Eine kleine Geschichte

Münzen des alten Byzanz

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Eine kleine Geschichte

Beitrag von Gast » Mo 12.01.04 14:27

Dieser junge Mann war 4 Jahre lang Caesar, bevor er Augustus wurde.

[ externes Bild ]

Die Ehefrau seines kaiserlichen Vorgängers hatte, so sagt man, wohl ein Auge auf den jungen Mann mit den Namen zweier bedeutender Kaiser aus der "gesamtrömischen" Vergangenheit geworfen. Unser Freund verbändelte sich aber lieber mit seiner aus Daphnudium stammenden Hofsklavin. Sie wurde in einer feierlichen Zeremonie in der Hagia Sophia zu Konstantinopel auf den Namen ANASTASIA getauft. Allerdings hielt sie sich ganz anders als ihre kaiserlichen Vorgängerinnen politisch im Hintergrund.

Vielleicht ist das der Grund, warum die kurze Regierungszeit bis auf etwas Ärger mit den Avaren ziemlich langweilig verlief.

Unser Freund glänzte eher durch seine Freigiebigkeit und Liberalität, was ihm verständlicherweise eine ungeheure Popularität einbrachte. Die inflationären Spätfolgen seiner finanziellen "Fürsorge" für das Volk brauchte er aus "gesundheitlichen Gründen" nicht mehr miterleben. Auf dem Krankenbett versprach er seine Tochter einem seiner besten Generäle, der aus Dankbarkeit den Namen seines kaiserlichen Gönners annahm und ihm bald auf den byzantinischen Thron folgen sollte.

Wer ist unser Kaiser ?
Wie sind die Jahresangaben auf seinen Münzen zu interpretieren ?
Wer waren seine historischen Namensvetter ?
Wie hieß die Tochter ?
Wer war der Nachfolger unseres Freundes ?
und ... welche Münze haben wir da abgebildet ?

Viel Spaß beim Stöbern

@IIIviri - bei uns bodenständigen Byzantinern läuft das alles ein wenig unkomplizierter ab als bei Euch Reströmern :lol:
Zuletzt geändert von Gast am So 08.02.04 07:29, insgesamt 1-mal geändert.

secundus
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Beitrag von secundus » Mo 12.01.04 22:44

Der Aufgestöberete war so viele Jahre an der Regierung wie er sich als Caesar unter senem Vorgänger gewährte. Bei den Jahresangaben auf seinen Prägungen sind diese Lehrjahre immer inklusive angegeben und beginnen mit V.
Seinen guten Namen gab er zum einen Teil seinem Schwiegersohn und zum anderen seiner Tochter.

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Beitrag von Gast » Mo 12.01.04 23:40

...secundus weiß, wo der Hase langläuft !!

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Beitrag von Gast » Mi 14.01.04 11:47

Ich bin Euch noch eine Erklärung schuldig:

Unser Freund ist TIBERIUS II CONSTANTIN (Caessr von 574 bis 578, gemeinsame Regierung als Augusti von JUSTIN II und TIBERIUS vom 26.9. bis 5.10.578, alleiniger Augustus von 578 bis 582.

Die Jahresangaben beziehen sich bei TIBERIUS immer auf seine Einsetzung als Caesar, deswegen gibt es auf seinen Münzen nur die Jahresangaben 4 bis 8.

Namensvetter waren natürlich TIBERIUS, der Nachfolger des AUGUSTUS und CONSTANTINUS I (der Große), der Begründer von Konstantinopel als Hauptstadt des römischen Weltreichs.

Seine Tochter CONSTANTIA heiratete den General MAURICIUS, der als MAURICIUS TIBERIUS der Nachfolger unseres gesuchten Freundes werden sollte und arg damit zu tun hatte, die verheerenden Folgen der finanziellen "Großzügigkeit" des TIBERIUS unter den Teppich zu kehren.

Die abgebildete Münze ist ein 20 Nummia Stück aus Konstantinopel, Offizin "Delta" (Sear 434, MIB 30). Während die Münzen aus dem ersten Regierungsjahr noch das gewohnte lateinische M (bzw. K und I) für die Denomitation der Kupfermünzen trugen, führte TIB im zweiten Regierungsjahr neue Münzen im Nennwert von 40, 30, 20, 10 Nummia ein, die reichseinheitlich mit lateinischen Nominalen gekennzeichnet waren. Vorher gab es lediglich hin und wieder Prägungen mit "X" aus den italienischen Münzstätten.

Gleichzeitig wurde der Kurs des Follis gegenüber dem Gold erhöht. Im Wert entsprach der neue Dreissiger (XXX) dem alten Follis (M) - weiter gab es Zwanziger (XX), Zehner (X) und Fünfer (U mit kurzem Abstrich rechts - die graecisierte Form des V). Hinzu kam ein neuer Vierziger (Follis), der statt des alten "M" ein ebenfalls graecisiertes "m" trug.

Münzen mit den Regierungsjahren 5 bis 8 und den neuen Nominalzeichen sollten immer als Kandidaten für TIBERIUS II betrachtet werden. Ausserdem trägt TIBERIUS meist eine bekreuzte Krone.

Interessant sind aber auch die Ausgaben aus dem 1. Regierungsjahr. Diese gibt es mit einem Kreuz und einem Christogramm über der Wertbezeichnung. Diese Zeichen kennzeichnen zwei unterschiedliche Münzfüsse, die nebeneinander im Umlauf waren. Kein Wunder, daß TIBERIUS die Währungsreform von 579 durchführte, um einheitliche Verhältnisse zu schaffen! Die Kreuz-Folles entsprachen 1/24 Pfund, die Christogramm-Folles 1/21 Pfund, waren also höherwertig. Der Dreißiger entsprach bei seiner Einführung 1/24 Pfund, also dem Wert des alten Kreuz-Follis.

Allgemein sind die Münzen des TIBERIUS viel seltener als die seines Nachfolgers. Gut erhaltene Stücke stellen in jeder Hinsicht eine schöne Bereicherung jeder Byzanz-Sammlung dar.

petzlaff

D.F.
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Beitrag von D.F. » Do 15.01.04 14:57

@petzlaff:
@IIIviri - bei uns bodenständigen Byzantinern läuft das alles ein wenig unkomplizierter ab als bei Euch Reströmern
Da mache ich es jetzt wie die Musketiere und rede "Einer für alle":
Ihr seid die Reströmer und wir die Vertreter des Ganzen! :wink:

Zur Sache: die wenige freie Zeit der letzten Tage habe ich mit sorgfältiger Lektüre anderer Dinge, die Du mir eingebrockt hast, verbracht (darüber andernorts), sonst hätte mir dieser nummulus samt Rätsel schon sehr gefallen! Tut mir leid...

Freundlichst und - meist - rätselfreudigst
D.F.

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