"Zengerle" Numismatik, Genealogie, Wappenkunde

Wie zahlten unsere Vorfahren? Was war überhaupt das Geld wert? Vormünzliche Zahlungsmittel

Moderator: Locnar

Gast

Beitrag von Gast » Fr 23.07.04 13:52

@Muenzenfreund - ich habe zwar nur das kleine Lat(r)inum, aber ....

... ZENT ist schon über das Vulgärlatein als CENT von CENTUM (100) in die deutsche Sprache eingegangen. Der ZENTNER sind 100 Pfund (heute heisst das Pfund leider "halbes Kilogramm" und der alte Begriff "Doppelzentner" ist wohl keinem Schulkind von heute mehr geläufig - ich kann mich noch daran erinnern, daß gerade die unmetrischen Maßeinheiten im Mathematikunterrricht für panische Verwirrung bei der Umrechnung in metrische Einheiten auslösten.

Insofern ist die Vermutung von pcmensch gar nicht so weit hergeholt.

@alle:

Habe noch etwas Interessantes herausgefunden:

Dem oberdeutschen ZEHENDER (ungefähr=ZENGERLE) entspricht das niederdeutsche TEGEDER (1382 Braunschweig), TEGENDER (1606 Lippe), TEGT oder TECHT (ebenfalls Lippe), TEGTMEYER o.ä, TEGHDEVOGHET (1369 Lüneburg).

Auch hier bedeutet der Name "Einzieher oder Verwalter des Zehnten, der Naturalabgabe der Bauern"

Es ist schon irre, wie Namen entstanden sind und welche teilweise unterschiedlichen Namen die gleiche Bedeutung haben.

Deutsche Vornamen lasen sich übrigens in wenige Kategorien bzgl. der Namensableitung einteilen:

1) geografische Herkunft (z.B. BREMER, BERNER)
2) Beruf (z.B. MEIER, MÜLLER, HECHT - f. Fischhändler)
3) körperliche Merkmale (z.B. SCHWARZ, BLOCK - dicker, kantiger Mann, BARTH, GROSS)
4) persönliche Eigenarten (z.B. ROMMEL - Lärmmacher, FROMM)
5) bedeutende Taten (z.B. RÖMER - hat eine Pilgerfahrt nach Rom unternommen, STANGE - Ritter=Speerkämpfer)

Alleine diese Tatsache verdeutlicht, daß Familien mit gleicher Namensherkunft nach den Gesetzen der mathematischen Kombinatorik und den daraus ableitbaren Wahrscheinlichkeitsverteilungen fast immer absolut nichts genetisch miteinander zu tun haben oder jemals hatten.

Selbst bei seltenen Namen ist grundsätzlich nicht davon auszugehen, daß irgendeine Verwandschaft besteht. Ich persönlich werde mindestens einmal pro Woche landauf, landab gefragt, ob ich verwandt mit einem weltberühmten Kinderarzt aus Göttingen sei. Nein - bin ich nicht, obwohl der Name JOPPICH nicht gerade häufig ist. Jedenfalls bin ich schon mindesten 1000 mal öfter befragt worden, als daß ich den Namen in irgendeinem fremden Telefonbuch gefunden habe.

Die Wahrscheinlichkeit, daß Familie ZINGERLE mit den ZENGERLEs oder den ZEHENDERn oder sogar den westfälischen TEGTMEYERn genetisch verwandt ist wahrscheinlich so gering, wie die, am Samstag den Lotto-Jackpott zu knacken. Gut - vielleicht enspricht ZENGERLE und ZEHENDER noch einem Fünfer mit oder sogar ohne Zusatzzahl.

Leider gibt es im deutschsprachigen Raum so gut wie keine Kirchenbücher mehr, die auf die Zeit vor dem Dreissigjährigen Krieg zurückgehen. Fast alle frühen Stammbaumverästelungen bleiben also für immer im Dunkeln, dank der durch die damals kriegführenden Parteien angezettelten "heissen Sanierung". Mein eigener Stammbaum lässt sich im Übrigen sogar nur bis in das Jahr 1716 zurückverfolgen (Dank des Rassenwahns der Nazis, die amtlich oder kirchlich bestätigte Ariernachweise von ihren Untertanen verlangten, haben sehr viele deutsche Familien im Sinne der Erforschung der eigenen Herkunft von diesem "Herrenwahn" profitiert).

@pcmensch:

Ein Tip: Die Mormonen führen in Salt Lake City, UT (USA) das weltweit umfangreichste genealogische Register. Sollten irgendeinmal Mitglieder deiner Familie nach Amerika ausgewandert sein - hat mit Sicherhaiet mal jemand gemacht - dann kannst du mit grosser Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, daß du deinen Namen in ihrer Datenbank findest.

Ich habe leider die URL nicht parat, aber mit Google solltest du sie finden. Dort wird dir mit Sicherheit selbstlos (vielleicht sogar mit Erfolg geholfen). Die Jungs in den schwarzen Anzügen und den Büchern unter dem Arm klingeln deswegen auch nicht zur umöglichen Zeit an deiner Haustür, um dich zu bekehren.

Gruß - petzlaff

pcmensch
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Registriert: Mi 14.07.04 09:43

Beitrag von pcmensch » Fr 23.07.04 16:41

http://www.familysearch.org/ENG/Search/ ... search.asp

also das hier dürfte was sein, zumindest spuckt die suchabfrage nach 'zingerle' nicht wenig ergebnisse raus.

interessant finde ich, dass man u.a. folgende 3 geog. blöcke rauslesen kann:

(süd)tirol/bayern
frankreich
u.s.a

gab es historisch bedingte auswanderungen richtung frankreich? in südtirol (nicht nur) wurden ja genau zu dieser zeit die franzosen (napoleon) vertrieben? klingt doch irgendwie unlogisch, oder?

falls nun zingerle/zengerle wirklich aus der gegend von cortina stammt, wundere ich mich doch etwas über die auswanderungen richtung norddeutschland, und frankreich.....

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Wurzel
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Beitrag von Wurzel » Sa 24.07.04 04:15

Alleine diese Tatsache verdeutlicht, daß Familien mit gleicher Namensherkunft nach den Gesetzen der mathematischen Kombinatorik und den daraus ableitbaren Wahrscheinlichkeitsverteilungen fast immer absolut nichts genetisch miteinander zu tun haben oder jemals hatten.
Irgendwie beruhigt mich Petzlaffs gute Forschungsarbeit, hätte sonst damit leben müssen, das ein evtl Vorfahre von mir Inquisitor war und auch noch ein Handbuch für Hexenprozesse und Folter mitverfasst hat :crazyeyes:

Hut ab Petzi. Gute arbeit ( wie immer :D )

Ich staune immer wieder über das Wissen über das hier viele Forumsteilnehmer verfügen

Gruss Wurzel

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