Hallo zusammen
Noch eine münzgeschichtliche Anmerkung:
In Byzanz gab es eine "preussische" Verwaltung mit vielen Ober- und Unterbeamten, von denen jeder für sich sein kleines Reich sein eigen nannte. Das gilt auch für die Münzherstellung.
Die Münzen wurden in zahlreichen "Hauptabteilungen", die wiederum mehrere "Unterabteilungen" (Werkstätten=Offizinae) beaufsichtigten hergestellt. Letztere waren in einzelne "Arbeitsgruppen" aufgeteilt, welche ihrerseits aus eigenen Stempelschneidern und Prägemeistern bestanden. Weiterhin hatte jede Offizin das Regal selbstständig die Schrötlinge aus den Metallzainen zu schneiden. Gelegentlich gab es, etwa zu Inflationszeiten, oder zu Beginn einer neuen Indiktionsperiode (Haushaltsplanzeit), bzw. Herrscherwechsel einen Mehrbedarf an neuen Münzen, der durch Überprägungen oder durch den Einsatz privater Werkstätten, die kurzzeitig unter die Oberhoheit einer staatlichen Abteilung gestellt wurden (Kupferschmiede, Schmuckwerkstätten, etc.), ausgeführt wurden.
Die Hauptabteilungen waren für verschieden Münzmetalle zuständig.
Das ganze ergab eine Hierarchie, die logischerweise auch unterschiedliche Qualitäten hervorbrachte. In den Abteilunge nfür Gold (später Elektron) arbeiteten die "Profis", in denen für Silber (später Billon) die "Meister" und in denen für Kupfer die "Lehrlinge".
Gelegentlich wurde bei Überauslastung einer Werkstatt dieser eine offizinfremde Arbeitsgruppe zur Seite gestellt. Auch das verlief nach einem genau definierten Schema: Gold durfte Silber schlagen, Silber durfte Kupfer schlagen - oder andersherum: Kupfer durfte Silber schlagen, Silber durfte Gold schlagen. Nie jedoch Gold>Kupfer bzw. Kupfer>Gold.
Zu den Bodenfunden: Im Gegensatz zu den Römern, die ja Bronze (AE) verwendeten, prägten die Byzantiner in Kupfer, welches weitaus korrosionsanfälliger war und sich auch schneller abnutzte. Tatsächlich sind die Bodenfunde aus Wüstensand (z.B. Prägungen aus Antiochia) mit der schönen gelb-orangen Patina oft besser erhalten als die aus sauren Ackerböden.
Vielleicht liegt der Eindruck, Byzanz wäre grundsätzlich schlechter erhalten als Rom daran, dass es nicht so häufig bei eBay angeboten wird wie Rom. Damit ist natürlich die relative Schrottquote ebenso wesentlich höher. Wenn ich mir diverse Römerlots (1,50 pro Stück) anschaue - da ist fast nur Schrott drin. Fällt bloß nicht so auf wie bei Byzantinerschrott, weil die Münzen viel viel kleiner sind

und wesentlich seltener in größeren Lots angeboten werden.
Ich hoffe, diese Informationen sind wertvoll für die Diskussion
Lieben Gruß
petzi