberg ob.jpg
nürnbergre.jpg
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Re: Das Geld der Esperantisten

Beitrag von klaupo » Sa 15.02.20 20:08

Polen hat auf Zamenhof ebenfalls eine Gedenkmünze herausgegeben (Parchimowicz 285).

Gruß klaupo
Dateianhänge
1979_100_Zlotych_Zamenhof_P-285.jpg

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Re: Das Geld der Esperantisten

Beitrag von sigistenz » Sa 15.02.20 23:30

Beim Wiener Kongress wurde u.a. die Grenze zwischen Preussen und den Niederlanden festgelegt. Direkt hinter Aachen blieb aber ein kleiner Landzipfel unbestimmt, weil man sich nicht einigen konnte - die Gemeinde Moresnet mit einer damals sehr wertvollen Zinkgrube und etwas über 200 Einwohnern. Zwischen Preussen und den Niederlanden liegend unterstand es aber keinem von beiden und entwickelte sich zu einer Art gesetzlosem Wildem Westen mit steuerfreien Schnapsbrennereien, Spielhöllen, Prostitution etc. Erst 100 Jahre später wurde es dem inzwischen entstandenen Belgien zugeschlagen, als Folge des 1.Weltkriegs. Siehe dazu Wikipedia. Daraus zitiere ich:
"Ab 1907 gab es eine Gruppe von Esperanto-Anhängern, die aus Neutral-Moresnet einen Esperanto-Staat mit Namen Amikejo (Esperanto für Ort der Freunde) bilden wollte. Unter anderem versuchten der französische Professor Gustave Roy und Wilhelm Molly, der Chefarzt der Erzgrube und nach 1881 stellvertretender Bürgermeister, in Neutral-Moresnet den ersten Esperanto-Staat der Welt auszurufen. Im Jahr 1908 verlegte der Weltbund der Esperantisten seinen Hauptsitz von Genf nach Moresnet. Es fanden zunehmend Kongresse statt und die Kneipenbesitzer begannen, ihre Lokale mehrsprachig auszuschildern."
Heute heisst der belgische Grenzort "Kelmis" bzw. auf französisch "La Calamine". Er ist deutschsprachig und fast ein Vorort von Aachen. Vom Wilden Westen ist nichts mehr zu merken. :D
Sigi

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Re: Das Geld der Esperantisten

Beitrag von didius » Mi 19.02.20 21:53

Erdnussbier hat geschrieben:
Sa 15.02.20 18:45
Hallo!

Die Ausführungen sind tatsächlich sehr interessant. Ich wusste bisher gar nicht, dass die Esperatisten auch eigene Zahlugnsmittel ausgegeben haben.
Das einzige was ich hier noch beitragen kann ist eine Medaille zu dem bereits angesprochenen Kongreß in Nürnberg 1923. Das bereichert direkt das Stück in der Sammlung, da ich nun weiß, dass es die passenden Essenmarken dazu gab.
Da dieses Treffen mit 4963 Teilnehmern eines der besucherstärksten war wird diese Medaille vermutlich auch eine der häufigsten sein.
(Ich habe die aber tatsächlich nur rein zufällig als Beifang erhalten.)

nürnberg ob.jpg
nürnbergre.jpg
Hallo Erdnussbier,
in der 2. Ausgabe der "Esperanta Numismatiko" aus 2014 wird diese Medaille besprochen sie ist aus Messing war ursprünglich vollständig versilbert. Scheinbar nicht besonders gut, denn auch dort wird ein Exemplar wie deines praktisch ohne Versilberung abgebildet.
Die geprägte Auflage wird dort leider als unbekannt angegeben.
Grüße didius

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Re: Das Geld der Esperantisten

Beitrag von didius » Mi 19.02.20 22:13

Hallo zusammen,
hier eine weitere Ergänzung zu den ersten Coupons zur Währung Stelo.
In der 2. Ausgabe der "Esperanta Numismatiko" aus 2017 wird eine Zusammenstellung aller Aufdrucke/Überstempelungen geliefert. Teilweise wurden auch wohl zwei Überdrucke auf einem Schein gemacht.
bis 1950: Aufdruck rot
bis 1955: überstempelt violett
bis 1965: überstempelt violett
bis 1975: überstempelt grün
bis 1980: überstempelt violett
bis 1985: überstempelt rot
Insoweit muss ich den Zeitraum der Verwendung korrigieren. Habe ich oben im Beitrag geändert.
Grüße didius

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Re: Das Geld der Esperantisten

Beitrag von Erdnussbier » Do 20.02.20 10:15

Hallo didus!

Danke für die Ergänzungen : )
Versilberung kann ich auch keine Erkennen.
Täglich grüßt das Erdnussbier...

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Re: Das Geld der Esperantisten

Beitrag von didius » Mi 26.02.20 14:40

Weitere Ergänzungen…

Mit etwas Abstand zu meinem ersten Artikel zum Thema sind mir dann nun doch noch weitere/neue interessante Aspekte zur Währung, bzw. zum Geld bekannt geworden, die ich hier gerne teilen möchte :roll: .

Notgeld:
Oben hatte ich ja die Essensmarken zum Esperanto-Weltkongress im August 1923 in Nürnberg gezeigt, die ja nur bedingt als Notgeld bezeichnet werden können. Allerdings gab es bereits 1922 aufgrund der Inflation und des allgemeinen Geldmangels eine außergewöhnliche und höchst seltene Ausgabe eines Darlehensscheins der Esperanto-Arbeitsgruppe aus Düsseldorf.
Der abgebildete Schein über 50 Mark ist das bis dato einzig bekannte Exemplar und wurde 1990 für umgerechnet 250 Euro auf einer Auktion versteigert.
Notgeld_50_Mark.JPG

Darüber hinaus gab es zu Zeiten der Hoch-/Hyper-Inflation eine bisher ungeklärte Verwendung von Überstempelungen auf offiziellen Banknoten, bzw. Städte-Notgeld.
gestempelte_Scheine_Hochinflation_kl.jpg

Speso – Währung:
In den Niederlanden gab es im Jahr 1927, zwanzig Jahre nach der Einführung der Speso-Währung und der Gründung der Bank Ĉekbanko Esperantista, einen erneuten Versuch der Etablierung der Speso-Währung. Der Währungspionier Dreves Uitterdijk gründete zusammen mit Jan Hengel die Universala Spesmila Banko.
Es wurden Banknoten in 5 Wertstufen ½, 1, 2, 5 und 10 Spesmiloj ausgegeben. Allerdings hielt dieser Versuch nur für wenige Jahre an, bevor die Bank pleiteging.
spesmilo_1928_1_zus.jpg
spesmilo_1928_2_zus.jpg

Grüße didius

Quelle:
Esperanto-Numismatika Asocio, Ausgaben 2015/4, 2019/1 und 2019/2

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Re: Das Geld der Esperantisten

Beitrag von didius » Do 07.05.20 14:35

Wie ich Eingangs erwähnte war der Anlass dieses Beitrags ein Zufallsfund in meiner Sammlung.
Daher darf dieser jetzt ein neues Zuhause finden: viewtopic.php?f=6&t=57631&p=515841#p515841
Grüße didius

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