auch nen hausarbeitsproblem

Wie zahlten unsere Vorfahren? Was war überhaupt das Geld wert? Vormünzliche Zahlungsmittel

Moderator: Locnar

Pollio
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Beitrag von Pollio » Mi 16.05.07 12:03

Ich will ja nicht pingelig sein, aber der Euro ist nicht die einzige Münze, die nicht ihr Metall wert ist. Das gilt für jede Münze, die gültiges Zahlungsmittel ist (d.h. also es galt zu ihrer Zeit auch für antike, mittelalterliche oder frühneuzeitliche Münzen): der Nennwert ist immer höher als der Materialwert, weil aus der Differenz die Produktionskosten gedeckt werden. Außerdem machen die münzberechtigten Obrigkeiten immer auch einen Prägegewinn. Die Öffentlichkeit akzeptiert diesen höheren Nenn- als Materialwert, weil es Transaktionskosten spart, wenn man statt z.B. Rohsilber Münzen benutzt. Man muß dann schließlich nicht ständig Gewicht und Feingehalt prüfen.
Gruß Pollio

B12
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Beitrag von B12 » Mi 16.05.07 13:09

ich glaube, das hast du missverstanden...

Eine Münze, die nicht Ihr Metall wert ist, ist praktisch nichts mehr wert.
Die meisten Münzen sind mehr wert als Ihr Metallgehalt :-)

Daniel

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chinamul
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Beitrag von chinamul » Mi 16.05.07 13:23

Pollio hat geschrieben:Außerdem machen die münzberechtigten Obrigkeiten immer auch einen Prägegewinn.
Das trifft sicher auf die Gesamtheit des Hartgeldes in Euroland zu, nicht aber auf die einzelne Münze. Bei den ganz kleinen Stückelungen bis mindestens hinauf zum 5-Cent-Stück dürften die Kosten für Material, Prägung, Transport, Sicherheitsmaßnahmen und schließliche Verteilung bis zu den einzelnen Bankfilialen deren Nennwert bei weitem übersteigen. Erst aus einer "Mischkalkulation", die die Gesamtmenge der umlaufenden Münzen und Banknoten umfaßt, ergibt sich dann ein Gewinn für die jeweiligen Staatsbanken. So gesehen werden die es sicher nicht ungern zur Kenntnis nehmen, wenn mal ein Unglücksrabe versehentlich ein dickes Bündel Geldscheine im Ofen restlos verbrennt. Dagegen würde für sie ein Cent, der auf Nimmerwiedersehen in tiefes Wasser plumpst, einen echten Verlust bedeuten.

Gruß

chinamul
Nil tam difficile est, quin quaerendo investigari possit

Pollio
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Beitrag von Pollio » Fr 18.05.07 15:07

Interessant, das wußte ich nicht. Ich hätte angenommen, daß der Gewinn gerade bei Kleinmünzen besonders groß ist...

Danke für die Info!
Gruß Pollio

Gast

Beitrag von Gast » Sa 02.06.07 17:31

Die folgende Aussage kann ich nicht unerwidert im Raum stehen lassen:
Das gilt für jede Münze, die gültiges Zahlungsmittel ist (d.h. also es galt zu ihrer Zeit auch für antike, mittelalterliche oder frühneuzeitliche Münzen): der Nennwert ist immer höher als der Materialwert, weil aus der Differenz die Produktionskosten gedeckt werden.
Von der Antike bis in das frühe Mittelalter trugen Münzen aus "edlen" Metallen (Gold, Elektron, Silber, Kupfer) immer ihren Metallwert und waren keine Scheidemünzen. Wer etwas anderes behauptet, dürfte mit an Gewissheit grenzender Wahrscheinlichkeit ziemlich daneben liegen.

Bei Prägungen aus minderwertigen Legierungen (z.B. Billon mit weniger als 10% Silberanteil) oder "Cast" (also gegossenen Münzen war das anders. Trotzdem wurde bei Byzantinischen Münzen des frühen Mittelalters in Billon und Elektron der Feingehalt und damit der Metallwert aller Wahrscheinlichkeit nach durch spezielle Details (Beizeichen) im Münzbild dokumentiert !

Petzlaff

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KarlAntonMartini
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Beitrag von KarlAntonMartini » Sa 02.06.07 21:41

Trotzdem wurde der Münzmeister und seine Spesen immer aus dem Schlagschatz getragen. Sonst hätte der jeweilige Münzherr ja draufgezahlt. Grüße, KAM
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Pollio
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Beitrag von Pollio » Do 07.06.07 13:24

KAM hat Recht, soweit ich das beurteilen kann. Antike Prägerechnungen sind sicher nicht erhalten, aber ich habe mir eine ganze Menge solcher Rechnungen aus dem Spätmittelalter und aus dem 16. Jahrhundert angesehen und nachgerechnet. Nach diesen Quellen war der Materialwert immer geringer als der Nennwert. Das bedeutet nicht, daß höherwertige Nominale Scheidemünzen waren. Eine Differenz zwischen Nenn- und Materialwert von 5 bis 10 % dürfte normalerweise genügt haben, um Lohnkosten und Kosten für Brennstoffe, Säuren (zum Weißsieden), Werkzeuge usw. zu decken. (In diesen 5 bis 10 % war fast immer auch ein Schlagschatz enthalten.) Fälle von Quersubventionierung (wie jetzt bei der Kleingeldprägung) kenne ich aus dem Mittelalter und aus der frühen Neuzeit nicht, aber das muß natürlich nicht heißen, daß es so etwas damals nicht gab. Daß die Verhältnisse in der Antike im allgemeinen ähnlich waren, kann man nur vermuten. Aber ich halte es für sehr unwahrscheinlich, daß z.B. die Römer die Denarprägung ständig als Zuschußbetrieb geführt haben.
Gruß Pollio

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