Der häufigste Typ davon ist ein Hemiobol mit einem Widderkopf auf dem Avers und dem Kopf eines jungen Mannes auf dem Revers, wie wir ihn hier im Forum auch schon gesehen haben.
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Bei meiner Sucherei rund um die Bätylmünzen aus Kaunos (viewtopic.php?f=49&t=73621) bin ich dabei auf einige neue Ansätze gestoßen, die in die Zuweisung dieser Münzen zu einer Prägestätte wieder etwas Bewegung bringen
1890 hat Jan Pieter Six drei Exemplare dieses Typs in "Monnaies grecques, inédites et incertaines (suite)", Numismatic Chronicle 1890, S. 185-259, auf Seite 256 beschrieben und einem Herrscher Audymon von Salamis auf Zypern zugeschrieben, der ca. 415-410 v. Chr. geherrscht haben soll: https://archive.org/details/numismaticc ... 6/mode/2up .
Diese drei Münzen befinden sich heute im British Museum (und sind immer noch so beschrieben wie vor mehr als 100 Jahren):
https://www.britishmuseum.org/collectio ... t/C_G-4213 , https://www.britishmuseum.org/collectio ... 841-B-2238 , https://www.britishmuseum.org/collectio ... t/C_G-4214
Im BMC Troas, Aeolis and Lesbos von 1894 wird ein Exemplar des Typs hier auf Seite 44 unter Nummer 14 Kebren in der Troas zugeordnet: https://www.britishmuseum.org/collectio ... 68-0619-75 . Dies wird aber schon als unsicher betrachtet, verwiesen wird auf den Artikel von Six.
In Babelons Traité wird dieser Typ in Band II-2 von 1901 unter den Nummern 1142 und 1143 beschrieben und auf die Münzen im BM Bezug genommen. Zugeordnet wird nun einem unbestimmten Herrscher auf Zypern.
Im BMC Cyprus von 1904 werden auf Seite 54 unter den Nummern 42-44 die drei Exemplare aus dem Six-Artikel nochmals beschrieben und auf Tafel XI als Nummern 5-7 abgebildet. Sie werden nun Salamis auf Zypern unter dem Herrscher Abdemon zugeschrieben (letzteren aber mit Fragezeichen): https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bd6t5 ... /f211.item , https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bd6t5 ... /f298.item
So ging es dann weiter, bis Hyla A. Troxell 1984 in "Carians in Miniature", in A. Houghton et al. (Hrsg.), "Studies in Honor of Leo Mildenberg", Wetteren 1984, S. 249-257 (leider nicht online verfügbar
Nachdem nun in den 1990er Jahren die Entzifferung der karischen Schrift weitergekommen war, kam 2009 Koray Konuk in "Kasolaba, a New Mint in Karia?" mit dem Vorschlag, als Prägestätte die Stadt Kasolaba anzusehen (die war zumindest eine Zeitlang Mitglied des Attisch-Delischen Seebunds und taucht in dessen Tributlisten auf): https://www.academia.edu/332819/Kasolab ... t_in_Karia . Nach damaliger Lesart entsprachen die Buchstaben 𐊠𐋃𐊫 auf den Münzen nämlich dem Lautwert "azo", was nicht so recht zu Halikarnassos passen will
Diese Zuschreibung fand dann durchaus Widerhall, wenngleich manchmal auch mit etwas Skepsis. Konuk hat diese Zuordnung teilweise schon selbst mit einem Fragezeichen versehen (z.B. hier: https://www.academia.edu/126359836/Kari ... _Sikkeleri).
In einem jüngeren Artikel von Ignasi-Xavier Adiego, einem der Spezialisten für die karische Sprache, mit dem schönen Titel "A Kingdom for a Carian Letter"
Das geht jetzt ziemlich tief ins Philologische
Dann hab' ich aber entdeckt, dass Koray Konuk letztes Jahr im September auf einem Kongress in Krakau einen Vortrag mit dem Titel "Back to Kasolaba" gehalten hat. Der Konferenzband ist zwar noch nicht erschienen, aber in den Kurzzusammenfassungen kann man (mit Bezug auf den Adiego-Artikel) lesen:
"As a result, a new attribution to Halikarnassos was argued, which, as will be shown, makes little sense. This new attribution did not take into account the new specimens in this group that bear Greek letters, especially those beginning with the letter K. I will try to show that there are now more reasons to support the original attribution to Kasolaba.": https://asia-minor-coinage.confer.uj.ed ... 2bb8f5146f
Konuk meint mit den neu aufgetauchten Münzen solche wie beispielsweise diese mit einem K auf dem Revers:
. (https://www.biddr.com/auctions/navillen ... &l=4056881)
Ein K gibt es in der karischen Schrift aber nicht, so dass diese Legenden griechische sein müssen. Dass im Laufe der Zeit bei einem Münztyp von einer lokalen Schrift auf die griechische umgestellt wurde, gab es auch in anderen Städten, beispielsweise bei den Ringerstateren aus Selge in Pisidien.
Das K passt dann wieder gut zu Kasolaba, da es aber auch Münzen mit KΔ als Legende gibt, bin ich gespannt, wie Konuk das interpretiert
Es gibt aber auch Exemplare eines kleineren Nominals mit EK als Legende, die auf den Satrapen Hekatomnos verweisen, der aber nach bisherigem Stand in Mylasa geprägt hat.
. (https://www.acsearch.info/search.html?id=13493684)
Dieser Münztyp scheint somit eine recht lange Verwendung gehabt zu haben, es bleibt also spannend
Die wohl gesamte bekannte Menge der hier behandelten Münzen kann man übrigens auf HNO schön sehen: http://hno.huma-num.fr/browse?mint=Kasolaba (wo ich jetzt endlich herausgefunden hab', wie man dort einen Link direkt auf nur eine Münzstätte setzt
Gruß
Altamura