Untergewichtige Solidi aus Syrakus?

Münzen des alten Byzanz

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Theoupolites
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Untergewichtige Solidi aus Syrakus?

Beitrag von Theoupolites » Mo 01.07.19 22:32

Guten Abend allerseits!

In einem Paralleluniversum ... äääh. -forum, treibe ich mich schon länger herum; hier bin ich bis jetzt nur stiller Mitleser gewesen, vor allem bei meinem Sammelgebiet Byzanz. In besagter Parallelwelt, wo die Byzantiner ohnehin etwas schwächer vertreten sind, konnte mir niemand folgende Frage beantworten:
Mir ist aufgefallen, dass die byzantinischen Solidi aus der Prägestätte Syrakus seit Justinian II. bis zum Verlust Siziliens an die Araber im 9. Jahrhundert auffallend untergewichtig sind. In Konstantinopel werden zur selben Zeit normalgewichtige Solidi geprägt (~ 4,5g). Die Exemplare aus Syrakus scheinen dagegen fast alle so rund 15-20 Prozent unter dem Sollgewicht zu liegen (irgendwo zwischen ~ 3,5 und 4g). Für den byzantinischen Binnenhandel muss das doch vertrackt gewesen sein - warum sollte etwa ein Händler einen Syrakuser Solidus zum selben Wert annehmen wie einen Konstantinopolitaner? In der Literatur konnte ich weder über die Ursachen noch über die Auswirkungen etwas finden.
Kann mir vielleicht ein freundlicher Mensch aus diesem Forum eine Antwort oder einen Literaturtipp geben? Besten Dank vorab!
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Re: Untergewichtige Solidi aus Syrakus?

Beitrag von Theoupolites » Sa 13.07.19 22:46

Schade, offenbar weiß es hier auch niemand ... Immerhin haben sich viele von euch die Frage zumindest mal angeschaut - ist ja auch was. Also dennoch danke!

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Zwerg
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Re: Untergewichtige Solidi aus Syrakus?

Beitrag von Zwerg » Sa 13.07.19 23:50

Ich bin überhaupt kein Spezialist für Byzanz, aber eine Ursache für die Nichtantwort wird wohl sein, daß dies ein überaus komplexes Thema ist, das im Rahmen eines Forums kaum zu beantworten ist.
Anbei ein kleiner Ausschnit aus dem Buch von Angeliki Laiou
https://www.doaks.org/research/publicat ... -byzantium
Anmerkung 2019-07-13 234048.jpg
Welche Literatur hast Du denn zu Rate gezogen?

Grüße
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Re: Untergewichtige Solidi aus Syrakus?

Beitrag von kuddlbutschi » So 14.07.19 13:38

hallöle…….

Gedanken habe ich mir über das Thema Untergewicht bzw gefeilte münzen und geklippte auch schon gemacht.meiner Meinung spielte die "münze" an sich weniger an Bedeutung als das gewicht.war ja auch damals schon bekannt das die münzen durch Manipulationen an gewicht verloren...und wie du schon gesagt hast wird auch keiner einen halben solidus als gegenwert eines ganzen angenommen haben.ich denke es wurde bei geschäftsabwicklungen und käufen auf einer waage nachgewogen um das ist-gewicht zu bestimmen.die münzen wurden nur als Anhaltswert genommen....da sie auch in ihrem nominal in größe und dicke zu unterschiedlich sind.heutzutage würde das auch jeder über das gewicht bestimmen um nicht übers ohr gehauen zu werden

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Re: Untergewichtige Solidi aus Syrakus?

Beitrag von Zwerg » So 14.07.19 16:05

Das hat leider nichts mit irgenwelchen untergewichtigen und gefeilten Münzen zu tun sondern greift tief in die Wirtschaftsgeschichte des Byzantinischen Reiches ein.
Hier mußt Du Dich in die entsprechende Fachliteratur einlesen.
Die ist m.W. meist in Englisch und ziemlich dick!

Grüße
Zwerg
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Re: Untergewichtige Solidi aus Syrakus?

Beitrag von Theoupolites » Do 18.07.19 07:53

Danke, Zwerg! Hatte schon nicht mehr mit einer Antwort gerechnet. Du hast völlig recht, dass es nichts mit Befeilung o.ä. zu tun hat - die Münzen wurden gezielt so produziert. Spezifische Literatur zum Thema habe ich nicht gefunden; das Studium dicker englischsprachiger Bücher werde ich mir mal sparen. Dein freundlicherweise oben angeführter Ausschnitt besagt ja leider auch nicht viel mehr als "Alles kompliziert und nix Genaues weiß man nicht." Meine Vermutung geht ja dahin, dass die Währung auf Sizilien im 8./9. Jahrhundert nur noch recht lose an den Standard von Konstantinopel geknüpft war. Aufgrund der großen Entfernung und der Bedrohung durch die Araber gab es möglicherweise nicht mehr so viel Handel zwischen Sizilien und den Kerngebieten des Reiches, als dass man sich in der Hauptstadt noch groß hätte kümmern können oder wollen. Und falls doch mal ein Sizilianer in Konstantinopel aufgetaucht ist, wird man ihn halt gewogen und noch ein paar Folles drauf gerechnet haben...
Also nochmals Danke für deine Mühe! Und sollte ich wider Erwarten doch noch zu Kenntnissen gelangen, stelle ich sie hier auch gerne zur Verfügung ...
Grüße
Theoupolites

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